»All Eyes on the S4« – die Swisscom-Kampagne interpretiert

Bildschirmfoto 2013-05-29 um 08.58.18Dieser junge Mann hat es geschafft: Er hat 60 Minuten lang ein Telefon angestarrt. Zurück geblickt hat das Telefon nicht: Auf der anderen Seite sind nämlich wir, die Zuschauer, die bisher 1.5 Millionen mal auf das Video geklickt haben.

Das Video sagt uns einiges darüber, wie wir mit Technologie umgehen und wie Samsung und die Swisscom wollen, dass wir mit Technologie umgehen. Zuerst die Geschlechterrollen: Ein attraktiver, modisch gekleideter Mann wird von einer Gruppe junger, attraktiver Frauen dabei beobachtet, wie er mit einem Handy spielt. Er erreicht sein Ziel (60 Minuten seines Lebens damit zu verbringen, regungslos einen Bildschirm anzuschauen) und großer Jubel bricht aus, Ballone steigen auf. Darauf soll sich unser Begehren richten: Durch Technik wehrlos werden, alles über uns ergehen zu lassen, und zu hoffen, dass wir dafür entschädigt werden. Nur: Entschädigt wird nur der – eigens dafür ausgewählte? – junge Mann im Video. Wir nicht.

Wir richten unsere Konzentration und unsere Augen, die uns zu Menschen machen, auf ein Gerät, und versuchen zu einem Gerät zu werden. Doch das Gerät ist uns voraus: Wir verstehen nicht mehr, wie es funktioniert, sondern das Samsung S4 versteht, wie wir funktionieren, weil es unsere Augenbewegungen verfolgt und so Daten darüber sammelt, was wir lesen und womit wir beschäftigt sind.

Eine schöne Kampagne. Virales Marketing, klare Ausrichtung auf Zielgruppe, Inszenierung nicht nur im Internet, sondern auch an Bahnhöfen, gute Laune, viel Spass. Aber auch ein gutes Beispiel für die Wahrheit des bekannten Diktums von Andrew Lewis:

Wenn Sie für einen Dienst nichts bezahlen, sind Sie offenbar nicht Kundin oder Kunde, sondern die Ware, die verkauft wird.

Der junge Mann sollte sich längst umdrehen und seine Mitmenschen ansehen. Aber er kann nicht. Und er will nicht.

Freundschaft in Zeiten von Social Media

Der folgende Essay sprengt den Rahmen eines Blogposts. Wer ihn ausdrucken möchte, kann das mit einer gut lesbaren pdf-Version tun. Wie immer bin ich an weiter führenden Inputs und Kritik sehr interessiert. 

Ich habe den Text zwei Überarbeitungen und Erweiterungen unterzogen (Version 1, Version 2). Neu sind die Abschnitte zu Jane Austen, zur parasozialen Interaktion und zur Körperlichkeit hinzugekommen, andere wurden erweitert. Ich danke für die vielen Rückmeldungen, besonders Sarah Genner, Peter Gassner, Jan Zuppinger, Britta Holden, Romana Ganzoni, Martin Lindner, Michèle Meyer, Dominik Achermann und Marianne Schäfer.) 

Ich suche Zeichen, aber wofür? Was ist das Objekt meiner Lektüre? Ist es jenes: werde ich geliebt (nicht mehr geliebt, noch immer geliebt)? Ist es meine Zukunft, die ich zu lesen versuche? […] Ist es letztlich nicht eher so, dass ich von jener Frage abhängig bliebe, auf die ich vom Gesicht des Anderen unermüdlich die Antwort fordere: was bin ich wert? – Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe, Die Unsicherheit der Zeichen

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Eine der ersten Lektionen, die wir beim Nachdenken über Social Media lernen, besteht in der Erkenntnis, dass Facebook-Freunde keine echten Freunde sind. Wirklich überraschen wird uns diese Einsicht  nicht; sie stellt aber für viele Menschen den Abschluss ihrer Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Social Media, Beziehungen und Freundschaften dar. In den folgenden Abschnitten möchte ich dieses Verhältnis von verschiedenen Seiten her diskutieren und einige Thesen dazu präsentieren, welche das Vorurteil hinterfragen, das besagt, digital gepflegte Beziehungen seien oberflächlicher oder weniger real als andere.

Ein guter Freund ist das Beste auf der Welt. Aber 500 Freunde? Unter der Herrschaft von Facebook wächst die Zahl der Freunde wie Entengrütze im Gartenteich. Es gibt aber noch jemanden, der sich dem Netzwerk entzieht: den Mof – den Menschen ohne Freunde. In einer Zeit, in der es mehr Blogger als Bäcker gibt, ist der Mof wie ein blasser, mickriger Erpel, der sich vor lauter Entengrütze nicht ins Wasser traut und das Schwimmen verlernt. Mofs werden verlacht. Aber was ist das zwanghafte Horten von Freunden anderes als ein neues Messie-Syndrom? Wer irgendwann im Meer seiner Freunde zu ertrinken droht, der brauchte wie Schneider Böck das rettende Federvieh. Nur hat sich unser Erpel namens Mof längst in die Blumenrabatte zurückgezogen, schnabuliert ekstatisch Schnecken und wird darüber fett und flugunfähig. – Heike Kunert, Die Zeit 23, 2013

Ob wir in den sozialen Netzwerken tatsächlich nicht nur das Schwimmen im Ententeich verlernen, sondern auch noch gleich flugunfähig werden, ist zumindest auf den ersten Blick nicht klar. Menschen trinken immer noch Rotwein zusammen, erzählen sich Geheimnisse und bringen sich gegenseitig Suppe, wenn jemand krank ist.

Freundschaft – Versuch einer Definition

Ich glaube, Freundschaft kann sich bloß praktisch erzeugen, praktisch Dauer gewinnen. Neigung, ja sogar Liebe hilft alles nichts zur Freundschaft, die wahre, die tätige, produktive besteht darin, daß wir gleichen Schritt im Leben halten, daß er meine Zwecke billigt, ich die seinigen, und daß wir so unverrückt zusammen fortgehen. – Goethe, Maximen und Reflexionen, Vierte Abteilung

Goethes pragmatische Ansicht kann als Ausgangspunkt für eine Präzisierung der Beziehung dienen, die hier als Freundschaft bezeichnet wird: Gemeint ist eine Beziehung, die eine Geschichte hat und sich über gemeinsame Erfahrungen definiert. Dabei werden Spielregeln in Bezug auf gegenseitige Erwartungen festgelegt, die normalerweise eingehalten werden. Die Spielregeln ergeben sich dabei im Spiel selber – Bedingung für eine Freundschaft ist also der Austausch und das Vertrauen darauf, dass der oder die andere die eigenen Erwartungen respektiert.

Erfahrungen und Austausch sind Bedingung für eine Freundschaft. Sie sind auf verschiedenen Ebenen anzusiedeln und ergeben sich durch sprachliche Vermittlungs- und Deutungsverfahren.

Entscheidend ist dabei auch die Bedeutung von Wiederholungen und Ritualen, durch die sich auch Anteilnahme manifestieren kann: Immer wieder gemeinsam dasselbe tun, sich ähnliche Geschichten anhören, die Erlebnisse im Beruf und in der Familie austauschen, loswerden, abhören; gemeinsame Interessen pflegen, Hobbies aufbauen, sprachliche Marotten entwickeln etc.

