Das Verbot von Smartphones in Schulen

Eine Lehrperson, die auf Facebook gemobbt worden ist, forderte als Reaktion ein Verbot von Smartphones:

Intelligente Handys sollten in der Schule verboten werden. «Wer glaubt, dass Smartphones nur zum Schreiben von SMS genutzt werden, ist naiv.»

Mit anderen Worten: Das Vorhandensein von technologischen Mitteln schafft die Möglichkeit zu ethisch verwerflichen Handlungen, die an einer Schule nicht geduldet werden sollen und müssen.

Ein solches Verbot gibt es an der Theodor-Storm-Schule in Husum (Deutschland). Die Schulordnung hält fest:

Die Nutzung elektronischer Medien jeglicher Art ist grundsätzlich für Schülerinnen und Schüler auf dem gesamten Schulgelände untersagt. Damit ist auch das Anfertigen von Bild- und Tonaufnahmen nicht gestattet.
Erlaubt ist hingegen die unterrichtliche Nutzung elektronischer Medien in Abstimmung mit der unterrichtenden Lehrkraft.

In einem ausführlichen Blogpost beleuchtet nun ein Schüler der Schule die Geschichte des Verbots und präsentiert die Argumente der Schülerschaft und die der Eltern bzw. der Lehrerschaft. Etwas zugespitzt hält er fest:

In den vergangenen Diskussionen ist es oft so verlaufen, dass wir viele Argumente brachten, es wurde einfach nicht zugehört. Die Eltern und Lehrer brachten uns immer wieder mit der Mobbingkeule zum Schweigen.

Die Argumente der Schülerschaft sind zusammengefasst vier:

  1. Cybermobbing kann nicht mit Verboten bekämpft werden – wer genug kriminelle Energie für Mobbing aufbringen kann, kann auch Verbote umgehen.
  2. Elektronische Medien sind für das Kerngeschäft der Schule, das Lernen, bedeutsam.
  3. Elektronische Medien haben eine wichtige Funktion im Berufsleben, auf das die Schule vorbereitet.
  4. Die Schule kann sich nicht gesellschaftlichen Entwicklungen verschließen.

Ein Medienverbot macht das Schulgelände zu einem Ort, der in puncto Mediennutzung nicht mehr der Lebenswirklichkeit entspricht. Das hilft dem Schüler herzlich wenig. Mit dem Verlassen des Schulgeländes ist er dann drin in der großen medialen Welt und hat am Ort des Lernens – nämlich in der Schule – nur begrenzte Erfahrungen für den sinnvollen Medieneinsatz gesammelt.

Diese Aussage kann man nun durchaus anders sehen: Die Schule kann sehr wohl ein Schonraum sein. Sie entspricht in vielen Hinsichten nicht der Lebenswirklichkeit: Schülerinnen und Schüler sind gehalten, Standardsprache zu sprechen, sich in eingeteilten Klassengruppen zu organisieren, sie werden geprüft und bewertet usw.

Was heißt das in Bezug auf ein Verbot von elektronischen Medien (gemeint sind wohl Mobiltelefone, Laptops und Tablets)?

  • Ein Verbot ist eine Kapitulation. Es zeigt, dass die Verantwortlichen den Schülerinnen und Schülern einen vernünftigen Umgang mit diesen Medien nicht zutrauen.
  • Ein Verbot könnte auch anders formuliert werden – als Profilierung der Schule. Im Blogbeitrag heißt es: »Es ist ja auch nicht so, dass die TSS eine “Bastel- Mal- und Singschule” ist.« Nun könnte die Schule gerade zu so etwas werden: Zu einem Raum, in dem das persönliche Gespräch wichtig ist, die Ruhe, die Reflexion etc. – also zu einem Raum, in dem elektronische Kommunikation ein Störfaktor wäre.
  • Mobbing oder Cybermobbing kann ein Verbot sicher nicht verhindern. Schülerinnen und Schüler werden auch ohne schulische Nutzung von digitalen Medien im Internet präsent sein, sich exponieren und Missbrauch erleben. Das heißt nicht, dass man die Augen verschließen sollte – aber gerade ein Verbot befördert eine Kultur, in der Lehrpersonen die Existenz der virtuellen Welt leugnen und ignorieren können.
  • Geräte zur Nutzung elektronischer Medien sind Instrumente. Sie machen gewisse Handlungen ganz leicht – Cybermobbing braucht keinen Mut und keinen Aufwand. Aber dennoch sind sie nicht der Grund für Mobbing.

Mein Fazit (hier weitere Überlegungen zum Umgang mit Smartphones): Schulen sollen sich die Frage nach einem Verbot explizit stellen – aber niemals den Begriff Verbot verwenden, sondern positiv von der Schulkultur, die angestrebt wird. Es darf nicht so aussehen, als verkünde man eine »Ich stelle mich gegen das Internet«-Parole, wie das der bloggende Schüler formuliert – und es darf auch nicht so sein. Persönlich halte ich aber einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie generell für besser als eine Verweigerung und ein Verbot.

