Unsicherheit im Lehrberuf

In einer Feedback-Runde warf eine meiner Klassen einer anderen Lehrperson letzte Woche vor, sie habe in den letzten Wochen unsicher gewirkt. Kurz konnte ich dem Vorwurf zustimmen, dann machte er mich betroffen. Er schuf einen Kontrast zwischen mir, dem sicheren Lehrer, und der unsicheren Lehrperson. Er implizierte, um etwas vermitteln zu können, sei Souveränität unabdingbar. Ein paar Gedanken dazu. wapIch bin oft unsicher. Vieles, was um mich herum passiert, verstehe ich nicht. Schwierige Texte überfordern mich, zwischenmenschliche Konflikte lähmen mich, ich stehe mir oft selbst im Weg. Mein Körper ist nicht so, wie ich ihn gern hätte, ich höre mir selbst nicht gern beim Reden zu und wenn ich meine Texte zu oft lese, halte ich sie meist für trivial, fehlerhaft und nichtssagend.

Seit ich unterrichte, habe ich viele Strategien und Techniken gelernt, diese Unsicherheit zu verstecken. Ich antworte auf jede Frage so, als wüsste ich die Antwort. Zu fast jedem Thema äußere ich selbstbewusst eine Meinung. Ich stelle kleine Schwächen aus, um große zu verbergen. Abschließend aufzuzählen, wie das im Detail mache, überfordert mich, weil ich mir meist selbst verheimliche, was ich alle tue, um gut dazustehen.

Unsicherheit ist ein Motor für mich. Ich stopfe Wissenslücken so schnell es geht und reagiere meist prompt auf Kritik. Aber das ändert nichts daran, dass die Unsicherheit nicht verschwindet, sondern einfach weniger durchscheint.

Das hat Vorteile, wenn man als Lehrperson arbeitet, aber auch Nachteile. Strahle ich Sicherheit aus, dann gebe ich Schülerinnen und Schülern Mut, dass wir gemeinsam Durststrecken, Motivationsschwierigkeiten und Prüfungssituationen überstehen werden, weil ich selbst daran zu glauben scheine. Ich fordere sie implizit auf, für Probleme Lösungen zu suchen, Hilfe anzunehmen, stärker zu werden. Gleichzeitig scheine ich ihnen das Recht abzusprechen, Unsicherheit zu zeigen. Es ist nicht fair, dass ich vieles von dem, was ich tue, einfach aussehen lasse. Ich kann vor einem großen Publikum eine Stunde frei sprechen und zwei Tage hintereinander 50 mündliche Prüfungen abhalten, die alle ein unterschiedliches Buch zum Thema haben. »Können« heißt dabei, dass ich nie große Schwächen zeige, kaum anecke oder fundierte Kritik zulassen muss. Ein Teil davon sind Gaben, die ich durch Übung oder meine Gene erhalten habe, ein Teil davon Erfahrung. Ich bin während diesen Leistungen oft enorm unsicher, verkaufe Halbwissen als Wissen, stelle Fragen, deren Antwort ich selbst nicht weiß oder lenke von dem ab, worüber ich nicht sprechen möchte.

Das heißt nicht, dass ich nicht gut vorbereitet wäre oder meine Arbeit nicht gut mache. (Zumindest rede ich mir das ein.) Unsicherheit ist menschlich. Sie in bestimmten Situationen zu verstecken, auch. Aber eine Balance scheint mir wichtig. Kurz: Ich möchte lernen, mir langsam eine Meinung zu bilden statt schnell eine zu vertreten. Eine Frage zu verstehen und wirken zu lassen, statt sie zu beantworten. Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass sie nicht funktionieren müssen, weil auch ich nicht einfach funktioniere. Und doch die Zuversicht zu behalten, dass sich nicht ständig Abgründe auftun, in die ich zu fallen drohe, sondern die Ahnung dieser Abgründe ein guter Begleiter ist, den wir nicht ständig abschütteln müssen.

Die Struktur der Netzgeneration

Die Tatsache, dass heute andere Medien genutzt werden als in früheren Zeiten rechtfertigt es nicht, eine ganze Generation als andersartig zu mystifizieren. Im Gegenteil, die Generation, die mit diesen neuen Medien aufwächst, betrachtet sie als ebenso selbstverständliche Begleiter ihres Alltags wie die Generationen vor ihr den Fernseher, das Telefon oder das Radio.

