Google Drive ist ein Tool, auf das ich kaum mehr verzichten kann. Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, wie Tafelbilder geteilt werden können, mit Google Drive ist das mittlerweile auch problemlos möglich: Die App auf Smartphones oder Tablets greift auf die Kamera zu und erstellt ein Google Drive Dokument, das dann verbreitet werden kann.
Diese Funktionalität ist aber auch für Scans sehr sinnvoll: Google Drive erlaubt zwar nicht den Upload von mehrseitigen mit der Kamera gescannten Dokumenten, aber die Uploads können gleich mit Texterkennung erfasst werden. D.h. die Dokumente zeigen dann die Originalbilder sowie den darin erkannten Text. Das sieht dann so aus:
Um mehrseitige Dokumente einzuscannen, gehe ich so vor:
Mit Scan-App (unter iOS: TurboScan) scannen und pdf erstellen.
pdf in Google Drive hochladen und umwandeln.
Das Dokument enthält dann die Originalscans als Bilder sowie Texte. Die Erkennungsqualität ist hervorragend.
Wir lernen. Langsam zwar, aber wir lernen. Und die Welt verändert sich und das tut weh, als wenn ein Mensch zu schnell wachsen würde.
Statt bitter zu werden und traurig vom Untergang der Kultur und unserer Werte zu reden, könnte man murmeln: Ja und? Dann gibt es eben keine Bücher auf Papier mehr, dann lernen Babys das Programmieren und Menschen treffen sich im Netz. Häuser werden höher – es ist Veränderung und ich bin ein Teil davon.
Wandel wird oft auf zwei Arten wahrgenommen: Als Fortschritt oder als Bedrohung. Progressive und konservative Reaktionen rufen die meiste Resonanz hervor, sie bedienen die Wünsche oder Ängste der Menschen, die mit Technologie und Wandel konfrontiert sind. Das gilt besonders für Social Media: In diesem Blog erhalte ich am meisten Reaktionen auf Texte, die z.B. festhalten, dass Kinderfotos auf Social Media problematisch sind, oder auf solche, in denen ich festhalte, dass Kulturpessimismus nicht angebracht ist, wie z.B. hier oder hier.
Dabei sind meiner Meinung nach zwei Vorstellungen naiv: Dass Wandel verhinderbar wäre, indem man seine Auswirkungen laut genug kritisiert, ist eine ebenso unreflektierte Position wie die, dass uns keine anderen Haltung bleibt, als mit dem Strom zu schwimmen. Eine kritische Auseinandersetzung mit Veränderungen ist wichtig, aber nicht, um sie rückgängig zu machen, sondern um einen angemessenen Umgang mit ihnen zu finden, sie zu verstehen und sie zu gestalten. Kritische Denkerinnen und Denker wie Lovink, Boessel oder Jurgenson distanzieren sich durch fundamentale Kritik von unreflektiertem Umgang mit Technologie und Medien, fordern aber auch keine Technologie- oder Medienabstinenz. Radikale Positionen führen zu Aporien, entweder in einen Technik-Determinismus der Marketingwelt, in der mir Apple, Hollywood und Nestle mitteilen, wie ein Leben zu führen wäre und welche Gedanken zu denken sind, oder aber in eine Widerstands-Fantasie wie die des Una-Bombers.
Wandel – eine Gelegenheitsschwemme.
Die sinnvolle Haltung, das mein Fazit, ist nicht: »Ja und?«, sondern besteht aus drei Fragen:
»Was passiert da?«
»Was bedeutet das?«
»Wie kann ich damit umgehen?«
Das gilt auch und gerade für die Schule. Dort gibt es Zeit, über Lernen, Lehren und Technologie nachzudenken. Nicht vorgeben, alte Rezepte seien nicht zu verbessern, weil es alte Rezepte seien. Nicht annehmen, neue Hilfsmittel würden eine neue Lern- und Lehrkultur etablieren. Sondern ausprobieren, nachdenken, wieder probieren und wieder nachdenken. Vorgaben hinterfragen, Praktiken hinterfragen, Technik hinterfragen. Was nicht funktioniert, verwerfen, was funktioniert, verbessern.
