Jugendliche nutzen Social Media gegen den Strich

Will man den aktuellen Zustand der Social-Media-Nutzung beschreiben, so ist das aus zwei Gründen äußerst schwierig. Die Erhebung von Daten braucht erstens viel mehr Zeit, als die wechselnden Praktiken sich unter Jugendlichen halten. So sind beispielsweise die großen Erhebungen wie die JIM- und JAMES-Studien in der Lage, die Resultate der Befragungen rund ein Jahr nach ihrer Erhebung zu publizieren, sie sind so also bis zu zwei Jahre alt, bevor die neuen Ergebnisse erscheinen. Zweitens sind die Praktiken äußerst uneinheitlich, verschiedene soziale Gruppierungen migrieren zwischen verschiedenen Netzwerken und verwenden sie teilweise höchst eigensinnig. Sie verwenden Tools oft so, wie das ihre Hersteller und Designer nicht beabsichtigt haben.

Ein erstaunliches Beispiel haben Boyd und Marwick in Befragungen von Jugendlichen ermittelt:

Mikalah beschrieb, wie sie ihr Facebook-Konto jeden Tag deaktivierte, nachdem sie es benutzt hatte. Facebook führte die Deaktivierung als Alternative für das Löschen eines Kontos ein. User hatten die Möglichkeit, ihre Inhalte so zu verbergen, dass sie komplett verborgen waren. Bereuen sie ihre Entscheidung, reaktivierten sie ihr Konto und können wieder auf alle Inhalte, Verbindungen und Nachrichten zugreifen. Mikalah tat dies täglich, was darin resultierte, dass alle ihre Freunde ihr nur Nachrichten schicken oder Kommentare hinterlassen konnten. Dadurch verwandelte sie Facebook in ein Netzwerk, das nur in real-time funktionierte. Sie wusste, dass Erwachsene tagsüber ihr Profil anschauen könnten und wollte nicht über die Suche auffindbar sein, sie hatte regelmäßig mit staatlichen Institutionen zu tun und traute Erwachsenen nicht. Aber sie nahm vernünftigerweise an, dass die meisten Erwachsenen in der Nacht, wenn sie online war, weniger oft auf ihr Profil stoßen würden. Sie kreierte so eigentlich eine Tarnkappe – so dass sie für die sichtbar war, mit denen sie interagierte, und für die unsichtbar, die ihre Informationen durchsuchen konnten, während sie abwesend war.  (Übersetzung Ph.W.; S. 20 f.)

Kulturpessimismus in Zeiten von Social Media

»Endlose rezeptive Gier, Einsamkeit und Depression« – so beginnt der Lead eines Artikels im NZZ-Feuilleton, in dem Tomasz Kurianowicz, ein Berliner Journalist und Literaturwissenschaftler, über ein »rastloses, schizophrenes System« schreibt, das er in den sozialen Netzwerken ausmacht.

Seine Gewährsleute tragen große Namen: Jean-Luc Godard, Jonathan Franzen, Karl Kraus, Goethe. Und er verweist auf die Forschungsergebnisse, die auf diesem Blog kürzlich Thema waren und uns sagen, dass Facebook unglücklich mache. Sein Fazit ist düster:

Der Gang durch Einkaufszonen und Schulen, wo jeder Zweite mit seinem Smartphone beschäftigt ist, beweist, dass wir uns voneinander entfernen. Der Mut zur Begegnung schwindet. Der Narzissmus obsiegt. Die seelische Verbarrikadierung nimmt zu.

Dem Artikel sind zwei Dinge vorzuhalten: Den Pessimismus seines Autors, der seine Sicht massiv einschränkt, und das Ignorieren der Betroffenen. Wer sich mit Menschen intensiv auseinandersetzt, die soziale Netzwerke nutzen, merkt, dass es zunächst Menschen wie alle anderen sind. Sie sind manchmal traurig und manchmal glücklich, vor gewissen Dingen haben sie Angst und vor anderen nicht. Ihre Motive, um soziale Netzwerke zu nutzen, sind unterschiedlich, genau so wie die Wirkungen, die sie auf sie ausüben. Das ist eine ähnlich starke Platitüde wie die, welche der Autor auf seiner gebildeten Tour-de-Force durch die Technologiekritik von Kulturmenschen von sich gibt:

  • »nicht jede Information ist es wert, wahrgenommen zu werden«
  • »[auf Facebook wird] ein Inszenierungsspiel betrieben, das viel zu häufig mit der Realität verwechselt wird«
  • »man [ist] vom Leben der anderen wie hypnotisiert«

Tatsächlich, so ist es. Und so war es schon immer. Genau so, wie es schon immer die Warnenden gegeben hat, die in jeder Neuerung in der Verarbeitung von Information und in der Kommunikation zwischen Menschen einen Abgrund für die Menschheit erblickten oder sich veranlasst fühlten, uns die Barbarei zu prognostizieren. Auch die drohende Vermischung von virtueller Welt und realer Welt, die der Autor in den sozialen Netzwerken zu erkennen glaubt (» viel zu häufig mit der Realität verwechselt wird«), ist ein Topos in der Kulturkritik, der sich kaum belegen lässt. Niemand denkt, Facebook sei in irgend einer Form ein Ersatz für die »reale Welt«, auch wenn Außenstehende diesen Eindruck gewinnen könnten.

Seien wir genauer, als Kurianowicz es sein will. Schauen wir hin, sprechen wir mit Menschen und lassen wir uns den Blick nicht durch Metaphern und Ängste trüben, die uns bei der Adaption an neue Kulturtechniken einschränken, statt uns die Möglichkeit zu geben, mitzureden. Haben soziale Netzwerke unerwünschte, schädigende Auswirkungen auf Menschen? – Na klar. Aber entfernen wir uns ihretwegen voneinander, werden wir zu Narzisstinnen und Narzissten, verbarrikadieren wir uns seelisch? Ich denke nicht.

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Wie Jugendliche Social Media zur Beziehungspflege nutzen

Es sind nur Ausschnitte, kleine Teile von mir selbst und es gleich nicht meinem Leben. Du könntest nicht viel über mich sagen, wenn du mich nur auf Facebook kennen würdest. Das hat nichts damit zu tun wer ich bin, also wer ich wirklich bin. Es ist nur so allgemeines Zeug, das ich mag und was ich tue, oder einfach Dinge, die andere, die ich kenne, mögen oder interessant finden.

Nahum über seine Selbstrepräsentation auf Facebook

Weil quantitative Methoden oft ungenau sind, wenn es um subjektive Zusammenhänge wie Beziehungen geht, haben Fatimah Awan und David Gauntlett (Publikation auf Anfrage per Mail erhältlich) mit 14- und 15-jährigen Jugendlichen einen kreativen Prozess durchgeführt: Nach einer Einführung ließen sie »Identitätskisten« herstellen, welche einen Innen- und einen Außenraum hatten, den die Jugendlichen mit Collagen beklebten. Sie sollten dabei an drei Dinge denken: »Ich«, »meine Welt«, »meine Medien«. Diese Boxen ließen sie von den Jugendlichen ohne ein bestimmtes Fragenraster präsentieren, so dass sie die Aspekte hervorheben konnten, die für sie von besonderer Bedeutung waren. Die dabei gewonnen Erkenntnisse bilden einen guten Ausgangspunkt für eine vertiefte Diskussion der Auswirkungen digitaler Medien, die anders als zu Beginn der Geschichte des Internets immer auch mit den eigenen sozialen Strukturen verbunden sind.

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Die folgende Liste ist zu generell, weil sie einerseits spezifische Kontexte außer Acht lässt, andererseits uneinheitliche Praktiken und Haltungen verallgemeinert. Aber sie zeigt bestimmte Tendenzen auf, die durch internationale Studien recht gut belegt sind.

