Social Media und Bewerbungen

Die Schule hat die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten. Dazu gehört auch die Präsentation bei Bewerbungen. Diese Präsentation hat eine Online-Dimension, die wesentlich durch Social Media geprägt ist. Im Folgenden einige Hinweise, wie Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich gecoacht werden könnte.

Dieses Video zeigt zwei Dinge:

  • eine klischeehafte Vorstellung, dass in Social Media hauptsächlich negative Seiten von Menschen abrufbar sind (»betrunken an einer Party«)
  • die Forderung, man müsse sich damit vertraut machen, wie man im Internet erscheint und auftritt.

Diese Forderung soll am Anfang stehen: Watzlawicks Maxime »Man kann nicht nicht kommunizieren!« gilt selbstverständlich auch fürs Web 2.0: Wer im Internet nicht erscheint, gibt ebenso ein Bild ab wie die Person, die auf allen denkbaren Plattformen präsent ist.

Nun gibt es folgende drei Ausgangssituationen für Schülerinnen und Schüler:

  1. Sie waren bisher sehr zurückhaltend und es erscheinen nur minimale Spuren von ihnen im Internet (z.B. von Sportveranstaltungen oder Vereinstätigkeiten). [Alternativ: Sie haben einen oft vorkommenden Namen und können nicht eindeutig identifiziert werden.]
  2. Sie waren bisher aktiv und finden Spuren im Netz, mit denen sie nicht mehr in Verbindung stehen möchten (z.B. alte Blogs, Kinderphotos, Schreibprojekte etc.)
  3. Sie waren aktiv auf Social Media und präsentieren sich als kompetent und für potentielle Arbeitgeber attraktiv.

Als Coach kann eine Lehrperson bei diesen Situationen drei mögliche Hilfestellungen geben:

  • Wie kann ich ii. präventiv verhindern?
  • Wie kann ich mein Profil gezielt verbessern bzw. negative/unliebsame Spuren löschen?
  • Wie kann ich Social Media nutzen, um einen guten Eindruck von mir abzugeben?

(1) Prävention

Gemeint ist nicht allgemeine Prävention in Bezug auf negative Auswirkungen von Social Media, sondern in spezifischer Hinsicht auf die Pflege von Profilen. Hier ist der Grundsatz bedeutsam, der auch jede schulische Arbeit mit Social Media prägen sollte:

Alle im Internet hinterlassenen Daten (Texte, Bilder, Videos) sollten so behandelt werden, als könnten sie alle einsehen und als könnten sie nie gelöscht werden.

Selbstverständlich kann von diesem Grundsatz unter speziellen Bedingungen abgewichen werden. Eines meiner ersten Blogprojekte hat dazu geführt, dass eine Abschlussklasse einen Abschlussblog verfasst hat. Bei mehr als der Hälfte der Schülerinnen und Schüler ist ihr humorvolle Eintrag der erste Google-Treffer, wenn man ihren Namen eingibt.

Zudem geht es ganz allgemein um die Frage, wie man sich in der Öffentlichkeit präsentiert – eine Frage, die in einem viel allgemeineren Rahmen diskutiert werden kann.

Und zuletzt sollte auf das Paradox aufmerksam gemacht werden, dass wir uns auf Social Media oft offener verhalten als gegenüber Menschen, die wir kennen. Darüber sollte man nachdenken – auch über die Konsequenzen. Auch die Freude über einen erfolgreichen Schulabschluss kann eine negative Wirkung hinterlassen, wie dieses Beispiel zeigt:

(2) Negative Spuren beseitigen

Webseiten können gelöscht werden, ebenso Facebookeinträge und Tweets. All diese Inhalte werden aber im Web archiviert, kopiert und auch an anderen Orten gespeichert, wo eine Löschung unmöglich ist. Der oben abgebildete Facebook-Status befindet sich als Bild auf meiner Harddisk.

Wie also beseitigt man negative Spuren? Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze:

  • Inhalte löschen und die Sucheinträge bei Google löschen, damit sie nicht mehr gefunden werden können. Allenfalls fremde Autoren bitten, Inhalte zu löschen (im Notfall rechtliche Schritte in Erwägung ziehen).
  • Selber positive Inhalte generieren und so die negativen in den Hintergrund drängen.

Ich bin beispielsweise so aktiv im sozialen Netz, dass nur von mir selbst erstellte Beiträge in den ersten Suchresultaten bei Google auftreten:

Wer also negative Ereignisse ausblenden will, sollte eine eigene Webseite kreieren, einen Blog eröffnen oder Konten bei sozialen Netzwerken erstellen, die kontrolliert werden können.

(3) Wie kann ich auf Social Media einen guten Eindruck abgeben? 

Es geht häufig vergessen, dass Vorgesetzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen, die im Netz kompetent sind. Diese Kompetenz kann man auch auf Social Media-Profilen zeigen. Manche Leute gehen so weit, dass sie ihre Facebook-Präsenz als kreativen Lebenslauf aufbereiten. Generell reicht es wohl auch, sich als sympathisch, anständig und kompetent zu präsentieren. Kompetenz strahlt man auch aus, indem man interesse Inhalte auf seinen Seiten präsentiert und weiterverbreitet.

Zu private Ereignisse und Bilder sollten zudem immer mit Privatsphäreneinstellungen geschützt werden.

* * *

Zum Schluss noch einmal zurück zum Video: Ich habe die Vorstellung, auf Social Media würden vor allem negative Seiten von Menschen sichtbar, ein Klischee genannt. Es ist bekannt, dass Jugendliche sich vergnügen, dass sie Alkohol trinken und Parties besuchen. Ein Arbeitgeber, der vernünftig über Menschen nachdenkt, lässt sich dadurch nicht schockieren. Vielmehr geht es gerade darum, Medienkompetenz zu zeigen. Das Problem sind weder die Party noch der Alkohol, sondern das fehlende Bewusstsein, welche Inhalte wo abrufbar sind. Dieses Bewusstsein zu vermitteln ist Aufgabe der Schule.

