Wenn Social Media selbstverständlich werden

In loser Folge möchte ich als Vorbereitung auf einen Input am Weiterbildungszentrum der Fachhochschule St. Gallen über die Zukunft von Social Media nachdenken. Ein Inhaltsverzeichnis gibts hier

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Unsere Eltern und Großeltern verstehen viel von technologischem Wandel. Sie haben erlebt, wie Radioapparate mit Hörspielen ganze Familien unterhalten haben, nur um einige Jahre später von Fernsehern abgelöst zu werden, das man später auf Videokassetten aufnehmen konnte, dann auf DVDs und schließlich auf Geräte, die alles können, außer Pancakes backen. Sie haben auf teuren Geräten Schallplatten gehört, sie später auf Kassetten überspielt und dann alle Tonträger in Form von CDs noch einmal gekauft. Sie haben Telefonnummern und Zugverbindungen in dicken Büchern nachgeschlagen oder die Menschen gefragt, bei denen sie auch Fahrscheine gekauft haben, um später von Maschinen bedient zu werden, die sie seit kurzem in ihrer eigenen Tasche mit sich tragen. Sie haben lange auf Briefe gewartet, viele geschrieben. Teure und kurze Telefonate geführt, zuerst von den Apparaten der wohlhabenden Nachbarn aus, später auf eigenen, gemieteten, gekauften, kabellosen. Telegramme und Faxe auf der Post verschickt und empfangen. Fotos mit teuren Apparaten aufgenommen und lange auf die entwickelten Bilder gewartet, eigene Dunkelkammern aufgebaut, farbige Bilder gemacht und schließlich nur noch digitale, die auf Harddisks darauf warten, überhaupt einmal angesehen zu werden.

Wer 50 Jahre im 20. Jahrhundert gelebt hat, hat die Zukunft von technologischem Wandel erlebt und würde sie wie folgt beschreiben:

  1. Viel Neues wird selbstverständlich. 
  2. Tätigkeiten wandeln sich wenig.
  3. Wie die Tätigkeiten technisch durchgeführt werden, wandelt sich stark und ständig.
  4. Die sozialen Implikationen von Technologie werden überschätzt.
  5. Die durch Technologie beanspruchten Ressourcen (Zeit, Geld) werden unterschätzt.

Stellen wir uns vor, die Technologie wäre 1963 eingefroren worden, dann könnten wir immer noch Bilder machen und sie Freunden zeigen, wir könnten schriftlich und mündlich miteinander kommunizieren und Informationen wären z.B. in Bibliotheken problemlos verfügbar. Einiges wäre im Vergleich zu heute anstrengender und viel langsamer, aber dafür hätten wir vieles gar nie lernen müssen: Keine nächtelangen Optimierungsübungen des RAM-Speichers bei den ersten PCs, keine Datenverluste durch abgestürzte Harddisks, kein Import von Kontakten auf neue Handys, keine Installationen von WLAN, kein Brennen von CDs, überspielen von VHS-Kassetten etc.

In weiteren 50 Jahren – so meine Prognose – wird der Rückblick ähnlich aussehen: Menschen werden Tools, die heute neuartig und voller Potential erscheinen, mit leichter Nostalgie belächeln; aber mit neuen Werkzeugen immer noch schriftliche, mündliche und visuelle Botschaften verschicken. Social Media wird sein wie ein Telefon: Erwachsene werden sie nutzen, als hätte es nie etwas anderes gegeben, Pubertierende werden mit ihren Eltern über die richtige Nutzung streiten und an die Möglichkeit, abgehört zu werden, werden wir uns gewöhnen. (Beeindruckend schon der Rückblick auf das Jahr 2000, das lange eine unvorstellbare Zukunft symbolisierte.)

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Fernsehwerbung, USA 1960er-Jahre.

Das zeigt der Rückblick nämlich auch: Der Briefträger hat Postkarten schon immer gelesen, Telefonleitungen konnten schon immer abgehört werden, Briefe abgefangen und gelesen. Diese Möglichkeiten mögen über Social Media neue Dimensionen annehmen, aber die Gefahr wird wie die damit verbundenen Chancen ständig überschätzt, wie das Beispiel von David Bunnell zeigt:

Ob Google Brumm, ob Internet oder Facebook: Wie kein zweites Mal in der IT-Technologie war die Entstehung des Personal Computers mit der Hoffnung verknüpft, ein Gegenstück zu den totalitären Großcomputern der Konzerne sei gefunden. Er sollte die Menschheit befreien, Gleichheit für alle Rassen, Glaubensrichtungen, Minoritäten und Klassen bringen. Diese erhabenen Sätze schrieb David Bunnell in das Benutzerhandbuch eines der ersten PC, des Altairs der Firma MITS im Jahre 1974. Schon knapp zehn Jahre später zog Bunnell eine pessimistische Bilanz: „Anstelle die Standesunterschiede zu zerstören, hat der PC ein neues Kasten-System geschaffen, basierend auf dem privilegierten Datenzugriff. Er hat eine Art Berliner Mauer aus Drähten geschaffen, die die informationstechnisch Verarmten ausgrenzt.“

Menschen gewöhnen sich an Technologie und die Unsicherheiten, die sie mit sich bringt. Sie können vieles ausblenden. So werden sie – das meine Prognose – auch mit Algorithmen und Robotern leben können. Einige werden sie wie Mitmenschen behandeln und es letztlich nicht so relevant finden, ob sie im Krankenhaus von einem Menschen oder einem Roboter gepflegt werden, andere werden sie als störend empfinden und weitere einfach benutzen.

