»Crap detect yourself« – Howard Rheingold über »digital literacy« 

Update: Den Vortrag von Rheingold gibt es nun auch als Screencast zum Nachschauen

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Man solle, so das Schlusswort von Howard Rheingold bei seinem gestrigen Vortrag in Luzern, nicht mit der Technologie mithalten, sondern mit der »literacy«, also den Kompetenzen. Der Begriff literacy lässt sich nicht genau übersetzen, Rheingold versteht darunter eine Fähigkeit sowie ihre soziale Einbettung und Kontextualisierung. Wie wir heute Technologie nutzen hat immer auch soziale Auswirkungen: Unsere Suchbegriffe bei Google; die Links, die von unseren Texten ausgehen; unsere Likes bei Facebook und unsere Tweets beeinflussen die Interneterfahrung vieler anderer Menschen – manchmal direkt, manchmal indirekt. Wichtig deshalb: »Crap detection«. Was in unserem Informationsfluss ist wahr und relevant und was falsch, halbwahr oder unwichtig? Diese Prüfung gilt nicht nur für fremde Inhalte, sondern im Sinne einer Netzwerkverantwortung, auch für eigene.

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Das »Power Law of Participation«, das Rheingold gezeigt hat, macht deutlich, wie viele Tätigkeiten es gibt, mit denen man sich in Netzwerken beteiligt – schon allein das Lesen von Beiträgen ist eine Form von Partizipation.

Wie hier schon einmal ausgeführt, ist dabei eine der wichtigsten literacies die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit zu steuern: Rheingold spricht von »Infotention«. Gestern hat er einen zentralen Aspekt betont: Wir müssen lernen zu beobachten, worauf wir uns konzentrieren und wie wir unsere Werkzeuge einsetzen. Seine konkreten Tipps:

  1. Sich in die Rolle anderer versetzen (z.B. indem man als Lehrerin oder Lehrer einmal die Klasse filmt und ihr zeigt, wie es von vorne aussieht, wenn viele Lernende vor Bildschirmen sitzen).
  2. Zu beschreiben, wie man seinen Browser, seinen Desktop, sein Mobiltelefon organisiert und wie man damit interagiert.

Rheingolds These: Nur fünf Prozent der Menschen beherrschen Multitasking in dem Sinne, dass sie mehrere Tätigkeiten so ausüben können, dass diese qualitativ nicht darunter leiden. Er vermutet, diese hätten Multitasking gelernt. Nur: Wie genau?

Rheingolds Aufmerksamkeit für einmal bei seinen Hunden. Er ist eine Stunde pro Tag offline.
Rheingolds Aufmerksamkeit für einmal bei seinen Hunden. Er ist eine Stunde pro Tag offline.

Im Vortrag hat Rheingold auch ausführlich über Netzwerke gesprochen – seine Konzeption eines Persönlichen Lernnetzwerks habe ich hier zusammengefasst. Seine wichtigsten Aussagen:

  1. »If nobody in your network annoys you, you are in a echo chamber«: Man muss ehrliche und intelligente Menschen in seinem Netzwerk haben, die andere Meinungen vertreten, um von ihnen lernen zu können.
  2. Nicht nur konsumieren, kreieren. Nur so sind die Bedingungen gegeben, dass bessere Werkzeuge entstehen können.
  3. Wenn man Menschen motivieren will, bei einem Projekt mitzuhelfen, soll man sie wählen lassen, was sie tun wollen.
  4. Menschen lernen einander zu vertrauen, wenn sie über Unwichtiges reden können und small talk betreiben.
  5. »Weak ties« helfen uns dabei, einen Job oder Partner zu finden; bei »strong ties« können wir schlafen, wenn unser Haus niederbrennt. Wir brauchen in Netzwerken beides.
  6. Die Position in Netzwerken ist ausschlaggebend, nicht die Zahl der Verbindungen. Die Position ergibt sich daraus, wie viele Menschen über das eigene Profil mit anderen in Verbindung treten.
  7. Netzwerke müssen diversifiziert sein, also Expertinnen und Laien enthalten. Wichtig sind zudem Menschen, die Lücken überbrücken.
  8. »pay it forward« – Menschen helfen einem, wenn man ihnen schon geholfen hat.
Die Zukunft digitaler Medien hängt von uns ab. Net Smart, S. 8.
Die Zukunft digitaler Medien hängt von uns ab.
Net Smart, S. 8.

Mit bestem Dank an die Hochschule Luzern, die zum Anlass mit Howard Rheingold eingeladen hatte. 

