Tipps und Spiele zum besseren Umgang mit Suchmaschinen

Suchmaschinen wie Google zu verwenden scheint eine so selbstverständliche Kulturtechnik zu sein, wie das Schuhebinden. Man würde naiverweise denken, dass Schülerinnen und Schüler das nicht in der Schule lernen müssen, sondern es schon beherrschen. Das denkt man so lange, bis man ihnen einmal beim Suchen im Internet zusieht.

Wie also lernt und lehrt man, besser zu »googlen«?

1. Spielerisch

Es gibt eine Reihe von Spielen mit Suchmaschinen, die man z.B. in einer Partnerarbeit spielen kann:

  1. Wer findet die Seite? 
    Schülerin A gibt eine Seite vor, z.B. diesen Blogeintrag. Schüler B muss eine Suchanfrage finden, die als erstes (oder einziges) Resultat diese Seite anzeigt.
  2. Wer findet das bessere Suchwort? (Googlefight)
    Schülerin A gibt einen Suchbegriff vor. Gemeinsam sieht man, wie viele Resultate Google findet:
    Schüler B schlägt nun einen Suchbegriff vor, der mehr Resultate liefert. (Um das Spiel schwieriger zu machen: Mehr, aber nicht mehr als doppelt oder zehn Mal so viele…)
    Lustiger wird dieses Spiel mit einem Googlefight –  dort kämpfen zwei Suchbegriffe gegeneinander. Kann auch verwendet werden, um z.B. die richtige orthographische Schreibweise eines Wortes zu klären (»klären« vs. »klähren«)  oder die Beliebtheit von Fussballspielern.
  3. Was hab ich gesucht? (What did I search for?)
    Auf folgenden Seiten werden Suchresultate angezeigt, der Suchbegriff aber mit ????? codiert. Die Frage ist nun, was der Suchbegriff war. Die Seite gibt es meines Wissens leider nur auf Englisch, ist aber wohl auch ein sinnvolles Spiel für den Fremdsprachenunterricht…
    (a) gamesforthebrain.com/game/whatsearch/
    (b) gwigle.varten.net/
  4. Das Bildersuchequiz.
    Auch für die Bildersuche gibt es ein (englisches) Quiz, wo man den Suchbegriff erraten muss. Das kann man gut aber auch selbst in Partnerarbeit spielen – einfach so runterscrollen, dass der Suchbegriff nicht mehr sichtbar ist. Hier ein einfaches Beispiel:

2. Suche wie ein Mathematikproblem angehen: Resultate schätzen

Tasha Bergson-Michelsen schlägt vor, Schülerinnen und Schüler die drei folgenden Fragen zu stellen, bevor sie etwas suchen. Die Idee ist, dass sie das Resultat zuerst abschätzen müssen, um einschätzen zu können, ob es hilfreich und sinnvoll ist – analog zu einer Mathematikaufgabe, wo es didaktisch sinnvoll ist, zuerst eine Schätzung abzugeben, bevor man die Aufgabe löst.

  1. Was für Ergebnisse liefert die Suche?
    Z.B. für »Bayern«, »Bayern München«, »die Bayern«. [Bergson-Michelsens Beispiel ist etwas schöner: »who«, »the who«, und »a who«.]
  2. Wie sieht mein perfektes Suchergebnis aus?
    Was steht auf der Seite, die ich suche? Welches Vokabular verwendet sie? Wann kann ich annehmen, dass sie von einer Expertin oder einem Experten verfasst worden ist?
  3. Was erwarte ich, wenn ich auf ein Suchresultat klicke?
    Sobald ich gesucht habe, sehe ich eine Liste von Resultaten. Auf welches soll ich zuerst klicken – und warum?

Diese Überlegungen können geübt werden. Werden diese Übungen richtig gemacht, erkennen und erfahren Schülerinnen und Schüler, dass sich ihre Sucheffizienz und die Qualität ihrer Ergebnisse automatisch verbessern – und setzen neue Techniken ein.

3. Tipps für Suchtechniken

Diese Tipps kann man Schülerinnen und Schülern einfach einmal mitteilen, indem man sie an geeigneten Beispielen vorführt – sie könnten auch auf einem Poster im Computerraum stehen etc.

