Hashtags kurz erklärt

Cannesfestival

Hashtags sind Begriffe oder Abkürzungen, die mit dem Hash-Zeichen # eingeleitet werden. Sie heißen Tags, weil sie eine Art Etikette an eine Nachricht drankleben, die Zusatzinformationen enthält (man spricht von Metadaten). Konkret erlauben Hashtags, alle Nachrichten zu einem bestimmten Thema zu gruppieren und eine Art Diskussionsforum zu eröffnen, an dem alle, die denselben Hashtag verwenden,  teilnehmen können.

Ein Beispiel: #schlossgespräch

Letzte Woche begleitete ich eine Klasse zu einem Podiumsgespräch zu Jugendlichen und ihrem Medienkonsum. Während und nach der Veranstaltung habe ich Kommentare, Zitate und Links unter dem Hashtag #schlossgespräch publiziert. Der Hashtag wurde von anderen Anwesenden und Kommentierenden weiterverwendet, die ganze Diskussion kann auf Twitter oder auf einem Tweetwally nachgelesen werden (Tweetwally ist besser als Twitter, weil es eine vollständige Suche anbietet, die Twitter-Suche ist lückenhaft).

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Es wird deutlich, was die Funktion des Hashtags ist: Die relevanten Informationen zu einer Veranstaltung können in einer Suche betrachtet werden. Abwesende können nachlesen, was passiert ist – der Hashtag ermöglich eine Art Protokoll der Veranstaltung. Zudem findet parallel zum Podiumsgespräch eine kritische Reflexion statt, z.B. hat sich der Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss mehrfach mit Bemerkungen eingebracht:

Eigenschaften von Hashtags

  • Hashtags sind nicht hierarchisch: Alle können sie erstellen und verwenden, es können keine Rechte oder Privilegien mit Hashtags verbunden werden.
  • Für Veranstaltungen oder Ereignisse wie Wahlen, Sportanlässe, Fernsehsendungen etc. sind oft sinnvolle Hashtags vorgegeben.
  • Hashtags gibt es mittlerweile auf fast allen Social-Media-Kanälen: Neben Twitter also auch auf Facebook, Google +, Tumblr oder auf den Bildplattformen Instagram oder Flickr.
  • Hashtags ermöglichen, andere User mit ähnlichen Interessen zu finden (z.B. solche, die an denselben Massenveranstaltungen teilnehmen und die man noch nicht kennt).
  • Hashtags können auch rhetorisch eingesetzt werden, indem sie verwendet werden, um einen kurzen Kommentar zu machen, der einer Nachricht eine andere Tonalität verleiht, sie einordnet oder  kommentiert. Konkret markiert z.B. #latergram auf Instagram, dass das Bild nicht in dem Moment aufgenommen wurde, in dem es jemand auf die Plattform hochlädt. Das berühmteste Beispiel ist  #fail: In Kombination mit einer Beschreibung eines Zustandes wird ausgedrückt, dass ein Versagen vorliegt, z.B.: »In der ganzen S-Bahn fällt die Klimaanlage aus. #fail« Es gibt aber durchaus subtilere oder relevantere Beispiele.

Hashtags und Marketing

1081851495Wie Daniel Joerg kürzlich festgehalten hat, werden Hashtags zunehmend zu einem zentralen Marketing-Instrument: Vor allem in den USA verzichten viele Marken immer mehr darauf, URLs (also Homepages) für Kampagnen zu verwenden und ersetzen sie durch Hashtags. Dadurch werden Kundinnen und Kunden stärker zu Partnern, weil sie selber bestimmen können, wie sie den Hashtag verwenden wollen und auf welchem Kanal (eine Kampagne wird mit einem Hashtag sofort auf allen Kanälen präsent, ohne dass sie speziell lanciert werden müsste). Natürlich können Hashtags auch mit kanalspezifischer Werbung gekoppelt werden, wie Thomas Hutter hier erklärt.

