Wie Algorithmen unser Leben verändern werden

Niemand weiß, wie die digitale Welt in 10 Jahren aussehen wird. Während sich die westlichen Gesellschaften in den letzten 50 Jahren nur marginal verändert haben, ändern sich digitale Praktiken sehr schnell: Wir haben alle die Zeit erlebt, in der wir mit Pseudonymen im Internet aktiv waren – heute sind die meisten von uns mit unserem Namen präsent; ohne dass sich viele Menschen überlegt haben, warum das so sein könnte.

Blicke ich in die digitale Zukunft und damit auch in die Zukunft von Social Media, dann denke ich meist an Algorithmen oder Bots. Die Science Fiction war lange von Robotern geprägt, Menschen nachgebildeten Geräten, die vollautomatisch operierten. Man kann die Form und sogar die Materialität weglassen und einfach von »Handlungsvorschriften, die nach einem bestimmten Schema Zeichen umformen« sprechen – wie das Mercedes Bunz in ihrem hervorragend Buch Die stille Revolution tut. Gibt es solche Handlungsvorschriften, dann gibt es natürlich auch entsprechende Geräte, die sie ausführen können – ohne dass es Menschen dazu braucht. Im Jahre 2020 wird es zwischen 50 und 100 Milliarden Geräte mit Internetanschluss geben; die alle Gegenstände und Lebewesen verwalten, nachverfolgen und orten können, die mit einem RFID-Chip ausgestattet sind. Schon 2007 gab es einen solchen Chip, der so klein wie ein Staubkorn war. Bunz spricht in ihrem Buch davon, dass diese Erkenntnis sofort zu einem Reflex führt, dass man an die totale Überwachung denkt – natürlich nicht zu Unrecht:

Wir sehen nur, wie eine bestimmte Technik in einem historischen Moment  eingesetzt wird, und vergessen darüber, dass man damit auch noch ganz andere, bessere Dinge anstellen könnte. Konzentrieren wir uns noch einmal auf den wesentlichen Aspekt des Internets der Dinge: Es erlaubt uns, Projekte, für die wir neben Menschen und Informationen auch materielle Gegenstände und Räume brauchen, wesentlich schneller, leichter und vor allem kostengünstiger zu organisieren. […] damit verlieren die großen, hierarchischen, über Mitgliedsbeiträge, Steuergelder oder die von Aktionären bereitgestellten Mittel finanzierten Institutionen des Industriezeitalters ihr Monopol auf Unternehmungen eines bestimmten Ausmaßes oder Komplexitätsgrades. (156)

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Während Bunz die Revolution der Algorithmen parallel zur Industrialisierung in einem gesamtgesellschaftlichen Rahmen beschreibt, möchte ich etwas konkreter zeigen, was Algorithmen für unseren digitalen Alltag bedeuten und wie sie heute – vielfach unbemerkt – schon präsent sind. Ich tue das anhand von sechs Beispielen, die ich kommentiere.

