Papierloses Lernen

Papierlos

Mein Studium wäre ohne Papier kaum denkbar, da der ‹Faust› oder der ‹Mann ohne Eigenschaften› auf dem Bildschirm nicht das Gleiche sind wie zwischen Buchdeckeln.

Dieses Zitat findet sich unten am oben abgebildeten Artikel über Krystina Schaub – ein Klick vergrößert ihn so, dass er lesbar wird, hier die Online-Version. Schaub benutzt für ihr geisteswissenschaftliches Publikum nur ein Tablet. Sie nutzt es produktiv, rezeptiv und zur Kommunikation – und kann so, wie auch die Illustration zeigt, gänzlich auf Papier verzichten. (Studien belegen, dass man heute auf Tablets gleich gut Texte lesen kann wie auf Papier.)

Wie eine Umfrage von Per Bergamin zeigt, nutzen Studierende heute Tablets vor allem für rezeptive Tätigkeiten: Sie lesen Texte und betrachten Videos oder Präsentationen darauf, hingegen schreiben oder arbeiten sie wenig damit. Das mag damit zu tun haben, dass Tastaturen eine schnellere Texteingabe ermöglichen oder Papiernotizen weniger Ablenkungsgefahr bieten.

tablet-verteilung

Die Lernrealität vieler Lernenden umfasst heute so eine Reihe von Medienwechseln: Vom Buch zum Smartphone zum Computer zum Tablet, vom Online-Portal zur Facebook-Seite zum eBook zum Youtube-Video. Jeder dieser Medienwechsel ist mit Verlusten verbunden, wie Bergamin ausführt:

Die Sprünge zwischen dem Lehrbuch auf Papier und den Notizen aus dem Unterricht und dem Diskussionsforum im Web bringen Lernverluste. Bis man jeweils von einem auf den anderen Datenträger umgestiegen ist, hat man viel vergessen.

Die Vision, papierlos zu arbeiten, würde auch für die Schule solche Verluste vermeiden. Es müsste dann energischer nach sauberen Lösungen gesucht werden, die sowohl für Lernende als auch für Lehrende die Organisation und Verteilung von Daten erleichtern. Ein Beispiel aus meinem Unterrichtsalltag: Ich lese viele Bücher auf meinem Kindle (in der App oder auf dem Gerät). Dort markiere ich Stellen und halte Notizen fest. Diese Arbeit muss ich dann wieder auf ein Arbeitsblatt übertragen oder auf eine Präsentation, mit der ich die Schülerinnen und Schüler arbeiten lasse. Gleichzeitig notiere ich aber die Links, mit denen sie diese Dateien wieder aus der Cloud abrufen können. Sie lesen die Texte aber in einem Buch; stelten verweise ich sie auf Online-Ausgaben längerer Bücher.

Das Problem, so scheint mir, ist nicht das Papier. Ich werfe Papiere immer fort und benütze sie allenfalls kurzfristig. Ich archiviere Daten nur digital. Und doch besteht das Problem der Verzettelung. Krystina Schaub nutzt Evernote zur Organisation von Notizen, Bildern, Links und anderen Dokumenten; Evernote ist eine Art komplettes Archiv. Ich speichere alle meine Daten auf meinem Google-Drive-Profil und kann sie so einfach verteilen, verlinken und von jedem Endgerät aus bearbeiten.

mac-home_screen
Evernote auf OS X.

Letztlich reicht aber eine individuelle Lösung für guten Unterricht nicht. Die Lösungen der Lernenden müssen mindestens an die Lösungen der Schule und der Lehrpersonen anschließbar sein. Natürlich können sie jedes Handout schnell mit dem Tablet oder Smartphone scannen und so ablegen. Aber oft werden schuleigene Intranet gebraucht, die nicht offen sind, oft werden Dokumente über zu viele verschiedene Kanäle zugänglich gemacht etc.

Kommuniziere so, dass andere deine Daten ohne Aufwand in ihren Archiven ablegen können, könnte die Maxime für die Zukunft lauten. Klar müsste dabei aber sein, ob Papier oder Daten das primäre, komplette Archiv darstellen. Sinnvoll wäre ein kompletter Datensatz, der auszugsweise ausgedruckt wird.

(Disclaimer: Ich kenne Krystina Schaub persönlich.) 

Elektronische Medien aus Sicht der Lehrpersonen

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V., kurz BITKOM, hat 2011 mit »Schule 2.0« eine repräsentative Untersuchung zum Einsatz elektronischer Medien an Schulen aus Lehrersicht publiziert (Volltext als pdf).

Die Resultate sind durchaus interessant und sollen hier kurz zusammengefasst werden. Ich fokussiere auf den Vergleich der Fächer, obwohl die Umfrageergebnisse auch Geschlechter, Schultyp und Alter unterscheiden.

Bildschirmfoto 2013-01-27 um 13.44.14 Bildschirmfoto 2013-01-27 um 13.43.53

Die ersten beiden Grafiken zeigen, dass 85% der Lehrpersonen von sich sagen, ein positives Verhältnis zu elektronischen Medien zu haben – man könnte denken, die These, dass vor allem die wenig medienaffine Menschen Lehrerin oder Lehrer werden, sei falsch. Allerdings sind solche Ergebnisse immer mit Sorgfalt zu genießen: Wenn der Frame der elektronischen Medien gesetzt ist, geben wenige Menschen an, diesen negativ gegenüberzustehen. Man müsste hier Vergleichswerte anderer Berufsgruppen kennen.

