Blogparade: Wie Martin Jonglieren gelernt hat

Vor rund einem Monat habe ich zu einer Blogparade aufgerufen. Mittlerweile sind schon ein paar Texte entstanden, die der Frage nachgehen, wie wir denn bestimmte Kompetenzen erworben haben, indem sie den Lernprozess beschreiben:

Ich würde mich sehr über weitere Beiträge freuen, einen Abschlusspost werde ich wohl erst Mitte Mai schreiben.

MAKE ME SOME ART, society6
MAKE ME SOME ART, society6

Jonglieren
Bedeutung
Unterhaltung, Entspannung

Phasen
Motivation: unbestimmt, irgendwas zwischen Langeweile und  Gelegenheit, und es gab so Sendungen das man sein Gehirn immer mal wieder mit was neuem beschäftigen solle, es sollte etwas sein das im Zimmer ohne Ausrüstung und ohne Vorbereitung geht

Idee: aus dem Buch Der Medicus, er muss da jonglieren lernen mit wenigstens 4 Bällen

Information: ungewiss, muss per Internet gewesen sein, der Tipp war langsam mit einer, dann 2 Bällen mit einer Hand zu üben

Üben, üben: ging eigentlich ganz gut, 1-2 Wochen mit einer und 2 Kugeln, dann klappten 2 mit einer Hand, nach ca 3 Wochen klappte es dann mit 3; alles allein; evtl. so was wie 15 min;  die Aufgabe war eine bestimmte Anzahl von Wiederholungen zu schaffen ohne das die Kugel runterfällt, die Anzahl dann immer etwas höher gedreht

Gelernt fürs Lernen
grundlegendes geht eher einfach
4 Bälle habe ich nie geschafft, das müsste man offenbar „richtig“ üben
letzlich sowas wie viel Anfangsmotivation, genügend Informationsmaterial um zu glauben das es machbar ist, Gelegenheit und kontinuierliche Erfolge beim üben

Ein positives Leitbild für Netzpolitik – oder: Stadt- und Landleben

Das ist der fünfte Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

In den letzten Beiträgen habe ich gezeigt, wie verzerrte Darstellungen der Chancen und Gefahren von Internetkommunikation Barrieren errichten, welche viele Menschen daran hindern, digitale Werkzeuge so zu nutzen, dass sie ihnen nützen. Diese Kritik soll ergänzt werden durch ein positives Programm. Das es – zumindest als Skizze – schon besteht, reicht es, an dieser Stelle darauf zu verweisen: In seinem »Code for Germany« legt Christoph Kappes ein Fundament zu einem Leitbild. Es zeichnet sich durch vier Eigenschaften aus, die mir wichtig scheinen (ich paraphrasiere Kappes):

  1. es befasst sich weniger mit dem Internet als mit dem, was Computer tun und wir mit Computern tun
  2. es richtete sich weniger auf rechtliche Fragen, sondern fragt, wie sich Wissen und Kultur durch den Einsatz von digitaler Hilfsmitteln ändern
  3. es hat mehr mit Software zu tun, »als dem prägenden Werkzeug unserer Zeit (das keineswegs nur kopiert, wie der Urheberrechtsstreit immer suggeriert, sondern das Information messbar, vergleichbar, ermittelbar und anderes steuerbar macht und dadurch Neues erzeugt, nämlich das Gegenteil von Kopie: Unterscheidbares)«
  4. es zeigt den Charakter der digitalen Wissensnutzung auf, die ein Gemeingut ist, das nicht übernutzt werden kann, weil Kopien die Nutzung nicht verändern oder verschlechtern.

Kappes‘ Fazit:

So gesehen sollte eigentlich im Zentrum von internet-veranlasster Politik nicht „das Netz“, sondern die Entwicklung von Wissen, Software und Kultur stehen, die von jedermann nutzbar sind:

  • von Schulbüchern und wissenschaftlichen Beiträgen für jedermann,
  • Software für Nachbarn, die untereinander Hilfe anbieten und tauschen möchten,
  • Komponenten für verteilte soziale Netzwerke und Standards für den Datenaustausch zwischen Diensten bis hin zu
  • neuen digital basierten Prozesses für Politik und Medien – wir müssen schnell Ordnung und Überblick in die Welt bringen, die täglich komplexer wird, und
  • kulturellen Techniken, die durch digitale Informationsverarbeitung verändert werden, namentlich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit in losen Gruppen oder auch digitales Rechte-Handling einschließlich verständlicherer rechtlicher Regelungen für Commons.