Und doch ist Freundschaft nicht vorhersehbar, obwohl sich die freundschaftliche Beziehung oft anfühlt, als wäre darin vieles vorbestimmt: Mit wem ich in eine freundschaftliche Beziehung trete, ist in hohem Maße zufällig, genauer: kontingent. Wir treffen viele Menschen, die wir noch nicht kennen, lernen einige davon kennen und mit wenigen schließen wir Freundschaft.

Originaltweet
Originaltweet


Die Funktion von Social Media in Freundschaften

With instant messaging, ‘Whassup?’ is all you need to say. Texting is for ‘Where are you, where am I, let’s do this, let’s do that.’ Among friends, however, texting can be just as random as IM. Among close friends, you can text to just say ‘Whassup?’ – Reynold, 16, zitiert in: Sherry Turkle, Alone Together (2012)

Zunächst sind Social Media einfach eine weitere Form von menschlicher Kommunikation. Menschen reden miteinander oft über belanglose Dinge, weil sie so zeigen können, dass sie soziale Wesen sind. Ob sie das nun auf dem wöchentlichen Gemüsemarkt, in der Umkleide des Fitnessstudios oder auf Twitter tun, scheint nicht relevant zu sein und verändert die Struktur ihrer Beziehungen nicht. Viele Beziehungen benötigen Small Talk um gegenseitige Erwartungen zu erfüllen (z.B. um am Schluss eines Gesprächs nicht den Eindruck zu erwecken, jemand würde zurückgewiesen). Small Talk hilft auch dabei, sich kennen und vertrauen zu lernen. Social Media sind voll mit Small Talk.

Social Media bedeuten für unsere Kommunikation darüber hinaus größere Effizienz und höhere Geschwindigkeit. So verändern sie den Aufbau und die Pflege von Freundschaften, wie die im Folgenden diskutierten Aspekte ausführlich zeigen. Mobiler Zugriff auf Netzwerke macht es Freundinnen und Freunden möglich, sich unabhängig von Ort und Zeit besprechen zu können, ohne dass es dafür einen bestimmten Anlass oder einen größeren Energieaufwand bräuchte. Kommt hinzu, dass der soziale Aspekt ja auch beinhaltet, dass Mitteilungen öffentlich gemacht werden können, d.h. ein ganzes Netzwerk oder eine ganze Gruppe erreichen können. Wer ständig mit all seinen Bekannten kommunizieren kann, braucht Selektionskriterien und -techniken. Und hier liegt wohl eine der wesentlichen Veränderungen.


Push oder pull?

Whitney Erin Boesel beschreibt in einem lesenswerten Essay ein Phänomen, das sie »Devolution« der Freundschaft nennt. Devolution bezeichnet für sie zunächst die Übergabe von Arbeitsschritten an die Empfänger einer Dienstleistung: Vom Einchecken am Flughafen über die Wundpflege bis zum Kassiervorgang im Supermarkt werden immer mehr Arbeitsschritte verschoben. Dasselbe passiere bei Freundschaften. Ein wesentlicher Aspekt freundschaftlicher Kommunikation besteht darin, einander zu erzählen, was man ohne den Freund/die Freundin erlebt hat: Lärmige Nachbarn, Streit mit anderem Freund, Beförderung bei der Arbeit, Städtetrip nach Paris, neues Hobby: Schrebergarten, tolles Rezept ausprobiert. Solche Inhalte kommunizieren nun aber viele Menschen auf sozialen Netzwerken: Die lärmigen Nachbarn erhalten einen Witz auf Twitter, der Streit mit dem Freund wird in einer kryptischen Facebook-Nachricht angedeutet, die Beförderung überall freudig verkündet und mit Likes bedacht, der Städtetrip nach Paris, der Schrebergarten und die Kochkünste fotografiert und gepostet.

War es vor Social Media die Entscheidung der Produzierenden von Information, welche Inhalte sie wem wie mitteilen wollten (»push«), so verlagert sie sich zunehmend zu den Konsumierenden (»pull«): Wo soll ich bei meinen Freunden mitlesen? Diese Entscheidung wird auch deshalb schwieriger, weil wir auch viele Dinge automatisch kommunizieren: Unser Spotify-Account teilt anderen mit, welche Musik wir hören, unser Online-Game-Account verkündet High-Scores und unsere Kindle-App versendet die liebsten Zitate – alles ohne bewusste Entscheidung.

Dadurch verändern sich Erwartungen: Als guter Freund lese ich bei meinen Freundinnen und Freunden aufmerksam mit und weiß vieles schon, wenn ich ihnen begegne; sie hingegen langweilen mich nicht durch eine Repetition dessen, was sie mir schon per Social Media mitgeteilt haben könnten. Ist aber nun die Weigerung, bestimmte Netzwerke zu benutzen, dasselbe wie Freundinnen und Freunden nicht zuhören? Haben Mitteilungen, die an ein größeres Publikum gerichtet sind, denselben Stellenwert wie persönliche? Und warum nicht?


FOBM & FOMO

Durch die schiere Menge an Inhalten in sozialen Netzwerken entstehen zwei Ängste: Die »Fear of being missed« (FOBM) entsteht, wenn ich in meinen Netzwerken zu wenig interessante Inhalte einstellen kann und mich meine Freundinnen und Freunde nicht mehr genügend wahrnehmen, weil ich gerade keine Radieschen geerntet, keinen Coq-Au-Vin gekocht und keinen Essay publiziert habe. Die »Fear of missing out« (FOMO) hingegen ist das umgekehrte Problem: Ich kann die Produkte meiner Freundinnen und Freunde nicht mehr ausreichend rezipieren und verliere auf einem oder mehreren Netzwerken den Anschluss.

We come to experience the column of unopened messages in our inboxes as a burden. Then, we project our feelings and worry that our messages are a burden to others. – Sherry Turkle, Alone Together

Die so sauber bezeichneten Ängste sind nichts Neues. Wir möchten uns alle gerne als attraktive Personen präsentieren und befürchten, die Beziehung zu wichtigen Freundinnen und Freunden zu gefährden, wenn wir nicht aufmerksam genug sind. Aber die sozialen Netzwerke schaffen durch ihre Effizienz mehr Möglichkeiten: Für Präsenz, aber auch für Konsum. Das wöchentliche Telefongespräch, der jährliche Ausflug und das Geschenk zum Geburtstag reicht nicht mehr: In real-time müssen Time-Lines gecheckt, Kommentare hinterlassen, Likes gedrückt und Inhalte weiterverbreitet werden. Freundschaften werden atemloser. Zur Angst, etwas zu verpassen und vermisst zu werden, kommt die Angst, zu langsam und zu wenig kompetent zu sein.


