Social Media, Kritik und Kulturpessimismus

Wir lernen. Langsam zwar, aber wir lernen. Und die Welt verändert sich und das tut weh, als wenn ein Mensch zu schnell wachsen würde.
Statt bitter zu werden und traurig vom Untergang der Kultur und unserer Werte zu reden, könnte man murmeln: Ja und? Dann gibt es eben keine Bücher auf Papier mehr, dann lernen Babys das Programmieren und Menschen treffen sich im Netz. Häuser werden höher – es ist Veränderung und ich bin ein Teil davon.

»Ja und?«, schlägt Sibylle Berg als Reaktion auf den Wandel vor. Die Welt, so könnte man denken, hat sich immer verändert, weil Menschen sich verändern und die Natur auch.

Wandel wird oft auf zwei Arten wahrgenommen: Als Fortschritt oder als Bedrohung. Progressive und konservative Reaktionen rufen die meiste Resonanz hervor, sie bedienen die Wünsche oder Ängste der Menschen, die mit Technologie und Wandel konfrontiert sind. Das gilt besonders für Social Media: In diesem Blog erhalte ich am meisten Reaktionen auf Texte, die z.B. festhalten, dass Kinderfotos auf Social Media problematisch sind, oder auf solche, in denen ich festhalte, dass Kulturpessimismus nicht angebracht ist, wie z.B. hier oder hier.

Dabei sind meiner Meinung nach zwei Vorstellungen naiv: Dass Wandel verhinderbar wäre, indem man seine Auswirkungen laut genug kritisiert, ist eine ebenso unreflektierte Position wie die, dass uns keine anderen Haltung bleibt, als mit dem Strom zu schwimmen. Eine kritische Auseinandersetzung mit Veränderungen ist wichtig, aber nicht, um sie rückgängig zu machen, sondern um einen angemessenen Umgang mit ihnen zu finden, sie zu verstehen und sie zu gestalten. Kritische Denkerinnen und Denker wie Lovink, Boessel oder Jurgenson distanzieren sich durch fundamentale Kritik von unreflektiertem Umgang mit Technologie und Medien, fordern aber auch keine Technologie- oder Medienabstinenz. Radikale Positionen führen zu Aporien, entweder in einen Technik-Determinismus der Marketingwelt, in der mir Apple, Hollywood und Nestle mitteilen, wie ein Leben zu führen wäre und welche Gedanken zu denken sind, oder aber in eine Widerstands-Fantasie wie die des Una-Bombers.

Wandel - eine Gelegenheitsschwemme.
Wandel – eine Gelegenheitsschwemme.

Die sinnvolle Haltung, das mein Fazit, ist nicht: »Ja und?«, sondern besteht aus drei Fragen:

  1. »Was passiert da?« 
  2. »Was bedeutet das?«
  3. »Wie kann ich damit umgehen?«

Das gilt auch und gerade für die Schule. Dort gibt es Zeit, über Lernen, Lehren und Technologie nachzudenken. Nicht vorgeben, alte Rezepte seien nicht zu verbessern, weil es alte Rezepte seien. Nicht annehmen, neue Hilfsmittel würden eine neue Lern- und Lehrkultur etablieren. Sondern ausprobieren, nachdenken, wieder probieren und wieder nachdenken. Vorgaben hinterfragen, Praktiken hinterfragen, Technik hinterfragen. Was nicht funktioniert, verwerfen, was funktioniert, verbessern.

Rezension: Geert Lovink – Networks Without a Cause

Der holländische Medientheoretiker Lovink begleitet die Entwicklung des Internets durch seine kritischen Studien, die er regelmäßig publiziert. Sein neuestes Buch ist kürzlich auch auf Deutsch erschienen, es heißt »Das halbwegs Soziale«. Im Untertitel verspricht der Autor eine Kritik an Social Media beziehungsweise an der »Vernetzungskultur«. Diese Kritik leistet er – indem er unter die Oberflächen und die technischen Gegebenheiten vordringt und darstellt, welche psychologischen und sozialen Effekte sich durch die Benutzung sozialer Netzwerke beobachten und beschreiben lassen. (Im Folgenden beziehe ich mich auf die englische Taschenbuchausgabe.)