Auf jeden Fall sind rund 10% weniger der Ansicht, elektronische Medien ließen sich im Unterricht sinnvoll einsetzen. Dasselbe gilt, sie man unten sieht, auch für Social Media: Ein Viertel der befragten Lehrkräfte findet, Social Media seien für den Unterricht untauglich. Bildschirmfoto 2013-01-27 um 13.46.07

Bildschirmfoto 2013-01-27 um 13.44.57

Aspekte, die Social Media auszeichnen, kommen aber dann bei den Einsatzmöglichkeiten im Unterricht wenig zum Tragen – letztlich dienen elektronische Medien traditionellen Vorstellungen vom Unterricht; aus welchen Gründen auch immer. 
Bildschirmfoto 2013-01-27 um 13.45.46

 

Auch den sechs Aussagen zum Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln stimmen jeweils rund drei Viertel der Lehrpersonen zu: Schülerinnen und Schüler scheinen ihnen motiviert, konzentriert; sie arbeiten gut in Gruppen und individuell, lernen schneller und können Inhalte besser darstellen.

Die Studie hinterlässt letztlich ein diffuses Gefühl: Die hohe Zustimmung zeigt in ihrer Gleichförmigkeit kaum Handlungsmöglichkeiten auf; es scheint mir sehr unklar zu sein, wie der Einsatz verändert und vor allem verbessert werden könnte.

»Six Degress of Separation« als offene Lernumgebung

Ein offene Lernumgebung bedeutet grundsätzlich, dass Schülerinnen und Schüler eigene Fragestellungen entwickeln können und mit eigenen Werkzeugen und Methoden vorgegebene Fragen oder Probleme lösen. Besonders im Mathematikunterricht handelt es sich dabei um ein didaktisch viel versprechendes Konzept, weil es verhindert, dass Methoden rezeptartig angewendet werden. Vielmehr werden eigenständig zielführende Methoden gefunden, was oft mit tief schürfenden Lernprozessen verbunden ist.

Das Problem der kleinen Welt oder eben der »six degrees of separation« kann leicht eingeführt und auf Social Media bezogen werden:

Angenommen, wir treffen auf Facebook auf eine völlig unbekannte Person. Wie wahrscheinlich ist es, dass einer unserer Kontakte mit dieser Person befreundet ist? Wie wahrscheinlich ist es, dass einer unserer Kontakte mit jemandem befreundet ist, die oder der mit dieser Person befreundet ist?

Daran können nun einige Fragen angehängt werden:

  1. Wie könnte ein gutes Experiment aussehen, um diese Frage zu untersuchen?
  2. Angenommen, ich wollte die Bilder eines geschützen Facebook-Profils anschauen und ich weiß, dass ein Freund einer meiner Freundinnen mit der betreffenden Person verbunden ist; aber nicht, welche Freundin und welcher Freund das genau sind. Wie könnte ich vorgehen?
  3. Einige Inhalte von Facebook kann man so schützen, dass sie nur von »Freunden von Freunden« angeschaut werden können. Wie viele »Freunde von Freunden« gibt es wohl?
    Wie viele »Freunde von Freunden von Freunden«?

Bildschirmfoto 2012-12-15 um 14.10.02

Diese Fragen können mit sozialen Netzwerken beantwortet werden. Das Data-Team von Facebook hat die Nutzer intensiv untersucht und dabei herausgefunden, dass im Herbst 2011 die durchschnittliche Distanz zwischen zwei Usern 4.7 »Hops« waren, d.h. es braucht von Person A bis zu Person B 3.7 »Zwischenfreunde«. 6 Hops verbinden 99.9% aller Benutzerinnen und Benutzer von Facebook, 5 Hops 92%.#

Die meisten Netzwerke sind aber sehr lokal, innerhalb eines Landes sind die meisten User mit 4 Hops verbunden, zudem haben fast alle User eine bestimmten Alters Freunde mit demselben Durchschnittsalter.

Bildschirmfoto 2012-12-15 um 14.10.59

Facebook und die betreffenden Forscher kennen die sozialen Netzwerke, Stanley Milgram, auf den das berühmte Experiment zurückgeht, kannte sie nicht. Er ging wie folgt vor:

Das erste Kleine-Welt-Experiment wurde im Jahre 1967 von dem amerikanischen Psychologen Stanley Milgram, damals an der Harvard University, durchgeführt. Milgram erstellte eine Art Informationspaket, das 60 zufällig ausgewählte Teilnehmer an jeweils eine vorher festgelegte Person in Boston zu senden hatten. Als Startpunkte wählte er Personen aus den sozial und geografisch weit von der Zielstadt entfernten Städten Omaha und Wichita. Die Aufgabe der Teilnehmer bestand darin, das Paket nicht direkt an die Zielperson zu senden, sofern sie diese nicht persönlich kannten (bei ihrem Vornamen ansprachen), sondern an eine Person, die sie persönlich kannten und bei der die Wahrscheinlichkeit höher war, dass sie die Zielperson kannte. Gleichzeitig waren die Teilnehmer angehalten, grundlegende Daten über sich selbst in einer Tabelle zu vermerken und eine Postkarte an die Wissenschaftler zu senden, um die Kette nachvollziehbar zu machen.

