Social Media und Bewerbungen

Die Schule hat die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten. Dazu gehört auch die Präsentation bei Bewerbungen. Diese Präsentation hat eine Online-Dimension, die wesentlich durch Social Media geprägt ist. Im Folgenden einige Hinweise, wie Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich gecoacht werden könnte.

Dieses Video zeigt zwei Dinge:

  • eine klischeehafte Vorstellung, dass in Social Media hauptsächlich negative Seiten von Menschen abrufbar sind (»betrunken an einer Party«)
  • die Forderung, man müsse sich damit vertraut machen, wie man im Internet erscheint und auftritt.

Diese Forderung soll am Anfang stehen: Watzlawicks Maxime »Man kann nicht nicht kommunizieren!« gilt selbstverständlich auch fürs Web 2.0: Wer im Internet nicht erscheint, gibt ebenso ein Bild ab wie die Person, die auf allen denkbaren Plattformen präsent ist.

Nun gibt es folgende drei Ausgangssituationen für Schülerinnen und Schüler:

  1. Sie waren bisher sehr zurückhaltend und es erscheinen nur minimale Spuren von ihnen im Internet (z.B. von Sportveranstaltungen oder Vereinstätigkeiten). [Alternativ: Sie haben einen oft vorkommenden Namen und können nicht eindeutig identifiziert werden.]
  2. Sie waren bisher aktiv und finden Spuren im Netz, mit denen sie nicht mehr in Verbindung stehen möchten (z.B. alte Blogs, Kinderphotos, Schreibprojekte etc.)
  3. Sie waren aktiv auf Social Media und präsentieren sich als kompetent und für potentielle Arbeitgeber attraktiv.

Als Coach kann eine Lehrperson bei diesen Situationen drei mögliche Hilfestellungen geben:

  • Wie kann ich ii. präventiv verhindern?
  • Wie kann ich mein Profil gezielt verbessern bzw. negative/unliebsame Spuren löschen?
  • Wie kann ich Social Media nutzen, um einen guten Eindruck von mir abzugeben?

(1) Prävention

Gemeint ist nicht allgemeine Prävention in Bezug auf negative Auswirkungen von Social Media, sondern in spezifischer Hinsicht auf die Pflege von Profilen. Hier ist der Grundsatz bedeutsam, der auch jede schulische Arbeit mit Social Media prägen sollte:

Alle im Internet hinterlassenen Daten (Texte, Bilder, Videos) sollten so behandelt werden, als könnten sie alle einsehen und als könnten sie nie gelöscht werden.

Selbstverständlich kann von diesem Grundsatz unter speziellen Bedingungen abgewichen werden. Eines meiner ersten Blogprojekte hat dazu geführt, dass eine Abschlussklasse einen Abschlussblog verfasst hat. Bei mehr als der Hälfte der Schülerinnen und Schüler ist ihr humorvolle Eintrag der erste Google-Treffer, wenn man ihren Namen eingibt.

Zudem geht es ganz allgemein um die Frage, wie man sich in der Öffentlichkeit präsentiert – eine Frage, die in einem viel allgemeineren Rahmen diskutiert werden kann.

Und zuletzt sollte auf das Paradox aufmerksam gemacht werden, dass wir uns auf Social Media oft offener verhalten als gegenüber Menschen, die wir kennen. Darüber sollte man nachdenken – auch über die Konsequenzen. Auch die Freude über einen erfolgreichen Schulabschluss kann eine negative Wirkung hinterlassen, wie dieses Beispiel zeigt:

(2) Negative Spuren beseitigen

Webseiten können gelöscht werden, ebenso Facebookeinträge und Tweets. All diese Inhalte werden aber im Web archiviert, kopiert und auch an anderen Orten gespeichert, wo eine Löschung unmöglich ist. Der oben abgebildete Facebook-Status befindet sich als Bild auf meiner Harddisk.

Wie also beseitigt man negative Spuren? Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze:

  • Inhalte löschen und die Sucheinträge bei Google löschen, damit sie nicht mehr gefunden werden können. Allenfalls fremde Autoren bitten, Inhalte zu löschen (im Notfall rechtliche Schritte in Erwägung ziehen).
  • Selber positive Inhalte generieren und so die negativen in den Hintergrund drängen.

Ich bin beispielsweise so aktiv im sozialen Netz, dass nur von mir selbst erstellte Beiträge in den ersten Suchresultaten bei Google auftreten:

Wer also negative Ereignisse ausblenden will, sollte eine eigene Webseite kreieren, einen Blog eröffnen oder Konten bei sozialen Netzwerken erstellen, die kontrolliert werden können.

(3) Wie kann ich auf Social Media einen guten Eindruck abgeben? 

Es geht häufig vergessen, dass Vorgesetzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen, die im Netz kompetent sind. Diese Kompetenz kann man auch auf Social Media-Profilen zeigen. Manche Leute gehen so weit, dass sie ihre Facebook-Präsenz als kreativen Lebenslauf aufbereiten. Generell reicht es wohl auch, sich als sympathisch, anständig und kompetent zu präsentieren. Kompetenz strahlt man auch aus, indem man interesse Inhalte auf seinen Seiten präsentiert und weiterverbreitet.

