Vorstellung: Me & My Shadow – Welche Spuren hinterlassen wir im Internet?

Die ästhetisch sehr ansprechende Website »Me & My Shadow« vermittelt sehr anschaulich Informationen über digitale Spuren, die wir im Internet hinterlassen. Die Seite gibt es leider nur auf Englisch, eine Lektüre der Texte und ein Durchlauf durch die interaktiven Angebote ist aber sehr lohnend.

 

 

Das Feature »Trace my Shadow« erlaubt es zu erfahren, welche Spuren man überhaupt im Internet hinterlässt – basierend auf einigen Nutzungsangaben. Danach ist es möglich, zu jeder Spur genauere Angaben zu erhalten.

Die Seite bietet auch die Möglichkeit, interaktiv zu erfahren, was die wesentlichen Punkte der EULA (»End User Licence Agreements« oder Allgemeine Geschäftsbestimmungen) von Online-Diensten sind, welche versteckten Datensammlungen damit legitimiert werden – siehe »Lost in Small Print«.

Die Betreiber der Seite beschreiben den Zweck ihres Angebots wie folgt:

Me and my shadow is a new initiative by Tactical Tech that will examine different aspects of the digital traces we leave behind us online. The project has developed out of a growing concern for the way that privacy issues are impacting social networking users and owners of online and mobile devices. These are important issues for everyone, but they have a particularly serious impact on rights and transparency advocates, independent journalists, and activists who can be targets of surveillance, censorship and control.
[Übersetzung phw:] »Me and my shadow« ist eine neue Initiative von Tactical Tech. Sie überprüft verschiedene Aspekte von digitalen Spuren, die wir online hinterlassen. Das Projekt ist aus der wachsenden Besorgnis entstanden, dass Privatsphärenprobleme Nutzer von Social Media und mobilen Geräten immer stärker beeinflussen. Dabei handelt es sich um wichtige Themen für jedermann, aber besonders für AktivistInnen im Bereich der Privatsphäre, unabhängige JournalistInnen und andere AktivistInnen, die das Ziel von Überwachung, Zensur und Kontrolle werden könnten. 

Creative Commons im Unterricht

Die unten stehende Infografik von Martin Mißfeldt hat mich zu einer Skizze einer Unterrichtseinheit über Creative Commons-Lizenzierung angeregt. Idealerweise würde sie im Rechtsunterricht stattfinden, aber auch der Kunst- oder Literaturunterricht bietet die Möglichkeit einer Einbettung. So thematisiert Torsten Larbig in einer Unterrichtseinheit zu Kafkas »Das Urteil« (CC-BY-NC-SA) im Rahmen eines »medienpädagogischen Intermezzos« die Frage, wie Quellen anzugeben sind und mit Material, das im Internet scheinbar »frei« verfügbar ist, umgegangen werden soll:

Ich nutze die Ausgabe solcher freien Materilalien, die im Internetz legal kostenfrei verfügbar sind, um über freie Materialien mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihnen das Lizenzmodell der CreativeCommons-Bewegung zu erläutern.

Dabei gehe ich dann auch auf die Frage ein, dass in den meisten Fällen von Schülerinnen und Schüler sowie von Lehrerinnen und Lehrer Material von z.B. Wikipedia fälschlicher Weise ohne Lizenzangabe verwendet wird. Ich erkläre, wie man sich über die Exportforunktion auf Wikipedia schnell die korrekte Lizenzangabe mit dem dazu gehörenden Text erstellen lassen kann, sodass zukünftig korrekte und vollständige Literaturangaben bei nicht nur in kleinen Teilen zitierten Texten möglich sind – und dann von mir auch (notenrelevant) erwartet werden.

Der Plan der Unterrichtseinheit sieht einen zweiteiligen Einstieg vor, bei dem z.B. in Gruppenarbeit drei unterschiedliche Fragestellungen (1-3) erarbeitet werden, die Erkenntnisse dann in einer abschließenden Sequenz (4) zusammengeführt werden.

(1) Was sind Commons/Gemeingüter?

Diese Fragestellung soll anhand von Auszügen aus dem ausgezeichneten Gemeingüter-Report der Boell Stiftung (als pdf kostenlos verfügbar) bearbeitet werden, z.B. das Liegestuhl-Beispiel von Heinrich Popitz oder die einfachen Übersichtsgrafiken mit Erläuterung:

Die Aufgabe wäre dann, dass man die Idee der Gemeingüter und sowie den Zusammenhang von Ressourcen, Communities und Regeln erklärt und an Beispielen veranschaulicht.