Das war der sechste Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Ein positives Leitbild für Netzpolitik – oder: Stadt- und Landleben

Das ist der fünfte Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

In den letzten Beiträgen habe ich gezeigt, wie verzerrte Darstellungen der Chancen und Gefahren von Internetkommunikation Barrieren errichten, welche viele Menschen daran hindern, digitale Werkzeuge so zu nutzen, dass sie ihnen nützen. Diese Kritik soll ergänzt werden durch ein positives Programm. Das es – zumindest als Skizze – schon besteht, reicht es, an dieser Stelle darauf zu verweisen: In seinem »Code for Germany« legt Christoph Kappes ein Fundament zu einem Leitbild. Es zeichnet sich durch vier Eigenschaften aus, die mir wichtig scheinen (ich paraphrasiere Kappes):

  1. es befasst sich weniger mit dem Internet als mit dem, was Computer tun und wir mit Computern tun
  2. es richtete sich weniger auf rechtliche Fragen, sondern fragt, wie sich Wissen und Kultur durch den Einsatz von digitaler Hilfsmitteln ändern
  3. es hat mehr mit Software zu tun, »als dem prägenden Werkzeug unserer Zeit (das keineswegs nur kopiert, wie der Urheberrechtsstreit immer suggeriert, sondern das Information messbar, vergleichbar, ermittelbar und anderes steuerbar macht und dadurch Neues erzeugt, nämlich das Gegenteil von Kopie: Unterscheidbares)«
  4. es zeigt den Charakter der digitalen Wissensnutzung auf, die ein Gemeingut ist, das nicht übernutzt werden kann, weil Kopien die Nutzung nicht verändern oder verschlechtern.

Kappes‘ Fazit:

So gesehen sollte eigentlich im Zentrum von internet-veranlasster Politik nicht „das Netz“, sondern die Entwicklung von Wissen, Software und Kultur stehen, die von jedermann nutzbar sind:

  • von Schulbüchern und wissenschaftlichen Beiträgen für jedermann,
  • Software für Nachbarn, die untereinander Hilfe anbieten und tauschen möchten,
  • Komponenten für verteilte soziale Netzwerke und Standards für den Datenaustausch zwischen Diensten bis hin zu
  • neuen digital basierten Prozesses für Politik und Medien – wir müssen schnell Ordnung und Überblick in die Welt bringen, die täglich komplexer wird, und
  • kulturellen Techniken, die durch digitale Informationsverarbeitung verändert werden, namentlich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit in losen Gruppen oder auch digitales Rechte-Handling einschließlich verständlicherer rechtlicher Regelungen für Commons.

Politik – so sollte man sich in Erinnerung rufen – bedeutet die Organisation des sozialen Miteinanders. Netzpolitik befasst sich damit, wie Menschen digitale Werkzeuge einsetzen. Was in der professionellen Politik beredet und beschlossen wird, beeinflusst das Leben vieler Menschen nicht. Ein netzpolitisches Programm könnte ganz einfach darin bestehen, Werkzeuge zu schaffen, die Menschen helfen, ihren Alltag zu bewältigen. »Ich stelle mir das Alter mit Internet viel schöner vor als ohne«, war kürzlich im Internet zu lesen. Gute Netzpolitik führt zu schönerem Leben, indem sie Menschen dabei hilft, tolle Dinge nicht nur im Internet, sondern auch außerhalb auf die Beine zu stellen.

An Kappes Forderung lässt sich das Fazit des ausgezeichneten Textes von Kathrin Passig anschließen, in dem sie überzeugend zeigt, dass die Linien der kritischen Diskussion über soziale Medien und das Internet denen der Diskussion über das Leben in der Stadt entsprechen: In Städten (=im Internet) leben geschwätzige Fremde miteinander und setzen sich unbeschreiblichen Gefahren aus, während auf dam Land (= im richtigen Leben) die echten Menschen wohnen: Bescheiden, wortkarg und beschützt von allen Übeln. Passig schließt mit folgenden Absätzen:

Natürlich ist die öffentliche Kommunikation mit Unbekannten im Netz nicht per se die bessere Lösung, so wenig wie das Stadtleben besser als das Landleben ist, insbesondere, seit man einige Annehmlichkeiten der Zivilisation überall erhalten kann: Filme in Originalversionen, homosexuelle Bürgermeister, manchmal sogar O2-Handyempfang. Auch wer ein Blog betreibt oder Twitter nutzt, sehnt sich manchmal nach Waldeinsamkeit, nach weniger widerspruchsfreudigen Gesprächspartnern oder gleich nach der Abschaffung aller Kommentarfunktionen. Dieses Hadern ist unumgänglich, auch in der Stadt ist die Koexistenz der verschiedenen Lebensweisen nicht einfach, und ihre Bewohner schwanken zwischen den Wünschen nach Abgrenzung und Integration.

Aber in der Stadtforschung gibt es seit über hundert Jahren eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Strukturen der Verständigung unter Fremden. Es wäre schön, wenn die Diskussion um die Kommunikation im Netz nicht noch einmal hundert Jahre bräuchte, um an diesem Punkt anzukommen.

