Mit Smartphones bei Prüfungen betrügen

Heute ist in der NZZ ein Artikel mit dem Titel »Schöner spicken mit dem Smartphone« erschienen. Matthias Böhni diskutiert Möglichkeiten, wie Schülerinnen und Schüler mit dem Smartphone bei Prüfungen betrügen können, befragt diese Schülerinnen und Schüler und zitiert abschließend auch mich:

Und was meint ein Lehrer zu diesem Treiben? Philippe Wampfler ist Mathematik- und Deutschlehrer an der Kantonsschule Wettingen. «Wie oft Schüler mit dem Smartphone spicken, hängt stark von der Prüfungsart, der Lehrperson, der Infrastruktur wie dem WLAN-Netz und der Klasse ab», so Wampfler. «Wenn klassisches Spicken oft vorkommt, würde ich bei Smartphones von wenig sprechen – es ist riskanter und teilweise aufwendiger.» Der 34-Jährige bestätigt zudem, dass es unter den Lehrern viele digitale Analphabeten gebe, die das sogar noch zelebrierten. «Sie haben keine Ahnung, was technisch möglich ist. Eine Katastrophe, dass sie sich das im Jahr 2012 immer noch leisten können. Oft ist nur schon das Bedienen eines Beamers ein unüberwindbares Hindernis», so Wampfler […]. «Von den 20- bis 40-jährigen Lehrern wissen etwa die Hälfte, was die Schüler mit Smartphones anstellen. Je älter, umso weniger haben die Lehrer eine Ahnung.» Von Verboten hält er nicht viel. «Man sollte die Prüfungen so formulieren, dass das Smartphone nicht viel nützen kann, also keine reinen Wissensfragen stellen.»

Hier ein paar ausführlichere Kommentare von mir:

  1. Es ist nicht möglich, Prüfungen zu schreiben, bei denen der Einsatz eines Smartphones unter keinen Umständen einen Vorteil verschaffen könnte. Und oft ist es auch wichtig, Wissensfragen zu stellen.
  2. Es sollte immer möglich sein, dass Lehrpersonen vor Prüfungen Smartphones einziehen oder abschalten lassen.
  3. Auch der geschickte Einsatz von Smartphones demonstriert eine Kompetenz – wer unentdeckt betrügen kann, hat gewissermassen auch etwas gelernt. Selbstverständlich ist das keine Entschuldigung und auch keine Rechtfertigung, aber es hilft vielleicht zu einer gewissen Gelassenheit (auch mit Grafiktaschenrechnern oder anderen Geräten kann man betrügen).
  4. Gute Prüfungen stellen meiner Meinung nach neue Fragen und finden in einem möglichst realistischen Lernumfeld statt: Man darf Hilfsmittel benutzen. Schulen, die mit iPads ausgerüstet sind, sollten die auch bei Prüfungen einsetzen – genau so wie Duden bei Deutschprüfungen eingesetzt werden kann, weil niemand einen Text schreibt, ohne den Duden zu konsultieren. (Das einzige Problem ist, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler gleichermassen mit Smartphones ausgerüstet sind.)
  5. Das Profil der Lehrperson hat sich verändert: Das traditionelle Bild erforderte keine speziellen technischen Kenntnisse, sondern Fach- und Sozialkompetenz. Heute erweitert sich – wie in vielen Berufen – der Anforderungskatalog: Es ist kaum möglich, die perfekte Lehrperson zu finden – weil die halt neben vielen Sachkenntnissen psychologische und kommunikative Fähigkeiten mitbringen soll, motiviert sein muss in einem aufreibenden Job und gleichzeitig auch noch die neuesten technologischen Entwicklungen überblicken und beherrschen soll. Dennoch sollte darauf in Ausbildung und Weiterbildung mehr Gewicht gelegt werden.
  6. Ein generelles Verbot von Smartphones halte ich für problematisch, wie ich hier ausgeführt habe.

Der Fotograf der NZZ, Christoph Ruckstuhl, hat noch weitere Bilder gemacht, eines davon verwende ich hier. Alle Rechte liegen bei ihm bzw. bei der NZZ.

 

Zusatz 21. August 2012: Auch der Blog der Swisscom, Hallo Zukunft, verwendet ein Zitat von mir.