Zu private Ereignisse und Bilder sollten zudem immer mit Privatsphäreneinstellungen geschützt werden.

* * *

Zum Schluss noch einmal zurück zum Video: Ich habe die Vorstellung, auf Social Media würden vor allem negative Seiten von Menschen sichtbar, ein Klischee genannt. Es ist bekannt, dass Jugendliche sich vergnügen, dass sie Alkohol trinken und Parties besuchen. Ein Arbeitgeber, der vernünftig über Menschen nachdenkt, lässt sich dadurch nicht schockieren. Vielmehr geht es gerade darum, Medienkompetenz zu zeigen. Das Problem sind weder die Party noch der Alkohol, sondern das fehlende Bewusstsein, welche Inhalte wo abrufbar sind. Dieses Bewusstsein zu vermitteln ist Aufgabe der Schule.

Kinderfotos auf Facebook

Gestern machte ein Artikel von Golem.de die Runde auf dem Internet (auch auf zeit.de), in dem es um folgenden Vorfall geht:

In Braunlage im Harz wurden sechs Schüler von einer Unterrichtsstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen, weil ihre Eltern einer Veröffentlichung von Fotos der Veranstaltung bei Facebook nicht zugestimmt hatten.

Das Beispiel zeigt die Bedeutung der Frage, ob Eltern und Schulen Fotos von Kindern in sozialen Netzwerken oder überhaupt im Internet publizieren dürfen. (Klar ist, dass man keine Kinder von Veranstaltungen ausschließen kann, nur weil sie oder ihre Eltern nicht wollen, dass sie auf Facebook-Fotos erscheinen.)

Auf Facebook gibt es eine Gruppe, die fordert, dass im Social Web keine Kinderfotos publiziert werden dürfen.

Bild

Die wesentlichen Argumente sind die folgenden:

  • Man überträgt mit der Publikation gewisse Rechte an Facebook.
  • Eltern und Schule haben die Aufgabe, die Privatsphäre von Kindern zu schützen.
  • Eltern und Schule dürfen nicht über die Publikation von Bildern befinden, welche die Kinder unter Umständen später nicht wünschen.
  • Pädophile nutzen Social Media zum Finden von potentiellen Opfern.

Wenn Schulen trotzdem darauf bestehen, Bilder zu publizieren, so müssen sie das Einverständnis der Eltern einholen und sie dabei auch darauf hinweisen, was eine Publikation bedeutet. Golem.de erwähnt »Risiken wie weltweite Abrufbarkeit, Veränderbarkeit und Nutzung«.

Der Datenschützer von Schleswig-Holstein findet deutliche Worte:

Selbst der unzulässige Betrieb einer Facebook-Fanpage ist im Schulbereich nicht tabu – und zugleich ein pädagogisch katastrophales Vorbild für die Kinder und Jugendlichen. Facebook legt alles darauf an, nicht nur den Kindern, sondern auch den Schulleitungen den Kopf zu verdrehen.

Die rechtliche Situation mag in der Schweiz eine leicht andere sein. Eine Schule kann über eine Facebook-Seite Kommunikationsaufgaben wahrnehmen und es ist auch möglich, sich und die Schülerinnen und Schüler ausreichen zu schützen. Dennoch ist es wichtig, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Was ist der Zweck des Hochladens?
  • Wer soll dieses Bild überhaupt sehen – und wer nicht?
  • Wenn ich es jetzt und hier poste, welchen Bedingungen unterwerfe ich mich, wie viel Kontrolle habe ich?
  • Verstehe ich all diese Bedingungen? Verstehe ich meine Kontrollmöglichkeiten?
  • Bin ich nun in der Lage, hier eine sichere Entscheidung zu treffen, mich guten Gewissens dafür oder dagegen zu entscheiden?
  • Oder gibt es sozialen Druck: weil alle mitmachen, ich nicht außen vor bleiben will oder ich schon zugesagt habe, ohne mich vorher ausführlich zu informieren?
  • Gibt es Alternativen zum bisherigen Vorhaben?
  • Wie kann ich die mir aufscheinenden Risiken minimieren oder gar ganz ausschließen?

Die Fragen stammen aus diesem aufschlussreichen Grundlagenartikel von Dr. Stephan Humer.

Trolle in sozialen Netzwerken und in der Schule

Im Folgenden möchte ich das Thema »Trolle« in vier Schritten diskutieren: Zunächst kurz festhalten, was Trolle sind; danach über Trolle und Unterrichtssituationen sprechen und diese Diskussion dann spezifischer auf den Einsatz von Social Media im Unterricht zuspitzen; abschließend eine andere Perspektive auf Trolle als Künstler aufzeigen.

(1) Was sind Trolle

In einer Untersuchung von Online-Charakteren entwickelt Jonathan Bishop eine ethnographische Typologie von Verhaltensweisen in sozialen Netzwerken. Einer der Typen ist der Troll. Er ist dadurch charakterisiert, dass er chaotisch handelt und mit seinen Beiträgen vornehmlich versucht, Reaktionen zu provozieren. So hält der Wikipedia-Artikel fest:

Der Begriff Troll wird in der Netzkultur für eine Person verwendet, die mit ihren Beiträgen in Diskussionen oder Foren unter Umständen stark provoziert. Mutmaßliches Ziel des Trolls ist das Stören der ursprünglich an einem Sachthema orientierten Kommunikation und das Erlangen von Aufmerksamkeit.