Dieser Haltung von Rolf Schulmeister, der in seinem breiten Essay argumentativ bestreitet, dass es eine Net-Generation gibt, wird in einer aufwändigen Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) von 2014 eine andere Perspektive gegenübergestellt:

Die Sphären Jugend und Medien sind also durch vielfältige Beziehungen miteinander verwoben. Allzu oft ist dementsprechend auch die Rede von Mediengenerationen, die durch einen jeweils charakteristischen Umgang mit – wiederum spezifischen – Medien gekennzeichnet sind. Heute wird dabei vor allem auf das Medium Internet Bezug genommen. Diagnostische Schlüsselbegriffe lauten dann Netzgeneration oder Generation @ (S. 17).

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U25-Internet-Millieus, 14-24-Jährige

Die DIVSI-Studie postuliert aber ebenfalls keine Einheitlichkeit, sondern leitet anhand von Unterscheidungen nach dem Bildungsniveau (tief, mittel und hoch) und der normativen Grundorientierung (traditionell, modern, postmodern) sieben Internet-Niveaus für die Altersgruppe 14 bis 24-Jahre ab (S. 28 ff.):

  1. Verunsicherte (tief, traditionell), 3%
    Nutzen das Internet eher wenig und bewerten ihre Kompetenz dafür als ungenügend. Sie sind verunsichert und misstrauisch gegenüber dem Internet, aber auch mit ihrem eigenen Leben unzufrieden.
  2. Vorsichtige (mittel, traditionell), 7%
    Diese Jugendlichen wünschen sich ein ähnliches Leben wie es ihre Eltern hatten und sind sozial eher unauffällig. Das gilt auch für ihre Internetnutzung: Sie ist verantwortungsbewusst und zurückhaltend, die »Vorsichtigen« hinterlassen im Netz wenig Spuren. Sie geben an, auf die meisten Internetdienstleistungen verzichten zu können.
  3. Verantwortungsbedachte (hoch, traditionell), 8%
    Im Vergleich mit den ersten beiden Gruppen nutzen sie das Netz intensiver, aber kaum zu Lifestyle-Zwecken. Sie orientieren sich an bekannten Strukturen und sind daher dem Internet gegenüber skeptisch eingestellt; vor allem mögliche Rechtsverstöße schrecken sie ab.
  4. Skeptiker (hoch, traditionell-modern), 10%
    Die Gruppe orientiert sich an Idealen wie Gerechtigkeit, Demokratie und Toleranz verfügt über ein hohes Sendungsbewusstsein. Um die eigene Meinung zu vertreten wird digitale Kommunikation genutzt, für die Freizeitgestaltung jedoch kaum. Aufgrund ihrer kritischen Haltung sehen sie die Sicherheit im Netz als ein Problem.
  5. Unbekümmerte (tief, modern), 18%
    Sie nutzen das Internet häufig und hauptsächlich zu Unterhaltungszwecken. Vernetzung und Inszenierung sind für sie wichtig. Unbekümmert sind sie lediglich gegenüber Vertrauen und Sicherheit im Internet, mit ihrem Leben sind sie generell wenig zufrieden.
  6. Pragmatische (mittel-hoch, modern), 28%
    Diese große Gruppe ist mit ihrem Leben, ihren Beziehungen und ihrem Aussehen sehr zufrieden und versuchen Leistung, Disziplin und Spaß zu verbinden. Dabei ist das Netz ein Mittel, das selbstverständlich und kompetent genutzt wird.
  7. Souveräne (hoch, postmodern), 26%
    Mobile und kreative Jugendliche, welche sehr intensiv und lange online sind und versiert, aber nicht unreflektiert Netzwerke pflegen und kulturelle Inhalte erstellen, verbreiten und konsumieren.

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Die Facebook-Nostalgie

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NZZ-Artikel vom 19. 3. 2014

Heute sind in Schweizer Tageszeitungen gleich drei Artikel zu Facebook-Gruppen erschienen (FB-Link), die Erinnerungen von Menschen an den Ort, an dem sie aufgewachsen sind, sammeln und zugänglich machen. »Du bisch vo X, wenn…« ist der Titel der Gruppen, in denen Menschen ihren nostalgische Gefühlen an ihre Heimat nachgehen.

Für den NZZ-Artikel würde ich von Andreas Jahn befragt. Meine Einschätzung war etwas differenzierter, als das im Text nun zum Audruck kommt – daher möchte ich hier etwas genauer formulieren, wie ich das Phänomen einschätze.

Social Media schaffen eine neue Nachbarschaft. Wir definieren uns weniger darüber, mit wem wir zusammenleben: Die Mehrfamilienhäuser in der Agglomeration zeichnen sich durch eine fast maximale Anonymität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner aus, für die es zudem kaum eine Rolle spielt, ob sie in Zürich oder in einer von 30 Agglomerationsgemeinden leben, von denen aus Zürich in 20 Minuten erreichbar ist. Vielmehr verbinden sich Menschen im 21. Jahrhundert nach ihren Interessen und Vorlieben. Sie turnen nicht polysportiv im konfessionell festgelegten und lokal verankerten Turnverein, sondern betreiben Pilates, Unihockey oder klettern in einer Halle und an geeigneten Felsen. Ihre Mobilität hat sich erhöht. Ein Faktor sind dabei neue Kommunikationsmittel, die es uns erlauben, uns mit den Menschen zu vernetzen, die zu unserer Lebensgestaltung passen.