(2) Urheberrecht

Am Beispiel der Fotographie kann gut erläutert werden, aus welchen Komponenten das Urheberrecht besteht. Sinnvoll ist z.B. das Übersichtsdokument des Schweizer Rechtsanwalts Ueli Grüter, in dem die rechtliche Situation in der Schweiz erklärt und einige Beispiele diskutiert werden.

Angewendet kann diese Ausgangslage dann auf eine weitere Infografik von Martin Mißfeldt, in der das Vorgehen bei der Verwendung von Bildern diskutiert wird. Hier nur ein Auszug (CC-BY-SA):

(3) Creative Commons als System

Anhand der CC-Infografik von Mißfeldt (CC-BY-SA) und den Erläuterungen auf seinem Blog, der auch auf den erklärenden Text von Creative Commons verweist und die Symbole sauber erklärt, soll erklärt werden, welche Möglichkeiten Creative Commons bieten.

Auf Englisch gibts auch noch dieses hervorragende Video:


Zur Vertiefung wäre die Überlegung sinnvoll, ob NC und ND überhaupt verwendet werden soll, bedenkenswerte Gedanken in der informativen Broschüre von Paul Klimpel nachgelesen werden.

(4) Zusammenführung, Anwendung und Ausblick

Dieser Teil, bei dem die Erkenntnisse und das Wissen der Gruppenarbeiten ausgewertet und angewendet werden soll, könnte mit einem Quiz beginnen:

  1. Darf ich ein Bild, das ich mit der Google-Suche gefunden habe, auf Facebook veröffentlichen?
  2. Darf ich einen Ausschnitt aus einem Text zitieren?
    a) Wenn er 20 Wörter lang ist?
    b) Wenn er 20 Seiten lang ist?
  3. Dürfen Lehrpersonen aus Lehrmitteln Kapitel kopieren und mit ihren Schülerinnen und Schülern bearbeiten?
  4. Was würde es bedeuten, wenn Lady Gaga ein Album mit Creative Commons Lizenz veröffentlichen würde?
  5. Wenn eine Schülerin oder ein Schüler mit dem Smartphone ein Foto macht – hat sie oder er dann das Urheberrecht daran?
  6. Ist es illegal, einen Film oder ein Ebook gratis aus dem Internet runterzuladen?

Dann könnten Fragen diskutiert werden, welche die heutige rechtliche Praxis betreffen, den Umgang mit Urheberrechten in der Schule, die Publikation von Bildern und Texten im Internet und die Bedeutung von Quellenangaben – diese Fragestellungen entwickle ich hier nicht genauer, die dürften sich aus dem Unterrichtskontext ergeben.

(5) Ausweitung: Rollenspiel

Darüber hinausgehend wäre es möglich, in einem Rollenspiel ein ideales Urheberrecht zu entwickeln. Die Schülerinnen und Schüler vertreten jeweils eine Gruppe von Interessierten, z.B.:

  • erfolgreiche Urheberinnen und Urheber, die von ihren Einnahmen leben
  • Urheberinnen und Urheber, die wenig oder keine Einnahmen erzielen
  • Konsumentinnen und Konsumenten von Inhalten
  • Internetnutzer, die häufig Inhalte runterladen (legal oder illegal)
  • Politikerinnen und Politiker, die versuchen, eine möglichst hohe Lebensqualität und Rechtssicherheit herzustellen

In sinnvollen Gruppen könnten dann grundsätzliche Regelungen festgelegt und verabschiedet werden – oder Differenzen beobachtet werden, die sich nicht lösen lassen.

Den Page-Rank verstehen

Ich habe kürzlich dargestellt, warum es heute unabdingbar ist, zu verstehen, wie Google funktioniert – und wie man das in der Schule vermitteln könnte. Ein wesentlicher Bestandteil von Googles Technolgie und Funktionsweise ist der Page Rank, benannt nach Larry Page, der ihn zusammen mit Sergei Brin entwickelt hat.

Der Page Rank ist ein mathematisch komplexes Konzept – eignet sich deshalb für Mathematik-Leistungskurse oder Projekte für Begabte. Ein interessanter Zugang wäre der das Zufallssurfer-Modell.

Die Funktionsweise lässt sich aber sehr gut mit einer interaktiven Seite verstehen, die man hier abrufen kann. Dort erstellt man ein eigenes kleines Internet, in dem die Page Ranks aller Seiten sofort angezeigt werden.


Die PageRanks von beliebigen Seiten können mit Tools wie diesem leicht bestimmt werden, z.B. hat diese Seite hier den PageRank 2. Eine einfache Übung wäre, Schülerinnen und Schüler die PageRank-Werte der wichtiger Newsseiten zu vergleichen.