Update 25. Juni 2012:

Die FAZ berichtet über den Umgang mit Handy in Schulen und lässt Kirstin Koch, die Jugendschutzverantwortliche der Stadt Frankfurt zu Wort kommen:

Handys und Internet gehörten nun einmal zum Leben dieser Generation und ließen sich nicht verbannen. „De facto läuft es trotz Verbots doch so: Die Schüler stellen ihr Handy lautlos, stecken es in die Tasche und holen es nach Ende der Stunde auf dem Gang, auf dem Pausenhof oder in der Toilette wieder heraus.“ Sie empfiehlt, das Medium Smartphone „positiv in den Schulalltag einzubringen“, also eine sinnvolle Nutzung aufzuzeigen. Die Schüler könnten per Handy Formeln suchen oder mit der eingebauten Kamera Tafelbilder abfotografieren, sagt Koch.

Mobbing von Lehrpersonen auf Facebook

Der Tages-Anzeiger berichtet heute (iPad-Link, öffnet nicht in jedem Browser), wie Lehrpersonen im Kanton Zürich auf Facebook gemobbt werden:

  • Schülerinnen und Schüler erstellen mit Handy Youtube-Videos von den Lehrpersonen
  • Diese werden auf falschen Facebook-Profilen dieser Lehrpersonen veröffentlicht.

Die Methode ist perfid – die Lehrpersonen sind wohl selbst nicht auf Facebook, wissen also zunächst nicht, was abläuft. Mobbing gegen Lehrpersonen, früher hätte man wohl von »Streichen« gesprochen, ist nichts Neues – neu ist der massive Kontrollverlust durch die Möglichkeiten des Internets. Über jede und jeden von uns können privateste Informationen ins Internet geschrieben werden, ohne dass wir das wissen und ohne dass wir direkt darauf reagieren können.

Wie sollte man reagieren, wenn man im Internet gemobbt wird?

  1. Direkt bei der Plattform eine Löschung der Inhalte beantragen.
  2. Möglichen Tätern mitteilen, dass man eine Löschung der Inhalte innert zwei Tagen erwarte.
  3. Bei schweren Fällen Medienanwälte einschalten.

Fazit im Artikel von Thomas Stierli von der Pädagogischen Hochschule Zürich:

Auch jene, die mit Facebook und Internet nichts am Hut haben wollen, müssen sich heute damit auseinandersetzen.

Facebook und die Missbrauchsgefahr

Bei der Berliner TAZ schreib Christian Gehrke in den letzten Wochen zwei Mal über die Missbrauchsgefahr, die entstehen kann, wenn sich Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler auf Facebook begegnen – eine Position, die auch Christian Füller vertritt. (Vgl. auch diesen Artikel dazu.)

Im Artikel vom 17. Mai formulieren Gehrke und die von ihm zitierten ExpertInnen diese Gefahr wie folgt:

Die nötige Grenze zwischen Lehrer und Schüler droht aus ihrer Sicht zu verwischen. Zu oft seien diese Verbindungen in jüngster Vergangenheit eskaliert, woraufhin Lehrer suspendiert wurden. […]
„Sieht eine Lehrerin auffällige Fotos oder Beleidigungen ihrer Schüler, steht sie vor schwierigen Entscheidungen. Ist das privat oder nicht? Soll sie einschreiten oder nicht?“, fragt sich Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes. Ein Pädagoge sei zur Objektivität verpflichtet. Wenn er nur mit einigen Schülern „befreundet“ sei, sei er nicht mehr unabhängig, meint Meidinger. […]
Facebook fördert Täter immens – behauptet die Psychotherapeutin Julia von Weiler. Sie kämpft seit Jahren in dem Verein „Innocence in danger“ aktiv gegen Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch im Netz. „Das ist eine große Möglichkeit, um die Verbindungen mit potenziellen Opfern zu verstärken und intim werden zu lassen, durchgängig und unausweichlich, 24 Stunden am Tag“, erklärt von Weiler. „Wenn wir über Facebook kommunizieren, sehen wir den Gesprächspartner nicht und interpretieren in seine Antworten etwas hinein. Das kann gefährlich werden, weil wir den Computer abschalten können, aber nicht unseren Kopf“, sagt die Psychotherapeutin.

Die Aussagen lassen sich zu vier Argumenten verdichten:

  1. Soziale Netzwerke erschweren es Lehrpersonen, innerhalb der professionellen Grenzen ihres Berufs zu agieren.
  2. Soziale Netzwerke schaffen Ungleichheiten zwischen Beteiligten und Unbeteiligten.
  3. Soziale Netzwerke werden bei Missbrauchsfällen häufig genutzt.
  4. Potentielle Täter werden durch soziale Netzwerke in Versuchung geführt.

Besonders das letzte Problem spricht auch eine von Gehrke später interviewte Expertin, die Psychologin Ethel Quayle an:

Und es geht zum Beispiel darum, welche Form und Inhalte digitaler Bilder nicht länger der professionellen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler angemessen sind. Daraus ergibt sich dann beispielsweise häufig die Frage, wann der Erwachsene die Grenze überschreitet und eine romantische oder explizit sexuelle Beziehungen zu SchülerInnen beginnt. […]

In der Onlinekommunikation haben strategisch agierende Täter noch größere Vorteile gegenüber Jugendlichen, die eben nicht strategisch, sondern authentisch auf der Suche sind. Daraus ergeben sich mehr Möglichkeiten für Grenzüberschreitungen. Die Grenzüberschreitungen selbst sind denen in der Offlinewelt sehr ähnlich, und die meisten von uns erkennen, wo die Risiken liegen. Nämlich da, wo ein Lehrer zum Freund wird und beginnt, persönliche oder sexuelle Inhalte zu teilen. Hier lauert die Gefahr – dass LehrerInnen ihre Überlegenheit als einflussreiche Erwachsene über einen minderjährigen Schüler ausnutzen können.

