Digilern-Keynote: »Web 2.0 in der Schule – Weshalb sollte ich das denn auch noch machen?«

Der Mathematikdidaktiker Christian Spannagel hat auf dem Kongress zum Lernen mit digitalen Medien (DigiLern) eine Keynote gehalten, in der er der Frage nach geht, welche Vorteile die Integration von Web 2.0 in die Schule haben kann.

Das Referat lohnt sich anzusehen, es dauert zwar knappe 40 Minuten (ohne Fragen), ist aber sehr aufschlussreich.

Lesen 2.0

Texte zu verteilen, Lernende Texte lesen zu lassen und die Texte im Unterricht zu besprechen ist eine erprobte, bedeutsame Unterrichtsmethode. Im Umgang mit Texten hört man häufig, dass »Print nicht tot« sei, dass man weiterhin Texte auf Papier lesen werde.

Neue Displays und Geräte ermöglichen nun aber ein Leseerlebnis, bei dem digitales Lesen nicht mehr von dem Lesen auf Papier zu unterschieden ist. Deutlich macht das z.B. die Vergleichsseite für das neue iPad, wo die Auflösung  getestet werden kann:

Auflösung iPad2 und iPad (3. Generation). Klicken für größeres Bild.

In Zukunft, so kann man sicher sagen, werden Schülerinnen und Schüler Unterrichtsmaterialien auf digitalen Geräten lesen (die Frage, welche Hürde der Betrieb solcher Geräte darstellt, erörtere ich später). Dieses Leseerlebnis unterscheidet sich aber in weiteren Punkten vom herkömmlichen:

1. Lesen wird interaktiv

Amazons Kindle-Bücher ermöglichen auf allen Geräten (Kindle gibt es auch für andere Plattformen als Amazons eigene, z.B. auch fürs iPad und iPhone) das Nachschlagen von unbekannten Wörtern in einem Wörterbuch oder im Internet.

Nachschlagefunktion auf Kindle for iPhone
Nachschlagefunktion auf Kindle for iPhone

Diese Funktionalität kann vielseitig eingesetzt werden: Z.B. im Fremdsprachenunterricht, wo unbekannte Wörter automatisch einem Lernprogramm hinzugefügt werden können, im Mathematikunterricht, wo Beweise oder alternative Darstellungen mit einem Textbuch verknüpft werden können, in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, wo Lexikoneinträge oder komplexere Zusammenhänge »hinter« dem Text stehen könnten.

2. Lesen wird sozial

In der Kindle-App ist es möglich, Passagen zu unterstreichen. Diese »Highlights« können auf einen Server bei Amazon geladen werden. Amazon wertet die Daten aus und bietet einem an, die am meisten markierten Passagen automatisch einzublenden. Das erzeugt das etwas gespenstische Gefühl, dass viele Leute eine Passage wichtig fänden – man also jetzt etwas sehr Bedeutsames lesen werde. Das sieht dann wie folgt aus:

»Highlight«-Passage in Kindle-App für iPhone.
»Highlight«-Passage in Kindle-App für iPhone.

Amazon führt Best-Of-Listen, die aus diesen Passagen erstellt werden, eine für die am meisten markierten Passagen (»Because sometimes things happen to people and they’re not equipped to deal with them.«), eine für die am meisten markierten Bücher (Bibel):

Am meisten markierte Bücher, Stand: März 2012.
Am meisten markierte Passagen, Stand: März 2012.

Auch daraus ließen sich viele Möglichkeiten für den Unterricht gewinnen: Schülerinnen und Schüler könnten z.B. Passagen markieren, die sie nicht verstehen. Oder solche, die sie wichtig finden.

3. Lesen wird dialogisch

Die Möglichkeiten der Interaktion und der sozialen Vernetzung geben einer Lehrperson die Möglichkeit, den Leseprozess von Lernenden wahrzunehmen und von diesem Prozess direkte Rückmeldungen zu erhalten, die wiederum verarbeitet werden können. Fragen könnten zur Unterrichtsvorbereitung genutzt werden – und zwar bereits vor der Stunde. Es wäre wahrnehmbar, wofür die Schülerinnen und Schüler sehr viel Zeit aufwenden wollen oder müssen – und wofür wenig. Es wäre möglich, einer Lehrperson über das Lesen Feedback zu geben etc.