Die Dunbar-Zahl und Weak Ties

Grundsätzlich entsteht hier lediglich eine Sichtbarmachung und Quantifizierung eines Problems, das bei unseren Beziehungen schon immer besteht. Wir können nicht allen Menschen, die wir kennen, zum Geburtstag eine Karte oder ein Geschenk schicken, wir können uns nicht bei allen daran erinnern, ob sie ihren Kaffee schwarz oder mit Milch oder als Tee mögen, und wir vergessen manchmal nicht nur die Namen, Gesichter oder Geschichten von Menschen, sondern sie selbst. Das  nehmen wir aber selten so deutlich wahr, weil wir meistens von den Menschen, die wir nicht beschenken, auch nicht zur Geburtstagsfeier eingeladen werden.

Auf Social Media sind wir aber auf jedem Geburtstag dabei. Unsere Netzwerke sind größer als die Zahl der Beziehungen, die wir pflegen können. Robin Dunbar nimmt an, wir könnten kognitiv maximal 150 Beziehungen pflegen. Es wird einige Anpassungen erfordern bis wir verstehen, dass wir in sozialen Netzwerken viele  so genannte »Weak Ties«, schwache Verbindungen, pflegen. Diese haben eine wichtige Funktion. Wenn unsere Wohnung überschwemmt wird und wir für einige Wochen bei jemandem unterkommen müssen, sind das immer Menschen, zu denen uns »Strong Ties« verbinden. Wollen wir aber einen Restaurant-Tipp für unsere nächste Städtereise erhalten, ein Smartphone verkaufen oder fachsimpeln, helfen uns »Weak Ties« weiter. Menschen mit vielen Strong Ties fühlen sich in der Tendenz glücklicher, die mit vielen Weak Ties sind erfolgreicher.

Gute Netzwerke, so behauptet Howard Rheingold, umfassen starke und schwache Verbindungen. Viele Social-Media-Beziehungen sind schwach – d.h. aber nicht, dass sie wertlos sind oder nicht in zu starken werden können. Wer regelmäßig Restaurant-Tipps austauscht, geht vielleicht einmal zusammen essen und wer oft über Motorräder fachsimpelt, trifft sich bald einmal auf einer Messe. Zentral ist, dass wir von den Weak Ties Neues erfahren und uns auf die Strong Ties verlassen können.


Parasoziale Interaktion

Die Medienpsychologie beschreibt mit dem Begriff der parasozialen Interaktion die Möglichkeit, mit einer Person eine Beziehung aufzubauen, die nur medial vermittelt existiert. Genauer:

Parasoziale Interaktion beschreibt etwas, das auf den ersten Blick wie eine soziale Interaktion aussieht: zwei Personen handeln in wechselseitigem Bezug aufeinander. Parasozial ist sie deshalb, weil dieses Handeln einseitig stattfindet. Auf der einen Seite steht eine reale Person, die das Gefühl hat, mit einer zweiten, fiktiven Person – z.B. einem Charakter in einer Fernsehserie oder dem Medienbild einer »celebrity« – sozial zu interagieren. Sie verfolgt das Leben der fiktiven Person, fiebert mit, lernt ihn oder sie kennen, kurz, die reale baut über die Zeit eine emotionale Bindung zur fiktiven Person auf. Die Bindung bleibt allerdings notgedrungen einseitig; der Fernsehbildschirm wirkt als Einwegspiegel im sozialen Handeln. – Till Westermayer, Carta

Parasoziale Interaktion ist als Phänomen nicht mit dem Aufkommen sozialer Netzwerke verbunden: Auch Gebete können als parasoziale Interaktion verstanden werden.

Neuartig sind Vermischungsprozesse, die passieren: Social Media verbinden bekannte und unbekannte Personen ein- oder mehrdirektional. So können auch unter Bekannten parasoziale Interaktionen stattfinden (weil z.B. jemand nicht reagiert) – und parasoziale Interaktionen mit Celebrities oder gar fiktionalen Figuren können auf Facebook oder Twitter Antworten auslösen. In Neuen Medien, so Westermayer, entsteht »ein Kontinuum von Beziehungen und Interaktionsformen, die von enger sozialer Beziehung/Interaktion über lose soziale Beziehungen bis hin zu gelegentlichen Interaktionen und echter parasozialer Interaktion/Beziehung reichen.«

Das erklärt nun, wenn es so stimmt, zwei Dinge: Den harten Realitätscheck, wenn das Medium gewechselt wird – die leichte, schwellenlose Gruppenzugehörigkeit im Netz läuft bei der Begegnung im realen Raum Gefahr, zu zerschellen; begleitet von dem Gefühl, aus dem Netz sozialer Beziehungen zu fallen.

Und, zweitens, im Umkehrschluss: Ist es nur auf Twitter so, oder sind nicht – und das geht über strong and weak ties hinaus – soziale Beziehungen auch außerhalb sozialer Medien weniger fest und klar definiert, als es vielleicht gemeinhin den Anschein haben mag? Wer sind unsere parasozialen Interaktionspartner im realen Raum – und wer, glauben wir, steht zu uns in einer sozialen Beziehung, sieht das aber nicht so?

Soziale Netzwerke zeigen die Asymmetrie sozialer Interaktion und Freundschaft auf: Wer schon einmal Soziogramme von Schulklassen erstellt hat, weiß, dass längst nicht alle, die wir als Freunde wahrnehmen, uns auch als Freunde einschätzen.

Und dieser Gedankengang zeigt auch auf, dass Freundschaft auf ein Medium beschränkt sein kann. Gewisse Aspekte, die für eine Identität wichtig sein können, sind unter Umständen an ihre mediale Repräsentation gebunden: Der Twitter-Kanal einer Person, ihre Instagram-Bilder oder ihre Snapchats lösen möglicherweise eine große Faszination und Sympathie aus, zu der es keine Entsprechung außerhalb dieser Medien gibt. Und umgekehrt: Die Stimmlage einer Person, ihre Gesten, ihr Blick lassen sich nicht auf Facebook abbilden.

Will McAvoy ist der Protagonist der Fernsehserie »Newsroom«.
Will McAvoy ist der Protagonist der Fernsehserie »Newsroom«.


Kontrollverlust – Filter, Selektion und Archiv

Ein problematischerer Aspekt ist aber die Uneinheitlichkeit der Netzwerke: Als User von Social Media ist nicht ersichtlich, was andere User sehen. Mein Nachrichtenstrom wird durch eine Reihe von Filtern geformt – zeitliche, algorithmische sowie persönlich eingestellte. Ich kann einige meiner Kontakte stumm schalten, von anderen nur wenige Beiträge lesen. Algorithmen berechnen zudem, was für mich wichtig sein könnte und blenden Unwichtiges automatisch aus.

Wer Informationen verbreitet, kann nicht wissen, ob und wie sie ankommen – weil die Empfangenden weit gehende Filtersouveränität genießen. Und die Empfangenden müssen selbst bestimmte und automatisierte Selektionsmechanismen einsetzen, die ihnen gewisse Inhalte ausblenden – ohne zu wissen, wie wichtig sie für den Aufbau und die Pflege einer Beziehung sind. Eines der stärksten Argumente von Sherry Turkle besagt, dass tragfähige Beziehungen auch Kritik und Langweile aushalten müssenKurz: Der Freund kennt den Informationsstand der Freundin nicht – und umgekehrt.