Marken geben aber mit Hashtags auch Kontrolle über ihre Inhalte ab: So genanntes Hashtag-Hijacking kann dazu führen, dass Kundinnen und Kunden statt positiver Erfahrungen mit einer Marke negative kommunizieren. Ein berühmtes Beispiel ist #McDStories, ein Hashtag, mit dem dem McDonals dazu animieren wollte, nette Erlebnisse mit Happy Meals und Sundaes zu erzählen. Weil McDonalds dafür bezahlt hat, war der Hashtag auf Twitter sehr gut sichtbar – und wurde benutzt, um Kritik an McDonalds zu üben, so dass die Aktion sofort wieder abgebrochen werden musste. Sehr oft wird in den USA Hashtag-Hijacking bei politischen Kampagnen verwendet (pdf).

Ein Desiderat: Eine Meta-Plattform

Um Hashtags effizient einsetzen zu können, müssten irgendwo alle Facebook-Meldungen, Twitter-Updates und Instagram-Bilder einsehbar sein; kurz: alle Verwendungen des Hashtags, idealerweise sinnvoll sortiert (z.B. geordnet nach der Anzahl Reaktionen darauf). Eine solche Plattform fehlt meines Wissens noch, was nicht erstaunt. Könnten alle Inhalte aus den verschiedenen Netzwerken von außerhalb betrachtet werden, würde das die Möglichkeit der Netzwerke, mit diesen Inhalten Geld zu verdienen, stark beeinträchtigen. Hashtags sind letztlich zwar eine demokratische Strukturierungsmöglichkeit für Informationen, die aber gerade in einem Marketing-Kontext beeinflussbar ist. Diese Einflussnahme bedeutet Einnahmen für Twitter, Facebook und Co., auf die sie nicht verzichten wollen.

Zwei Nachträge zu #Neuland: #Prism und und die lange Geschichte der Internets

Zu meinen Gedanken über Neuland-Zitat von Angela Merkel möchte ich zwei Bemerkungen anhängen, die in der Diskussion aufgetaucht sind – sowie auf diesen lesenswerten Kommentar von Peter Glaser hinweisen.

(1) Prism als Kontext

Meine wohlwollende Einschätzung von Angela Merkels Aussage ist stark davon abhängig, dass ich sie in einen bestimmten Kontext gestellt habe. Dabei habe ich den direkten Kontext ausgeblendet. Merkel sagte nämlich:

Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.

Merkel ObamaDabei stand sie neben Barack Obama, dessen Regierung in den letzen Wochen wegen der umfassenden Internetüberwachung mit dem Namen Prism stark kritisiert worden ist.

Nun kann man natürlich gegen Merkels Aussage einwenden, die vorrangige Darstellung des Internets als ein Mittel für bedrohliche Kräfte, den sozialen Frieden zu gefährden, resultiere aus einer verkürzten Sicht und werde den vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet für die Kommunikation bereit hält, nicht gerecht. Es sei vielmehr zynisch, das Bedrohungspotential in den Vordergrund zu rücken, wenn das aktuelle Problem die konstante und nicht zu rechtfertigende Überwachung aller Nutzerinnen und Nutzern des Internets sei.

Aber gerade bei der Behandlung der Frage, wie mit Bedrohungen im Internet umgegangen werden solle und wie viel Überwachung in welcher Form zu rechtfertigen sei, ist die Neuland-Metapher wiederum sehr präzise, finde ich. Überwachung gab es auch mit herkömmlichen Medien: Regierungen haben Briefe  gelesen, Telefone abgehört, Metadaten erhoben (wer hat wen wo getroffen). Aber es gab so etwas wie einen Konsens darüber, wie weit Überwachung gehen darf. Regierungen haben aber gegen den Konsens immer wieder verstossen.