Die Zukunft wird auch zeigen, dass »Social Media« ein Euphemismus ist. Social bedeutet nicht, dass diese Medien auf die Gesellschaft und ihre Organisation bezogen sind, sondern einfach, dass Beziehungen messbar und verarbeitbar werden. Das gilt selbstverständlich auch für die negativen Seiten von Social Media, wie Passig und Lobo festhalten:

Wenn wir im negativsten Fall annehmen, dass gar nicht zu unterscheiden ist, ob im Netz echte Empathie wirkt oder nur aus narzisstischen Gründen vorgetäuschte Empathie: Das gilt außerhalb genauso. Wenn das Netz schlecht und unsozial sein soll, ist es die Welt auch.

Was lernen wir eigentlich?

Im Rahmen einer Blogparade lade ich ein, übers Lernen nachzudenken. Digitales Lernen verspricht aufgrund neuer technischer und medialer Möglichkeiten einen Wandel, der mir aber oft recht unklar erscheint, weil wir nicht genau verstehen, was sich eigentlich ändert oder ändern soll.

Als Ergänzung zu den Beschreibungen von Lerngschichten möchte ich hier eine theoretische Frage aufrollen, die in einem längeren Kommentarthread auf Google Plus von Rolf Todesco gestellt wurde:

[I]ch glaube ja sehr gerne, dass Du etwas gelernt hast, als Du gelernt hast Textverarbeitungsprogramme zu benutzen, ich weiss nur nicht, WAS Du dabei gelernt hast. Und noch weniger weiss ich, wie ich lernen könnte Texte zu schreiben. Schreiben ist immer Texte schreiben. Ich kann also nur das Schreiben lernen und dabei ist für mich ganz unklar WAS ich dabei lerne – vielleicht Buchstaben korrekt zu zeichnen? Es ist wie bei der Textverarbeitung, wo ich die richtigen Tasten verwenden muss.
Wer reden kann – und da weiss ich auch nicht, was lernen heissen soll – kann Aussagen machen, die er eben als Texts schreiben kann, wenn er schreiben kann. Was also kommt da noch hinzu? Auch die Vorstellung, dass man Denken lernen könnte (+Lisa Rosa) finde ich extrem komisch. Ich kennen keinen Menschen, der nicht denken kann. Denken ist wie reden oder gehen oder atmen.
Ich glaube, dass Ihr etwas viel spezifischeres meint, vielleicht nicht denken, sondern „so denken, wie Ihr denkt“ – und das müsste man dann vielleicht lernen, aber ich kann mir auch das nicht vorstellen.

An dieser Stelle könnten wir natürlich die Diskussion abbrechen und auf entsprechende lernpsychologische Literatur verweisen, die wissenschaftliche Begriffe von Lernen enthält. Diesen Weg möchte ich nicht gehen, weil ich gerade als Lehrer ja oft mit impliziten Annahmen darüber arbeite, was Lernen bedeuten könnte – und diese Annahmen kann man einerseits im Nachdenken über das eigene Lernen aufdecken, andererseits indem man sie zu formulieren versucht.

Welche Prozesse sind für mich mit Lernen verbunden:

  1. Varianten und Alternativen von Verhaltensweisen kennen lernen
  2. die Varianten beurteilen können und die beste wählen können
  3. die eigene Tätigkeit aus einer anderen Perspektive betrachten können
  4. Abkürzungen kennen, mit denen sich repetitive Arbeit vereinfachen lassen
  5. Form (Methoden) und Inhalt (Funktion) von Tätigkeiten bewusst aufeinander beziehen bzw. Form an den Inhalt anpassen oder Inhalt durch Form akzentuieren.

Rolf Todesco hat als Replik auf diese Formulierung die Begriffe Kennen und Können aufeinander bezogen:

Wie ich schon geschrieben habe, geht es um das kennenLERNEN. Und das Kennenlernen endet – dort von von Lernen die Rede ist – beim Können.
Ich habe Dich hier kennengelernt. Ich kenne Dich jetzt ein Stückweit. Das ist aber kein Können, also nehme ich dieses Kennenlernen nicht als Lernen. Wenn ich dagegen eine Textverarbeitung (also Dinger wie MS-Word) kennenlerne, dann endet das in einem Können, wo ich die Textverarbeiten sinnvoll verwenden KANN. Deshalb spreche ich hier von lernen, worin das Kennenlernen zum Können wird.