Andererseits haben sie Zugriff auf ein Archiv vergangener Äußerungen. Freundschaft ergibt sich auch durch gemeinsame Erinnerungen, die wiederholt und gefestigt werden. Die Möglichkeit, jederzeit nach Fotos oder Meldungen im Archiv zu suchen, verändert die Bildung von gemeinsamen Erinnerungen und schafft neue Bedingungen für Freundschaften. Beziehungen ergeben sich aus Erlebnissen in Momenten, die sich verändern, wenn sie in Archive abgefüllt werden und sich unverändert jederzeit abrufen lassen.


Positivgesellschaft

Das allgemeine Verdikt der Positivgesellschaft heisst ‘Gefällt mir’. Es ist bezeichnend, dass Facebook sich konsequent weigerte, einen Dislike-Button einzuführen. Die Positivgesellschaft meidet jede Spielart der Negativität, denn diese bringt die Kommunikation ins Stocken. […] Auf ‘Like’ folgt schneller Anschlusskommunikation als auf ‘Dislike’. Die Negativität der Ablehnung lässt sich vor allem ökonomisch nicht verwerten. – Byung-Chul Han, Transparenzgesellschaft

Die Reaktionen, mit denen Archiveinträgen begegnet werden können, sind recht uniform. Der oben zitierte Byung-Chul Han leitet das Erfordernis, positiv sein zu müssen, weil sich in sozialen Netzwerken positive Botschaften darstellen und verbreiten lassen, aus dem Bedürfnis nach Transparenz ab. Negative Gefühle und der Umgang mit Schmerz und Leiden erhalten in der transparenten Gesellschaft keinen Raum; generell verunmöglicht Transparenz Bereiche, in denen Menschen nicht den Blicken von anderen ausgesetzt sind. Beziehungen werden gewissermassen totalitär, sie vereinnahmen Menschen und zwingen sie zur Positivität, ohne Ungedachtem, Undenkbarem, Unbewusste, und Undarstellbarem Raum zu geben. Dadurch entfällt aber die Basis von Vertrauen, weil Kontrolle allgegenwärtig ist und Geheimnisse verunmöglicht.

Freundschaft wird zu einem Teil der eigenen Leistung; meine Freunde und mein Netzwerk dienen der Ausstellung des eigenen Wertes, der nun scheinbar transparent berechnet und dargestellt werden kann, wie das Systeme wie Klout vorgeben.


Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung

Der Mensch ist sich nicht einmal selbst transparent – wie sollte er dieser Forderung andern gegenüber genügen sollen? Freundschaften haben auch die Funktion, Selbst- und Fremdwahrnehmung zu vermitteln. Die Regeln des sozialen Miteinanders verhindern oft, dass wir ehrliche Rückmeldungen über unsere Wirkung auf andere mit unserem subjektiven Erleben koppeln können.

Charles Cooley

Social Media scheinen diese Vermittlung obsolet zu machen, weil sie vorgeben, dass Teilnehmende ihre Auftritte kontrollieren können und so wahrgenommen werden, wie sie wahrgenommen werden wollen. Viele Menschen formulieren als Ideal einer romantischen Beziehung, sich so zeigen zu können, wie sie wirklich sind. Dabei machen sie aber gleichzeitig deutlich, dass sie sich in verschiedenen Beziehungen verschieden präsentieren. Freundschaft wird wesentlich dadurch bestimmt, wie sich Menschen Freundinnen und Freunden gegenüber präsentieren und wie sie von ihnen wahrgenommen werden. Werden Social Media zum Medium der Freundschaft, so zeigt man sich mit dem Profil gleichzeitig auch einer Öffentlichkeit. Diese Profile sind aber oft bewusst gestaltet und entsprechen einer Identität, die mehr angenommen werden als vorgegeben sind. Social Media zeigen, dass wir nie so sind, wie wir wirklich sind, weil wir nur sind, wenn wir von anderen wahrgenommen werden und uns eine Identität zugeschrieben wird, die sich an unserem eigenen Verständnis reiben kann.

In einem Brief an Herder formuliert Goethe ein Ideal der Freundschaft, das der Konzeption sozialer Netzwerke radikal entgegen steht:

Wenn wir immer vorsichtig genug wären und uns mit Freunden nur von Einer Seite verbänden, von der sie wirklich mit uns harmonieren, und ihr übriges Wesen weiter nicht in Anspruch nähmen, so würden die Freundschaften weit dauerhafter und ununterbrochner sein. Gewöhnlich aber ist es ein Jugendfehler, den wir selbst im Alter nicht ablegen, daß wir verlangen, der Freund solle gleichsam ein anderes Ich sein, solle mit uns nur ein Ganzes ausmachen, worüber wir uns denn eine Zeit lang täuschen, das aber nicht lange dauern kann. – Goethe, Brief an Herder Dezember 1798

Je stärker unsere Selbstdarstellung auf Social Media erfolgt, desto weniger ist es möglich, Freundschaften auf einzelne Aspekte zu beschränken und den Anspruch auf eine totale Verbindung zurückzuweisen.

Das persönliche Gespräch erlaubt uns deutlicher, Erwartungen zu korrigieren, statt ihnen immer wieder entsprechen zu müssen – Korrekturen an der eigenen Darstellung und der fremden Wahrnehmung vorzunehmen. Und doch braucht es die anderen: »A person is a person through other people«, der Inhalt des Begriffs ubuntu in Südafrika, gilt on- wie offline.


Social Media als Brief oder Telefon

Kürzlich wurde ich gefragt, wie das denn sei, wenn man jemanden wirklich kennen lerne, den oder die man bisher nur über Social Media kannte. Ich war verwirrt. Einerseits kenne ich ja diese Menschen bereits »wirklich«, weil wir Gespräche geführt und gemeinsame Erfahrungen gemacht haben. Andererseits treffen wir ja oft Menschen, von denen wir schon etwas wissen.

In solchen Momenten bin ich versucht, Social Media mit Briefen oder Telefongesprächen zu vergleichen – heute würde niemand den Wert einer Brieffreundschaft oder die Bedeutung von Telefongesprächen in Zweifel ziehen. Und doch haben auch diese Medien Beziehungen beeinflusst und verändert – nicht notwendigerweise negativ, aber auch nicht notwendigerweise positiv, wie ein Abschnitt aus Walter Benjamins Berliner Kindheit von Neunzehnhundert zeigt:

Wenn ich dann, meiner Sinne kaum mehr mächtig, nach langem Tasten durch den finstern Schlauch, anlangte, um den Aufruhr abzustellen, die beiden Hörer, welche das Gewicht von Hanteln hatten, abriß und den Kopf dazwischen preßte, war ich gnadenlos der Stimme ausgeliefert, die da sprach. Nichts war, was die unheimliche Gewalt, mit der sie auf mich eindrang, milderte. Ohnmächtig litt ich, wie sie die Besinnung auf Zeit und Pflicht und Vorsatz mir entwand, die eigene Überlegung nichtig machte, und wie das Medium der Stimme, die von drüben seiner sich bemächtigt, folgt, ergab ich mich dem ersten besten Vorschlag, der durch das Telephon an mich erging. – Walter Benjamin, Berliner Kindheit um Neunzehnhundert

Roland Barthes hat in Bezug auf Freud festgehalten, das Telefon sei der Versuch, »die Trennung zu leugnen«:

Und dann ist der Andre dabei immer im Aufbruch begriffen; er entfernt sich auf doppelte Weise: durch sein Schweigen und durch seine Stimme: an wem ist es, zu sprechen? Wir schweigen gemeinsam: Stauung zweier Leeren. Ich werde dich verlassen, sagt jeden Augenblick die Stimme des Telephons. – Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe, Fading

Klarer könnte der Bezug zu sozialen Netzwerken nicht hergestellt werden: Auch hier der ständige Aufbruch oder Abbruch, die Nähe, die für Distanz steht. Die Stimme der Social Media sagt nicht »ich werde dich verlassen«, sondern »ich habe dich schon verlassen«. Und doch spricht sie mit uns.