Politik – so sollte man sich in Erinnerung rufen – bedeutet die Organisation des sozialen Miteinanders. Netzpolitik befasst sich damit, wie Menschen digitale Werkzeuge einsetzen. Was in der professionellen Politik beredet und beschlossen wird, beeinflusst das Leben vieler Menschen nicht. Ein netzpolitisches Programm könnte ganz einfach darin bestehen, Werkzeuge zu schaffen, die Menschen helfen, ihren Alltag zu bewältigen. »Ich stelle mir das Alter mit Internet viel schöner vor als ohne«, war kürzlich im Internet zu lesen. Gute Netzpolitik führt zu schönerem Leben, indem sie Menschen dabei hilft, tolle Dinge nicht nur im Internet, sondern auch außerhalb auf die Beine zu stellen.

An Kappes Forderung lässt sich das Fazit des ausgezeichneten Textes von Kathrin Passig anschließen, in dem sie überzeugend zeigt, dass die Linien der kritischen Diskussion über soziale Medien und das Internet denen der Diskussion über das Leben in der Stadt entsprechen: In Städten (=im Internet) leben geschwätzige Fremde miteinander und setzen sich unbeschreiblichen Gefahren aus, während auf dam Land (= im richtigen Leben) die echten Menschen wohnen: Bescheiden, wortkarg und beschützt von allen Übeln. Passig schließt mit folgenden Absätzen:

Natürlich ist die öffentliche Kommunikation mit Unbekannten im Netz nicht per se die bessere Lösung, so wenig wie das Stadtleben besser als das Landleben ist, insbesondere, seit man einige Annehmlichkeiten der Zivilisation überall erhalten kann: Filme in Originalversionen, homosexuelle Bürgermeister, manchmal sogar O2-Handyempfang. Auch wer ein Blog betreibt oder Twitter nutzt, sehnt sich manchmal nach Waldeinsamkeit, nach weniger widerspruchsfreudigen Gesprächspartnern oder gleich nach der Abschaffung aller Kommentarfunktionen. Dieses Hadern ist unumgänglich, auch in der Stadt ist die Koexistenz der verschiedenen Lebensweisen nicht einfach, und ihre Bewohner schwanken zwischen den Wünschen nach Abgrenzung und Integration.

Aber in der Stadtforschung gibt es seit über hundert Jahren eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Strukturen der Verständigung unter Fremden. Es wäre schön, wenn die Diskussion um die Kommunikation im Netz nicht noch einmal hundert Jahre bräuchte, um an diesem Punkt anzukommen.

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16 Gründe gegen digitale Kommunikation

Das ist der zweite Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Ich liste hier Gründe auf, mit denen Menschen begründen, weshalb sie die Möglichkeiten digitaler Kommunikation nicht nutzen. Diese Gründe – so denke ich – könnten Aufschlüsse darüber geben, weshalb nur wenige Menschen das Potential des Internets nutzen. Die Idee verdanke ich Beat Döbeli, der hier Argumente gegen den Einsatz von ICT an Schulen gesammelt hat. Einige der Argumente sind diesem lesenswerten Blogpost entnommen, auf den mich Klaus Meschede hingewiesen hat. (Danke!)

  1. Im Internet breiten Menschen ihr Privatleben aus, das interessiert mich nicht
  2. Mein Privatleben geht niemanden etwas an, ich möchte meine Privatsphäre schützen.
  3. Social Media ist unpersönlich: Ich schaue Menschen gerne in die Augen, wenn ich mit ihnen rede.
  4. Dafür habe ich keine Zeit.
  5. Ich möchte nicht, dass jemand meine Fotos oder Texte stiehlt.
  6. Ich will nicht, dass meine Daten für Werbung verkauft werden.
  7. Das ist mir zu kompliziert, ich verstehe es ohnehin nicht.
  8. Ich bin nicht so der Multitasking-Typ.
  9. Früher hatten wir auch kein Internet, es ging auch ohne.
  10. Echte Informationen findet man nur in guten Zeitungen und Büchern.
  11. Gespräche im Internet sind oft gehässig und führen zu nichts.
  12. Ich mag es einfach nicht, vor dem Computer zu sitzen.
  13. Beziehungen im Internet sind oberflächlich und können gefährlich sein.
  14. Man weiß nie, ob Informationen im Internet stimmen oder nicht.
  15. Das Internet macht abhängig.
  16. Das Internet verändert unser Hirn und macht uns dumm.

Dont-Like

Sind das schlechte Gründe? Nein, keinesfalls. Aber sie hindern Menschen daran, die Vorteile zu nutzen, welche sich durch Internetkommunikation auch für sie ergäbe.

Über Ergänzungen zur Liste freue ich mich.

