Herausforderungen auf Facebook

Das Prinzip ist einfach: Auf Facebook fordern sich vor allem junge Menschen gegenseitig heraus, ins kalte Wasser zu springen – in Brunnen, Bäche, Seen, Badis. Tun das die Herausgeforderten, dürfen sie weitere Nominationen aussprechen, tun sie es nicht, schulden sie den Herausfordernden etwas – Bier, meistens, es kann aber auch etwas anderes sein. Ursprung der Idee ist wahrscheinlich eine Sammlung für ein krebskrankes Kind in England.

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Der Trend ist mittlerweile so vorüber, dass ihn sogar die etablierten Medien und Politikerinnen und Politiker mitmachen, wie man hier sieht. Das ich nach meiner Meinung gefragt worden bin, hier eine kurze Analyse:

  1. Das Phänomen zeigt, wie Social Media funktionieren: Durch Beziehungen, mit visuellen Inhalten und mit positiven, unterhaltsamen Geschichten, die nicht zu lang sind. Anderen zuschauen, wie sie in einen See springen und wen sie damit in Verlegenheit bringen: Solche Inhalte sind für Facebook ideal.
  2. Das Mem, das verwendet wird, also die Idee, die mediale Verbreitung findet, ist uralt: Auch die klassischen Duelle benutzen die Öffentlichkeit und den Ruf der anderen Person, um sie zu etwas zu zwingen, was sie unter Umständen nicht tun wollte. Viele Wetten unter Jugendlichen funktionieren so, dass es darum geht, das eigene Image vor den Augen eines Publikums zu verteidigen.
  3. Damit sind selbstverständlich auch negative Effekte verbunden: Mobbing benutzt dieselbe soziale Konstellation. Viele schauen wenigen zu, die etwas tun müssen, was sie nicht tun wollen. Fordert man jemanden heraus, der nicht einfach locker in einen Fluss springen will oder kann, so kann das sehr unangenehme Konsequenzen haben. Aber auch diese Art des halb-öffentlichen Übergriffs ist ein Social Media inhärentes Phänomen.

Herausforderungen sind nichts Neues, sind werden medial einfach neu verpackt. Durch die Tatsache, dass alle eine Kamera mit sich führen und wir auch in der Distanz Zeugin oder Zeuge des Sprungs ins Wasser werden können, macht alles viel einfacher.

Aber wie jeder Social-Media-Trend hat auch der eine Halbwertszeit, vor allem, weil es sich letztlich um ein Schneeballsystem handelt: Fordern alle Menschen drei andere heraus, sind sehr schnell alle einmal ins Wasser gesprungen.

 

Nicht ganz so schlimm: Empörung und Sozialkontrolle im Netz

Wenn technophobe Darstellung des »Internets« schwerer abzuliefern sind, dann gibt es eine kleine Chance, dass wir darüber sinnvoll diskutieren können, welche Probleme Technologie lösen kann und welche Probleme sie überhaupt lösen sollte.

Dieses Zitat von Evgeny Morozov (S. 358) macht deutlich, dass nicht allein die optimistische Sprechweise über digitale Kommunikation – die ja im Zuge der NSA-Skandale fast flächendeckend verschwunden ist -, sondern auch die sich wiederholenden Befürchtungen die Aufmerksamkeit von den Fragen abziehen, die für die Zukunft und die Gesellschaft entscheidend sind.

Zwei gute Beispiele sind diese Woche erschienen: Anne Roth beschreibt im FAZ-Blog ihre Widerstände gegen die Sozialkontrolle im Netz, Thymian Bussemer bei Carta wie die »Freiheit« im Netz in »Bedrängung, Gruppenzwang und Drangsalierung« umschlagen könnten. Die folgende Lektüre der beiden Texte geht der Frage, inwiefern damit Mechanismen beschrieben sind, die durch die Digitalisierung der Kommunikation bedingt sind. Sozialkontrolle, Gruppendruck und Mobbing existieren zweifelsohne – aber hat das Netz diese destruktiven sozialen Prozesse beeinflusst oder verändert?

Roth beschreibt das Problem wie folgt:

Mit dem Versprechen einer besseren Welt kam die Erkenntnis, dass mit der Demokratisierung der Öffentlichkeit Meinungen ungebremst aufeinanderprallen, die vorher selten so sichtbar waren. […]
In der digitalen Kommunikation ist viel schwerer, Emotionen sichtbar zu machen. Ein Effekt ist, dass häufig nur negative Reaktionen sichtbar werden, weil Zustimmung selten verbal – oder in diesem Fall schriftlich – ausgedrückt wird.

So werde, das Roths Fazit, die Idee der Meinungsfreiheit im Netz »ad absurdum« geführt, indem die Sozialkontrolle des Dorfes Einzug halte: »alles wird gesehen, alles wird kommentiert«. 