Quayle spricht auch ein Argument an, das man generell für die Gegenposition vorbringen könnte. Gehrke hat im ersten Artikel einen Chemielehrer mit den Worten zitiert:

Idioten unter Lehrern, die mit ihren Schülern etwas anfangen wollen, würde es auch ohne Facebook geben. Die suchen auch so ihre Möglichkeiten.

Man könnte zum Schluss kommen, dass Facebook und die »reale Welt« nicht gesondert, sondern identisch seien: Missbrauch ist juristisch festgelegt und findet unter gewissen Bedingungen statt, die sich nicht dadurch verändern, wie kommuniziert wird.

Welche Sicht ist die richtige? Für sichere Aussagen fehlen meiner Meinung nach empirische Untersuchungen. Mutmassungen helfen nicht weiter. In meinen Empfehlungen habe ich festgehalten, dass ich Facebook und Twitter dann sinnvoll und unproblematisch finde, wenn die Kommunikation zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen/Schülern öffentlich einsehbar ist. Also: Eltern, Mitschülerinnen und Mitschüler und andere Lehrpersonen können mitlesen. Dies würde ich auch Schulen als Richtlinie empfehlen, andere, »private« Freundschaften zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen/Schülern würde ich nicht empfehlen. Eine scharfe Abgrenzung scheint mir schwierig: Lehrpersonen können Schülerinnen und Schüler auch privat kennen, bevor sie ein professionelles Verhältnis aufgenommen haben; gerade die vertrauensvolle Beratung in Krisensituation kann es erforderlich machen, dass schnell und nicht-öffentlich kommuniziert werden kann – etwas, was ja auch per Telefon oder SMS möglich ist.

Ganz grundsätzlich muss man über Facebook an Schulen reden und besprechen, wie man damit umgeht. Die Gefahr, dass pädophil veranlagte Lehrpersonen sich Opfer unter ihren Schülerinnen und Schülern suchen, kann man nicht durch Reglemente oder Verbote bannen. Lehrpersonen haben das Recht, privat soziale Medien zu nutzen – und Schülerinnen und Schüler ebenfalls. Wer meint, diese Profile ließen sich unsichtbar machen, kennt sich nicht aus. Wir hinterlassen Spuren im Netz und bieten Kontaktmöglichkeiten – das ist gerade die Idee von Kommunikation. Dass diese Kontaktmöglichkeiten missbraucht werden können, ist eine Tatsache – ihr kann man nur mit einem offenen Klima und zielgerichteter Prävention begegnen. Auch die Einrichtung von speziellen Lehrerprofilen auf Facebook ist keine Lösung für dieses Problem – weil auch sie die Möglichkeit bieten, privat Nachrichten und andere Medieninhalte auszutauschen.

Ist Kommunikation im Internet zu kompliziert?

In einem kurzen Post auf der ZDF-Plattform Hyperland schreibt Julius Endert über die Frage, ob das Internet zu kompliziert sei. Dafür spreche folgender Zusammenhang:

Das Internet vereinfacht die Kommunikation nicht, im Gegenteil: Sie wird beliebig kompliziert, funktioniert wahlweise realtime oder asynchron. Wer sich sicher sein will, dass seine Botschaft auch wirklich ankommt, sollte immer mindestens zwei Kanäle nutzen. Ein Prinzip, welches schon seit der Erfindung der E-Mail gilt. Typisch ist seitdem der Anruf: “Du, ich habe dir ein Mail geschickt.” Kaum einer, der alle verfügbaren Kanäle kennt oder gar zu nutzen weiß. E-mail, Skype, Messenger, Facebook-Chat, Google-Hangout, Twitter, WhatsApp. Und das ist nur der Anfang.

Andererseits, so Endert, gehe die technische Entwicklung der menschlichen immer voraus:

Sozialwissenschaftler wissen: Die technische Entwicklung läuft den Fähigkeiten der Menschen, damit umzugehen, immer voraus. Künftige Generationen werden den Werkzeugkasten der digitalisierten Kommunikation preisen und sogar noch mehr fordern und mehr Möglichkeiten werden kommen. Denn: Sie befreien uns aus der technisch bedingten Limitierung auf wenige Kanäle. Sie schenken uns eine Palette der vielfältigsten Gesprächsmöglichkeiten.
Der Mensch wird endlich wieder Souverän seines Mitteilungsverhaltens und die Art der Kommunikation entscheidet mit über den Grad der Intimität, die wir eingehen möchten – und wir können darüber frei entscheiden.

Diesen Zusammenhang verdeutlicht das unten stehende Prisma – das die Kommunikation im Internet abbildet. Es ist so kompliziert, dass es immer nur in Ausschnitten betrachtet werden kann. Es zeigt aber, wie genau ich die Bedingungen meiner Kommunikationskanäle steuern kann: Ich kann festlegen, wie intim ein Gespräch sein soll und wie öffentlich es sein soll. Ich kann meinem Gegenüber meine Erwartungen an sein Kommunikationsverhalten klar machen, aber dies auch verweigern. Ich kann offene Kommunikationen führen oder sehr enge, klar definierte.