Digitale Meinungsbildung

Auf der Re:Publica 2013 wollte ich in einem Workshop darüber nachdenken, wie die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation mehr Menschen zugänglich gemacht werden könnten. Es geht mir nicht primär um eine Beschreibung der digitalen Kluft – die ist längst beschrieben. Vielmehr geht es um die Frage, welche konkreten Möglichkeiten sich anbieten und welche Hindernisse der Demokratisierung der Internetkommunikation im Wege stehen.

Den Workshop kann ich nicht halten, er fand keinen Platz im Re:Publica-Programm. Und ich bin fast ein wenig froh – weil ich nicht weiß, wie man dieses Thema in einer stündigen Diskussion schlau angehen kann. Fallen lassen möchte ich es nicht, sondern hier in loser Folge über die Fragen nachdenken und daraus dann vielleicht einen längeren Essay schreiben. (Zudem kann ich mich so an der Blogparade von ChiliConCharme beteiligen, in der Beiträge gesammelt werden, die von der Re:Publica abgelehnt worden sind.)

69437_1623977195739_6661013_nAm Anfang sollen Überlegungen zur Meinungsbildung im Internet stehen. Zwei US-Artikel (TechCrunch, Pew Research) lassen folgende, nicht besonders überraschenden Schlüsse zu:

  1. An Meinungsbildungsprozessen und Diskussionen auf Twitter sind 1-3% aller erwachsenen Amerikanerinnen und Amerikaner beteiligt. 
  2. Das Spektrum ist breiter als bei der Bildung der relevanten öffentlichen Meinung: Auch politisch nicht Stimm- und Wahlberechtigte beteiligen sich an den für sie relevanten Diskussionen.
  3. Generell ist der Altersdurchschnitt auf Social Media jünger als in der Bildung der öffentlichen Meinung.
  4. Meinungsbildung findet im Internet sehr selektiv statt; je nach Ereignis und Thema beteiligen sich ganz andere Menschen an Diskussionen.
  5. Nutzerinnen und Nutzer von Social Media sind tendenziell individualistisch eingestellt und deshalb in vielen Fragen tendenziell liberaler als die öffentliche Meinung.
  6. Auf Social Media verbreiten sich positive Botschaften schneller als negative, weil niemand in seinem Netzwerk konstant negative Botschaften verbreiten will.
  7. »Empörung« oder Kritik sind dabei Ausnahmen, auch sie haben auf Social Media starkes Gewicht: »Seht, wie schlecht die Welt und die anderen sind, wir sind die Guten!« dürfte dabei auch eine Art positive Botschaft sein.

Entscheidend ist dabei: Social Media sind ein Teil der Meinungsbildung; sie stehen nicht außerhalb des gesellschaftlichen Diskurses. Gleichzeitig vermögen sie aber nicht alle Meinungen und Positionen abzubilden oder richtig zu gewichten: Individualistische, technikaffine und eher jüngere Menschen schaffen ein liberales Klima.

Mehr Partizipation im Internet würde bedingen, dass alternative Haltungen Gewicht bekommen, Stimmen gehört werden, die heute in vielen Diskussionen Gegenstand von Gespött und Verachtung sind.

Eine letzte Bemerkung zum Begriff »Elite«: Er ist nicht wertend gemeint, sondern deskriptiv. Wer viel in Social Media präsent ist, hat einerseits die Zeit dazu, andererseits die technische Ausrüstung und Kompetenz dafür. Präsenz im Internet weist auf Privilegien hin.)

* * *

Die weiteren Teile der Workshop-Vorbereitung:

Teil 2: 16 Gründe gegen digitale Kommunikation

Teil 3: Vorurteile und das Internet

Teil 4: Das Internet wird überschätzt

Teil 5: Ein positives Leitbild für Netzpolitik

Teil 6: »Crap detect yourself« – Howard Rheingold über Netzwerke

Blogparade: Wie Penelope Tabellenkalkulation gelernt hat

Im Rahmen einer Blogparade habe ich vor 10 Tagen dazu eingeladen, Texte darüber zu schreiben, wie man sich eine spezifische Kompetenz angeeignet hat. Sinn davon ist, dass die Texte so besser sichtbar werden, die Bloggerinnen und Blogger sich so vernetzen und letztlich eine Sammlung von Texten entsteht, die ich dann in einem Schlusspost zusammenfasse und kommentiere. Der Titel der Blogposts wäre »Wie ich etwas gelernt habe«, wobei »etwas« dann ersetzt würde durch die Kompetenz. Eine mögliche Struktur der Beiträge wäre:

  1. Beschreibung der Kompetenz (was bedeutet es, das zu können?)
  2. Phasen des Lernprozesses
  3. Wie habe ich gelernt?
  4. Was lässt sich daraus übers Lernen ableiten?