4. Und die Risiken?

Es ist wohl ein Axiom der technischen Entwicklung: Der Preis, der für den Fortschritt bezahlt werden muss, entspricht ungefähr dem Nutzen des Fortschritts. Dieser Preis besteht beim »neuen Lesen« aus zwei Komponenten:

  • Lesen ist kein privater Prozess mehr, sondern ein öffentlicher. 
    Es wird sichtbar, wie lange man liest, was man liest, was man unterstreicht etc.
  • Lesen wird aufwändiger. 
    All diese Vorteile des »Lesens 2.0« erfordern immer auch eine bestimmte Tätigkeit: Schülerinnen und Schüler müssen Wörter auch wirklich nachschlagen, Lehrpersonen müssen die Feedbacks auswerten etc.

Der Cyber-Mobbing-Fall »Clementi«

In den USA hat sich ein 19-jähriger Student das Leben genommen, nachdem er auf Twitter von einem Mitbewohner blossgestellt worden ist. Tyler Clementi wurde zusammen mit einem Liebhaber in seinem Zimmer gefilmt, die Filme wurden auf Twitter verbreitet. Der Täter war sein Mitbewohner im College.

Die NZZ schreibt zur Bedeutung des Falls:

War es nur ein Dummejungenstreich? Oder ein böswilliger und im Endeffekt tödlicher Akt im Zeitalter von Cyber-Mobbing? Das Urteil, das die zwölfköpfige Jury letzte Woche im Fall des angeklagten Studenten Dharun Ravi fällte, ist dazu angetan, die Rechtsprechung zu verändern. Ravi, der seinen neuen Mitbewohner Tyler beim Rendez-vous mit einem Liebhaber mit der Webcam ausspioniert und den intimen Moment via Twitter öffentlich gemacht hatte, war unter anderem der Invasion der Privatsphäre und – was im Strafmass besonders schwer wiegt – der Diskriminierung aufgrund der homosexuellen Orientierung, sprich eines sogenannten hate crime angeklagt. Er wurde in allen Punkten der Anklage schuldig gesprochen. Ravi könnte bis zu zehn Jahren Haft erhalten.

Die Frage, ob ein Selbstmord »verursacht« worden ist, scheint mir juristisch diffizil zu sein. Es bleiben aber folgende Erkenntnisse über Mobbing im Kontext von Social Media:

  1. Alles was sich an einer Schule (und in einem sozialen Rahmen) abspielt, kann öffentlich gemacht werden.
  2. Mobbing kann auch mit der Drohung des Veröffentlichung von Privatem stattfinden.

 

Zusammenarbeit mit Online-Tools – warum Google Docs die beste Lösung ist

Unterrichtsprojekte erfordern oft das Zusammenarbeiten mehrerer Schülerinnen und Schüler oder zwischen Schülergruppen und Lehrpersonen. Im einfachsten Fall – von dem wir hier ausgehen wollen – geht es darum, Textdokumente miteinander zu erstellen. Folgende Eigenschaften wären zu erwarten:

  1. alle können Dokumente bearbeiten
  2. die Zusammenarbeit in in Realtime möglich, d.h. alle können gleichzeitig daran arbeiten
  3. alle Veränderungen werden dokumentiert
  4. alle Veränderungen können rückgängig gemacht werden (z.B. über eine Versionskontrolle)
  5. die Dokumente sind vom Zugriff Unberechtigter geschützt.

Der Punkt B. ist derjenige, der innovative Lösungen erfordert: Verbreitete Plattformen wie z.B. BSCW oder Educanet bieten zwar eine Ablage von Dokumenten und bieten Interaktionsmöglichkeiten, können aber nicht sicher stellen, dass die Kollaboration zur gleichen Zeit erfolgt. Wer ein Dokument bearbeitet, weiß nicht, wer dieses Dokument gleichzeitig auch noch bearbeitet. (BSCW und Educanet bieten natürlich darüber hinaus andere Funktionen.)