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Die Zukunft von Social Media: temporäre Kommunikation

In loser Folge möchte ich als Vorbereitung auf einen Input am Weiterbildungszentrum der Fachhochschule St. Gallen über die Zukunft von Social Media nachdenken. Einen ersten Gedankengang habe ich hier bereits festgehalten; dieser Post wird als Inhaltsverzeichnis dienen: 

  1. Vom sozialen zum mobilen Web.
  2. Temporäre Kommunikation.
  3. Social Media werden selbstverständlich.
  4. Social Media und die Veränderung der Privatsphäre.

Die Teile i. und ii. erschienen auch als zusammenhängender Text bei netzpiloten.de.

* * *

Unsere Wahrnehmung ist gelöst von unserer Erinnerung. Wir sehen, wir hören, wir riechen und fühlen – aber nur einmal dasselbe. Begegnen wir uns direkt, dann kommunizieren wir in vergänglichen Medien: Wir sprechen miteinander, verwenden Gesten, Gesichtsausdrücke, berühren einander – immer so, dass unsere Kommunikation nur im Augenblick existiert und dann verschwindet.

Die Schrift, die Fotographie und ihre Weiterentwicklungen zeichnen sich durch Permanenz aus. Sie speichern, was ohne sie nicht festhaltbar wäre. Baudrillard hat diesen Prozess als »Museumifizierung« bezeichnet: Eine Wahrnehmung wird zum Objekt und erhält so eine Zukunft, die sie nie gehabt hätte – obwohl sie immer als Vergangenheit betrachtet wird. In ihrem Essay über Photographie hat Susan Sontag diesen Akt als eine Form von Gewalt bezeichnet:

There is something predatory in the act of taking a picture. To photograph people is to violate them, by seeing them as they never see themselves, by having knowledge of them they can never have; it turns people into objects that can be symbolically possessed.

Dieses Wissen, das man von Personen hat, betrifft nicht nur Bilder, sondern auch Texte und Gesprochenes: Wer digital kommuniziert – und wer tut das nicht – muss damit rechnen, dass alles gespeichert wird. Unsere Anrufe auf diverse Hotlines werden aufgezeichnet, Facebook speichert jeden unserer Klicks, unsere Emails sind auf verschiedenen Servern archiviert. Was im Moment entstand, wird dauerhaft.

So verändert sich unser Bezug zur Realität: Nur was als Datensatz archiviert ist, ist wirklich passiert. Wenn wir etwas Außergewöhnliches erleben, sind unsere Kameras immer dabei, wir berichten darüber und wollen unserem Erlebnis Dauer geben. Wie Nathan Jurgenson festgestellt hat: Erfahrung für sich und Erfahrung für Dokumentation geraten durch Social Media durcheinander. Die Filter, die wir auf Instagram nutzen, laden uns ein, die Gegenwart schon als Vergangenheit, als ein Archiv für einen späteren Zugriff durch andere zu betrachten.

Flickr, NPF.1
Flickr, NPF.1

Dadurch verliert die Erfahrung ihren Wert, aber gleichzeitig auch die Dokumentation: Wer durch die alten Fotoalben seiner Großeltern blättert, sieht wenige Ausschnitte aus vielen Jahren, die so bedeutsam werden. Unsere Enkel werden sich durch Ordner klicken und sich in unseren digitalen Bildern verlieren, die durch ihre schiere Zahl ihren Wert eingebüsst haben werden.

Damit wir uns erinnern können, müssen wir vergessen. Damit wir erleben können, muss etwas vergehen. Die Forderung nach einem »Recht auf Vergessenwerden« ist dabei hilflos und ein juristisches Konstrukt: Datenschutz ist nicht das Problem, wenn wir jeden wichtigen Moment unseres Lebens digital dokumentieren.

Was helfen kann, ist die Einführung der temporären Kommunikation in der digitalen Sphäre: Kommunikationsmittel, die nichts speichern, sondern im Gegenteil alles löschen, was wir eingeben. Ein Beispiel dafür wäre Snapchat: Die damit gemachten Bilder gehen nach 10 Sekunden verloren. Schon allein die Möglichkeit, im Internet vergänglich und nicht-vergänglich kommunizieren zu können, könnte eine Differenz beleben, die für das Funktionieren unserer Erinnerung, für den Wert von Bildern und anderen Medien und für unser Erleben der Realität entscheidend ist.

Social Media als Tod des Blick- und Körperkontakts

Social Media, so habe ich kürzlich auf einer Party gehört, bedeute das Ende des Blickkontakts. Anstatt Menschen in der Straßenbahn anzuschauen, fixierten heute Erwachsene nur noch ihre Smartphones. Dadurch verändere sich auch ihre Körperhaltung, sie seien nur noch gebückt anzutreffen.

