In einem MTV-Artikel erklärt Alison Hillhouse die Faszination an Snapchat. Die Smartphone-App erlaubt es, Bilder und Videos zu verschicken – die im Gegensatz zu WhatsApp-Inhalten bei der Empfängerin nicht gespeichert werden, sondern nur eine kurze Zeit sichtbar sind und dann vom Server und den Geräten verschwinden (es gibt aber Möglichkeiten, die Bilder dennoch dauerhaft zu speichern). Die Bilder werden, wie man unten sieht, häufig bemalt und mit Text versehen. Sie können einfach an ganze Gruppe von Adressaten verschickten werden.

Inhalte von Snapchats sind oft Selfies, also Bilder des eigenen Gesichts. Daneben können auch eher zufällige Eindrücke und Objekte fotografiert und verschickt werden.
Hillhouse beschreibt die Neuartigkeit der Kommunikation mit Snapchat wie folgt:
Die App schafft ein neue Art von Nähe und bewahrt dennoch eine gewisse Distanz. Am einfachsten ist es, Snapchat als eine Mischung zwischen alltäglicher Konversation und dem Lesen von Social-Media-Feeds zu beschreiben.
Teenager, so ihre Vermutung, würden sich in einer zunehmend virtuelleren Kommunikationswelt nach dem face-to-face-Kontakt mit anderen sehnen, dabei aber die Möglichkeiten der Distanz, die Social Media ermöglichten, nicht aufgeben wollen. Zudem ist Snapchat äußerst bequem – die App erfordert kaum Aufwand.

Ihre Analyse ergänzt Hillhouse mit Snapchat-Regeln, welche für die Kommunikation unter Jugendlichen gälten (sie stammen aus einem Forum, bei dem Jugendliche ihren Umgang mit der App beschrieben haben):
- Wenn du verliebt bist, schicke zuerst Snaps und schreibe erst später. Snapchat-Nachrichten kann man allen schicken, auch wenn man sie kaum kennt. Am besten ist es, das Eis mit Gruppennachrichten zu brechen, aus denen dann 1:1-Unterhaltungen entstehen können.
- Schicke Menschen, die nicht zu deinen engen Freunden gehören, nicht zu viele Selfies.
- Selfies sollen wenig inszeniert sein, lustig und seltsam – außer in einer romantischen Beziehung. Dort muss der Look und das Licht stimmen.
- Schicke nicht zu viele Snaps. Fünf pro Tag und Person ist eine gute Regel.
- Achte darauf, wo du Snapchat-Inhalte betrachtest: Du weißt nie, was ein Video oder ein Bild zeigt.
- Öffne Snapchat-Nachrichten nie sofort, vor allem wenn du in eine Person verliebt bist. Bei besten Freunden gilt die Regel nicht.
Diese Regeln sind (unabhängig von ihrem konkreten Inhalt) ein schönes Beispiel dafür, dass die Möglichkeit einer nicht normierten, von Erwachsenen unberührten Kommunikationstechnologie automatisch eine Struktur erhält. Gewisse Verhaltensweisen werden nur solche Normen als erwünscht und erwartbar gekennzeichnet, andere abgewertet.
Snapchat selbst zeigt, wie differenziert Kommunikationsvorgänge in Neuen Medien betrachtet werden müssen. Waren Social Media gestern anonym, textlastig und öffentlich, so sind sie heute an Offline-Identitäten gebunden, visuell und privat.

Zusatz 2. Februar: Zwei kleine Ergänzungen und Präzisierungen aufgrund der Kommentare.