Vom sozialen zum mobilen Netz

Social Media ist oft Synonym für Web 2.0, das Miriam Meckel wie folgt definiert:

Web 2.0 ermöglicht die selbst organisierte Interaktion und Kommunikation der Nutzerinnen und Nutzer durch Herstellung, Tausch und Weiterverarbeitung von nutzerbasierten Inhalten über Weblogs, Wikis und Social Networks. Über kommunikative und soziale Vernetzung verändern die Nutzer die gesellschaftliche Kommunikation – weg von den Wenigen, die für Viele produzieren, hin zu den Vielen, aus denen Eins entsteht: das virtuelle Netzwerk der sozial und global Verbundenen.

Interaktion und soziale Verbindung zeichnen die zweite Version oder die zweite Entwicklungsstufe des Internets aus – das zunächst von einer kleinen Elite mit Inhalten bespielt wurde, die dann viele abrufen konnten.

Im Moment erleben wir einen Übergang zu einer dritten Entwicklungsstufe, deren Bedeutung vor allem eine wirtschaftliche ist: Im Web 2.0 erfolgreiche Unternehmen wie Facebook und Zynga geraten in Schwierigkeiten, weil sie die Entwicklungen nicht bewältigen können. Um welche Entwicklungen geht es?

Das Web 3.0 zeichnet sich wahrscheinlich durch folgende Eigenschaften aus (vgl. diesen Artikel von TechCrunch):

  1. Es ist mobil – d.h. überall dabei.
  2. Es ist real-time – d.h. es gibt keine zeitliche Distanz zwischen den Inhalten und ihrem Konsum.
  3. Es wird an kleineren Bildschirmen bedient und wahrgenommen.
  4. Es bedient sich automatisierter Sensoren, die Interaktion teilweise ersetzen: Das Netz weiß automatisch, wo wir sind etc.

Was heißt das für die Schule? Ich sehe zwei zentrale Herausforderungen:

  • Die heutige Schule orientiert sich an räumlichen und zeitlichen Konzepten aus dem 19. Jahrhundert. Sowohl räumlich wie auch zeitlich wäre heute eine viel größere Flexibilität möglich – eine Flexibilität, die zwar denkbar scheint, aber sehr schwierig in wirkungsvolle didaktische Modelle umzugießen.
  • Schon soziale Medien überfordern uns – und zwar uns alle. Auch Digital Natives schaffen es nicht, die nötige Distanz zur Technologie einzunehmen, sie zu reflektieren etc. Mobiles Internet im Sinne von Web 3.0 wird noch präsenter sein und die virtuelle Realität mit der physischen Realität vermengen. Wir werden viele Kulturtechniken und Lernmethoden überdenken müssen, die Bedeutung entscheidender Konzepte wie »lernen«, »lesen/schreiben/rechnen«, »Leistung«, »Konzentration« wird sich massiv wandeln.

Wie eine Person gehackt werden kann und was man dagegen tun kann

Mat Honan ist Journalist bei Wired – einem Fachmagazin für digitale Entwicklungen und Technologie. Er ist, da darf man sicher sein, kein naiver Nutzer von Technologie. Seine Nutzung des Internets gleicht der vieler Menschen, die regelmäßig online sind: Er kaufte Bücher bei Amazon, hatte einen iTunes-Account, nutze das Mailprogramm von Google, war auf Twitter aktiv und speicherte viele seiner Daten in der so genannten Cloud – also auf einem Server, der übers Internet zugänglich ist.

Mat Honans Konten wurden alle gehackt, wie er selber schreibt – mit folgenden Konsequenzen:

  1. Sein Google-Konto wurde komplett gelöscht.
  2. Auf seinem Twitter-Konto wurden rassistische und homophobe Meldungen verbreitet.
  3. Sein Computer und sein iPhone wurden restlos gelöscht (Verlust von wichtigen Daten, u.a. allen Bilder seiner Tochter)

(1) Wie konnte das geschehen?

Die Hacker betrieben einen recht großen Aufwand und nutzen Schwächen im Sicherheitssystem. Anfällig waren Amazon und Apple, die beide Informationen an die Hacker herausgaben, die taten, als wären sie Honan, der sich nicht mehr in seine Konten einloggen konnte. Mit den jeweiligen Informationen war es möglich, auf beide Konten zuzugreifen. Das Apple-Konto war die Backup-Mailadresse für das Google-Konto und darüber konnten die Hacker Zugriff auf Google erlangen und damit auf Twitter zugreifen – das eigentlich Ziel: Sie sollten Honan öffentlich in Schwierigkeiten bringen.