Der Befund geht weiter – in ihrem Buch »Der unberührte Mensch« zeigen der Arzt Cem Ekmekcioglu und die Journalistin Anita Ericson nicht nur, dass Körperkontakt wichtig ist und sein Fehlen mit einer Reihe von physischen und psychischen Beschwerden und Krankheiten assoziiert werden kann, sondern mutmassen auch, dass er heute deshalb zu wenig häufig stattfinde, weil er durch »virtuelle Berührungen« ersetzt werde:

derStandard.at: Durch Social Media bekommen wir mehr denn je Einblick in das Leben von Personen, die wir zum Teil gar nicht so gut kennen. Sind Berührungsängste dadurch kleiner geworden?
Cem Ekmekcioglu: Das ist eine wesentliche Frage, die schwierig zu beantworten ist. Aber die virtuelle Berührung kann man nicht gleichsetzen mit tatsächlicher Berührung, mit persönlichen Treffen. Ich tendiere eher dazu zu sagen, dass echte Berührungen dadurch weniger werden.

Was ist von diesen Zusammenhängen und Befürchtungen zu halten? Ein guter Test für kulturpessimistische und technologiekritische Aussagen ist es, andere kulturelle Praktiken oder andere Formen von Technologie zu substituieren. Hat die Benutzung des Telefons zu weniger Körperkontakt geführt? Haben Menschen, die im öffentlichen Verkehr Bücher lesen, auch weniger Blickkontakt? Hat Fernsehen zu einer veränderten Körperhaltung geführt?

Crack Scull Bob beobachtet Menschen am Flughafen.
Crack Scull Bob beobachtet Menschen am Flughafen.

Die Antworten zeigen wohl folgende Aspekte auf:

  1. Technologie hat einen Einfluss auf den menschlichen Körper und das soziale Zusammenleben.
  2. Weder Blickkontakt noch eine bestimmte Haltung sind »natürlich«, sondern sie erweisen sich in bestimmten kulturellen und sozialen Konstellationen als sinnvoll. Körperkontakt kann als wohltuend erlebt werden, aber auch als Übergriff. Ihn als unersetzbar zu bezeichnen, leugnet die Möglichkeiten menschlicher Entwicklung. 
  3. Wandel führt zu einer Veränderung, die nicht lokal und kurzfristig gewertet werden kann.
  4. Smartphones bedeuten keine Revolution: Seit ich lesen kann, lese ich beim Warten, beim Gehen, beim transportiert Werden. Und ich bin nicht der einzige.
  5. Technologie bringt in der Reflexion immer auch eine bestimmte Nostalgie mit sich: Wir alle wünschen uns intensiven Blickkontakt mit interessanten Menschen oder Körperkontakt in der richtigen Situation mit den richtigen Personen. Die Denkfigur, ohne unsere Smartphones hätten wir all das, ist verführerisch – aber sie ist falsch. Auch vor zehn Jahren hätten wir über mangelnden Blick- und Körperkontakt geklagt.

 

Das Internet hält nicht, was viele User versprechen

Das ist der vierte Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Neben Skeptikerinnen und Skeptikern gibt es im Internet viele Fanboys und -girls. Soziale Netzwerke werden von Menschen gefüllt, die ihre Gratisarbeit nicht nur als ein Vergnügen empfinden, sondern sicher sind, dass ihre Investitionen ins Internet sich auszahlen werden. So präsentieren sie die Möglichkeiten des Internets in einem besseren Licht, als sie bei realistischer Prüfung erscheinen würden. Gerade weil diese intensiven Nutzer so viel investiert haben, müssen sie daran glauben, dass sich ihre Investition auszahlen wird.

Dieser Effekt kann gut beim Social-Media-Marketing beobachtet werden: Wer diese Dienstleistung anbietet, muss Kunden sagen, Social Media sei ein geeigneter Kanal, um Kunden zu finden. Dieser Ratschlag basiert aber auf einer optimistischen Prognose und diese Prognose ist deshalb optimistisch, weil die eigene Situation damit zusammenhängt.

Diese positiven Vorurteile dem Netz gegenüber sind deshalb ein Problem, weil sie oft von den Menschen vertreten werden, welche Digital Immigrants oder nicht-technikaffine Menschen dabei beraten, im Internet aktiv zu werden. Sie produzieren so Enttäuschungen: Wer ein Twitter-Profil eröffnet und erste zögerliche Schritte unternimmt, wird lange brauchen, bis ein Nutzen erkennbar wird. Dieser Nutzen bedarf zudem einer konstanten Anpassung von Filtern und einer unablässigen Reflexion über den Einsatz von technischen Mitteln.

Wer sich theoretisch und kritisch mit Internetkommunikation auseinandergesetzt hat, ist weniger anfällig dafür, es zu überschätzen; sondern setzt Vor- und Nachteile in eine Beziehung.