Ich werde die wesentlichen Aspekte zusammenfassen, die Lovink in der Einleitung sowie in den ersten beiden Kapiteln präsentiert (einen habe ich schon in meinen Blogpost über »social« einfließen lassen, weitere werden folgen). Die weiteren Kapitel bergen spezifische Untersuchungen zu Einzelthemen, auf die ich nicht im Detail eingehen werde. Das Buch ist eine lohnende Lektüre für alle, die Social Media nicht nur als Werkzeug benutzen wollen, sondern die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen wollen. Lovink schreibt sehr dicht, fasst oft Gedanken von anderen Kritikern zusammen, bezieht sie auf Internet-Phänomene. Dabei berücksichtigt er eine enorme Breite von theoretischen Ansätzen – er überblickt den kritischen Diskurs im angelsächsischen und europäischen Raum und bezieht psychoanalytische, philosophische, soziologische Zugänge in seine Analyse ein.

Die Hauptthese von Lovink ist, dass das Web 2.0 seine Versprechen nicht eingelöst habe. Es habe sich ein kommunikativer Kapitalismus etabliert, der zwar Diskurs ermögliche, aber einer, dem jeder politische Gehalt fehle. Die Art, wie Entscheidungen gebildet werden, wie politische Verantwortung funktioniere, Partizipation – all das habe sich durch Social Media nicht verändert, obwohl man sich das erhofft hat. Als Beispiel fügt Lovink die PR von Politikerinnen und Politikern auf Twitter an, die politische Kommunikation nicht verändert habe. (2)

Die Frage sei, ob Social Networks im Moment eine Art Jugend durchlaufen und reiften, um dann andere Funktionen zu übernehmen – oder ob sie, wie viele User, ewig Kinder blieben. Dasselbe gilt für die Kritik sozialer Netzwerke: Sie durchlaufe Zyklen der Empörung (Kinderpornographie, Privatsphäre, Rolle des Journalismus).

In der Einleitung beschreibt Lovink das Web 2.0 mit vier Aspekten, die es von einem Werkzeug zu einem Raum machen, in dem sich verschiedene »User-Cultures« etabliert haben und etablieren:

  1. real-time
    Die Welt wird nicht virtueller, sondern das Virtuelle realer. Wir werden von sozialen Netzwerken aufgefordert, unsere Ichs permanent – in real-time – zu präsentieren – ohne eine Rolle zu spielen. Diese Präsentation ist eng mit der Möglichkeit verwoben, ein Ich-Gefühl zu entwickeln und mit anderen in Verbindung zu treten.
  2. From Link to Like
    Links erlauben Besuchern einer Webseite, auf eine andere abzuspringen. Das ist der Grund, warum sie schon immer zögerlich eingesetzt wurden. Links ermöglichen Suchmaschinen, das Netz zu ordnen, Bedeutungen und Zusammenhänge zu generieren. Weil sie das so gut können, verhindern sie aber, dass Links verwendet werden: Menschen klicken heute kaum mehr auf Links, sondern verwenden direkt die Google-Suche. Dadurch wird die Suche parasitär: Sie braucht Links für die Qualität ihrer Ergebnisse, verhindert aber gleichzeitig, dass Links verwendet werden. Diese Problematik wird verstärkt durch den zunehmenden Gebrauch von »Like«-Buttons: Hier wird nicht mehr eine direkte Empfehlung abgegeben, sondern die Empfehlung erfolgt via eine Plattform, die User dazu bringt, immer wieder zu ihr zurückzukehren. Lovink sieht hier einen Wechsel in der Aufmerksamkeitsökonomie von der Suche hin zur Selbst-Referenz.
  3. kein echter Dialog
    Das öffentliche Internet, so Lovink, sei ein Schlachtfeld extremer Meinungen, die kaum auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft würden. Deshalb wird die Kommentarkultur zu einem grossen Problem fürs Web 2.0. Gleichzeitig für real-time dazu, dass Reflexion kaum mehr möglich ist: Das Netz und seine User werden überschwemmt mit Informationen, auf die man kaum mehr gehaltvoll reagieren kann. (Der Klout-Score misst beispielsweise nicht den Gehalt von Diskussionen, sondern nur die Tatsache, dass Reaktionen erfolgen.)
  4. Nationale Netzwerke
    Immer stärker werden im Internet nationale Grenzen errichtet, die politische Kontrolle ermöglichen. Dabei spielen einzelne Dissidenten oder Hacker, die sich der Kontrolle entziehen, keine Rolle – weil sie keinen Einfluss haben können. Wer sich außerhalb des offiziellen Netzes und außerhalb der sozialen Netzwerke beweget, kann zwar das Internet frei nutzen – aber mit niemandem agieren und keine Massen mobilisieren. Die Frage wird also sein, ob es möglich sein wird, dynamische, dezentrale Netzwerke zu organisieren.

