Das neue Latein: Javascript

Javascript ist das neue Latein, meine Damen und Herren, wir sollten uns zügig daher überlegen, wie wir die Wissensvermittlung bei Kindern und Jugendlichen dahingehend verändern, dass wir das Erlernen einer modernen Programmiersprache mit in die Lehrpläne aufnehmen – denn wir wollen doch alle, dass die nachwachsenden Generationen das Rüstzeug für die Zukunft erhalten.

Mit diesem Aufruf forderte Nico Lumma Ende November beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der Zukunft, eine Programmiersprache als zweite Fremdsprache in der Schule zu unterrichten.

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So zugespitzt der Vergleich auf den ersten Blick scheint – er lohnt genauere Überlegungen. Latein und Javascript dienen nicht die Verständigung mit anderen Menschen. Es sind Sprachen, die mit einer sekundären Absicht gelernt werden. Betrachten wir ein Argumentarium, weshalb in der Schule Latein gelernt werden muss, so stehen sechs Gründe im Vordergrund:

  1. Wer Latein lernt, kann andere Sprachen leichter lernen.
  2. Wer Latein lernt, beherrscht und versteht die eigene Sprache besser.
  3. Latein hilft, methodisches Denken und Problemlösekompetenz zu schulen.
  4. Latein ermöglich interkulturelles Lernen.
  5. Latein ist Förderung von begabten Schülerinnen und Schülern.
  6. Latein wirkt identitätsstiftend.

Auf den ersten Blick wird sichtbar: Viele dieser Argumente können auf das Erlernen einer Programmiersprache übertragen werden (Puristinnen und Puristen würden wohl eher für Lisp als für Javascript plädieren). Auch hier eröffnet man begabten Schülerinnen und Schülern ein enormes Lernumfeld, fördert methodisches Denken und hilft dabei, die eigenen Kommunikationsräume und -abläufe besser zu verstehen. Zudem hilft eine Programmiersprache dabei, andere wichtige Kompetenzen zu erwerben: Mathematische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge erschließen sich leichter, wenn eine Programmiersprache vorausgesetzt werden kann, zudem werden damit Fertigkeiten erworben, die für fast alle Studienfächer (auch für geisteswissenschaftliche) von Vorteil sind.

Man kann sich in Bezug auf kulturelle Aspekte fragen, ob es nicht auch einen Kulturbestandteil gibt, der mit dem Umgang mit Programmen zu tun hat – aber hier ist der identitätsstiftende Faktor sicher weniger groß als bei Latein.

Google

Fazit: Der Sinn des Vergleichs ist nicht eine Ablösung des Lateins durch eine Programmiersprache – dafür hat Latein eine zu geringe Bedeutung im heutigen Curriculum. Latein soll weiterhin gelehrt und gelernt werden, finde ich. Aber eine Programmiersprache – von der dritten Klasse weg – als obligatorisch zu erklären, würde auch den Fokus des unsäglichen Informatikunterrichts, der heute mehr Anwendung von Office-Produkten als etwas anderes ist, schärfen. (Vgl. auch dazu den Kommentar zum Lehrplan 21 und zur Behandlung der Informatik darin.)