Ideale Lösungen gibt es einige. Sehr einfach zu handhaben sind z.B. TypeWithMe und Writeboard: Sie erfordern keine Anmeldung und kein Einarbeiten und bieten doch alles, was man braucht, um gemeinsam Texte zu schreiben.

Die ideale Lösung hingegen ist Google Docs.

Ich beginne mit einem Beispiel: Hier habe ich im Unterricht auf dem Projektor mit der Klasse begonnen, eine Zitaterörterung zu schreiben. Die Schülerinnen und Schüler sollen diese Erörterung weiterschreiben – indem alle das Dokument bearbeiten, das ich dann wiederum runterladen und editieren kann, um ein Arbeitsblatt zu gestalten. Um Dokumente zu bearbeiten braucht man nicht einmal ein Konto, idealerweise bieten Schulen ihren Schülerinnen und Schülern aber solche Konten an. Google Docs bietet weitere Vorteile:

  1. Einfache Kontrolle über kollaborativ oder privat verwendete Dokumente.
  2. Einfache Möglichkeiten, Dokumente in Gruppen zu bearbeiten und zu publizieren.
  3. Alle Formen von Dokumenten (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationen) sind möglich.
  4. Alle Formen von Dokumenten sind hochladbar, editierbar und speicherbar.
  5. Google Docs ersetzt den Memory-Stick und den Cloudservice: Die Dokumente sind im eigenen Konto immer verfügbar.

Der Nachteil ist, dass Google die abgelegten Dokumente scannt und für Werbezwecke verwendet.

Über weitere Hinweise auf sinnvolle Tools freue ich mich.

Schule in der Informationsgesellschaft


Auf der Seite Schule in der Informationsgesellschaft wird ein Poster bereitgestellt, mit dem die Entwickler folgende Ziele haben:

Das Poster „Schule in der Informationsgesellschaft“ soll dazu anregen, über die aktuelle und künftige Rolle digitaler Medien in der Schule nachzudenken. Es kann als Grundlage für die gemeinsame Diskussion in schulinternen Arbeitsgruppen und Weiterbildungen dienen. Das Poster wurde vom Institut für Medien und Schule der PH Zentralschweiz – Schwyz und mit Unterstützung der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften entwickelt.

Die Initianten formulieren auf ihrer Seite drei Einsatzmöglichkeiten, z.B. »Vorteile und Nachteile abwägen«:

  1. Schauen Sie sich das Poster an und stellen Sie sich vor, dass Ihre Schule in fünf Jahren so aussehen würde. Ist das eine wünschenswerte Vorstellung oder sehen Sie das eher kritisch?
  2. Kleben Sie sprechblasenförmige Notizzettel auf das Plakat, auf die Sie mit einem grünen Stift positive Aspekte schreiben und mit einem roten Stift negative Aspekte, die sie von so einer Entwicklung erwarten würden.
  3. Überlegen Sie sich Massnahmen, die nötig wären, um die Entwicklung von der heutigen Situation in Richtung der positiven Aspekte voranzutreiben. Denken Sie über Massnahmen nach, um die möglichen negativen Aspekte zu vermeiden. Schreiben Sie diese Massnahmen auf quadratische Klebezettel und heften Sie sie neben die entsprechenden Sprechblasen.
  4. Versuchen Sie, die Massnahmen gemeinsam zu priorisieren. Was sind wichtige und was weniger wichtige Massnahmen? Kleben Sie zunächst individuell 3 Klebepunkte auf die für Sie wichtigsten Massnahmen. Diskutieren Sie dann in der ganzen Gruppe, ob sich damit eine mögliche Strategie für Ihre Schule ergibt.

Das Poster ist sehr hoch aufgelöst, die Originalfiles finden sich hier: jpg (11 MB)pdf (12 MB). Es darf unter der Lizenz CC BY-NC 3.0 verwendet werden.

Schule in der Informationsgesellschaft

Studie: Schweiz im Internet (IPMZ)

Im Zusammenhang mit dem World Internet Project hat das IPMZ 2011 zwei Studien durchgeführt:

  • Internet und Politik in der Schweiz (pdf)
  • Internetverbreitung und digitale Bruchlinien in der Schweiz (pdf).