In einem einflussreichen Essay bezeichnet Judith Donath das Trollen als ein »Spiel mit der Identität, das ohne die Einwilligung der meisten Spieler gespielt wird« und zitiert einen Forumseintrag, in dem ein Troll mit einem Fischer verglichen wird:

Trollen ist, wenn man eine Fischerrute ins Wasser hält und sie langsam hin- und herbewegt, um den Fischen den Köder vor die Nase zu halten. Trollen im Netzt funktioniert gleich – der Troll wirft einen Köder aus und wartet darauf, dass jemand zubeisst, um die anschließende Auseinandersetzung zu genießen. [Übersetzung phw]

Trolle werden gemeinhin als schädlich wahrgenommen, aus mehreren Gründen:

  • Trolle stören Diskussionen nachhaltig.
  • Trolle geben schlechte Ratschläge.
  • Trolle verdrehen Fakten oder fälschen sie.
  • Trolle verhindern den Aufbau von Vertrauen.
  • Trolle erhöhen die Schwelle, die Fragende und Unwissende überschreiten müssen, um an Diskussionen teilnehmen zu können.
  • Die Präsenz von Trollen birgt die Gefahr, dass jeder User als Troll wahrgenommen werden könnte.

Die gemeinhin vorgeschlagene Reaktion auf Trolle ist das Ignorieren: »Don’t feed a troll« ist eine klassische Regel in Foren – um in Donaths Bild zu bleiben: Nicht anbeissen, wenn man den Köder eines Trolls vor sich schwimmen sieht. Darüber hinaus ist es in vielen online Konversationsräumen möglich, Trolle auszublenden, so dass ihre Einwürfe nicht mehr sichtbar sind.

(2) Trolle im Unterricht

Wenn wir uns Unterricht vereinfacht als ein lehrergesteuertes Unterrichtsgespräch mit einer Klasse vorstellen, dann gibt es auch hier eine Reihe von Möglichkeiten, wie Trolle eine sachbezogene Diskussion stören können. Trolle wären bestimmte Schülerinnen und Schüler, die mit Wortmeldungen, Zwischenbemerkungen oder ihrem Verhalten »Köder« auswerfen.

Das ist kein neues Phänomen, insofern gibt es auch jede Menge didaktische Lösungen dafür, die hier nicht repetiert werden sollen und müssen. Generell liegt aber im Unterricht deswegen kein Trolling vor, weil die Identitäten klar sind. Allen Beteiligten ist klar, wer potentielle Trolle sind und wer nicht – deshalb ist die Bedrohung, die von Störefrieden ausgehen, viel kleiner. Niemand muss befürchten, als Troll wahrgenommen zu werden, wenn er oder sie sich nicht entsprechend verhalten hat; auch das Vertrauen kann nicht nachhaltig gestört werden, wenn einige Schülerinnen oder Schüler versuchen, den Unterrichtsverlauf zu beeinflussen und eine sachliche Diskussion zu verunmöglichen.

(3) Trolle beim schulischen Einsatz von Social Media

Daran anschließend kann man schnell zum Schluss kommen, das Problem könnte am einfachsten gelöst werden, wenn es keinen Freiraum für Identitäten gibt. Man müsste also, wenn Social Media-Tools für schulische Zwecke eingesetzt werden, darauf bestehen, dass Klarnamen verwendet werden, die eine Zuordnung zu einer »realen« Identität ermöglichen und so die Situation im Klassenraum in virtuelle Räume übertragen – zumindest in Bezug auf das Identitätsmanagement.

Damit ist aber auch eine gewisse Gefahr verbunden, wie ein Essay der Electronic Frontier Foundation zur Diskussion um die Klarnamenpflicht bei Google Plus zeigt:

Just as using „real“ names can have real consequences, mandating the use of „real“ names can too, excluding from the conversation anyone who fears retribution for sharing their views. While one added value of requiring real names might be increased „civility“ of the conversation, it is most certainly to the detriment of diversity.
[Übersetzung phw:] Genau wie »reale« Namen auch wirkliche Konsequenzen nach sich ziehen, kann der Zwang, »reale« Namen angeben zu müssen, Menschen ausschließen, die Angst haben, ihre Meinungen zu äußern. Während man als Nutzen eines Klarnamenszwangs den verbesserten Umgang angeben könnte, verhindert er sicherlich Diversität.

Auf den schulischen Kontext bezogen heißt das, dass abenteuerliche Meinungen, Kritik, Originalität eingeschränkt werden, wenn man gezwungen ist, seinen richtigen Namen anzugeben – während die Kontrolle der Lehrperson und der Umgangston generell besser ist.

(4) Der künstlerische Troll

In einem Essay von Astrid Herbold in der Zeit werden Trolle aus einer wohlwollenden Perspektive betrachtet:

Diese Schnelllebigkeit bewirke, dass beliebte Einträge immer wieder gepostet und variiert werden, stellte eine Untersuchung des Massachusetts Institut of Technology kürzlich fest. Das und die Anonymität förderten „das Experimentieren mit Ideen“ – weil das Scheitern für den Einzelnen folgenlos bleibt. Zündet eine schräge Pointe nicht, versucht man es eben mit der nächsten.