Bei Prism ist dieser Konsens nicht erkennbar. Je nach Bedrohungsszenario sind viele Menschen starke Befürworterinnen und Befürworter extensiver Überwachung (z.B. bei Kinderpornografie und Pädophilie). Andere lehnen jede Form von Überwachung ab. Ein Konsens, wie stark eine demokratische Gesellschaft ihre Mitglieder überwachen darf, fehlt noch. Wir befinden uns auf Neuland.

(2) Die Geschichte des Internets

Auf Google + schreibt ein Kommentator:

1985, also vor 28 Jahren holte ich für meinen damaligen Vorgesetzten Mails ab von einer UNIX-Workstation mit Grün-Monitor (Heute weiß vielleicht kaum einer, was ein Grün-Monitor überhaupt ist). Durch diese Workstation waren wir per INTERNET mit verschiedenen Forschungseinrichtungen auf dieser Welt verbunden. Einen Direktzugriff an jedem Computer im Haus gab es nicht. Das Abholen geschah durch Eingabe entsprechender Terminalbefehle am PROMPT. Die Nachrichten wurden in eine Textdatei umgeleitet, welche ich auf einer Diskette speicherte und anschließend an die Betreffenden intern weiterleitete.
DAS IST KEIN NEULAND MEHR!
Ebenso wenig wie Aidsforschung, digitale Datenträger, LED-Lampen oder andere Dinge, die in den 80ern aufkamen und seither weiterentwickelt wurden.
DAS IST DIE IGNORANZ DER MACHT.

Das Zitat verweist auf die lange Geschichte des Internets: Über 25 Jahre nutzen es Menschen. Dabei hat sich aber die Funktion ständig verändert – von einem Netzwerk für Forschende wurde es zu einem akademischen Tool; bis es so breit eingesetzt wurde, dass zur umfassenden Handelsplattform wurde, um mit der Web 2.0-Wende wieder zur Kommunikation zurückzukehren.

Wer das Internet 1985 verstanden hatte, verstand es 1995 nicht mehr unbedingt. Und 2005 war etwas komplett anderes daraus geworden. Verglichen mit anderen Kulturtechniken, die gesellschaftliche Relevanz erhalten hatten, verändert sich das Internet so schnell, dass eine Gewöhnung kaum möglich scheint. Eine kleine Elite versteht die Möglichkeiten des Internets zu jedem Zeitpunkt, aber »für uns alle« wird es noch eine Weile Neuland bleiben.

Homepage von Angela Merkel aus dem Jahr 2000.
Homepage von Angela Merkel aus dem Jahr 2000.

Das Internet als Neuland

Das Internet ist für uns alle Neuland.

Diesen Satz hat Angela Merkel gestern auf der Pressekonferenz mit Barack Obama gesagt. Die Reaktionen lassen sich in zwei Lager einordnen: Viele netzaffine Menschen (»digital natives«) leben in diesem Neuland und finden, es sei alles andere als Neuland. Merkel wird passend zur kolonialen Metaphorik als eine Bedrohung wahrgenommen, die das Neuland besiedeln und unterwerfen wolle, ihm die Regeln und Lebensweise des alten Landes aufzwingen wolle, während es doch schon neue Regeln und neue Lebensweisen gibt, die Merkel aufgrund ihrer Arroganz einfach nicht kenne.

Auf der anderen Seite wird gerade diese Haltung als überheblich angesehen, weil sie annimmt, es gäbe einige Erleuchtete, die niemanden in ihr Land lassen wollen, die sich nicht an die herrschenden Bräuche anpassen und sie als die ihren akzeptieren. Die Netzgemeinde schotte sich von der Aussenwelt aus und sei an einer echten Auseinandersetzung nicht interessiert.

Ich persönlich finde, Angela Merkel hat schlicht Recht: Das Internet ist Neuland. Die digitalen Kompetenzen sind allenfalls bei einem Bruchteil der Bevölkerung angelangt und gerade die spöttische, optimistische Haltung der Netzgemeinde ist ein wesentlicher Grund dafür, dass andere den Zugang nicht finden und kein genaues Verständnis der digitalen Vorgänge erlangen, wie ich hier dargelegt habe.