  1. Algorithmen in Smartphones erkennen heute automatisch, wie hell sie den Bildschirm stellen müssen, damit wir ihn lesen können; bemerken, ob wir auf den Screen schauen und wie wir das Gerät halten. Sie lernen unser Tipp- und Schreibverhalten und verbessern unsere Fehler automatisch. Sie schlagen uns Musik und Apps vor, die wir wahrscheinlich mögen. Sie kennen unsere Kontakte, wissen, wie und worüber wir mit ihnen kommunizieren.  Sie verbessern unsere Bilder automatisch. Wir werden nicht lange auf die ersten Optionen in sozialen Netzwerken warten müssen, die es erlauben, dass automatisch interessante Statusmeldungen, Bilder oder Videos gepostet werden. Schließlich können Algorithmen problemlos erkennen, nach welchen Mustern wir handeln. Unsere Smartphones werden unsere Umwelt wahrnehmen und in der Lage sein, Ausschnitte daraus zu teilen.
    Während wir heute nur noch in der Lage sind, etwas Bedeutsames zu erleben, wenn wir es digital festhalten, werden Algorithmen diese Aufgaben so für uns übernehmen können, dass wir die maximale Aufmerksamkeit unserer Kontakte erhalten. 
  2. Unsere Kontakte könnten bereits heute problemlos Algorithmen oder Bots sein. Mithilfe der im Internet verfügbaren menschlichen Äußerungen können Algorithmen selbständige Facebook-Profile füllen und mit anderen Usern zu interagieren. Spricht uns jemand Unbekanntes im Internet an, können wir heute nicht sagen, ob dahinter eine Person oder ein Bot steckt. Diese Unsicherheit wird zunehmen, wenn z.B. Unternehmen für die Kundenberatung etc. Algorithmen im großen Stil einsetzen, die menschliches Verhalten imitieren und so nicht als solche zu erknnen sind.
  3. Algorithmen können für uns Routinearbeiten erledigen. Sie werden dabei immer besser in der Lage sein, von uns zu lernen: Wir zeigen ihnen zwei, drei Mal, was wir machen wollen, uns sie führen den Schritt dann selbständig aus. Dadurch werden viele Arbeitsschritte ihre Bedeutung und ihren Wert verlieren; geistige Arbeit wird davon stark betroffen sein, vor allem, wenn sie aus Routinearbeiten besteht. Betrachten wir nur Berufe, die mit Büchern zu tun haben: Jeder Buchhändler und jede Bibliothekarin ist heute durch einen Algorithmus ersetzbar. Sie finden Bücher nicht nur schneller, sondern können relevante Passagen zitieren (Amazon sammelt für jede Buch die Passagen, die am häufigsten angestrichen werden) – und zwar aus allen Büchern. Zudem können sie Leserinnen und Leser anhand ihrer Lektüreerfahrungen besser einschätzen.
  4. Überhaupt sind Algorithmen fast in jeder geistigen Tätigkeit Menschen überlegen, die nicht hochtalentiert und enorm erfahren sind. Das zeigt sich sowohl am Schachspiel wie auch beim Pokern. Wettkämpfe sind nur noch möglich, wenn sicher gestellt werden kann, dass Algorithmen keine Rolle spielen. Damit ist auch gezeigt, dass Algorithmen uns Menschen verbessern werden. Sie werden unsere Schwächen kompensieren wie eine Brille das tut. Viele Menschen nutzen heute komplexe Computer mit schlauen Algorithmen, um ihr Gehör zu verbessern. Aus diesen Hörgeräten werden bald Denkgeräte entstehen, die verhindern, das wir vergessen, was wir nicht vergessen wollten, dass wir abschweifen, wenn wir uns konzentrieren wollen.
  5. Algorithmen werden Medien in andere umwandeln. Sie werden uns Texte vorlesen, bildlich darstellen oder Gehörtes verschriftlichen, wenn wir das wünschen. Sie werden Sprachen in andere übersetzen, in real-time und ohne Kosten. Sie werden unsere Gesten besser verstehen, als wir das heute können: Erkennen, wann Babys zur Toilette müssen, wann sie Schmerzen haben.
  6. Bereits heute finden wir Informationen nur noch dank Algorithmen. Google zeigt uns, was wir finden wollen – und zwar anhand von verschiedener, automatischer Abläufe, die unser Suchverhalten, das andere Menschen sowie weitere Kriterien berücksichtigen. Die Technik der Google-Suche kann an beliebigen Orten eingesetzt werden. Nehmen wir die iPad-Menukarte im Restaurant: Sie kann uns problemlos Vorschläge aufgrund unseres Essverhaltens sowie den Vorlieben anderer Menschen machen, kombiniert mit Preisüberlegungen, Wartezeit etc.

Algorithmen werden unbemerkt unverzichtbar werden. Heute können wir die Geräte eine Weile weglegen und ohne sie leben. Bald wird uns das so wünschenswert erscheinen, wie ohne Kleider aus dem Haus zu gehen. Auch das könnten wir, es ist aber nicht nur sozial geächtet, sondern auch meist sehr unbequem.

Von Algorithmen erstellte Kunst. Don Relya, donrelyea.com
Von Algorithmen erstellte Kunst. Don Relya, donrelyea.com

In seinem Buch Gadget hält Jaron Lanier fest, dass unsere Unfähigkeit, online zwischen Mensch und Algorithmus zu unterscheiden, eine Reduktion unseres Menschenbilds zeigt: Wir erwarten von einem Menschen nicht mehr als von einem Algorithmus. Das ist eine Sicht. Lanier behauptet, nur Menschen könnten Bedeutungen hervorbringen. Das darf stark bezweifelt werden: Bald werden uns vollautomatisch erstellte Bilder, Texte und Videos zu Tränen rühren und lachen machen, weil Algorithmen wissen, was für uns lustig ist und was berührend. Mit uns werden auch Algorithmen lachen und weinen – weil sie gelernt haben, wann Menschen das tun.

Die Digitalisierung bietet uns heute die Möglichkeit, eine andere Zukunft zu gestalten. Und aus ihr wird, was wir aus ihr machen. (160)

So der optimistische Schluss von Bunz‘ Buch. Unklar ist, wer wir sein werden, die diese Zukunft gestalten: Gibt es in zehn Jahren noch ein Ich ohne Hilfsmittel? Und: Wäre das zu bedauern?

 

Wie Jugendliche Privatsphäre verstehen

Jugendliche bauen oft im öffentlichen Raum Gemeinschaften auf: In Shoppingzentren, auf Plätzen, in der Schule. Nur so kann ihr Verständnis von Privatsphäre verstanden werden. Im Folgenden einige Gedanken zum Umgang von Jugendlichen mit Privatsphäre – die hinter das Vorurteil zurückgehen, Jugendliche würden hemmungslos schützenswerte Inhalte publik machen.