Die erste Studie ist vor allem in Bezug auf die Meinungsäußerungsfreiheit interessant. Nur rund die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer ist der Ansicht, im Internet solle die Regierung frei kritisiert werden dürfen, bei politischer Meinungsäußerung im Internet fühlen sich sehr viele nicht wohl:

Die zweite Studie zeigt die Gefahr der digital divide (dt. digitale Kluft) in der Schweiz auf. Damit meint man das Problem, dass durch das Internet ein ungleicher Zugang zu Informationen und Technologien entsteht, der soziale Unterschiede vergrößert (wer kein Internet hat, kann seine Situation nicht verbessern).

Dabei sind für die schulische folgende Ergebnisse relevant:

  1. Menschen sind aus folgenden Gründen nicht im Internet:
    1) Sie interessieren sich nicht dafür.
    2) Sie besitzen nicht die nötigen technischen Voraussetzungen.
    3) Sie verstehen die Technik nicht.
    Für Schülerinnen und Schüler geht es wohl hauptsächlich um  Punkt 1): Sie müssen ein Interesse am Internet, an digitalen Medien und Social Media entwickeln. »Müssen« mag stark klingen – wer aber dieses Interesse nicht entwickeln kann, läuft Gefahr, entscheidende Kompetenzen zu verpassen (wie das auch Menschen passiert, die sich für Rechtschreibung, Literatur oder Mathematik nicht interessieren).
  2. Viele Menschen schätzen sich selber als kompetent ein, jedoch nicht als sehr kompetent. Verbreitet scheinen Basiskompetenzen zu sein, welche die Schule durchaus erweitern und vergrößern könnte – es wäre zu fragen, welcher spezifische Beitrag die Schule überhaupt zu diesen Kompetenzen leistet.
  3. Jugendliche fühlen sich weniger kompetent als junge Erwachsene.

Wie sollen Lehrerinnen und Lehrer auf Social Media / im Internet präsent sein?

Wie schon in Bezug auf die Präsenz von Schulen rate ich auch hinsichtlich dieser Frage zu großer Zurückhaltung. Jede einzelne Präsenz (damit meine ich: jedes Profil auf jeder einzelnen Plattform) muss betreut werden:

  • sozial: Fast alle Profile bieten die Möglichkeit der sozialen Vernetzung, man muss also entscheiden, mit wem man sich vernetzen will und mit wem nicht.
  • inhaltlich: Die Profile müssen mit Inhalten befüllt werden, auf inhaltliche Anregungen muss reagiert werden.
  • kommunikativ: Jedes Profil bietet die Möglichkeit der Kontaktaufnahme, Nachrichten müssen gelesen und beantwortet werden.

Wer Profile betreibt, ohne sie zu betreuen, verärgert Menschen, die eine Aufwand betreiben, um einen Kontakt herzustellen oder eine Mitteilung zu verschicken.

Ich werde die Frage konkret in Abschnitten beantworten, die einzelne Komponenten der Präsenz beleuchten.

(1) Privatperson oder Lehrperson? 

Social Media Guidelines (hier z.B. ein Vorschlag für Lehrpersonen) machen deutlich, dass auch private Profile automatisch mit der beruflichen Tätigkeit verbunden werden. Selbst wenn die Profile anonym erstellt werden, besteht die Möglichkeit der Identifizierung und damit der Verbindung von scheinbar Privatem mit Beruflichem. Generell wirken heute anonymisierte Profile oder solche mit Pseudonymen unprofessionell und suspekt.

Grundsätzlich sollte man sich bei jeder Form von Aktivität überlegen, ob man dazu auch als Lehrperson, im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, mit der Schulleitung und Behörden stehen kann. Meine Empfehlung: Tendenziell eher vorsichtig sein.

Selbstverständlich hat man – auch arbeitsrechtlich – das Recht, privat seine Meinung beliebig zu äußern.

(2) Facebook: Mit Schülerinnen und Schülern befreundet sein oder nicht? 