  1. Wenig neue Beziehungen durch Social Media
    Social Media ist für die meisten Jugendliche kein Werkzeug, um neue Menschen kennen zu lernen. Die meisten Jugendlichen kennen ihre Freunde aus der Schule, über andere Freunde oder aus der Nachbarschaft. Neue Freundschaften betreffen häufig Jugendliche, deren Bekanntschaft in der Schule oder in Vereinen schon gemacht wurde, allerdings ohne intensive Gespräche, die über soziale Netzwerke initiiert werden können.
  2. Social Media als Erweiterung der alltäglichen sozialen Erfahrung
    Neue Medien dienen Jugendlichen hauptsächlich dazu, Beziehungen zu erhalten und zu intensivieren. So erwähnen sie beispielsweise häufig die Möglichkeit, mit entfernt lebenden Verwandten im Kontakt zu stehen. Die Freundschaften hängen aber nicht von ihrer medialen Erweiterung ab.
  3. Nähe und Routine
    Der Hauptmodus der Konversation unter Freundinnen und Freunden auf Social Media besteht in einer Versicherung, dass man an einander denkt und die Verbindung aufrecht erhalten will. »An mich hat niemand gedacht«, meine eine 17-jährige Schülerin bei einer Befragung im September 2013, als sie eingestehen musste, als einziges Mitglied ihrer Klasse um acht Uhr noch keine WhatsApp-Nachricht erhalten zu haben (eigene Quelle). Dadurch entsteht oft ein belangloses Geplaudere, das schnell zu einer Routine werden kann. Gespräche nehmen einen formalisierten Lauf, was zu einer gewissen Frustration und einer Social-Media-Müdigkeit führen kann. Zudem entsteht schnell ein Druck, ein bestimmtes Engagement aufrecht erhalten zu müssen.
  4. Unterschiedliche Beziehungen auf Social Media pflegen
    Es gibt keine Belege dafür, dass Jugendliche nicht in der Lage wären, nähere Freunde von entfernten Bekannten zu unterscheiden, obwohl die meisten Netzwerke dafür denselben Status vorsehen (z.B. die Kategorie »Freund« auf Facebook). In Befragungen weisen Jugendliche regelmäßig darauf hin, dass nur ein kleiner Teil dieser Freunde tatsächliche Freunde seien. Daraus lässt sich ableiten, dass sie Differenzierungen vornehmen, auch wenn es oft technisch schwierig wenn nicht unmöglich ist, sie umzusetzen.
  5. Bequemlichkeit
    Social Media macht für Jugendliche das Leben einfacher, weil die schnelle und direkte Kommunikation oft eine Erleichterung darstellt. »Es verändert meine Identität nicht, es ändert nur die Dinge, die ich tue, zum Beispiel, wie schnell ich etwas tun kann«, meinte eine der Schülerinnen, die Awan und Gauntlett befragten.
  6. Offenheit und Kontrolle
    Jugendliche nehmen soziale Netzwerke als Möglichkeit wahr, sich freier Ausdrücken zu können, ohne sich beispielsweise vor einer Gruppe lächerlich zu machen oder sich schämen zu müssen, weil sie einen bestimmten Grad von Anonymität und Distanz wahrnehmen. Gleichzeitig erleben sie mehr Kontrolle in sozialen Situationen, weil beispielsweise Gespräche grundlos abgebrochen werden können oder schwierige Themen angesprochen werden können, ohne die direkte Reaktion der anderen Person einbeziehen zu müssen. Sie fühlen sich in der Online-Kommunikation oft sicherer als im direkten Kontakt mit anderen Jugendlichen.
  7. Mangel an Vertrauen und Klarheit
    Jugendliche wissen, dass andere sie falsch verstehen könnten oder die Informationen, die sie ihnen geben, gegen sie verwenden können.
  8. Authentische Selbstrepräsentation
    Man kann davon ausgehen, dass die meisten Jugendlichen nicht ein ideales Selbstbild verkörpern, sondern sich mehr oder weniger so präsentieren, wie sie sich sozial verhalten.
  9. Bewusstsein für Privatsphäre
    So echt die Selbstrepräsentation oft ist, so lückenhaft ist sie. Viele Profile enthalten sehr generische Informationen über Fernsehsendungen, die jemand mag, oder nichtssagende Ferienbilder. Das entspricht einem hohen Bewusstsein für Privatsphäre und die Erwartungen anderer, die auf den Profilen nichts auf den ersten Blick Störendes entdecken sollten, sondern vor allem Interessantes und Attraktives.
  10. Eindimensionale Beziehungen
    Jugendliche sprechen Online-Beziehungen in der Regel viele Qualitäten ab, die für sie wichtig sind. Neben dem Vertrauen ist es vor allem der mangelnde Blickkontakt, der ihnen fehlt und der für sie wichtig ist.