Für die Schule stellen sich im Anschluss an diese Feststellung zwei Fragen:

  1. Wie kann ein Umgang mit diesen Möglichkeiten gelehrten werden?
  2. Kann und soll man davon ausgehen, dass es in der Kommunikation in zehn Jahren auch eine Alternative zu Social Media geben wird? (Die Frage müsste sich auch Sherry Turkle stellen, denke ich.)

Auf seinem Blog schreibt »Swissroman«:

Nehmen wir die Herausforderung sofort an, denn über kurz oder lang bleibt uns nichts anderes übrig.

Wäre dies tatsächlich der Fall, dann hätte dies auf mehreren Ebenen Konsequenzen für den Schulalltag:

  • Im Deutschunterricht müssten die vermitteln Textsorten stark digital orientiert werden und die neuen kommunikativen Rahmenbedingungen wie Öffentlichkeit einbeziehen. Auch Bewerbungen funktionieren nicht mehr nach dem gelernten Schema.
  • Die Kommunikation zwischen Lehrpersonen und zwischen Lehrpersonen und SchülerInnen müsste frühzeitig auf die Bedeutung der Veränderung überprüft werden. Wenn Lehrpersonen mit SchülerInnen über Facebook kommunizieren, so kann das auch gefährlich werden oder zumindest Unsicherheiten erzeugen.
  • Als dritte Eben müsste das technische Umfeld vorhanden sein, um diese Art von Kommunikation zu ermöglichen.

Die Frage ist in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen: Die Schule läuft Gefahr, in für Jugendlichen wesentlichen Lebensbereichen keine Orientierung mehr anbieten zu können.

Social Media im Unterricht – ohne Computer

Wenn man Social Media hört, denkt man sofort an Facebook, Smartphones, an Menschen vor dem Computer. Die Idee von Social Media ist aber eine andere – die mit gutem Unterricht sehr viel zu tun hat.

Ich versuche das kurz zu skizzieren. Eigentlich geht es um vier Aspekte:

  1. Alle an der Kommunikation Beteiligten können wahlweise aktiv und passiv daran teilnehmen, also Inhalte erstellen und Inhalte konsumieren.
  2. Dadurch verändert sich die Rolle der Lehrperson, die Prozesse begleiten kann, aber nicht exklusiv für Inhalte zuständig ist. Ihre Hauptaufgabe ist nicht mehr das Bereitstellen von Inhalten, sondern die Begleitung im Umgang mit diesen Inhalten, das Coaching.
  3. Zudem verläuft die Kommunikation zwischen allen Teilnehmenden – Schülerinnen und Schüler kommunizieren direkt miteinander und nicht via die Lehrperson.
  4. Dieses Lernen ist dann nicht mehr ortsgebunden und findet nicht mehr nur im schulischen Kontext statt, sondern verbindet private Lernphasen mit schulischen.
John Trevor Custis, Francis M. Drexel School in Philadelphia. 1898. Wikimedia Commons.
Dazu lässt sich immer schön Brechts Ideal in seiner Radiotheorie von 1930 zitieren:
Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.

Die Schülerinnen und Schüler sollen »in Beziehung gesetzt« werden. Das ist Social Media.

Ein aktuelles Beispiel dazu findet sich in einem Artikel zum »Virtual Linguistics Campus« an der Universität Marburg. Der zitierte Professor, Jürgen Handke, kommentiert das Konzept des »inverted classrooms« wie folgt:

Dennoch kann auf das persönliche Erscheinen im Vorlesungssaal oder Seminarraum auch hier nicht ganz verzichtet werden: Denn das gemeinsame Üben sei immens wichtig, betont Anglistik-Professor Handke. Die Inhalte, die sich die Studenten im Netz aneignen, werden deshalb in einer Präsenzveranstaltung an der Uni vertieft. Das ist Phase zwei des „umgekehrten Klassenzimmers“.

Ganz ohne direkten Kontakt zum Professor geht es also nicht. „Der hat allerdings eine völlig neue Funktion“, sagt Handke und ist ganz offensichtlich begeistert: „Er ist der Begleiter, denn er begleitet die Studierenden beim Üben und Diskutieren. Und die Diskussionen – die sind viel lebhafter als sonst!“

Letztlich hieße Social Media in der Schule, dass Schule ohne Gadgets und Computer stattfindet – dass aber zuhause am und mit dem Computer gelernt wird.

Darf sich die Schule in die Social Media-Aktivitäten ihrer Schülerinnen und Schüler einmischen?

Ein Blogpost von Matt Levinson auf Mindshift geht der Frage nach, wie Eltern und die Schule mit Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen auf sozialen Netzwerken umgehen sollen.