Beziehungen brauchen Medien der Freundschaft und sie verändern sich durch Veränderungen dieser Medien. Intimität, Vertrauen, Erfahrung, Erinnerung und Liebe finden so neue Formen und Ausdrucksweisen – und mit ihnen ändert sich die Sprache, mit der sie ausgedrückt werden. Und mit der Sprache ändern sich die Menschen, aber nicht vollständig. Menschen leben in Freundschaften, berühren andere Menschen, sehen sie und werden gesehen – unabhängig davon, ob sie telefonieren oder chatten. Aber sie verschränken Nähe und Distanz, Annäherung und Entfernung, Bekanntheit und Entfremdung.


Der Körper des Freundes – die Stimme der Freundin

Durch das Telefon dringt die Stimme der Freundin. Gelöst von ihrem Blick, ihrem Gesicht, ihrem Geruch, und ihren Bewegungen. Die Social Media isolieren anderes: Den schriftlichen Ausdruck. Bilder, (Selbst-)portraits. Etwas Kunst. Davon ist aber nichts unvermittelt: Die Gedanken sind in Worte gefasst, die den Erfordernissen des Netzwerkes genügen, die Bilder zeigen selektive Ausschnitte von Körpern, die Kunst passt sich den Bedingungen an, die ihre Verbreitung ermöglichen. Vor die Freundschaft tritt in sozialen Netzwerken die Selbstzensur: Die Erwartungen der anderen sind präsent.

Selfie.
Selfie.

So scheint es konstant Überfluss und Mangel zu geben: Viele Gedanken, aber keine Blicke, keine Mimik, keine Denkbewegung. Keinen Körper, aber viele Bilder von Körpern.

Wer bin ich im realen Blick, im Augenblick (!) des Du? Kann ich den anderen riechen? Hat er/sie einen nervösen Tick, widerspenstiges Haar, Charme? Sinnlichkeiten und ihre Bedeutung. Eros. – Romana Ganzoni, Facebook-Kommentar

Social Media liefern Fragmente und Abbilder. Die Berührung, der Blick, die Stimme – sie fehlen alle. Die Begegnung der Social-Media-Freunde ist eine Verbindung der Fragmente, eine Ent-täuschung: Es gibt zwar gemeinsame Erinnerungen, eine Menge an Interaktionen, eine Vertrautheit, vielleicht auch Vertrauen. Aber Vertrauen bringen wir Personen entgegen, nicht einzelnen Nachrichten. Erst die Begegnung zeigt, ob wir der anderen Person wirklich vertrauen, erst die Augen, der Händedruck, der Kuss des anderen schaffen eine Person, der wir die Bilder, die Texte und Videos zuordnen können.

Max Küng beschreibt eine Freundschaft, wie sie sich knapp vor dem Aufkommen sozialer Netzwerke virtuell anbahnte. Der Höhepunkt seines Textes ist eine Begegnung in Berlin, bei der wir den Übergang, die Verbindung und die Ent-täuschung beobachten können:

So ging es zwei Jahre. Briefe. Pakete. SMS. Dann hatte der Mann in Berlin zu tun. Er nahm ein Hotelzimmer am Alexanderplatz, mit Blick auf den Fernsehturm. Er schickte ihr eine SMS, nur mit der Zimmernummer: »2310«. Eine halbe Stunde später klopfte es an der Tür. Er öffnete. Da stand sie. Was sollten sie tun? Sie schwiegen, hielten sich an den Händen, mehr nicht. Er roch ihr Parfum. Er hörte ihren Atem. Sie waren wie gelähmt. Irgendwann sagte er: »Bitte geh wieder. Wir fangen noch mal an.« Sie ging aus dem Zimmer. Er schloss die Tür. Sie wartete einen Moment, vielleicht eine Minute. Eine Minute ist eine lange Zeit, manchmal. Dann klopfte sie, es klang genau wie zuvor. Er öffnete die Tür. »Komm herein«, sagte er. Sie betrat das Zimmer, dann küssten sie sich. – Max Küng, Zilla & Max


Die Jane-Austen-Freundschaft

Freundschaft ist im wesentlichen eine positive Feedback-Schlaufe: Wir nehmen andere Menschen wahr (ihre Stimme, ihre Texte, ihr Gesicht, ihre Augen etc.) und sie nehmen uns wahr – und es entsteht so etwas wie Sympathie. Mehr ist hier nicht gemeint: »Wahre« Freundschaft ist seit Jahrhunderten ein Ideal, das nicht einmal kohärent formuliert werden kann, sondern sich in Bildern und Metaphern erschöpft.

Auf den Kanälen der sozialen Netzwerken bezieht sich diese Feedback-Schlaufe auf formal oft eigentümliche Gebilde: Profilbilder, kurze Sätze, gefilterte Bilder, kurze Videos, Zitate, Links. Intimität entsteht schriftlich. Der Verweis auf »Formen aus dem bürgerlichen Zeitalter« ist nahe liegend. Sympathie entsteht sehr vermittelt und ist oft mit starker Distanz verbunden. Das gilt so auch für Intimität und Freundschaft, wie Helena Fitzgerald in Bezug auf die Briefkultur in den Romanen von Jane Austen festgehalten hat.

There’s a Jane Austen-ish quality to online social life. The written word gains unmatched power and inarguable primacy. Personal relationships now, to a much greater degree than, say, 30 years ago, hinge on our ability to write […]. This change makes us not disconnected so much as it makes us archaic. Austen’s characters easily expressed extreme emotion in long letters and then in person sat twitchily near one another, paralyzed with manners.

Though our letters are not delivered by hand or horse-drawn carriage, our relationships once again live and die in the texts by which we barter with each other. The internet age unavoidably resembles the 19th century novel’s idea of human intimacy as so many of us pour our passionate confessions into emails, messages or chat boxes. Our physical reactions when together are often cover-ups for what we could so candidly admit in writing. – Helena Fitzgerald, Intimacy as Text

 

Persönliche und unpersönliche Beziehungen

Niklas Luhmann hat in Liebe als Passion den Gedanken formuliert, dass unsere Gesellschaft im Gegensatz zu früheren mehr Möglichkeiten zu unpersönlichen und zu intensiveren persönlichen Beziehungen biete. Diese Überlegung passt gut zu Social Media. Intime Beziehungen können mit multimedialer Kommunikation in hoher Kadenz gleichermaßen unterhalten werden wie eine große Zahl sehr loser Beziehungen.