Lovink fragt, warum es keine entsprechende Theorie gäbe, die den Missstand, dass heute alle Netzwerk-Aktivität über gigantische, zentrale Netzwerke wie Google und Facebook läuft, reflektieren und Gegenkonzepte diskutieren kann.

Kapitel 1: Networked Condition

Im ersten Kapitel beschreibt Lovink die Auswirkungen des Überflusses an Information. Es beschreibt eine »networked condition« (24ff.): Sie entsteht, weil Menschen heute Unzufriedenheit nicht mehr politisch produktiv äußern können. Also entwickeln sie eine Medientheorie, in der sie Offline-Zeit als gehaltvoller präsentiert als die Auseinandersetzung mit Online-Informationen und errichten mit dem Begriff des »digital native« eine Figur, die einer Generation und einem Geschlecht zugehört, die mit den Informationsströmen umgehen können. Dabei setzen sie sich aber selber freiwillig den Informationsströmen aus, indem sie Computerdatenbanken füllen, wenn sie von Maschinen dazu aufgefordert werden, Links weiterverschicken und auf Facebook teilen, das Internet mit Informationen füttern, aus denen wiederum Konsumprodukte entstehen, die zum Informationsüberfluss beitragen.

Für junge Menschen wirkt sich das in einem Gefühl einer sanften Narkose aus: Es kann nichts getan werden, obwohl die Gesellschaft auseinanderfällt. Es bleibt der Spass, die Lustbefriedigung. Lovink zitiert Franco Berardi, der die Networked Condition als neo-liberales Gebot versteht (28):

As if there was any choice to participate in Facebook, Twitter, and to have your mobile phone on 24/7. Berardi: »The problem is not in the technology. We have come to terms with it. The killing element is the combination of info stress and competition. We have to win, and to be the first. The real pathogenic effect ist the neo-liberal pressure that makes the network condition so unlivable – not the abundance of information in itself.«

Jugendliche beherrschen die Technologie – aber sie werden von einem Druck beherrscht, präsent zu sein und sich Informationen auszusetzen – und zwar so, dass sie wahrgenommen werden. Wer sich die Kompetenz aneignet, den Bildschirm zu verlassen, sich dem konstanten Fluss von Informationen zu entziehen und zu entscheiden, was Unterhaltung, was Ablenkung und was wirklich wichtig ist, wird pädagogisch und moralisch beurteilt und verurteilt. Entscheidend ist, sich weder als Opfer einer Entwicklung zu sehen, die unser Leben beschleunigt, noch einfach regelmäßig Pausen einzulegen – sondern bewusst Inhalte zu konsumieren, zu produzieren und unsere Abhängigkeit von zentralisierten Netzwerken zu reduzieren. Wir müssen lernen, selber zu bestimmen, wie mit Informationen umgegangen wird uns uns scheinbaren Sachzwängen entziehen. Lovink sieht ein Paradox: Die scheinbare Individualisierung, die durch die Präsentation unseres Ichs auf Social Media möglich wird, führt letztlich zu einer rein algorithmischen Bearbeitung von Daten, die unsere Ichs wiederum konstruieren. (Wenn das zu kompliziert schien: Wenn wir unsere individuellen Erlebnisse Facebook anvertrauen, so lassen wir die Präsentation unseres Ichs und unsere Wahrnehmung durch andere durch eine Maschine konstruieren – wie alle anderen FB-Nutzer auch…)