Lernen als Kennen Lernen, das zu einem Können wird finde ich als Formulierung passend: Die fünf oben erwähnten Punkte umfassen beide Dimensionen. Die praktische Frage ist dann wieder, in welchen Konstellationen Menschen bereit sind, Varianten für ihre Verhaltensweisen kennen zu lernen und daraus ein Können zu entwickeln. Meine Vermutung wäre, dass sowohl eine kreative Offenheit als auch eine fast zwanghafte Einengung beide Abläufe beschleunigen können.

Learning French.
Learning French.

 

In der achten Klasse hatte ich einen weit gefürchteten Französischlehrer. Wir lernten den subjonctif kennen und mussten alle Verben aufsagen können, die ihn verlangen. Das ging so: Wir erhielten vier recht dicht beschrieben DIN-A4-Seiten mit Listen und mussten die eine Woche später auswendig aufsagen können und zwar enorm schnell. Wir wurden in der Stunde abgefragt (»Philippe, Seite 3 unten, los!«) und erhielten direkt eine Note. So ging das einige Wochen. Das war vor mehr als 20 Jahren. Ich kann die Listen immer noch auswendig hersagen.

Dasselbe wäre wohl passiert, wenn ich zu dieser Zeit ein Jahr in Frankreich verbracht hätte. Im Gespräch hätte ich wohl zuerst ohne subjonctif auskommen müssen, hätte ihn dann aber wohl kennen und können gelernt – ohne Aufforderung, ohne Zwang.

Geändert hätte sich – das eine triviale Einsicht – wohl meine Motivation und meine Haltung zum Gelernten. Die Frage, wie ein Lernprozess bewertet werden soll (gibt es bessere und schlechtere, effizientere und weniger effiziente?), spare ich mir für einen nächsten Post auf.

Blogparade: Wie Martin Jonglieren gelernt hat

Vor rund einem Monat habe ich zu einer Blogparade aufgerufen. Mittlerweile sind schon ein paar Texte entstanden, die der Frage nachgehen, wie wir denn bestimmte Kompetenzen erworben haben, indem sie den Lernprozess beschreiben:

Ich würde mich sehr über weitere Beiträge freuen, einen Abschlusspost werde ich wohl erst Mitte Mai schreiben.

MAKE ME SOME ART, society6
MAKE ME SOME ART, society6

Jonglieren
Bedeutung
Unterhaltung, Entspannung

Phasen
Motivation: unbestimmt, irgendwas zwischen Langeweile und  Gelegenheit, und es gab so Sendungen das man sein Gehirn immer mal wieder mit was neuem beschäftigen solle, es sollte etwas sein das im Zimmer ohne Ausrüstung und ohne Vorbereitung geht

Idee: aus dem Buch Der Medicus, er muss da jonglieren lernen mit wenigstens 4 Bällen

Information: ungewiss, muss per Internet gewesen sein, der Tipp war langsam mit einer, dann 2 Bällen mit einer Hand zu üben

Üben, üben: ging eigentlich ganz gut, 1-2 Wochen mit einer und 2 Kugeln, dann klappten 2 mit einer Hand, nach ca 3 Wochen klappte es dann mit 3; alles allein; evtl. so was wie 15 min;  die Aufgabe war eine bestimmte Anzahl von Wiederholungen zu schaffen ohne das die Kugel runterfällt, die Anzahl dann immer etwas höher gedreht

Gelernt fürs Lernen
grundlegendes geht eher einfach
4 Bälle habe ich nie geschafft, das müsste man offenbar „richtig“ üben
letzlich sowas wie viel Anfangsmotivation, genügend Informationsmaterial um zu glauben das es machbar ist, Gelegenheit und kontinuierliche Erfolge beim üben

»Crap detect yourself« – Howard Rheingold über »digital literacy« 

Update: Den Vortrag von Rheingold gibt es nun auch als Screencast zum Nachschauen

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Man solle, so das Schlusswort von Howard Rheingold bei seinem gestrigen Vortrag in Luzern, nicht mit der Technologie mithalten, sondern mit der »literacy«, also den Kompetenzen. Der Begriff literacy lässt sich nicht genau übersetzen, Rheingold versteht darunter eine Fähigkeit sowie ihre soziale Einbettung und Kontextualisierung. Wie wir heute Technologie nutzen hat immer auch soziale Auswirkungen: Unsere Suchbegriffe bei Google; die Links, die von unseren Texten ausgehen; unsere Likes bei Facebook und unsere Tweets beeinflussen die Interneterfahrung vieler anderer Menschen – manchmal direkt, manchmal indirekt. Wichtig deshalb: »Crap detection«. Was in unserem Informationsfluss ist wahr und relevant und was falsch, halbwahr oder unwichtig? Diese Prüfung gilt nicht nur für fremde Inhalte, sondern im Sinne einer Netzwerkverantwortung, auch für eigene.