Es ist Usus, einen Zeitraum vorzugeben: Ich schlage also mal vor, die Texte bis Ende April zu schreiben und würde mich freuen, wenn sie hier mit Kommentar verlinkt würden oder ich eine Mail mit einem Link erhielte.

* * *

Hier der Beitrag von Penelope, sie hat ihn auf Englisch geschrieben:

I was 23 and had been devoting myself to fine arts, dance, literature and languages since the age of 16. I hated maths, science, geography and anything I was expected to learn without being told why. At 16, it had been my opinion that life was hard enough without the need to solve abstract problems that did not serve to make me any happier.

Needless to say, after 7 years away from numbers and logic, my grasp of anything more complicated than basic arithmetic was poor.

Having arrived in London as a tourist, determined to get a job and stay there, I managed to be hired by an agency as an office “temp” (temporary worker) even though I couldn’t even type. At the first company I was sent to, one of my duties involved updating a spreadsheet in Lotus 1-2-3, the precursor of Excel.

When I first realized that the numbers I could see in the cells of the spreadsheet were the result of hidden formulas, my tiny brain was suddenly set on fire! I was both horrified and intrigued. I thought that such trickery was an outrage! – but also utterly fascinating. I knew I had to figure out how this craziness worked! After several weeks of struggling to understand some of the formulas, I managed to get myself on a Beginners’ Course in Lotus 1-2-3. (In the meantime, the company I was sent to as a “temp” had hired me as a permanent employee.)

At the Beginners’ Course, I was even more shocked to discover that I really knew nothing about how the world worked. I didn’t even know that to work out a Profit, you had to subtract the Purchase Price from the Sales Price. How could I know such a thing? I had never worked in a shop, and had never given this matter any thought at all. But this was actually less important to me than learning the magic of those formulas, which caused correctly computed numbers to appear.

As a result of learning the power of spreadsheets, I later became a computer programmer (aka software developer). If I hadn’t had that experience, I would perhaps have gone through life without ever finding out how fascinating the field of numbers and logic is.

I still love to read, draw and dance, but numbers, logic and science in general is where I find a never-ending source of interesting problems that need solving.

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Comment: This is not really „how“ in terms of the steps I took, but „how“ the subject grabbed me and enabled me to learn difficult concepts (to me they were difficult) because I was so fascinated.

Wie Schülerinnen und Schüler übers Bloggen denken

Ein Blogprojekt, das ich regelmäßig durchführe, habe ich hier schon einmal vorgestellt. Es geht kurz darum, dass sich Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die in der 10. Klasse neu eine Klasse bilden, sich selber vorstellen – und zwar ihren Lehrerinnen und Lehrern und einander. Ein Vorstellungsaufsatz hatte Tradition an der Schule, das Blogprojekt löst ihn bei den Klassen, die im Fach Deutsch unterrichte, ab.

Der Auftrag ist, kurz gefasst: 20 Posts schreiben, 40 Kommentare hinterlassen. Thematische Vorgaben gibt es keine – man kann die eigene Person, Erlebnisse, Gedanken, Interessen vorstellen. Entsprechend groß ist die Bandbreite.

Die Blogs werden bewertet, wobei ich folgende Grundsätze berücksichtige:

  1. Es gibt eine Zwischenbewertung als Feedback. 
  2. Die Schülerinnen und Schüler können einzelne Posts auswählen, die für die Bewertung im Mittelpunkt stehen sollen – und auch solche ausschließen, die nicht berücksichtigt werden sollen.
  3. Sie bewerten sich selber; meine Bewertung ist eine Reaktion auf ihre Selbsteinschätzung.

Im Folgenden einige Aussagen der Schülerinnen und Schüler, ihre Blogs sind verlinkt (einige davon könnten privat sein, dafür entschuldige ich mich). Ich versuchte, die Auswahl auf interessante Aspekte zu fokussieren, wählte also weder besonders positive, noch besonders negative Kommentare aus. Darunter fasse ich wesentliche Punkte zusammen:

Am Anfang war ich ziemlich skeptisch eingestellt gegenüber diesem Projekt. Zumal ich vorher noch nicht einmal den Hauch einer Ahung hatte, was ein Blog überhaupt ist. Irgendein Onlinetagebuch, in dem man der ganzen Welt seine Sorgen und Probleme mitteilt und alles berichtet, was man so erlebt. Geht’s noch?! Ich möchte doch nicht mein Leben vor irgendwelchen Leuten, die vielleicht per Zufall auf meinen Blog stossen, ausbreiten! Musste ich dann aber doch nicht. Es verlief nämlich alles viel besser, als erwartet und ich hatte sogar Spass beim Schreiben meiner Artikel. – galivinci