Zwei Perspektiven auf den Shitstorm

Der folgende Beitrag versteht sich als Ausgangspunkt für die Gestaltung einer Unterrichtseinheit zum Thema »Shitstorm«. Das Thema würde ich in der Medienkunde ansiedeln, es eignet sich sehr gut, um Funktionsweisen von Social Media und von viralen Inhalten zu verstehen. Geeignet ist es für Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse.

Die einzelnen Teile könnten nach dem einführenden Video selbständig in Gruppen erarbeitet werden und z.B. auf einem Blog dokumentiert und zusammengeführt werden. Idealerweise informieren Schülerinnen und Schüler einander über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen.

Einführung: Ein Video


Der Begriff »Shitstorm«

Der Begriff war 2010 als Anglizismus des Jahres nominiert und hat Eingang in Wikipedia und in den Duden gefunden. Dort steht als Definition:

Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht.

Die Frage, ob der Begriff tatsächlich eine Entlehnung aus dem Englischen ist oder im Deutschen eine neue Bedeutung erhalten habe, wird kontrovers diskutiert – auf jeden Fall handelt es sich um eine Form von Kritik, wie Susanne Flach festhält:

Kri­tik und Shits­torm mögen gemein­sam auf einem Pro­test­kon­ti­nuum lie­gen; die Aus­prä­gun­gen, Aus­füh­rungs­or­gane und Über­mitt­lungs­ka­näle sind aber unter­schied­lich. Das wird auch daran lie­gen, dass mit stei­gen­den Nut­zer­zah­len der sonst stamm­tisch­li­che (hier: eben nicht aus tra­di­tio­nel­len Medien abge­feu­er­ter) Pro­test in den öffent­li­chen Raum getra­gen wird. Shits­torm fügt dem Kon­ti­nuum also einen Hal­te­be­reich hinzu – und gibt dem bis­her unge­hör­ten, aber neu­er­dings voka­li­sier­ba­ren Unmut einen Namen.

Unterrichtsidee 1:
a) Die Geschichte des Begriffs selbständig recherchieren lassen.
b) Anglizismus und Scheinanglizismus begrifflich präzisieren lassen (als Forschungsaufgabe), mit Beispielen. 
c) Wortfeld »Kritik« konstruieren lassen. 
d) »Anglizismus des Jahres« rekapitulieren – welche Begriffe gewinnen und weshalb? 
e) Welche Begriffe finden Aufnahme in den Duden/Wikipedia? Nach welchen Kriterien? 

Perspektive 1: Shitstorm aus der Sicht des Opfers

Opfer eines Shitstorms ist meist eine Person des öffentlichen Lebens oder ein Unternehmen. Ein Beispiel:

Dirk Nowitzki, der deutsche Basketballsuperstar, hat einen Werbeclip für die ING-DiBa-Bank gedreht.


Dieses Video hat auf der Facebook-Seite der Bank für einen Sturm der Entrüstung gesorgt: Der Fleischkonsum von Nowitzki sowie die idealisierte Darstellung einer Metzgerei wurden harsch kritisiert, Kunden drohten mit der Auflösung ihres Kontos. Ein Shitstorm entwickelte sich, wie man hier nachlesen kann.

Die Frage ist nun, wie man aus der Sicht des Unternehmens oder aus der Sicht von Nowitzki auf dieses Problem reagieren kann. Expertinnen und Experten diskutieren eine Reihe von Strategien, einig scheint man sich darin zu sein, dass Zensur sehr problematisch ist: Löscht man kritische Kommentare, verstärkt sich der Shitstorm. Die Bank hat in diesem Beispiel die Welle der Kritik ausgesessen und – so scheint es – ihr Image dadurch verbessert.

Daniel Graf und Barbara Schwede haben bei Feinheit eine Shitstorm-Skala entwickelt, mit der man beurteilen kann, wann Kritik ein beängstigendes Ausmass annimmt:

Unterrichtsidee 2:
a) Beispiele für Shitstorms suchen und sie der Klasse vorstellen. 
b) Beispiele mit der Skala beurteilen.
c) Reaktionsweisen von Community Managern skizzieren und vergleichen. 