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Danah boyd versteht Privatsphäre nicht als juristisches Konzept, sondern als eine soziale Norm, die immer wieder neu ausgehandelt wird. Jugendliche kennen selten private Räume, sie teilen Zimmer oder müssen damit rechnen, dass ihre Eltern sich aus verschiedenen Gründen Zutritt zum Zimmer verschaffen. Diese grundlegende Erfahrung führt dazu, dass sie Privatsphäre als Kontrolle des Informationsflusses oder als Kontrolle der sozialen Situation verstehen. Privat sind für Jugendliche die Informationen, von denen sie bestimmen können, wer sie in welchem Kontext erhält und was damit geschieht. Jugendliche sind in Bezug auf ihre Privatsphäre mit paradoxen Verhaltensweisen der Erwachsenen konfrontiert: Einerseits beklagen sie, dass Jugendliche sich nicht um ihre eigene Privatsphäre kümmern würden und Informationen zu freizügig publizierten, andererseits verletzen sie die Privatsphäre von Jugendlichen systematisch, meist in der Absicht, sie zu schützen.

Dabei würde, so boyd, Zugänglichkeit und Öffentlichkeit verwechselt. Jugendliche haben klare Vorstellungen von Vertrauen und vom Umgang mit Informationen; ihre soziale Position sowie die Architektur von Netzwerken hindern sie aber oft daran, den Fluss von Informationen zu kontrollieren. Sie kommunizieren aber in einem für sie klaren Kontext, sie wissen, für wen Informationen oder Daten bestimmt sind und für wen nicht. Jugendliche entwickeln eine Art implizite Ethik des Informationsflusses, können sie aber oft nicht so umsetzen, wie sie das möchten, auch deshalb, weil es sich um Normen handelt, die sie nicht selbst bestimmen können. Man kann das mit einem analogen Beispiel verdeutlichen: Nur weil Eltern das Tagebuch ihrer Kinder lesen könnten, heißt das nicht, dass sie es lesen dürfen. Dasselbe gilt für soziale Netzwerke: Eltern zwingen ihre Kinder oft dazu, ihnen Zugang zu ihren Profilen zu gewähren; Lehrpersonen können den Facebook-Profilen ihrer Schülerinnen und Schüler oft Informationen finden, die klar privat sind. Wenn also Erwachsene sich Zugang zu privaten Informationen verschaffen können, dürfen sie diese Informationen nicht als öffentliche betrachten.

Die Verwechslung von Zugänglichkeit und Öffentlichkeit basiert auch auf technischen Möglichkeiten: Auch in analogen Gesprächen wäre es möglich, private Informationen öffentlich zu machen, aber es würde erstens soziale Normen verletzen und ist zweitens technisch schwierig zu bewerkstelligen. Analoge Kommunikation ist im Normalfall privat und muss mit viel Aufwand öffentlich gemacht werden. Die Struktur der sozialen Netzwerke und die Absichten der Jugendlichen führen aber nach boyd dazu, dass das analoge Muster umgekehrt wird: Sie kommunizieren im Normalfall öffentlich und verwenden ihre Anstrengungen darauf, bestimmte Informationen auszuschließen und nur privat zugänglich zu machen. Die öffentliche Form der Kommunikation meint aber nicht, dass sie alle etwas anginge, sondern vielmehr, dass sie die etwas angeht, von denen innerhalb der bestehenden sozialen Normen erwartet werden kann, dass sie die Informationen zur Kenntnis nehmen.

Für Jugendliche ist es von großer Bedeutung, sichtbar zu sein. Sie sind sich auch bewusst, dass diese Sichtbarkeit mit Nachteilen verbunden ist, und verzichten deshalb auch darauf, alles sichtbar zu machen, sondern nur bewusst gewählte Inhalte. Das lässt sich am Umgang mit Bildern gut ablesen, die Jugendliche oft auf ihren Profilen publizieren, aber nur dann, wenn sie darauf so erscheinen, dass sie mit ihrer Erscheinung einverstanden sind. In der JAMES-Studie 2012 gaben fast 40% der Jugendlichen an, dass sie es schon erlebt haben, dass ohne ihre Zustimmung Bilder veröffentlicht wurden; wiederum rund 40% davon haben das als störend empfunden. Bilder entstehen in einem Kontext, soziale Normen legen fest, wie sie zugänglich gemacht werden dürfen. Nur weil Jugendliche sich oft digital zeigen, heißt das nicht, dass auch andere sie zeigen dürften oder ihre Inhalte weiterverbreiten dürfen. Jugendliche müssen ihr Auftreten, auch digital, selber bestimmen können. Die Verletzung der Privatsphäre erfolgt in diesem Bereich aber nicht durch Peers, auch Eltern veröffentlichen oft Bilder von Jugendlichen, ohne dafür eine Erlaubnis einzuholen.