Die Frage würde ich völlig offen lassen – die Antwort darauf hat aber Konsequenzen:

Wer ein eher offenes Profil betreibt, sollte dies konsequent tun und nur Inhalte veröffentlichen, die ganz öffentlich sein dürfen. Je mehr Menschen Einblick haben, desto größer ist die Gefahr, dass sich der Adressatenkreis nicht beschränken lässt. Ich persönlich ziehe diese Variante vor: Mein Facebook-Profil enthält nichts Geheimes oder Privates, grundsätzlich muss ich nicht überlegen, ob ich Freundschaften annehmen oder ablehnen soll.

Der Vorteil der FB-Freundschaft mit Schülerinnen und Schülern ist die Möglichkeit der niederschwelligen Kommunikation, was ich hier schon einmal dokumentiert habe. Es gibt Lehrpersonen, die dafür eigene FB-Profile einrichten – was sinnvoll ist, wenn man dem Anschein entgegentreten will, auf FB zu private Freundschaften zu pflegen. (Allerdings gilt es immer noch zu bedenken, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigene Profile auf FB vor Lehrpersonen schützen wollen – Privatsphäre gibt und braucht es auf beiden Seiten.)

Ein privates Profil muss sauber verwaltet werden: Von den Privacy-Einstellungen bis zur sorgfältigen Pflege der Freundschaftsliste muss sicher gestellt werden, dass Privates sicher privat bleibt.

Es besteht die Möglichkeit, ein Lehrerprofil auf FB als Zweitprofil zu betreiben. Diese Möglichkeit wird in einem Welt-Artikel am Beispiel von Marie-Theres Johannpeter beschrieben, die sich ein Profil als »Frau Johannpeter« eingerichtet hat. Dieses Modell wurde an einigen deutschen Schulen als einzige Möglichkeit, wie Lehrpersonen mit Schülerinnen und Schülern virtuell »befreundet« sein dürfen, festgelegt.

(3) Unterrichtsmaterialien bereitstellen

Viele Schulen unterhalten eigene interne Plattformen, auf denen Lehrpersonen Materialien veröffentlichen. Sinnvoll wäre es aber, ausgewählte Inhalte öffentlich zugänglich zu machen, z.b. als Open Educational Resources (OER).

Dafür eigenen sich Homepages, hier drei Beispiele von Deutschlehrpersonen, die an Gymnasien unterrichten:

Diese Seiten erscheinen grafisch und inhaltlich alle komplett anders, verfolgen auch unterschiedliche Ziele, stimmen aber darin überein, gewisse Inhalte zugänglich zu machen und sie mit dem Namen der Lehrperson zu verbinden (die Form der Homepage erlaubt es auch, sich als Person zu verkaufen).

Diese Art von Transparenz und Mehrwert ist eine Qualität und sollte optional genutzt werden können – empfiehlt sich heute aber nur Lehrpersonen, die Spass am Betreiben von kleinen Webseiten haben. Der Aufwand ist nicht besonders groß.

(4) Twitter: Braucht man das? 

Twitter ist eine so genannte Microblogging-Plattform. Einfach erklärt verschickt man – und liest man –  SMS-Mitteilungen, die öffentlich sind. Das klingt zunächst paradox, gibt einem aber die Möglichkeit, interessante Links zu verbreiten. Kurze Statements ermöglichen aber auch ein Gedankenaustausch – mit Schülerinnen und Schülern, aber auch mit anderen Lehrpersonen und der Öffentlichkeit.

Hier ein Beispiel von mir:

http://twitter.com/dominik_merz/status/182831342088749056

Auch für Twitter gilt: Es ist eine optionale Ergänzung des Unterrichts und der Präsenz im Internet. Twitter muss gepflegt werden, weil man auch ansprechbar ist und öffentlich erwähnt werden kann: Man muss also wissen, was über einen gesagt wird.

Hier gibt es eine gut geschriebene, verständliche Einführung zu Twitter von Sandro Würmli.

(5) Ein eigenes Blog

Blogs können – als Mischung zwischen Homepage und Twitter – als Unterrichtsergänzung und persönliche Plattform ebenfalls eingesetzt werden. Sie brauchen kein technisches Know-How und erlauben die unkomplizierte Publikation kurzer Texte, von Links und Kommentaren. Sie bieten zudem die Möglichkeit, dass auch andere sich zu den Blogposts äußern können – was wiederum erfordert, dass diese Kommentare gelesen und moderiert werden.