Das führt zu Freiheiten, aber auch zu einer massiven Unsicherheit und Verunsicherung. Es entsteht ein dialektisches Verhältnis: Die Möglichkeiten des Webs werfen uns zurück auf die Bedingungen unserer Herkunft, die eben strikt festgelegt waren. Wo wir aufgewachsen sind, was wir erlebt haben war nicht gewählt und erforderte keine Entscheidung – und hat uns gerade deswegen so geprägt.

Dafür stehen diese Facebook-Gruppen. Darüber hinaus ermöglichen sie, einen ganz bestimmten Kontext festzulegen. Die Gruppen sind offen, und doch muss niemand befürchten, dass sich dort Menschen aufhalten, die mit dem zur Diskussion stehenden Ort nichts zu tun haben. Das Thema schließt Nicht-Betroffene automatisch aus und da die Aufmerksamkeitsökonomie fast gänzlich außer Kraft gesetzt ist, weil der Themenbezug so stark ist, liegt niemandem daran, sich in diesen Gruppen stark zu profilieren. So sind die Gruppen eine Reaktion auf das von Kathrin Passig beschriebene Problem der Konsensillusion: Auf Facebook sprechen wir gleichzeitig zu unseren Freundinnen, unsere Familie, unserem Arbeitsumfeld und zu ehemaligen Klassenkameraden. Wir zeigen jeweils eine Seite unseres Profils, die aber für alle sichtbar ist. So lernen wir andere Menschen oft von einer anderen Seite kennen, die uns stark befremden kann. Wir bemerken, dass unsere Mitmenschen unsere Haltungen weniger oft teilen, als wir das üblicherweise denken. Die Vermischung der Kontexte führt zu Enttäuschungen. Die hier zur Diskussion stehenden Gruppen stellen den Kontext wieder her: Wer sich nicht durch eine teilweise übereinstimmende Biografie auszeichnet, kann nicht mitreden und ist nicht präsent.

Nachtrag: Auf Facebook kategorisiert Nanina Egli die Posts in den Gruppen sehr schön:

Grob lassen, sich die Beiträge nämlich m. E. in vier Kategorien teilen: 
(a) Erinnerungen an Personen, Ort oder Ereignisse, die spezifisch an einen Ort geknüpft sind (etwa an Stadtorginale, regionale Feste, spezifische Ereignisse (Stadtbrand) oder Gebäude und Plätze) 
(b) Erinnerungen an Generationenerfahrungen (wie »Du bist von Urkleindorf, wenn Du früher in der Epa Schalplatten gehört hast«)
(c) Erinnerungen an Kleingruppenerlebnisse (»Du bist von Urkleindorf, wenn Du 1976 auch in den Kindergarten bei Frau Hüslimeier gegangen bist.»)
(d) Verhalten in der Jetztzeit, die anhaltenden Patriotismus signalisieren (»Du bist von Urkleindorf, wenn Du noch heute beim Hören des Urkleindöflerurmarsches nasse Augen bekommst.»)
Sinnvoll sind für mich nur die Einträge der Kategorie (a), diese sind aber ein schlechter Marker, dass man tatsächlich vor Ort lebte, was in den Kommentaren sanktioniert wird: »jeder der mal in Urkleindorf war, kennt unseren Urkleindorferurbrunnen – das heisst doch nicht, dass Du von hier kommst!« so dass (in den vier fünf Gruppen, die ich anschaute), sehr rasch Kategorie (b), (c) und (d) überwiegen – lustigerweise werden die Orts-Gruppen aber damit völlig austauschbar.

Aus Baden bin ich halb. Eines meiner ersten Wörter, die ich lesen konnte, war nicht Manor, sondern Vilan.
Aus Baden bin ich halb. Eines meiner ersten Wörter, die ich lesen konnte, war nicht Manor, sondern Vilan.