  1. Das Suchwort »wiki« hinzufügen, um direkt Wikipedia-Artikel angezeigt zu bekommen.
  2. Präzise Informationen durch das Zusammenstellen von vier bis sechs Suchbegriffen, die in einem gesuchten Dokument vorkommen müssen.
  3. Wissenschaftliche Texte findet man, indem man direkt nach pdfs sucht. Das geht so: »SUCHANFRAGE filetype:pdf«.
  4. Dasselbe geht auch für Präsentationen, Word-Dokumente oder Tabellen, dort gibt es aber nicht immer einheitliche Fileformate (hilfreich sind aber .ppt respektive .doc beziehungsweise .xls.
  5. Erweiterte Suchoptionen benutzen um Sprache, Datum und Region einzustellen, wenn das nötig sein sollte.
  6. Sehr oft suche ich Dokumente, die bestimmte Zitate enthalten.
    Das Suchen mit Anführungszeichen hilft oft weiter: »”liberty and justice for all”«.
  7. Nützlich ist auch das Suchen nur auf einer Seite: »SUCHANFRAGE site:nzz.ch«.
  8. Auch die Bildsuche kann feingesteuert werden, z.B. auch über die Farbauswahl!

Bergson-Michelsen kombiniert diese Techniken hier an einem schönen Beispiel.

4. Google Search Education

Google bietet selbst Tools an, um mit der Fülle von Möglichkeiten und Informationen umzugehen. Hier der Link zur Seite (englisch) und ein Einführungsvideo:

Konsequenzen der digitalen Revolution – zwei Artikel von Mindshift

Im letzten Blogpost habe ich auf den Mindshift-Blog verwiesen, wo die Journalistin Tina Barseghian die (technologische) Zukunft der Lernens erforscht. Im folgenden werde ich die Aussagen von zwei lesenswerten Artikeln zusammenfassen und knapp kommentieren:

  1. Is Peer Input as Important as Content for Online Learning? (Nathan Maton)
    Ist im Online-Lernen der Input von Peers gleich wichtig wie der Lerninhalt?
  2. Amidst a Mobile Revolution in Schools, Will Old Teaching Tactics Work? (Tina Barseghian)
    Werden sich alte Lehrstrategien trotz der mobilen Revolution erhalten?
Screenshot Mindshift.

Die Grundvoraussetzungen sind klar: Inhalte im Internet können auf mobilen Geräten überall und jederzeit angesehen werden. Dieser Fluss von Informationen bedeutet grundsätzlich, dass die Schule nicht mehr die primäre Aufgabe hat, diese Informationen zur Verfügung zu stellen – z.B. als Wissen von Lehrpersonen oder in Form von Unterrichtsmaterialien.

Digitales Lernen findet, wie auch traditionelle Lernformen, auf fünf Standbeinen statt:

  • Lerninhalte
  • Lernmethoden
  • Lerngemeinschaft
  • Institutionalisierung und Anerkennung von Lernerfolgen
  • Technologien und Medien des Lernens

Die »Revolution« betrifft diesen fünften Punkt. Werden die Medien digital, so ist es viel einfacher als bisher, Kopien anzufertigen. Anders gesagt: Lerninhalte kosten nichts mehr – z.B. OER.

Daran schließen sich grundsätzlich vier Fragen an:

  1. Mit welchen pädagogischen Mitteln sollen und können die Vorteile des digitalen Lernens genutzt werden?
  2. Wie organisiert man Gemeinschaften, in denen diese Inhalte erlernt werden können?
  3. Wie erfolgt die Anerkennung von Lernerfolgen im digitalen Lernen?
  4. Mit welchen Technologien sollen digitale Inhalte abgerufen und bearbeitet werden?

Wie wichtig Punkt ii. ist, zeigt ein Zitat von Philipp Schmidt, der die Gratis-Online-Universität P2PU gegründet hat:

The things I care most about is collaborative skills, are you a good communicator, can you get stuff done? I think that’s the number one thing that isn’t being assessed anywhere that is super important. That’s what you ask when someone wants a job from you: do they get stuff done.
[Übersetzung phw] Ich interessiere mich am meisten für Kompetenzen im Bereich der Zusammenarbeit: Kannst du kommunizieren? Kannst du Aufgaben erledigen? Das ist die wichtigste Fähigkeit, die von allen verlangt wird. Wenn jemand angestellt werden soll, geht es genau darum: Kann die Person Aufgaben erledigen?