Kinderfotos auf Facebook

Gestern machte ein Artikel von Golem.de die Runde auf dem Internet (auch auf zeit.de), in dem es um folgenden Vorfall geht:

In Braunlage im Harz wurden sechs Schüler von einer Unterrichtsstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen, weil ihre Eltern einer Veröffentlichung von Fotos der Veranstaltung bei Facebook nicht zugestimmt hatten.

Das Beispiel zeigt die Bedeutung der Frage, ob Eltern und Schulen Fotos von Kindern in sozialen Netzwerken oder überhaupt im Internet publizieren dürfen. (Klar ist, dass man keine Kinder von Veranstaltungen ausschließen kann, nur weil sie oder ihre Eltern nicht wollen, dass sie auf Facebook-Fotos erscheinen.)

Auf Facebook gibt es eine Gruppe, die fordert, dass im Social Web keine Kinderfotos publiziert werden dürfen.

Bild

Die wesentlichen Argumente sind die folgenden:

  • Man überträgt mit der Publikation gewisse Rechte an Facebook.
  • Eltern und Schule haben die Aufgabe, die Privatsphäre von Kindern zu schützen.
  • Eltern und Schule dürfen nicht über die Publikation von Bildern befinden, welche die Kinder unter Umständen später nicht wünschen.
  • Pädophile nutzen Social Media zum Finden von potentiellen Opfern.

Wenn Schulen trotzdem darauf bestehen, Bilder zu publizieren, so müssen sie das Einverständnis der Eltern einholen und sie dabei auch darauf hinweisen, was eine Publikation bedeutet. Golem.de erwähnt »Risiken wie weltweite Abrufbarkeit, Veränderbarkeit und Nutzung«.

Der Datenschützer von Schleswig-Holstein findet deutliche Worte:

Selbst der unzulässige Betrieb einer Facebook-Fanpage ist im Schulbereich nicht tabu – und zugleich ein pädagogisch katastrophales Vorbild für die Kinder und Jugendlichen. Facebook legt alles darauf an, nicht nur den Kindern, sondern auch den Schulleitungen den Kopf zu verdrehen.

Die rechtliche Situation mag in der Schweiz eine leicht andere sein. Eine Schule kann über eine Facebook-Seite Kommunikationsaufgaben wahrnehmen und es ist auch möglich, sich und die Schülerinnen und Schüler ausreichen zu schützen. Dennoch ist es wichtig, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Was ist der Zweck des Hochladens?
  • Wer soll dieses Bild überhaupt sehen – und wer nicht?
  • Wenn ich es jetzt und hier poste, welchen Bedingungen unterwerfe ich mich, wie viel Kontrolle habe ich?
  • Verstehe ich all diese Bedingungen? Verstehe ich meine Kontrollmöglichkeiten?
  • Bin ich nun in der Lage, hier eine sichere Entscheidung zu treffen, mich guten Gewissens dafür oder dagegen zu entscheiden?
  • Oder gibt es sozialen Druck: weil alle mitmachen, ich nicht außen vor bleiben will oder ich schon zugesagt habe, ohne mich vorher ausführlich zu informieren?
  • Gibt es Alternativen zum bisherigen Vorhaben?
  • Wie kann ich die mir aufscheinenden Risiken minimieren oder gar ganz ausschließen?

Die Fragen stammen aus diesem aufschlussreichen Grundlagenartikel von Dr. Stephan Humer.

Facebook neu auch für Kinder? Die Altersgrenze 13 soll fallen

Ein Facebook-Konto kann heute nur eröffnen, wer über 13 Jahre alt ist. Diese Regelung erleichtert Eltern und Lehrpersonen die Diskussion mit jüngeren Kindern: Für sie ist es nicht erlaubt, ein Konto zu eröffnen. Grund dafür sind die enorm sensiblen Daten von Kindern, die nicht ohne das Einverständnis der Eltern gesammelt werden dürfen.

Wie das Wall Street Journal heute schreibt (vgl. auch den Artikel in der NZZ), versucht Facebook eine Lösung zu finden, wie die Daten von Kindern geschützt werden können. Zwei Ansatzpunkte werden diskutiert:

  • Kinderkonten an Konten von Eltern anbinden, so dass Eltern kontrollieren und freischalten müssen, was ihre Kinder auf Facebook tun.
  • Facebook für Kinder stark einschränken, insbesondere die Apps, also die Anwendungen von Dritten.

Facebook will das Angebot in Zusammenarbeit mit Medienunternehmen wie Disney anreichern – letztlich geht es darum, die Kundenbasis auszuweiten und als Anzeigennetzwerk neue Zielgruppen anzusprechen.

Bereits heute sind viele unter-13-Jährige auf Facebook aktiv, wie die folgende Grafik zeigt:

Danah Boyd hat im Auftrag von Microsoft herausgefunden, dass über 50% der Eltern von Zwölfjährigen berichten, ihre Kinder hätten ein FB-Konto. Von ihnen waren über 80% darüber informiert, dass das Konto eröffnet worden ist, mehr als drei Viertel halfen dabei, es einzurichten (und dabei über das Alter zu lügen).

Fazit: Mit oder ohne Änderung müssen Eltern mit ihren Kinder über die Möglichkeiten und Gefahren von Facebook sprechen. Auch Lehrpersonen sollten das Thema schon mit jüngeren Kindern ansprechen – in den USA sind von den 10-Jährigen schon fast 20% bei Facebook dabei.