»Sexting«-Beratung von Pro Juventute im Blick – ein Nachtrag

Am Freitag habe ich Pro Juventute und den Blick dafür kritisiert, dass dort ein »Auszug aus dem Gespräch mit der Telefonberatung« publiziert worden ist. Dafür wurde ich vor allem auf Twitter kritisiert und möchte daher einige Punkte aufgreifen. Man mag mir Besessenheit mit dem Thema vorwerfen – mir geht es aber darum, auf Kritik einzugehen und meinen Standpunkt zu klären. Wer sich für das Thema nicht interessiert, wird wohl schon weitergeklickt haben…

  1. Ähnliche Artikel sind in eine Reihe von anderen Publikationen (unter anderem Fritz+Fränzi, 20Minuten) erschienen. Das ist mir bewusst – die Kritik hat sich am Blick-Artikel entzündet, gilt aber gleichermaßen für die anderen.
  2. Meine Hauptkritik: Jugendliche verlieren durch diese Publikation das Vertrauen in die 147-Hotline, weil sie (zurecht oder zu Unrecht sei dahingestellt) befürchten, Vertrauliches könnte an die Öffentlichkeit gelangen.
  3. Meine Nebenkritik: Der Leserin oder dem Leser müsste klar sein, wie diese Publikation zustande gekommen ist.
  4. Dem Vorwurf, ich hätte alle Beteiligten vor der Veröffentlichung meiner Kritik befragen müssen, stehe ich gespalten gegenüber: Es wäre so sauberer und fairer gewesen. Kurz nach der Publikation habe ich Pro Juventute um eine Stellungnahme gebeten und auch drei Tage nachher noch keine Antwort erhalten.
  5. Zum Status der Auszüge:
    (a) Laurent Sedano, ein Mitarbeiter von Pro Juventute, beschreibt das Vorgehen inoffiziell so:

    es sind nachgestellte und zusammengestellte Protokolle und geben nicht einen tatsächlichen Beratungsinhalt wieder. Aus Vertraulichkeitsgründen sind die Gespräche verfremdet. Die Angaben zu allen Details sind zusätzlich eingefügt, so dass sich kein Kind darin wiederfinden kann

    (b) Thomas Ley, Mitglied der Blick-Chefredaktion, spricht auf Twitter von »Zusammenfassungen«, denen »reale Gespräche« zugrunde liegen würden.
    Für mich ist heute unklar:
    (i) Haben die Jugendlichen ihr Einverständnis für eine solche Publikation (verfremdet, zusammengefasst etc.) gegeben?
    (ii) Haben die Eltern der Jugendlichen ihr Einverständnis gegeben?
    (iii) Sind die Auszüge real, aber durch Anonymisierung, Ergänzung und Zusammenfassung verfremdet, oder »nachgestellt und zusammengestellt«?

  6. Weiter ist für mich zumindest zweifelhaft, ob sich Pro Juventute an die eigenen Bestimmungen zu Datenschutz und Schweigepflicht hält:

    Es werden nur unpersönliche Daten zu statistischen Zwecken erhoben. Alle Beraterinnen und Berater unterstehen der Schweigepflicht, auch über das Anstellungsverhältnis hinaus. Diese Schweigepflicht kann mit deinem Einverständnis aufgehoben werden.

  7. Beim Vorgehen des Blickes bin ich unsicher, ob Bestimmung 3) der »Erklärung der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten« eingehalten wird, zumal im Artikel weder die Verfremdung noch die Nachstellung bezeichnet wird, die Rede ist lediglich von »anonymisierte[n] Beratungsprotokolle[n]«:

    Sie veröffentlichen nur Informationen, Dokumente, Bilder, und Töne deren Quellen ihnen bekannt sind. Sie unterschlagen keine wichtigen Elemente von Informationen und entstellen weder Tatsachen, Dokumente, Bilder und Töne noch von anderen geäusserte Meinungen. Sie bezeichnen unbestätigte Meldungen, Bild -und Tonmontagen ausdrücklich als solche.

Smartphones auf einem Projektor zeigen

Bei einer Weiterbildung ist die Frage aufgetaucht, wie man sinnvollerweise Smartphone-Screens bei Schulungen anzeigt.

Ich stelle hier drei Möglichkeiten vor, wie das mit iPhones klappt. Die entsprechenden Hinweise für Android habe ich in den Kommentaren und auf Twitter erhalten – ich habe sie selbst nicht erprobt. Ich danke allen herzlich für Ihre Inputs!