Das Bild, das diese zehn Punkte zeichnen, ist kein einheitliches. Es ergeben sich Brüche und Widersprüche, die nicht aufzulösen sind, sondern als Beschreibung einer sozialen Realität durchaus akzeptabel sind. So ist es beispielsweise paradox, dass Menschen in halb-anonymen Situationen oft viel offener über ihre Probleme reden als im direkten Austausch mit ihren Mitmenschen.

Im folgenden Abschnitt wird nun die Perspektive umgedreht: Während Jugendlichen oft eine gewisse Kontrolle über oder Verantwortung für die Beziehungen, die sie pflegen, zugeschrieben wird, nutzen sie online Werkzeuge, die mit ganz bestimmten kulturellen und wirtschaftlichen Absichten designt wurden, und so das Verhalten von Jugendlichen direkt beeinflussen.

Während ein deterministischer Ansatz besagen würde, dass die Optionen zur Gestaltung eines Profils dazu führen, dass sich die Möglichkeiten zum Ausdruck einer Identität reduzieren, ist die Annahme einer Wechselwirkung zwischen der alltäglichen Lebenspraktiken von Menschen, wirtschaftlichen Abläufen und kulturellen Gegebenheiten wohl zielführender und präziser. Sander De Ridder hat beispielsweise in einer Untersuchung der Nutzung von Netlog durch belgische Jugendliche herausgearbeitet, wie Technologie, Partizipation, Subjektivität und Repräsentation in sozialen Netzwerken in einander übergehen. Das heißt konkret, dass gewisse technologische Beschränkungen oder Möglichkeiten zu Partizipation führen oder aufgrund mangelnder Partizipation – aus ökonomischen Überlegungen – an die Wünsche der Nutzerinnen und Nutzer angepasst werden. Gleichzeitig beziehen sich Designer von Software auf die subjektiven Erfahrungen der Nutzerinnen und Nutzer – ihr Verhalten auf den Netzwerken wird bis in kleinste Detail analysiert und später durch präzise Anreize gesteuert. Und doch entwickeln Gemeinschaften jeweils eigene Codes für Repräsentation. In De Ridders Untersuchung ging es z.B. um die Frage, unter welchen Bedingungen Jugendliche auf Netlog ihre sexuelle Orientierung definieren – eine Angabe, die im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (es stehen nur die Optionen »männlich« und »weiblich« zur Auswahl) fakultativ ist. Diese Angaben können im System selbst vorgenommen werden, was User mit einem als »männlich« definierten Profil fast doppelt so häufig tun wie die anderen, »weiblichen«. Ebenso tun es die Profile häufiger, die angeben, auf der Suche nach einer Beziehung zu sein, eine weitere von der Software angebotene Option.

Jugendliche nutzen aber vielfach die Möglichkeit, ihre sexuelle Orientierung und ihren Beziehungsstatus in einem freien Text zu verfassen, mit dem sie sich vorstellen können. So schrieb etwa ein 17-jähriges Mädchen:

Deine Liebe ist meine Droge, Jonaaaaaaaaas ❤
7. April ’10 ❤

Jugendliche entwickeln also eigene Strategien, um Freiräume innerhalb der von Softwaredesign geschaffenen Strukturen zu generieren. De Ridder bemerkt dazu folgerichtig:

User geben Technologie eine unterschiedliche Bedeutung. In der Folge resultiert aus dieser interpretativen Flexibilität Kontingenz und Komplexität im Verhältnis von Gesellschaft und Technologie, statt einer einseitigen Bestimmung.

Kurz: Während Netzwerke die Darstellung von Individuen und die Möglichkeiten ihrer Beziehungen durch technische Vorgaben prägen, lassen sie dennoch genügend Freiräume, um gehackt zu werden – hacken verstanden als die Fähigkeit, Grenzen kreativ und spielerisch zu überwinden.

Als Vergleich könnte die Fähigkeit von Jugendlichen herangezogen werden, auch Schuluniformen individuell zu tragen, selbst wenn alle Kleidungsstücke vorgegeben sind.