Ein Team der Columbia-Universität (pdf) hat Milgrams-Experiment wiederholt – mit der Unterstützung von Computern.# Ihre Erkenntnisse waren, dass Menschen auch heute noch offline-Bekanntschaften bevorzugen, meistens Kontakte desselben Geschlechts wählen. Weder sehr enge noch sehr lose Bekanntschaften wurden besonders häufig gewählt; ausschlaggebend waren meist Beruf und Wohnort der »Zwischenfreunde«. Die Durschnittslänge waren 5 Hops (auch hier waren die Netzwerke nicht bekannt), nur 1.6% der Sendungen erreichten das Ziel.

Schulgespräche mit Expertinnen und Experten via Twitter

Der direkte Kontakt mit Wissenschaftlerinnen, Künstlern, Politikerinnen und anderen Persönlichkeiten ist für Schülerinnen und Schüler von großem Wert. Sie sind Perspektiven ausgesetzt, die nicht primär mit dem Unterrichtskontext zu tun haben und erhalten direkten Zugang zu wichtigen Themen.

Oft erlebe ich es so, dass Klassen etwas überfordert sind mit solchen Begegnungen. Sie freuen sich darauf, sie hören dann aufmerksam zu – trauen sich aber kaum, ein echte Gespräch zu eröffnen. Nach wenigen zögerlichen Fragen zeigt sich dann in der Nachbesprechung, wie interessiert sie waren und wie viel sie zu einer interessanten Diskussion hätten beitragen können, nicht nur durch Fragen, sondern durch eigene Meinungen, Erlebnisse etc.

Laptop_Classroom1

Die Durchführung eines solchen Gespräches via Social Media bzw. Twitter hat viele Vorteile. Ich beziehe mich auf die Beschreibung eines Kommunikationskurses der Rutger University, wo ein Live-Gespräch mit Nathan Jurgenson, einem der interessantesten Theoretiker von Social Media (vgl. seine Gedanken zu digitalem Dualismus), durchgeführt wurde. Die verantwortliche Dozentin, Mary Chayko, beschreibt wichtige Aspekte, die bei einer solche Online-Begegnung beachtet werden müssen, damit sie erfolgreich durchgeführt werden kann:

  1. Die Klasse muss mit den technischen Mitteln und ihrem Einsatz so vertraut sein, dass keine Hindernisse entstehen. Idealerweise verwendet man eine Plattform, die Schülerinnen und Schüler kennen und nutzen. 
  2. Die Begegnung muss vorbereitet werden. Neben intensiver Lektüre relevanter Texte hat Chayko alle Lernenden gebeten, eine Frage zu formulieren und ihnen dazu ein Feedback gegeben. So kommt sicher eine Konversation in Gang.
  3. Die Person, mit der man spricht, muss ein solches Gespräch führen können, unter Umständen mit wenig Moderation durch die Lehrperson.
  4. Das Gespräch muss im Unterricht nachbearbeitet und ausgewertet werden.
  5. Der Einsatz von solchen Gesprächen muss sehr dosiert erfolgen (z.B. ein Mal pro Semester), er ist sehr aufwändig.

Nathan Jurgenson zog eine statistische Bilanz, wie oft er gefragt wurde und wie viele Antworten er gab:

http://twitter.com/#!/nathanjurgenson/status/258350385834643456

Chayko bewertet das Ergebnis als positiv – trotz des großen Aufwands. Das schönste Ergebnis war, dass sich ein face-to-face Backchannel ergeben hat. Das muss kurz erklärt werden: Oft wird Social Media als Backchannel bezeichnet: Bei Konferenzen, Sitzungen oder im Unterricht ergibt sich heute oft eine zweite Gesprächsschicht auf Social Media, wo andere Fragen gestellt und andere Themen diskutiert werden. Diese Backchannels können durch »Twitterwalls« sichtbar gemacht werden. Im Falle der Klasse von Chayko war der Backchannel aber im Unterricht: Die Studierenden haben gelacht und miteinander geredet, während sie mit Jurgenson diskutiert haben:

But my favorite outcome was the way the face-to-face “backchannel,” and the class as a community, began, during this event, to coalesce.

Zum Schluss noch ein technischer Hinweis: Mit Google+ ist es auch möglich, mehrdimensionale Begegnungen durchzuführen. Wie der Screenshot von Roland Gesthuizen zeigt, kombiniert es Videotelefonie mit Chats und gemeinsamer Bearbeitung von Dokumenten. Das kann für Gruppenarbeiten sinnvoll sein, würde bei Begegnungen aber auch ermöglichen, dass der Gast einen Vortrag halten könnte in einer Klasse und dann per Chat oder per Video befragt werden könnte.