Die Frage ist zunächst, ob es sich dabei um eine Aufgabe der Eltern handelt, um die sich die Schule so lange nicht kümmern muss, wie sie nicht Unterrichtsgegenstand ist. Tatsächlich lassen sich aus verschiedenen Gründen die Online-Aktivitäten an der Schule von privaten nicht mehr trennen:

  • Mit mobilen Geräten sind Schülerinnen und Schüler auch an der Schule mit privaten und zuhause mit schulischen Online-Aktivitäten beschäftigt.
  • Die sozialen Strukturen der Schule werden auch im Netz abgebildet – sowohl in einem privaten wie auch in einem schulischen Kontext.
  • An der Schule wie auch zuhause werden Email-Adressen verwendet, die dann den Zugang zu sozialen Netzwerken ermöglichen. Levinson schreibt, das wichtigste Ziel sei ein offenes Gespräch darüber, was es bedeute, ein Konto- und/oder eine Email-Adresse zu haben:

    [T]he most important goal is to maintain open communication, explaining to kids the responsibility that comes along with having an email account, and the need to ask an adult for help if the child feels uncomfortable with the nature of any online exchange.

Dieses Zitat zeigt, dass die Herausforderungen der digitalen Kommunikation nur in Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule zu meistern sind. Sowohl Schulen wie auch Eltern müssen offen kommunizieren und Regeln festlegen, die transparent sind. Diese Offenheit und Transparenz von Seiten der Schulen ermöglicht Eltern, ihre Erziehungsvorgaben daran anzuschließen und sich zu informieren.

Foto kenstein Flickr, CC BY-NC-ND

Elternabende zu Social Media

Im Interview mit Pressetext hält Tobias Albers-Heinemann, Medienberater und Betreiber des Bogs »Medienpädagogik-Praxis« sein Credo in Bezug auf Social Media fest:

Medienpädagogik heißt in Zeiten von Social Media vor allem, Eltern für die Begleitung ihres Kindes fit zu machen.

Deshalb böten sich Elternabende an, in denen es hauptsächlich darum ginge, bei Eltern das Interesse an Medienpädagogik und Social Media zu wecken – das sei für eine wirkungsvolle Begleitung entscheidender als entsprechende Kompetenzen.

Sehr wichtig scheint mir eine transparente Information der Eltern, wenn Social Media in der Schule eingesetzt werden. Was sollte ihnen vermittelt werden?

  1. Was macht man in der Schule genau?
  2. Wie schützt die Schule die Privatsphäre von Schülerinnen und Schülern?
  3. Wie verhindert die Schule Cybermobbing in Schulprojekten?
  4. Welche Informationen über ihre Kinder sind nach oder während Schulprojekten öffentlich einsehbar?
  5. Welche Infrastruktur brauchen Kinder, um Lernaktivitäten auch zuhause optimal nachgehen zu können?
  6. Welche Lernziele verfolgen Projekte mit neuen Medien?

Wichtig ist auch ein Punkt, den Albers-Heinemann hervorhebt – der als Motto für den Umgang mit Social Medie im schulischen Kontext gelten könnte:

Nutzung heißt aber noch nicht kluger Umgang. Die Frage lautet deshalb, wie weit sich die Schule erlauben darf, nicht auf diesen Zug aufzuspringen und nötige Kompetenzen zu vermitteln.

 

Lesen 2.0

Texte zu verteilen, Lernende Texte lesen zu lassen und die Texte im Unterricht zu besprechen ist eine erprobte, bedeutsame Unterrichtsmethode. Im Umgang mit Texten hört man häufig, dass »Print nicht tot« sei, dass man weiterhin Texte auf Papier lesen werde.

Neue Displays und Geräte ermöglichen nun aber ein Leseerlebnis, bei dem digitales Lesen nicht mehr von dem Lesen auf Papier zu unterschieden ist. Deutlich macht das z.B. die Vergleichsseite für das neue iPad, wo die Auflösung  getestet werden kann:

Auflösung iPad2 und iPad (3. Generation). Klicken für größeres Bild.

In Zukunft, so kann man sicher sagen, werden Schülerinnen und Schüler Unterrichtsmaterialien auf digitalen Geräten lesen (die Frage, welche Hürde der Betrieb solcher Geräte darstellt, erörtere ich später). Dieses Leseerlebnis unterscheidet sich aber in weiteren Punkten vom herkömmlichen:

1. Lesen wird interaktiv

Amazons Kindle-Bücher ermöglichen auf allen Geräten (Kindle gibt es auch für andere Plattformen als Amazons eigene, z.B. auch fürs iPad und iPhone) das Nachschlagen von unbekannten Wörtern in einem Wörterbuch oder im Internet.

Nachschlagefunktion auf Kindle for iPhone
Nachschlagefunktion auf Kindle for iPhone

Diese Funktionalität kann vielseitig eingesetzt werden: Z.B. im Fremdsprachenunterricht, wo unbekannte Wörter automatisch einem Lernprogramm hinzugefügt werden können, im Mathematikunterricht, wo Beweise oder alternative Darstellungen mit einem Textbuch verknüpft werden können, in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, wo Lexikoneinträge oder komplexere Zusammenhänge »hinter« dem Text stehen könnten.

2. Lesen wird sozial

In der Kindle-App ist es möglich, Passagen zu unterstreichen. Diese »Highlights« können auf einen Server bei Amazon geladen werden. Amazon wertet die Daten aus und bietet einem an, die am meisten markierten Passagen automatisch einzublenden. Das erzeugt das etwas gespenstische Gefühl, dass viele Leute eine Passage wichtig fänden – man also jetzt etwas sehr Bedeutsames lesen werde. Das sieht dann wie folgt aus:

»Highlight«-Passage in Kindle-App für iPhone.
»Highlight«-Passage in Kindle-App für iPhone.