Diese Strategien und Fertigkeiten dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wirtschaftliche Interessen mittels Medialisierung auch intime Beziehungen von Jugendlichen in bestimmte Bahnen lenken. Dabei ist es äußerst schwierig, präzise darzustellen, wie das geschieht, gerade weil es kein einseitiger Prozess ist und Medialisierung oft bewusst gewählt wird. Problematisch erscheint, dass wirtschaftliche und kulturelle Kräfte, die hinter Social Media stehen, durch die intensivere Nutzung immer stärker unsichtbar werden, was De Ridder im Gespräch mit Fokusgruppen mit Teenagern erstaunt hat.

Vorschlag für eine Smartphone-Etikette

Als Vorbereitung für einen kleinen Auftritt bei Radio 105 (Teil 1 / Teil 2) meine Empfehlungen zu Smartphone-Anstand. Das Schöne am Thema: Wir haben die Chance, neue Regeln zu erlernen, erproben, umzusetzen. Das weniger Schöne: Wir nerven uns, weil unsere Erwartungen ständig verletzt werden, ohne dass wir auf Normen zurückgreifen können, an denen sich alle orientieren sollten.

  1. Mitdenken. 
    Wir erleben, wie andere Menschen ihr Smartphone nutzen und finden dabei weniges attraktiv und vieles daneben. Diese Einsichten lassen sich recht direkt umsetzen.
  2. Atmen.
    Wenn der Bus grad zwei Minuten nicht kommt oder es am Schalter eine Schlange hat, drei Mal tief atmen und dann an etwas Schönes denken. Sich etwas Zeit nehmen. Nicht jede freie Minute mit dem Smartphone füllen. Wer das kann, spürt sich mehr und ist offener.
  3. Die Erwartungen anderer bedenken. 
    Wir leben in einer Welt mit vielen Kontexten. Anständig ist nicht das, was sich am Sonntag in der Kirche und beim Mittagessen mit dem feinen Geschirr gehört, sondern das, was den Erwartungen der Menschen entspricht, die uns umgeben und mit denen wir interagieren. Wenn wir auf ihre Bedürfnisse eingehen und ihre Erwartungen berücksichtigen, machen wir vieles richtig. Es gibt Raum für individuelle Lösungen. Nutze ihn.
  4. Vermeide Phubbing
    Andere Personen verdienen unsere Aufmerksamkeit, auch wenn sie uns am Kiosk bedienen, sich auf den freien Sitz im Zug setzen wollen oder was Langweiliges erzählen: Wer dabei die Kopfhörer nicht entfernt oder auf ein Display starrt, sagt damit, dass die andere Person die eigene Aufmerksamkeit nicht verdient. Das gehört sich nicht.
  5. Handynutzung ist eine Unterbrechung einer sozialen Interaktion. 
    Es ist nicht generell verpönt, beim Treffen mit anderen Menschen das Handy zu nutzen. Aber es ist, als würde man die Toilette aufsuchen: Man kündigt es an (ohne ausführliche Umschreibungen) und tut es zügig und diskret.
  6. Toilettenbesuch und Smartphonenutzung verbinden. 
    Daraus ergibt sich eine Kombination, die sich schon verbreitet hat. Menschen ziehen sich auf die Toilette zurück, um zu tun, was sie nicht lassen können. Vor den Kopf stößt man damit niemanden, aber anzunehmen, andere würden auf diese Idee nicht kommen, wäre eher naiv. (Von Bakterien auf dem Smartphone-Display reden wir jetzt mal nicht – wir waschen ja auch jedes Mal die Hände, wenn wir ein fremdes Gerät angefasst haben…)
  7. Das Smartphone ist eine Fotokamera und ein Videorecorder. 
    Behandle es entsprechend. Geheime Aufnahmen und Veröffentlichungen von Mitschnitten von Ereignissen, die Beteiligte privat halten möchten, verstoßen nicht nur gegen Anstandsregeln, sondern auch gegen das Gesetz. Wer Fotos oder Filme von anderen Menschen veröffentlicht, holt sich ihr Einverständnis.
  8. Die Tonfunktion ist für die Alphütte. 
    Es gibt Alphütten, da muss eine kleine Anhöhe bestiegen werden, damit die Geräte ein Signal empfangen. Werden sie dort deponiert, darf der Klingelton auf laut und originell geschaltet werden. Sonst braucht es weder Klingel- noch andere Töne. Tastentöne, Signaltöne, Fototöne und was es sonst noch geben mag – die haben für kompetente Menschen heute keine Funktion und stören andere.
  9. Smartphones machen niemanden cool.
    Cool sind heute uralte Nokia-Telefone oder Moleskine-Notizbücher ohne Internetanschluss. Natürlich zeigen sich die Männer vom Turnverein beim abendlichen Bier ihre neuen Wundergeräte mit dem großen Display, den hübschen Apps oder der eingebauten Taschenlampe. Die meisten anderen Menschen nutzen Smartphones, weil das vieles einfacher macht. Mehr nicht.
  10. Pause machen. 
    Die Geräte mal eine Ferienwoche lang, für ein Wochenende oder einen Ausgangsabend vergessen. In eine Schublade stecken, den Akku leer laufen lassen und durchatmen.