Perspektive 2: Shitstorm aus der Sicht der Kritisierenden

Daniel Graf hat sich auch die Frage gestellt, wie man denn einen Shitstorm starten kann. Aus dieser Sicht ist ein Shitstorm ein günstiges Mittel, um Aufmerksamkeit für ein Anliegen zu erhalten: Z.B. für eine NGO, die darauf aufmerksam machen will, dass Produkte unter Verletzung von Menschenrechten oder mit grossen Schäden für die Umwelt hergestellt werden. Graf hält folgende Tipps fest:

Unterrichtsidee 3:
a) Rechercheauftrag: Wie verbreiten sich Videos oder Bilder schnell in sozialen Netzwerken? 
b) Diskussion: Sind Shitstorms ein legitimes Mittel für Kritik?
c) Praxis: Einen eigenen Shitstorm starten! [Die Warnung sei erwähnt: Lehrperson bewilligt Mittel und Inhalte…]

Update 20. August 2012: Im kleinen Rahmen habe ich eine Unterrichtseinheit dazu begonnen, das Arbeitsblatt kann man hier runterladen.

Twitter im Literaturunterricht

Auf der Higher Education-Plattform der Guardian-Webseite berichtet Rosie Miles (@MsEmentor), wie sie Twitter im Literaturunterricht einsetzt. Sie unterrichtet an der University of Wolverhampton in England und beschreibt die Erfahrungen im Umgang mit Social Media als sehr positiv: Die Studierenden beteiligen sich rege und mit Begeisterung.

Zu den Bedingungen, in denen Virtual Learning Environments (VLE) sinnvoll eingesetzt werden können, macht sie zwei aufschlussreiche Bemerkungen:

  • Jedes Lernumfeld (auch das Klassenzimmer) ist zunächst neutral: Erst die darin stattfindende Aktivität lässt einen beurteilen, ob das Umfeld nachhaltiges Lernen ermöglicht oder nicht.
  • Wenn man VLEs einsetzt, muss man sich fragen, ob sie etwas ermöglichen, was im Klassenzimmer nicht möglich wäre.

Was hat nun Miles konkret getan?

Sie hat das Unterrichtsthema – Literatur des Fin de Siècle – spielerisch und kreativ erweitert: Alle Studierenden übernahmen in einem Twitterkonto die Persönlichkeit einer literarischen Figur, mit deren Stimme sie diskutiert haben. So konnte man sich in eine Figur versetzen, ihr Denken, ihr Sprechen nachahmen und gleichzeitig das Werk gemeinsam diskutieren – etwas, was – so Miles – einen eher peinlichen Theater-Workshop ergeben hätte, auf Twitter aber großen Spass macht.

Miles hat nicht direkt Twitter eingesetzt, sondern ein Forum, bei dem die Beiträge ebenfalls auf 140 Zeichen beschränkt waren. Sie fragt, wie man auf Twitter einen Walled Garden einrichten könne für Unterrichtszwecke – etwas, was ich für schwierig halte. Entsprechend merkt sie an, dass Twitter nicht für den Unterricht gemacht worden sei und deshalb erprobt werden müsse, ob das Tool innerhalb eines didaktischen Konzepts sinnvoll einsetzbar sei:

However, Twitter wasn’t per se designed with teaching in mind. So it’s the job of those of us who do use online learning spaces and tools and social media to work out how – if at all – it’s possible to teach with them in our different disciplines and contexts.

Facebook im Unterricht: Ein Blick auf Chancen und Risiken

Bei der Diskussion der Frage, ob Facebook im politischen Unterricht geht ein Lernblog der PH Ludwigsburg unter der Leitung von Dr. Ragnar Müller von der tabellarischen Übersicht des Abschlussberichts von EU Kids-Online aus:

Im Beitrag von Lisa (?) werden drei Chancen und drei Risiken genannt:

  1. Kommunikation: Facebook ermöglicht es, mit vielen Menschen leicht in Kontakt zu treten.
  2. Teilhabe an Entscheidungsprozessen: Facebook ermöglicht es, Meinungsbildung zu betreiben und sich an Entscheidungen zu beteiligen.
  3. Bildungsferne Schichten: Facebook ermöglicht Bildung in allen gesellschaftlichen Sphären – zumindest in Ländern ohne nennenswerte digital divide.
  4. Akklamationskultur: Facebook ermuntert, auf »gefällt mir« zu drücken, anstatt kritisch zu bleiben und Fragen zu diskutieren.
  5. Keine Offenheit: Die Frage, ob politische Bildung auf einer Plattform stattfinden soll, die systematisch intransparent bleibt, ist bedeutsam.
  6. Privatsphäre: Politische Meinungsbildung und das Recht auf Privatsphäre bedingen sich gegenseitig – auch hier ist Facebook als Instrument sehr problematisch.