Wenn Rene befürchtet, das Kernproblem sei ein juristisches, dass nämlich Merkel und ihre politischen Verbündeten das Internet stärker regulieren wollten, obwohl es schon heute zahllose, unsinnige Gesetze geben, welche die Funktionsweise der digitalen Sphäre beschränkten, dann weist er auf einen wichtigen Punkt hin. Allerdings ist das Internet tatsächlich juristisches Neuland – es wird heute mit den Gesetzen reglementiert, die für ganz andere Kontexte geschaffen wurden. Das Urheberrecht kann die Möglichkeit verlustfreier und immaterieller Kopien nicht adäquat beschreiben, in anderen Rechtsbereichen lässt sich nicht abschätzen, welche Informationen im Netz öffentlich und welche privat sind, weil es eine Reihe von Mischformen gibt (z.B öffentlich einsehbare Tweets, von denen ihre Urheberinnen und Urheber aber zurecht annehmen, dass sie nur an einen beschränkten Personenkreis gerichtet seien).

Wir verstehen vieles von dem, was das Internet wirklich verändert hat und verändern wird, zu wenig. Zu tun, als hätten wir alles im Griff, schadet mehr, als es hilft. Und diese Einsicht führt nicht zu einem generellen Pessimismus oder zur Konzentration auf Gefahren, sondern schafft klare Sicht.

Relevanzkriterien auf Wikipedia

Als enzyklopädisch relevant gilt ein Kampfkunststil oder eine Kampfsportart, wenn

  • es weltweit mehr als 10.000 Praktizierende dieses Stils gibt oder gab oder
  • der Stil eine kulturell, regional oder historisch herausragende Bedeutung hat

Das Zitat stammt aus den Relevanzkriterien der deutschen Wikipedia. Die enorm ausführlichen und genauen Kriterien legen fest, welches Wissen relevant ist und welches die Kriterien nicht erfüllt (die Wikipedia-Gemeinschaft behauptet nicht, dass das Wisse nicht relevant sei, sondern nur »für Wikipedia relevant« sei, wenn es eines der Kriterien erfülle).

Das Problem ist offensichtlich:

Relevanz ist kein absoluter Begriff, sie ist furchtbar relativ, somit Verhandlungssache. Wann etwas „besondere Bedeutung“ erlangt hat, sehen bei jedem einzelnen Thema Betroffene anders als Unbeteiligte, Profis anders als Laien.

Relevanzkriterien scheinen mir ein wichtiges Unterrichtsthema zu sein. Das Studium der Wikipedia-Kriterien kann folgende Aspekte verdeutlichen:

  • dass die Inhalte von Wikipedia keinesfalls beliebig sind
  • die Gratwanderung einer Enzyklopädie zwischen der Inklusion von möglichst viel wissen und der exklusiven Beschränkung auf grundlegendes Wissen
  • die Verschränkung von Kriterien mit Qualität
  • die Einsicht, dass Relevanz immer nur in Bezug auf ein Kollektiv oder Publikum definiert werden kann und nicht absolut
  • die Möglichkeit, alle Richtlinien auf Wikipedia zu diskutieren und ändern
  • die Frage, ob Platzbeschränkungen für ein digitales Medium sinnvoll sind
  • die Abhängigkeit der Relevanzkriterien von Institutionen und Publikationsformen, die durch das Internet verändert werden.

Eine kreative Aufgabe in der Schule könnte sein, Entwicklungen vorzuschlagen, wie Wikipedia die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen kann, Wissen darzustellen, das die Relevanzhürde nicht erreicht. Politisch ist auch die Aussage von Johnny Haeusler interessant:

Wenn eine Minderheit etwas relevant findet, dann hat die Mehrheit meiner Meinung nach nicht das Recht zu sagen, ‘das ist irrelevant’.

