Case: Twittern im Kindergarten

Ein Artikel in der New York Times dokumentiert den Einsatz von Twitter im Kindergarten. Die Lehrerin Jennifer Aaron nutzt Twitter mit einem Schulaccount (er ist geschützt) und publiziert mit ihrer Klasse drei Mal wöchentlich einen Tweet, also eine Nachricht von 140 Zeichen. Die Klasse einigt sich auf eine Nachricht, verschickt die – und Eltern, Großeltern und Interessierte können sie lesen.

Diese Idee scheint mir sehr sinnvoll zu sein. So kleine Kinder wären überfordert mit der Technik und den Möglichkeiten – Twitter ist so eine im wahrsten Sinne des Wortes soziale Aktivität, die relevante Informationen produziert. Die Lehrerin sagt:

To me, Twitter is like the ideal thing for 5-year-olds because it is so short. It makes them think about their day and kind of summarize what they’ve done during the day; whereas a lot of times kids will go home and Mom and Dad will say, ‘What did you do today?’ And they’re like, ‘I don’t know.’

Das sieht man auch im folgenden Video:

Elternabende zu Social Media

Im Interview mit Pressetext hält Tobias Albers-Heinemann, Medienberater und Betreiber des Bogs »Medienpädagogik-Praxis« sein Credo in Bezug auf Social Media fest:

Medienpädagogik heißt in Zeiten von Social Media vor allem, Eltern für die Begleitung ihres Kindes fit zu machen.

Deshalb böten sich Elternabende an, in denen es hauptsächlich darum ginge, bei Eltern das Interesse an Medienpädagogik und Social Media zu wecken – das sei für eine wirkungsvolle Begleitung entscheidender als entsprechende Kompetenzen.

Sehr wichtig scheint mir eine transparente Information der Eltern, wenn Social Media in der Schule eingesetzt werden. Was sollte ihnen vermittelt werden?

  1. Was macht man in der Schule genau?
  2. Wie schützt die Schule die Privatsphäre von Schülerinnen und Schülern?
  3. Wie verhindert die Schule Cybermobbing in Schulprojekten?
  4. Welche Informationen über ihre Kinder sind nach oder während Schulprojekten öffentlich einsehbar?
  5. Welche Infrastruktur brauchen Kinder, um Lernaktivitäten auch zuhause optimal nachgehen zu können?
  6. Welche Lernziele verfolgen Projekte mit neuen Medien?

Wichtig ist auch ein Punkt, den Albers-Heinemann hervorhebt – der als Motto für den Umgang mit Social Medie im schulischen Kontext gelten könnte:

Nutzung heißt aber noch nicht kluger Umgang. Die Frage lautet deshalb, wie weit sich die Schule erlauben darf, nicht auf diesen Zug aufzuspringen und nötige Kompetenzen zu vermitteln.

 

Vorstellung: Mapping Wikipedia

Das Oxford Internet Institute hat eine interaktive Karte von Wikipedia veröffentlicht:

Sie ermöglicht es, sich Visualisierungen von verschiedenen Statistiken in Bezug auf ortsbezogene Artikel und Objekte anzeigen zu lassen, um die globale Bedeutung von Wikipedia zu veranschaulichen. Es lohnt sich, damit zu spielen – nicht nur, um zu merken, wie Wikipedia-verwöhnt man in Europa ist, sondern auch, weil die Darstellungen wunderschön aussehen, wie ein paar Beispiele von der Projektbeschreibungsseite zeigen:

Handys im Unterricht

Andres Streiff hat einen Educa-Guide verfasst, in dem die Möglichkeiten des Lernens mit Handys im Unterricht thematisiert werden:

Handys und Smartphones müssen heute nicht mehr nur für den Freizeitbedarf genutzt werden. Sie können Schülerinnen und Schülern auch das Lernen erleichtern und Zeit sparen. Der vorliegende educa.Guide will Volksschulen den Einstieg ins M-Learning erleichtern. Dabei geht es dem Autor darum, aufzuzeigen, wie man konkret zum Entstehungszeitpunkt des educa.Guides (Herbst 2010) an die Umsetzung gehen kann. Er berichtet aus seinen eigenen Erfahrungen mit mobilen Kommunikationsgeräten im Unterricht.