Lisa kommt zu einem etwas zahmen Fazit:

Festzuhalten bleibt, dass Facebook zwar kritikwürdige Elemente umfasst, dass aber die Vorzüge, welche die Plattform für den Politikunterricht mit sich bringt, ebenfalls bedeutsam sind. Die im folgenden vorzustellende Unterrichtsstunde versucht deshalb, die Chancen zu nutzen, aber auch die Behandlung der Risiken mit aufzunehmen.

Im zweiten Teil des Posts findet sich eine konkrete Unterrichtseinheit zu Facebook, basierend aus:

Projektidee: Kony 2012

Auf FB hat heute Klaus Meschede, dem ich viele Inputs für das Thema dieses Blogs verdanke, folgenden Vorschlag gepostet:

Idee für ein Projekt zum Schuljahresende:
„Kony 2012“
Vorgeschichte, Kampagne, Wirkung, Auswirkung(?), etc.
Basis: hohe Betroffenheit, Empathie bei Jugendlichen, intensive Kommunikation
Bezug: Moralentwicklung bei Jugendlichen, Empathie vs. Abstraktion/ Universalismus (Habermas als Ergänzung zu Kohlberg), Identitätsbildung
möglichst fächerübergreifend, wenigstens mit Referenten aus SoWi-LK [gemeint: Sozialwissenschaften-Leistungskurs], D-LK [Deutsch-Leistungskurs] (Medien und Kommunikation), evtl. Filmgruppen

Ich möchte diese Idee im Folgenden nun etwas ausführen – und insbesondere aufzeigen, welche Rolle die Reflexion und der Einsatz von Social Media in Bezug auf dieses Thema spielen könnte.

Am Anfang soll eine Liste mit Aspekten stehen, die für das Thema eine Rolle spielen:

  • Worum geht es ganz grundsätzlich? Was hat sich in Uganda in den letzten fünf Jahren ereignet? Was ist die Rolle der Lord’s Resistance Army? Wie ist die aktuelle Situation zu beurteilen?
  • Woher wissen wir etwas über ein Land wie Uganda? Welchen Quellen vertrauen wir, wie nähren wir uns einem solchen Thema?
  • Inwiefern gibt es in Westeuropa ein differenziertes Afrikabild? Welchen Aussagen / Fakten / Vorurteilen schenken wir in Bezug auf afrikanische Länder eher Glauben – und warum?
  • Wie können Menschen auf ein wichtiges Anliegen aufmerksam gemacht werden? Welche Rolle spielen dabei traditionelle Medien, welche Neue Medien bzw. Social Media?
  • Welchen Einfluss haben Prominente auf die Bedeutung von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen?
  • Was beschleunigt bzw. verlangsamt soziale Kommunikation auf Netzwerken wie Facebook und Twitter? Welche Inhalte werden schnell und oft geteilt, welche weniger?
  • Warum berührt uns das Kony Video (stärker als andere Videos)?
  • Wie unterscheidet sich die Verarbeitung von News durch junge Menschen von der älterer?
  • Ist es möglich, dass virale Kampagnen bzw. Virals eine Auswirkung außerhalb des Internets (d.h. in der Welt der Dinge und Menschen) haben?
  • Dürfen Organisationen, die wohltätig bzw. in der Entwicklungshilfe tätig sind, Marketing betreiben? Wie aufwändig darf dieses sein? Ist es besser, wenn eine solche Organisation hohe Einnahmen und hohe Kosten hat, als wenn sie tiefe Einnahmen und tiefe Kosten hat?
  • Kann virales Marketing auf Social Media Kanälen langfristig für wohltätige Organisationen bedeutsam sein?
  • Können wir in einer globalisierten Welt ein »fremdes« Problem lösen?
  • Die persönlichen Geschichten hinter Kony: Jason Russell (Regisseur des Filmes, evangelikaler Hintergrund, sein Sohn); Joseph Kony.

Diese verschiedenen Zugänge bieten sich für einen interdisziplinären Ansatz an. Es stellen sich ganz konkrete politische, wirtschaftliche, historische und soziale Fragen. Es werden kommunikative und mediale Themen verhandelt. Ethische Fragen spielen eine große Rolle, ebenso erkenntnistheoretische.

Infografik: Huffington Post.

Wenn man sich die Bandbreite der Themen anschaut, so ist dieses Projekt klar gymnasial ausgerichtet, wohl sogar eher für Klassen nahe beim Abitur/bei der Matur. Viel Material wird erst dann verfügbar, wenn Schülerinnen und Schüler genügend gut englisch sprechen.