Letzte Woche habe ich am eBazar der PH Wien eine Keynote und einen Workshop gehalten (hier gibts meine Folien, meine Materialien und die Keynote zum Nachhören). Hier möchte ich einige Bemerkungen zum Bazar als Format anbringen (und mich damit auch etwas bei den Organisatorinnen und Organisatoren bedanken).
Weiter- bzw. Fortbildung von Lehrpersonen ist nicht ganz einfach – gerade oder auch, wenn es um digitale Werkzeuge geht. Die einen möchten gerne ganz konkrete Rezepte und Werkzeuge nach Hause nehmen, andere ihre Skepsis und ihre Gedanken zum Ausdruck bringen, andere über pädagogische und didaktische Fragestellungen diskutieren und wieder andere Erfahrungen austauschen. Viele Veranstaltungen bedienen nun nur die Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe – die anderen verhalten sich passiv oder sind enttäusch, frustriert über die Veranstaltung.
Ich erzähle gestenreich von meinen Erfahrungen.
Der Bazar – die Metapher finde ich leicht schief – konnte dieses fundamentale Problem lösen. Er war folgendermassen organisiert: Es gab Stände, an denen konkrete Projekte und Werkzeuge vorgestellt wurden: Von Lernenden, von Lehrenden, von Expertinnen und Experten, aber auch von Vertreterinnen und Vertretern von Anbietern von Soft- und Hardware. Daneben fanden in verschiedene »Tracks« gruppierte Workshops in einer sehr lockeren Atmosphäre statt: Fachleute trugen vor, verbrachten aber auch viel Zeit mit dem Dialog mit dem Publikum. Einige der Workshops waren sehr technisch und vermittelten spezifische Kompetenzen, andere waren eher reflexiv angelegt. Sie waren kurz gehalten (rund 30 Minuten), so dass es möglich war, sechs Workshops zu besuchen. Sie wurden ergänzt durch zwei ebenfalls kurze Keynotes, neben mir sprach Gerhard Brandhofer – sein Referat ist sehr zu empfehlen (Folien, Audio-File).
Trotz den vielen Angeboten blieb viel Zeit, um Kaffee zu trinken, Gespräche zu führen, Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Es gab ein funktionierendes WLAN, überall waren Links bzw. QR-Codes zu weiterführenden Angeboten zu finden, auf dem Blog des eBazars und in einer Workshop-Übersicht finden sich knappe Zusammenfassungen.
Überzeugend finde ich an diesem Format:
Angebote machen, aus denen ausgewählt werden kann.
Freiräume lassen.
Interaktion zwischen Teilnehmenden und Vortragenden ermöglichen und begrüßen.
Vortragende sind auch Teilnehmende, es gibt keine Wissenden und Nicht-Wissenden.
Theorie nicht verhindern, die Praxis aber in den Vordergrund stellen und darüber sprechen, wie man gelungene Projekte umsetzen kann.
Hier lerne ich gerade etwas.
Obwohl mehr Vorgaben vorhanden sind als bei einem Barcamp (ein Format, dass mir für eine solche Veranstaltung auch reizvoll scheint), war spontan vieles möglich. Ich fühlte mich als Nicht-Zugehöriger zur österreichischen eLearning-Community wohl und habe viel gelernt. Persönlich ist mir klar geworden, dass es gerade im pädagogischen und digitalen Bereich meist wirkungsvoller ist, etwas Tolles zu tun und davon zu erzählen, als sich lange und genaue Gedanken zu machen und die zu vermitteln. Wie Social Media halt: Tolle Inhalte ergeben attraktive Profile und spannende Beziehungen. Aber das ist wohl eine triviale Einsicht.
Diese Woche waren bei der FAZ gleich zwei Twitter-»Rants«, wie emotionale Klagen im Internet heißen: Christopher Lauer, prominenter Politiker der Piratenpartei, hielt fest, Twitter sei für ihn »gestorben« und Katrin Rönicke wagte in einem Blogpost den Vergleich, Twitter sei »wie die DDR«. Im Folgenden fasse ich die Debatte kurz zusammen und äußere mich im zweiten Teil allgemeiner zur Frage, wie Social Media als Werkzeug zu analysieren ist.