Eine Tatsache, der ich leider ins Auge schauen muss: Mein Blog ist nur eine winzige Insel im grossen Meer des WorldWideWeb. Vielleicht stösst jemand beim Surfen auf diese Seite und kann in meinen Beiträgen schmökern. Ich bezweifle aber, dass sich allzu viele Leute in diese Gewässer verirren. Doch manchmal, ich war selbst überrascht, ziehe ich einen der vielfältigen  Kommentare und Feedbacks an Land. Diese wurden zwar nie als Strandgut(„Spam“)abgestempelt und wieder zurück ins Meer geworfen, nein, sie waren immer ermunternd und konstruktiv. Um es zuzugeben, ich war, bis vor einigen Monaten, noch nie richtig mit dem Thema „Blog“ in Berührung gekommen. – sunset007

Sehr hilfreich bzw. störend beim schreiben von Blog Posts fand ich die eigene Einstellung. Je nach dem wie ich mich fühlte, sieht man in den Blog Posts. Gefühle wie Wut & Hass gaben zwar viele Ideen zum schreiben, doch meine Gedanken einfach so aufschreiben & ins Internet posten ist nicht gerade klug. Positive Gedanken & gute Stimmung brachten mich dazu, einfach mal los zu schreiben. Das Einfach-Los-Schreiben ist eine „Fähigkeit“, die sich während dieser Blogging-Phase bei mir etwas entwickelt & etabliert hat. – bagobi

Die Vorgabe mit den Kommentaren (Wir mussten mind. 40 Kommentare auf den Blogs unserer Mitschüler hinterlassen.) bereitete mir etwas Mühe. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan von „Oh, schön geschrieben.“ oder „Ich bin der gleichen Meinung.“. Ich kommentiere im Internet generell nur Dinge, die mich wirklich faszinieren und begeistern und nicht, weil ich einen gewissen Umfang an Kommentaren hinterlassen muss. – Fiorella

Es war nicht immer leicht zu entscheiden, was nun in meinen Blog gehört und was nicht. Meiner Meinung nach geben manche Leute zu viel von sich im Internet preis; nicht unbedingt in ihren Blogs, sondern auch auf Facebook, Twitter und Co. Ich schreckte schon davor zurück, meinen richtigen Namen als Benutzernamen zu verwenden, wie es einige meiner Klassenkameraden getan haben. Irgendwie habe ich einfach dieses fest verankerte Gefühl, dass mein Leben nicht in ein weltweites Netzwerk gehört, auf das alle Zugriff haben (das mag angesichts der Tatsache, dass ich auf Facebook zu finden bin, sehr seltsam klingen, aber auch dort stelle ich nicht gerne Fotos und dergleichen rein). Das Problem am Internet ist einfach: Was einmal hochgeladen ist, bekommt man so schnell nicht wieder aus dem Web. Deshalb sollte man sich immer zweimal überlegen, was man postet. – teenagetage

Die Rückmeldungen die ich bis jetzt zu meinem Blog bekommen habe, waren überwiegend positiv und das freut mich unglaublich. Ich hätte nie gedacht dass es Menschen gibt, die sich freiwillig mein Gelaber anhören. Beziehungsweise durchlesen. Ist ja auch egal, auf jeden Fall habe ich viele nette Worte bekommen und bin dafür sehr dankbar. Man fühlt sich schon so ein bisschen…wie soll ich sagen…komisch dadurch? Immerhin bekomme ich Lob dafür, dass ich mit dem Laptop in meinem Bett sitze, mich im Internet ein bisschen auskotze und nebenbei einen sehr leckeren Energydrink trinke, dessen Name ich hier nicht nennen werde. Aber er ist echt monströs.- Lego

Denn, abgesehen von diesem Blog, bin ich eher ein passiver Internetnutzer: ich höre mir Lieder oder sehe mir Videos auf YouTube an, recherchiere auf Wikipedia und anderen Seiten. Dieser Blog ist also für mich eine ganz neue Seite des Internets: Das erst Mal schreibe ich aktiv im Internet und theoretisch kann es auch jeder ansehen, lesen und dabei mitdiskutieren! Genau das ist ja auch der Unterschied zu einem herkömmlichen Schulaufsatz: Jeder, sogar Aussenstehende, können den Blog lesen und ihren Kommentar hinterlassen. Das Bloggen ist also regelrecht eine neue Kommunikationsform und beinhaltet als solche auch viele Vorteile, denn jegliche zeitliche und örtliche Grenzen werden aufgehoben. – awinkler12