Ich stelle mir einen möglichen Projektablauf wie folgt vor:

  1. Input für alle Projektteilnehmenden:
    Visionierung des Kony-VideosDiskussion.
  2. Entscheid für einen Themenbereich, sehr grob skizziert – Bildung von Gruppen.
    Danach weiteres Inputmaterial,
    z.B.

  3. Projektartige Verarbeitung des Materials und der Überlegungen der Gruppe.
    a) Projektziele und -verlauf definieren.
    b) Recherchieren, kuratieren und verarbeiten von Hintergrundmaterial.
    c) Verarbeitung idealerweise Arbeit mit Social Media, z.B. Wiki oder Blog. (Idee: Es entsteht ein Gesamtprodukt, in das die einzelnen Gruppenbeiträge eingefügt und auf einander bezogen werden können.)
  4. Präsentation und Feedbackprozess.
    Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse dem Plenum und erhalten von anderen Gruppen Feedback.
    Wiederholung dieser Schlaufe mit einer Art Öffentlichkeit, über Social Media sehr einfach möglich.
  5. Individuelle Reflexion. 
    Die Lehrpersonen, die das Projekt begleitet haben, können hier einige allgemeine Fragen stellen (Umgang mit Social Media; Manipulierbarkeit; Möglichkeiten, in einer globalen Welt etwas zu verändern; Afrikabild in Europa und Nordamerika…)
    In diesem Prozess kann vor allem auch die persönliche Haltung und Veränderung dieser Haltung ins Spiel gebracht werden, sinnvoll ist hier wohl eine ganz traditionelle Arbeit mit einem persönlichen Text, aber auch Social Media (z.B. als Kommentar etc.) wäre denkbar, wenn für Schülerinnen und Schüler in Ordnung.
Visiualisierung der Twitter-Aktivitäten zu Kony 2012, SocialFlow.

Ein solches Projekt würde dem entsprechen, was Wolfgang Neuhaus in einem Aufsatzentwurf zu »didaktisches Design« einleitend formuliert:

Lernen ist eine auf Zukunft gerichtete Aktivität. Ich lerne aus Neugier, aus Interesse, aus Spass oder wegen extern an mich herangetragenenen Notwendigkeiten und ich verspreche mir davon, bestimmte Aufgaben oder Herausforderungen in der Zukunft bewältigen zu können.

Neuhaus zitiert dabei Bruno Latour und sein Konzept des Komponierens, das auf solche Aktivitäten sehr schön anwendbar ist:

Der Bruch mit der Vergangenheit wird nicht ausreichen. Kritik wird auch nicht helfen. Es ist Zeit zu komponieren – in allen Bedeutungen des Wortes, einschließlich mit etwas komponieren, also Kompromisse einzugehen, sich zu kümmern, sich langsam zu bewegen, vorsichtig und mit Vorsorge.

Tipps und Spiele zum besseren Umgang mit Suchmaschinen

Suchmaschinen wie Google zu verwenden scheint eine so selbstverständliche Kulturtechnik zu sein, wie das Schuhebinden. Man würde naiverweise denken, dass Schülerinnen und Schüler das nicht in der Schule lernen müssen, sondern es schon beherrschen. Das denkt man so lange, bis man ihnen einmal beim Suchen im Internet zusieht.

Wie also lernt und lehrt man, besser zu »googlen«?

1. Spielerisch

Es gibt eine Reihe von Spielen mit Suchmaschinen, die man z.B. in einer Partnerarbeit spielen kann:

  1. Wer findet die Seite? 
    Schülerin A gibt eine Seite vor, z.B. diesen Blogeintrag. Schüler B muss eine Suchanfrage finden, die als erstes (oder einziges) Resultat diese Seite anzeigt.
  2. Wer findet das bessere Suchwort? (Googlefight)
    Schülerin A gibt einen Suchbegriff vor. Gemeinsam sieht man, wie viele Resultate Google findet:
    Schüler B schlägt nun einen Suchbegriff vor, der mehr Resultate liefert. (Um das Spiel schwieriger zu machen: Mehr, aber nicht mehr als doppelt oder zehn Mal so viele…)
    Lustiger wird dieses Spiel mit einem Googlefight –  dort kämpfen zwei Suchbegriffe gegeneinander. Kann auch verwendet werden, um z.B. die richtige orthographische Schreibweise eines Wortes zu klären (»klären« vs. »klähren«)  oder die Beliebtheit von Fussballspielern.
  3. Was hab ich gesucht? (What did I search for?)
    Auf folgenden Seiten werden Suchresultate angezeigt, der Suchbegriff aber mit ????? codiert. Die Frage ist nun, was der Suchbegriff war. Die Seite gibt es meines Wissens leider nur auf Englisch, ist aber wohl auch ein sinnvolles Spiel für den Fremdsprachenunterricht…
    (a) gamesforthebrain.com/game/whatsearch/
    (b) gwigle.varten.net/
  4. Das Bildersuchequiz.
    Auch für die Bildersuche gibt es ein (englisches) Quiz, wo man den Suchbegriff erraten muss. Das kann man gut aber auch selbst in Partnerarbeit spielen – einfach so runterscrollen, dass der Suchbegriff nicht mehr sichtbar ist. Hier ein einfaches Beispiel:

2. Suche wie ein Mathematikproblem angehen: Resultate schätzen

Tasha Bergson-Michelsen schlägt vor, Schülerinnen und Schüler die drei folgenden Fragen zu stellen, bevor sie etwas suchen. Die Idee ist, dass sie das Resultat zuerst abschätzen müssen, um einschätzen zu können, ob es hilfreich und sinnvoll ist – analog zu einer Mathematikaufgabe, wo es didaktisch sinnvoll ist, zuerst eine Schätzung abzugeben, bevor man die Aufgabe löst.

  1. Was für Ergebnisse liefert die Suche?
    Z.B. für »Bayern«, »Bayern München«, »die Bayern«. [Bergson-Michelsens Beispiel ist etwas schöner: »who«, »the who«, und »a who«.]
  2. Wie sieht mein perfektes Suchergebnis aus?
    Was steht auf der Seite, die ich suche? Welches Vokabular verwendet sie? Wann kann ich annehmen, dass sie von einer Expertin oder einem Experten verfasst worden ist?
  3. Was erwarte ich, wenn ich auf ein Suchresultat klicke?
    Sobald ich gesucht habe, sehe ich eine Liste von Resultaten. Auf welches soll ich zuerst klicken – und warum?

Diese Überlegungen können geübt werden. Werden diese Übungen richtig gemacht, erkennen und erfahren Schülerinnen und Schüler, dass sich ihre Sucheffizienz und die Qualität ihrer Ergebnisse automatisch verbessern – und setzen neue Techniken ein.

3. Tipps für Suchtechniken

Diese Tipps kann man Schülerinnen und Schülern einfach einmal mitteilen, indem man sie an geeigneten Beispielen vorführt – sie könnten auch auf einem Poster im Computerraum stehen etc.

  1. Das Suchwort »wiki« hinzufügen, um direkt Wikipedia-Artikel angezeigt zu bekommen.
  2. Präzise Informationen durch das Zusammenstellen von vier bis sechs Suchbegriffen, die in einem gesuchten Dokument vorkommen müssen.
  3. Wissenschaftliche Texte findet man, indem man direkt nach pdfs sucht. Das geht so: »SUCHANFRAGE filetype:pdf«.
  4. Dasselbe geht auch für Präsentationen, Word-Dokumente oder Tabellen, dort gibt es aber nicht immer einheitliche Fileformate (hilfreich sind aber .ppt respektive .doc beziehungsweise .xls.
  5. Erweiterte Suchoptionen benutzen um Sprache, Datum und Region einzustellen, wenn das nötig sein sollte.
  6. Sehr oft suche ich Dokumente, die bestimmte Zitate enthalten.
    Das Suchen mit Anführungszeichen hilft oft weiter: »”liberty and justice for all”«.
  7. Nützlich ist auch das Suchen nur auf einer Seite: »SUCHANFRAGE site:nzz.ch«.
  8. Auch die Bildsuche kann feingesteuert werden, z.B. auch über die Farbauswahl!

Bergson-Michelsen kombiniert diese Techniken hier an einem schönen Beispiel.

4. Google Search Education

Google bietet selbst Tools an, um mit der Fülle von Möglichkeiten und Informationen umzugehen. Hier der Link zur Seite (englisch) und ein Einführungsvideo:

Zeichenbegrenzungen kreativ nutzen – Twitter im Deutschunterricht

Für viele Texte steht nur ein bestimmter Platz zur Verfügung. Historisch war Papier eine teure Ressource, über die man nicht beliebig verfügte. Ich konnte einmal zusehen, wie ein vom Literaturarchiv Marbach ersteigerter Schiller-Brief ausgepackt wurde: Der Brief umfasste einen Bogen und Schiller füllte jede Zeile aus – ohne, dass man das dem Inhalt oder Stil des Briefes angemerkt hätte.