Kapitel 2: Facebook und Anonymität

Wer heute lebt, wird regelmäßig aufgefordert, ganz sich selbst zu sein. Gleichzeitig stimmen Menschen, die diesen Aufforderungen nachkommen, in ihren Bedürfnissen überein: Alle trinken gerne Starbucks-Kaffee, Reisen nach Australien und Sorkin-Serien. Lovink fragt, ob wir auf dem Netz jemand anderes sein können, als wir »wirklich« sind: Dabei beobachtet er die Tendenz von sozialen Netzwerken, Identität festzuhalten und jeder Person eine starre Identität zuzuweisen. Wir vertrauen diesem Identitätsmangement, weil entweder Big Brother schon lange existiert oder die Katastrophe, die alle unsere Identitäten bedrohen könnte, nie eintreffen wird (40).

Es ist heute, so stellt Lovink in Bezug auf Eva Illouz fest, dass die Herausbildung eines Ich-Gefühls nur noch in Kombination mit Quantifizierung und Vergegenständlichung dieses Ichs (z.B. in Datenbanken) möglich ist. Diese Tendenz führt dazu, dass professionelles und privates Ich immer mehr verschmelzen und wir uns deshalb immer als die schnellsten, schlausten und besten präsentieren müssen (42). Soziale Netzwerke erlauben uns, zwei Formen von sozialem Kapital aufzubauen: Zu zeigen, wer uns liebt und mit wem wir verbunden sind.

Lovink schlägt drei Auswege vor, wie wir mit diesen Problemen umgehen können:

  1. Die Selbstpromotion verhindern. 
    Gleichzeitig erlauben die sozialen Netzwerke nur positive und einfache Gefühle: Es gibt nur eine Beziehungsform (»Freunde«) und nur eine Art, auf Content zu reagieren: »Like«. Wir werden auf eine einzige Identität reduziert. Als Ausweg bleibt nur, auf verschiedenen Netzwerken verschiedene Aspekte unserer Persönlichkeit zu präsentieren, die verschiedenen Aspekte unserer Persönlichkeit auszudrücken, Widersprüche zu erzeugen anstatt sie zu glätten.
  2. Die Konsumhaltung hinter Social Media aufzeigen:
    Soziale Netzwerke verlangen immer mehr von uns. Twitter-Profile und ihre Statistik sind eng verknüpft: Je mehr wir leben, desto höher sind unserer Zahlen. Wir schreiben viel, aber meist Nonsense – wir sagen so viel wie die Figuren im Big Brother-Haus (46). Das kann man aufzeigen und sich diesen Trends verweigern.
  3. Anonymität wieder schätzen lernen.
    Gemeinhin wird das Internet als ein Raum angeschaut, an dem anonyme Menschen Unfug treiben. Tatsächlich sind aber nur sehr wenige wirklich anonym unterwegs – es gibt keine Anonymität im Internet. Sie ist gleichzeitig wichtig und bedrohlich.

Systematische Intransparenz: Kritik an Facebook und mobilen Apps

Ein aufschlussreicher Artikel in der FAZ übt massiver Kritik an Facebook und zeigt zurecht auf, dass Neuerungen oft versteckt und so eingeführt werden, dass man sie nicht freiwillig benutzen kann, sondern sie automatisch aufgeschaltet werden und man sie nur mit großem Aufwand wieder abschalten kann:

Nur Informatiker können wirklich verstehen, was Facebook mit den persönlichen Daten treibt. Gesichtserkennung, Zwangsadresse, Gruppenverhalten: die Intransparenz hat System.

Dieses System ermöglicht Facebook, mit den Inhalten von Usern Geld zu verdienen, Werbung zu schalten etc. Joana Kiel schreibt weiter:

Diese Informationen werden von einer großen Datenbank aufgenommen und verwertet. So kann die Datenbank beim Hochladen von neuen Bildern immer mehr Informationen und Markierungen miteinander vergleichen – das Datennetz wird immer dichter.

Ähnlich gehen mobile Apps vor, die viele Nutzerdaten ungefragt weiterleiten und verwenden. Dazu hat Henning Steier heute in der NZZ einen Artikel publiziert, in dem er Tools wie MobileScope vorstellt, mit deren Hilfe man erkennen kann, welche Apps welche Daten weiterleiten. Diese Tool sind selbst auch nicht unproblematisch, zumal sie auf alle Daten Zugriff haben und man faktisch sein Handy komplett überwachen lässt.

