Eine Woche »freihändyg« – eine Bilanz

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Projekte / Psychologie

FotoIch habe eine Woche lang Abstand genommen von meinem Smartphone und meinen digitalen Gewohnheiten. Vorgenommen hatte ich mir Folgendes:

Ich werde vom Montagmorgen bis Freitagabend:
a) mein Smartphone im Büro meiner Wohnung lassen
b) kompletter Verzicht auf soziale Netzwerke, insbesondere Twitter, Facebook, Google+, Instagram und Tumblr.
c) meine Mails täglich nur ein einziges Mal abrufen und bearbeiten.

Gelungen ist mir b). Ich habe mich kein einziges Mal eingeloggt, keine Nachricht gelesen. Schon am Montagmorgen musste ich die Push-Benachrichtigungen abschalten, weil mich die Twitter-Mentions dennoch erreicht haben.

Bei a) und c) bin ich schon am Montag brutal gescheitert. Eine kurzfristige familiäre Planänderung erforderte, dass ich unterwegs telefonieren oder Nachrichten verschicken musste. Dann erreichten mich andere dringende Anfragen, so dass ich zwar deutlich weniger oft SMS und Emails gelesen habe, aber doch alle drei, vier Stunden.

Was waren meine Erfahrungen? Mein Leben ändert sich geringfügig. Einiges fällt mir leichter: Ich hatte mehr Einfälle, arbeitete zielorientierter, wurde ruhiger und geduldiger. Vieles wurde mühsamer: Die Investitionen in meine Netzwerke führen dazu, dass ich wichtige Informationen sehr gezielt aufnehmen kann und regelmäßig direktes Feedback erhalte. Beides fehlte mir, ebenso wie Notizen zu synchronisieren und andere Hilfsmittel für meine Produktivität.

Die größten Veränderungen bemerkte ich bei Kleinigkeiten: Ohne genaue Zeitangabe durch den Tag zu gehen führt zu Gelassenheit, weil immer ein paar Minuten übrig sind. Eine Woche keine Musik zu hören zu bewussterer Wahrnehmung. Meine Handschrift ist untauglich, ich kann weder übersichtliche Notizen anlegen noch leserlich schreiben und werde das wohl auch nicht mehr lernen.

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Im Allgemeinen führen Stress und Müdigkeit bei mir dazu, dass ich mich auf Twitter oder Facebook in Diskussionen verstricke, die selten zu produktiven Resultaten führen. Dagegen habe ich schon mehrfach anzukämpfen versucht, vergeblich. Ich bin weit davon entfernt, mich hier defätistisch in ein scheinbares Schicksal zu fügen, aber auch nicht bereit, mir eine Social-Media-Askese aufzuerlegen, die alle wertvollen Aspekte gleichermaßen verunmöglicht. Gleichzeitig ist für mich auch eine gewisse Erholung und Me-Time damit verbunden, in der Timeline nachzulesen, was andere schreiben oder eine Partie Threes zu spielen.

Digitale Kommunikation ist für mich wie essen. Ich esse gerne. Manchmal zu viel, manchmal zu schnell, manchmal zu wenig bewusst. Unter Druck esse ich oft Ungesundes. Daran arbeite ich immer wieder. Aufhören zu essen ist aber keine Option.

 

 

 

 

 

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philippe-wampfler.ch

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