Amazon führt Best-Of-Listen, die aus diesen Passagen erstellt werden, eine für die am meisten markierten Passagen (»Because sometimes things happen to people and they’re not equipped to deal with them.«), eine für die am meisten markierten Bücher (Bibel):

Am meisten markierte Bücher, Stand: März 2012.
Am meisten markierte Passagen, Stand: März 2012.

Auch daraus ließen sich viele Möglichkeiten für den Unterricht gewinnen: Schülerinnen und Schüler könnten z.B. Passagen markieren, die sie nicht verstehen. Oder solche, die sie wichtig finden.

3. Lesen wird dialogisch

Die Möglichkeiten der Interaktion und der sozialen Vernetzung geben einer Lehrperson die Möglichkeit, den Leseprozess von Lernenden wahrzunehmen und von diesem Prozess direkte Rückmeldungen zu erhalten, die wiederum verarbeitet werden können. Fragen könnten zur Unterrichtsvorbereitung genutzt werden – und zwar bereits vor der Stunde. Es wäre wahrnehmbar, wofür die Schülerinnen und Schüler sehr viel Zeit aufwenden wollen oder müssen – und wofür wenig. Es wäre möglich, einer Lehrperson über das Lesen Feedback zu geben etc.

4. Und die Risiken?

Es ist wohl ein Axiom der technischen Entwicklung: Der Preis, der für den Fortschritt bezahlt werden muss, entspricht ungefähr dem Nutzen des Fortschritts. Dieser Preis besteht beim »neuen Lesen« aus zwei Komponenten:

  • Lesen ist kein privater Prozess mehr, sondern ein öffentlicher. 
    Es wird sichtbar, wie lange man liest, was man liest, was man unterstreicht etc.
  • Lesen wird aufwändiger. 
    All diese Vorteile des »Lesens 2.0« erfordern immer auch eine bestimmte Tätigkeit: Schülerinnen und Schüler müssen Wörter auch wirklich nachschlagen, Lehrpersonen müssen die Feedbacks auswerten etc.

Wie sollen Lehrerinnen und Lehrer auf Social Media / im Internet präsent sein?

Wie schon in Bezug auf die Präsenz von Schulen rate ich auch hinsichtlich dieser Frage zu großer Zurückhaltung. Jede einzelne Präsenz (damit meine ich: jedes Profil auf jeder einzelnen Plattform) muss betreut werden:

  • sozial: Fast alle Profile bieten die Möglichkeit der sozialen Vernetzung, man muss also entscheiden, mit wem man sich vernetzen will und mit wem nicht.
  • inhaltlich: Die Profile müssen mit Inhalten befüllt werden, auf inhaltliche Anregungen muss reagiert werden.
  • kommunikativ: Jedes Profil bietet die Möglichkeit der Kontaktaufnahme, Nachrichten müssen gelesen und beantwortet werden.

Wer Profile betreibt, ohne sie zu betreuen, verärgert Menschen, die eine Aufwand betreiben, um einen Kontakt herzustellen oder eine Mitteilung zu verschicken.

Ich werde die Frage konkret in Abschnitten beantworten, die einzelne Komponenten der Präsenz beleuchten.

(1) Privatperson oder Lehrperson? 

Social Media Guidelines (hier z.B. ein Vorschlag für Lehrpersonen) machen deutlich, dass auch private Profile automatisch mit der beruflichen Tätigkeit verbunden werden. Selbst wenn die Profile anonym erstellt werden, besteht die Möglichkeit der Identifizierung und damit der Verbindung von scheinbar Privatem mit Beruflichem. Generell wirken heute anonymisierte Profile oder solche mit Pseudonymen unprofessionell und suspekt.

Grundsätzlich sollte man sich bei jeder Form von Aktivität überlegen, ob man dazu auch als Lehrperson, im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, mit der Schulleitung und Behörden stehen kann. Meine Empfehlung: Tendenziell eher vorsichtig sein.

Selbstverständlich hat man – auch arbeitsrechtlich – das Recht, privat seine Meinung beliebig zu äußern.

(2) Facebook: Mit Schülerinnen und Schülern befreundet sein oder nicht? 

Die Frage würde ich völlig offen lassen – die Antwort darauf hat aber Konsequenzen:

Wer ein eher offenes Profil betreibt, sollte dies konsequent tun und nur Inhalte veröffentlichen, die ganz öffentlich sein dürfen. Je mehr Menschen Einblick haben, desto größer ist die Gefahr, dass sich der Adressatenkreis nicht beschränken lässt. Ich persönlich ziehe diese Variante vor: Mein Facebook-Profil enthält nichts Geheimes oder Privates, grundsätzlich muss ich nicht überlegen, ob ich Freundschaften annehmen oder ablehnen soll.