Punkt i. hingegen ist der Gegenstand von Barseghians Post. Ihre Forderung ist klar und wurde auf diesem Blog schon mehrfach wiederholt: Technologie verfügbar zu haben ist nur dann hilfreich, wenn es auch effiziente Methoden gibt, sie für pädagogische Zwecke einzusetzen. Zudem müssen digitale Geräte so zugänglich gemacht werden, dass sich privates und schulisches Lernen vermischt. Barseghians und ihre Gewährsleute skizzieren eine Learning-By-Doing-Mentalität, die durch Hilfsmittel wie Smartphones und iPads gefördert werden kann.

Abschließend ein Zitat von Shelley Pasnik, der Leiterin des Center For Childern & Technology:

That’s where the pedagogical practice comes to play, a thoughtful use of tool sets. Having the apps sitting on your phone on your desk in and of itself isn’t going to make you smarter, and it won’t make the classroom more anything. It’s what you do with it, and how it’s supported, how teachers and students know to learn, to use those tools. It’s part of a complex nature of learning.
[Übersetzung phw]: Das ist der Punkt, wo die pädagogische Praxis relevant wird: Ein durchdachter Einsatz von Werkzeugen. Nur Apps auf seinem Telefon zu haben macht niemanden schlauer und es verbessert auch die Erfahrung im Klassenzimmer in keiner Hinsicht. Es kommt darauf an, was man mit den Geräten und den Apps macht und wie dieses Handeln unterstützt wird, wie Lehrpersonen und SchülerInnen ihr Lernen und ihren Einsatz von Hilfsmitteln verstehen. Es ist ein Teil der komplexen Natur des Lernens.

Darf sich die Schule in die Social Media-Aktivitäten ihrer Schülerinnen und Schüler einmischen?

Ein Blogpost von Matt Levinson auf Mindshift geht der Frage nach, wie Eltern und die Schule mit Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen auf sozialen Netzwerken umgehen sollen.

Die Frage ist zunächst, ob es sich dabei um eine Aufgabe der Eltern handelt, um die sich die Schule so lange nicht kümmern muss, wie sie nicht Unterrichtsgegenstand ist. Tatsächlich lassen sich aus verschiedenen Gründen die Online-Aktivitäten an der Schule von privaten nicht mehr trennen:

  • Mit mobilen Geräten sind Schülerinnen und Schüler auch an der Schule mit privaten und zuhause mit schulischen Online-Aktivitäten beschäftigt.
  • Die sozialen Strukturen der Schule werden auch im Netz abgebildet – sowohl in einem privaten wie auch in einem schulischen Kontext.
  • An der Schule wie auch zuhause werden Email-Adressen verwendet, die dann den Zugang zu sozialen Netzwerken ermöglichen. Levinson schreibt, das wichtigste Ziel sei ein offenes Gespräch darüber, was es bedeute, ein Konto- und/oder eine Email-Adresse zu haben:

    [T]he most important goal is to maintain open communication, explaining to kids the responsibility that comes along with having an email account, and the need to ask an adult for help if the child feels uncomfortable with the nature of any online exchange.

Dieses Zitat zeigt, dass die Herausforderungen der digitalen Kommunikation nur in Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule zu meistern sind. Sowohl Schulen wie auch Eltern müssen offen kommunizieren und Regeln festlegen, die transparent sind. Diese Offenheit und Transparenz von Seiten der Schulen ermöglicht Eltern, ihre Erziehungsvorgaben daran anzuschließen und sich zu informieren.

Foto kenstein Flickr, CC BY-NC-ND

Digitale Einsamkeit – die verlorene Fähigkeit, Gespräche zu führen

Gespräch. Quelle: Flickr Blue Square Thing, CC BY-NC-SA

Deshalb sage ich: Schaut auf, schaut euch an – und beginnt ein Gespräch!