Auch wenn der XKCD-Verweis auf das negative Recht der Meinungsfreiheit dem Staat gegenüber eine begriffliche Schärfung im juristische Sinne erlauben würde, ist Roths Absicht eine andere: Sie will in ihrem Beitrag darauf hinweisen, dass Meinungsbildung bei jungen Menschen abseits des Mainstreams einen Schonraum braucht. Subkulturen brauchen Freiräume, in denen sie experimentieren, Haltungen einnehmen und verwerfen können.

XKCD, »Free Speech«

Dass diese Freiräume im Web nicht existieren, halte ich für eine Perspektive, die sich historisch ergeben hat: War das Web einst ein Ort für Subkulturen, weil es für ein Stammtisch- oder Mainstream-Publikum wenig bereit hielt, hat sich das in den letzten Jahren geändert. Verloren gegangen ist nicht die Möglichkeit der Freiräume im Netz, sondern ihre Selbstverständlichkeit.

Kommentare und Kritik werden sichtbar. Schon immer wurde das streitende Paar nach dem Verlassen des Restaurants von allen Anwesenden ausgiebig besprochen, radikale Feministinnen sahen sich schon immer Kritik ausgesetzt – nur hatten sie nicht die Möglichkeit, sich die Kommentare auch anzuhören. Was aber den Unterschied zum Dorf ausmacht, ist die Möglichkeit der Filter: Der Nachbar oder die Verkäuferin im Dorfladen konnten nicht einfach geblockt, gesperrt oder ignoriert werden – im Netz ist das möglich. Es ist ein gewisser Aufwand damit verbunden, die Kommunikationsmöglichkeiten schaffen neue Belastungen und Pflichten. Aber sie verhindern nicht, dass Freiräume geschaffen werden können, in welche Kommentare und Kritik nicht ständig einbrechen.

Ist Roths Argument eingegrenzt und nachvollziehbar, so steigert sich Bussemer in einen Rundumschlag, der trotz seinen Bezügen auf zwei Neuerscheinungen – Detel/Pörksen: Der entfesselte Skandal und Klausnitzer: Das Ende des Zufalls – wahnhaft erscheint: »Die Öffentlichkeit ist seit einigen Jahren in einem rauschhaften Zustand«, heißt es da beispielsweise. Empörungswellen würden Politikern das Leben schwer machen und es Medien verunmöglichen, Nachrichten zu strukturieren, während die Teilnehmenden an diesen Empörungswellen so viele Daten im Netz hinterließen, dass ihre Existenz gefährdet sei. Das führe aber keineswegs zu Verhaltensänderungen.

Dass die Abarbeitung an der »Empörung im Netz« eine perfide Strategie ist, um bestimmte Arten der Kritik zu delegitimieren, habe ich an dieser Stelle bereits notiert. Dass bösartige Briefpost und Pakete, die Politikerinnen und Politiker erhalten, keine Folge der Digitalisierung sein dürften, ergibt sich fast von selbst. Befindet sich die Öffentlichkeit tatsächlich in einem Rausch? Nur weil ich auf Twitter oder in den Kommentarspalten der digitalen Zeitungen täglich Empörungswellen mitverfolgen kann, die gezielt geschürt werden, oft aus ganz kommerziellen Interessen, scheint mir die Öffentlichkeit selbst recht ruhig zu bleiben. Das mag an meiner eingeschränkten Perspektive liegen – aber mir scheint es nahe liegend, dass der Small Talk und der Stammtisch der Menschen sich digitalisiert hat. Ob wir zuhören, mitmachen und uns dazusetzen wollen, müssen wir entscheiden. Nur weil wir es können, heißt das nicht, dass alle Menschen es tun.

Evgeny Morozovs Kritik am Internetdiskurs

In seinem Buch To save everything, click here untersucht Evgeny Morozov das Internet als Idee. Um zu markieren, dass er nicht ein technisches Netzwerk meint, sondern ein gedankliches Konstrukt, markiert er Internet fast durchgängig mit Anführungszeichen. Zu Beginn von Kapitel 2 stellt der Autor fest, heute könne man mit »Internet« »just about anything« bezeichnen – der Begriff ist beliebig geworden. Getrieben von dieser Einsicht, untersucht Morozov zwei Phänomene. Das erste nennt er »Internet-centrism«: Die Vorstellung, dass eine Art Revolution erfolge, deren Auswirkung auf alle Bereiche des Lebens nur verstanden werden könne, wenn das »Internet« im Mittelpunkt der Analyse stehe. Diese Vorstellung bezeichnet Morozov mehrfach als religiöse, weil sie von Selbstverständlichkeiten und Sachzwängen ausgehe, die nur akzeptiert, wer an die Idee »Internet« glaube.