ACCELN hangout  activity Screen Shot 2012-10-29 at 10.07.55 PM

Rezepte gegen die Überforderung durch Smartphones im Unterricht

***(Ich biete Schulen, Lehrpersonen und Eltern Coachings und Schulungen zum Thema Smartphones im Unterricht an. Meine Kontaktangaben finden sich hier.)***

An der Kantonsschule Wohlen hat ein Lehrer ein teures Smartphone einer Schülerin unters Wasser gehalten, wie zuerst die Schülerzeitung NAKT berichtete (S.22). In der Aargauer Zeitung wird der Fall heute auch besprochen – zusammen mit einer Umfrage an den Kantonsschulen im Kanton Aargau, wie man mit Handy im Unterricht umgehe. Da ich die Arbeitsgruppe »Mobile Kommunikationsgeräte« an der Kantonsschule Wettingen leite, möchte ich kurz Stellung nehmen zum Vorfall.

Zunächst gilt es eine Überforderung einzugestehen: Mit den Smartphones ist das Internet im Unterricht präsent. Es geht nicht einfach um eine Ablenkungsquelle, auch wenn viele Lehrpersonen das so darstellen. Seit es Schule gibt, schreiben die Lernenden Briefchen, lesen Bücher, füllen Kreuzworträtsel aus. Ablenkung ist etwas, womit Schule umgehen kann. Die Überforderung entsteht, weil Schülerinnen und Schüler jederzeit Informationen abrufen können und mit anderen Menschen in Verbindung treten können. Dieser Überforderung muss man sich stellen.

Was sind nun Rezepte? Das einfachste Rezept wäre, sich darauf einzustellen und diese Tatsache produktiv zu nutzen. Es zu begrüssen, dass Informationen abgerufen werden können und Schülerinnen und Schüler dazu einzuladen, das auch zu tun. (Und natürlich reagieren, wenn Smartphones den Unterricht stören oder einzelne Schülerinnen und Schüler ablenken.)

Weiter braucht es klare Regeln, die zudem umsetzbar sind. In der Arbeitsgruppe haben wir zwei Verwendungsweisen unterschieden: Eine private und eine schulische.

Schulen können zwei sinnvolle Restriktionen verfügen: Entweder den privaten Gebrauch an der Schule gänzlich zu verbieten – und damit wohl auch das Mitbringen und Mitführen von entsprechenden Geräten (was zunehmend schwierig wird, weil wir bald auch mit unserem Taschenrechner oder unserer Uhr ins Internet können); oder aber in gewissen Räumen (z.B. Unterrichtsräumen, analog zum Essen) die Benutzung von mobilen Kommunikationsgeräten zu verbieten.

Der entscheidende Punkt ist die Umsetzung: Ist die Schule gewillt, entsprechende Ressourcen für die Durchsetzung dieser Regelungen bereit zu stellen? Kann sie sinnvolle Massnahmen oder Strafen festlegen, die einer Lernkultur nicht abträglich sind?

Ich würde eher für ein »Learner Profile« plädieren, das sich so lesen könnte:

Lehrpersonen, Angestellte und Schülerinnen und Schüler verwenden private und schuleigene technische Lernunterstützung. Sie vermeiden Ablenkungen vom Unterricht und vom Lernen unter allen Umständen. Da mobile Geräte die Konzentration und den sozialen Zusammenhalt stören können, wird die Nutzung an der Schule auf das Notwendige beschränkt.

Damit wird auch klar, dass entsprechende Lösungen immer Lehrpersonen mitbetreffen sollen und müssen.

Für den schulischen Gebrauch – der ja dann gerade wieder die nötigen Kompetenzen zum Umgang mit mobilen Kommunikationsmitteln vermitteln soll – gilt Folgendes:

Die Vermittlung von Kompetenzen muss immer mit einer Reflexion verbunden sein. Ist das nun das richtige Mittel für diese Aufgabe? Daraus sollte ein Bewusstsein entstehen, das dann auch den Privatgebrauch mit einschließt.

»lurk moar« – Entwurf einer Social Media-Didaktik

Auf dem berüchtigten Forum /b/ auf 4chan.org führt radikale Anonymität dazu, dass sich aus destruktiven und kreativen Kräften im Internet immer wieder so genannte Memes ergeben – Kommunikationshandlungen, die sich sehr schnell verbreiten. Eines dieser Memes ist eine Aufforderung an einen anderen »Anon«, also ein anderes anonymes Mitglied: »lurk moar«. Der zweite Teil der Aufforderung beutet »more«, das Adverb ist in der typischen Schreibweise von 4chan gehalten. »to lurk« bzw. »lurker« bezeichnet die Haltung, in Foren nur mitzulesen, anstatt selber zu posten und beizutragen.

Die Encyclopedia Dramatica formuliert es mit der üblichen Obszönität:

A Lurker has an account, is actively reading, downloading, and doing shit, but NEVER FUCKING POSTS.

Der Logik der Aufforderung gehorchen ist der Eintrag zur »lurk moar« zirkulär gehalten, wie der Screenshot unten zeigt. Wer nicht weiß, was »lurk moar« bedeutet, muss eben gerade das tun: Mehr mitlesen, mehr Kommunikationsabläufe beobachten um sie dann schließlich zu übernehmen oder kreativ zu erweitern bzw. zu stören.