Mit dem Apple-Zugriff kann man, wenn das eingerichtet ist, Computer und iPhones löschen – weil man das möglicherweise machen möchte, wenn die Geräte gestohlen werden.

(Diese Darstellung ist sehr knapp und vereinfacht – wenn jemand was Genaueres wissen möchte, bei Wired nachlesen oder in den Kommentaren nachfragen.)

(2) Kann das jeder und jedem passieren? 

Grundsätzlich schon. Wie gesagt: Der Aufwand muss sich lohnen. Hacker nehmen sich nicht 40 Stunden Zeit, um die Konton einer uninteressanten Person zu hacken. Aber falls sich was gewinnen lässt, ist niemand sicher.

(3) Das kann man dagegen tun

Apple und Amazon sind anfällig – man kann die Konten kaum besser schützen. Zudem ist es für dieses Problem irrelevant, wie gut die Passwörter sind – die wurden nicht geknackt, sondern umgangen. Was hilft ist, sind folgende Möglichkeiten, die nicht immer praktikabel sind:

  1. Email quasi jede Minute zu checken, dann würde man sehen, wenn Email mit temporären Zugangscodes eintreffen, die man selber nicht angefordert hat.
  2. Der Schutz von Google ist im Moment einer der besten im Netz – aber nur, wenn die sogenannten »2-Step-Verification« oder »Bestätigung in zwei Schritten« eingeschaltet ist: Dann erhält man jeweils eine SMS, mit der man sich dann definitiv einloggen kann. Niemand, der nicht das Mobiltelefon besitzt, kann sich ins Konto einloggen. Das Einschalten geht recht einfach, aber das Einrichten auf verschiedenen mobilen Geräten ist äußerst mühsam, finde ich.
  3. Die Konten nicht miteinander verbinden, d.h. als Backup-Email-Adresse nie eine aus einem anderen wichtigen Konto angeben (weil man sonst zwei Konten mit einem hacken kann).
  4. Alle Daten nicht nur in der Cloud, sondern auch auf Harddisk mit einem Backup speichern.

Für weitere Hinweise in den Kommentaren bin ich dankbar.

Social Media und die Suche nach Wahrheit

Noch einmal ein kurzer Post – es sind ja noch Ferien. Ich möchte eigentlich nur auf den exzellenten Nieman Report zum Thema »Truth in the Age of Social Media« hinweisen. Der Report ist als englisches pdf frei verfügbar und kann hier runtergeladen werden.

Das Nieman Lab ist ein Fachbereich für Journalismus an der Harvard University. Das Thema wird deshalb aus einer rein journalistischen Perspektive beleuchtet, was einige Aspekte sehr fachspezifisch macht für schulische Zwecke. Dennoch gibt es sehr brauchbare Artikel (z.B. Santiago Lyons Ausführungen darüber, wie man heute die Echtheit von Photographien untersuchen kann oder Mark Littles Beschreibung, wie Journalisten abklären, ob ein Bild oder ein Video echt sein könnte oder nicht).

Interessant scheinen mir auch die einleitenden Bemerkungen von Craig Silverman, der zwei gegenläufige Tendenzen beobachtet:

  1. Es war noch nie so einfach, Fakten zu überprüfen wie heute. Wenn Menschen öffentlich lügen oder Fakten verdrehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man ihnen auf die Spur kommt – auch bei Details.
  2. Lügen und Falschinformationen konnten noch nie so schnell und überzeugend verbreitet werden. Weil unsere Haltungen bestimmen, wie wir neue Informationen wahrnehmen, tendieren wir oft dazu, den Darstellungen glauben zu schenken, die unseren Vorstellung am nächsten kommen – und nicht denen, die am meisten Wahrheit enthalten.

Der Einfluss von Social Media auf die Sprache der Jugendlichen

Die Klagen über den Sprachzerfall sind alt. Jugendsprache ist sehr dynamisch und zeichnet sich durch eine Innovationskraft aus, die ihr auch die Möglichkeit gibt, Sprachwandelprozesse zu initiieren – gerade weil es auch darum geht, sich von der Sprache der Erwachsenen und der etablierten Kultur zu distanzieren.