Stefan Krappitz [geht es eher] eher um die grundsätzliche Haltung. „Trolle wollen Spielregeln brechen und Erwartungen unterwandern. Deshalb kann man das Trollen durchaus als ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks verstehen.“ […] Sein Definitionsvorschlag für kreatives Trollen: „Ein guter Troll belustigt nicht nur sich selbst, sondern viele Menschen.“

 Diese positiven Eigenschaften, das Experimentieren mit Ideen, das lustvolle und belustigende Kommentieren, keine Angst vor dem Scheitern zu haben – das alles sind Elemente, die gutes Lernen begleiten. Und doch sind es gleichzeitig auch die chaotischen, destruktiven Kräfte, die in Cybermobbing münden können, wenn sich nämlich diese Energie gegen andere Menschen richtet.

Das Fazit wäre also Folgendes: In der Schule sollte es den Freiraum geben, sich von der eigenen Identität lösen zu können und das als etwas Lustvolles und Befreiendes zu erleben – aber innerhalb eines klar definierten Rahmens und Kontextes. Im generellen Einsatz von Social Media führt nichts an einer Klarnamenpflicht vorbei. Oder um es mit Postel’s Law zu sagen, das auf den Computerwissenschaftler Jon Postel zurückgeht: »Be conservative in what you do; be liberal in what you accept from others.« (Das Gesetz wird in diesem ausgezeichneten Troll-Artikel von Mattathias Schwartz im Magazin der New York Times zitiert.)

Blogposts zur Resultatsicherung

Das ist nur ein kurzes Beispiel einer Unterrichtseinheit. Das Fach heißt Medienkunde, die Schülerinnen und Schüler sind in der 11. Klasse. Nach einer theoretischen Auseinandersetzung mit Photographie (Photographie Medienkunde 2012, weitere Unterrichtsmaterialien auf Anfrage verfügbar), das mit einer Prüfung abgeschlossen worden ist, hat die Klasse einen offenen Auftrag (pdf) zur Bildmanipulation erhalten: Sie sollen einen theoretischen, kreativen, historischen etc. Zugang zu manipulierten Bildern oder Techniken der Manipulation zu finden.

Resultat der Auseinandersetzung soll ein Blogpost sein – in einem Blog der Klasse, in dem die Technik unverbindlich und ohne persönlichen Bezug erprobt werden kann, die Texte aber doch theoretisch öffentlich einsehbar sind und mit Kommentaren versehen werden können. Man darf mitlesen.

Social Media als Ergänzung zu mündlicher Beteiligung

Letzte Woche habe ich ein Projekt vorgestellt, bei dem Twitter als eine spielerische Erweiterung des Literaturunterrichts genutzt wird. Plattformen wie Twitter können aber auch als Ergänzung zu einem Klassengespräch genutzt werden. Kernidee: Wer sich nicht beteiligen kann oder will, nutzt Social Media als Ersatz.

Auf Konferenzen mit Social Media-Bezug ist es üblich, neben oder statt Slides einen Twitter-Wall einzublenden, wie man ihn auf dem Bild sieht:

Dort können die Zuhörerinnen und Zuhörer direkt Feedback geben, untereinander kommentieren und das Referat mit Links und Kommentaren sozusagen erweitern.

Diese Idee könnte man auch auf den Unterricht anwenden: Stille Schülerinnen und Schüler können sich per Social Media an einer Diskussion beteiligen, die von der Lehrperson dann wieder ins Klassengespräch integriert werden kann. Das tut Erin Olson, eine Englischlehrerin aus den USA, die in einem Beitrag der New York Times vorgestellt worden ist.

Das Klassengespräch erhält so einen so genannten Backchannel: Eine zweite Kommunikationsebene, auf der Fragen gestellt werden können, Meinungen geäußert und Kommentare abgegeben können. Die Idee besticht aus drei Gründen:

  • Es ergeben sich Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Schülerinnen und Schülern, z.B. kann, wenn jemand einen Begriff nicht versteht, die Klasse selbst eine Erklärung abgeben.
  • Es ergibt sich eine Aktivierung sonst passiver Schülerinnen und Schüler.
  • Wenn die Möglichkeit gegeben wird, themenzentriertes abzuschweifen, verhindert das nicht-thematisches Abschweifen.

Zwei Schülerstatements aus dem Artikel sind beeindruckend:

“Everybody is heard in our class,” said Leah Postman, 17.
Janae Smith, also 17, said, “It’s made me see my peers as more intelligent, seeing their thought process and begin to understand them on a deeper level.”

Die Einwände sind vorhersehbar – und selbstverständlich auch berechtigt: Laptops oder Tablets im Schulzimmer bieten die Gefahr einer Ablenkung, einer Verzettlung, eines Mangels an Vertiefung.

* * *

Technische Möglichkeiten

Twitter selbst ist nicht für einen Bildungskontext ausgelegt. Ich schlage zwei andere Tools für den Einsatz im Schulzimmer vor und werde das im kommenden Schuljahr auch ausprobieren:

  1. Google Moderator, wo Fragen gestellt und beantwortet werden können
  2. TodaysMeet, eine Art provisorisches Twitter, das für jede Veranstaltung installiert werden kann und automatisch gelöscht wird, aber auch die Möglichkeit zum Download der Gespräche bzw. Fragen bietet.