Quelle FAZ - Interview mit Morozov
Quelle FAZ – Interview mit Morozov

Mit dem Glaube des »Internet-centrism« hängt für Morozov ein zweites Phänomen zusammen, der »Solutionism«. »Solutionism interprets issues as puzzles to which there is a solution, rather than problems to which there may be a response«, lautet ein Zitat von Gilles Paquet, das Morozovs Definition gut summiert: Die Ideologie des Silicon Valley führt dazu, dass Software und Algorithmen Scheinprobleme lösen. Die Werkzeuge, welche zur Verfügung stehen, werden übermäßig eingesetzt, so dass letztlich die Fähigkeit verloren geht, echte Probleme oder Tugenden zu erkennen und darauf zu reagieren. Stattdessen werden Einsatzmöglichkeiten für die Werkzeuge gesucht, bei denen sie aber oft mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen: Einerseits, weil sie von wirklichen Problemen ablenken, andererseits weil sie funktionierende Mechanismen so verändern, dass neue Probleme entstehen.

Morozov bietet dafür eine Reihe von Beispielen an: Transparente Daten, softwaregestützte Politik, digitale Bildung oder präventive Polizeiarbeit. Im Hintergrund droht aber immer die politische Diktatur, der – so Morozovs Grundüberzeugung – eine so vage Idee wie »Freiheit im Internet« nichts entgegenhalten kann, schlimmer noch: Die sie eigentlich fördert, statt dagegen anzukämpfen.

Der interessante Aspekt von Morozovs Buch ist neben der Analyse von praktischen Beispielen sein Fazit. Er schlägt vor, in der Debatte ums »Internet« zwei Gruppen von Intellektuellen zu unterschieden: Solche, die sich wesentliche Resultate von der Beschäftigung mit »dem Internet« versprechen, und »Post-Internet«-Denker, die davon ausgehen, dass das Phänomen zwar soziologisch oder historisch beschrieben werden kann, ganz analog zu »Wissenschaft«, aber nicht dabei behilflich ist, die Welt zu beschreiben und verstehen. Morozov gehört selbstverständlich zur zweiten Gruppen. Er schlägt folgende Maßnahmen für den Umgang mit Technologie vor (S. 354ff.):

  1. Keine Diskussionen über die Auswirkungen des Internets und von Social Media mehr führen, weil unklare Fragestellungen damit verbunden werden, auf die kaum hilfreiche Antworten gefunden werden können.
  2. Besser ist es, technikbezogene, enge und empirische Analysen durchzuführen, welche beispielsweise die Funktionsweise spezifischer Algorithmen betreffen.
  3. Technologie generell eher als Konsequenz von Veränderungen in der Welt betrachten denn als Ursache solcher Veränderungen.
  4. Einsehen, dass in den letzten hundert Jahren jede Generation den Eindruck hatte, eine tiefschürfende technologische Umwälzung zu erleben. Das befreit von der Illusion, digitale Kommunikation bewirke einen echten Wandel.

Sein Fazit:

Technology is not the enemy; our enemy is the romantic and revolutionary problem solver who resides within. (S. 358)

* * *
Mir gefällt Morozovs Buch. Es ist energisch geschrieben und verbindet eine Reihe wichtiger Gedanken. Der entscheidende für mich: Ahistorische Beschreibungen führen leicht in die Irre. Internetkritik ähnlich zu betreiben wie Wissenschaftsphilosophie ist ein Zugang, von dem ich überzeugt bin. Morozov macht sich aber vieles zu einfach: Da er gerade das Problemfeld nicht eingrenzt, sondern »Internet« lediglich als einen Spielstein in einem Diskursspiel betrachtet, kann er einen Gegner konstruieren, der überall verwundbar ist. Er hält seine eigenen Vorgaben gerade nicht ein: Er führt weder eine enge Untersuchung noch eine empirische durch, er will – wie er es im Postscript fordert (S. 355ff.) –auf naive Technologiekritik verzichten, liefert aber ihren Vertreterinnen und Vertretern Munition.

Instagram: Social Media in der Primarschule

Im heutigen Workshop, den ich im Rahmen des CAS PICTS an der PH Zürich unterrichte, wurde die Kritik laut, bei Schülerinnen und Schülern, die kaum lesen und schreiben könnten, sei der pädagogische Einsatz von Social Media illusorisch.
Zusammen mit der Studiengangleiterin Rahel Tschopp entstanden schnell Beispiele, wie visuelle Netzwerke wie Instagram in der Schule schon früh genutzt werden können:

  • Zahlen und Buchstaben: Auf dem Schulweg oder zuhause Zahlen oder Buchstaben fotografieren, als Form oder auch als natürliche Menge. Eine Woche die 4, dann die 5 etc.
  • Haustiere: Haustiere fotografieren, ihre Ernährung zeigen, ihr Zuhause etc.
  • Bilder vom Schulweg: Kleines Rätsel: Stammt dieses Bild von meinem Schulweg oder nicht?
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Zahl 4. Oder 3? Oder Buchstabe E… 

Sofort ist der Alltag der Schülerinnen und Schüler im Schulzimmer und wird zum Lernobjekt. Sie können ein gemeinsames Instagram-Profil mit vorgegebenem Passwort und die Smartphones ihrer Eltern, Geschwister etc. nutzen. Medienkompetenz wird zuhause und in der Schule ein Thema. Schreiben ist unnötig, Personen keine abgebildet, Gefahren kaum vorhanden.

