MOOC – Theorie und Praxis

Was ein MOOC (ausgesprochen als /muhk/, alternativ englisch buchstabieren) ist, lässt sich mit einem Video am einfachsten verstehen:

Grundsätzlich ist es ein Kurs (das ist wichtig, eine Art Verlauf oder Struktur muss vorhanden sein), der allen offen steht, online verfügbar ist und viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat. Es werden oft xMOOCs von cMOOCs unterschieden, gemeint sind MOOCs, die entweder einen bestehenden, (Offline-)Kurs ergänzen und als Medium Internetkommunikation benutzen (x = extended), oder solche, die im Web 2.0 entstehen, die Materialien sammeln, welche die Teilnehmenden interessieren (c = connectivist). xMOOCs erlauben häufig reine Teilnahme, während cMOOCs die Teilnehmenden auch zu Lehrenden machen. Wichtig ist dabei, dass sie sich untereinander vernetzen.

Gerade läuft ein deutschsprachiger Meta-MOOC, ein MOOC, der zum Inhalt hat, wie man MOOCs durchführt: »How to MOOC«. 164 Teilnehmende sind dabei und schreiben dann nächste Woche ein Handbuch, das dann – eben, alles ist offen – alle verwenden können. Ich habe bei diesem MOOC nicht teilgenommen, weil mich das Thema MOOC zu wenig interessiert, um längerfristig motiviert zu sein. Um richtig verstanden zu werden: Ich finde MOOCs sehr wichtig, es sind Lernformen der Zukunft. Aber ich habe zu wenig Lust, darüber nachzudenken, wie sich MOOCs finanzieren lassen oder wie sich MOOCs mit dem OER-Gedanken verbinden lassen. Salopp gesagt: Praktische Fragen würde ich lösen, wenn ich müsste; nicht theoretisch in meiner Freizeit. (Mir ist ganz klar, dass ein wesentlicher Faktor dieses cMOOCs darin besteht, ein Netzwerk von Interessierten zu schaffen, die entsprechende Angebote auf die Beine stellen können.)

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Jede(r) sucht den eigenen grünen Weg.

Deshalb nehme ich nun an einem anderen MOOC teil, um das Prinzip als Lernender kennen zu lernen und um etwas zu lernen, was mich schon länger interessiert. Der MOOC heißt »Introduction to Complexity« (Santa Fe Institute) und ist der erste in einer Reihe von Kursen zum Thema Komplexitätstheorie. Es ist ein xMOOC, bei dem eine klare Struktur vorgegeben ist und wesentliche Inhalte mit Video-Vorlesungen und Tests vermittelt werden. Meine Eindrücke und wesentliche Erkenntnisse halte ich in einem Journal fest, das ich laufend aktualisieren werde.

 

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Die MOOC-Cow. http://zmldidaktik.wordpress.com/2012/04/20/finally-the-zml-mooc-cow/

 Meiner Meinung nach sind die folgenden Prinzipien wesentliche Eigenschaften von MOOC-Lernprozessen:

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Vorstellung: MOOC

Die Abkürzung MOOC steht für Massively Open Online Courses, also Unterrichtseinheiten, die sehr vielen Studierenden offen stehen. Gemeint sind Tausende von Lernenden, die gleichzeitig Vorlesungen hören können, sich darüber austauschen und teilweise sogar interaktiv einbezogen werden können.

MOOCs gehören zu dem, was man Blended Learning nennt, das wohl bekannteste Beispiel ist die darauf spezialisierte Khan Academy.

In einem Interview mit The Atlantic macht der Verantwortliche für Online-Learning an der Stanford University, John Mitchell, einige aufschlussreiche Bemerkungen, die ich hier knapp festhalten möchte:

  1. Das Herstellen von Videos ist heute vom Aufwand und vom technischen Know-How her kaum mehr von der Produktion von Texten zu unterscheiden.
  2. Online Learning führt dazu, dass die Arbeitszeit von sehr kompetenten Lehrenden effektiver eingesetzt werden kann.
  3. Online Leraning führt zu einer Demokratisierung der Bildung: Auch Studierende an anderen Unis können die Top-Professoren von Stanford in Videovorlesungen erleben.
  4. Studierende können die Zeit ihres Studiums flexibler nutzen – z.B. berufsbegleitend oder von zuhause aus studieren.
  5. Gleichzeitig bieten MOOC für die Zeit an der Uni mehr individuelle Betreuungsmöglichkeiten, weil die Lehre zu einem großen Teil online stattfindet.

Mitchell erwähnt auch eine Gefahr, dass die Forschungsgemeinschaft an einer Uni, die Lehre und Forschung verbindet, auseinanderfallen könnte – was auch zu wirtschaftlichen Problemen führen könnte, weil viele bedeutende Forscherinnen und Forscher sich mit Drittmitteln finanzieren, die sie vor allem dank ihrer Forschung erhalten.

Bild Flickr, giulia.forsythe, CC BY-NC-SA 2.0