Und ganz wichtig: Ich habe durch das Projekt etwas über meine Mitschüler gelernt, was auf jeden Fall das wertvollste am Projekt ist. Um von einem Hobby oder Vorlieben für Reisen, Musik, Filme, usw. zu erfahren, ist ein Blog eine ziemlich gute Methode, doch aus meiner Sicht nicht für den alltäglichen Austausch mit Freunden geeignet, dafür ist er mir persönlich zu formal. – pauliimpro

Dieser Kuchen ist eine meiner Lieblingsentdeckungen, die ich in der mir nun bereits viel vertrauteren Blogwelt gemacht habe. Er soll auch Euch, an Tagen wenns an Schreibmotivation mangelt einen literarischen Regenbogen herzaubern! – Nadine

Regenbogentorte aus dem Blog von Nadine.
Regenbogentorte aus dem Blog von Nadine.

Für mich entscheidend an diesen Äußerungen sind einige recht banale Punkte:

  1. Social Media ist oft einfach viel Schreibarbeit. Auch für Schülerinnen und Schüler. 
  2. Ein Schulprojekt ist ein Schulprojekt: Es wird im Hinblick auf Noten und Bewertungen durchgeführt.
  3. Diversität ist wichtig: Die Aktivitäten sollten noch mehr wie die Regenbogentorte sein und alle Farben des Spektrums umfassen. Dazu brauchen die Lernenden mehr Freiheiten, als Lehrender muss ich mich trauen, ihnen zu vertrauen. Abweichungen zuzulassen, wohl auch Verweigerung.
  4. Das Internet ist mit vielen Ängsten verbunden.
  5. Blogs sind weit gehend ein unbekanntes Land für Jugendliche.
  6. Aktivitäten mit Neuen Medien brauchen glaubwürdige Begleitung.
  7. Praxis, Reflexion und Dialog sind die entscheidenden Momente, die am meisten auslösen können.

Wie (digitale) Weiterbildung funktionieren kann: Der eBazar Wien

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Letzte Woche habe ich am eBazar der PH Wien eine Keynote und einen Workshop gehalten (hier gibts meine Folien, meine Materialien und die Keynote zum Nachhören). Hier möchte ich einige Bemerkungen zum Bazar als Format anbringen (und mich damit auch etwas bei den Organisatorinnen und Organisatoren bedanken).

Weiter- bzw. Fortbildung von Lehrpersonen ist nicht ganz einfach – gerade oder auch, wenn es um digitale Werkzeuge geht. Die einen möchten gerne ganz konkrete Rezepte und Werkzeuge nach Hause nehmen, andere ihre Skepsis und ihre Gedanken zum Ausdruck bringen, andere über pädagogische und didaktische Fragestellungen diskutieren und wieder andere Erfahrungen austauschen. Viele Veranstaltungen bedienen nun nur die Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe – die anderen verhalten sich passiv oder sind enttäusch, frustriert über die Veranstaltung.

Ich erzähle gestenreich von meinen Erfahrungen.
Ich erzähle gestenreich von meinen Erfahrungen.

Der Bazar – die Metapher finde ich leicht schief – konnte dieses fundamentale Problem lösen. Er war folgendermassen organisiert: Es gab Stände, an denen konkrete Projekte und Werkzeuge vorgestellt wurden: Von Lernenden, von Lehrenden, von Expertinnen und Experten, aber auch von Vertreterinnen und Vertretern von Anbietern von Soft- und Hardware. Daneben fanden in verschiedene »Tracks« gruppierte Workshops in einer sehr lockeren Atmosphäre statt: Fachleute trugen vor, verbrachten aber auch viel Zeit mit dem Dialog mit dem Publikum. Einige der Workshops waren sehr technisch und vermittelten spezifische Kompetenzen, andere waren eher reflexiv angelegt. Sie waren kurz gehalten (rund 30 Minuten), so dass es möglich war, sechs Workshops zu besuchen. Sie wurden ergänzt durch zwei ebenfalls kurze Keynotes, neben mir sprach Gerhard Brandhofer – sein Referat ist sehr zu empfehlen (Folien, Audio-File).

Trotz den vielen Angeboten blieb viel Zeit, um Kaffee zu trinken, Gespräche zu führen, Erfahrungen auszutauschen und sich zu vernetzen. Es gab ein funktionierendes WLAN, überall waren Links bzw. QR-Codes zu weiterführenden Angeboten zu finden, auf dem Blog des eBazars und in einer Workshop-Übersicht finden sich knappe Zusammenfassungen.