* * *

Zusatz 16. Juli 2012: Jürgen Bucher unterrichtet Medienwissenschaft an der Universität Trier und ersetzt Wortmeldungen teilweise durch die Möglichkeit, per Twitter Fragen zu stellen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Facebook für Lehrpersonen – die Möglichkeiten im Überblick

Dieser Artikel soll aufzeigen, wie Facebook von Lehrpersonen sinnvoll und gefahrenfrei genutzt werden kann. Entscheidend dabei ist: Man muss nicht mit Schülerinnen und Schülern befreundet sein! (Ich habe mich hier zur Missbrauchsgefahr geäußert – ein Problem, das ich eher auf der Ebene Schule als auf der Ebene der einzelnen Lehrperson sehe.)

Eine Infografik zeigt basierend auf einer Studie des Babson College/Pearson von 2011, dass viele Lehrpersonen – hier bezogen auf Colleges – Facebook-Konten haben, sie aber eher selten für die Kommunikation mit anderen Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schülern einsetzen:

Die folgenden Möglichkeiten sollen zeigen, wie dieses Kommunikationspotential genutzt werden kann. Facebook selber finanziert einen Educators Guide (Direkter Link zum Paper als pdf), in dem technischen Grundlagen und Einsatzgebiete aufgezeigt werden. Konkret sind dies:

  1. Konstruktiv bei Schulregeln für Social Media mitarbeiten.
  2. Schülerinnen und Schüler über Richtlinien für sicheres Verhalten auf Social Media zu informieren.
  3. In Bezug auf Sicherheit und Privatsphäre auf FB up-to-date sein.
  4. Verhaltensregeln für digitale Kontexte reflektieren und vermitteln.
  5. Mit FB-Pages und -Gruppen mit Eltern und Schülerinnen und Schülern im Kontakt bleiben.
  6. Digitale, soziale und mobile Lernmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern des 21. Jahrhunderts verstehen.
  7. Facebook zum persönlichen Wissensmanagement und zur professionellen Vernetzung nutzen.

An diesen Einsatzmöglichkeiten ist besonders interessant, dass für die Vernetzung mit Schülerinnen, Schülern und Eltern nicht ein persönliches oder professionelles Profil, sondern eine Seite oder eine Gruppe genannt wird. Im Folgenden soll es also darum gehen, wie Lehrpersonen mit Facebook kommunizieren können – mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und anderen Bildungsprofis.

(1) Das persönliche Profil

Die Frage, wie und ob das persönliche Profil eingesetzt werden soll, um berufliche Kommunikation zu betreiben, ist umstritten. Zumindest in Bezug auf Schülerinnen und Schüler gibt es klare Vorbehalte dagegen, ein persönliches Profil zu nutzen (vergleiche auch die Empfehlungen zu Social Media-Aktivitäten für Lehrpersonen). Dabei ist dies aber davon abhängig, wie privat dieses Profil wirklich ist – ein Profil muss nicht zwingend private Informationen beinhalten.

Zudem ist es möglich, eine Liste zu einzurichten und zu verwalten, so dass die Schülerinnen und Schüler auf dieser Liste keine persönlichen Informationen zu Gesicht bekommen – wie zeigt Ronnie Burt auf seinem Blog. (Eine Bemerkung allgemeiner Natur: Ich poste hier nie technische Anleitungen, weil diese so schnell nicht mehr aktuell sind, gebe aber gerne darüber Auskunft bei Beratungen und Schulungen).

(2) Das »Herr Huber«/»Frau Schmid«-Profil

Es ist ohne weiteres möglich, in der Rolle als Lehrperson auf Facebook aktiv zu sein. Es ist aber meistens recht umständlich, mehrere Konten zu pflegen, das führt zu Verwechslungen und ist nicht der Sinn von Facebook.

(3) Die Fan-Page

Eine Fan-Seite ist gegenüber (1) und (2) zu bevorzugen. Schülerinnen und Schüler erhalten Updates, ohne mit einem Profil befreundet zu sein müssen. Was sich auf dieser Seite abspielt, ist für alle Interessierten einsehbar, es gibt keine persönliche/private Zwischenebene.

Das sieht dann beispielsweise so aus (hier die Seite auf Facebook):

Auch hier gibt es beim EduBlog konkrete Anleitungen, wie man eine Fan-Seite errichtet.

(4) Gruppen

Gruppen sind eine Alternative zu Seiten, die aber ähnliche Vorzüge haben: Auch hier ist eine direkte Freundschaft unnötig. In Gruppen können aber alle Mitglieder Inhalte posten, zudem ist es dort möglich, auch Dokumente hochzuladen, was auf einer Seite nicht möglich ist. Zudem können Gruppen privat geführt werden, ohne dass Nicht-Mitglieder einen Einblick erhalten – das kann ein Vor- oder ein Nachteil sein. Gruppen ermöglichen zudem die Kommunikation zwischen den Mitgliedern ohne Bezug zur Lehrperson.