»not your personal army« - Korrektur der positiven Vorurteile
»not your personal army« – Korrektur der positiven Vorurteile

Ich halte zuweilen Vorträge und erkläre, wie Twitter für mich das Zeitungslesen ersetzt hat. Aber viele Menschen sind besser beraten, die Zeitung zu lesen: Weil sie nicht wie ich schon 10’000 Stunden (ich verwende einfach mal die Zahl von Gladwell, wird irgendwie hinkommen) mit Social Media verbracht haben und das auch so bald nicht tun werden. Ganz ähnlich ist das mit Technologie im Schulzimmer: Viele Lehrpersonen unterrichten ohne schlicht besser. Es lohnt sich für sie nicht, Smartphones und Projektoren zu konfigurieren um dann nach langen Stunden dasselbe schlechter zu machen, was sie vorher schon konnten.

Das Argument, so werde die Zukunft verpasst, halte ich für wenig bedeutsam: Wir wissen nicht, was die Zukunft von sozialen Netzwerken sein wird. Wenn es ohne nicht mehr geht, wird es wohl reichen, dann einzusteigen. Wichtig ist, Aufwand und Ertrag, Chancen und Gefahren realistisch einzuschätzen: Sie weder übertreiben noch runterspielen und weder Drohungen an die Wand malen noch Versprechen abgeben, die nicht aus einer nüchternen Einschätzung resultieren.

Was sich im Internet abspielt ist – so der Titel des lesenswerten Buches von Passig und Lobo – ist weder Segen noch Fluch. Beide Haltungen resultieren aus Projektionen, Umdeutungen und der stärkeren Gewichtung eigener Interessen. Und beide verhindern, dass Menschen die wahren Möglichkeiten des Netzes nutzen können.

(Ich verdanke den Hinweis auf diese Überlegungen der Diskussion im Anschluss an meinen letzten Re:Publica-Post, insbesondere dem Input von Demian Naftali. Danke!)

Bitcoins kurz erklärt

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Wir erleben – wie die Grafik zeigt – gerade einen enormen Kursanstieg einer sonderbaren Währung: Bitcoins. Was zeichnet diese Währung aus und wie kommt es zum Kursanstieg?

Die Währung wurde 2009 von Satoshi Nakamoto geschaffen – der Name ist ein Pseudonym, es ist unklar, wer dahinter steckt. Die Währung repräsentiert grundsätzlich keinen Wert, sie kann Stück für Stück gewonnen werden, indem ein Code mit einem Computer geknackt wird. Dieser Prozess ist enorm aufwändig, allein die Stromkosten übersteigen in der Regel den Wert der damit zu gewinnenden Währung.

 

Diese Bitcoins können anschließend gegen Güter (virtuelle oder materielle) getauscht werden und können auch in Euros oder Dollars getauscht werden. Bitcoins erfüllen alle Anforderungen, die man an eine Währung stellen kann: Sie sind knapp (es gibt maximal 21 Millionen), transferierbar, nicht vergänglich und allgemein akzeptiert. Die Transaktionen sind so sicher verschlüsselt, dass nicht denkbar ist, dass sie gefälscht werden könnten. (Hier ein Bericht, wie man Bitcoins kauft.)

Sie haben zusätzliche Vorteile:

  1. Während Transaktionen öffentlich einsehbar und überprüfbar sind, können die Transaktionteilnehmer (z.B. Käufer und Verkäufer) komplett anonym bleiben. Eine Transaktion kann nicht rückgängig gemacht werden; ein Mechanismus verhindert aber falsche Transaktionen. 
  2. Das heißt, sie unterliegen auch nicht staatlicher Kontrolle. Staaten können Bitcoins nicht beschlagnahmen, weil sie nicht wissen, wem sie gehören. Andererseits können sie auch nicht verhindern, dass Bitcoins für kriminelle Aktivitäten eingesetzt werden oder zur Steuerhinterziehung verwendet werden. 
  3. Ein weiterer Vorteil dieser neuen Währung: Sie ist nicht abhängig von Banken oder zentralen Einrichtungen. Bitcoin setzt auf den Austausch unter Gleichen, auf Peer-to-Peer. Bitcoin ist ein dezentralisiertes Projekt, dessen Software jedem offen steht, um sie verbessern.

Bitcoins sind Fiat-Money, d.h. das Geld hat selbst keinen Wert, er bestimmt sich nur durch Angebot und Nachfrage. Das ist nichts Außergewöhnliches: Alle bedeutenden Währungen haben heute diesen Charakter. Schweizer Franken, Euros und Dollars haben nur einen Wert, weil Menschen glauben, sie hätten einen Wert. Zudem sind auch diese Währungen weit gehend elektronisch, nur ein kleiner Teil ist als Bargeld vorhanden. Aber der Wert dieser Währungen wird durch die Handlungen der Zentralbanken beeinflusst – solche Möglichkeiten gibt es bei der dezentralen Währung Bitcoin nicht.