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Öffentliche Kommunikation erfordert zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre, die Jugendliche oft kunstvoll einsetzen oder gar erfinden. Es handelt sich um technische Möglichkeiten, aber auch um den Einsatz von Codes, von Täuschungen oder die Erfordernis von Vorwissen. So können beispielsweise Songtexte oft dazu dienen, eine Aussage zu machen, die nur Jugendliche, die den Song und seinen Kontext verstehen, entschlüsseln können. So ist es möglich, für alle sichtbar zu sprechen, die Bedeutung des Gesagten aber nur ausgewählten Adressatinnen und Adressaten zugänglich zu machen.

Das neue Latein: Javascript

Javascript ist das neue Latein, meine Damen und Herren, wir sollten uns zügig daher überlegen, wie wir die Wissensvermittlung bei Kindern und Jugendlichen dahingehend verändern, dass wir das Erlernen einer modernen Programmiersprache mit in die Lehrpläne aufnehmen – denn wir wollen doch alle, dass die nachwachsenden Generationen das Rüstzeug für die Zukunft erhalten.

Mit diesem Aufruf forderte Nico Lumma Ende November beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der Zukunft, eine Programmiersprache als zweite Fremdsprache in der Schule zu unterrichten.

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So zugespitzt der Vergleich auf den ersten Blick scheint – er lohnt genauere Überlegungen. Latein und Javascript dienen nicht die Verständigung mit anderen Menschen. Es sind Sprachen, die mit einer sekundären Absicht gelernt werden. Betrachten wir ein Argumentarium, weshalb in der Schule Latein gelernt werden muss, so stehen sechs Gründe im Vordergrund:

  1. Wer Latein lernt, kann andere Sprachen leichter lernen.
  2. Wer Latein lernt, beherrscht und versteht die eigene Sprache besser.
  3. Latein hilft, methodisches Denken und Problemlösekompetenz zu schulen.
  4. Latein ermöglich interkulturelles Lernen.
  5. Latein ist Förderung von begabten Schülerinnen und Schülern.
  6. Latein wirkt identitätsstiftend.

Auf den ersten Blick wird sichtbar: Viele dieser Argumente können auf das Erlernen einer Programmiersprache übertragen werden (Puristinnen und Puristen würden wohl eher für Lisp als für Javascript plädieren). Auch hier eröffnet man begabten Schülerinnen und Schülern ein enormes Lernumfeld, fördert methodisches Denken und hilft dabei, die eigenen Kommunikationsräume und -abläufe besser zu verstehen. Zudem hilft eine Programmiersprache dabei, andere wichtige Kompetenzen zu erwerben: Mathematische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge erschließen sich leichter, wenn eine Programmiersprache vorausgesetzt werden kann, zudem werden damit Fertigkeiten erworben, die für fast alle Studienfächer (auch für geisteswissenschaftliche) von Vorteil sind.

Man kann sich in Bezug auf kulturelle Aspekte fragen, ob es nicht auch einen Kulturbestandteil gibt, der mit dem Umgang mit Programmen zu tun hat – aber hier ist der identitätsstiftende Faktor sicher weniger groß als bei Latein.

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Fazit: Der Sinn des Vergleichs ist nicht eine Ablösung des Lateins durch eine Programmiersprache – dafür hat Latein eine zu geringe Bedeutung im heutigen Curriculum. Latein soll weiterhin gelehrt und gelernt werden, finde ich. Aber eine Programmiersprache – von der dritten Klasse weg – als obligatorisch zu erklären, würde auch den Fokus des unsäglichen Informatikunterrichts, der heute mehr Anwendung von Office-Produkten als etwas anderes ist, schärfen. (Vgl. auch dazu den Kommentar zum Lehrplan 21 und zur Behandlung der Informatik darin.)

Das Problem der Pornographie

In St. Gallen werden Kioskverkäuferinnen juristisch belangt, weil Pornografie sichtbar ausliegt, wie 20Minuten berichtete. Dieses Problem mutet anachronistisch an: Liegt doch Pornografie im Internet für alle sichtbar aus.

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Wie soll man als Erziehende mit diesem Problem umgehen?

Meiner Meinung nach gibt es vier mögliche Vorgehensweisen:

  1. Das Problem wird ignoriert, man tut so, als wäre nichts. 
  2. Man versucht, die pornografischen Inhalte von Kindern und Jugendlichen so lange wie möglich fernzuhalten: Ihr Surfverhalten zu überwachen, Blocksoftware einzusetzen etc.
  3. Man begleitet den Internetgebrauch von Jugendlichen und Kindern und spricht mit ihnen über ihre Erfahrungen – ohne im Voraus festzulegen, welche Erfahrungen das sein sollen oder nicht sein dürfen.
  4. Pornografie wird mit Jugendlichen zu einem gegebenen Zeitpunkt bewusst gemeinsam konsumiert, um eine offene Atmosphäre zu schaffen und medial dargestellte Sexualität verarbeiten und reflektieren zu können.

Es ist klar, dass die erste Haltung keine pädagogische ist und die zweite meistens vergeben: Klar kann man den Zugang erschweren oder ihn mit mehr Aufwand verbinden. Aber mit jedem WLAN-fähigen Gerät können Kinder in jedem Migrosrestaurant ins Internet und dort ansehen, was sie wollen.