Der Guide kann hier heruntergeladen werden, dort gibt es auch weiterführende Materialien. Lizenz des Guides: CC BY-NC-ND.

Schulbücher öffentlich zugänglich machen – Das Beispiel Polen

Wie Nowoczesnapolska.org.pl berichtet, führt eine Kooperation zwischen verschiedenen Regierungsstellen und NGOs in Polen dazu, dass die Schulbücher für die 4. bis 6. Klasse unter einer Creative Commons BY-Lizenz veröffentlicht werden. Das heißt, die Lehrmittel dürfen z.B. frei kopiert, angepasst und überarbeitet werden. Das ermöglicht auch ihre Verbreitung im Internet. Polen hat dafür 15 Millionen Dollar ausgegeben.
Im Text heißt es:

Using educational materials in a free and unrestricted way is more than crucial for effective educational system. We believe that a right to use, re-use, improve and adapt human knowledge to one’s needs is just one of the basic human rights. We are very pleased that Polish government now sees the problem of access and right to use educational resources as its own responsibility.

Polen tut damit, was bei der Erstellung von öffentlich finanzierten Inhalten die Regel sein sollte: Sie uneingeschränkt öffentlich verfügbar und verbreitbar machen.

Vorstellung: Foursquare

Foursquare ist ein soziales Netzwerk, das an Standorte oder Lokale geknüpft ist. Mit einem Computer oder einem mobilen Gerät kann man an einem bestimmten Ort »einchecken«: Z.B. in einem Restaurant, in einem Stadion, bei sich zuhause etc.

Damit kann man drei Ziele verfolgen:

  1. Man teilt seinen Foursquare-Freunden mit, wo man ist. (Via Foursquare kann man das auch seinen Twitter- oder Facebook-Freunden mitteilen.) Die Mitteilungen können mit Kommentaren und Photos versehen sein.
  2. Man gibt Empfehlungen oder Feedback zu Lokalen ab (z.B. kann man sagen, was die Spezialität einer Bäckerei ist, wo man sich im Stadion nicht hinsetzen soll etc.). So können die nächsten Eincheckenden diese Informationen abrufen.
  3. Man nimmt an einem Spiel teil, das grundsätzlich so funktioniert: Wer am häufigsten an einem Ort war, wird der »Mayor« dieses Ortes – also der Bürgermeister. »Mayors« erhalten in einigen Restaurants Gratisgetränke etc.
    Zudem kann man »Badges« erhalten, eine Art Plaketten, mit denen man fürs Einchecken belohnt wird. Eine vollständige Liste gibt es hier.

Die Funktionalität von Foursquare ist mittlerweile auch in Facebook integriert.

Facebook und junge Frauen: Eine Studie und eine App

Der Psychologe und Arzt Leonard Sax hat ein Buch über krisenauslösende Momente im Leben junger Frauen geschrieben: Girls on Edge. Er behauptet, Facebook mache junge Frauen unglücklich. Konkreter: Je mehr Zeit eine junge Frau auf Facebook verbringe und je mehr FB-Freunde sie habe, desto eher würde sie depressiv.

Er argumentiert wie folgt: Erstens würde auf Facebook ein Vergleich der Lebensqualität vorgenommen. Je mehr andere Menschen man sehe, die scheinbar glücklich sind, desto unglücklicher fühle man sich selbst, weil das eigene Leben im Vergleich mit den auf Facebook präsentierten Leben nicht standhalten könne. Zweitens würde man auf Facebook gezwungen, eine hohe Zahl an halb-intensiven Freundschaften zu pflegen, was einen der Fähigkeit beraube, wenige, ganz enge Freundschaften zu unterhalten, die man aber in diesem Alter brauche.