Bitcoins brauchen weder Vertrauen in Regierungen noch in Banken, die Währung basiert eher auf der Idee des Misstrauens: Alle schauen für sich und lagern ihre Bitcoins auf ihrem Computer. Das wiederum überfordert viele User, die ihre Bitcoin-Schlüssel nicht hinreichend sichern können und deshalb wiederum auf Bitcoin-»Banken« angewiesen sind.

Hier können weitere Kritikpunkte anschließen, die dieser Artikel deutlich macht:

  1. Der Wert von Bitcoins ist direkt von ihrer Medienpräsenz abhängig. Das ist für eine Währung ungünstig – warum sollte ihr Wert davon abhängen, wie viele Menschen darüber sprechen? 
  2. Es gibt so wenige Bitcoins, dass ihr Erfolg (eine globale Akzeptanz) zu einer Deflation führen würde, weil es keine Zentralbank gäbe, welche die Geldmenge erhöhen könnte. Es gäbe schlicht zu wenig.
  3. Bitcoins schaffen Anreize, Computer zu hacken – nicht nur, um Bitcoins zu generieren, sondern auch, um anderen Leuten Bitcoins zu stehlen. Das ist eine sehr ungünstige Voraussetzung.

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Wie Vorurteile die Internet-Erfahrung überlagern

Das ist der dritte Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Im Internet (vielleicht allgemeiner: am Computerbildschirm) passieren Dinge, die zunächst wie Wunder erscheinen. Ich erinnere mich, wie mein Großvater, der gelernt hat, Bücher mit Lettern zu setzen, reagiert hat, als ich ihm zum ersten Mal Textverarbeitung vorgeführt habe. Die Neuartigkeit dieser Erfahrung verhinderte, dass wir sie präzise beschrieben konnten. Eine Reihe von Metaphern mussten verwendet werden, um darüber zu sprechen: Wir »surfen« auf »Seiten«, »folgen« Menschen oder gar »Freunden«, wir »chatten« in einer »virtuellen« Welt, währen wir uns im »real life« ganz anders verhalten.

Die Überforderung angesichts der Möglichkeiten von Internetkommunikation und das beschränkte Vokabular zu ihrer Beschreibung haben starken Anteil an einer Reihe von Urteilen über diese Form von Interaktion – von denen ich denke, dass es meist Vorurteile sind. Ich liste einige davon auf und bin wie immer dankbar für Ergänzungen:

  1. Es gibt eine Trennung zwischen der echten Welt und der virtuellen: Das Internet ist nicht real. Diese Haltung wird von Nathan Jurgenson und dem Team von Cyberology »Digitaler Dualismus« genannt (vgl. meinen Blogpost dazu). 
  2. Interaktionen im Internet sind oberflächlich, sie verbinden Menschen, die sich nichts bedeuten und einander häufig täuschen oder hintergehen.
  3. Informationen im Internet sind notorisch unzuverlässig. Weil alle beitragen können, ist im Gegensatz zu gedruckten Texten und Bildern unklar, was wahr ist; wir könnten überall manipuliert werden.
  4. Internetkommunikation ist generell gefährlich; nicht nur können uns andere Menschen Schaden zufügen, wenn wir uns im Internet bewegen, wir verändern uns auch selbst.
  5. Aus diesen Gründen ist die intensive Nutzung des Internets entweder Ausdruck eines Suchtverhaltens oder Zeitverschwendung; im Internet »surfen« wird schnell als Prokrastination bezeichnet und damit in die Nähe eins pathologischen Problems gerückt.
  6. Das Internet bringt in Menschen schlechte Züge hervor, sie werden aggressiv und beginnen anderen zu schaden, wenn sie sich hinter der Maske der Anonymität in Sicherheit vor Sanktionen wähnen.
Das Internet according to Vorurteile.
Das Internet according to Vorurteile.

Die Medienkonstellation Internet wird als komplexes Phänomen in Gesprächen oft auf triviale Erkenntnisse reduziert: »Facebook-Freunde sind keine echten Freunde«, »Man weiß nie, wer sich hinter einem Pseudonym verbirgt«, »Photoshop ermöglicht das Fälschen von Bildern«, »Jede(r) kann ins Internet« schreiben. Natürlich. Aber das wussten wir alle schon und das war alles auch schon so, bevor es Internetkommunikation gab.

Diese Diskussionen, so meine These, beanspruchen viele Ressourcen, die den Blick auf die produktiven Aspekte verschließen. Nur einige Beispiele: Zielloses Surfen im Internet kann Anstoß für eine Reihe von Lerneffekten sein, Internetbeziehungen können für viele Menschen eine Entlastung darstellen und zurecht einen wichtigen Stellenwert einnehmen, in vielen Fachbereichen finden sich differenzierte, aktuelle und präzise Informationsangebote im Internet. Wikipedia wurde in Bildungsinstitutionen Jahrelang schlecht geredet, obwohl eine ganz einfache Grundhaltung genügt hätte: Skeptisch bleiben und Falsches korrigieren bzw. Fehlendes ergänzen.