Der Vorteil der FB-Freundschaft mit Schülerinnen und Schülern ist die Möglichkeit der niederschwelligen Kommunikation, was ich hier schon einmal dokumentiert habe. Es gibt Lehrpersonen, die dafür eigene FB-Profile einrichten – was sinnvoll ist, wenn man dem Anschein entgegentreten will, auf FB zu private Freundschaften zu pflegen. (Allerdings gilt es immer noch zu bedenken, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigene Profile auf FB vor Lehrpersonen schützen wollen – Privatsphäre gibt und braucht es auf beiden Seiten.)

Ein privates Profil muss sauber verwaltet werden: Von den Privacy-Einstellungen bis zur sorgfältigen Pflege der Freundschaftsliste muss sicher gestellt werden, dass Privates sicher privat bleibt.

Es besteht die Möglichkeit, ein Lehrerprofil auf FB als Zweitprofil zu betreiben. Diese Möglichkeit wird in einem Welt-Artikel am Beispiel von Marie-Theres Johannpeter beschrieben, die sich ein Profil als »Frau Johannpeter« eingerichtet hat. Dieses Modell wurde an einigen deutschen Schulen als einzige Möglichkeit, wie Lehrpersonen mit Schülerinnen und Schülern virtuell »befreundet« sein dürfen, festgelegt.

(3) Unterrichtsmaterialien bereitstellen

Viele Schulen unterhalten eigene interne Plattformen, auf denen Lehrpersonen Materialien veröffentlichen. Sinnvoll wäre es aber, ausgewählte Inhalte öffentlich zugänglich zu machen, z.b. als Open Educational Resources (OER).

Dafür eigenen sich Homepages, hier drei Beispiele von Deutschlehrpersonen, die an Gymnasien unterrichten:

Diese Seiten erscheinen grafisch und inhaltlich alle komplett anders, verfolgen auch unterschiedliche Ziele, stimmen aber darin überein, gewisse Inhalte zugänglich zu machen und sie mit dem Namen der Lehrperson zu verbinden (die Form der Homepage erlaubt es auch, sich als Person zu verkaufen).

Diese Art von Transparenz und Mehrwert ist eine Qualität und sollte optional genutzt werden können – empfiehlt sich heute aber nur Lehrpersonen, die Spass am Betreiben von kleinen Webseiten haben. Der Aufwand ist nicht besonders groß.

(4) Twitter: Braucht man das? 

Twitter ist eine so genannte Microblogging-Plattform. Einfach erklärt verschickt man – und liest man –  SMS-Mitteilungen, die öffentlich sind. Das klingt zunächst paradox, gibt einem aber die Möglichkeit, interessante Links zu verbreiten. Kurze Statements ermöglichen aber auch ein Gedankenaustausch – mit Schülerinnen und Schülern, aber auch mit anderen Lehrpersonen und der Öffentlichkeit.

Hier ein Beispiel von mir:

http://twitter.com/dominik_merz/status/182831342088749056

Auch für Twitter gilt: Es ist eine optionale Ergänzung des Unterrichts und der Präsenz im Internet. Twitter muss gepflegt werden, weil man auch ansprechbar ist und öffentlich erwähnt werden kann: Man muss also wissen, was über einen gesagt wird.

Hier gibt es eine gut geschriebene, verständliche Einführung zu Twitter von Sandro Würmli.

(5) Ein eigenes Blog

Blogs können – als Mischung zwischen Homepage und Twitter – als Unterrichtsergänzung und persönliche Plattform ebenfalls eingesetzt werden. Sie brauchen kein technisches Know-How und erlauben die unkomplizierte Publikation kurzer Texte, von Links und Kommentaren. Sie bieten zudem die Möglichkeit, dass auch andere sich zu den Blogposts äußern können – was wiederum erfordert, dass diese Kommentare gelesen und moderiert werden.

(6) Chat

Chatprogramme (Skype, Live Messenger, Facebook Chat) ermöglichen unter Umständen einen digitalen Kontakt mit Schülerinnen und Schülern. Es mag Situationen geben, in denen dies erwünscht ist – und andere, in denen diese Möglichkeit eher ärgerlich ist. Die Möglichkeit, Projekte per Chat zu betreuen, würde ich aber durchaus situativ in Betracht ziehen.

(7) Und was gibts sonst noch so?

Ich stelle hier regelmäßig weitere Netzwerke vor. Viele von Ihnen sind spezialisert – z.B. auf Fotographien (Instagram, Pinterest, Flickr) oder  auf Örtlichkeiten (Fourquare). Viele dieser Services sind nicht besonders betreuungsintensiv – setzen aber ein entsprechendes Interesse voraus.

Andere sind in ihren Grundzügen Facebook sehr ähnlich (Google Plus, Linkedin, Xing) – für sie gilt, was für Facebook gilt, mit der Ausnahme, dass viel weniger Menschen auf ihnen vertreten sind.

Fazit

Für alle Aktivitäten sind die Punkte zu beachten, die ich in den Social Media-Guidelines formuliert habe: Es ist wichtig, professionell aufzutreten. Das heißt insbesondere, dass man im Internet dann in Erscheinung treten sollte, wenn es einem ernst ist, man konkrete Ziele verfolgt und man kompetent genug dafür ist. Versuche mit Twitter, wie sie nach Twitterschulungen häufig erfolgen, scheinen mir nur dann sinnvoll, wenn langfristig die Motivation besteht, den Dienst zu nutzen. Ein verwaistes Profil sollte gelöscht werden – es bietet nur nur die Möglichkeit, als fehlende Kompetenz interpretiert zu werden.