Sax empfiehlt Eltern, die Zeit zu limitieren, in denen Mädchen auf Facebook aktiv sein dürfen. In den Zeiten des mobilen Internets eine schwer umzusetzende Forderung.

Eine ganz andere Gefährdung junger Frauen (und auch von jungen Männer, darf man anfügen) wurde durch die App Girls Around Me aufgezeigt. Die App ermöglicht den Benutzern, zu sehen, wo in der Umgebung sich Frauen aufhalten oder aufgehalten haben – und zeigt Bilder, Statusupdates und weitere Informationen dieser Frauen an.

Bildquelle: cultofmac.com
Bildquelle: cultofmac.com

Man könnte nun meinen, die App zeige Prostituierte an oder Frauen, die sich bei dieser App registriert haben – das ist aber falsch. Die App hat systematisch Facebook und Foursquare gescannt und Daten verwendet, die Frauen (meist ohne ihr Wissen) auf diesen Diensten öffentlich sichtbar machen. Noch einmal: Die hier abgebildeten Frauen wussten nichts davon, dass sie in dieser App auftauchen.

Mittlerweile wurde die App aus dem App-Store gelöscht, wie auch die NZZ berichtet. Dennoch ist das ein eindrückliches Beispiel, wie die öffentlich verfügbaren Informationen verwendet werden können. Der Fokus auf jungen Frauen ist dabei nicht nötig – die Gefährdung ignoriert Geschlechtergrenzen.

Update, 5. April 2012: Auf dem feministischen Blog der Mädchenmannschaft wird eine andere Perspektive eingenommen, die gut nachvollziehbar ist. »Wenn Sie für einen Dienst nichts bezahlen, sind Sie offenbar nicht Kundin oder Kunde, sondern die Ware, die verkauft wird«, zitiert das Blog Andrew Lewis. Gerade das Verkaufen von Frauen und das Stalken von Frauen sei das Problem. Dagegen müsse angegangen werden:

Was wir in der Debatte brauchen, ist die klare Ansage, dass Stalking nicht ok ist, auch wenn das Opfer es einem „leicht“ macht. Was wir nicht mehr brauchen, sind Ratschläge an Frauen, sich öffentlich unsichtbar zu machen.

Forderungen zur »Digitalen Wende« an den Schulen

Im Digilern-Blog Lutz Berger und Martin Lindner (Wissmuth) werden die 2012 in Ottobrunn bei München aufgestellten Forderungen für einen aufgeschlossenen Umgang der Schulen mit digitalen Technologien zusammengefasst. Ich raffe hier zusätzlich und stelle nur Kernaussagen dar und erlaube mir, einige Formulierungen zu übernehmen:

  1. Die »Digitale Wende« kann nicht von oben, also top-down, geplant und vollzogen werden, sondern muss unter Mitwirkung der Leute erfolgen, die Erfahrungen mit »Lernen im Netz« haben.
  2. Die gezielte Förderung von Eigeninitativen, die Freistellung von Pionieren, die Förderung von Netzwerken und »Zellen« engagierter Lehrerinnen und Lehrern ist von großer Bedeutung.
  3. Die Selbständigkeit der Schulen stärken. Zuerst einmal muss man da gezielt fördern, wo sich Eigeninitiative regt.
  4. Netzwerke an Schulen müssen mit den Technologien und Praktiken von Web 2.0 operieren.
  5. Lernen im Netz und mit dem Netz führt zu einer anderen Didaktik: weniger Frontalunterricht, mehr Projektlernen, mehr selbstgesteuerte Aktivitäten einzelner Schülerinnen und Schüler.
  6. »Digitales (Netz-)Lernen« setzt notwendig das Sammeln, Anreichern und Teilen von selbst produzierten Inhalten und Materialien voraus. Das Prinzip ist es, Inhalte nicht redaktionell vorab auszuschließen, sondern durch einen gemeinsamen Prozess aus einem möglichst großen Pool heraus zu verbessern und zu filtern.
  7. Nötig ist darum die Förderung der Initiativen für Freie Bildungsmedien, so genannten Open Educational Ressources (OER), die von netzerfahrenen Lehrpersonen ausgehen.
  8. Schulen können »Präsenzlernen« und »Netzlernen« unterschieden: Nicht alle Lernprozesse müssen vor Ort stattfinden. Damit können lange Schulwege vermieden und unter Umständen in Gemeinde kleinere Lerngemeinschaften etabliert werden, welche das Netz nutzen.