Das Paradox der Intimität auf Social Media zeigt gar die Vermischung dieser Möglichkeiten an: Auf einigen Profilen – z.B. von jungen Frauen – finden sich Aussagen zu intimsten Belangen (Krankheiten, Drogenkonsum, Sexualität, Liebesbeziehungen etc.) die unter dem Schutz eines Profils einer breiten Öffentlichkeit mitgeteilt werden, den nächsten Menschen aber vorenthalten werden. So eröffnen Social Media therapeutische Räume für den Umgang mit belastenden Gedanken und Erfahrungen.

Dass Social Media Möglichkeiten für Freundschaft schaffen, dabei aber auch ihre Bedingungen verändern – auch das sind Einsichten, zu denen man schnell gelangt. Was konkret passiert, kann nicht per Analyse erschlossen werden, sondern braucht das Gespräch unter Freunden: Reden. Zuhören. Nachdenken. Weiterreden. Und weiter zuhören.

FB, »Tanz dich frei« und die Kooperation mit Behörden

In der Nacht auf den letzten Sonntag ist es in Bern zu Ausschreitungen im Rahmen einer Demonstration unter dem Namen »Tanz dich frei« gekommen. In den Medien setzt der Berner Gemeinderat Reto Nause den Fokus auf die Verantwortung von Facebook:

Weil die Organisatoren der Demonstration von der Anonymität der Internetplattform Facebook profiteren konnten, fordert die Politik nun Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern soll in Bezug auf die Ausschreitungen «die Strafbarkeit von Facebook» prüfen, fordert der Geimeinderat. Bei genügendem Tatverdacht soll ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Der zuständige Staatsanwalt liess derweil durchblicken, dass diese Forderung keine Priorität hat (siehe Zusatz).

Dem Staatsanwalt ist beizupflichten, wenn man zwei Aspekte auseinanderhält:

  1. Die Kooperation von FB mit Strafuntersuchungen.
  2. Die Möglichkeit von Behörden, Meinungsäußerungen auf FB zu kontrollieren oder damit verbundene Daten zu erhalten.

Facebook kooperiert in strafrechtlichen Verfahren und gibt Daten an Behörden weiter. Das ist gut so. Aber die Privatsphäre von Usern zu schützen ist gleichermassen ein berechtigtes Anliegen. Wie andere private Verwalter von Daten soll FB auf das Verlangen von Gerichten Daten frei geben – und nicht beliebig mit Behörden zusammenarbeiten und so präventive Polizeiarbeit jenseits von rechtsstaatlichen Verfahren ermöglichen.

Was in der Schweiz aussieht, als könnte es die Ordnung im öffentlichen Raum sicherstellen, dient in anderen Ländern zur Durchsetzung von totalitärer Unterdrückung. Auch wenn verhindert werden muss, dass Krawalle in Städten stattfinden, so darf das nicht dazu führen, dass die Möglichkeit, seine Meinung im Internet kundzutun, auch anonym, eingeschränkt wird – weil das ein wichtiges Grundrecht ist.

Diese Forderung ist zudem Ausdruck einer Projektion: Dass Ausschreitungen wenigen Verantwortlichen zugeschrieben werden könnten, die zu ihnen aufgerufen haben. Gewalttaten, die in Massenansammlungen von Menschen ausgehen, haben komplexe Ursachen. Hier Social Media in den Fokus zu nehmen, ist nicht nur falsch, sondern auch naiv.

Tanz dich frei - FB-Präsenz
Tanz dich frei – FB-Präsenz

»The world around you is not what it seems« – Vorstellung Ingress

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So sieht Ingress auf dem Smartphone aus.

Ingress ist ein Spiel, das sich auf Android-Geräten mit einer App spielen lässt (Google Play Store-Link). Das Spiel überlagert unsere Realität mit einer zusätzlichen Ebene des Spiel: An verschiedenen Orten gibt es so genannten Portale, die in einem ersten Schritt erobert werden können, dann verteidigt und miteinander verbunden. Auf der ganzen Welt spielen zwei Gruppen gegeneinander: Die grünen »Enlightened« gegen die blaue »Resistance«. Ziel ist es, möglichst große Felder zu erzeugen, die von verbundenen Portalen begrenzt werden.

Ingress-Spielende erkennt man daran, dass sie an bestimmten Orten intensiv auf ihr Smartphone oder Tablet schauen, dann ein paar Schritte weitergehen und dasselbe tun – das Gerät muss nämlich an einem bestimmten Ort per GPS lokalisierbar sein, damit eine Interaktion mit Portalen stattfinden kann. So kommt es oft auch zu Wanderungen durch einzelne Stadtteile, gezielte Ausfahrten oder aufwändige Umwege, um nebenbei noch gewisse Dinge mit Portalen machen zu können.

Das Portal am Marktplatz in Oerlikon.
Das Portal am Marktplatz in Oerlikon.

Spielerinnen und Spieler können maximal Level 8 erreichen. Je nach Level sind ganz andere Aktivitäten interessant, je länger man spielt, desto wichtiger wird auch die Zusammenarbeit mit anderen Spielenden. Ingress ist geschickt aufgebaut, auch wenn die Spielidee recht simpel ist und sich wenig verändert.

Neuartig ist an Ingress die Verbindung von Geocaching mit einer großen Storyline und dem Einbezug einer Unmenge von Spielenden. Zudem werden reale Welt und Spielwelt zunehmend ununterscheidbar – die virtuelle Dimension ergänzt die reale. Spielende können eigene Portale eintragen und so die Spielwelt modifizieren; während das Spiel selber dazu führt, dass viele Menschen sich an bestimmte Orte bewegen und real miteinander ins Gespräch kommen und kooperieren müssen. Es ist nicht unüblich, dass sich Ingress-Spielende in der Freizeit treffen, um Joggen oder Ausgang mit Ingress zu verbinden.

Als Beispiel sieht man hier, wie ein Team in den Ferien ein Feld erstellt hat, das ganz Korsika bedeckt. Dazu muss man wissen, dass für die drei Eckpunkte längere Vorbereitungen nötig sind, weil das Team eine bestimmte Anzahl Schlüssel dieser Portale braucht und die Portale dann auch entsprechend aufrüsten muss. Um so ein Feld zu erstellen, müssen Menschen international kooperieren, sich treffen und an dieser Vision mitarbeiten, die keinesfalls zu einem Sieg führen würde, sondern letztlich nur als Idee einen temporären Bestand in diesem Spiel hat und mit der Zeit wieder verschwinden wird.

2013-05-24

Rechte für digital Lernende

Je stärker sich digitales Lernen verbreitet – z.B. in Form von offenen Kursen, auch MOOCs genannt, oder informelles Lernen auf Wikis, in Foren oder per Video-Tutorial – desto wichtiger werden die Rechte von Lernenden. Das deshalb, weil die Rechte in einigen Ländern an staatlichen Institutionen wie Schulen geschützt werden. Sobald die aber ganz oder teilweise von digitalen Angeboten abgelöst werden, entfällt dieser Schutz.

digitale Lernende

Folgerichtig hat sich ein Team in Kalifornien daran gemacht, diese Rechte zu formulieren, ein erster Schritt dafür, sie auch durchsetzen zu können. Das englische Original kann hier eingesehen werden, eine deutsche Übersetzung ist in Arbeit, wie man hier nachlesen kann.