Lurk moar. Eintrag in der Encyclopedia Dramatica.

In frühen Prä-Internet-Foren war Lurken verpönt. Es verhinderte, dass sich eine Community aufbaute, dass Leute ihre Gedanken teilten oder allenfalls einfach gute Gedanken von anderen kopieren. Heute sind Teilen, Kopieren sowie Community integrale Bestandteile von Social Media – es geschieht eher zu viel statt zu wenig.

Wer Social Media verstehen will, so mein didaktischer Vorschlag, sollte »lurken«. Geht ganz einfach:

  1. Konto erstellen.
  2. Profil kann leer gelassen werden.
  3. Aktiv mitlesen, interessanten Leuten folgen.
  4. Nicht selber posten.

Diese Zurückhaltung dient der Reflexion: Erst wenn man weiß, wie eine bestimmte Kommunikationshandlung wirkt, kann man ihren Einsatz beurteilen. Wenn einen User stören, verärgern, begeistern – dann gibt es die Möglichkeit, sich zu überlegen, das diese Störung, diesen Ärger oder diese Begeisterung ausgelöst haben. Das »Lurken« schafft eine Distanz, die pädagogisch sehr wertvoll. Learning by doing wird in einem ersten Schritt zu learning by lurking.

Wie setzt man das konkret im Unterricht ein? Eine einfache Methode sind Portfolios. Ich habe z.B. Schülerinnen und Schüler in der Medienkunde schon oft Journalistinnen und Journalisten begleiten lassen (hier ein Auftrag als pdf)- einfach lesen, was sie schreiben, und sich dazu Gedanken machen. Ähnlich könnte man auch bei profilierten Social Media-Nutzern vorgehen – auch als Lehrperson, die sich informieren möchte, wie Social Media funktionieren.

(Die so genannte 1%-Regel besagt, dass nur 1% der Benutzer von Social Media Inhalte erstellen, 9% mit Kommentaren beitragen und 90% nur Lurker sind…)

Wikimedia.

Verhalten in Chats

Dabei ist der Begriff »Gespräch« durchaus zutreffend: Auch wenn die Chats ins Handy getippt werden und so scheinbar schriftlich erfolgen, haben sie wichtige Merkmale mündlicher Kommunikation: Sie sind flüchtig, erfolgen synchron, dialogisch und sind unvollständig und fehlerhaft.  Jugendliche verwenden die syntaktisch scheinbar fehlerhafte Wendung »mit jemandem schreiben«. Diese Formulierung passt die dialogische Formulierung »mit jemandem reden« für den digitalen Kontext an und ersetzt damit die transitive – und damit monologische Formulierung »jemandem schrieben«.

Die Gespräche erfolgen jedoch – anders als analoge Gespräche – simultan. Die technischen Gegebenheiten bringen zudem die Möglichkeit einer viel stärkeren Selektivität mit sich.

Sherry Turkle beschreibt diese Bedrohung wichtiger sozialer Fähigkeiten in ihrem Buch »Alone Together«. Die Computerwissenschaftlerin beschreibt die paradoxe Situation, dass Social Media und konstant in Verbindung mit anderen Menschen treten lassen, diese Verbindungen aber nicht haltbar und belastbar sind, sondern uns nur konstant beschäftigen und uns einsamer werden lassen. Sie schreibt zusammenfassend:

Online, we easily find “company” but are exhausted by the pressures of performance. We enjoy continual connection but rarely have each other’s full attention. We can have instant audiences but flatten out what we say to each other in new reductive genres of abbreviation. […] We have many new encounters but may come to experience them as tentative, to be put “on hold” if better ones come along. Indeed, new encounters need not be better to get our attention. We are wired to respond positively to their simply being new. […] We like being able to reach each other almost instantaneously but have to hide our phones to force ourselves to take a quiet moment.
[Übersetzung phw:] Online finden wir leicht »Gesellschaft«, aber der Druck, etwas leisten zu müssen, erschöpft uns. Wir genießen kontinuierliche Verbindungen aber haben selten die ganze Aufmerksamkeit unseres Gegenübers. Wir haben sofort Publikum, aber dampfen das, was wir einander sagen, mit neuen Mitteln der Abkürzung ein. […] Wir machen viele Bekanntschaften, aber sie sind provisorisch, wir können jederzeit ignoriert werden, wenn sich interessantere Gesprächspartner anbieten. Neue Bekanntschaften müssen nicht einmal interessanter sein, wir haben gelernt, alles Neue positiv zu bewerten. […] Wir mögen es, einander ständig und sofort erreichen zu können, aber müssen unsere Telefone verstecken, um uns einen ruhigen Moment zu verschaffen.

Diese pessimistische Perspektive auf die neuen Möglichkeiten, Gespräche zu führen, ergänzt Turkle durch ein Bild der Familie, die beim Essen nicht mehr vor dem Fernseher sitzt, sondern deren Mitglieder alle konstant mit Abwesenden in Verbindung stehen und so nicht in der Lage sind, mit den wichtigsten Menschen in ihrer Umgebung ein gehaltvolles Gespräch zu führen.