Bildquelle: Ahoipolloi
Bildquelle: Ahoipolloi

Blogeinträge statt Aufsätze schreiben

Am 19. Juni haben einige meiner Schülerinnen und Schüler auf einem SRG-Podiumsgespräch über Medienkonsum im Zeitalter von Internet und Gratiszeitungen mit etablierten Persönlichkeiten diskutiert (Radiobericht hier). Im Vorfeld wurde ich vom Regionaljournal Aargau Solothurn interviewt.

Bildschirmfoto 2013-06-18 um 22.57.04Eine lange Version des Interviews findet sich hier, für die geschnittene unten klicken.

Social Media im Deutschunterricht

Titelblatt, Klick aufs Bild führt zum Dokument (pdf)
Titelblatt, Klick aufs Bild führt zum Dokument (pdf)

Für eine Fortbildung habe ich ein Papier geschrieben, in dem ich Vorschläge mache, wie Social Media in den Deutschunterricht einfließen könnte.

Das Papier kann hier runtergeladen werden (pdf, Version 2.1, 17. Juni 2013), über Rückmeldungen, Kritik und Anregungen freue ich mich wie immer!

Hier der Inhalt mit Links auf die relevanten Blogposts, in denen einzelne Ideen ausführlicher formuliert werden:

  1. Einführung: Lurken – wie man Social Media lernt
  2. Bloggorrhoe oder Präzision beim Schreiben in Social Media
  3. Mit Google dichten
  4. Bloggen als Schreibtraining
  5. Wikipedia-Artikel verfassen
  6. Twitter für Rollenspiele und Literaturunterricht verwenden
  7. Werther neu geschrieben
  8. Kontakt mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern auf Social Media
  9.  Lesen 2.0

Mit Google Gedichte machen

Die Idee ist alt: Suchmaschinen eigenen sich dafür, Gedichte zu machen. Sie verbinden parallele Strukturen mit zufälligen Funden – und schaffen so Formen und Inhalte; zu der doch die Benutzerin oder der Benutzer der Suchmaschine den wesentlichen Input gibt.

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Neu ist, dass Google uns direkt Gedichte präsentiert, wenn wir Suchanfragen eingeben. Die Autovervollständigung zeigt uns automatisch Gedichte an, wenn wir einige Wörter eintippen. Wie diese Gedichte entstehen, ist dabei unklar: Sind es die häufigsten Suchanfragen, also die Sätze von anderen Menschen? Oder sind es redaktionelle Inhalte? Sind es Computersätze?

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Wenn wir mit Google dichten, so stellen wir Maschinengedichte her, Zufallsgedichte, aber wir arbeiten auch mit ganz vielen anderen Menschen zusammen.

Diese Idee eigenet sich deshalb ausgezeichnet für den Sprachunterricht. Der Auftrag, Google-Gedichte zu verfassen, führt zu vier Lernzielen:

  1. Erfahrung der eigenen Kreativität im Umgang mit dem sozialen Internet
  2. Reflexion über den künstlerischen Status maschineller Produkte
  3. Problematisierung des Begriffs Gedicht
  4. Verständnis der Funktionsweise von Googles Autocomplete-Funktion (evtl. auch am Fall »Bettina Wulff«).

Eine Sammlung von Google-Gedichten in verschiedenen Sprachen findet sich auf diesem Blog.

Wie ich zu 2000 Twitter-Followern gekommen bin

Bildschirmfoto 2013-06-05 um 11.53.27Meine Tweets, also die kurzen Nachrichten, die täglich versende, werden von 2’430 Profilen aus verfolgt – so viele andere Userinnen und User »folgen« meinem Profil nämlich; d.h. meine Nachrichten werden ihnen angezeigt, wenn sie sich ins soziale Netzerk Twitter einloggen.