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Das »Power Law of Participation«, das Rheingold gezeigt hat, macht deutlich, wie viele Tätigkeiten es gibt, mit denen man sich in Netzwerken beteiligt – schon allein das Lesen von Beiträgen ist eine Form von Partizipation.

Wie hier schon einmal ausgeführt, ist dabei eine der wichtigsten literacies die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit zu steuern: Rheingold spricht von »Infotention«. Gestern hat er einen zentralen Aspekt betont: Wir müssen lernen zu beobachten, worauf wir uns konzentrieren und wie wir unsere Werkzeuge einsetzen. Seine konkreten Tipps:

  1. Sich in die Rolle anderer versetzen (z.B. indem man als Lehrerin oder Lehrer einmal die Klasse filmt und ihr zeigt, wie es von vorne aussieht, wenn viele Lernende vor Bildschirmen sitzen).
  2. Zu beschreiben, wie man seinen Browser, seinen Desktop, sein Mobiltelefon organisiert und wie man damit interagiert.

Rheingolds These: Nur fünf Prozent der Menschen beherrschen Multitasking in dem Sinne, dass sie mehrere Tätigkeiten so ausüben können, dass diese qualitativ nicht darunter leiden. Er vermutet, diese hätten Multitasking gelernt. Nur: Wie genau?

Rheingolds Aufmerksamkeit für einmal bei seinen Hunden. Er ist eine Stunde pro Tag offline.
Rheingolds Aufmerksamkeit für einmal bei seinen Hunden. Er ist eine Stunde pro Tag offline.

Im Vortrag hat Rheingold auch ausführlich über Netzwerke gesprochen – seine Konzeption eines Persönlichen Lernnetzwerks habe ich hier zusammengefasst. Seine wichtigsten Aussagen:

  1. »If nobody in your network annoys you, you are in a echo chamber«: Man muss ehrliche und intelligente Menschen in seinem Netzwerk haben, die andere Meinungen vertreten, um von ihnen lernen zu können.
  2. Nicht nur konsumieren, kreieren. Nur so sind die Bedingungen gegeben, dass bessere Werkzeuge entstehen können.
  3. Wenn man Menschen motivieren will, bei einem Projekt mitzuhelfen, soll man sie wählen lassen, was sie tun wollen.
  4. Menschen lernen einander zu vertrauen, wenn sie über Unwichtiges reden können und small talk betreiben.
  5. »Weak ties« helfen uns dabei, einen Job oder Partner zu finden; bei »strong ties« können wir schlafen, wenn unser Haus niederbrennt. Wir brauchen in Netzwerken beides.
  6. Die Position in Netzwerken ist ausschlaggebend, nicht die Zahl der Verbindungen. Die Position ergibt sich daraus, wie viele Menschen über das eigene Profil mit anderen in Verbindung treten.
  7. Netzwerke müssen diversifiziert sein, also Expertinnen und Laien enthalten. Wichtig sind zudem Menschen, die Lücken überbrücken.
  8. »pay it forward« – Menschen helfen einem, wenn man ihnen schon geholfen hat.
Die Zukunft digitaler Medien hängt von uns ab. Net Smart, S. 8.
Die Zukunft digitaler Medien hängt von uns ab.
Net Smart, S. 8.

Mit bestem Dank an die Hochschule Luzern, die zum Anlass mit Howard Rheingold eingeladen hatte. 

Das war der sechste Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Ein positives Leitbild für Netzpolitik – oder: Stadt- und Landleben

Das ist der fünfte Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

In den letzten Beiträgen habe ich gezeigt, wie verzerrte Darstellungen der Chancen und Gefahren von Internetkommunikation Barrieren errichten, welche viele Menschen daran hindern, digitale Werkzeuge so zu nutzen, dass sie ihnen nützen. Diese Kritik soll ergänzt werden durch ein positives Programm. Das es – zumindest als Skizze – schon besteht, reicht es, an dieser Stelle darauf zu verweisen: In seinem »Code for Germany« legt Christoph Kappes ein Fundament zu einem Leitbild. Es zeichnet sich durch vier Eigenschaften aus, die mir wichtig scheinen (ich paraphrasiere Kappes):

  1. es befasst sich weniger mit dem Internet als mit dem, was Computer tun und wir mit Computern tun
  2. es richtete sich weniger auf rechtliche Fragen, sondern fragt, wie sich Wissen und Kultur durch den Einsatz von digitaler Hilfsmitteln ändern
  3. es hat mehr mit Software zu tun, »als dem prägenden Werkzeug unserer Zeit (das keineswegs nur kopiert, wie der Urheberrechtsstreit immer suggeriert, sondern das Information messbar, vergleichbar, ermittelbar und anderes steuerbar macht und dadurch Neues erzeugt, nämlich das Gegenteil von Kopie: Unterscheidbares)«
  4. es zeigt den Charakter der digitalen Wissensnutzung auf, die ein Gemeingut ist, das nicht übernutzt werden kann, weil Kopien die Nutzung nicht verändern oder verschlechtern.