Mit diesem Aufruf endet ein Artikel der amerikanischen Soziologin und Psychologin Sherry Turkle, der am Wochenende in der New York Times erschienen ist. Turkle schildert, wie in der Arbeitswelt und in der Welt der Jugendlichen die Fähigkeit verloren gegangen ist, ein Gespräch zu führen. Wir hätten an ihrer Stelle eine neue Fähigkeit gelernt, »gemeinsam alleine« zu sein. (Alone Together heißt auch Sherry Turkles neuestes Buch.)

Turkle beschreibt einen 16-Jährigen, der sich wünscht, zu lernen, wie man ein Gespräch führt. Die Möglichkeit, digital Kontakte zu pflegen, führe zu einer Isolation. Die digitale Kommunikation sei bequemer, so Turkle. Sie ermögliche:

  • Nicht zu enge und nicht zu lose Beziehungen zu pflegen.
  • Uns so zu präsentieren, wie wir wahrgenommen werden wollen.
  • Zu ändern, was wir ändern wollen, zu löschen, was wir löschen wollen.
  • Gespräche in kleine Bestandteile zu strukturieren, denen wir uns dann zuwenden wollen, wenn wir das möchten.

Zwischenmenschliche Beziehungen seien hingegen unordentlich und anspruchsvoll. Technologie wird nach Turkle benutzt, um diese Beziehungen zu bändigen. Dabei entstünde eine Verschiebung hin von Gesprächen zu Verbindungen:

But connecting in sips doesn’t work as well when it comes to understanding and knowing one another. In conversation we tend to one another. (The word itself is kinetic; it’s derived from words that mean to move, together.) We can attend to tone and nuance. In conversation, we are called upon to see things from another’s point of view.
[Übersetzung phw: Sich bei bedarf zu verbinden funktioniert dann nicht, wenn es darum geht, einander zu verstehen und zu kennen. In Gesprächen wenden wir uns einander zu. Wir hören auf den Tonfall und auf Nuancen. In Gesprächen wird von uns verlangt, einen anderen Standpunkt einzunehmen.]

Turkle beschreibt die Konsequenzen dieser Verschiebung als eine Art Zirkel: Weil Technologie uns dabei hilft, anstrengenden Gesprächen aus dem Weg zu gehen, haben wir auch keine Gesprächspartner mehr und wenden uns noch stärker der Technologie zu. Früher sei der Impuls für Gespräche folgender gewesen: »Ich habe ein Gefühl, ich rufe jemanden an.« Heute sei er: »Ich möchte ein Gefühl, ich schreibe eine Nachricht.«

Zum Schluss der Hinweis auf ein Interview mit Turkle in der Zeit. Dort sagt sie unter anderem:

ZEIT: Sie haben Ihr Buch als einen Brief an Ihre Tochter formuliert, die für ein Jahr ins Ausland gegangen ist. Früher waren Eltern und Kinder in dieser Situation zum ersten Mal wirklich voneinander getrennt – ab und zu ein Brief oder ein kurzes, teures Telefonat. Heute ist jeder zu jeder Zeit anwesend, es gibt keine Entschuldigung mehr dafür, nicht erreichbar zu sein.

Turkle: Ja, und es gilt die Regel »Ich texte, also bin ich«. Es gibt einen großartigen Spruch in der Psychologie: Wenn du deine Kinder nicht lehrst, allein zu sein, dann lernen sie nur, einsam zu sein. Wir versagen, wenn wir sie nicht auf ein Alleinsein vorbereiten, das erfrischend und regenerierend wirkt. Wir trainieren sie für eine lebenslängliche Einsamkeit.

ZEIT: Und gleichzeitig senden sie Tausende von Nachrichten…

Turkle: Ja, das ist ein Paradox, das uns mehr und mehr Probleme bereitet.

ZEIT: Und wie lautet Ihr Rezept dagegen?

Turkle: Eigentlich bin ich vorsichtig optimistisch, dass ein Wandel einsetzt. Der Grund ist, dass die Menschen, mit denen ich rede, einfach nicht glücklich sind.

ZEIT: Aber als Psychotherapeutin wissen Sie auch, dass Unzufriedenheit nicht notwendigerweise zu einer Änderung des Verhaltens führt.