(6) Chat

Chatprogramme (Skype, Live Messenger, Facebook Chat) ermöglichen unter Umständen einen digitalen Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. Es mag Situationen geben, in denen dies erwünscht ist – und andere, in denen diese Möglichkeit eher ärgerlich ist. Die Möglichkeit, Projekte per Chat zu betreuen, würde ich aber durchaus situativ in Betracht ziehen.

(7) Und was gibts sonst noch so?

Ich stelle hier regelmäßig weitere Netzwerke vor. Viele von Ihnen sind spezialisert – z.B. auf Fotographien (Instagram, Pinterest, Flickr) oder  auf Örtlichkeiten (Fourquare). Viele dieser Services sind nicht besonders betreuungsintensiv – setzen aber ein entsprechendes Interesse voraus.

Andere sind in ihren Grundzügen Facebook sehr ähnlich (Google Plus, Linkedin, Xing) – für sie gilt, was für Facebook gilt, mit der Ausnahme, dass viel weniger Menschen auf ihnen vertreten sind.

Fazit

Für alle Aktivitäten sind die Punkte zu beachten, die ich in den Social Media-Guidelines formuliert habe: Es ist wichtig, professionell aufzutreten. Das heißt insbesondere, dass man im Internet dann in Erscheinung treten sollte, wenn es einem ernst ist, man konkrete Ziele verfolgt und man kompetent genug dafür ist. Versuche mit Twitter, wie sie nach Twitterschulungen häufig erfolgen, scheinen mir nur dann sinnvoll, wenn langfristig die Motivation besteht, den Dienst zu nutzen. Ein verwaistes Profil sollte gelöscht werden – es bietet nur nur die Möglichkeit, als fehlende Kompetenz interpretiert zu werden.

Andererseits bieten fast alle Dienste, die es gibt, die Möglichkeit, die berufliche Tätigkeit von Lehrpersonen zu unterstützen und zu ergänzen – wenn man bereit ist, den nötigen Aufwand in Bezug auf Vernetzung, Inhalte und Monitoring zu betreiben.

Ein Beispiel

Ich selber nutze sehr viele verschiedene Möglichkeiten zur Interaktion mit Schülerinnen und Schülern sowie zur Präsentation von Gedanken und Inhalten. Was fehlt ist eine klare Strategie zur Publikation von Unterrichtsmaterialien, daran arbeite ich noch.
Hier eine Übersicht:

  1. Mein persönliches Blog: philippe-wampfler.com
    Ich veröffentliche dort hauptsächliche wissenschaftliche, politische und ästhetische Hintergrundberichte und -kommentare und dokumentiere Gedanken oder Inhalte, mit denen ich mich beschäftige – selten, aber ab und zu mit Unterrichtsinhalten verbunden (hier ein Beispiel zum Thema »Freiheit« im Schwerpunktfach Philosophie).
  2. Meine persönliche Seite: philippe-wampfler.ch
    Hier präsentiere ich mich als Person, dokumentiere Projekte, Texte und Vorträge und verlinke auf meine anderen Präsenzen. Die Verbindung mit dem Unterricht ist hier fast nicht vorhanden.
  3. Mein Facebook-Profil
    Hier veröffentliche ich Blogposts sowie meistens unterhaltsame Fundstücke aus dem Internet. Ich beteilige mich selten an Diskussionen über FB, hingegen nutze ich die Message- und Chat-Funktion, um Schülerinnen und Schüler mit wichtigen Meldungen zu kontaktieren, die sie sofort erfahren müssen (z.B. wenn ich krank bin, informiere alle Schülerinnen und Schüler per Mail und einige per Facebook oder SMS, damit sie sicher sehen, dass sie nicht in die Schule kommen müssen). Ich nehme alle Freundschaftsanfragen von Schülerinnen und Schülern an, frage hingegen aktiv keine an.
  4. Mein Twitter-Konto
    Ich publiziere interessante Links und äußere meine Meinung zum Zeitgeschehen. Zudem nehme ich an Debatten teil, auch mit Schülerinnen und Schülern. Ich folge allen SchülerInnen, deren Konto mir bekannt und nicht privat ist, um mein Interesse zu signalisieren.
  5. Weitere Konten wie Google+ habe ich auch, verfolge damit aber keine konkreten Ziele.