  1. iPhone direkt anschließen.
    Mit diesem Adaptor kann ein iPhone 5 direkt mit dem Projektor verbunden werden. Alles, was auf dem iPhone angezeigt wird, ist auch auf der Leinwand zu sehen.
    MD825Für Android funktioniert das – sofern der Projektor einen HDMI-Anschluss besitzt – mit dem Miracast-Adapter.
  2. iPhone drahtlos am Computer anzeigen.
    Ist ein Computer mit dem Projektor verbunden, ermöglicht das Programm Reflector (es kann gratis ausprobiert werden), dass der iPhone Bildschirm am Computer zu sehen ist. 
    Bildschirmfoto 2014-03-16 um 12.03.34
    Eine entsprechende Lösung für Android gibt es z.B. hier.
  3. AirPlay mit AppleTV.
    Am elegantesten ist die Lösung, die per AppleTV eine drahtlose Übertragung verschiedener Geräte ermöglicht. Das erlaubt dann, dass auch Lernende ihre Bildschirme mit dem Projektor synchronisieren können, und zwar vom Platz aus.
    Diese Lösung funktioniert auch für Nicht-Apple-Geräte, wie Axel Krommer in einer ausführlichen Anleitung ausführt.

Beat Rüedi zeigt AirPlay und AirServer in einem Youtube-Video:

Gibt Pro Juventute Gesprächsprotokolle an den Blick weiter?

 

***Update, 15. März 2014: Ich habe diesen Beitrag nach eine Reihe von Rückmeldungen von Laurent Sedano, einem Mitarbeiter von Pro Juventute, überarbeitet.***Bildschirmfoto 2014-03-14 um 09.06.24

Ich habe die Sexting-Kampagne von Pro Juventute schon mehrfach kommentiert, z.B. hier. Heute sind im Blick Auszüge aus Beratungsgesprächen erschienen, die Pro Juventute geführt hat. Das steht beispielsweise:

«Ach, ich brauche einfach ­jemanden, um Dampf abzulassen. Ich kann sonst mit niemandem reden, weil es mir so peinlich ist. Grad kürzlich habe ich mit meinem Vater über so Internetzeug geredet, und es war für mich so klar, wie gefährlich dies sein kann. Ich habe mir nicht im Traum vorstellen können, dass mir das mal passiert.»

Das Motiv von Pro Juventute ist wohl ein doppeltes: Einerseits auf die eigene Arbeit aufmerksam zu machen, was dann zu Spenden führt, andererseits Prävention zu betreiben.

Meiner Meinung nach führt das aber zu einer Sabotage der eigenen Arbeit. Das Vertrauen Jugendlicher in Beratungspersonen hat Priorität. Wenn aus diesen Gesprächen in der Boulevardpresse zitiert wird, wird das Vertrauen zerstört. So anonymisiert die Gespräche sein mögen: Betroffene (und Nicht-Betroffene) müssen damit rechnen, von ihrem Umfeld auf die geschilderten Situationen angesprochen zu werden und sich rechtfertigen zu müssen. Pro Juventute ist sich gemäß Laurent Sedano sicher, dass das nicht passieren kann, weil »die Angaben zu Details zusätzlich eingefügt« worden seien. Diese Verfremdung ist aber für Leserinnen und Leser des Blick nicht erkennbar, der Text weckt den Eindruck, es handle sich um echte Protokolle.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Ringier verdient Geld mit Äußerungen von Jugendlichen in Notsituationen, die sexualisiert präsentiert werden (vgl. Bild oben). Das darf nicht sein und  von Pro Juventute nicht ermöglicht werden.

Die Richtlinien der Hotline geben an, unter welchen Umständen die Schweigepflicht aufgehoben werden kann:

Es werden nur unpersönliche Daten zu statistischen Zwecken erhoben. Alle Beraterinnen und Berater unterstehen der Schweigepflicht, auch über das Anstellungsverhältnis hinaus. Diese Schweigepflicht kann mit deinem Einverständnis aufgehoben werden.

Daher wirkt es zumindest zynisch, wenn im Artikel ein 14-Jähriger wie folgt zitiert wird:

«Gäll, diese Anrufe sind vertraulich», will der 14-Jährige wissen, bevor er loslegt […]

Ob die Jugendlichen von Pro Juventute über die Möglichkeit einer Veröffentlichung informiert wurden und  damit einverstanden waren, habe ich von Pro Juventute auf Anfrage hin nicht erfahren.

Laurent Sedano hat im Namen von Pro Juventute Stellung genommen (siehe Kommentare) über das konkrete Vorgehen von Pro Juventute aufkelärt:

Bei den Geschichten handelt es sich um Fallbeispiele, d.h.es sind nachgestellte und zusammengestellte Protokolle und geben nicht einen tatsächlichen Beratungsinhalt wieder. Aus Vertraulichkeitsgründen sind die Gespräche verfremdet. Die Angaben zu allen Details sind zusätzlich eingefügt, so dass sich kein Kind darin wiederfinden kann. Diese Fallbeispiele werden in erster Linie nicht medial, sondern direkt in der Jugendarbeit verwendet […]

Mein ungutes Gefühl bleibt bestehen:

  1. Lesen Jugendliche den Blick, erhalten Sie den Eindruck, dass ihre vertraulichen Gespräche mit 147 dort publiziert werden könnten.
  2. Wer Jugendarbeit betreibt, darf Inhalte nicht im Boulevard ausbreiten. Auch wenn sie stark verfremdet sind.
  3. Entweder sind die Auszüge anonymisiert-echt und bedürfen einer Freigabe der Jugendlichen und ihrer Eltern – oder sie sind fiktiv. Dann müsste das im Text deutlich werden.