Turkle: Was hilft, ist die Identifizierung unserer Schwachstellen. Deshalb spreche ich auch nicht von Sucht. Es geht nicht darum, einen »kalten Entzug« zu machen« und die Geräte wegzuwerfen. Die Gefahr geht ja von einem unausgewogenen Verhältnis aus – wer das einsieht, kann daran arbeiten, ihnen weniger schutzlos ausgeliefert zu sein.

Sherry Turkle. Quelle: Flickr jeanbaptisteparis, CC BY-SA.

Der Einsatz von Tablets/iPads in der Schule

Gestern habe ich hier einen Artikel zusammenfasst, in dem die Frage diskutiert worden ist, wie sich der digitale Wandel für Schulen und Lehrpersonen auswirken wird. Dabei ging es insbesondere auch um den Einsatz von Tablets und iPads in der Schule. Ich möchte im Folgenden einige Überlegungen zum Einsatz von iPads festhalten – ich werde diesen Post laufend ergänzen.

0. Tablets oder iPads?

Der allgemeine Begriff Tablet suggeriert, es gäbe verschiedene Hersteller, deren Produkte im ähnlichen Umfang in der Schule einsetzbar wären. Konkrete Beispiele gibt es hingegen meist nur mit dem iPad, also mit Produkten von Apple.

Screenshot von tablet-user.de/tablet-vergleich

Apple ist im Schulbereich im deutschsprachigen Raum sehr aktiv: Die Firma

Diese breite Palette von Angeboten, die Vertrautheit vieler Schulen mit Apple-Produkten und sowie die hohe Bekanntheit und Beliebtheit von iPads bei Jugendlichen erschweren eine objektive Auswahl des besten Tablets und führen im Bildungsbereich zu einer Gleichsetzung von Tablets mit iPads. Die Gefahr dürfte bekannt sein: Schulen machen sich sowohl von der Soft- wie auch von der Hardware von Apple abhängig und müssen langfristig auch die hohen Apple-Preise bezahlen.

Schulen in der Schweiz können iPads hier wochenweise ausleihen.

1. Ressourcen

Um iPads in der Schule gewinnbringend einsetzen zu können, müssen Beispiele aus der Praxis bekannt gemacht werden. Es reicht letztlich nicht aus, einfach Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern iPads zu verteilen, in der Hoffnung, es würde sich etwas ergeben.

Hier eine im Moment aktuelle Liste mit Beispielsammlungen:

  1. Apps für den Bildungsbereich von Apple
    In dieser Sektion des iTunes-Store sammelt Apple bildungsbezogene Apps.
  2. Lernen mit iPad.
    Die Schweizer Seite bietet viele Links und soll demnächst Praxisbeispiele enthalten, die Seite befindet sich aber offenbar erst im Aufbau.
  3. iPad in der Schule
    Die deutsche Seite wird von vier Lehrpersonen betreut und bietet einführende Texte und Unterrichtsbeispielen aus verschiedenen Fachbereichen.
  4. Schule Apps.
    Eine plattformneutrale Datenbank verschiedener Apps für den Bildungsbereich – übersichtlich und hilfreich.
  5. paducation
    Umfangreiche Dokumentation eines Schulversuchs mit iPads mit vielen Hintergrundinfos.
  6. Das iPad im Unterricht an der Kaiserin Augusta Schule
    Ein Gymnasium in Köln dokumentiert Erfahrungen und Überlegungen zum Einsatz von iPads in der Schule.

Ein besonders schönes Beispiel aus dem Physikunterricht sei hier noch speziell erwähnt, es wird bei mediendidaktik.org erläutert:

So wurde z.B. auf den Fluren unserer Uni die Geschwindigkeit des Schalls ermittelt, indem die Mikrofone von zwei iPads in exakt 10 Meter Entfernung auf den Boden gelegt wurden. Mit einem Klangholz wurde genau in der Mitte auf der 5-Meter-Marke ein Synchronisierungs-Klick erzeugt und dann hinter den iPads ein weiterer Klick. Diese Klicks wurden von beiden iPads aufgezeichnet. Die hohe Auflösung des eingesetzten Sound-Editors (WavePad) ermöglichte es, den zeitlichen Abstand der beiden Klicks exakt darzustellen. Aus der zeitlichen Differenz zwischen den Messungen der beiden iPads können die Lernenden dann die Geschwindigkeit des Schalls (Geschwindigkeit = Weg/Zeit) relativ genau ermitteln. Dieses Experiment lässt sich genauso auch mit Smartphones auf Basis von Android oder IOS-Systemen durchführen.