Fazit: Wir müssen lernen, präziser auszudrücken, was im Internet passiert.

16 Gründe gegen digitale Kommunikation

Das ist der zweite Teil von Gedanken zu meinem geplanten Re:Publica-Workshop. (Er wurde leider nicht berücksichtigt.) 

Ich liste hier Gründe auf, mit denen Menschen begründen, weshalb sie die Möglichkeiten digitaler Kommunikation nicht nutzen. Diese Gründe – so denke ich – könnten Aufschlüsse darüber geben, weshalb nur wenige Menschen das Potential des Internets nutzen. Die Idee verdanke ich Beat Döbeli, der hier Argumente gegen den Einsatz von ICT an Schulen gesammelt hat. Einige der Argumente sind diesem lesenswerten Blogpost entnommen, auf den mich Klaus Meschede hingewiesen hat. (Danke!)

  1. Im Internet breiten Menschen ihr Privatleben aus, das interessiert mich nicht
  2. Mein Privatleben geht niemanden etwas an, ich möchte meine Privatsphäre schützen.
  3. Social Media ist unpersönlich: Ich schaue Menschen gerne in die Augen, wenn ich mit ihnen rede.
  4. Dafür habe ich keine Zeit.
  5. Ich möchte nicht, dass jemand meine Fotos oder Texte stiehlt.
  6. Ich will nicht, dass meine Daten für Werbung verkauft werden.
  7. Das ist mir zu kompliziert, ich verstehe es ohnehin nicht.
  8. Ich bin nicht so der Multitasking-Typ.
  9. Früher hatten wir auch kein Internet, es ging auch ohne.
  10. Echte Informationen findet man nur in guten Zeitungen und Büchern.
  11. Gespräche im Internet sind oft gehässig und führen zu nichts.
  12. Ich mag es einfach nicht, vor dem Computer zu sitzen.
  13. Beziehungen im Internet sind oberflächlich und können gefährlich sein.
  14. Man weiß nie, ob Informationen im Internet stimmen oder nicht.
  15. Das Internet macht abhängig.
  16. Das Internet verändert unser Hirn und macht uns dumm.

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Sind das schlechte Gründe? Nein, keinesfalls. Aber sie hindern Menschen daran, die Vorteile zu nutzen, welche sich durch Internetkommunikation auch für sie ergäbe.

Über Ergänzungen zur Liste freue ich mich.

Digitale Meinungsbildung

Auf der Re:Publica 2013 wollte ich in einem Workshop darüber nachdenken, wie die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation mehr Menschen zugänglich gemacht werden könnten. Es geht mir nicht primär um eine Beschreibung der digitalen Kluft – die ist längst beschrieben. Vielmehr geht es um die Frage, welche konkreten Möglichkeiten sich anbieten und welche Hindernisse der Demokratisierung der Internetkommunikation im Wege stehen.

Den Workshop kann ich nicht halten, er fand keinen Platz im Re:Publica-Programm. Und ich bin fast ein wenig froh – weil ich nicht weiß, wie man dieses Thema in einer stündigen Diskussion schlau angehen kann. Fallen lassen möchte ich es nicht, sondern hier in loser Folge über die Fragen nachdenken und daraus dann vielleicht einen längeren Essay schreiben. (Zudem kann ich mich so an der Blogparade von ChiliConCharme beteiligen, in der Beiträge gesammelt werden, die von der Re:Publica abgelehnt worden sind.)

69437_1623977195739_6661013_nAm Anfang sollen Überlegungen zur Meinungsbildung im Internet stehen. Zwei US-Artikel (TechCrunch, Pew Research) lassen folgende, nicht besonders überraschenden Schlüsse zu:

  1. An Meinungsbildungsprozessen und Diskussionen auf Twitter sind 1-3% aller erwachsenen Amerikanerinnen und Amerikaner beteiligt. 
  2. Das Spektrum ist breiter als bei der Bildung der relevanten öffentlichen Meinung: Auch politisch nicht Stimm- und Wahlberechtigte beteiligen sich an den für sie relevanten Diskussionen.
  3. Generell ist der Altersdurchschnitt auf Social Media jünger als in der Bildung der öffentlichen Meinung.
  4. Meinungsbildung findet im Internet sehr selektiv statt; je nach Ereignis und Thema beteiligen sich ganz andere Menschen an Diskussionen.
  5. Nutzerinnen und Nutzer von Social Media sind tendenziell individualistisch eingestellt und deshalb in vielen Fragen tendenziell liberaler als die öffentliche Meinung.
  6. Auf Social Media verbreiten sich positive Botschaften schneller als negative, weil niemand in seinem Netzwerk konstant negative Botschaften verbreiten will.
  7. »Empörung« oder Kritik sind dabei Ausnahmen, auch sie haben auf Social Media starkes Gewicht: »Seht, wie schlecht die Welt und die anderen sind, wir sind die Guten!« dürfte dabei auch eine Art positive Botschaft sein.