Behält man das im Hinterkopf, so stellt sich die Frage, welchen Gehalt die Sprachkritik hat, die den Einfluss von Social Media beklagt. Prominent wurde diese Kritik letzte  Woche von Marie Clair von der Plain English Initiative vorgebracht. In der Daily Mail sagte sie:

Young people’s language in general is becoming more direct in comparison to their parents and the business community because of the communication channels they’re more familiar with.
Those fast communication channels of Facebook, email and Twitter [that] they’ve grown up with mean they haven’t got as much time to deliberate and choose their words.

Die Kritik geht also von der Feststellung aus, die Kommunikation mit Eltern und Geschäftsleuten werde direkter, weil soziale Medien schnell sind und es nicht erlauben, sich gewählt auszudrücken.

Sie führt weiter aus:

If you’re sending text messages all the time, you’re having conversations that are like shorthand. To any outsider, there aren’t those pleasantries that there were when you wrote a letter to someone.

Der Versand von SMS oder kurzen Botschaften sei mit dem Fehlen von Floskeln verbunden, die Freundlichkeit in Textsorten wie Briefen markieren.

Interessant an dieser Diskussion sind die Interpretationen der Fakten: Zunächst können die Mechanismen von Social Media beschrieben werden – Kommentare werden schnell verfasst, die Dialogizität ist sehr intensiv und wichtig. Zudem sind diese Mitteilungen oft sehr kurz.

Dazu kommt aber nun eine Interpretation: Geschwindigkeit und Kürze führten zu einer stärkeren »Aggressivität« – vor allem bei Frauen. Diese Wertung ist einerseits mit einem Rollenbild verbunden, andererseits mit der Verbindung von direkten und kurzen Botschaften mit aggressivem Verhalten, wie ein Kommentar auf TechCrunch deutlich macht.

Die Interpretation dürfte zudem falsch sein. Der Tages Anzeiger hat auf die Kritik von Clair mit einem Hintergrundartikel reagiert, in dem Martin Luginbühl von der Universität Zürich wie folgt zitiert wird:

Facebook und Co hätten, soweit bekannt, nicht zu einem Sprachzerfall geführt. Man habe in einer breit angelegten Studie Hunderte von Schüleraufsätzen untersucht. Das Resultat: Es gibt keinen Grund zur Sorge. «Neue Medien haben praktisch keinen Einfluss auf den Schreibstil», sagt Luginbühl. Die Jugendlichen haben ein grosses Repertoire an Schreibstilen und können diese entsprechend der Schreibsituation richtig anwenden. Das gelte auch in der sogenannten Face-to-Face-Kommunikation, also im direkten Gespräch.
Einzig sei ein Trend zum Informellen zu beobachten. Allerdings reicht dieser bis in die 70er-Jahre zurück. Damals wurde es Mode, erstmals Wörter wie «cool» zu gebrauchen, was in den 60er-Jahren undenkbar gewesen sei. Dass Teenager vermehrt eine informelle Art der Kommunikation pflegten, sei nicht erst durch soziale Medien aufgekommen. Luginbühl will aber nicht ausschliessen, dass Facebook und Twitter diesen Trend verstärkten.

Fazit: Was Jugendliche auf Social Media tun, reflektiert ihren Sprachgebrauch im Alltag. Social Media bilden eine informelle Jugendkommunikationskultur ab, welche eigene Spielregeln hat und die Möglichkeit nicht ausschließt, in entsprechenden Situationen andere Register zu verwenden.

Den Google-Suchalgorithmus verstehen

Der Ort, an dem Wissensmanagement in den letzten Jahrhunderten begonnen hat, war die Bibliothek. Sie entwickelte raffinierte Systeme für das Finden von Wissen und ermöglichte seine Sammlung. Heute befinden sich Bibliotheken im Internet: Man findet nicht nur Datenbanken mit elektronisch lesbaren Büchern und Faksimileausgaben, sondern auch neueste Forschungsergebnisse, täglich aktualisierte Lexikoneinträge, multimediale Inhalte und fachspezifische Nachschlagewerke. Die Herausforderung besteht darin, dieses Wissen zu filtern, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Die Schwierigkeit ist nicht, einen Zugang zum Wissen zu erhalten, sondern einen Überblick zu bewahren.