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Fazit: Es gibt viele Möglichkeiten, wie Facebook sinnvoll genutzt werden kann – auch im Bildungsbereich. Die Frage, ob Facebook überhaupt als Tool eingesetzt werden soll, stellt sich für Behörden, Schulen und Lehrpersonen gleichermassen. Die Schülerinnen und Schüler sind schon auf FB – und können dort motiviert abgeholt werden. Andererseits übergibt man Informationen an ein gewinnorientiertes Unternehmen, das keine Garantien darüber abgibt, was es damit anstellt.

Social Media Typen

Die kanadische Firma AIMIA hat eine Infographik veröffentlicht, auf der sie aus ihrer Sicht sechs Typen von Social Media Nutzern darstellen. AIMIA betreibt »loyalty management« – also die Verwaltung von Loyalität. Das heißt, dass AIMIA Unternehmen berät, die Social Media einsetzen wollen, um Kunden zu binden.

Diese Klassifikation ist deshalb auch für den Bildungsbereich interessant: Sie zeigt, wie wir Nutzer von Unternehmen wahrgenommen werden, in welche Schubladen wir gesteckt werden.

AIMIA geht von zwei Dimensionen aus: Der Teilnahme, aus der man das Vertrauen (TRUST) der Kunden ableiten kann. Und die Kontrolle, die, wenn sie von Kunden wahrgenommen wird, dazu führt, dass sie sich stärker exponieren. Diese Kategorien tauchen bei der Klassifikation von Social Media-Typen wieder auf:

Der erste Typ sind die No-Shows: Also die Leute, die auf Social Media nicht aktiv sind. Es sind eher ältere Leute, die aber rund 40% ausmachen. Dazu gehören auch viele Lehrpersonen – obwohl sie vom Einkommen und der Bildung die Annahmen von AIMIA nicht erfüllen.

Newcomers lesen vor allem, teilen sich kaum mit. Hier handelt es sich wohl um die Digital Immigrants, die sich anschauen, was sich auf Social Media abspielt, aber wenig Lust verspüren, besonders aktiv zu sein.

Onlookers sind den Newcomer sehr ähnlich, sind aber häufiger auf Social Media präsent, ohne wesentlich mehr zu posten.

Cliquers pflegen ein bestimmtes soziales Netz online, sind sehr engagiert, ohne zu experimentieren. Der Hauptzweck von Social Media ist ein privater.

Mix-N-Minglers sind stark engagiert und geben viel von sich preis. Es sind meist gut ausgebildete Personen mit einem guten Einkommen, die auch beruflich mit Social Media zu tun haben. Sie nutzen Social Media auch, um neue Beziehungen zu knüpfen. Zu dieser Gruppe gehören wohl auch viele Schülerinnen und Schüler.

Rund 3% der User sind Sparks, für die Social Media zu einem erfüllten Leben dazugehört.

Aus dieser Aufstellung ergibt sich auch der Schluss, dass Facebook alle diese Nutzer in gewisser Weise anspricht – was bei vielen anderen Netzwerken weniger der Fall ist.

Welchen Einfluss Twitter auf das Schreiben hat

Die amerikanische Literaturzeitschrift n+1 hat diese Woche einen Essay über Twitter publiziert (»Please RT«, verantwortlich dafür sind die Herausgeber). Darin findet sich eine Kurzkritik des Schreibens auf sozialen Medien – die deshalb bedeutsam ist, weil hier schon mehrfach über die Möglichkeiten des Einsatzes von Twitter im Schreib- und Literaturunterricht nachgedacht worden ist, z.B. hier und hier.

Der Artikel beginnt mit einer Beschreibung von Twitter – eine Beschreibung, die man kaum nachvollziehen kann, wenn man Twitter nicht aktiv nutzt, weil man sich dann fragt, wie Menschen sich ausdrücken können, wenn 140 Zeichen die Limite für jede Äußerung ist. Das kann nur ein bedeutungsloses Zwitschern sein, wie der Name Twitter es ausdrückt: Aber nichts, was den literarischen und kommunikativen Möglichkeiten des menschlichen Kulturlebens würdig wäre.

Wer jedoch einen Zugang zu Twitter findet, findet es plötzlich unterhaltsam und informativ. Man liest bei Zeugen von Katastrophen mit, Expertinnen in verschiedenen Wissensgebieten und Opinion-Leaders. Der Kreativität hinter Profilen scheinen kaum Grenzen gesetzt. Wenn man aber eine gewisse Distanz einnimmt, scheinen viele Tweets nur eins zu sagen:

I need to be noticed so badly that I can’t pay attention to you except inasmuch as it calls attention to me. I know for you it’s the same.
[Übersetzung phw:] Ich brauche so dringend Aufmerksamkeit, so dass ich mich dir nur dann zuwenden kann, wenn ich dadurch mehr Aufmerksamkeit generieren kann. Ich weiß, bei dir ist das gleich.

Und das stimmt: Obwohl es bei Twitter möglich ist, den Profilen zu folgen, die man interessant findet, halten es viele User so, dass sie das Verfolgen ans verfolgt Wenden knüpfen. Hört man auf, ihnen zu folgen, so hören sie auch auf, einem zu folgen.