Digital Natives und Hard News

Heute bin ich an der SGKM-Jahrestagung 2014 auf einem Panel engagiert, bei dem es um die Frage geht, wie »Digital Natives« mit Hard News umgehen. Hier meine Notizen zu meinem Inputreferat. Allfällige Erkenntnisse aus der Diskussion werde ich später anfügen. 

* * *

Ich werde im Folgenden zwei Kernthesen vertreten:

  1. Es gibt keine »Digital Natives«, weil die Kategorie ein Behelfswort ist, mit dem Erwachsene versuchen, die Verunsicherung durch die Digitalisierung zu bewältigen.
  2. News werden nicht »softer«, sondern aus einem Kanon gelöst: Das Selbstverständnis dessen, was jemand wissen muss, um als informiert zu gelten, hat sich aufgelöst. Das betrifft Jugendliche besonders.

Diese Thesen möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen: Mit rund 17-jährigen Schülerinnen und Schüler der Fachmittelschule spreche ich immer am Freitagmorgen um acht über aktuelle Themen, die in den Medien Resonanz finden: Ohrfeigen, politische Entwicklungen in der Ukraine, der Fall Carlos.

Ich halte die Schülerinnen und Schüler an, drei Fragen zu beantworten:

  1. Was wissen Sie darüber?
  2. Woher wissen Sie es?
  3. Was denken Sie selbst darüber?

Die Ergebnisse sind immer erstaunlich differenziert: Gemeinsam schafft es einer Klasse, ein präzise Bild aktueller Entwicklungen zu zeichnen und sich darüber eine Meinung zu bilden. Die Informationsquellen, welche die Schülerinnen und Schüler dabei verwenden, sind enorm unterschiedlich: Sehr verbreitet ist die 20Minuten-App und Links, die auf Facebook verschickt werden. Ebenfalls eine große Rolle spielen die Medien, die im Haushalt der Eltern genutzt werden: Abonnierte Tageszeitungen, die Tagesschau, Radiosendungen.

Jugendliche interessieren sich sehr für solche Lektionen und Gespräche über Hard News und die Funktionsweise von Medien. Sie übernehmen viele Urteile von ihren Eltern und Lehrpersonen: Wikipedia misstrauen sie stärker, als das sinnvoll ist, traditionellen Medien vertrauen sie fast automatisch. Entscheidend sind für sie aber Urteile von Bezugspersonen, die sie für kompetent halten.

Ihre Frustration resultiert meist daraus, dass es anstrengend und aufwändig ist, sich zu informieren. Spreche ich mit Jugendlichen über Nachrichtensendungen, beklagen sie sich darüber, dass ihnen die Zeit fehlt, sich seriös zu informieren. Das führt teilweise zu einer Frustrationsspirale: Je stärker sie sich bemühen, auf dem Laufenden zu bleiben, desto stärker wird das Gefühl, zu wenig zu einem Thema zu wissen.

Jugendliche nutzen Social Media für die Kommunikation mit Peers. Wer den sozialen Anschluss nicht verpassen will, muss WhatsApp oder Instagram nutzen. Dabei wandeln sich viele Informationsprozesse vom Push- zum Pull-Prinzip: Wer sich darüber informieren will, was Bekannte tun, kann das aus den Social-Media-Streams rauslesen, und muss nicht warten, bis das bei einem Treffen erzählt wird. Ähnlich verhalten sich Jugendliche Nachrichten gegenüber: Interessieren sie sich für einen Zusammenhang, rufen sie diesbezügliche Informationen ab, statt sich regelmäßig damit über feste Kanäle berieseln zu lassen.

Das heißt aber nicht, dass sie dabei automatisch bestimmte Kompetenzen erwerben oder News ausschließlich auf Social-Media-Kanälen erhalten wollten. Jugendliche wissen sehr genau, wie Manipulation funktioniert und dass nicht alles stimmt, was im Internet steht. Sowohl die Vorstellungen von automatischem Kompetenzerwerb wie auch die implizierte Naivität im Umgang mit Medien halte ich für Vorurteile, die Erwachsene brauchen, weil sie von der Informationsflut überfordert sind.

Kürzlich hat mich auf meinem Blog eine Anfrage von einem Arzt aus Deutschland erreicht, der mir folgende Frage gestellt hat:

Wie informiert man sich “richtig”?

Zudem habe ich immer wieder den Eindruck, nicht ausreichend informiert zu sein, obwohl ein großes Angebot am Kiosk oder auch an den oben genannten Orten zur Verfügung steht. Es ist schon seltsam, “früher” hatte man als Leser klassischerweise ein bis zwei Zeitungen, schaute Tagesschau um Punkt 20 Uhr und war bestens informiert und konnte ruhig schlafen. Aber zu dieser Nutzungsweise kann ich auch nicht mehr zurückkehren, ich denke ich verpasse etwas.