In meiner Schul- und Studienzeit habe ich an jedem neuen Schulort eine genaue Einführung in die Bibliothek erhalten – im Mittelpunkt stand immer das Ordnungssystem und die Möglichkeiten, wie bestimmte Bücher gesucht und gefunden werden können. Diese Systeme waren verständlich und nachvollziehbar, meistens bestanden sie aus Karteikarten, später auch aus einfachen Computerprogrammen.

Heute verwenden wir dafür Google. Weil wir in unserem Umgang mit Wissen so stark von Google abhängig sind, ist es unumgänglich, dass sich Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler damit auseinandersetzen, wie Google funktioniert.

Nehmen wir als Beispiel die Suchanfrage »Prometheus« – im Zusammenhang mit dem Goethe-Gedicht. Diesen Sommer läuft ein Film namens Prometheus im Kino. Was also macht Google?

Es bietet mir den Mythos als erste Option an, dann zwei Mal den Film (aus der englischen Wikipedia, meine Spracheinstellungen sind Deutsch und Englisch, btw), dann Bilder (eher Mythos) und noch zwei Mal den Film.

»Wie funktioniert das?« war meine Einstiegsfrage, damit sich Schülerinnen und Schüler selber Gedanken darüber machen, wie denn die Suchmaschine das findet, was sie suchen – oder ihnen Angebote macht, was sie überhaupt hätten finden wollen.

* * *

Werden wir etwas genauer. Wie funktioniert Google? Dieses Video (mit deutschen Untertiteln, auf CC drücken) ist aufschlussreich:

Man kann festhalten, dass folgende Kriterien entscheidend sind, welche Resultate zuoberst gezeigt werden:

  1. Wie häufig kommt das Suchwort vor (auch in Synonymen)?
  2. Wie bedeutend ist das Suchwort (kommt es im Titel, in der URL vor)?
  3. Wie bedeutsam ist die Seite (d.h. wie gut ist sie vernetzt)?
  4. Was ist die Qualität der Seite (Google stuft so genannte Spam-Seiten oder solche, die es darauf anlegen, möglichst weit vorne eingeblendet zu werden, um mit Werbung zu verdienen, regelmässig herab)?
  5. Wie häufig wird diese Seite in den Suchresultaten angeklickt?

Wichtig ist festzuhalten: Die Google Suche wir regelmässig verändert, weil so genannte SEO-Spezialisten versuchen, kommerzielle Seiten möglichst wirksam in den Suchergebnissen zu platzieren, ohne dass sie es »verdient« hätten (d.h. relevante Informationen beinhalten). Das wird zu einer Art Spiel: Google erschwert das Spiel, die Spezialisten finden neue Tricks.

Zudem wird die Suche in Zukunft persönlicher werden. Nutze ich das englische Google (google.com), dann werden persönliche Suchergebnisse mit einem Männchen markiert. Persönliche Suchergebnisse sind Inhalte, die von meinen Kontakten oder »Freunden« verlinkt oder erstellt worden sind.

Die Idee für diesen Eintrag stammt von diesem Post bei Mindshift. Dort gibts mehr Informationen und Links.

Facebook für Lehrpersonen – die Möglichkeiten im Überblick

Dieser Artikel soll aufzeigen, wie Facebook von Lehrpersonen sinnvoll und gefahrenfrei genutzt werden kann. Entscheidend dabei ist: Man muss nicht mit Schülerinnen und Schülern befreundet sein! (Ich habe mich hier zur Missbrauchsgefahr geäußert – ein Problem, das ich eher auf der Ebene Schule als auf der Ebene der einzelnen Lehrperson sehe.)

Eine Infografik zeigt basierend auf einer Studie des Babson College/Pearson von 2011, dass viele Lehrpersonen – hier bezogen auf Colleges – Facebook-Konten haben, sie aber eher selten für die Kommunikation mit anderen Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schülern einsetzen:

Die folgenden Möglichkeiten sollen zeigen, wie dieses Kommunikationspotential genutzt werden kann. Facebook selber finanziert einen Educators Guide (Direkter Link zum Paper als pdf), in dem technischen Grundlagen und Einsatzgebiete aufgezeigt werden. Konkret sind dies:

  1. Konstruktiv bei Schulregeln für Social Media mitarbeiten.
  2. Schülerinnen und Schüler über Richtlinien für sicheres Verhalten auf Social Media zu informieren.
  3. In Bezug auf Sicherheit und Privatsphäre auf FB up-to-date sein.
  4. Verhaltensregeln für digitale Kontexte reflektieren und vermitteln.
  5. Mit FB-Pages und -Gruppen mit Eltern und Schülerinnen und Schülern im Kontakt bleiben.
  6. Digitale, soziale und mobile Lernmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern des 21. Jahrhunderts verstehen.
  7. Facebook zum persönlichen Wissensmanagement und zur professionellen Vernetzung nutzen.