Der Text zitiert die Schauspielerin Lena Dunham, Star der neuen HBO Serie »Girls«. Sie sagt in einem Interview auf die Frage, ob es in Bezug auf die Möglichkeiten, sich auf Social Media zu präsentieren, einen Unterschied zwischen den Generationen gäbe:

[M]y dad finds Twitter just infinitely unrelatable. He’s like, „Why would I want to tell anybody what I had for a snack, it’s private?!“ And I’m like, „Why would you even have a snack if you didn’t tell anybody? Why bother eating?“
[Übersetzung phw:] Mein Vater findet Twitter unmöglich. Er sagt: »Warum würde ich jemandem erzählen wollen, was ich gegessen habe, das ist doch privat?!« Und ich antworte: »Warum sollte ich überhaupt etwas essen, wenn ich nicht jemandem davon erzählen könnte?«

Twitter ermöglicht es, völlig Belangloses mitzuteilen, sogar, wenn es kryptisch ist. Es lässt Menschen reden, die nichts zu sagen haben, aber etwas sagen wollen. Das tun sie automatisch und sind davon besessen. Es kann, so die Herausgeber von n+1, sehr unterhaltsam sein, auf Twitter in Rollen zu sprechen, Figuren sprechen zu lassen. Aber Twitter verleitet Menschen dazu, selbst zu solchen Figuren zu werden, die nur noch auf eine bestimmte Art und Weise über ganz bestimmte Dinge schreiben können.

Diese Schreibweise betten die Autoren nun in den Kontext eines generellen Schreibzerfalls ein: Die Demokratisierung und Kostenlosigkeit von digitaler Produktion führe dazu, dass Texte publiziert würden, die früher in der Schreibtischschublade oder auf der Harddisk geblieben wären. Die forcierte Bloggerei führe dazu, dass ein relaxter Tonfall zum Muss werde, zur einzigen Ausdrucksform.

Betrachten wir ein Beispiel:

Schon bald wird ja „50 Shades of Grey“ auf Deutsch herauskommen und Sie überlegen sich vielleicht, es zu kaufen. Ich verstehe ja, dass Sie der ganze Hype neugierig macht, aber es ist wirklich unfassbar schlecht geschrieben und ausgedacht, so was sollte man sich nicht antun. Da kann die Übersetzung noch so gut sein, es bleibt Quatsch. Obwohl zu hoffen ist, dass zumindest grobe Schnitzer wie zum Beispiel „Laboutin“ (Sie wissen schon, die Schuhe mit der roten Sohle, bei denen alle Männer – und EL James – sofort eine Erektion kriegen, wenn sie sie sehen, weil die Schuhe inzwischen dermassen direkt verlinkt sind mit dem Gedanken „uh, ah, sexy“, dass die rote Sohle funktioniert wie der rote Arsch bei Pavianen) korrigiert wurden.

Michèle Roten verkörpert das, was die Herausgeber den »blogorrheic style« nennen: Den Stil der Blogorrhoe (Mischwort aus Blog und Logorrhoe). Die Geschwätzigkeit wird verbunden mit einer Vagheit – die in Kombination in der Lage zu sein scheint, authentische, wahre Texte zu produzieren.

Dagegen sei nun Twitter das Gegenmittel. Die Beschränkung auf 140 Zeichen produziere eine »Spracherweiterung durch formale Zwänge« – so das Ziel der Oulipo-Bewegung. So entstünden auf Twitter Sprachkunstwerke, Oscar Wilde oder Franz Kafka wären großartige Twitterer gewesen. Fazit: Die Leute entfolgen, die zu viel Unwichtiges verkünden und sich an John Berryman halten:

Blended Learning

Blended Learning – deutsch: integriertes Lernen – bezeichnet eine Mischform von

  • schulischem Lernen zur selben Zeit und am selben Ort
  • selbständigen Lernaktivitäten zu einer selbst gewählten Zeit an einem selbst gewählten Ort – meist unter Einbezug einer E-Learning-Form, d.h. unterstützt durch digitale Lernmaterialien.

Die Matrix zeigt die zwei wesentlichen Dimensionen von Blended Learning: Die Art, wie Lerninhalte vermittelt werden (online oder offline), und der Lernort (beaufsichtigt in der Schule oder davon entfernt). Der schattierte Bereich und der Pol C zeigen an, was Blended Learning prototypischerweise ist.

Blended Leraning gibt es in der Schweiz bisher vor allem an Universitäten – z.B. das OLAT-Projekt der Uni Zürich und an der HSG, aber auch an der BBB, der Berufsschule in Baden, gibt es solche Kurse.

Eine Infografik von Knewton (von der auch oben stehende Matrix stammt) hält wesentliche Aspekte von Blended Learning fest, die ich kurz kommentieren und abschließend mit einem Verweis zu Social Media versehen werde.

1. Formen von Blended Learning

Die Übersicht über die Formen zeigt deutlich, wie gut möglich die integration in traditionelle Schulformen ist. Online Lernformen können auch innerhalb von Schulzimmern zum Einsatz kommen oder traditionellen Schulunterricht ergänzen, z.B. im Sinne von Inverted Classroom.

Bedeutsam scheint mir die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler individuell auf E-Learning zugreifen können, um entweder Inhalte zu vertiefen und erweitern oder sie zu repetieren. Das scheint mir eine zukunftsträchtige Möglichkeit für die Individualisierung von Unterricht.