(1) Lauer und Rönicke in der FAZ
Lauers Argumentation ist nicht dieselbe wie die von Rönicke. Lauer beschwert sich vor allem über die anderen (Journalistinnen und Journalisten), die nicht richtig filterten und ihn mit Anfragen belästigen, »die auch in eine SMS oder E-Mail passen«. Seine Kritik an Twitter in a nutshell:
Ist es zu viel verlangt, dass sich alle, egal, in welcher Kommunikationsform, vorher folgende drei Fragen stellen: Muss es gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Muss es jetzt von mir gesagt werden? Und: Welcher Mehrwert entsteht denn durch diese permanente Nabelschau auf Twitter konkret und für wen?
Lauer kann man zwei Dinge entgegenhalten: Erstens scheitert er an den eigenen Ansprüchen. Wer sich die Maxime »Heul nicht, so ist das Game Nutte« aneignet, muss sich nicht über Twitter beschweren, weil das Medium viel Zeit beansprucht und auch unerwünschte Kommunikation ermöglicht, sondern muss Twitter in den Griff bekommen. Zweitens schreibt Lauer in der FAZ das, was er auch in einem Tweet hätte sagen können, er kann keine Analyse liefern, warum jetzt Email und SMS die besseren Kanäle sind als Twitter. Stefan Niggemeier zeigt unterhaltsam auf, dass es Lauer offenbar um wenig mehr als maximales Prestige und maximale Aufmerksamkeit geht.
Rönickes Kritik ist stärker selbstreflexiv. Sie beobachtete, wie das Medium sie selbst verändert hat, und bilanziert:
Auf twitter fing ich selbst an Menschen nach dem Mund zu reden ohne es wirklich zu realisieren. Leuten, die ich nicht einmal persönlich kenne. Die mich aber beobachteten. Die Beobachtung ist die die Währung auf twitter: Je mehr Menschen zuschauen, desto besser. Ich fing ich an, mich selbst zu zensieren. Selbst wenn ich von einer Meinung oder Aussage überzeugt war, habe ich sie oft für mich behalten, weil mir klar war, dass es nicht nur Kritik geben würde, sondern moralische Entwertung. Zudem formulierte ich meine Worte und Sätze möglichst twitter-[k]ompatibel. Das bedeutet vor allem: Verkürzung entdecken und möglichst knallige Buzzwords finden.
Rönicke räumt ein, das Problem könnte vor allem sie und ihr Umfeld betreffen, sie verallgemeinert weniger als Lauer. Aus Ihrem Text – den unsäglichen DDR-Vergleich möchte ich gar nicht erwähnen, Rönicke benutzt ihn, um gewissen feministischen Bewegungen totalitäre Tendenzen zu unterstellen – ergibt sich die Frage, ob das Medium Twitter oder Social Media uns als Menschen verändert: Beginnen wir anders zu denken, anders zu schreiben und anders zu sprechen, weil wir uns an den Vorgaben des Mediums orientieren?
Hammer Time. Kelsey Horne, society 6
(2) Social Media als Werkzeug
Natürlich tun wir das. Technologie verändert die Menschen. Ich habe über 20’000 Tweets geschrieben, also Inhalte in Meldungen verpackt, die 140 und weniger Zeichen enthalten. Natürlich lerne ich dabei eine neue Art des Schreibens. Ich unterhalte mich mit Menschen, die ich noch nie gesehen habe und vielleicht auch nie sehen werde. Natürlich verändert das meinen Umgang mit Menschen. Und ich diskutiere öffentlich mit Nachrichten, die gespeichert und in ganz anderen Kontexten verwendet werden können, die aber auch viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, in der Zeitung gedruckt werden. Natürlich erhält Aufmerksamkeit für mich eine andere Bedeutung.