An diesen Einsatzmöglichkeiten ist besonders interessant, dass für die Vernetzung mit Schülerinnen, Schülern und Eltern nicht ein persönliches oder professionelles Profil, sondern eine Seite oder eine Gruppe genannt wird. Im Folgenden soll es also darum gehen, wie Lehrpersonen mit Facebook kommunizieren können – mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und anderen Bildungsprofis.

(1) Das persönliche Profil

Die Frage, wie und ob das persönliche Profil eingesetzt werden soll, um berufliche Kommunikation zu betreiben, ist umstritten. Zumindest in Bezug auf Schülerinnen und Schüler gibt es klare Vorbehalte dagegen, ein persönliches Profil zu nutzen (vergleiche auch die Empfehlungen zu Social Media-Aktivitäten für Lehrpersonen). Dabei ist dies aber davon abhängig, wie privat dieses Profil wirklich ist – ein Profil muss nicht zwingend private Informationen beinhalten.

Zudem ist es möglich, eine Liste zu einzurichten und zu verwalten, so dass die Schülerinnen und Schüler auf dieser Liste keine persönlichen Informationen zu Gesicht bekommen – wie zeigt Ronnie Burt auf seinem Blog. (Eine Bemerkung allgemeiner Natur: Ich poste hier nie technische Anleitungen, weil diese so schnell nicht mehr aktuell sind, gebe aber gerne darüber Auskunft bei Beratungen und Schulungen).

(2) Das »Herr Huber«/»Frau Schmid«-Profil

Es ist ohne weiteres möglich, in der Rolle als Lehrperson auf Facebook aktiv zu sein. Es ist aber meistens recht umständlich, mehrere Konten zu pflegen, das führt zu Verwechslungen und ist nicht der Sinn von Facebook.

(3) Die Fan-Page

Eine Fan-Seite ist gegenüber (1) und (2) zu bevorzugen. Schülerinnen und Schüler erhalten Updates, ohne mit einem Profil befreundet zu sein müssen. Was sich auf dieser Seite abspielt, ist für alle Interessierten einsehbar, es gibt keine persönliche/private Zwischenebene.

Das sieht dann beispielsweise so aus (hier die Seite auf Facebook):

Auch hier gibt es beim EduBlog konkrete Anleitungen, wie man eine Fan-Seite errichtet.

(4) Gruppen

Gruppen sind eine Alternative zu Seiten, die aber ähnliche Vorzüge haben: Auch hier ist eine direkte Freundschaft unnötig. In Gruppen können aber alle Mitglieder Inhalte posten, zudem ist es dort möglich, auch Dokumente hochzuladen, was auf einer Seite nicht möglich ist. Zudem können Gruppen privat geführt werden, ohne dass Nicht-Mitglieder einen Einblick erhalten – das kann ein Vor- oder ein Nachteil sein. Gruppen ermöglichen zudem die Kommunikation zwischen den Mitgliedern ohne Bezug zur Lehrperson.

* * *

Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten, wie Facebook sinnvoll genutzt werden kann – auch im Bildungsbereich. Die Frage, ob Facebook überhaupt als Tool eingesetzt werden soll, stellt sich für Behörden, Schulen und Lehrpersonen gleichermassen. Die Schülerinnen und Schüler sind schon auf FB – und können dort motiviert abgeholt werden. Andererseits übergibt man Informationen an ein gewinnorientiertes Unternehmen, das keine Garantien darüber abgibt, was es damit anstellt.