Was tut man also, wenn man mit jemandem beim Kaffee sitzt, plaudert – und man erwartet eine wichtige Nachricht oder einen wichtigen Anruf? Zunächst einmal macht man die Gesprächspartnerinnen und – partner darauf aufmerksam: »Kann sein, dass ich mal kurz ans Handy muss, erwarte eine wichtige Nachricht.« Trifft sie ein, weist man kurz darauf hin: »Nun ist sie gekommen, die Nachricht – entschuldigt mich bitte schnell«, zieht sich zurück, antwortet oder spricht und kommt wieder zurück. Wenn es möglich ist, gibt man eine Erklärung ab (»Das war ein Arzttermin mit dem Spezialisten, mein Ellenbogen schmerzt beim Tennis immer stärker«) oder entschuldigt sich knapp.

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Die Konsensillusion

Soziale Netzwerke haben einen starken Einfluss auf die digitale Kommunikation gehabt. Diese Einsicht wird häufig – auch in diesem Buch ausgeblendet -, wenn davon ausgegangen wird, digitale Kommunikation sei automatisch Kommunikation in sozialen Netzwerken. »Lange Zeit war es der Normalzustand, dass man sich im Netz mit Fremden unterhielt«, hält Kathrin Passig am Anfang einer Untersuchung zum Wir-Gefühl in Social Media fest. Wenn also Gemeinschaften im digitalen Kontext entstanden, orientierten sie sich an gemeinsamen Interessen, die dazu führten, dass Kommunikation überhaupt entstehen konnte.

Diese Entwicklung ist für Jugendliche von entscheidender Bedeutung. Gerade solche mit Nischeninteressen, seien es spezielle Hobbies, Fertigkeiten oder Krankheiten, finden Anschluss an Netzgemeinschaften. Das gilt sogar für Hikikomori, also meist japanische, männliche Jugendliche, die sich sozial so stark isoliert haben, dass sie ihr eigenes Zimmer nicht mehr verlassen (vgl. z.B. Yong. S. 11ff.). Die Möglichkeiten zur Bildung von Gemeinschaften, so kann recht klar bilanziert werden, haben sich durch die Möglichkeiten der Web-Kommunikation erweitert und verfeinert.

Die Eigenschaft von sozialen Netzwerken, soziale Beziehungsstrukturen digital abbilden zu können, führt aber zu Schwierigkeiten, die aus der »Kombination aus Zusammenlegung der sozialen Kreise, kollaborativer Selbstdarstellung und wachsender Normalität der aktiven Internetnutzung« resultieren. Die Beispiele sind bekannt: Während wir im sozialen Austausch gewisse Themen aktiviert und andere zurückgestellt oder tabuisiert werden – die Kinder, die beim Nachtessen präsent sind, werden als Thema aktiviert, politische oder religiöse Fragen allenfalls ignoriert –, sind diese Themen alle nebeneinander in den Netzwerken präsent: »Die Flüsse vieler unterschiedlicher Lebenskontexte münden ins große Facebook-Meer«, schreibt Passig.