Sinnvoll wäre also die Begleitung oder gar der pädagogisch verantwortete Konsum. Meiner Meinung nach kann ein Bewusstsein, dass die mediale Repräsentation von Vorgängen eine Selektion und eine Verzerrung der Realität ist, an anderen Gegenständen viel besser und einfacher gezeigt werden. Die Übertragung dieser Einsicht auf die Darstellung von Sexualität, also die Einsicht, dass inszenierte Sexualität nicht ein Abbild realer Sexualität ist oder gar eine Norm, kann Jugendlichen gelingen – sie kann aber auch ohne den Konsum von Pornografie erreicht werden.

Pädagogisch ist es wichtig, dass man mit Jugendlichen spricht, ihnen Fragen stellt, sie auch lobt. Es ist in einer solchen Atmosphäre sowohl zuhause wie auch in der Schule möglich zu fragen, ob sie schon pornografische Inhalte konsumiert haben und was sie dabei erlebt haben.

Das wäre meiner Meinung nach ein sinnvoller Zugang.

Der große Prozess gegen Facebook

Max Schrems, ein österreichischer Jurist, will’s wissen: Er sammelt im Moment Geld für eine große Klage gegen Facebook, wie Richard Gutjahr auf seinem Blog ausführlich berichtet. Der Hauptgrund: Facebook speichert im Hintergrund Daten von Usern, von denen die User aber nichts wissen und die sie auch nicht herunterladen können. Zudem speichert Facebook auch Daten von Menschen, die keinen Facebook-Account haben, um sie im Netzwerk darstellen zu können und Informationen über sie zu sammeln, die später relevant sein könnten. Schrems ist auch der Überzeugung, die Deaktivierung der Gesichtserkennungsfunktion in der EU sei eine Farce, weil User in der Schweiz ständigt Fotos von Menschen, die in der EU wohnen, hochladen und diese gescannt werden.

Hier Schrems im Video-Interview:

Schrems braucht Geld: Er sammelt auf seiner Seite 100’000 Euro, um finanziell in den Kampf gegen Facebook ziehen zu können. Man kann ihn auch mit kleinen Beiträgen unterstützen, die man zurück erhält, sollte er den Prozess nicht führen müssen.

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Facebook ordnet die Freunde – aber wie?

Gestern wurde eine Möglichkeit rumgereicht, wie man eine Liste einsehen kann, die Facebook von den Kontakten eines Users anlegt. Angelo Zehr hat eine Anleitung in seinem Blog gepostet:

  1. www.facebook.com öffnen und einloggen.
  2. Öffne den Quell­text der Seite (je nach Brow­ser im Menu oder per Rechtsklick)
  3. Suche nach der Buch­sta­ben­folge Orde­red­Fri­ends­Lis­t­In­iti­al­Data. 
  4. Kurz nach die­sem Begriff folgt eine Liste von Facebook-Benutzer-IDs.
  5. Öffnet man nun eine neue Face­book­seite nach dem Mus­terhttp://www.facebook.com/xxx (wobei xxx mit der gefun­den Use­rID zu erset­zen ist) gelangt man auf das Pro­fil des ent­spre­chen­den Facebook-Freundes.
Screenshot von Angelo Zehr. Klicken zum Vergrößern.
Screenshot von Angelo Zehr. Klicken zum Vergrößern.

Es stellt sich die Frage: Nach welchen Kriterien ordnet Facebook diese Liste? Man kann beobachten, dass viele intensiv genutzte Kontakte zuoberst stehen. So weit ich das überblicken kann, wurden viele Kriterien einfach mal vorgeschlagen (Chat-Frequenz und -Intensität, Profilansichten, Likes auf den Profilen, verbrachte Zeit auf Profilen etc.), aber es gibt keine klaren Hinweise.

Auf dem Fragenportal Quora ist die Frage momentan noch offen, ich erwarte, dass dort bald eine sinnvolle Lösung auftaucht. Oder vielleicht hier in den Kommentaren…

Schulgespräche mit Expertinnen und Experten via Twitter

Der direkte Kontakt mit Wissenschaftlerinnen, Künstlern, Politikerinnen und anderen Persönlichkeiten ist für Schülerinnen und Schüler von großem Wert. Sie sind Perspektiven ausgesetzt, die nicht primär mit dem Unterrichtskontext zu tun haben und erhalten direkten Zugang zu wichtigen Themen.

Oft erlebe ich es so, dass Klassen etwas überfordert sind mit solchen Begegnungen. Sie freuen sich darauf, sie hören dann aufmerksam zu – trauen sich aber kaum, ein echte Gespräch zu eröffnen. Nach wenigen zögerlichen Fragen zeigt sich dann in der Nachbesprechung, wie interessiert sie waren und wie viel sie zu einer interessanten Diskussion hätten beitragen können, nicht nur durch Fragen, sondern durch eigene Meinungen, Erlebnisse etc.