Haben Sie für dieses dieses Problemfeld einen Tipp für mich?

Das Gefühl, ständig etwas zu verpassen, ist unter erwachsenen Medienkonsumentinnen und –konsumenten verbreitet. Wer sich die aktuellen Serien im Schweizer Fernsehen anschaut, wird von den Downloadern belächelt, wer am Morgen intensiv Zeitung liest, muss damit rechnen, dass seit dem Druck der Zeitung entscheidende Entwicklungen vonstatten gegangen sind.

Die Hoffnung, dass Jugendliche mit dieser Informationsflut kompetent umgehen können, dafür Filter und Relevanzkriterien entwickeln, einfach deshalb, weil sie jünger sind, ist so naheliegend wie falsch. Wie Erwachsene brauchen Jugendliche Anleitung dabei, wie man Unwichtiges ausblendet und den Informationsgehalt von Nachrichten beurteilt. Sie brauchen Einstiegshilfen, um Journalismus auch zu verstehen, wenn sie nicht regelmäßig Dossiers zur Kenntnis genommen haben.

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Projekt: Wie Schulen Instagram für Öffentlichkeitsarbeit nutzen können

Für das Handbuch Öffentlichkeitsarbeit macht Schule habe ich darüber nachgedacht, wie Schulen Social Media nutzen können, um Schulentwicklung zu betreiben und sich ein Profil zu geben. Der Aufsatz kann hier als pdf gelesen werden. Im Folgenden möchte ich ein ganz konkretes Beispiel vorstellen, das ich im Text so beschrieben habe:

Ein Instagram-Wettbewerb lädt die Besucherinnen und Besucher der Schule ein, originelle Ansichten der Schule zu präsentieren und sie mit einem Hashtag versehen auf ihren Profilen zu veröffentlichen (#unserekolmarschule). Am Eingang der Schule werden Bilder, die so verschlagwortet sind, auf einem Monitor vorgeführt und auf der Homepage in einem separaten Fenster abgespielt. Gleichzeitig sprechen kompetente Lehrpersonen mit Schülerinnen und Schüler über die Möglichkeiten und Gefahren von Instagram und weisen sie darauf hin, was innerhalb des Wettbewerbs erwünscht ist und was nicht.

Das Beispiel bezieht sich ganz bewusst auf einen visuellen Aspekt der Schule, weil dieser dafür geeignet ist, mit diesen Tools gestaltet zu werden. Das Web 2.0 bietet aber auch für andere zentrale Punkte aus Schulprofilen die Möglichkeit, verschiedene Akteure an der Öffentlichkeitsarbeit teilhaben zu lassen – wenn es denn Aspekte sind, die an die Öffentlichkeit gehören. In den beiden erwähnten Beispielen ist kaum mit Kritik zu rechnen; allenfalls mit ganz spezifischer, projektbezogener.

Zufällig habe ich auf Instagram danach gesucht, welche Bilder von meiner Schule, der Kantonsschule Wettingen, bei Instagram vorhanden sind. Schülerinnen und Schüler verwenden offenbar schon länger #kswe, um Bilder zu markieren. (Der Link funktioniert nur mit Instagram-Login.) Die Schule hat das nicht gesteuert – und doch entsteht ein enorm positives Bild der Schule, wie die Galerie unten zeigt.

Hinzu kommen die positiven Kommentare, die zeigen, dass da Schülerinnen und Schüler auch in den Ferien an Projekten arbeiten, Physik mit Kuchen Essen und Geigenspiel verbinden, Curlen, sich verkleiden und Theater spielen.

Digitale Medien verändern den Leseprozess

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Die oben stehenden Bilder stammen von einer App namens Spritz, mit der ein Startup den Leseprozess beschleunigen will. Durchschnittlich lesen englischsprachige Leserinnen und Leser rund 220 Wörter pro Minute. Mit der App können Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Wörtern pro Minute erreicht werden. Damit lässt sich ein Harry Potter Band in etwas mehr als einer Stunde lesen.

Spritz ist symptomatisch für digitales Lesen: Es handelt sich um ein schnelles und selektives Lesen. Expertinnen und Experten sprechen von nonlinearem Lesen, bei dem Texte gescannt, nach Schlüsselbegriffen durchsucht, schnell gescrollt werden und der Text ständig mit Bildern und Links in Konkurrenz steht.

Lineares Lesen hingegen führt von einer Seite zur nächsten. Es ist ein langsamerer Prozess, aber oft ein nachhaltiger: Lesende verbinden das Layout eines Buches mit gelesenen Textstellen (»die Seite, auf der die Heldin stirb, hat nur zwei Abschnitte«) und nehmen sich oft Zeit, um gelesene oder noch nicht gelesene Seiten schnell durchzublättern.