Kappes‘ Fazit:

So gesehen sollte eigentlich im Zentrum von internet-veranlasster Politik nicht „das Netz“, sondern die Entwicklung von Wissen, Software und Kultur stehen, die von jedermann nutzbar sind:

  • von Schulbüchern und wissenschaftlichen Beiträgen für jedermann,
  • Software für Nachbarn, die untereinander Hilfe anbieten und tauschen möchten,
  • Komponenten für verteilte soziale Netzwerke und Standards für den Datenaustausch zwischen Diensten bis hin zu
  • neuen digital basierten Prozesses für Politik und Medien – wir müssen schnell Ordnung und Überblick in die Welt bringen, die täglich komplexer wird, und
  • kulturellen Techniken, die durch digitale Informationsverarbeitung verändert werden, namentlich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit in losen Gruppen oder auch digitales Rechte-Handling einschließlich verständlicherer rechtlicher Regelungen für Commons.

Politik – so sollte man sich in Erinnerung rufen – bedeutet die Organisation des sozialen Miteinanders. Netzpolitik befasst sich damit, wie Menschen digitale Werkzeuge einsetzen. Was in der professionellen Politik beredet und beschlossen wird, beeinflusst das Leben vieler Menschen nicht. Ein netzpolitisches Programm könnte ganz einfach darin bestehen, Werkzeuge zu schaffen, die Menschen helfen, ihren Alltag zu bewältigen. »Ich stelle mir das Alter mit Internet viel schöner vor als ohne«, war kürzlich im Internet zu lesen. Gute Netzpolitik führt zu schönerem Leben, indem sie Menschen dabei hilft, tolle Dinge nicht nur im Internet, sondern auch außerhalb auf die Beine zu stellen.

An Kappes Forderung lässt sich das Fazit des ausgezeichneten Textes von Kathrin Passig anschließen, in dem sie überzeugend zeigt, dass die Linien der kritischen Diskussion über soziale Medien und das Internet denen der Diskussion über das Leben in der Stadt entsprechen: In Städten (=im Internet) leben geschwätzige Fremde miteinander und setzen sich unbeschreiblichen Gefahren aus, während auf dam Land (= im richtigen Leben) die echten Menschen wohnen: Bescheiden, wortkarg und beschützt von allen Übeln. Passig schließt mit folgenden Absätzen:

Natürlich ist die öffentliche Kommunikation mit Unbekannten im Netz nicht per se die bessere Lösung, so wenig wie das Stadtleben besser als das Landleben ist, insbesondere, seit man einige Annehmlichkeiten der Zivilisation überall erhalten kann: Filme in Originalversionen, homosexuelle Bürgermeister, manchmal sogar O2-Handyempfang. Auch wer ein Blog betreibt oder Twitter nutzt, sehnt sich manchmal nach Waldeinsamkeit, nach weniger widerspruchsfreudigen Gesprächspartnern oder gleich nach der Abschaffung aller Kommentarfunktionen. Dieses Hadern ist unumgänglich, auch in der Stadt ist die Koexistenz der verschiedenen Lebensweisen nicht einfach, und ihre Bewohner schwanken zwischen den Wünschen nach Abgrenzung und Integration.

Aber in der Stadtforschung gibt es seit über hundert Jahren eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Strukturen der Verständigung unter Fremden. Es wäre schön, wenn die Diskussion um die Kommunikation im Netz nicht noch einmal hundert Jahre bräuchte, um an diesem Punkt anzukommen.

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Die Zukunft von Social Media: temporäre Kommunikation

In loser Folge möchte ich als Vorbereitung auf einen Input am Weiterbildungszentrum der Fachhochschule St. Gallen über die Zukunft von Social Media nachdenken. Einen ersten Gedankengang habe ich hier bereits festgehalten; dieser Post wird als Inhaltsverzeichnis dienen: 

  1. Vom sozialen zum mobilen Web.
  2. Temporäre Kommunikation.
  3. Social Media werden selbstverständlich.
  4. Social Media und die Veränderung der Privatsphäre.

Die Teile i. und ii. erschienen auch als zusammenhängender Text bei netzpiloten.de.

* * *

Unsere Wahrnehmung ist gelöst von unserer Erinnerung. Wir sehen, wir hören, wir riechen und fühlen – aber nur einmal dasselbe. Begegnen wir uns direkt, dann kommunizieren wir in vergänglichen Medien: Wir sprechen miteinander, verwenden Gesten, Gesichtsausdrücke, berühren einander – immer so, dass unsere Kommunikation nur im Augenblick existiert und dann verschwindet.