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Die Durchführung eines solchen Gespräches via Social Media bzw. Twitter hat viele Vorteile. Ich beziehe mich auf die Beschreibung eines Kommunikationskurses der Rutger University, wo ein Live-Gespräch mit Nathan Jurgenson, einem der interessantesten Theoretiker von Social Media (vgl. seine Gedanken zu digitalem Dualismus), durchgeführt wurde. Die verantwortliche Dozentin, Mary Chayko, beschreibt wichtige Aspekte, die bei einer solche Online-Begegnung beachtet werden müssen, damit sie erfolgreich durchgeführt werden kann:

  1. Die Klasse muss mit den technischen Mitteln und ihrem Einsatz so vertraut sein, dass keine Hindernisse entstehen. Idealerweise verwendet man eine Plattform, die Schülerinnen und Schüler kennen und nutzen. 
  2. Die Begegnung muss vorbereitet werden. Neben intensiver Lektüre relevanter Texte hat Chayko alle Lernenden gebeten, eine Frage zu formulieren und ihnen dazu ein Feedback gegeben. So kommt sicher eine Konversation in Gang.
  3. Die Person, mit der man spricht, muss ein solches Gespräch führen können, unter Umständen mit wenig Moderation durch die Lehrperson.
  4. Das Gespräch muss im Unterricht nachbearbeitet und ausgewertet werden.
  5. Der Einsatz von solchen Gesprächen muss sehr dosiert erfolgen (z.B. ein Mal pro Semester), er ist sehr aufwändig.

Nathan Jurgenson zog eine statistische Bilanz, wie oft er gefragt wurde und wie viele Antworten er gab:

http://twitter.com/#!/nathanjurgenson/status/258350385834643456

Chayko bewertet das Ergebnis als positiv – trotz des großen Aufwands. Das schönste Ergebnis war, dass sich ein face-to-face Backchannel ergeben hat. Das muss kurz erklärt werden: Oft wird Social Media als Backchannel bezeichnet: Bei Konferenzen, Sitzungen oder im Unterricht ergibt sich heute oft eine zweite Gesprächsschicht auf Social Media, wo andere Fragen gestellt und andere Themen diskutiert werden. Diese Backchannels können durch »Twitterwalls« sichtbar gemacht werden. Im Falle der Klasse von Chayko war der Backchannel aber im Unterricht: Die Studierenden haben gelacht und miteinander geredet, während sie mit Jurgenson diskutiert haben:

But my favorite outcome was the way the face-to-face “backchannel,” and the class as a community, began, during this event, to coalesce.

Zum Schluss noch ein technischer Hinweis: Mit Google+ ist es auch möglich, mehrdimensionale Begegnungen durchzuführen. Wie der Screenshot von Roland Gesthuizen zeigt, kombiniert es Videotelefonie mit Chats und gemeinsamer Bearbeitung von Dokumenten. Das kann für Gruppenarbeiten sinnvoll sein, würde bei Begegnungen aber auch ermöglichen, dass der Gast einen Vortrag halten könnte in einer Klasse und dann per Chat oder per Video befragt werden könnte.

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Die JIM-Studie 2012

Ende November ist die JIM-Studie 2012 veröffentlicht worden, mit der »Jugend, Information, (Multi-) Media« in Deutschland untersucht werden, also das Mediennutzungsverhalten Jugendlicher. Befragt wurde eine repräsentative Auswahl von über 1200 Jugendlichen, die Studie erscheint bereits zum 15. Mal.

Zusammenfassendes Ergebnis in Bezug auf die Mediennutzung ist eine gewisse Stabilität – man könnte auch sagen, eine Sättigung ist erreicht:

Die Nutzung der eher traditionellen Medien wie Radio und Fernsehen als auch der Gebrauch der „neuen Medien“ wie Internet und Handy erweist sich (hinsichtlich der Zuwendung) als stabil. (12f.)

Diese Mediennutzung verteilt sich wie folgt auf die Geschlechter und Medienarten:

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In Bezug auf die Nutzung des Internets sind folgende Daten relevant: Mehr als 85% der Jugendlichen haben einen eigenen Internetzugang (im Haushalt fast alle), 68% nutzen das Internet täglich, über 90% mehrmals pro Woche, knapp 90% halten die Nutzung des Internets für »wichtig« oder »sehr wichtig« – Musik zu hören ist aber wichtiger. Die Bedeutung des Internets erreicht einen Höhepunkt mit 16 und 17 Jahren und nimmt danach leicht ab.

In Bezug auf den Bildungshintergrund stufen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sowohl Printmedien und Bücher wie auch das Internet als wichtiger ein als ihr Alterskollegen in Haupt- und Realschule.