Social Media als Wissensmanagement für Lehrpersonen

Auf imgriff.com hat Thomas Mauch seine Vorstellungen von Wissensmangement vorgestellt (und später mit einer Übersicht über die verwendeten Tools ergänzt). Ausgehend von seinen Überlegungen möchte ich skizzieren, wie Lehrpersonen ihr persönliches Wissensmangement auf Social Media abstützen oder mit Social Media ergänzen können. Ich biete dazu auch Workshops und Schulungen an, aus denen die beiden gezeigten Slides stammen:

Die vier Schritt im Wissensmanagement können gut am Beispiel der Tageszeitung vorgeführt werden:

Die informierte Lehrperson liest am Morgen eine Tageszeitung: Dort findet sie Informationen, manchmal auch unverhofft. Diese Informationen sammelt sie, indem sie interessante Artikel rausreißt. Diese Artikel werden strukturiert: Z.B. wird ein gefalteter Artikel an der richtigen Stelle in ein Buch gelegt. Bei der Vorbereitung wird er gefunden und dann in eine Publikation umgewandelt: Ein Arbeitsblatt entsteht.

Dieser Prozess wird durch Social Media nicht verändert – er bleibt sich gleich, erhält jedoch mehr Möglichkeiten. Auf der nächsten Slide sieht man dazu nur Andeutungen:

Dabei zeigt sich, dass die Möglichkeiten zum Finden von Informationen vielfältiger werden, aber auch die zum Sammeln und Publizieren. Auch hier mache ich ein Beispiel: Ich lese Tageszeitung auf Twitter, indem ich von verschiedenen Zeitungen bestimmte Ressorts in meinem Stream haben, die mich interessieren. Dadurch, dass in meinem Twitter-Feed auch Personen drin sind, z.B. informierte Journalistinnen und Journalisten, finde ich auch eher unverhofft etwas. Die interessanten Artikel sammle ich nun einer Art Datenbank, aus der ich wiederum entweder Unterrichtsmaterialien publiziere, aber auch Blogartikel schreiben kann.

So sind die Artikel in diesem Blog eine Form von meinem Wissensmanagement: Sobald ich mich mit einem Thema oder einem Text auseinandergesetzt habe, verfasse ich einen Blogpost, mit dem ich diese Auseinandersetzung dokumentiere. Das ist zunächst für mich selber wichtig: Ich finde die Informationen, mit denen ich mich beschäftigt habe – kann aber auch andere daran teilhaben lassen.

Abschließend sei ein wichtiger Punkt erwähnt: Die Flut von Informationen erfordert, im persönlichen Wissensmanagement einen Filter einzubauen. Die Tageszeitung ist für mich von der Redaktion vorgefiltert – meinen Twitterstream muss ich selber filtern. Dafür brauche ich Übung und muss auch bereit sein, einen gewissen Aufwand zu betreiben – der sich deshalb lohnt, weil ich mehr unverhofft finde und effizienter sammeln, strukturieren und publizieren kann.

 

Facebook im Unterricht: Ein Blick auf Chancen und Risiken

Bei der Diskussion der Frage, ob Facebook im politischen Unterricht geht ein Lernblog der PH Ludwigsburg unter der Leitung von Dr. Ragnar Müller von der tabellarischen Übersicht des Abschlussberichts von EU Kids-Online aus:

Im Beitrag von Lisa (?) werden drei Chancen und drei Risiken genannt:

  1. Kommunikation: Facebook ermöglicht es, mit vielen Menschen leicht in Kontakt zu treten.
  2. Teilhabe an Entscheidungsprozessen: Facebook ermöglicht es, Meinungsbildung zu betreiben und sich an Entscheidungen zu beteiligen.
  3. Bildungsferne Schichten: Facebook ermöglicht Bildung in allen gesellschaftlichen Sphären – zumindest in Ländern ohne nennenswerte digital divide.
  4. Akklamationskultur: Facebook ermuntert, auf »gefällt mir« zu drücken, anstatt kritisch zu bleiben und Fragen zu diskutieren.
  5. Keine Offenheit: Die Frage, ob politische Bildung auf einer Plattform stattfinden soll, die systematisch intransparent bleibt, ist bedeutsam.
  6. Privatsphäre: Politische Meinungsbildung und das Recht auf Privatsphäre bedingen sich gegenseitig – auch hier ist Facebook als Instrument sehr problematisch.

Lisa kommt zu einem etwas zahmen Fazit:

Festzuhalten bleibt, dass Facebook zwar kritikwürdige Elemente umfasst, dass aber die Vorzüge, welche die Plattform für den Politikunterricht mit sich bringt, ebenfalls bedeutsam sind. Die im folgenden vorzustellende Unterrichtsstunde versucht deshalb, die Chancen zu nutzen, aber auch die Behandlung der Risiken mit aufzunehmen.