Aber das passiert mit allen Werkzeugen. Werkzeuge ermöglichen, etwas einfacher zu erledigen; sie können aber immer auch missbraucht werden. Werkzeuge sind Waffen. »People kill, not guns« ist eine ebenso naive Haltung wie die, in einer Welt ohne Waffen leben zu wollen. Wenn es Werkzeuge gibt, werden Menschen sie nutzen und sich von ihnen verändern lassen. Die konservative Wendung ist keine Lösung. Lauer und Rönicke werden Twitter nicht abschaffen können. Wenn sie dort schweigen, werden sie andere nicht daran hindern, über sie zu schreiben, Buzzwords zu nutzen und sie per SMS oder Email mit Kritik einzudecken. (Nur ein Beispiel, weils grad passt: Lauer schrieb dem Parteichef Johannes Ponader eine SMS, die von diesem per Twitter und auf seinem Blog veröffentlicht wurde…) Es bleibt nur die Haltung von Porombka:
Mit dem Experimentieren beginnen! Hands on! Auch auf die Gefahr hin, dass man alles Bekannte über den Haufen werfen muss und dabei in Zustände gerät, in denen die alten Orientierungsmuster für Kunst und Leben abhandenkommen, ohne gleich durch neue ersetzt zu werden.
Auch das kann man lernen […]: dass sich das Auflösen der bekannten Zusammenhänge für produktive Schübe nutzen lässt. […] Es geht um die Frage, wie man das, was als Nächstes kommt, gestalten kann.
In seinem Buch »Schreiben unter Strom« stellt Stephan Porombka unter anderem die Flarf-Methode vor, um mit Google-Ergebnissen Lyrik zu erstellen. Er präsentiert ein mögliches Ergebnis (S. 28):
Von nun an ging es [Gary Sullivan] darum, möglichst lustige, politisch inkorrekte, subversive, unflätige, anzügliche – irgendwie jedenfalls unpassende Gedichte zu schreiben. Die Clique seiner Dichterkollegen in New York hielt das für eine zeitgemäße Idee (es war die Bush-Ära) und schloss sich an. Wer von ihnen auf den Namen „Flarf“ kam, weiß Sullivan nicht mehr, aber er definiert es folgendermaßen: „Flarf besitzt die Eigenschaft des Flarfigen.“ Im März 2001 richten sich die Flarfisten eine Mailingliste ein und beginnen, Gedichte hin und her zu schicken, die aus Versatzstücken von Google-Suchergebnissen bestehen.
„Ich google zwei disparate Suchbegriffe, beispielsweise ,Latex‘ und ,Michael Jackson’“, sagt Sharon Mesmer, ebenfalls Flarf-Dichterin, studierte Philologin, Anfang vierzig, die hauptberuflich Kreatives Schreiben an der New School in New York unterrichtet. „Dann kopiere ich einige Textstücke aus der Ergebnisliste von Google in ein Word-Dokument und bearbeite sie, arrangiere um, denke mir Sätze aus. Das fertige Gedicht schicke ich an die Flarf-Mailingliste.“
Dort wird es dann von den anderen Dichtern weiterbearbeitet, wieder gegoogelt und so fort. Das Gedicht ist also nie fertig. Insofern hat der Werkbegriff der Flarf-Leute etwas Vorneuzeitliches. Sie sind wie im Mittelalter eher Redakteure und Kopisten denn Autoren, ihre Texte durchlaufen viele verschiedene Stadien. Es existieren gleichwertige Varianten, aber kein Original. Denn man stützt sich ja immer schon auf kopierte Bruchstücke aus Ergebnislisten – und deren Autoren sind sowieso unauffindbar.
Gewählt habe ich – aus aktuellem Anlass – die Begriffe »Wien«, »Februar« und »Schreiben«; diese gegooglet und dann eine der hinteren Ergebnisseiten gewählt. Daraus habe ich dann je drei interessante Sätze rauskopiert, aus denen sich dann ein Gedicht erstellen lässt.
Die Aufgabenstellung lautet konkret wie folgt:
Schreiben Sie ein Gedicht, das sich als SMS oder Tweet versenden lässt, d.h. es darf inkl. Leerzeichen nicht länger als 160 oder 140 Zeichen sein.