Bei widersprüchlichen Informationen genießt das Internet das geringste Vertrauen, wie folgende Grafik zeigt. Auch hier gibts es Bildungsunterschiede, vor allem in Bezug auf den Stellenwert des Fernsehens:

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Jugendliche nutzen das Internet rund 130 Minuten pro Tag, leicht weniger als 2011, je höher der Bildungsgrad, desto weniger lang nutzen Jugendliche das Internet (Gymnasium 124 Minuten, Hauptschule 157 Minuten). Der Hauptgrund für die Nutzung ist bei allen Jugendlichen die Kommunikation:

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Unter Kommunikation verstehen Jugendliche hauptsächlich Social Media. Auch hier nimmt die Nutzung mit dem Alter zu – und dann kurz vor 20 wieder ab. Rund 80% der Jugendlichen sind täglich oder mehrmals pro Woche auf Social Media aktiv. Hier macht die Studie aber eine große Stagnation aus:

Dass sich das Internet für Jugendliche zu einem echten „Mitmach-Medium“ entwickelt hat, kann auch im Jahr 2012 nicht bestätigt werden. Eigene Inhalte werden nur von einem Fünftel regelmäßig erstellt (ohne Communities), wobei auch hier der Löwenanteil auf das Schreiben von Beiträgen in Foren und das Einstellen von Bildern und Videos entfällt. Keine der Alters- oder Bildungsgruppen tritt hier besonders in Erscheinung und auch die geschlechtsspezifische Betrachtung zeigt keine Besonderheiten. (38)

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Social Media bedeutet für Jugendliche fast ausschließlich Facebook. Dort haben Jugendliche im Durchschnitt 270 »Freunde«, deutlich mehr als 2011 (200) und 2010 (160).

Dort werden hauptsächlich Nachrichten verschickt:

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Fast die Hälfte der Jugendlichen nutzt das Internet täglich oder mehrmals pro Woche für Schule und Ausbildung.

Die JIM-Studie untersucht auch Cybermobbing – mit einer recht offenen, unklaren Frage:

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Die Schule leistet, das zeigt die Studie auch, einen wichtigen Beitrag zum Aufbau von Medienkompetenz; vor allem auch bei jüngeren Schülerinnen und Schülern:

Die Ergebnisse zeigen, dass die Aufklärung im Bereich Medienkompetenz von Jugendlichen durchaus angenommen wird und sich sowohl in ihrem Medienwissen als auch im konkreten Nutzungsverhalten niederschlagen kann. (60)

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Das Fazit der Studie weist vor allem auf die steigende Nutzung von mobilen Internetzugängen hin:

Die Ergebnisse der JIM-Studie 2012 zeigen, dass die Medienwelt der Jugendlichen – trotz großer Kontinuität zum Beispiel bei der Nutzung von Fernsehen, Radio und Büchern – auch sehr dynamisch ist. Die aktuell stark ansteigende Nutzung von mobilem Internet macht deutlich, dass auch hier Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die dem Jugendschutz und den Bedürfnissen von Jugendlichen gerecht werden. Während bei Computern technische Vorkehrungen, Jugendschutzprogramme und Filter zumindest einen gewissen Schutz vor ungeeigneten Inhalten gewährleisten, gilt es entsprechende Möglich- keiten für Smartphones und die mobile Internetnutzung noch zu entwickeln.  (67)

 

Rezension: Stephan Porombka – Schreiben unter Strom

Viele der Bücher, die Social Media thematisieren, wählen einen kritischen oder pädagogischen Zugang, in dem es hauptsächlich um die Bedeutung des Medienwandels gibt. Stephan Porombkas Schreiben unter Strom zeigt die Möglichkeiten auf, die entstehen, wenn man kreatives, literarisches Schreiben mit der Kraft digitaler Kommunikation ausstattet:

Wer unter Strom schreibt, schließt automatisch alle Möglichkeiten ein und bringt sie ins Spiel, um sie immer wieder mit etwas anderem zu kombinieren und dadurch neue Impulse zu bekommen und sie gleichzeitig an andere weiterzugeben. (153f.)

Das Buch ist auf zwei Arten bemerkenswert: Es ist bis auf eine kurze Einleitung fast nur eine kurze Darstellung konkreter Schreibaufgaben und Projektarbeiten, in der die spezifische Charakteristik des Schreibens in sozialen Netzwerken aber klar präsentiert wird. Und es ist so klug und gleichzeitig stilistisch eingängig geschrieben, dass man sich nicht wundert, dass der Spiegel Porombka zu den besten Professoren Deutschlands zählt.