2. Praktische Hinweise zum Umgang mit Tablets in der Schule

Um Tablets oder iPads in der Schule einzusetzen, gibt es grundsätzlich fünf Möglichkeiten:

  1. Die Schule leiht sich für Projekte befristet Geräte aus, z.B. hier.
  2. Die Schule schafft wenige Geräte an, die dann in Einzelstunden oder in Projekten eingesetzt werden können.
  3. Die Schule kauft für bestimmte Fächer oder für alle Schülerinnen und Schüler Geräte, die im Klassenzimmer genutzt werden können.
  4. Die Schule gibt Schülerinnen und Schülern Geräte zur schulischen (und privaten) Nutzung ab.
  5. Die Schule nutzt Geräte, welche Schülerinnen und Schüler privat besitzen.

Diese Möglichkeiten unterscheiden sich erheblich und sind mit unterschiedlichen Kosten und unterschiedlichem Nutzen verbunden.

Der gestern zusammengefasste Artikel wies darauf hin, dass der Einsatz von Geräten oft an Details scheitert, dass also Einsatzformen wie 1. und 2. immer mit einer technischen Hürde verbunden sind, die recht hoch ist.

Ideal wäre wohl Möglichkeit 4. Die private Abgabe könnte auch mit der Verpflichtung zur Wartung verbunden sind – alle Schülerinnen und Schüler sind dafür besorgt, dass sie ein funktionsfähiges Gerät haben. Sie könnten dann in allen Fächern Unterrichtsmaterialen draufladen – also z.B. auch Wörterbücher für den Fremdsprachenunterricht, Taschenrechner-Apps, welche teure Grafikrechner ersetzen könnten etc.

Weitere, sehr konkrete praktische Überlegungen zur Lagerung, zur Sicherheit und zum Synchronisieren von iPads im Unterrichtsgebrauch finden sich hier.

3. Didaktische Hinweise 

In Bezug auf das »Lehrbuch der Zukunft« seien folgende Funktionen zentral, schreiben die Autoren von mediendidaktik.org:

  • Experimentierkasten, um Phänomene in der Umwelt, sowie von theoretisch beschriebenen Wissenselementen erfahrbar zu machen
  • Schnittstelle für Kommunikation und Austausch
  • Sammlungsort für die persönliche Externalisierung von Wissen (Portfoliofunktion für Schüler und Lehrer)

Damit ist gemeint, dass alle Funktionen von Tablets genutzt werden sollen. Die Geräte sind nicht nur dazu da, um Inhalte rezipieren zu können (vgl. z.B. meine Anmerkungen zum Lesen auf diesen Geräten) – sie sollen immer auch produktiv und kommunikativ genutzt werden.

Das heißt: Schülerinnen und Schüler sollten Inhalte auf den Tablets konsumieren, aber auch selber herstellen – und zwar mit allen Möglichkeiten, die die Geräte bieten (Videos und Photos aufnehmen, Tonaufnahmen, Geolokalisierung etc.). Zudem sollten sich Schülerinnen und Schüler untereinander und mit Lehrpersonen und anderen Lernen an anderen Orten vernetzen, z.B. via Social Media.

Entscheidend ist zudem, dass Lehrpersonen darin geschult werden, iPads pädagogisch geschickt zu nutzen – so dass sie mehr Zeit haben, um Schülerinnen und Schüler zu coachen (Genaueres bei LivingClassroom; hier ein Erfahrungsbericht einer Lehrperson im Umgang mit dem iPad).