Gehen Sie wie folgt vor:
a) wählen Sie interessante Wörter oder Sätze aus
b) arrangieren Sie sie
c) schleifen Sie (Satzeichen, Einfügen von Partikeln etc.)
(freiwillig)
Publizieren Sie das Gedicht, indem Sie es jemandem schicken oder es auf Facebook oder Twitter veröffentlichen.
Interessanter wird das Ganze, wenn als Vorlage nicht Google-Ergebnisse, sondern die SMS, Tweets oder Facebook-Statusnachrichten von anderen Personen genommen werden, die dann – als eine Art Rückmeldung – ein Gedicht erhalten.
Der kürzlich verstorbene Internetaktivist Aaron Swartz hat im Alter von 20 Jahren ein Jahr an der Elite-Uni Stanford studiert, die er nach einem Jahr verließ um an eigenen Projekten zu arbeiten. In einem Eintrag in seinem Blog, in dem er über seinen dritten Tag an der Uni nachdenkt, übt er radikale Kritik an Stanford und formuliert sein Ideal einer Universität:
It’s hard to say this without sounding even more superior than usual, but it doesn’t strike me that most Stanford students (and professors) are exceptionally bright. I suppose this is not too surprising, since the requirements for admission do not really test for this quality. And unlike, say, MIT, Stanford doesn’t interview students as part of the admission process, nor do they demand any examples of real work (which seem like decent ways of finding intelligence). I was led to believe that Stanford was a magical place where everyone was a genius. This is somewhat disappointing.
If I wanted to start a more effective university, it would be pretty simple: Hire the smartest people and accept the smartest students, get them to work on projects that interest them, get them to work together on stuff that interests them, organize a bunch of show-and-tells and mixers, and for the most part let them figure stuff out on their own. (This system might be cheaper too.)
Bemerkenswert finde ich daran mehrere Punkte:
Die Aussage, dass »real work« ein deutliches Zeichen von Intelligenz sein.
Dass formale Bildung leicht durch informelle ersetzt werden kann.
Die Bedeutung von zwei Punkten:
a) Dass intelligente Menschen sich treffen und
b) dass sie an Projekten arbeiten, die sie selber interessieren.
Für die Umsetzung von Swartz‘ Idee braucht es heute keine Universität im physischen Sinne mehr: Soziale Netzwerke ermöglichen alles, was er einfordert – ohne allerdings die Reputation eines Abschlusses bieten zu können. Aber wer braucht einen Abschluss, wenn er oder sie »real work« vorweisen kann?
Ich werde ab und zu darauf angesprochen, dass ich recht produktiv sei. Deshalb hier einige Maximen, die mir effizientes Arbeiten mit digitalen Hilfsmitteln erleichtern:
Nicht fernsehen, keine Zeitschriften oder Zeitungen lesen. Ich gestalte meine eigenen Filter und konsumiere so Texte und Videos ganz gezielt. Vorgegebene Zusammenstellungen verführen zum Browsen und zum Verweilen bei Texten oder Sendungen, die man sich gar nicht ansehen will.
Texte nicht ganz lesen. Für gewisse Texte nehme ich mir nur wenig Zeit. Gemessen habe ich das nicht, ich schätze aber, es handelt sich um 90 Sekunden. In diesen 90 Sekunden weiß ich, was ich mit dem Text machen will – z.B. speichern, verschicken, ignorieren. Das tue ich dann.
Dinge sofort oder so spät wie möglich erledigen.
Wir erhalten immer wieder Aufforderungen, etwas zu tun. Beispielsweise zahle ich meine Handyrechnung online. Das tue ich entweder gleich beim Rechnungseingang oder bei der letzten Mahnung. Dasselbe gilt für das Schreiben von Texten, das Erledigen von Pendenzen etc.: Sofort erledigen oder liegen lassen. Meistens erhält man Reminder, dass etwas zu tun ist.
Suchen statt archivieren.