Ich selber folge über 1000 anderen Profilen. Das Folgen ist unilateral: Die Konten, denen ich folge, müssen mir nicht folgen – und umgekehrt.

Heute wurde ich gefragt, was meinen »Follower-Erfolg begründet«. Ehrlich gesagt: Ich kann es gar nicht wissen. Viele der Profile, die mir folgen, werden von Programmen betrieben, die bestimmte Stichworte zum Anlass nehmen, Profilen zu folgen. Einige mögen mir folgen, weil sie sich über meine Meinungen aufregen wollen, andere finden die Texte, die ich verlinke, meistens spannend. Und weitere haben vielleicht längst aufgehört, Twitter zu benutzen.

Dennoch versuche ich hier mal meine Prinzipien im Umgang mit Twitter zu beschreiben, die zu dieser Menge an Nachrichten und Kontakten geführt haben könnten.

  1. Geduld. 
    Ich bin seit sechs Jahren auf Twitter (zunächst mit dem Account @kohlenklau). Seit vier Jahren bin ich wohl sehr aktiv, das heißt ich schreibe rund 20 Tweets pro Tag. So kommen immer wieder ein paar Follower dazu – aber nie viele.
  2. Auf Spam verzichten. 
    Ich verschicke – so weit ich das vermeiden kann – nie automatisierte Nachrichten, Werbebotschaften oder inhaltslose Botschaften. Wiederholte Hinweise auf meine Inhalte limitiere ich streng: Ich verweise auf Blogposts meist zwei Mal (auch nicht immer).
  3. Freundliche Umgangsformen. 
    Ich antworte auf alle seriösen Fragen und Kommentare, bleibe auch bei hitzigen Diskussionen sachlich und anständig und behandle andere in der Regel so, wie ich auch behandelt werden möchte.
  4. Content First. 
    Mein Ziel ist es, Informationen zu verbreiten oder sachliche Diskussionen zu führen. Der Inhalt steht dabei im Vordergrund und ich erachte es als meine Pflicht, ihn auf seine Qualität zu prüfen. Ich verlinke interessante Artikel nur dann, wenn sie nicht schon starke Verbreitung gefunden haben, ich vermeide das Wiedergeben von bekannten News und versehe meine Links mit Kommentaren und Hinweisen.
  5. Andere User einbeziehen. 
    Wenn ich Informationen von jemandem übernehme, gebe ich das in der Regel an. Ich antworte anderen Menschen auf ihre Nachrichten und fordere sie zu Diskussionen heraus. Ich erwähne andere Leute zudem direkt und verzichte auf Non-Mentions.
  6. Themen besetzen und Profil gestalten. 
    Ich bin an vielen Themen interessiert und besetze einige davon auf Twitter – d.h. ich äußere mich regelmäßig dazu und bin informiert, was gerade läuft. Allerdings ist mein Profil nicht besonders geschärft: Ich diskutiere über Sport, Gender, Schweizer Politik, Medien, Philosophie, Bildung und Social Media. Damit überschneiden sich einige Themenfelder.
  7. Leuten zurückfolgen. 
    Für mich stellt es keine Pflicht dar, den Profilen zu folgen, die mir folgen. Aber anderen Menschen, die sich für dasselbe interessieren und mit mir interagieren, folge ich im Normalfall.

Die Ausnahmen zu meinen Prinzipien möchte ich nicht auflisten – es wären zu viele und zu verschiedene; mal entsteht eine persönliche Abneigung, manchmal mache ich im Affekt Fehler. Vielmehr möchte ich noch einige Rückmeldungen auflisten, die ich im Sinne von Kritik an meinem Profil schon erhalten habe (und an denen ich arbeite, wenn ich es nicht vergesse):

  • Ich verstricke mich in zu lange Diskussionen, die dann die ganze Timeline anderer User besetzen.
  • Ich zeige zu wenig von mir persönlich und wirke durch meine sachliche Argumentation oft sehr hart und humorlos.
  • Ich beanspruche in unzähligen Gebieten Kompetenz und äußere zu allem meine Meinung.
  • Mein Twitter-Rhythmus ist generell zu hoch: Es ist kaum möglich, alles zu lesen, was ich verbreite (diese Kritik gibt es auch an meine Blogposts).