Im zweiten Teil des Posts findet sich eine konkrete Unterrichtseinheit zu Facebook, basierend aus:

Unterrichtsprojekt: Brechts Verfremdungseffekt – Youtube und »bring your own device«

Im Folgenden möchte ich ganz knapp eine Unterrichtseinheit darstellen, die ich soeben durchgeführt und abgeschlossen habe. Ich werde ganz unten diskutieren, wie sich der Einsatz Neuer Medien ausgewirkt hat – wer sich nicht für eine Deutschlektion interessiert, müsste vielleicht gleich runterscrollen.

1. Die Deutschsequenz: Brecht, Jasager/Neinsager und episches Theater

Ziel der Einheit war eine Einführung in das literarische Schaffen Bertolt Brechts mit einer 10. Klasse (Gymnasium).

Nach einem biographischen Einstieg (Gedicht: »Vom armen B.B.« (1927), pdf) hat die Klasse die Schuloper »Jasager / Neinsager« gelesen (hier als pdf abrufbar). Brecht hat dieses Stück 1930 mit einer Klasse der Karl-Marx Schule Berlin diskutiert und aufgrund der Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler Änderungen vorgenommen.

Die Absicht Brechts kann sehr gut herausgearbeitet werden, wenn die Unterschiede zwischen Ja- und Neinsager-Teil präzise herausgearbeitet werden, das unten stehende Tafelbild ist nicht ganz optimal gelungen.

Parallel wurden die Schülerinnen und Schüler theoretisch mit dem epischen Theater Brechts vertraut gemacht (Theorieblatt als pdf). Die Strassenszene wurde in mehreren Versionen vorgespielt und diskutiert.

Nach der Herausarbeitung der Gesamtaussage des Stückes (siehe unten) erhielten die Schülerinnen und Schüler den Auftrag, mit ihren eigenen Smartphones eine Version des Stückes aufzunehmen.

Die improvisierte Aufnahme sollte dazu dienen, einen automatischen Verfremdungseffekt zu erzeugen. Die Ergebnisse wurden visioniert und diskutiert – mit dem Auftrag, zu überprüfen, ob Brechts Forderungen an das epische Theater eingehalten würden.

Dabei haben die Schülerinnen und Schüler »automatisch« stärker gespielt, als es nötig gewesen wäre – durch die improvisierten Aufnahmen ist aber nie die Illusion entstanden, ein echtes Geschehen vor sich zu haben. Highlights waren, als in den Aufnahmen eine Schülerin andere aufgefordert hat, sie müssten jetzt sagen, der Knabe solle dem Brauch gemäss antworten – also gerade den Zwang auch auf der Ebene des Spielens vorgeführt hat.

Man kann abschließend sagen, dass wohl erst die Auswertung, nicht das Spielen selbst Brechts Konzeption verständlich gemacht hat.

2. Der Einsatz von Neuen Medien

Die Videoaufnahmen mit den eigenen Smartphones gemäß der Idee von »Bring Your Own Device«hat erstaunlich gut geklappt. Es gab keine technischen Probleme: Die Akkus waren geladen, Speicherplatz vorhanden, die Qualität passend (in der Klasse verfügen viele über aktuelle iPhones und Samsung Galaxy-Geräte). Die Aufnahmen wurden in rund 60 Minuten eingespielt.

Die Aufnahmen wurden dann auf Youtube hochgeladen und auf der klasseneigenen Lore.com-Plattform zur Verfügung gestellt. Damit nicht alle die Videos anschauen können, wurden sie nicht gelistet.

Dieser praktische Aspekt (wie machen wir, dass niemand das Video sieht, und es doch im Netz abrufbar ist), wurden von den Schülerinnen und Schülern, die die Videos hochgeladen haben, ohne Schwierigkeiten gelöst. Einige haben zudem ihre Videos auf dem Computer oder Smartphones verbunden und leicht geschnitten.

Fazit: Darauf vertrauen, dass Schülerinnen und Schüler solche Aufgaben lösen können und ihnen konkrete Aufträge geben, funktioniert sehr gut auf dieser Stufe – ich werde das wieder machen.