Man kann viel Zeit damit verbringen, Medien kompliziert zu archivieren. Mit einem sinnvollen Betriebssystem mit Suchfunktion und Google ist das eigentlich sinnlos: Ich speichere nur sehr grob und suche grundsätzlich nach allen Dokumenten, statt sie aus einem Archiv zu fischen.
Wissensmanagement.
Wissen wird gefunden, bearbeitet und weitergegeben. Diese Schritte befolge ich konsequent. Fast alles, was mir wichtig ist, halte ich irgendwo fest. So speichere ich es länger und finde es schneller weider.
Zeiträume freihalten.
Ich verplane meine Arbeitszeit kaum. Sobald ich arbeite, erledige eine Pendenz nach der anderen; aber ich habe immer freie Zeiträume, in denen ich spontan etwas erledigen kann. Das hilft mir dabei, gewisse Aufgaben sofort erledigen zu können.
Wiederverwerten.
So lange man nicht vorgibt, alles neu erfunden zu haben, kann man viele Texte, Dokumente und Verweise mehrfach verwenden. Davor sollte man nicht zurückschrecken.
Von der Arbeit anderer profitieren.
Das klingt perfider, als es ist. Social Media erlaubt uns, die Inhalte vieler anderer Menschen nutzen zu können. Warum sollten wir das nicht tun (wenn wir dabei transparent sind)? Das kann auch bedeuten, Feedback einzuholen oder andere um gute Ideen zu bitten.
Gewohnheiten und Routinen entwickeln. Das kann man theoretisch so beschreiben, ist aber sehr abstrakt. Letztlich hilft es, immer wieder ähnliche Arbeitsschritte durchzuführen, die man dann wie Bausteine verwenden kann. Blogposts schreibe ich oft nach demselben Muster: Ich halte Ideen als Notizen fest, schreibe den Text dann in einem Durchlauf und überarbeite ihn nach der Publikation (oft auch mehrmals). Diese Routine hilft mir dabei, das sehr schnell erledigen zu können.
Mobil arbeiten.
Wir verbringen viel Zeit mit Warten und Reisen. Diese Zeit kann auch Arbeitszeit sein. Ich arbeite auf dem Arbeitsweg und genieße die Freizeit zuhause.
Keine Zeit mit Technik verlieren.
Wer immer wieder neue Programme installiert, neue Geräte aufsetzt etc. verliert enorm viel Arbeit. Ich nutze Technik langfristig: Gleiche Betriebssysteme, gleiche Geräte. Alles muss funktionieren – sobald sich Abstürze häufen oder etwas nicht so reagiert, wie ich es erwarte, behebe ich das Problem. Sonst nutze ich immer dieselben Werkzeuge.
Infotention.
Howard Rheingold nenn die Fähigkeit, Informationen das richtige Maß an Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, Infotention. Diese Kompetenz ist entscheidend und muss immer wieder trainiert werden. Am einfachsten geht das mit der Frage: »Warum lese/schaue/höre ich, was ich gerade lese/schaue/höre? Hat das mit meinem direkten Arbeitsziel zu tun?«
Perfektionismus vermeiden.
Es ist eine Binsenwahrheit: Die letzten 5 oder 2 Prozent einer Arbeit brauchen gleich viel Zeit wie die ersten 95 oder 98. Also einfach 95% anstreben und die restlichen 5% abschenken. Das gilt nicht für alle Arbeiten, aber bei vielen hilft es nicht, das Layout zu optimieren, jedes stilistische Problem zu beheben oder den letzten Tippfehler zu suchen.
Nun freue ich mich über weitere Tipps in den Kommentaren.
Was ein MOOC (ausgesprochen als /muhk/, alternativ englisch buchstabieren) ist, lässt sich mit einem Video am einfachsten verstehen:
Grundsätzlich ist es ein Kurs (das ist wichtig, eine Art Verlauf oder Struktur muss vorhanden sein), der allen offen steht, online verfügbar ist und viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat. Es werden oft xMOOCs von cMOOCs unterschieden, gemeint sind MOOCs, die entweder einen bestehenden, (Offline-)Kurs ergänzen und als Medium Internetkommunikation benutzen (x = extended), oder solche, die im Web 2.0 entstehen, die Materialien sammeln, welche die Teilnehmenden interessieren (c = connectivist). xMOOCs erlauben häufig reine Teilnahme, während cMOOCs die Teilnehmenden auch zu Lehrenden machen. Wichtig ist dabei, dass sie sich untereinander vernetzen.