4. Das iPad-Dilemma

Die unten stehende Infografik (Quelle) zeigt das Problem auf, dass kostenpflichtige Angebote für iPads diese schnell zu einer viel teureren Alternative machen, als es Bücher heute sind. Letztlich wollen Apple und die Verlage mit digitalen Lehr- und Lernmitteln Geld verdienen. Die Grafik ist schon älter und bezieht sich auf die USA, sie geht davon aus, dass herkömmliche Bücher rund 40% günstiger sind als iPads (und blendet den didaktischen Zusatznutzen von iPads natürlich aus). Die Gefahr besteht aber, dass Investitionen in Technik nicht nur für Eltern die Schule teurer machen, sondern darüber hinaus zu einem Qualitätsabbau über den Abbau von Lehrerstellen führen.

Vorstellung: MinorMonitor. Kinder auf Facebook überwachen.

Mit verschiedenen Tools können die online- und offline-Aktivitäten von Kindern am Computer überwacht werden (das Apple Betriebssystem OS X ermöglicht es Eltern sogar, festzulegen, welche Wörter im Wörterbuch ausgeblendet werden sollen). Diese Überwachungskultur gedeiht insbesondere in den USA, wo insbesondere religiöse Kreise daran interessiert sind, gewisse Inhalte von ihren Kindern fernzuhalten – sie aber dennoch in der Nutzung von Neuen Medien schulen möchten.

Meine Empfehlung wäre, solche Tools immer transparent einzusetzen: Kinder also zu informieren, dass ihre Aktivitäten überwacht werden, dass die Eltern sehen können, welche Seiten sie besucht haben, welche Suchanfragen sie verwendet haben, was sie auf Facebook geschrieben haben. Transparent sollte ebenfalls sein, was die Eltern von Kindern erwarten, wenn sie auf Facebook oder im Netz aktiv sind.

MinorMonitor erfordert, dass man sich mit dem Facebook-Account des Kindes einloggen kann, das man überwachen möchte. Das Tool ist gratis und erfordert keine Installation von Software, man muss sich aber registrieren, um es nutzen zu können.

Man sieht an den folgenden Beispielen, dass das Tool nur in Bezug auf die Verwendung der englischen Sprache einen Sinne ergibt. Es durchleuchtet nach bestimmten Kriterien sämtliche Bilder, Kommentare und Freunde (dort achtet das Tool z.B. auf das angegebene Alter). [Die Bilder werden größer, wenn man draufklickt.]


MinorMonitor hat zur Werbung für den Dienst eine hübsche Infografik erstellt, die wiederum die Situation in den USA wiedergibt. Die Grafik zeigt insbesondere, dass sehr junge Kinder schon auf FB aktiv sind und dass Eltern verschiedene Methoden verwenden, um ihre Konten zu überwachen (z.B. werden sie ihre FB-Freunde).

 

 

Elternabende zu Social Media

Im Interview mit Pressetext hält Tobias Albers-Heinemann, Medienberater und Betreiber des Bogs »Medienpädagogik-Praxis« sein Credo in Bezug auf Social Media fest:

Medienpädagogik heißt in Zeiten von Social Media vor allem, Eltern für die Begleitung ihres Kindes fit zu machen.

Deshalb böten sich Elternabende an, in denen es hauptsächlich darum ginge, bei Eltern das Interesse an Medienpädagogik und Social Media zu wecken – das sei für eine wirkungsvolle Begleitung entscheidender als entsprechende Kompetenzen.

Sehr wichtig scheint mir eine transparente Information der Eltern, wenn Social Media in der Schule eingesetzt werden. Was sollte ihnen vermittelt werden?

  1. Was macht man in der Schule genau?
  2. Wie schützt die Schule die Privatsphäre von Schülerinnen und Schülern?
  3. Wie verhindert die Schule Cybermobbing in Schulprojekten?
  4. Welche Informationen über ihre Kinder sind nach oder während Schulprojekten öffentlich einsehbar?
  5. Welche Infrastruktur brauchen Kinder, um Lernaktivitäten auch zuhause optimal nachgehen zu können?
  6. Welche Lernziele verfolgen Projekte mit neuen Medien?

Wichtig ist auch ein Punkt, den Albers-Heinemann hervorhebt – der als Motto für den Umgang mit Social Medie im schulischen Kontext gelten könnte:

Nutzung heißt aber noch nicht kluger Umgang. Die Frage lautet deshalb, wie weit sich die Schule erlauben darf, nicht auf diesen Zug aufzuspringen und nötige Kompetenzen zu vermitteln.