Risiken im Umgang mit Social Media

Im Sinne einer umfassenden Prävention ist es an der Zeit, dass Lehrpersonen auch kompetent auf Gefahren aufmerksam machen, die Social Media-Aktivitäten mit sich bringen. Dabei sind zwei Punkte meiner Meinung nach entscheidend:

  • Prävention sollte zum Ziel haben, dass Jugendliche eine Distanz einnehmen können und »nein« sagen können.
    Es kann nicht das Ziel sein, ihnen ein schlechtes Gefühl zu geben, wenn sie auf dem Internet sozial aktiv sind oder sie zur Abstinenz zu erziehen, sondern sie kompetent und risikobewusst werden zu lassen.
  • Prävention erfordert von einer Lehrperson keine Detailkenntnisse in Facebook, Twitter und beim Schreiben von Blogs – genau so wenig, wie eine Lehrperson Gelegenheitsraucher oder -raucherin sein muss, um Rauchprävention thematisieren zu können.

Im Folgenden präsentiere ich eine fokussierte Zusammenfassung der Risiken, die als Ausgangslage für entsprechende Unterrichtseinheiten dienen kann. Ich werde wichtige Punkte fortlaufend ergänzen und die Zusammenfassung präzisieren. Für Hinweise in den Kommentaren bin ich dankbar.

1. Wer liest, was ich schreibe? 

Kommunikation im Internet kann privat, halb-öffentlich oder öffentlich sein. Problematisch ist die Verwischung dieser Bereiche, was an zwei Beispielen gezeigt werden kann:

  1. Wer sind Freunde von Freunden? 
    Viele auf Facebook geteilte Bilder oder Notizen können sich »Freunde von Freunden« ansehen. Wer ist das?
    Angenommen, man hat 200 Freunde und alle dieser Freunde haben wieder 200. Dann heißt das, dass 200×200, also 40’000 Menschen lesen können, was ich schreibe (etwas weniger, wenn mal alle mehrfach vorkommenden abzieht). Konkret aber: Die ganze Schule, der ganze Verein, das ganze Dorf.
    Man sagt, alle Menschen auf der Welt kennen sich über fünf Stationen (»Kleine-Welt-Phänomen«) – was umgekehrt heißt, dass sich über zwei Stationen schon viel mehr Menschen kennen, als man denken würde. »Freunde von Freunden« ist kaum zu unterscheiden von »alle«.
  2. Was kann mit privaten Chats geschehen?
    Was in einem Chat geschrieben wird, ist auf einem anderen Computer abrufbar. Es kann kopiert werden – und dann veröffentlicht. Wenn man der besten Freundin heute schreibt, was man über Charlotte wirklich denkt – wie weiß man dann, dass Charlotte in einem Monat oder einem Jahr nicht eine Kopie von dem erhält, was man heute geschrieben hat?
    Grundsätzlich wird alles, was ich in privaten Konversationen schreibe, für immer so gespeichert, dass es öffentlich werden kann.