Wahrscheinlich habe ich sowohl Prinzipien als auch Kritik an meinen Aktivitäten vergessen – und freue mich deshalb über Ergänzungen.

Was tun bei digitalen Notfällen von Jugendlichen?

Es ist Wochenende. Im Internet ist etwas Schlimmes passiert, allenfalls Cybermobbing. Wohin sollen sich Eltern, Jugendliche und andere Beteiligte in der Schweiz wenden, um das Problem zu lösen und Beratung zu erhalten?

Hier eine kleine Liste mit den besten Angeboten – aktualisiert am 4. Juni 2013.

  1. Telefon 147 oder 147.ch: Das Beratungsangebot der Pro Juventute verweist an Fachstellen und berät im Telefongespräch oder per anonymem Chat. Zudem gibt es auf der Webseite umfangreiche Informationen und Listen mit Beratungsangeboten.
  2. Kantonspolizei: Sobald es um illegale Aktivitäten geht, ist die Polizei die erste Anlaufstellen, die auch am meisten Möglichkeiten hat, konkret etwas zu bewirken. Die Polizei ist auch im Internet zuständig.
  3. Aktuelle Angebotsdatenbank von Jugend und Medien: Die Datenbank vermittelt Beratungsangebote abgestimmt auf Alter, Wohnort und Thema.
  4. tschau.ch: E-Beratung für Jugendliche, die zudem viele schon beantwortete Fragen zu verschiedenen Themen zur Verfügung stellt.

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Schulgerüchte auf Social Media

Wie jede Organisation gibt es an Schulen dunkle Kommunikation: Bösartiges, Unsicheres, Nebensächliches beschäftigt Lernende wie Lehrende in den Pausen und auf dem Schulweg. Das Schulgeschehen wird zum Gegenstand der Unterhaltung und so emotional verarbeitet.

An der Kantonsschule in Zug ist daraus ein innovatives Projekt entstanden: Die KSZ Confessions (Facebook-Link). Auf der Seite werden »Geständnisse« von Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen (?) anonym publiziert.

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Die dunkle Kommunikation rückt ins Licht, aber ohne Schaden zu verursachen. Die Geständnisse wirken aus der Distanz entweder harmlos oder so gehaltvoll, dass sie echte Reflexionen auslösen können, wie folgende Beispiele zeigen:

Ich war unglaublich süchtig nach dem Schlumpf-Spiel. Darin hatte ich einmal Melonen gepflanzt und diese mussten 36h wachsen. Als sie reif waren, war ich im GS-Unterricht. Ich begab mich auf das Klo und erntete die Melonen.

Wenn ich die Kantonsschule Zug mit einem Wort beschreiben müsste, wäre dies «ineffizient«!

Praktisch alle Frauen unserer Klasse wurden, ohne einen triftigen Grund zu haben, aufgefordert, bei der Schulpsychologin vorbeizugehen.

Die Distanz durch die Zeit und die Anonymität des sozialen Netzwerks erlauben über wichtige Erfahrungen so zu sprechen, dass sie verarbeitet, aber auch von anderen genutzt werden können.

Das Projekt scheint mir sehr innovativ zu sein. Es nutzt die technischen Möglichkeiten, schafft Identifikation und löst Prozesse aus, die einer Verbesserung des Klimas und des Unterrichts dienlich sein können. Und es ist enorm mutig, diesen Aussagen einen halb-offiziellen Platz einzuräumen (die Schulleitung fordert, dass heikle Inhalte gelöscht werden – danke Paul Zübli für den Hinweis in den Kommentaren!).