Andererseits bieten fast alle Dienste, die es gibt, die Möglichkeit, die berufliche Tätigkeit von Lehrpersonen zu unterstützen und zu ergänzen – wenn man bereit ist, den nötigen Aufwand in Bezug auf Vernetzung, Inhalte und Monitoring zu betreiben.

Ein Beispiel

Ich selber nutze sehr viele verschiedene Möglichkeiten zur Interaktion mit Schülerinnen und Schülern sowie zur Präsentation von Gedanken und Inhalten. Was fehlt ist eine klare Strategie zur Publikation von Unterrichtsmaterialien, daran arbeite ich noch.
Hier eine Übersicht:

  1. Mein persönliches Blog: philippe-wampfler.com
    Ich veröffentliche dort hauptsächliche wissenschaftliche, politische und ästhetische Hintergrundberichte und -kommentare und dokumentiere Gedanken oder Inhalte, mit denen ich mich beschäftige – selten, aber ab und zu mit Unterrichtsinhalten verbunden (hier ein Beispiel zum Thema »Freiheit« im Schwerpunktfach Philosophie).
  2. Meine persönliche Seite: philippe-wampfler.ch
    Hier präsentiere ich mich als Person, dokumentiere Projekte, Texte und Vorträge und verlinke auf meine anderen Präsenzen. Die Verbindung mit dem Unterricht ist hier fast nicht vorhanden.
  3. Mein Facebook-Profil
    Hier veröffentliche ich Blogposts sowie meistens unterhaltsame Fundstücke aus dem Internet. Ich beteilige mich selten an Diskussionen über FB, hingegen nutze ich die Message- und Chat-Funktion, um Schülerinnen und Schüler mit wichtigen Meldungen zu kontaktieren, die sie sofort erfahren müssen (z.B. wenn ich krank bin, informiere alle Schülerinnen und Schüler per Mail und einige per Facebook oder SMS, damit sie sicher sehen, dass sie nicht in die Schule kommen müssen). Ich nehme alle Freundschaftsanfragen von Schülerinnen und Schülern an, frage hingegen aktiv keine an.
  4. Mein Twitter-Konto
    Ich publiziere interessante Links und äußere meine Meinung zum Zeitgeschehen. Zudem nehme ich an Debatten teil, auch mit Schülerinnen und Schülern. Ich folge allen SchülerInnen, deren Konto mir bekannt und nicht privat ist, um mein Interesse zu signalisieren.
  5. Weitere Konten wie Google+ habe ich auch, verfolge damit aber keine konkreten Ziele.

Social Media-Guidelines für Lehrpersonen

Heute hat das ORF seine Social Media-Guidelines veröffentlicht (pdf). Diese Guidelines können einfach auch für Lehrberufe adaptiert werden, was ich im Folgenden tue. Der erste Punkt umfasst einen zentralen Hinweis der BBC. Die Richtlinien halten dazu fest:

Diese Regel hat die BBC ihren Journalistinnen und Journalisten im Umgang mit sozialen Netzwerken auferlegt. Lieber einmal mehr nachgedacht, als später ein Posting bereut. Der informelle Ton in sozialen Netzwerken verleitet dazu, flapsig zu schreiben. Doch wir werden nicht nur als Privatperson im Internet wahrgenommen, sondern auch als ORF-Mitarbeiterin oder Mitarbeiter. Wer seine (politischen) Ansichten in sozialen Netzwerken verbreitet, läuft Gefahr, dass die journalistische Unabhängigkeit und Unparteilichkeit in Frage gestellt werden könnte.
Unsere „Social-Media-Guidelines“ sind Empfehlungen für alle, die sich im virtuellen Raum bewegen – beruflich und privat. Diese Empfehlungen, die wir als Redakteursvertretung ausgearbeitet haben, sollen nicht als Maulkorb missverstanden werden. Sondern im Gegenteil: Sie sollen dazu ermuntern, sich aktiv, aber mit Vernunft in sozialen Netzwerken zu präsentieren.

Hier also die adaptierten Guidelines für Lehrpersonen. Über Hinweise oder Ergänzungen freue ich mich (z.B. in den Kommentaren).

  1. Tue nichts Dummes!
  2. Man ist im Internet nie nur Privatperson, sondern wird als auch Lehrperson wahrgenommen.
  3. Achte auf deinen Ruf und auf den deiner Schule.
  4. Tue nichts, was Zweifel an deiner Qualifikation für den Lehrberuf und an deiner Fairness gegenüber deinen Schülerinnen und Schüler auslösen könnte.
  5. Zeige Fingerspitzengefühl bei politischen, religiösen und anderen heiklen Themen.
  6. Schreibe nichts, von dem du nicht willst, dass es auch morgen oder in einigen Jahren noch auf dem Netz zu finden sein wird.
  7. Soziale Netzwerke sind Werkzeuge, keine Spielzeuge.
  8. Interagiere mit Schülerinnen, Schülern und anderen Lehrpersonen.
  9. Bleibe höflich.
  10. Kümmere dich um deine Privatsphäreneinstellungen.
  11. Halte dich auch im Netz an Gesetze – insbesondere ans Urheberrecht.