Vorstellung: Quora

Die Idee hinter Quora ist schon relativ alt: Auf Quora kann man Leuten Fragen stellen – und Fragen beantworten.

Diese Idee funktioniert dann gut, wenn viele Leute, die sich auskennen, den Dienst nutzen. Das ist bei Quora der Fall. Um etwas genauer zu sein: Leute kennen sich in viele Bereichen aus, nicht in allen. Aber gerade in Bezug auf Technik, Social Media, Kultur, Medizin, Design, Lebenserfahrungen etc. gibt es immer wieder erstaunliche Fragen mit noch erstaunlicheren Antworten. So findet man z.B. eine umfangreich beantwortete Frage dazu, welches denn das beeindruckendste Bild sei, das je photographiert wurde. Zuoberst steht dieses Bild, auf dem die Erde aus einer Distanz von 3.7 Milliarden Meilen zu sehen ist, aufgenommen von Voyager 1 nach 13 Jahren Flugzeit. Die Erde ist darauf nur ein Pixel groß. (Wer sie nicht findet, hier klicken.)

Dass dieses Bild zuoberst erscheint, ist kein Zufall: Es ist nämlich möglich, gute Antworten als solche auszuzeichnen und sie nach oben zu verschieben. Liest man also nun eine Frage, so erscheinen die am besten bewerteten Antworten zuoberst. Es ist möglich, einzelnen Usern zu folgen, aber auch einzelnen Fragen. Man wird dann benachrichtigt, wenn neue Antworten eintreffen und bleibt so auf dem Laufenden. Quora funktioniert leider nur auf Englisch, ermöglicht aber oft, auch auf ungewöhnliche, subjektive und schwierige Fragen gehaltvolle Antworten zu erreichen.

An Quora überzeugt, dass auf die Qualität der Inhalte geachtet wird. So muss man vor dem Stellen einer Frage eine Art Kompetenztest ausfüllen, bei dem man zeigen muss, dass man versteht, wie Quora funktioniert.

So sieht Quora aus:

Direkt nach dem Erscheinen hat sich die Satire-Seite Cwora über die Begeisterung für Quora lustig gemacht. Quora hat aber – auch ohne jede soziale Vernetzung – eine wichtige Funktion, es ist ein hilfreiches Instrument und hat deshalb einen festen Platz im Internet gefunden.

Digitale Einsamkeit

Auf dem Tumblr »Screenshotsofdespair« (Bildschirmfotos der Verzweiflung) werden Ausschnitte aus Social Media-Applikationen gesammelt, die aufzeigen, wie verloren sich Menschen in diesen Programmen fühlen können. Die Bilder, eine Art Kunstprojekt, verdeutlichen ein Paradox: Dass gerade die Verbundenheit über digitale Schnittstellen zu einer radikalen Einsamkeit führen kann.

Hier ein paar Beispiele, alle stammen aus derselben Quelle (aber verschiedenen sozialen Netzwerken):

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Case: Tag der Stadtzürcher Schulen auf Facebook

Am 3. April findet der Tag der Stadtzürcher Schulen statt:

Am 3. April haben Sie von morgens 8 Uhr bis abends 18 Uhr die Gelegenheit, sich die Stadtzürcher Schulen anzuschauen. Freuen Sie sich auf interessante Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern, mit Lehr- und Betreuungspersonen.

Lassen Sie sich beim Besuch der verschiedenen Schulen überraschen: Sie werden Einblick in das Alltagsleben der Schule erhalten. Manche Lehr- und Betreuungspersonen haben zudem gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen spannende Programme zusammengestellt.

Das Organisationsteam bewirbt diesen Tag mit Fensterklebern in der VBZ sowie mit einer Facebook-Page und versucht so, Crossmedia-Effekte zu erzielen.