Hier deshalb nur die wichtigsten Rechte, die in der Erklärung gefordert werden:

  1. Das Recht auf Zugang
  2. Das Recht auf Privatsphäre
  3. Das Recht auf öffentliche Wissensproduktion
  4. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung
  5. Das Recht auf finanzielle Transparenz
  6. Das Recht auf Qualität und Sorgfalt
  7. Das Recht auf qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer
  8. Das Recht, als Lernende auch zu lehren.

Im Anhang an die Rechte formuliert der Texte auch Prinzipien des digitalen Lernens, die sehr lesenswert sind.

 

Das Buch zum Blog ist da!

Im November und Dezember 2012 ist auf diesem Blog ein Buch entstanden, das letzte Woche erschienen ist. Hier angestellte Überlegungen wurden erweitert, vertieft und in ein Gesamtkonzept verbunden: Was bedeuten soziale Netzwerke für die Schule, d.h. für die Lernenden, die Lehrenden und die Organisation?

Ich danke an dieser Stelle für die vielen Kommentare, Anregungen und vor allem auch für die Kritik. Auf die Frage, warum aus einem Blog ein Buch entstehen soll, habe ich zwar eine Antwort – viel lieber ist mir die Umkehrung: Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Sachbuch ohne Blog entstehen könnte…

Eine Leseprobe findet sich hier (pdf), das Buch ist im Buchhandel und online erhältlich (z.B. buch.ch / Amazon). Ich stelle das Buch an verschiedenen Anlässen vor, weitere Informationen dazu gibt es hier. In den nächsten Tagen verschicke ich einige Rezensionsexemplare, wer eines möchte und keines erhielt, kann bei mir eines bestellen: wampfler@schulesocialmedia.com, +41 78 704 29 29

Als Lehrperson von Jugendlichen lernen

Gestern hatte ich doppelt Gelegenheit, Jugendlichen zuzuhören: Im Rahmen einer Weiterbildungsveranstaltung an der Berufsschule für Gestaltung in Zürich berichteten Lernende (1. Lehrjahr, Grafik) über ihren Umgang mit digitalen Medien und als Abschluss eines Ergänzungsfachkurses mit Abiturienten (Philosophie) führte ich ein ausführliches Feedback durch. Meine Erfahrung dabei: Jugendliche nehmen ihre Bedürfnisse, ihr Lernen und ihren Umgang mit Medien enorm differenziert wahr und können sich darüber präzise äußern. So zum Beispiel über die Gefahr von Ablenkung, über die Wirkung von Unterricht, über Sinn und Unsinn von Bewertungskriterien und -anlässen; über den Auftritt von Lehrpersonen und ihren Umgang mit Medien; generell über ihre Erwartungen und die Erwartungen, die an sie gestellt werden.

DialogFür das Gelingen von Rückmeldungen und Gesprächen mit lernenden Jugendlichen gibt es einige Voraussetzungen:

  1. Die Jugendlichen müssen als gleichwertige Partnerinnen und Partner betrachtet werden, deren Äußerungen ernst genommen werden und denen mit Interesse begegnet wird.
  2. Vorwissen und Vorurteile müssen zur Sprache kommen, aber Gegenstand einer offenen Diskussion sein.
  3. Die Äußerungen von Lernenden müssen klar außerhalb eines schulischen Bewertungskontextes stehen. Es darf nicht der Hauch eines Verdachtes aufkommen, Kritik könnte zu negativen Beurteilungen führen.
  4. Quantitative Methoden sollten nicht im Hintergrund stehen: Kreuze auf Umfragen sind immer interpretationsbedürftig. Aus meiner Sicht ist ein offenes Gespräch, auf das sich die Schülerinnen und Schüler auch vorbereiten können, die sinnvollste Form.
  5. Rückfragen sind wichtig und sinnvoll, sollen aber die Privatsphäre der Jugendlichen berücksichtigen.

Dialog scheint mir insbesondere auch in Bezug auf die Nutzung von Neuen Medien bedeutsam zu sein. Jugendliche reflektieren ihren Umgang mit Kommunikationsmitteln stärker, als man gemeinhin annimmt: Sie erfahren negative Auswirkungen und unternehmen einige Bestrebungen, um sie zu vermeiden.

 

Auf FB-Fotos markiert werden – wie man dabei Probleme vermeidet

Bildschirmfoto 2013-05-15 um 12.53.09Auf Facebook können beliebige Fotos »markiert« werden – es kann angegeben werden, wer auf den Fotos zu sehen ist. FB kann zudem automatische Markierungsvorschläge machen, wenn das Gesicht einer Person erkannt wurde.

Interessant ist dabei der entstehende Kontrollverlust: Ob ich auf FB markiert wurde oder nicht, kann ich nur erkennen, wenn ich ein FB-Profil habe und die Markierung dort erscheint. Die Kontrolle darüber, auf welchen Fotos ich wie markiert werde, habe ich zu keinem Zeitpunkt.

Das führt im Fall von Prominenten oder gut vernetzten Personen – es ist mir auch schon zwei Mal passiert – dazu, dass man ungewollt für Werbung eingespannt wird: Sobald man eine bestimmte Person als Kontakt akzeptiert (meist attraktive Bilder von jungen Frauen auf dem Profil), werden Werbefotos gepostet, die mit dem eigenen Namen markiert werden, damit diese Bilder dann im FB-Stream von vielen anderen Menschen auftauchen. Hier gibt es einen Zeitungsartikel zum Problem.

Was ist die Lösung?

  1. Im restriktiven Fall nur echte Freunde oder Bekannte als Kontakte hinzufügen.
  2. Bei Missbrauch entsprechende Profile sofort aus den Kontakten entfernen.
  3. Kontrollieren, ob Markierungen mit meinem FB-Konto verbunden werden und sie allenfalls entfernen. Dafür gibt es eine hilfreiche Einstellung, die sich oben rechts im Zahnrad-Menu > Privatsphäreneinstellungen > Chronik und Markierungen befindet und zuerst aktiviert werden muss, damit man Markierungen zuerst überprüfen kann, bevor sie auf FB erscheinen:

Bildschirmfoto 2013-05-15 um 12.59.06

Geduld als zentraler Bestandteil von Medienkompetenz

Infotention bezeichnet für Howard Rheingold die Fähigkeit, einer Information die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen – nicht zuviel und nicht zuwenig.

In einem überzeugend argumentierten Artikel beschreibt Daniel Willingham, dass Geduld eine der Kompetenzen ist, die Jugendlichen dabei fehlt. Sie können aufpassen und aufmerksam sein – wollen es aber nicht, weil sie leicht gelangweilt werden. Was könnte man didaktisch darauf antworten?