Lesen hat anders als Sprache oder visuelle Fähigkeiten keine genetische Basis. Es ist ein vom Gehirn vollständig erworbener Prozess, der sich verändern kann. Die ersten Leserinnen und Leser haben selbstverständlich laut gelesen, leises Lesen ist eine Innovation. Dass sich der Leseprozess verändert, ist nicht erstaunlich, weil sich das menschliche Hirn ständig an seine Umwelt anpasst.

Die Erfahrung von langjährigen Leserinnen und Lesern legt nahe, dass das nonlineare Lesen auf Kosten von wichtigen Eigenschaften des linearen geht. Wer viel auf dem Smartphone oder am Computer liest, hat Mühe, sich in einen Roman zu vertiefen. Es scheint, als hätte das Hirn teilweise verlernt, komplexe Belletristik zu lesen. Selbstverständlich kann ich wie alle geschulten Leserinnen und Leser mit etwas Übung schnell wieder in den alten Lesehabitus zurückkehren: In den Ferien oder vor mündlichen Abiturprüfungen lese ich enorm viel klassische Literatur und gewöhne mich schnell wieder ans lineare Lesen. Die Frage ist, ob künftige Leserinnen und Leser das auch noch können.

Hier einige Forschungsresultate zum Vergleich des analogen und digitalen Lesens:

  1. Liu hat schon 2005 in einer Studie bemerkt, dass beim Lesen am Bildschirm Metakognition zurückgeschraubt wird: D.h. Lesende verzichten stärker darauf, sich Ziele zu setzen, schwierige Passagen mehrfach zu lesen oder ab und zu innezuhalten und sich zu fragen, was wichtige Aussagen in einem Text waren.
  2. Garland hat in einer Studie von 2003 beschrieben, dass digitale und analoge Lektüre zu vergleichbaren Resultaten in Tests führen, aber dass nicht-lineares Lesen im Hirn Erinnerungsprozesse ablaufen lasse (Informationen werden abgerufen, indem sich Personen an ihren Kontext erinnern), während lineares Lesen zu Wissensprozessen führen (Informationen werden ohne Kontextbezug abgerufen). Daraus lässt sich ableiten, dass die Lektüre auf Papier effizienter und nachhaltiger sein dürfte, weil der Erinnerungsprozess ein Umweg darstellt.
  3. Viele Menschen ziehen die Lektüre auf Papier der auf E-Readern oder am Bildschirm vor. Gründe dafür sind die Gewöhnung an Sinneseindrücke (Geruch und Gefühl beim Berühren von Papier), der Eindruck von Kontrolle über einen gedruckten Text (alle Buchstaben sind immer am selben Ort und können permanent markiert oder beschriftet werden) sowie die Übereinstimmung von Haptik und Text (ein langes Buch ist schwerer als ein dünnes). Zudem finden sich Lesende in längeren Texten weniger gut zurecht, wenn sie diese digital konsumieren.
  4. Wenn Schülerinnen und Schüler in der 10. Klasse Texte lesen, dann ist ihr Leseverständnis leicht aber signifikant besser, wenn das analog geschieht. Anne Mangen und ihr Team mutmassen ihrer Studie von 2013, dass es einfacher ist, in einem analogen Leseprozess Informationen in einem Text zu finden.
  5. Papier führt generell zu nachhaltigeren Lernprozessen, auch wenn Schülerinnen und Schüler zeitlich unter Druck stehen. Das könnte, so mutmassen die Autoren dieser aktuellen Studie, auch mit Lerngewohnheiten zusammenhängen, die in der Schule erworben werden.

Während oft herkömmliche Testformen Schülerinnen und Schüler bevorzugen, die mit Papier lernen, dürfte es also durchaus erhebliche kognitive Unterschiede geben zwischen analogem und digitalem Lernen. Die Geschwindigkeit des Lesens ist wohl oft einem Lernprozess abträglich. Was Roland Reichenbach in einer allgemeinen Reflexion digitaler Medien im Lernprozess schreibt, dürfte also auch fürs Lesen gelten:

«Zeit gewinnen, sondern: Zeit verlieren!», lautet eine vielzitierte Stelle aus Jean-Jacques Rousseaus «Emile». Mit dem Satz kann eine Menge pädagogischer Unfug und didaktischer Leerlauf gerechtfertigt werden. Einerseits. Andererseits kommen damit eine Intuition, eine Einsicht und eine Erfahrung zum Ausdruck, die mehr sind als launenhafte Lust an der Paradoxie. Die Menschen leben immer länger als die Generationen vor ihnen, aber auch immer schneller, und überall entdecken sie lästige Zeitverschwendung, alles dauert immer mehr zu lange.

Lynda Barry: The 20 Stages of Reading.
Lynda Barry: The 20 Stages of Reading.

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Lynda Barry: The 20 Stages of Reading.
Lynda Barry: The 20 Stages of Reading.