Ähnlich war es mit Postkarten, die nicht nur sehr limitierten Platz boten, sondern auch nur dann günstiger frankiert werden konnten, wenn sie 20 Wörter oder weniger enthielten.

http://www.suetterlin-online.de/postkarte-1911.html (mit Abschrift des Textes)

Ein weiteres Beispiel sind journalistische Texte, deren Länge oft exakt vorgegeben ist, um das Layout zu erleichtern.

Kurz gesagt: Zum Schreiben gehörte lange Zeit der Umgang mit Begrenzungen. Sie stellen Anforderungen an präzise Wortwahl, an inhaltliche Verdichtung, an bewusste Stilwahl.

Digitale Medien erlauben es, Texte von unbeschränkter Länge zu schreiben. Gerade bei Blogs führt das oft zu zu langen Texten, wie ich kürzlich an einem anderen Ort festgehalten habe.

Aus diesen Gründen halte ich den Einsatz von Twitter in einem Schreibprojekt für sehr sinnvoll. Ich skizziere es hier grob und werde den Post vervollständigen, wenn ich damit konkrete Erfahrungen gesammelt habe. (Bisher habe ich Schülerinnen und Schüler nur in Twitter eingeführt und sie ausprobieren lassen.)

  • Das Projekt ist wohl ab dem 7. Schuljahr denkbar.
  • Alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse sollen ein Profil unter einem Phantasienamen erstellen.
  • Idealerweise wird dem Profil eine Rolle und den geäußerten Tweets eine Funktion zugewiesen: Bsp. Lästern über fiktive MitarbeiterInnen, Kommentare zum Zeitgeschehen, ein Vater rapportiert lustige Aussagen eines Kindes, Kommentare zu Fernsehwerbung, das Wetter des Tages in Reimform etc.
  • Ziel: Unterhaltsame und dennoch tiefgründige Entwicklung einer Rolle durch die Äußerung fiktiver Tweets.
  • Regeln:
    a) Es dürfen keine  Abkürzungen verwendet werden.
    b) Aussagen dürfen nicht auf mehrere Tweets aufgeteilt werden.
    c) Vollständige Sätze sind Pflicht.
    d) (optional) Alle Tweets in Standardsprache (z.B. Duden-konform).
  • Eine bestimmte Kadenz wird vorgegeben: Z.B. 5 Tweets pro Woche. (Können dann von mobilen Geräten aus oder auch vom PC aus verfasst werden.)
  • Ein Mal pro Woche gibt es die Möglichkeit für Feedback: Z.B. stellen immer fünf SchülerInnen ihren Lieblingstweet der Woche vor (ausgewählt aus den Tweets der Klasse).
  • Projektdauer: Ein Semester, als rund 20 Wochen.
    Ergibt 100 geschriebene Tweets.
  • Abschluss: Projektreflexion, Auswahl der gelungensten Tweets, stilistische Betrachtungen (z.B. Satzlänge, Satzbau, Semantik, evtl. mit einem Statistiktool arbeiten).

Ich freue mich über weitere Inputs und Anregungen…

Vorstellung: Elternet

Auf der übersichtlich gestalteten Seite Elternet.ch bietet ein Verein in der Schweiz Informationen zur Medienerziehung speziell für Eltern an. Der Verein schreibt über seine Absichten:

Ziel des Vereins ist es, Eltern bei der Erziehungsarbeit im Bereich der digitalen Kommunikations- und Informationstechnologien zu unterstützen. elternet.ch versteht sich als Ergänzung zur Medienbidung in Schule und Ausbildung.

In einem Nachschlagewerk finden sich gut geschriebene Texte zu den verschiedenen Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen und zu einzelnen Sachthemen – ausgezeichnete Einstiegstexte für Eltern, die sich mit bestimmten Themen vertraut machen wollen. Zudem gibt es ein Glossar, in dem zentrale Begriffe definiert werden.

Auf der Seite Medien-Coaching.ch bietet derselbe Verein Unterstützung für Eltern in der Medienerziehung an (ebenfalls in der Schweiz). Der Verein wird dabei von Gesundheitsförderung Schweiz und einer Reihe von Kantonen gefördert. Im Zentrum stehen dabei neun Module, die laut 20Minuten seit dieser April 2012 angeboten werden:

  1. Internet, Handy & Co – was Eltern wissen sollen
  2. Neue Medien im Kindergartenschulalter
  3. Neue Medien im Primarschulalter
  4. Neue Medien im Sekundarschulalter
  5. Im Netz der Informationen
  6. Wir sind online. Wo seid ihr?
  7. Schutz, Sicherheit & Recht
  8. Cybermobbing, Porno & Gewalt – Schattenseiten der neuen Medien
  9. Games