Was Turkle beschreibt, ist eine Gefährdung, der Jugendliche stärker noch als Erwachsene ausgesetzt sind. Im Aufbau eines eigenen sozialen Netzes sind sie darauf angewiesen, viele neuen Bekanntschaften zu machen. Soziale Netzwerke helfen ihnen dabei, es fällt ihnen leicht, gemeinsame Interessen zu entdecken und Gesprächsthemen zu finden. Gleichzeitig bedarf es aber einer konstanten Präsentation der eigenen Persönlichkeit: Das eigene Stilbewusstsein, die Medienkompetenz, der Sinn für Humor, der soziale Status sowie das Aussehen können ständig überprüft und upgedated werden. Jugendliche nehmen ihre Mitmenschen häufig auch über ihre Erscheinung auf sozialen Netzwerken wahr – obwohl ihnen klar ist, dass es sich nicht um ein Abbild einer realen Person handelt.

Nüchtern gesehen steigt dadurch die Komplexität der sozialen Interaktionen: Jugendliche werden von ihren Peers heute nicht nur aufgrund ihrer körperlichen Erscheinung, ihrer Kleidung, ihrer Rhetorik, ihres Wissens und ihrer Kompetenzen eingeschätzt und beurteilt, sondern auch aufgrund ihres Auftritts und Verhaltens im Cyberspace.

Chats haben dabei aber selten den Charakter eine Selbstzwecks. Soziale Verbindungen wurden schon immer medial hergestellt: Ob Kontakte mit Briefen, per Telefon oder im Internet geknüpft oder gepflegt werden, ist qualitativ nicht von Belang. Bedeutsam ist die Beschleunigung der medialen Sphäre: Der Austausch erfolgt permanent, begleitet jede andere Aktivität und kennt unter Umständen keine Pause. Beziehungen können so sehr eng werden – Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner erwarten ständig Antworten, Reaktionen, Lesebestätigungen. Mit leistungsfähigen Smartphones gibt es kaum geschützte Räume mehr, in der Menschen mit sich alleine sind oder die Gesellschaft real Anwesender die einzige Form des Miteinanders ist.

Gerade weil Chats das Medium sind, in dem Jugendliche und auch Kinder konstant aktiv sind, ist es wichtig, dass die Schule das Thema aufgreift. Eine empfehlenswerte Möglichkeiten bieten dabei die Lehrmodule »Chatten ohne Risiko«:

Dort sind ausführliche Beispiele enthalten, wie Gefahrensituation in Chats mit Unbekannten entstehen, die geeignet sind, Unterrichtsgespräche darüber in Gang zu bringen:

Gleichzeitig vermeidet das Lehrmittel einen Alarmismus: Es informiert sachlich und unaufgeregt.

Cybermobbing

Durch die aktuelle Pro Juventute-Kampagne sowie die Club-Sendung vom 30. Oktober ist das Thema Cybermobbing momentan sehr präsent. Im Folgenden ein Grundsatzartikel zum Thema, der sich auf die wesentlichen Aspekte konzentriert. Ich biete zu diesem Thema auch Beratung an. Am Schluss gibt es Verweise auf bestehende Merkblätter, die empfehlenswert sind.

1. Was ist Cybermobbing? 

Mobbing bedeutet kontinuierliche und geplante kommunikative Aktionen durch Einzelpersonen oder Gruppen gegenüber einem Individuum. Es findet in einem bestimmten sozialen oder institutionellen Kontext statt, meist am Arbeitsplatz oder in der Schule und zeichnet sich dadurch aus, dass feindselige Handlungen langfristig und systematisch erfolgen. Betroffene von Mobbing erleben sich als unterlegen und werden in ihrer Menschenwürde angegriffen.

Cybermobbing ist Mobbing mit digitalen Mitteln: Es erfolgt also über Internetkommunikation und mobile Kommunikation.

Verwandte Begriffe sind Cyberbullying und Cyberstalking:

  • Bullying kann als Synonym zu Mobbing gesehen werden, es bedeutet tyrannisieren, einschüchtern oder schikanieren – im Gegensatz zu Mobbing durchaus auch mit physischer Gewalt.
  • Stalking meint das Verfolgen einer Person, meist durch eine andere Einzelperson. Stalking kann ein Mittel sein, das für Mobbing eingesetzt wird.

Allgemeiner kann man von Cybergewalt sprechen, um all diese Phänomene zu bezeichnen.

2. Cybermobbing konkret

Wie muss man sich Cybermobbing vorstellen?