Studie: Facebook führt zu schlechter Stimmung

Eine neue Studie von Christina Sagioglou und Tobias Greitemeyer, die im Juni publiziert wird, belegt einerseits, dass die Nutzung von Facebook zu schlechterer Stimmung führt, kann aber andererseits auch nachweisen, warum das Menschen nicht davon abhalten kann, Facebook zu nutzen.

Ich fasse die relevanten Ergebnisse und Methoden zusammen, wie immer verschicke ich gerne Privatkopien der Untersuchung an interessierte Leserinnen und Leser (Mailanfrage).

Die Forscherin und der Forscher ließen Studienteilnehmer nach einer Aufforderung entweder 20 Minuten Facebook nutzen, 20 Minuten im Web surfen oder 20 Minuten nichts dergleichen tun, um eine Vergleichsbasis zu etablieren. Direkt im Anschluss – das das Neuartige an der Studie – wurden sie online befragt.

Facebook führte zu einer leicht (aber signifikant) schlechteren Stimmung und zu einer Aktivität, die als deutlich weniger bedeutsam erlebt wurde als die anderen beiden Tätigkeiten. Allerdings ändert sich die Stimmung bei den Facebook-Usern nicht, die das soziale Netzwerk als gehaltvoll erleben. Es wäre also denkbar, dass die erlebte Bedeutungslosigkeit der Facebooknutzung auf die Stimmung schlägt.

Diese Frage wurde aber separat noch einmal untersucht. Besonders erstaunlich ist, dass die Facebooknutzung nicht minimiert wird, obwohl sie zu schlechter Stimmung führt. Allerdings gibt es vergleichbare Phänomene: Auch Rache oder die Möglichkeit, eine Entscheidung zu ändern, führen im Vergleich zu alternativen Handlungen nicht zu befriedigenden Resultaten, werden aber dennoch häufig gewählt, wenn die Möglichkeit besteht. Bei Facebook stellte sich heraus, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie die Erwartung hatten, sich nach der Facebooknutzung besser zu fühlen, das aber nicht eintrat.

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In der Diskussion ihrer Ergebnisse merkt das Autorenteam an, dass die Motivation, weshalb Menschen Facebook nutzen, genauer untersucht werden müsse – weil die bewussten Gründe oft nicht präzise sind. Hinzu kommt das Problem, dass Selbstauskünfte in Online-Befragungen einer Reihe von möglichen Verzerrungen ausgesetzt sind.

 

Verständnis oder Härte in der Schule?

Immer wieder stoße ich in der pädagogischen Arbeit auf eine Frage, welche an den Kern dessen geht, was in der Schule praktiziert wird. Ich mache sie an einem Beispiel fest: Eine Schülerin bittet mich am Tag vor der Prüfung darum, diese auf einen Termin nach den Ferien verschieben zu können. Sie sei privat und in der Schule stark unter Druck und könne nicht so auf die Prüfung lernen, dass sie die nötige Sicherheit habe.

Ich stehe vor einem Dilemma: Entweder zeige ich Verständnis und gehe auf den Wunsch der Schülerin ein, was für mich naheliegend ist, da ich mir wenig Lerneffekt von einer Prüfung verspreche, die unter großem Druck und ohne entsprechende Vorbereitung abgelegt wird – oder ich bestehe auf dem frühzeitig kommunizierten Termin und zeige Härte.

The cure for everything is salt water. Sweat, tears, the sea. - Isak Dinesen
The cure for everything is salt water. Sweat, tears, the sea. – Isak Dinesen

Am Gymnasium, so ein immer wieder gehörter Vorwurf, sei es Schülerinnen und Schülern möglich, mit immer neuen Ausreden Pflichten zu vernachlässigen, was in der Arbeitswelt und auch an Hochschulen so nicht möglich sei. Gewöhnten sie sich daran, dass auf ihre Anliegen Rücksicht genommen werde, würden sie weich und entwickelten die nötigen Kompetenzen im Umgang mit Terminen und Druck nicht.

Auf der anderen Seite steht für mich die Frage, wie sinnvoll eine Welt ist, die Menschen Bedingungen setzt, die qualitativ hochwertige Arbeit verhindern. Soll die Schule diese Bedingungen simulieren, weil sie in der Arbeitswelt große Verbreitung finden?

Meine Haltung ist das Gespräch darüber: Aufzeigen, wie viel Spielraum ich wirklich habe; diskutieren, ob es sich lohnt, eine Anstrengung aufzuschieben oder durchzustehen; darüber sprechen, dass zu hohe Ansprüche an die eigene Arbeit lähmend wirken können, weil Perfektionismus ineffizient ist.

Befriedigend ist das aber nicht immer: Verhandeln ist anstrengend und führt nicht immer zu zufriedenstellenden Resultaten.

Wie gehen andere Lehrpersonen mit diesem Konflikt um?