Überzeugend finde ich an diesem Format:

  1. Angebote machen, aus denen ausgewählt werden kann.  
  2. Freiräume lassen.
  3. Interaktion zwischen Teilnehmenden und Vortragenden ermöglichen und begrüßen.
  4. Vortragende sind auch Teilnehmende, es gibt keine Wissenden und Nicht-Wissenden.
  5. Theorie nicht verhindern, die Praxis aber in den Vordergrund stellen und darüber sprechen, wie man gelungene Projekte umsetzen kann.
Hier lerne ich gerade etwas.
Hier lerne ich gerade etwas.

Obwohl mehr Vorgaben vorhanden sind als bei einem Barcamp (ein Format, dass mir für eine solche Veranstaltung auch reizvoll scheint), war spontan vieles möglich. Ich fühlte mich als Nicht-Zugehöriger zur österreichischen eLearning-Community wohl und habe viel gelernt. Persönlich ist mir klar geworden, dass es gerade im pädagogischen und digitalen Bereich meist wirkungsvoller ist, etwas Tolles zu tun und davon zu erzählen, als sich lange und genaue Gedanken zu machen und die zu vermitteln. Wie Social Media halt: Tolle Inhalte ergeben attraktive Profile und spannende Beziehungen. Aber das ist wohl eine triviale Einsicht.

Und da bin ich bei der Keynote.
Und da bin ich bei der Keynote.

Social Media als Werkzeug

Diese Woche waren bei der FAZ gleich zwei Twitter-»Rants«, wie emotionale Klagen im Internet heißen: Christopher Lauer, prominenter Politiker der Piratenpartei, hielt fest, Twitter sei für ihn »gestorben« und Katrin Rönicke wagte in einem Blogpost den Vergleich, Twitter sei »wie die DDR«. Im Folgenden fasse ich die Debatte kurz zusammen und äußere mich im zweiten Teil allgemeiner zur Frage, wie Social Media als Werkzeug zu analysieren ist.

(1) Lauer und Rönicke in der FAZ

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Lauers Argumentation ist nicht dieselbe wie die von Rönicke. Lauer beschwert sich vor allem über die anderen (Journalistinnen und Journalisten), die nicht richtig filterten und ihn mit Anfragen belästigen, »die auch in eine SMS oder E-Mail passen«. Seine Kritik an Twitter in a nutshell:

Ist es zu viel verlangt, dass sich alle, egal, in welcher Kommunikationsform, vorher folgende drei Fragen stellen: Muss es gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Muss es jetzt von mir gesagt werden? Und: Welcher Mehrwert entsteht denn durch diese permanente Nabelschau auf Twitter konkret und für wen?

Lauer kann man zwei Dinge entgegenhalten: Erstens scheitert er an den eigenen Ansprüchen. Wer sich die Maxime »Heul nicht, so ist das Game Nutte« aneignet, muss sich nicht über Twitter beschweren, weil das Medium viel Zeit beansprucht und auch unerwünschte Kommunikation ermöglicht, sondern muss Twitter in den Griff bekommen. Zweitens schreibt Lauer in der FAZ das, was er auch in einem Tweet hätte sagen können, er kann keine Analyse liefern, warum jetzt Email und SMS die besseren Kanäle sind als Twitter. Stefan Niggemeier zeigt unterhaltsam auf, dass es Lauer offenbar um wenig mehr als maximales Prestige und maximale Aufmerksamkeit geht.

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Rönickes Kritik ist stärker selbstreflexiv. Sie beobachtete, wie das Medium sie selbst verändert hat, und bilanziert:

Auf twitter fing ich selbst an Menschen nach dem Mund zu reden ohne es wirklich zu realisieren. Leuten, die ich nicht einmal persönlich kenne. Die mich aber beobachteten. Die Beobachtung ist die die Währung auf twitter: Je mehr Menschen zuschauen, desto besser. Ich fing ich an, mich selbst zu zensieren. Selbst wenn ich von einer Meinung oder Aussage überzeugt war, habe ich sie oft für mich behalten, weil mir klar war, dass es nicht nur Kritik geben würde, sondern moralische Entwertung. Zudem formulierte ich meine Worte und Sätze möglichst twitter-[k]ompatibel. Das bedeutet vor allem: Verkürzung entdecken und möglichst knallige Buzzwords finden.

Rönicke räumt ein, das Problem könnte vor allem sie und ihr Umfeld betreffen, sie verallgemeinert weniger als Lauer. Aus Ihrem Text – den unsäglichen DDR-Vergleich möchte ich gar nicht erwähnen, Rönicke benutzt ihn, um gewissen feministischen Bewegungen totalitäre Tendenzen zu unterstellen – ergibt sich die Frage, ob das Medium Twitter oder Social Media uns als Menschen verändert: Beginnen wir anders zu denken, anders zu schreiben und anders zu sprechen, weil wir uns an den Vorgaben des Mediums orientieren?