 

Handys im Unterricht

Andres Streiff hat einen Educa-Guide verfasst, in dem die Möglichkeiten des Lernens mit Handys im Unterricht thematisiert werden:

Handys und Smartphones müssen heute nicht mehr nur für den Freizeitbedarf genutzt werden. Sie können Schülerinnen und Schülern auch das Lernen erleichtern und Zeit sparen. Der vorliegende educa.Guide will Volksschulen den Einstieg ins M-Learning erleichtern. Dabei geht es dem Autor darum, aufzuzeigen, wie man konkret zum Entstehungszeitpunkt des educa.Guides (Herbst 2010) an die Umsetzung gehen kann. Er berichtet aus seinen eigenen Erfahrungen mit mobilen Kommunikationsgeräten im Unterricht.

Der Guide kann hier heruntergeladen werden, dort gibt es auch weiterführende Materialien. Lizenz des Guides: CC BY-NC-ND.

Facebook und junge Frauen: Eine Studie und eine App

Der Psychologe und Arzt Leonard Sax hat ein Buch über krisenauslösende Momente im Leben junger Frauen geschrieben: Girls on Edge. Er behauptet, Facebook mache junge Frauen unglücklich. Konkreter: Je mehr Zeit eine junge Frau auf Facebook verbringe und je mehr FB-Freunde sie habe, desto eher würde sie depressiv.

Er argumentiert wie folgt: Erstens würde auf Facebook ein Vergleich der Lebensqualität vorgenommen. Je mehr andere Menschen man sehe, die scheinbar glücklich sind, desto unglücklicher fühle man sich selbst, weil das eigene Leben im Vergleich mit den auf Facebook präsentierten Leben nicht standhalten könne. Zweitens würde man auf Facebook gezwungen, eine hohe Zahl an halb-intensiven Freundschaften zu pflegen, was einen der Fähigkeit beraube, wenige, ganz enge Freundschaften zu unterhalten, die man aber in diesem Alter brauche.

Sax empfiehlt Eltern, die Zeit zu limitieren, in denen Mädchen auf Facebook aktiv sein dürfen. In den Zeiten des mobilen Internets eine schwer umzusetzende Forderung.

Eine ganz andere Gefährdung junger Frauen (und auch von jungen Männer, darf man anfügen) wurde durch die App Girls Around Me aufgezeigt. Die App ermöglicht den Benutzern, zu sehen, wo in der Umgebung sich Frauen aufhalten oder aufgehalten haben – und zeigt Bilder, Statusupdates und weitere Informationen dieser Frauen an.

Bildquelle: cultofmac.com
Bildquelle: cultofmac.com

Man könnte nun meinen, die App zeige Prostituierte an oder Frauen, die sich bei dieser App registriert haben – das ist aber falsch. Die App hat systematisch Facebook und Foursquare gescannt und Daten verwendet, die Frauen (meist ohne ihr Wissen) auf diesen Diensten öffentlich sichtbar machen. Noch einmal: Die hier abgebildeten Frauen wussten nichts davon, dass sie in dieser App auftauchen.

Mittlerweile wurde die App aus dem App-Store gelöscht, wie auch die NZZ berichtet. Dennoch ist das ein eindrückliches Beispiel, wie die öffentlich verfügbaren Informationen verwendet werden können. Der Fokus auf jungen Frauen ist dabei nicht nötig – die Gefährdung ignoriert Geschlechtergrenzen.

Update, 5. April 2012: Auf dem feministischen Blog der Mädchenmannschaft wird eine andere Perspektive eingenommen, die gut nachvollziehbar ist. »Wenn Sie für einen Dienst nichts bezahlen, sind Sie offenbar nicht Kundin oder Kunde, sondern die Ware, die verkauft wird«, zitiert das Blog Andrew Lewis. Gerade das Verkaufen von Frauen und das Stalken von Frauen sei das Problem. Dagegen müsse angegangen werden:

Was wir in der Debatte brauchen, ist die klare Ansage, dass Stalking nicht ok ist, auch wenn das Opfer es einem „leicht“ macht. Was wir nicht mehr brauchen, sind Ratschläge an Frauen, sich öffentlich unsichtbar zu machen.