Oberflächlichkeit, Narzissmus und Social Media

Manchmal zeigt sie mir ihr Netzwerk, scrollt durch Profilfotos, deutet auf Schülerinnen, die kokett in die Kamera blicken: «Ist die nicht hübsch?» Ich nicke. Sie scrollt weiter. «Und die finde ich auch schön.» Etwas hilflos frage ich dann: «Ist sie denn auch nett? Kann sie etwas?» Meine Tochter zuckt mit den Schultern. Das spielt keine Rolle – wie sollte sie es aufgrund eines solchen Profils auch wissen? Schließlich war es die Rating-Site «Hot or Not», die Mark Zuckerberg zu Facebook inspirierte.
Auch zu meiner Zeit ging es in der Pubertät um Status, aber so oberflächlich war es damals nicht, bilde ich mir ein. Der Gruppendruck war weniger ausgeprägt, die Sozialkontrolle durchlässiger.

Die Betrachtungen von Michèle Binswanger, die als Mutter die Nutzung ihrer Töchter beschreibt, nehmen eine verbreitete Vermutung auf: Die Inszenierung auf den verschiedenen digitalen Plattformen führt zu einer Wahrnehmung anderer Menschen, in der wesentliche Eigenschaften und Fähigkeiten von Menschen von geringer, ihr Aussehen und ihr Narzissmus dafür von sehr großer Bedeutung sind.

Diese Diagnose muss in doppelter Hinsicht genauer geprüft werden:

  1. Gab es nicht schon immer Aspekte des jugendlichen Lebens, die rein oberflächlich waren? So war es in den 80er- und 90er-Jahren in vielen Regionen üblich, Passbilder von sich zu erstellen und an Freundinnen und Freunde zu verteilen, die damit dann Sammlungen anlegten.
  2. Liegt der Auslöser für das Unbehagen nicht in der Effizienz der Kommunikationsmittel, die Verwendungsweisen sichtbar machen, die sonst vielen Menschen verborgen blieben?

In Bezug auf Narzissmus sind solche Fragen intensiv untersucht worden. Gemeint ist damit meist kein klinisches Phänomen, sondern das Gefühl, einzigartig und überlegen zu sein und deshalb mehr Beachtung und eine Spezialbehandlung zu verdienen. Narzisstinnen und Narzissten zeigen zwar ein höheres Selbstbewusstsein, dieses bedarf aber der kontinuierlichen Bestätigung von außen, es ist äußerst instabil. Diese Bestätigung oder Aufmerksamkeit durch andere kann nicht erwidert werden, weil es an Narzissmus Leidenden an Empathie mangelt (Davenport et al., S. 213).

Caravaggio, Narzis. Zwischen 1594 und 1596.

Eine breite Untersuchung von einem Forschungsteam in North Carolina weist nach, dass Social Media für Narzisstinnen und Narzissten ein wichtiges Betätigungsfeld ist, weil es einfach möglich ist, Aufmerksamkeit für das eigene Verhalten zu erhalten. Narzissmus beeinflusst als einer unter verschiedenen Faktoren die Gründe, weshalb Menschen Social Media nutzen, ist aber für sich genommen ein schlechtes Indiz für bestimmte Verhaltensweisen auf Twitter oder Facebook. Das heißt, Narzissmus kann Beweggründe verstärken, Social Media zu nutzen, ist aber nicht Effekt der Verwendung Neuer Medien und führt auch nicht zu messbar anderer Nutzung. Während Davenport und sein Team von der Feststellung ausgehen, dass bisherige Arbeiten zu Narzissmus und Social Media widersprüchliche und uneinheitliche Ergebnisse erzielt hätten, was sie damit erklären, dass Social Media zu Verhaltensweisen führen, die sich nicht isoliert auf einer Plattform messen ließen, sondern nur in der Gesamtheit aufschlussreich seien, vertreten andere Wissenschaftler klar andere Haltungen in Bezug auf Narzissmus. So zieht der Psychologe Jean M. Twenge ein düsteres Fazit:

Insgesamt legt die vorhandene Forschung nahe, dass Aktivitäten auf Facebook zu mehr Aufmerksamkeit auf das eigene Selbst führen. Weil das in gewissen Fällen zu einer Steigerung von Narzissmus führt, lässt sich daraus geringere Aufmerksamkeit für andere ableiten (Twenge, 2013, S. 15, Übers. Ph.W.)