Hammer Time. Kelsey Horne, society 6
Hammer Time. Kelsey Horne, society 6

(2) Social Media als Werkzeug

Natürlich tun wir das. Technologie verändert die Menschen. Ich habe über 20’000 Tweets geschrieben, also Inhalte in Meldungen verpackt, die 140 und weniger Zeichen enthalten. Natürlich lerne ich dabei eine neue Art des Schreibens. Ich unterhalte mich mit Menschen, die ich noch nie gesehen habe und vielleicht auch nie sehen werde. Natürlich verändert das meinen Umgang mit Menschen. Und ich diskutiere öffentlich mit Nachrichten, die gespeichert und in ganz anderen Kontexten verwendet werden können, die aber auch viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, in der Zeitung gedruckt werden. Natürlich erhält Aufmerksamkeit für mich eine andere Bedeutung.

Aber das passiert mit allen Werkzeugen. Werkzeuge ermöglichen, etwas einfacher zu erledigen; sie können aber immer auch missbraucht werden. Werkzeuge sind Waffen. »People kill, not guns« ist eine ebenso naive Haltung wie die, in einer Welt ohne Waffen leben zu wollen. Wenn es Werkzeuge gibt, werden Menschen sie nutzen und sich von ihnen verändern lassen. Die konservative Wendung ist keine Lösung. Lauer und Rönicke werden Twitter nicht abschaffen können. Wenn sie dort schweigen, werden sie andere nicht daran hindern, über sie zu schreiben, Buzzwords zu nutzen und sie per SMS oder Email mit Kritik einzudecken. (Nur ein Beispiel, weils grad passt: Lauer schrieb dem Parteichef Johannes Ponader eine SMS, die von diesem per Twitter und auf seinem Blog veröffentlicht wurde…) Es bleibt nur die Haltung von Porombka:

Mit dem Experimentieren beginnen! Hands on! Auch auf die Gefahr hin, dass man alles Bekannte über den Haufen werfen muss und dabei in Zustände gerät, in denen die alten Orientierungsmuster für Kunst und Leben abhandenkommen, ohne gleich durch neue ersetzt zu werden.
Auch das kann man lernen […]: dass sich das Auflösen der bekannten Zusammenhänge für produktive Schübe nutzen lässt. […] Es geht um die Frage, wie man das, was als Nächstes kommt, gestalten kann.

Jump Cut, Kubrick, 2001.
Jump Cut, Kubrick, 2001.

Aaron Swartz‘ Idee der perfekten Universität

Aaron-Schwartz

Der kürzlich verstorbene Internetaktivist Aaron Swartz hat im Alter von 20 Jahren ein Jahr an der Elite-Uni Stanford studiert, die er nach einem Jahr verließ um an eigenen Projekten zu arbeiten. In einem Eintrag in seinem Blog, in dem er über seinen dritten Tag an der Uni nachdenkt, übt er radikale Kritik an Stanford und formuliert sein Ideal einer Universität:

It’s hard to say this without sounding even more superior than usual, but it doesn’t strike me that most Stanford students (and professors) are exceptionally bright. I suppose this is not too surprising, since the requirements for admission do not really test for this quality. And unlike, say, MIT, Stanford doesn’t interview students as part of the admission process, nor do they demand any examples of real work (which seem like decent ways of finding intelligence). I was led to believe that Stanford was a magical place where everyone was a genius. This is somewhat disappointing.

If I wanted to start a more effective university, it would be pretty simple: Hire the smartest people and accept the smartest students, get them to work on projects that interest them, get them to work together on stuff that interests them, organize a bunch of show-and-tells and mixers, and for the most part let them figure stuff out on their own. (This system might be cheaper too.)

Bemerkenswert finde ich daran mehrere Punkte:

  1. Die Aussage, dass »real work« ein deutliches Zeichen von Intelligenz sein. 
  2. Dass formale Bildung leicht durch informelle ersetzt werden kann.
  3. Die Bedeutung von zwei Punkten:
    a) Dass intelligente Menschen sich treffen und
    b) dass sie an Projekten arbeiten, die sie selber interessieren.

Für die Umsetzung von Swartz‘ Idee braucht es heute keine Universität im physischen Sinne mehr: Soziale Netzwerke ermöglichen alles, was er einfordert – ohne allerdings die Reputation eines Abschlusses bieten zu können. Aber wer braucht einen Abschluss, wenn er oder sie »real work« vorweisen kann?