Die Schrift, die Fotographie und ihre Weiterentwicklungen zeichnen sich durch Permanenz aus. Sie speichern, was ohne sie nicht festhaltbar wäre. Baudrillard hat diesen Prozess als »Museumifizierung« bezeichnet: Eine Wahrnehmung wird zum Objekt und erhält so eine Zukunft, die sie nie gehabt hätte – obwohl sie immer als Vergangenheit betrachtet wird. In ihrem Essay über Photographie hat Susan Sontag diesen Akt als eine Form von Gewalt bezeichnet:

There is something predatory in the act of taking a picture. To photograph people is to violate them, by seeing them as they never see themselves, by having knowledge of them they can never have; it turns people into objects that can be symbolically possessed.

Dieses Wissen, das man von Personen hat, betrifft nicht nur Bilder, sondern auch Texte und Gesprochenes: Wer digital kommuniziert – und wer tut das nicht – muss damit rechnen, dass alles gespeichert wird. Unsere Anrufe auf diverse Hotlines werden aufgezeichnet, Facebook speichert jeden unserer Klicks, unsere Emails sind auf verschiedenen Servern archiviert. Was im Moment entstand, wird dauerhaft.

So verändert sich unser Bezug zur Realität: Nur was als Datensatz archiviert ist, ist wirklich passiert. Wenn wir etwas Außergewöhnliches erleben, sind unsere Kameras immer dabei, wir berichten darüber und wollen unserem Erlebnis Dauer geben. Wie Nathan Jurgenson festgestellt hat: Erfahrung für sich und Erfahrung für Dokumentation geraten durch Social Media durcheinander. Die Filter, die wir auf Instagram nutzen, laden uns ein, die Gegenwart schon als Vergangenheit, als ein Archiv für einen späteren Zugriff durch andere zu betrachten.

Flickr, NPF.1
Flickr, NPF.1

Dadurch verliert die Erfahrung ihren Wert, aber gleichzeitig auch die Dokumentation: Wer durch die alten Fotoalben seiner Großeltern blättert, sieht wenige Ausschnitte aus vielen Jahren, die so bedeutsam werden. Unsere Enkel werden sich durch Ordner klicken und sich in unseren digitalen Bildern verlieren, die durch ihre schiere Zahl ihren Wert eingebüsst haben werden.

Damit wir uns erinnern können, müssen wir vergessen. Damit wir erleben können, muss etwas vergehen. Die Forderung nach einem »Recht auf Vergessenwerden« ist dabei hilflos und ein juristisches Konstrukt: Datenschutz ist nicht das Problem, wenn wir jeden wichtigen Moment unseres Lebens digital dokumentieren.

Was helfen kann, ist die Einführung der temporären Kommunikation in der digitalen Sphäre: Kommunikationsmittel, die nichts speichern, sondern im Gegenteil alles löschen, was wir eingeben. Ein Beispiel dafür wäre Snapchat: Die damit gemachten Bilder gehen nach 10 Sekunden verloren. Schon allein die Möglichkeit, im Internet vergänglich und nicht-vergänglich kommunizieren zu können, könnte eine Differenz beleben, die für das Funktionieren unserer Erinnerung, für den Wert von Bildern und anderen Medien und für unser Erleben der Realität entscheidend ist.

Social Media als Tod des Blick- und Körperkontakts

Social Media, so habe ich kürzlich auf einer Party gehört, bedeute das Ende des Blickkontakts. Anstatt Menschen in der Straßenbahn anzuschauen, fixierten heute Erwachsene nur noch ihre Smartphones. Dadurch verändere sich auch ihre Körperhaltung, sie seien nur noch gebückt anzutreffen.

Der Befund geht weiter – in ihrem Buch »Der unberührte Mensch« zeigen der Arzt Cem Ekmekcioglu und die Journalistin Anita Ericson nicht nur, dass Körperkontakt wichtig ist und sein Fehlen mit einer Reihe von physischen und psychischen Beschwerden und Krankheiten assoziiert werden kann, sondern mutmassen auch, dass er heute deshalb zu wenig häufig stattfinde, weil er durch »virtuelle Berührungen« ersetzt werde:

derStandard.at: Durch Social Media bekommen wir mehr denn je Einblick in das Leben von Personen, die wir zum Teil gar nicht so gut kennen. Sind Berührungsängste dadurch kleiner geworden?
Cem Ekmekcioglu: Das ist eine wesentliche Frage, die schwierig zu beantworten ist. Aber die virtuelle Berührung kann man nicht gleichsetzen mit tatsächlicher Berührung, mit persönlichen Treffen. Ich tendiere eher dazu zu sagen, dass echte Berührungen dadurch weniger werden.