Machen Social Media unkritisch?

Auf Slate hat Jacob Silverman heute einen interessanten Artikel über Literaturkritik in Zeiten von Social Media publiziert. Sein Fazit: In den Zeiten, wo viele AutorInnen Twitter und Tumblr verwenden, um mit ihren Leserinnen und Lesern in Kontakt zu treten und ein öffentliches Bild zu pflegen, gibt es kaum noch kritische Rezensionen, sondern nur noch wohlwollende:

[I]f you spend time in the literary Twitter- or blogospheres, you’ll be positively besieged by amiability, by a relentless enthusiasm that might have you believing that all new books are wonderful and that every writer is every other writer’s biggest fan. It’s not only shallow, it’s untrue, and it’s having a chilling effect on literary culture, creating an environment where writers are vaunted for their personal biographies or their online followings rather than for their work on the page.
[Übersetzung phw:] Wenn man Zeit auf Twitter oder Blogs verbringt, wird man überwältigt sein von der Freundlichkeit und von einem unablässigen Enthusiasmus, der einem den Eindruck verleiht, alle neuen Bücher seien wunderbar und Autoren sei die größten Fans von anderen Autoren. Das ist nicht nur oberflächlich, sondern falsch, und es hat einen negativen Effekt auf den Literaturbetrieb, weil es eine Umgebung schafft, in der Schriftstellerinnen und Schriftsteller aufgrund ihrer Biografien oder Online-Präsenz beurteilt werden und nicht für ihre Arbeit am Text.

Silverman gibt weitere Gründe an, die seine Beobachtung erklären könnten:

  • Die »Zentrifugalkräfte« auf Social Media sind positive: Wer selber wahrgenommen werden will, muss andere loben, ihre Nachrichten verbreiten und »like« drücken. Kritische Menschen werden ignoriert und verlieren fast automatisch an Einfluss und Aufmerksamkeit.
  • Der Medienwandel führt dazu, dass Literaturkritik online und im Print in eine Konkurrenzsituation treten – offenbar sind positive Rezensionen bei Leserinnen und Lesern beliebter und werden deshalb vorgezogen.
  • Empfehlungen können leichter monetarisiert werden: Amazon zahlt Blogs, die auf ein Buch verlinken, eine Prämie. Wer also ein Buch empfiehlt, erhält dafür eher Geld als für einen heftigen Verriss.
  • Herausgeber stehen kritischen Beurteilungen ablehnend gegenüber, weil sie Resultat einer persönlichen Abneigung sein könnten.

Diese Tendenz, so Silverman, müsse aufhören. Sie schade der Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche und verhindere eine ernsthafte, tiefgründige intellektuelle Auseinandersetzung. Sein Fazit:

[A]ffirmation is the habitual gesture of the Internet. We like, favorite, and heart all day; it is a show of support and agreement, as well as a small plea for attention: Look at me, I liked this too. Follow back? […] The problem with Liking is that it’s a critical dead-end, a conversation nonstarter. It’s opinion without evidence—or, really, posture without opinion. [A] feeling is expressed without saying much at all.
[Übersetzung phw:] Bestätigung ist auf dem Internet Gewohnheit. Wir »liken«, favorisieren und verteilen Herze – den ganzen Tag, es ist ein Zeichen von Unterstützung und Einverständnis, zudem auch eine Bitte um Aufmerksamkeit: Schau mich an, ich mag das auch. Folgst du mir? […] Das Problem mit dem »Liken« ist, dass es eine kritische Sackgasse ist, die ein Gespräch verhindert. Es ist eine Meinung ohne Beleg, oder aber: Eine Pose ohne Meinung. Der Ausdruck eines Gefühls, ohne viel zu sagen.

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass es auf Social Media kaum eine Trennung von Inhalt und Profil gibt. Was wir sagen macht aus, wer wird sind und wie wir wahrgenommen werden möchten. Social Media kann nicht die einzige Form von Konversation werden, gerade weil Kritik wichtig und nötig ist.