  1. Auf einer ersten Ebene wird die Kommunikation einfach ins Internet oder auf mobile Geräte verlagert: Verbale Gewalt erfolgt per SMS, Chat-Nachricht oder Email. Oft sind die Täter dann auch anonym unterwegs oder erstellen gefälschte Profile.
  2. Auf einer zweiten Ebene werden spezifisch digitale Techniken genutzt: Gewalt wird nicht nur verbal, sondern multi-medial ausgeübt. Wie im berühmten Fall von Amanda Todd (siehe Video unten) werden Videos, Tondokumente oder Bilder verwendet, um Opfer unter Druck zu setzen, zu erpressen und zu bedrohen. Diese Daten können auch manipuliert sein – wie im Fall von »Jamileh«.
  3. Auf einer dritten Ebene werden spezifische Mechanismen von Social Media genutzt, um Effekte von Social Media oder sozialen Netzwerke gewaltsam zu nutzen. Einige Beispiele:
    (a) Private Nachrichten, Bilder oder Videos werden öffentlich gemacht und damit eine Dynamik auszulösen. (»X hat über Y Z gesagt…«)
    (b) Es wird negative Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Profil gelenkt, mit dem Ziel, dass ein ganzer Schwarm von Internet-Mobbenden mitspielt. Das kann dann – wie in diesem Beispiel – durchaus auch in der nicht-digitalen Welt Auswirkungen haben.
    (c) Verbreitet ist auch, dass man verhindert, dass eine Person im Netz ein positives Image aufbauen kann, indem z.B. Bilder immer wieder negativ kommentiert werden, Profile mit hässlichen Aussagen verunstaltet werden etc.
  4. Auf einer vierten Ebene werden dann im Internet gewonnene Informationen für Gewalttaten in der physischen Welt genutzt. So beschreibt z.B. dieser Reddit-User, wie er vom Cyberstalker zum Stalker geworden ist.


3. Eigenschaften von Cybermobbing

Cybermobbing hat Eigenschaften, die es durchaus von Mobbing unterscheiden – obwohl die zugrundeliegenden Strukturen oft dieselben sind (siehe unten):

  • Digitale Kommunikation ist enorm effizient: Nachrichten können sehr schnell und ohne Aufwand verschickt werden, Gruppen organisiert und mobilisiert und Informationen beschafft. Das führt dazu, dass Täter viel mehr Möglichkeiten haben.
  • Digitale Kommunikation kann mit versteckten oder falschen Identitäten erfolgen: Oft wissen Betroffene von Cybergewalt nicht, wer hinter Attacken stecken. Auch wenn sie Vermutungen haben, können sie nur mit großer digitaler Kompetenz echte Beweise sicher stellen, oft bleibt es bei diesen Vermutungen.
  • Cybermobbing ist ort- und zeitunabhängig. Ich wurde in meiner Jugend auf dem Weg zum Handballtraining regelmäßig zum Opfer physischer und verbaler Gewalt. Diese Gewalt war auf einen Ort und eine Zeit beschränkt – Cybermobbing kann uns jederzeit auf dem Mobiltelefon und an jedem Ort erreichen. Das führt zu einem diffusen Gefühl von Bedrohung; im Club formuliert das eine Betroffene von Cyber-Stalking so: Sie fühle sich im vierten Stock, als würde ihre Stalkering jederzeit zum Fenster reinschauen.
  • Internetkommunikation ist direkter und oft unfreundlicher: Die Schwellen, jemanden zu belästigen, zu bedrohen, verbal Gewalt auszuüben sind viel kleiner.
  • Social Media hat die Absicht, »Schwärme« zu erzeugen: Intelligente Schwärme. Aber, so hat es Sascha Lobo formuliert, Schwarmlobbying und Schwarmmobbing liegen dicht beieinander«. Es ist für Schwarmmitglieder oft nicht einmal zu erkennen, ob sie nun Mittäter bei Cybermobbing werden, weil sie einfach den Regeln der Schwarmorganisation folgen.
  • Die digitale Welt wird immer enger mit unserem beruflichen, schulischen und sozialen Leben verzahnt. Damit wird auch Cybermobbing direkt eingebunden: Es wirkt sich sehr schnell auf unser soziales und berufliches Wohlbefinden aus, es findet selten in einem isolierten virtuellen Bereich statt, der ausblendbar wäre.

4. Gibt es Cybermobbing ohne Mobbing? 

Diese Frage untersuchen Prof. Sonja Perren vom Jacobscenter der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit Prof. Françoise Alsaker von der Universität Bern in noch laufenden Projekten. Im Zwischenergebnis einer Studie von 2011 hält Perren fest:

[T]raditionelle Gewalt [kommt] unter Jugendlichen (physische, verbale, soziale Gewalt) im Vergleich zu Cybergewalt deutlich häufiger vor. Unter Jugendlichen, die in Gewalttaten involviert sind, können Täter, Opfer und solche[,] die beides sind, unterschieden werden. Die Studie zeigt, dass die Jugendlichen[,] die mit Cybergewalt zu tun haben (als Opfer und/oder Täter), oft auch in traditionelle Gewalt verwickelt sind (meist in der gleichen Rolle wie bei Cybergewalt).

In der NZZ lässt sich Perren noch pointierter zitieren:

Der Kreis der Betroffenen ist sehr klein. […]
Das Problem beim Cybermobbing ist daher nicht im Cyber zu suchen, sondern beim Mobbing.

Genaue Zahlen zu Cybermobbing sind für die Schweiz nicht verfügbar, die besten Daten sind veraltet, sie stammen aus der JAMES-Studie von 2010. Wie die Daten zeigen, wird nicht erhoben, ob Cybermobbing (»fertig machen« ist eventuell keine geeignete Beschreibung) tatsächlich von Mobbing getrennt existiert.

