Kürzlich habe ich bei Facebook dieses Profilbild neu eingestellt. Bald entwickelte sich in den Kommentaren eine Diskussion, weil Beat Rüedi, den ich aus medienpädagogischen Diskussion kenne, nach einer ersten Frage (»Treibst du Sport?«) bemerkte, ich sehe auf dem Bild »ein wenig gut genährt aus«:

Diese Diskussion irritierte einige Mitlesende, die mir das in SMS oder persönlichen Nachrichten zu verstehen gaben. Ich beschloss, sie zu löschen, aber zu dokumentieren (weitere Diskussionsbeiträge habe ich dann einfach gelöscht). Kurz darauf wurden zwei Blogposts zu diesem Fall publiziert, einer von Daniel Menna, der andere von Steve Bass. Während Menna den fehlenden Anstand von Rüedi konstatierte, ging Bass differenziert auf die Frage ein, was Öffentlichkeit für persönliche Kritik bedeute:
Kritik in der Öffentlichkeit muss ich zwar aushalten, aber sie bringt mich meistens nicht weiter. Wenn mir ein Bekannter an einem Fest sagt, dass er findet ich sei zu dick, kann ich in diesem Rahmen keine vernünftige Diskussion führen. Ich werde elegant darüber hinweg gehen und bin den Rest des Abends verunsichert und verletzt. Auch bei sozialen Netzwerken würde ein öffentlicher Kommentar zu einem ähnlichen Ergebnis führen, da eine konstruktive Auseinandersetzung kaum stattfinden kann aus meiner Erfahrung.
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Die Beleidigung ist für mich hier nicht der entscheidende Aspekt. Ich bin übergewichtig. Weil ich aber privilegiert bin – als gebildeter Mann mit einem anständigen Einkommen und einer Meinung, die oft ernst genommen wird -, fällt das für mich weniger ins Gewicht als für andere. Bei Referaten kommentiere ich mein Gewicht immer wieder, um einen rhetorischen Erfolg zu erzielen. Kurz: Wenn mir jemand sagt, ich sei zu dick, dann trifft mich das zwar, aber ich weiß, dass die andere Person Recht hat.
Bedeutsamer war, dass Rüedi nicht einfach einen negativen Kommentar abgab, sondern den schon mit einer Frage einleitet und mir danach Tipps gab, wie ich das Bild korrigieren müsste, um es besser aussehen zu lassen. Letztlich wollte er – zumindest empfand ich das so – nicht mangelndes Gesundheitsbewusstsein, sondern mangelnde Medienkompetenz vorwerfen: Einerseits durch die ungünstige Wahl der Bilder und andererseits, weil er ahnte, dass eine souveräne Reaktion mir schwer fallen könnte. In einer Notiz hielt Rüedi denn tatsächlich fest, ich hätte »Social Media nicht verstanden«. Q.E.D.
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Darum die allgemeine Frage: Wie sollte man auf unerwartete, unerwünschte, nebensächliche Kommentare bei Bildern reagieren? Konsequentes Löschen wäre durchaus meine Empfehlung. Wer einen Kanal anbietet, darf auch Regeln festlegen. Nur weil die Möglichkeit besteht, Kommentare abzugeben, heißt das nicht, dass diese Kommentare ablenken und verletzen dürfen. Social Media gelingen, wenn Menschen in konstruktive Auseinandersetzungen mit sich und der Welt gelangen können. Und sie scheitern, wenn viel Energie in Animositäten verpufft werden, die niemanden weiterbringen.
