Louis Leung hat die Verbindung von Narzissmus und Social Media in einer chinesischen Studie vertieft untersucht. Er geht davon aus, dass es grundsätzlich fünf psychologische Ziele gibt, die Menschen bei der Benutzung von Social Media anstreben:

  1. Soziale und emotionale Bedürfnisse befriedigen.
  2. Negative Gefühle ausdrücken.
  3. Bestätigung und Aufmerksamkeit erhalten.
  4. Sich unterhalten.
  5. Kognitive Bedürfnisse befriedigen. (S. 1003)

Narzisstinnen und Narzissten sind dabei am letzten Aspekt kaum interessiert. Alle anderen Ziele sind für sie bedeutsam, weil dabei oft Feedback erhalten, das ihnen die nötige Bestätigung gibt und so weitere Aktivitäten verursacht (ebd., S. 1004).

Betrachtet man die verfügbaren Studien, so kann kaum nachgewiesen werden, dass Social Media Narzissmus auslöst oder verstärkt. Vielmehr liegt die Annahme nahe, dass es sich bei sozialen Netzwerken um nahezu ideale Betätigungsfelder für Menschen handelt, die narzisstisch veranlagt sind, weil sie damit in kurzen Intervallen Aufmerksamkeit erhalten können und so ihr instabiles Selbstbewusstsein festigen können.

Perspektivenwechsel: Von Gefahren zu Herausforderungen

In seinem lesenswerten Essay »Plastikwörter« (1988) beschreibt Bernahrd Pörksen, wie »Modewörter und Leerformeln Alltagsdietriche bereitstellen, die griffig sind und ganze Wirklichkeitsfelder infizieren« (S. 17). Spreche ich im Folgenden von Herausforderungen, so liegt der Verdacht nahe, dass es sich dabei um ein solche Plastikwort handelt. Ganz im Sinne von Evgeny Morozovs Konzept des »Solutionism«, der vorgibt, die Technologie könne alle Probleme löse, die sie verursache (sowie alle anderen), spreche ich statt von Abgründen, Katastrophen von einer Situation in der eine Lösung existiert. 

Das möchte ich kurz erklären: Betrachten wir eine Entwicklung, so hat die eine Reihe sozialer und ökonomischer Ursachen und vielfältige Auswirkungen. Beides kann zum Urteil führen, dass die Entwicklung nicht wünschenswert sei – z.B. halte ich es für äußerst problematisch, dass wir fast ausschließlich Google verwenden, um vernetzte Daten zu durchsuchen. Das Werkzeug gehört einem Unternehmen, das verheimlicht, wie es funktioniert. Wir werden von einer Technologie abhängig, auf die wir kaum Einfluss haben. Nun folgt aus diesem Urteil, dass wir etwas ändern müssen. Selbst wenn diese Änderung der Weg zurück wäre – woran ich nicht glaube -, also zu einer Welt der gedruckten Zeitungen und Bücher, deren Suchfunktionen auf Bibliothekskataloge beschränkt sind, auch dann wäre es eine Herausforderung, diese Änderung herbeizuführen. 

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Nun mein Plädoyer: Jugendliche sollen als Partnerinnen und Partner betrachtet werden, wenn wir diese Herausforderungen zu meistern versuchen. Wir müssen sie möglichst genau beschreiben, mit wissenschaftlichen Methoden aufzeigen, wie Neue Medien Menschen beeinflussen und beeinträchtigen. Das ist die Basis für eine bewusste Arbeit an Problemen – ohne Lamentieren, ohne künstlich aufgebaute Argumentationsgegner. 

Zu lange haben wir meiner Meinung nach über Scheinprobleme gesprochen, wenn es um Social Media ging. Noch immer höre ich oft die Rede von den Digital Natives, die scheinbaren Probleme durch die Kürze der Nachrichten, die Kritik an der Vernetzung mit Fremden. Hier liegen die Probleme nicht und diese Pseudokritik schadet uns, weil sie echte verunmöglicht. 

Morgen lade ich Jugendliche an der Kanti Stadelhofen ein, an den Herausforderungen mitzuarbeiten. Ich habe zehn rausgepickt. 

Eine Woche »freihändyg« – eine Bilanz

FotoIch habe eine Woche lang Abstand genommen von meinem Smartphone und meinen digitalen Gewohnheiten. Vorgenommen hatte ich mir Folgendes:

Ich werde vom Montagmorgen bis Freitagabend:
a) mein Smartphone im Büro meiner Wohnung lassen
b) kompletter Verzicht auf soziale Netzwerke, insbesondere Twitter, Facebook, Google+, Instagram und Tumblr.
c) meine Mails täglich nur ein einziges Mal abrufen und bearbeiten.