Was ist von diesen Zusammenhängen und Befürchtungen zu halten? Ein guter Test für kulturpessimistische und technologiekritische Aussagen ist es, andere kulturelle Praktiken oder andere Formen von Technologie zu substituieren. Hat die Benutzung des Telefons zu weniger Körperkontakt geführt? Haben Menschen, die im öffentlichen Verkehr Bücher lesen, auch weniger Blickkontakt? Hat Fernsehen zu einer veränderten Körperhaltung geführt?

Crack Scull Bob beobachtet Menschen am Flughafen.
Crack Scull Bob beobachtet Menschen am Flughafen.

Die Antworten zeigen wohl folgende Aspekte auf:

  1. Technologie hat einen Einfluss auf den menschlichen Körper und das soziale Zusammenleben.
  2. Weder Blickkontakt noch eine bestimmte Haltung sind »natürlich«, sondern sie erweisen sich in bestimmten kulturellen und sozialen Konstellationen als sinnvoll. Körperkontakt kann als wohltuend erlebt werden, aber auch als Übergriff. Ihn als unersetzbar zu bezeichnen, leugnet die Möglichkeiten menschlicher Entwicklung. 
  3. Wandel führt zu einer Veränderung, die nicht lokal und kurzfristig gewertet werden kann.
  4. Smartphones bedeuten keine Revolution: Seit ich lesen kann, lese ich beim Warten, beim Gehen, beim transportiert Werden. Und ich bin nicht der einzige.
  5. Technologie bringt in der Reflexion immer auch eine bestimmte Nostalgie mit sich: Wir alle wünschen uns intensiven Blickkontakt mit interessanten Menschen oder Körperkontakt in der richtigen Situation mit den richtigen Personen. Die Denkfigur, ohne unsere Smartphones hätten wir all das, ist verführerisch – aber sie ist falsch. Auch vor zehn Jahren hätten wir über mangelnden Blick- und Körperkontakt geklagt.

 

Das Internet hält nicht, was viele User versprechen

Das ist der vierte Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Neben Skeptikerinnen und Skeptikern gibt es im Internet viele Fanboys und -girls. Soziale Netzwerke werden von Menschen gefüllt, die ihre Gratisarbeit nicht nur als ein Vergnügen empfinden, sondern sicher sind, dass ihre Investitionen ins Internet sich auszahlen werden. So präsentieren sie die Möglichkeiten des Internets in einem besseren Licht, als sie bei realistischer Prüfung erscheinen würden. Gerade weil diese intensiven Nutzer so viel investiert haben, müssen sie daran glauben, dass sich ihre Investition auszahlen wird.

Dieser Effekt kann gut beim Social-Media-Marketing beobachtet werden: Wer diese Dienstleistung anbietet, muss Kunden sagen, Social Media sei ein geeigneter Kanal, um Kunden zu finden. Dieser Ratschlag basiert aber auf einer optimistischen Prognose und diese Prognose ist deshalb optimistisch, weil die eigene Situation damit zusammenhängt.

Diese positiven Vorurteile dem Netz gegenüber sind deshalb ein Problem, weil sie oft von den Menschen vertreten werden, welche Digital Immigrants oder nicht-technikaffine Menschen dabei beraten, im Internet aktiv zu werden. Sie produzieren so Enttäuschungen: Wer ein Twitter-Profil eröffnet und erste zögerliche Schritte unternimmt, wird lange brauchen, bis ein Nutzen erkennbar wird. Dieser Nutzen bedarf zudem einer konstanten Anpassung von Filtern und einer unablässigen Reflexion über den Einsatz von technischen Mitteln.

Wer sich theoretisch und kritisch mit Internetkommunikation auseinandergesetzt hat, ist weniger anfällig dafür, es zu überschätzen; sondern setzt Vor- und Nachteile in eine Beziehung.

»not your personal army« - Korrektur der positiven Vorurteile
»not your personal army« – Korrektur der positiven Vorurteile

Ich halte zuweilen Vorträge und erkläre, wie Twitter für mich das Zeitungslesen ersetzt hat. Aber viele Menschen sind besser beraten, die Zeitung zu lesen: Weil sie nicht wie ich schon 10’000 Stunden (ich verwende einfach mal die Zahl von Gladwell, wird irgendwie hinkommen) mit Social Media verbracht haben und das auch so bald nicht tun werden. Ganz ähnlich ist das mit Technologie im Schulzimmer: Viele Lehrpersonen unterrichten ohne schlicht besser. Es lohnt sich für sie nicht, Smartphones und Projektoren zu konfigurieren um dann nach langen Stunden dasselbe schlechter zu machen, was sie vorher schon konnten.

Das Argument, so werde die Zukunft verpasst, halte ich für wenig bedeutsam: Wir wissen nicht, was die Zukunft von sozialen Netzwerken sein wird. Wenn es ohne nicht mehr geht, wird es wohl reichen, dann einzusteigen. Wichtig ist, Aufwand und Ertrag, Chancen und Gefahren realistisch einzuschätzen: Sie weder übertreiben noch runterspielen und weder Drohungen an die Wand malen noch Versprechen abgeben, die nicht aus einer nüchternen Einschätzung resultieren.