2.  Wer bin ich im Internet – und wer sind die anderen?

Oft verwendet man Pseudonyme im Internet – ich schreibe nicht unter meinem richtigen Namen, sondern als »D0nald$12«. Dennoch kann leicht herausgefunden werden, wer man ist:

  • Man hinterlässt mit seinem Computer und Internetanschluss Spuren, die zwar nicht direkt sichtbar sind, aber entschlüsselt werden können.
  • Man hinterlässt an verschiedenen Orten viele Informationen, die zusammen viel über einen verraten.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass man mit einem Pseudonym nicht besser geschützt ist als ohne.

Gleichzeitig weiß man aber nie, wer andere sind. Auch Profile, mit denen man ganz lange gechattet hat, denen man vertraut – sind nur Profile. Dahinter stecken Menschen, die vielleicht ganz andere Absichten haben, die einen täuschen können. Man soll nicht allen Menschen, mit denen man im Internet kommuniziert, pauschal böse Absichten unterstellen – ihnen aber nur so weit vertrauen, wie man keinen großen Schaden erleiden kann: Das gilt besonders für Bereiche, in denen sich die virtuelle Realität mit der gelebten überschneiden (also Treffen, Bankkonten etc.).

Hier kann man sich die Anekdote in Erinnerung rufen, wie sich zwei Menschen in einem Forum ineinander verliebt haben. Das Problem der einen Person war nun, dass sie sich als »normalgewichtig« bezeichnet hatte, obwohl sie übergewichtig war. Deshalb zögerte sie ein Treffen hinaus – um dann schließlich herauszufinden, dass die andere Person genau dasselbe getan hatte. Moral: Genau so, wie ich mich selber nicht als mich selbst darstelle, tun das auch andere nicht im Internet.

3. Wie viel Information ist zu viel Information? 

Menschen haben das Recht auf eine Privatsphäre: Ich muss meine Geheimnisse, Gedanken, Daten etc. niemandem verraten, wenn ich das nicht will. Diese Privatsphäre ist wichtig – nicht nur für mich, sondern auch für andere.

Wenn ich also etwas ins Internet schreibe, dann kann ich zwar Persönliches von mir preisgeben, wenn ich das möchte. Aber sobald ich Informationen über meine Freunde, meine Familie etc. veröffentliche, verletze ich damit ihr Recht, darüber zu bestimmen, wer was weiß.

Wichtig ist, dass mir gerade im Zusammenhang mit 1. folgender Grundsatz präsent ist: »Alles, was ich ins Internet schreibe, wird für immer gespeichert und kann möglicherweise von allen gelesen werden.« Gerade abschätzige Kommentare über Mitmenschen, Schulen und Organisationen kann einem später zum Verhängnis werden, auch wenn man selbst längst vergesssen hat, dass man das je gesagt oder geschrieben hat.

Zudem nutzen auch kriminelle Menschen das Internet. Macht man es ihnen zu leicht, herauszufinden, wer wann in den Ferien ist und den Hausschlüssel im Blumentopf versteckt hat, muss man sich nicht wundern, wenn der Goldschmuck nicht mehr da ist, wenn man aus den Ferien zurückkommt.

Wichtig ist also, gut zu überlegen, welche Information man warum veröffentlicht. Viele Informationen können auch kombiniert werden, ohne dass wir daran gedacht hätten. (Was wir vor drei Jahren auf Facebook veröffentlicht haben, ist immer noch dort…)

4. Passwörter sind kein sinnvoller Vertrauensbeweis

Junge Menschen tauschen Passwörter, um sich gegenseitig ihrer Liebe zu versichern oder ihr Vertrauen zu demonstrieren (hier ein guter Artikel aus der New York Times). Dieses Vorgehen ist gefährlich: Freundschaften zerbrechen, Vertrauen wird missbraucht.

Passwörter sollten persönlich sein. Wer aufgefordert wird, sein Vertrauen zu beweisen, sollte entgegnen, dass Vertrauen gerade nicht bewiesen werden kann oder muss. Vertrauen ist nicht Kontrolle.