2. Der Sinn von Blended Learning

Die Grafik geht von einem fast zerstörerischen Ansatz aus: Schulen, die hier als Fabriken bezeichnet werden, müssen niedergerissen werden, damit Menschen befreit werden und in Genuss von persönlichen Bildungsangeboten kommen – aber auch produktivere: Die günstiger bessere Resultate erzielen.

Hier zeigt sich eine große Gefahr: Wenn neue Lernformen mit der Absicht eingeführt werden, Geld einzusparen, dann ist zu befürchten, dass die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen werden. Steht die Bildung im Vordergrund, dann könnte Blended Learning viele Aufgaben übernehmen und die Beteiligten im Tagesgeschäft entlasten – so dass für soziale Lernformen mehr Zeit bleibt.

3. Bedingungen für Blended Learning


Ich übersetze die fünf Punkte:

  1. integrierte Systeme, bei denen die Schülerinnen und Schüler über eine zentrale Plattform auf alle Lerninhalte zugreifen können
  2. hochwertiger dynamische Lerninhalte, die individuelles Lernen ermöglichen und den etablierten Standards entsprechen
  3. Auswertungen, die dabei helfen, die Lernerfahrungen den Bedürfnissen der Lernen anzupassen
  4. Automatisierung, mit der Lehrende bei repetitiven Arbeiten entlastet werden
  5. Anwendungen, um die Motivation von Lernenden zu erweitern.

Beim Punkt ii. scheint es mir wichtig, auf die Khan Academy (Wikipedia – und das deutsche Angebot) hinzuweisen – ein Angebot von hochwertigen Lernvideos, die auf Youtube angeschaut werden können.

4. Blended Learning und Social Media

Grundsätzlich hat Blended Learning nichts mit Social Media zu tun: Videos wie die von der Khan Academy sind klassische one-to-many-Inhalte. Aber beim Punkt v. oben zeigt sich, dass soziale Faktoren motivierend wirken können. Genau so, wie Schülerinnen und Schüler einander in der Schule in der Pause die Aufgaben erklären, wäre es einfach, Lernvideos mit sozialen Tools auszustatten, die genau dasselbe ermöglichen.

Social Media würde so auch in Lernphasen, die z.B. zuhause oder an einem frei wählbaren Ort stattfinden, sicherstellen, dass es zu Austauschprozessen kommt und gemeinsame Lernerfahrungen möglich sind. Dazu kommt, dass sich Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Orten vernetzen können. Im Wired-Artikel zur Kahn Academy wird ein Junge gezeigt, der mit 10 trigonometrische Gleichungen löst. Dieser Junge könnte Gleichaltrige finden, die ähnliche Interessen haben – etwas, was ihm in seinem Quartier wohl nicht gelingt.

Profile von Schulen auf Social Media

Viele Schulen überlegen sich, ob und wie sie auf Social Media aktiv werden sollen. Diese Frage erübrigt sich in vielen Fällen: Schulprofile entstehen automatisch. Die Frage ist nur, wie und wie aktiv sie bewirtschaftet werden.

Betrachten wir dazu drei Beispiele:

1. Google Maps

Die Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon  erscheint auf Google Maps wie folgt:

Ein User hat also kommentiert, man lerne an der KZO nichts. Das Beispiel zeigt: Man kann bei solchen Profilen nicht einmal kontrollieren, was sie enthalten. Man muss beobachten, was passiert – und allenfalls reagieren (in diesem Fall: indem man darauf achtet, dass auch positive Rückmeldungen verfasst werden).

2. Facebook

Blieben wir bei der KZO – ihr Facebook-Profil sieht momentan so aus:

Im Vergleich dazu das der Kantonsschule Wettingen (disclaimer: im Moment pflege ich dieses Profil):

Die Profile entstehen automatisch: Weil Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonen und Ehemalige angeben, wo sie arbeiten. Aber sie können bewusst gepflegt werden und so ein Bild von einer Schule abgeben – oder eben nicht. Dabei kann – und das habe ich bei dem Profil der Kantonsschule Wettingen getan – auch verhindert werden, dass Leute Beiträge auf die Pinwand posten können und so Schaden für das Schulimage entstehen kann.

3. Twitter

Das Beispiel von Lehrpersonen, von denen falsche Facebook-Profile erstellt worden sind, zeigt deutlich: Es besteht das Risiko, dass auch eine Schule ein falsches Profil erhält. Echte Profile sollten deshalb auch so daherkommen – und gepflegt werden, entsprechende Inhalte posten. Ein sehr schönes Beispiel ist das Twitter-Konto der Kantonsschule Baden, das zwar (noch) nicht sehr dialogisch kommuniziert und nur 16 Follower aufweist, aber attraktiv daherkommt (auch wenn das Hintergrundbild fehlt) und klar als offizieller Kanal in Erscheinung tritt:

4. Fazit

Die Entscheidung, ob Schule auf Social Media präsent sind oder nicht, ist bereits gefallen – auch wenn sie nicht mitreden konnten. Damit muss man sich abfinden und die Situation managen: Dort aktiv werden, wo man Chancen sieht, an allen anderen Orten beobachten (im Fachjargon sagt man: Monitoring betreiben). Damit kann man gut auch Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schüler beauftragen.