In der Einleitung hält Porombka fest, dass es angesichts einer Entwicklung, in der Konzentration durch Ablenkung ersetzt wird, nur die Verweigerung oder die Zweckentfremdung gibt: »Die User sollten mit den Geräten etwas tun, wofür diese auf den ersten Blick gar nicht vorgesehen sind« (10). Es ist klar, welche Variante für kreative Schreibprozesse interessanter ist:

Mit dem Experimentieren beginnen! Hands on! Auch auf die Gefahr hin, dass man alles Bekannte über den Haufen werfen muss und dabei in Zustände gerät, in denen die alten Orientierungsmuster für Kunst uns Leben abhandenkommen, ohne durch neue ersetzt zu werden. Auch das kann man lernen, wenn man unter Strom schreibt: dass sich das Auflösen der bekannten Zusammenhänge für produktive Schübe nutzen lässt. (13)

Die konkreten Aufgaben sind dann in Grundlagen – Nächste Schritte und Radikalisierungen gegliedert. Dort werden konkrete literarische Verfahren beschrieben, die unter Zuhilfenahme von bestimmten Tools literarische Texte hervorbringen können. Ihre Darstellung basiert auf einer Beschreibung von Goethes Werkstatt. Porombka interpretiert Goethes Bestrebungen, »in […] Räumen Menschen, Gegenstände, Reflexionen, Kommunikationen und Schreihandlungen so [zu organisieren], dass sie sich gegenseitig intensivieren«, als die Schreibwerkstatt, die heute Computer heißt:

Der Computer ist die Maschine, in der wir unsere Aktivitäten immer dichter vernetzen. Dieses fein gesponnene Netz ist unsere Werkstatt. Unser Atelier. Unser Labor, in dem wir mit Materialien experimentieren. Es ist der Ort, an dem wir die Welt für uns herstellen. Und mit der Welt gleichzeitig uns selbst. (19)

In den folgenden Abschnitten werden grundlegende Verfahren wie Remix und algorithmische Kunstproduktion beschrieben, aber immer auch die nötigen Netzwerke wie Twitter oder Hypertexte für Laien anschaulich erklärt. Die einzelnen Schreibaufgaben möchte ich hier nicht detailliert aufzählen – wer sich dafür interessiert, sollte das Buch unbedingt anschaffen: Es eignet sich hervorragend für Schreibkurse und für den Einsatz auf dem Gymnasium, weil es immer auch Links zu analogen Formen der Literaturproduktion schafft (z.B. könnte es gut als Begleitprojekt zu einer Werther- oder Kafka-Lektüre genutzt werden, da gibt es jeweils passende Kapitel).

Die Radikalisierung des Schreibens unter Strom führt den Autor dazu, vier Eigenschaften festzuhalten, mit denen solche kreativen Prozesse beschrieben werden können (121):

  1. Das Schreiben unter Strom ist ein kommunikatives Schreiben. Der Autor ist immer Sender und Empfänger zugleich. 
  2. Das Schreiben unter Strom ist nicht auf ein abgeschlossenes Werk angelegt.
  3. Das Schreiben unter Strom findet im jetzt statt. D.h. es »wird dauernd gefragt, was als Nächstes passiert.«
  4. »Schreiben unter Strom heißt, die Frage nach dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fiktion zurückzustellen.«

Diese Liste zeigt, dass Porombka nicht Experimente beschreibt, welche Hobbyschriftstellerinnen und -schriftsteller für Fingerübungen brauchen können, sondern sich Gedanken macht, was literarisch »als Nächstes passiert«. Er beschreibt ausführlich, wie lineares Erzählen erschwert wird und Erwartungen an Produkte und Prozesse in der Literaturproduktion unterlaufen werden. Virtuelle und reale Welt »verschalten« sich (150), Materialien werden »kombiniert, bearbeitet, varriiert, weiterentwickelt und wieder eingespeist« – »eine[] belende[] Form von Produktivität« (150).

»Locker bleiben!«, gibt Prombka als Devise mit (153). Diese Lockerheit führt dazu, dass man sich auf die Zufälligkeit und Flüchtigkeit einlässt, die das Internet auszeichnen, sich davon anstecken lässt und sich bewusst wird, dass man bald wieder was anderes tun wird. Dann steht man vielleicht auch auf und schreibt ohne Computer weiter.

 

Sicherheit und WhatsApp – ein Update

Ich habe Ende September kurz dargestellt, dass und wie es möglich ist, WhatsApp so zu hacken, dass man Zugriff auf die Daten anderer User erhält und in ihrem Namen Nachrichten verschicken und empfangen kann. Die neue Version von WhatsApp hat diese Lücke beseitigt.

Wie Heise heute berichtet, ist es aber mit einem recht einfachen Skript immer noch möglich, sich diesen Zugriff zu verschaffen:

Für die Account-Übernahme benötigten wir lediglich die Handynummer des Nutzers und die Seriennummer (IMEI) seines Smartphones – das sind beides Informationen, an die man leicht herankommt. Das eingesetzte Skript hat uns ein Leser zur Verfügung gestellt. Es generiert aus der IMEI das zur Anmeldung am WhatsApp-Server nötige Passwort.

Heise hat WhatsApp angeboten, bei der Lösung des Problems behilflich zu sein, aber bisher keine Antwort erhalten. Es ist also davon auszugehen, dass Kommunikation über WhatsApp nicht sicher ist, wie der Screenshot von Heise illustriert:

Screenshot, Quelle: Heise.