Generell sollten Passwörter nicht leicht zu merken sein und regelmässig geändert werden, dafür gibt es einfache Tools, die hilfreich sind, z.B. OnePassword.

5. Privatsphäreneinstellungen und Konten löschen – hilft das? 

Es gibt keine Social Media-Plattform, bei der es möglich ist, die Privatsphäre klar zu schützen und mit einer Löschung des Kontos sämtliche Informationen aus dem Internet zu entfernen. Diese Aussage ist wohl leicht übertrieben, aber ein hilfreicher Leitgedanke.

Das heißt nicht, dass man nicht bei jedem Netzwerk sich darüber im Klaren sein soll, wo Privatsphäreneinstellungen vorgenommen werden können und wie ein Konto gelöscht werden kann. Aber darauf zu vertrauen, ist gefährlich.

6. Mein soziales Umfeld im Internet

Jeder erwachsene Mensch kann nur 150 soziale Beziehungen unterhalten. Ob ich diese Beziehungen nun im Internet unterhalte oder nicht, ändert an dieser Tatsache nichts.

Virtuelle Beziehungen haben andere Eigenschaften als reale. Darüber sollte man nachdenken. Man exponiert sich im Internet auch, wird leichter angreifbar: Es ist leicht, einen gehässigen Kommentar zu schreiben, viel leichter, als eine Person direkt zu beleidigen. Ist man in Social Media aktiv, setzt man sich der Gefahr aus, beleidigt, bedroht, belästigt zu werden. Wenn das passiert, muss man sich an jemanden wenden, das mitteilen und sich wehren.

7. Sucht und Digitale Einsamkeit

Zuletzt kommen wir zu den psychischen Gefahren, die Social Media mit sich bringen. Es ist klar: Nicht jede Nutzerin von Facebook und jeder Nutzer von Twitter ist abhängig und erfährt psychische Probleme. Es handelt sich um Werkzeuge, die sinnvoll eingesetzt werden können. Sie bringen aber auch eine Gefahr mit sich, andere, wichtige Dinge zu ersetzen, zu verunmöglichen. Sie können uns einsam machen – und abhängig.

Der Kulturkritiker William Deresiewicz beschrieb 2010 im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, wie uns Social Media einsam machen:

[Die] Moderne [ist] von der Angst des Einzelnen geprägt, nur eine einzige Sekunde von der Herde getrennt zu sein. […] Ich möchte eine Analogie ziehen: Das Fernsehen war eigentlich dazu gedacht, Langeweile zu vertreiben – in der Realität hat es sie verstärkt. Genauso verhält es sich mit dem Internet. Es verstärkt die Einsamkeit. Je mehr uns eine Technik die Möglichkeit gibt, eine Angst des modernen Lebens zu bekämpfen, umso schlimmer wird diese Angst bei uns werden. Weil wir ständig mit Menschen in Kontakt treten können, fürchten wir uns umso mehr, allein mit uns und unseren Gedanken zu sein.

Für die Abhängigkeit gilt das, was für alle Suchtmittel gilt: So lange ich etwas genießen kann, darf ich das auch. Sobald ich es aber genießen muss, genieße ich es nicht mehr – und bin abhängig. Diesen Übergang gilt es zu vermeiden.

[Für Eltern und Lehrpersonen empfiehlt sich eine Lektüre des Leitfadens des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) als pdf.)

Digilern-Keynote: »Web 2.0 in der Schule – Weshalb sollte ich das denn auch noch machen?«

Der Mathematikdidaktiker Christian Spannagel hat auf dem Kongress zum Lernen mit digitalen Medien (DigiLern) eine Keynote gehalten, in der er der Frage nach geht, welche Vorteile die Integration von Web 2.0 in die Schule haben kann.

Das Referat lohnt sich anzusehen, es dauert zwar knappe 40 Minuten (ohne Fragen), ist aber sehr aufschlussreich.