Gelungen ist mir b). Ich habe mich kein einziges Mal eingeloggt, keine Nachricht gelesen. Schon am Montagmorgen musste ich die Push-Benachrichtigungen abschalten, weil mich die Twitter-Mentions dennoch erreicht haben.

Bei a) und c) bin ich schon am Montag brutal gescheitert. Eine kurzfristige familiäre Planänderung erforderte, dass ich unterwegs telefonieren oder Nachrichten verschicken musste. Dann erreichten mich andere dringende Anfragen, so dass ich zwar deutlich weniger oft SMS und Emails gelesen habe, aber doch alle drei, vier Stunden.

Was waren meine Erfahrungen? Mein Leben ändert sich geringfügig. Einiges fällt mir leichter: Ich hatte mehr Einfälle, arbeitete zielorientierter, wurde ruhiger und geduldiger. Vieles wurde mühsamer: Die Investitionen in meine Netzwerke führen dazu, dass ich wichtige Informationen sehr gezielt aufnehmen kann und regelmäßig direktes Feedback erhalte. Beides fehlte mir, ebenso wie Notizen zu synchronisieren und andere Hilfsmittel für meine Produktivität.

Die größten Veränderungen bemerkte ich bei Kleinigkeiten: Ohne genaue Zeitangabe durch den Tag zu gehen führt zu Gelassenheit, weil immer ein paar Minuten übrig sind. Eine Woche keine Musik zu hören zu bewussterer Wahrnehmung. Meine Handschrift ist untauglich, ich kann weder übersichtliche Notizen anlegen noch leserlich schreiben und werde das wohl auch nicht mehr lernen.

Foto

Im Allgemeinen führen Stress und Müdigkeit bei mir dazu, dass ich mich auf Twitter oder Facebook in Diskussionen verstricke, die selten zu produktiven Resultaten führen. Dagegen habe ich schon mehrfach anzukämpfen versucht, vergeblich. Ich bin weit davon entfernt, mich hier defätistisch in ein scheinbares Schicksal zu fügen, aber auch nicht bereit, mir eine Social-Media-Askese aufzuerlegen, die alle wertvollen Aspekte gleichermaßen verunmöglicht. Gleichzeitig ist für mich auch eine gewisse Erholung und Me-Time damit verbunden, in der Timeline nachzulesen, was andere schreiben oder eine Partie Threes zu spielen.

Digitale Kommunikation ist für mich wie essen. Ich esse gerne. Manchmal zu viel, manchmal zu schnell, manchmal zu wenig bewusst. Unter Druck esse ich oft Ungesundes. Daran arbeite ich immer wieder. Aufhören zu essen ist aber keine Option.

 

 

 

 

 

Ein einfacher Tipp für mehr Online-Sicherheit

Betrachtet man Beispiele, wie die Online-Präsenz von exponierten Menschen angegriffen wurde – z.B. dieser Journalist oder dieser Twitter-User – dann zeigen sich immer dieselben Methoden: Der Zugriff zu einem Konto (Amazon, Gmail, iTunes, Twitter, Facebook etc.) wird verwendet, um andere Zugriffe zu erschließen. Konkret: Wer auf das Amazon-Konto Zugriff hat, weiß meistens Details der Zahlungsinformationen (Teile der Kreditkartennummer etc.), mit denen am Telefon oft der Zugriff auf andere Dienste gewährt wird.

Um sich besser zu schützen, sollte man auf drei Dinge achten:

  1. Nie dieselben Passwörter mehrmals verwenden.
  2. Nie zwei Dienste miteinander verbinden (z.B. ein wichtiges Konto über den Facebook-Login betreiben).
  3. Bedenken, wie Sicherheitsfragen funktionieren.

Bildschirmfoto 2014-03-03 um 16.38.27Das kann man bei Apple gut ausprobieren. Auf dieser Seite kann man seine iTunes-ID eingeben und sehen, mit welchen Fragen sich das Passwort zurücksetzen lässt. Betreffen diese Fragen Informationen, die sich leicht im Netz zusammensuchen lassen, ist das Konto akut gefährdet.

Generell – und das ist der Tipp – sollten die Fragen wiederum auf eine Art Passwörter verweisen und nicht auf die Realität. Die Vornamen der Mutter oder das liebste Reiseziel sind schlechte Fragen, wenn die Antworten echt sind. Es sind dann gute Fragen, wenn man sich einen Vornamen für die Mutter ausdenkt (also ein Passwort) und den als Antwort einträgt.

(Quelle dieser Überlegung ist dieses Video.)