Gerade läuft ein deutschsprachiger Meta-MOOC, ein MOOC, der zum Inhalt hat, wie man MOOCs durchführt: »How to MOOC«. 164 Teilnehmende sind dabei und schreiben dann nächste Woche ein Handbuch, das dann – eben, alles ist offen – alle verwenden können. Ich habe bei diesem MOOC nicht teilgenommen, weil mich das Thema MOOC zu wenig interessiert, um längerfristig motiviert zu sein. Um richtig verstanden zu werden: Ich finde MOOCs sehr wichtig, es sind Lernformen der Zukunft. Aber ich habe zu wenig Lust, darüber nachzudenken, wie sich MOOCs finanzieren lassen oder wie sich MOOCs mit dem OER-Gedanken verbinden lassen. Salopp gesagt: Praktische Fragen würde ich lösen, wenn ich müsste; nicht theoretisch in meiner Freizeit. (Mir ist ganz klar, dass ein wesentlicher Faktor dieses cMOOCs darin besteht, ein Netzwerk von Interessierten zu schaffen, die entsprechende Angebote auf die Beine stellen können.)
Jede(r) sucht den eigenen grünen Weg.
Deshalb nehme ich nun an einem anderen MOOC teil, um das Prinzip als Lernender kennen zu lernen und um etwas zu lernen, was mich schon länger interessiert. Der MOOC heißt »Introduction to Complexity« (Santa Fe Institute) und ist der erste in einer Reihe von Kursen zum Thema Komplexitätstheorie. Es ist ein xMOOC, bei dem eine klare Struktur vorgegeben ist und wesentliche Inhalte mit Video-Vorlesungen und Tests vermittelt werden. Meine Eindrücke und wesentliche Erkenntnisse halte ich in einem Journal fest, das ich laufend aktualisieren werde.
Ein Mann hat in der Schweiz Knaben missbraucht, die er über Facebook kennen gelernt hat. Er hat dazu offenbar ein falsches Profil verwendet, wie der Blick berichtet. Facebook, so die Sprache des Boulevards, sei eine »Sex-Falle«. Dokumentiert wird das mit einer Strassen-Umfrage, bei der Jugendliche zu Protokoll geben, was sie schon alles auf Facebook gelesen haben.
Dazu einige Fragen und Antworten, die auf konstruktive Lösungen hinweisen sollen.
1. Fördern Facebook und Social Media sexuellen Missbrauch?
2. Sind Jugendliche naiv, was die Gefahren von Facebook anbelangt?
Nein. Jugendliche sind sehr kompetent und werden heute eindringlich vor Gefahren gewarnt. Sie mögen ab und zu mit Fremden chatten, aber generell sind ihnen die Grenzen bewusst und sie sind meistens auch in der Lage, sich zu schützen. Allerdings nutzen Täter typische Schwachstellen von Jugendlichen aus, was aber nicht der Fehler der Betroffenen ist.
3. Hilft ein Schulfach »Facebook«?
Medienkompetenz ist enorm wichtig und muss in der Schule gelehrt werden. Ob in einem eigenen Fach oder nicht, kann man sich fragen. Wichtiger als ein Fach ist, dass Erwachsene (Eltern, Lehrpersonen, andere Betreuungspersonen) mit Jugendlichen über Medien, Medienverhalten und soziale Netzwerke sprechen. Offen, ohne Angst zu machen und mit echtem Interesse an den Fähigkeiten der Jugendlichen.
4. Was kann man tun, um Kinder zu schützen?
Ihnen aufzeigen, wer ihre Ansprechpersonen sind, wenn sie Probleme haben oder ihnen etwas Merkwürdiges passiert. Weniger gefährdet sind die Kinder, die mit jemandem darüber sprechen, wenn sie seltsame Anfragen per Facebook erhalten.