Was sich im Internet abspielt ist – so der Titel des lesenswerten Buches von Passig und Lobo – ist weder Segen noch Fluch. Beide Haltungen resultieren aus Projektionen, Umdeutungen und der stärkeren Gewichtung eigener Interessen. Und beide verhindern, dass Menschen die wahren Möglichkeiten des Netzes nutzen können.

(Ich verdanke den Hinweis auf diese Überlegungen der Diskussion im Anschluss an meinen letzten Re:Publica-Post, insbesondere dem Input von Demian Naftali. Danke!)

Bitcoins kurz erklärt

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Wir erleben – wie die Grafik zeigt – gerade einen enormen Kursanstieg einer sonderbaren Währung: Bitcoins. Was zeichnet diese Währung aus und wie kommt es zum Kursanstieg?

Die Währung wurde 2009 von Satoshi Nakamoto geschaffen – der Name ist ein Pseudonym, es ist unklar, wer dahinter steckt. Die Währung repräsentiert grundsätzlich keinen Wert, sie kann Stück für Stück gewonnen werden, indem ein Code mit einem Computer geknackt wird. Dieser Prozess ist enorm aufwändig, allein die Stromkosten übersteigen in der Regel den Wert der damit zu gewinnenden Währung.

 

Diese Bitcoins können anschließend gegen Güter (virtuelle oder materielle) getauscht werden und können auch in Euros oder Dollars getauscht werden. Bitcoins erfüllen alle Anforderungen, die man an eine Währung stellen kann: Sie sind knapp (es gibt maximal 21 Millionen), transferierbar, nicht vergänglich und allgemein akzeptiert. Die Transaktionen sind so sicher verschlüsselt, dass nicht denkbar ist, dass sie gefälscht werden könnten. (Hier ein Bericht, wie man Bitcoins kauft.)

Sie haben zusätzliche Vorteile:

  1. Während Transaktionen öffentlich einsehbar und überprüfbar sind, können die Transaktionteilnehmer (z.B. Käufer und Verkäufer) komplett anonym bleiben. Eine Transaktion kann nicht rückgängig gemacht werden; ein Mechanismus verhindert aber falsche Transaktionen. 
  2. Das heißt, sie unterliegen auch nicht staatlicher Kontrolle. Staaten können Bitcoins nicht beschlagnahmen, weil sie nicht wissen, wem sie gehören. Andererseits können sie auch nicht verhindern, dass Bitcoins für kriminelle Aktivitäten eingesetzt werden oder zur Steuerhinterziehung verwendet werden. 
  3. Ein weiterer Vorteil dieser neuen Währung: Sie ist nicht abhängig von Banken oder zentralen Einrichtungen. Bitcoin setzt auf den Austausch unter Gleichen, auf Peer-to-Peer. Bitcoin ist ein dezentralisiertes Projekt, dessen Software jedem offen steht, um sie verbessern.

Bitcoins sind Fiat-Money, d.h. das Geld hat selbst keinen Wert, er bestimmt sich nur durch Angebot und Nachfrage. Das ist nichts Außergewöhnliches: Alle bedeutenden Währungen haben heute diesen Charakter. Schweizer Franken, Euros und Dollars haben nur einen Wert, weil Menschen glauben, sie hätten einen Wert. Zudem sind auch diese Währungen weit gehend elektronisch, nur ein kleiner Teil ist als Bargeld vorhanden. Aber der Wert dieser Währungen wird durch die Handlungen der Zentralbanken beeinflusst – solche Möglichkeiten gibt es bei der dezentralen Währung Bitcoin nicht.

Bitcoins brauchen weder Vertrauen in Regierungen noch in Banken, die Währung basiert eher auf der Idee des Misstrauens: Alle schauen für sich und lagern ihre Bitcoins auf ihrem Computer. Das wiederum überfordert viele User, die ihre Bitcoin-Schlüssel nicht hinreichend sichern können und deshalb wiederum auf Bitcoin-»Banken« angewiesen sind.

Hier können weitere Kritikpunkte anschließen, die dieser Artikel deutlich macht:

  1. Der Wert von Bitcoins ist direkt von ihrer Medienpräsenz abhängig. Das ist für eine Währung ungünstig – warum sollte ihr Wert davon abhängen, wie viele Menschen darüber sprechen? 
  2. Es gibt so wenige Bitcoins, dass ihr Erfolg (eine globale Akzeptanz) zu einer Deflation führen würde, weil es keine Zentralbank gäbe, welche die Geldmenge erhöhen könnte. Es gäbe schlicht zu wenig.
  3. Bitcoins schaffen Anreize, Computer zu hacken – nicht nur, um Bitcoins zu generieren, sondern auch, um anderen Leuten Bitcoins zu stehlen. Das ist eine sehr ungünstige Voraussetzung.

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