Entscheidend ist dabei: Social Media sind ein Teil der Meinungsbildung; sie stehen nicht außerhalb des gesellschaftlichen Diskurses. Gleichzeitig vermögen sie aber nicht alle Meinungen und Positionen abzubilden oder richtig zu gewichten: Individualistische, technikaffine und eher jüngere Menschen schaffen ein liberales Klima.

Mehr Partizipation im Internet würde bedingen, dass alternative Haltungen Gewicht bekommen, Stimmen gehört werden, die heute in vielen Diskussionen Gegenstand von Gespött und Verachtung sind.

Eine letzte Bemerkung zum Begriff »Elite«: Er ist nicht wertend gemeint, sondern deskriptiv. Wer viel in Social Media präsent ist, hat einerseits die Zeit dazu, andererseits die technische Ausrüstung und Kompetenz dafür. Präsenz im Internet weist auf Privilegien hin.)

* * *

Die weiteren Teile der Workshop-Vorbereitung:

Teil 2: 16 Gründe gegen digitale Kommunikation

Teil 3: Vorurteile und das Internet

Teil 4: Das Internet wird überschätzt

Teil 5: Ein positives Leitbild für Netzpolitik

Teil 6: »Crap detect yourself« – Howard Rheingold über Netzwerke

Blogparade: Wie Penelope Tabellenkalkulation gelernt hat

Im Rahmen einer Blogparade habe ich vor 10 Tagen dazu eingeladen, Texte darüber zu schreiben, wie man sich eine spezifische Kompetenz angeeignet hat. Sinn davon ist, dass die Texte so besser sichtbar werden, die Bloggerinnen und Blogger sich so vernetzen und letztlich eine Sammlung von Texten entsteht, die ich dann in einem Schlusspost zusammenfasse und kommentiere. Der Titel der Blogposts wäre »Wie ich etwas gelernt habe«, wobei »etwas« dann ersetzt würde durch die Kompetenz. Eine mögliche Struktur der Beiträge wäre:

  1. Beschreibung der Kompetenz (was bedeutet es, das zu können?)
  2. Phasen des Lernprozesses
  3. Wie habe ich gelernt?
  4. Was lässt sich daraus übers Lernen ableiten?

Es ist Usus, einen Zeitraum vorzugeben: Ich schlage also mal vor, die Texte bis Ende April zu schreiben und würde mich freuen, wenn sie hier mit Kommentar verlinkt würden oder ich eine Mail mit einem Link erhielte.

* * *

Hier der Beitrag von Penelope, sie hat ihn auf Englisch geschrieben:

I was 23 and had been devoting myself to fine arts, dance, literature and languages since the age of 16. I hated maths, science, geography and anything I was expected to learn without being told why. At 16, it had been my opinion that life was hard enough without the need to solve abstract problems that did not serve to make me any happier.

Needless to say, after 7 years away from numbers and logic, my grasp of anything more complicated than basic arithmetic was poor.

Having arrived in London as a tourist, determined to get a job and stay there, I managed to be hired by an agency as an office “temp” (temporary worker) even though I couldn’t even type. At the first company I was sent to, one of my duties involved updating a spreadsheet in Lotus 1-2-3, the precursor of Excel.

When I first realized that the numbers I could see in the cells of the spreadsheet were the result of hidden formulas, my tiny brain was suddenly set on fire! I was both horrified and intrigued. I thought that such trickery was an outrage! – but also utterly fascinating. I knew I had to figure out how this craziness worked! After several weeks of struggling to understand some of the formulas, I managed to get myself on a Beginners’ Course in Lotus 1-2-3. (In the meantime, the company I was sent to as a “temp” had hired me as a permanent employee.)

At the Beginners’ Course, I was even more shocked to discover that I really knew nothing about how the world worked. I didn’t even know that to work out a Profit, you had to subtract the Purchase Price from the Sales Price. How could I know such a thing? I had never worked in a shop, and had never given this matter any thought at all. But this was actually less important to me than learning the magic of those formulas, which caused correctly computed numbers to appear.

As a result of learning the power of spreadsheets, I later became a computer programmer (aka software developer). If I hadn’t had that experience, I would perhaps have gone through life without ever finding out how fascinating the field of numbers and logic is.

I still love to read, draw and dance, but numbers, logic and science in general is where I find a never-ending source of interesting problems that need solving.

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Comment: This is not really „how“ in terms of the steps I took, but „how“ the subject grabbed me and enabled me to learn difficult concepts (to me they were difficult) because I was so fascinated.