JAMES-Studie 2010, ZHAW.

5. Was sollen Betroffene tun? 

Die Antwort auf diese Frage lässt sich aus Leitlinien für Mobbing direkt ableiten. Ganz wichtig ist bei Cybermobbing: Durch Zurückschlagen auf dem Netz kann das Problem nicht gelöst werden, wie dieser lesenswerte Artikel zeigt.

Hier die wichtigsten Punkte, adaptiert (nicht alle Punkte sind in jedem Fall anwendbar):

  1. Andere Menschen informieren – auch wenn man selber nicht betroffen ist: Eltern, Freunde, Lehrpersonen, Kolleginnen und Kollegen. Cybermobbing nie für sich behalten. Scham ist sehr verständlich, sollte aber nicht dazu führen, dass man das Problem anderen verschweigt.
  2. Hilfe holen bei Telefon 147 oder bei 147.ch.
  3. Darauf bestehen, dass Mobbing aufhört. Es unter keinen Umständen akzeptieren oder Betroffene selbst (oder ihr Verhalten im Internet) dafür verantwortlich machen.
  4. Vorfälle protokollieren, eine Art Mobbing-Tagebuch anlegen. Die Dokumentation kann verwendet werden, um eine Lösung zu finden – aber auch, um Vorfälle verarbeiten zu können.
  5. Sich von Expertinnen und Experten beraten lassen.
  6. Einträge löschen lassen und löschen, Täter sperren lassen und sperren; Profile melden.
  7. Anzeige erstatten bei der Polizei. Die Vorfälle auch Betreibern von Sozialen Netzwerken etc. melden, die dann auch Massnahmen unternehmen.
  8. Cybermobbing in der Schule und am Arbeitsplatz zum Thema machen und Fachpersonen (Schulsozialarbeit, PsychologInnen etc.) beiziehen.
  9. Präventionsarbeit an Schulen und Arbeitsplätzen leisten. Es gibt keine einfachen Rezepte für Mobbing-Prävention: Wichtig ist ein gutes Klima und Kommunikation.

6. Ressourcen

  1. Bericht des Bundesrates zu Cyberbullying mit rechtlicher Einschätzung.
  2. Merkblatt der Volksschulbildung Luzern.
  3. Broschüre »Datenschutz und Cybermobbing« der Stiftung Schweizer Jugendkarte.
  4. Präventionsmaterial für Schulen und Lehrpersonen der Fachhochschule Nordwestschweiz.
  5. Tipps von 147.ch.

Vorstellung: MOOC

Die Abkürzung MOOC steht für Massively Open Online Courses, also Unterrichtseinheiten, die sehr vielen Studierenden offen stehen. Gemeint sind Tausende von Lernenden, die gleichzeitig Vorlesungen hören können, sich darüber austauschen und teilweise sogar interaktiv einbezogen werden können.

MOOCs gehören zu dem, was man Blended Learning nennt, das wohl bekannteste Beispiel ist die darauf spezialisierte Khan Academy.

In einem Interview mit The Atlantic macht der Verantwortliche für Online-Learning an der Stanford University, John Mitchell, einige aufschlussreiche Bemerkungen, die ich hier knapp festhalten möchte:

  1. Das Herstellen von Videos ist heute vom Aufwand und vom technischen Know-How her kaum mehr von der Produktion von Texten zu unterscheiden.
  2. Online Learning führt dazu, dass die Arbeitszeit von sehr kompetenten Lehrenden effektiver eingesetzt werden kann.
  3. Online Leraning führt zu einer Demokratisierung der Bildung: Auch Studierende an anderen Unis können die Top-Professoren von Stanford in Videovorlesungen erleben.
  4. Studierende können die Zeit ihres Studiums flexibler nutzen – z.B. berufsbegleitend oder von zuhause aus studieren.
  5. Gleichzeitig bieten MOOC für die Zeit an der Uni mehr individuelle Betreuungsmöglichkeiten, weil die Lehre zu einem großen Teil online stattfindet.

Mitchell erwähnt auch eine Gefahr, dass die Forschungsgemeinschaft an einer Uni, die Lehre und Forschung verbindet, auseinanderfallen könnte – was auch zu wirtschaftlichen Problemen führen könnte, weil viele bedeutende Forscherinnen und Forscher sich mit Drittmitteln finanzieren, die sie vor allem dank ihrer Forschung erhalten.

Bild Flickr, giulia.forsythe, CC BY-NC-SA 2.0

Wie man Social Media im Unterricht nutzen kann

Onlinecolleges.net hat eine schöne Infografik publiziert, die konkret zeigt, welcher Nutzen bestehende soziale Netzwerke für Lehrpersonen und das Unterrichten haben können. Die Einsatzmöglichkeiten sind nach vier Katergorien geordnet, die hilfreich sind:

  • sich vernetzen
  • benachrichtigen
  • Inhalte kuratieren
  • lehren

Die in der Grafik oben stehenden Statistiken beziehen sich auf den Kontext amerikanischer Colleges, sie sind für den deutschsprachigen Raum so nicht gültig.