Methodische Probleme von Big Data im Umgang mit Social Media

In einem neuen Aufsatz beschreibt Zeynep Tufekci Probleme, die auftauchen, wenn Plattformen von sozialen Netzwerken als Datenquellen benutzt werden, um mit der maschinellen Verarbeitung von großen Datenbanken (»Big Data« genannt) Erkenntnisse über das menschliche Verhalten zu sammeln.

Ich fasse die wesentlichen Beobachtungen und Schlüsse von Tufekci zusammen, empfehle aber allen eine genaue Lektüre des Originaltextes. Im Folgenden verwende ich SMBD als Abkürzung für »Social-Media-Big-Data«.

  1. SMBD bezieht sich oft auf spezifische Plattformen wie Twitter. 
    Die Twitter-Daten sind leicht zu bekommen, dabei beeinflussen aber bestimmte Phänomene oder Affordances von Twitter die Resultate aus der Datenverarbeitung. Tufekci vergleicht hier Big Data mit der Biologie, die sich auf bestimmte Organismen oder Lebewesen konzentriere, weil die einfache Forschung ermöglichen – gerade deswegen gewisse biologische Strukturen in einer untypischen Form aufweisen, welche die Untersuchung verzerren.
    Ein wesentliches Problem ist die fehlende Repräsentativität: Nur wenige Menschen sind auf Twitter präsent und sind in Bezug auf Bildung, Geschlecht, Ethnie etc. kein gutes Sample.
  2. SMBD führt oft zu methodischen Problemen, weil nicht repräsentative Daten verwendet werden oder abhängige Variablen untersucht werden. 
    Tufekci verweist auf Beispiele in der medizinischen Forschung, die beispielsweise Patientinnen untersucht, die ein bestimmtes Medikament nehmen. Daraus ergibt sich der falsche Eindruck, das Medikament helfe bei bestimmten Risiken, obwohl es letztlich schadet. Der Eindruck entsteht, weil nur gesunden Frauen das Medikament nehmen und so im Vergleich mit anderen in jeder Hinsicht bessere Werte zeigen. Analog ist die Auswertung von Hashtags, die bei bestimmten Ereignissen eingesetzt werden, gefährlich, weil die Hashtags von Usern selbst als Mittel gewählt werden.
  3. SMBD bilden oft komplexe und nicht quantifizierbare Interaktionen ab.
    Man denke beispielsweise an die unterschiedlichen Bedeutungen, die ein Facebook-Like oder ein Twitter-Fav haben können. Tufekci verweist darauf, dass leicht berechenbar ist, wie viele Menschen like gedrückt haben oder auf eine Meldung klicken: Aber wie viele sie sehen, ohne zu klicken, kann oft kaum ermittelt werden. Retweets auf Twitter erfolgen oft auch, weil man negative Wertungen weitergeben oder Abgrenzungen vornehmen will – sie sind nicht immer ein Zeichen von Einfluss oder positiver Resonanz. Ihre Bedeutung kann von Maschinen nur dann erfasst werden, wenn sie vorher interpretiert wird.
  4. Der isolierte Blick auf eine Plattform kann ein Phänomen nicht erfassen. 
    Informationen verbreiten sich on- und offline in verschiedenen Medien. Hier eine bestimmte Art der Interaktion rauszugreifen ergibt ein unvollständiges Bild.
  5. Viele Social-Media-Bezüge sind schwer maschinenlesbar. 
    Tufekci verweist auf Bezüge auf Kontext, Screenshots, Nonmentions und Hate-Linking, also das Verlinken auf einen Beitrag oder Tweet, statt ihn mit den Standardmethoden zu teilen.
  6. Bewusste Einflussnahme wird unterschätzt. 
    Analog zum Google-Suchalgorithmus, dessen Funktionsweise von SEO-Spezialisten sofort missbraucht wird, wenn sie verstehen, wie er funktioniert, werden alle maschinenlesbaren Metriken von Social Media von Menschen beeinflusst, die bestimmte Meinungen vertreten wollen. Tufekcis Daten beinhalten beispielsweise Versuche türkischer Politiker, Hashtags wie #stoplyingCNN zum Trenden zu bringen, also regional oder global in Charts aufzutauchen, die zeigen, welche Themen momentan wichtig sind.

Tufekci schlägt für Untersuchungen folgende Punkte vor:

  • Messwerte und Variablen verwenden, die außerhalb von Social Media überprüfbar sind (Wahlresultate, Arbeitslosenzahlen etc.)
  • Kleine Samples auch qualitativ untersuchen, um beispielsweise feststellen zu können, welche Rolle Hate-Linking spielt.
  • Mit Vertretern der Social-Media-Anbietern zusammenarbeiten, um an bessere Daten zu gelangen.
  • Immer mehrere Methoden und mehrere Plattformen einbeziehen.
  • Mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten.

    Karten-Daten-Visualisierung Linkedin l luc legay CC – Flickr