John Singleton Copley - A Boy with a Flying Squirrel (1765)
John Singleton Copley – A Boy with a Flying Squirrel (1765)

Willingham bezieht sich in seiner Antwort auf Jennifer L. Roberts, eine Harvard-Professorin, die ihre Studentinnen und Studenten in ein Museum in Boston schickt, wo sie drei Stunden (!) vor einem Bild ihrer Wahl sitzen müssen, um es zu betrachten. Diese Aufgabe, so Roberts, führe zu immer mehr Details – so habe Roberts selbst im oben abgebildeten Gemälde von Copley erst nach längerer Betrachtung gesehen, dass die Form des weißen Bauches des Eichhörnchens nicht dur der des Ohrs des Jungen entspricht, sondern auch im Vorhang über seiner linken Schulter auftaucht.

Willinghams Fazit: Wir müssen Lernenden zeigen, dass sich Geduld auszahlt, weil sie mit dem Vergnügen gekoppelt ist, Bedeutungsebenen zu entdecken, die vorher nicht wahrnehmbar gewesen wären. Geduld muss mit einer positiven Erfahrung verbunden werden.

If we are concerned that students today are too quick to allow their attention to be yanked to the brightest object (or to willfully redirect it once their very low threshold of boredom is surpassed), we need to consider ways that we can bring home to them the potential reward of sustained attention. They need to feel the pleasure of discovering that something you thought you had figured out actually has layers that you had not appreciated.

Ist der Einsatz von AdBlockern verwerflich?

TA

Mit einfachen Browser-Erweiterungen lassen sich Seiten (wie oben Tages-Anzeiger Online) so darstellen, als enthielten sie keine Werbung. Die Werbung wird versteckt.

Heute haben einige deutsche Nachrichtenportale mit prominent platzierten Bannern dazu aufgerufen, auf ihren Seiten die AdBlocker auszuschalten. Als Beispiel sei die Begründung von Golem.de zitiert:

Daher haben wir eine große Bitte: Schalte deinen Adblocker auf Golem.de aus! Einen entsprechenden Hinweis sehen Nutzer von Adblockern in dieser Woche auf Golem.de, Spiegel Online, FAZ.net, RP-Online.de, Sueddeutsche.de und Zeit.de. Denn das Problem betrifft nicht uns allein, es ist für uns aber besonders groß. Nicht weil wir die Seite mit Werbung vollstopfen, sondern obwohl wir das nicht tun.

Wir sind jedem Einzelnen von euch dankbar, der seinen Adblocker auf Golem.de deaktiviert. Das kommt auch allen anderen Nutzern zugute, die bereits auf einen Adblocker verzichten und es damit überhaupt möglich machen, dass Golem.de existiert. Denn wenn viele ihren Adblocker auf Golem.de deaktivieren, wird die erste und direkteste Auswirkung darin bestehen, dass die Nutzer, die keinen Adblocker verwenden, weniger Werbung zu sehen bekommen. Und das wird sich auch dann nicht ändern, wenn es uns gelingt, im zweiten Schritt die Werbeeinnahmen zu steigern.

Die Hinweise der Portale werden von den AdBlockern mittlerweile auch schon wieder versteckt: Sie waren nur für kurze Zeit sichtbar, werden jetzt behandelt wie Werbung.

Die Frage, ob ich als Internetbenutzer Werbung wegfiltern darf oder nicht, verdient ein etwas genauere Diskussion. Die Argumentation der Anbieter wäre folgende: Wer Inhalte konsumiert, ist daran interessiert, das diese finanziert werden können. Werbung ist eine Methode der Finanzierung, die sich bewährt hat. Fällt sie als Einnahmequelle weg, dann gibt es entweder weniger gehaltvolle Inhalte oder es müssen andere Einnahmequellen erschlossen werden, die dann z.B. die Konsumierenden direkt betreffen könnten. Mit der Benutzung von AdBlockern schneidet man sich letztlich ins eigene Fleisch, weil man die Finanzierung der interessanten Inhalte gefährdet.

Aus einer anderen Perspektive besteht Werbung aus Inhalten, die ohne Anbindung an andere Inhalte nicht wahrgenommen würden. Werbung kann auf dem Markt der Aufmerksamkeit alleine selten bestehen (natürlich gibt es Ausnahmen) und wird den Konsumierenden deshalb in allen erdenklichen Formen aufgezwungen. Warum sollte ich mich gegen diesen Zwang nicht wehren dürfen? Wer eine Modezeitschrift aufschlägt, überblättert beim Lesen eines interessanten Artikels die ersten fünf bis zehn Seiten, die nur Werbung enthalten. Die Aufforderung, einen AdBlocker auszuschalten, ist, als würde man Menschen vorschreiben, wie sie eine Zeitschrift zu lesen hätten.

Ein interessantes Detail sind die technischen Möglichkeiten: Während es aufgrund der digitalen Kommunikation möglich ist, Anzeigen als solche zu erkennen und wegzufiltern – Stichwort Filtersouveränität -, ist es den Webseiten und Werbetreibenden wiederum möglich zu erkennen, welche Werbungen weggefiltert werden. In einem nächsten Schritt kann Werbung auch so gefiltert werden, dass das für Anbietende gar nicht mehr erkennbar ist. (Was natürlich nur dann relevant ist, wenn sich Portale unabhängig davon bezahlen lassen, ob mit den Anzeigen Interaktion stattfindet oder nicht.)

Die Anbieter der einschlägigen AdBlock-Software selbst argumentieren, sie seien Teil der Lösung, nicht der Problems – das Problem nämlich sei nicht die Werbung, sondern die Form der Werbung:

Wir sind uns vollkommen bewusst, dass Qualitätsjournalismus durch Werbung finanziert wird. Daher haben wir bereits im Jahr 2011 die Acceptable-Ads-Initiative ins Leben gerufen, um einen Kompromiss zwischen Internetnutzern und Verlagen zu finden. Werbung, die unaufdringlich gestaltet ist und von der Adblock Plus Community als „akzeptabel“ zertifiziert wurde, wird in den Standardeinstellungen des Werbeblockers nicht blockiert. Der Demokratiegedanke kommt bei unserer Community zum Tragen: Die Richtlinien für akzeptable Werbung legt diese selbst fest. Diese entscheidet, welche Anzeigen unaufdringlich und informativ sind und den Nutzern von Adblock Plus beim Surfen eingeblendet werden. Zertifizierte Werbung erreicht eine größere Reichweite und durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr Klicks als die übliche, effekthaschende Online-Werbung in dieser Zielgruppe. Das Problem ist die Aufdringlichkeit der Online-Werbung, die am Wunsch der Nutzer vorbeigeht.

Bleibt man nüchtern, so gibt es für die Verlage keine Möglichkeit sicher zu stellen, dass erwünschte Inhalte mit unerwünschten zusammen konsumiert werden, weil digitale Werkzeuge die Trennung solcher Kopplungen erlauben.

Das größere Problem ist generell die Finanzierung von Inhalten im Internet. Und wenn man ehrlich ist, gibt es dafür keine Lösungen. Weder Paywalls noch die Forderung nach innovativen Strategien noch eine Internetsteuer, wie sie Jaron Lanier vorschlägt. Das ist ein echtes Problem, weil Menschen Geld brauchen, um Leben zu können, und es nicht mehr durch das Erstellen von Inhalten verdienen können. Aber auch das Abschalten von AdBlockern hilft nicht, das Problem zu lösen.