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Den Effekt dieses Phänomens kann man Konsensillusion nennen: Menschen denken generell, dass viele andere ihre Meinungen teilen, sie überschätzen den Anteil der Menschen, der so denkt, wie sie selber. Dieser Effekt tritt selbst dann ein, wenn Menschen ihn kennen, er ist innerhalb einer bestimmten Gruppe ausgeprägter als zwischen Mitgliedern der Gruppe und der Außenwelt.

Welche Auswirkungen hat das?

  1. Es besteht die Gefahr, Mitmenschen unsympathisch zu finden, weil man ihre Meinungen auf Facebook oder Twitter nachlesen kann. Die Struktur des Web 2.0 ermöglicht oder erzwingt einen Austausch über Themen, der in sozialen Situationen sonst vermieden werden könnte.
  2. Schnell entsteht der Eindruck, das Medium sei für das Problem verantwortlich und zieht sich daraus zurück. Damit ist ein Trugschluss verbunden, wie Passig meint: »Allerdings fußt die Vorstellung von der Authentizität, Verlässlichkeit und Harmonie der Offlinebeziehungen nicht unbedingt auf harten Fakten.«
  3. Menschen kommunizieren als Resultat der Konsensillusion oft auch eingeschränkt: Sie fokussieren auf positive und private Themen. Kaum jemand findet sich in einem angeregten Online-Streit, weil er oder sie Fotos vom Strandurlaub reinstellt, niemand wirkt wegen eines lustigen Musikvideos und einer schlauen Zitats unsympathisch.
  4. Soziale Netzwerke, die private Rede öffentlich oder halb-öffentlich machen, werden technologisch von anderen abgelöst, die das nicht mehr ermöglichen. Die Ablösung von Facebook, die bei urbanen Jugendlichen in Europa und in den USA bereits im vollen Gang ist, führt hin zu persönlichen Tools wie WhatsApp oder Snapchat – oder zu solchen, die nur bestimmte Inhalte zulassen, namentlich Instagram (Bilder) oder Vine (Videos). So kann entweder das Publikum klar definiert werden oder der Austausch von Inhalten verhindern, dass es zu Konsens kommen muss.

Lest eure Mail nicht!

Eine der entscheidenden Literacies, also Kompetenzen im Umgang mit Information, ist die Filterkompetenz: Wenn alle Information der Welt übers Smartphone erreichbar ist und Nachrichten über mich reinbrechen, dann stellt sich die Frage, wie kann ich verhindern, dass ich belastende und irreführende Informationen von mir fernhalte, wichtige und relevante aber direkt einsehen kann.

Eine einfache Übung in Filterkompetenz besteht darin, Mails nicht zu lesen. In meiner Mailbox befinden sich zur Zeit 50’000 Emails, rund 2’500 davon sind ungelesen. Immer wieder markiere ich alle Mails als gelesen, weil die hohe Zahl jemanden irritiert. Mich selber stört sie nicht: Täglich lese ich ganz viele Mails nicht. Ich lese auch viele Facebook-Statusmeldungen nicht, ich lese die Werbung am Bahnhof nicht und auch die Gratiszeitungen lasse ich liegen.

An einem Workshop wurde ich von einer Lehrerin heute gefragt, wie ich denn das mache, Mails nicht lesen: Woher ich wüsste, welche wichtig seien und welche nicht. Eine Frage, die ich mir noch gar nie überlegt habe, gerade weil sie so selbstverständlich ist. Aber mir ist auch schon aufgefallen, dass das viele Menschen nicht tun, nicht wollen oder können. Sie lesen alle Nachrichten, die an sie gerichtet sind – und so filtern sie zu wenig.

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Beim Nachdenken und Ausprobieren bin ich auf folgende Hinweise gestoßen:

  1. Ich lese auch einen großen Teil der Briefpost nicht. Die meisten Couverts, die ich erhalte, werfe ich ungeöffnet weg, weil ich weiß, dass mich die Inhalte nicht interessieren oder nicht betreffen.
  2. Ich nutze eine mobile Ansicht, die mir Absender, Datum, Betreff sowie die ersten rund 15 Wörter anzeigt. Das ist meine Entscheidungsgrundlage.
  3. Mails von wichtigen Absendern, also Einzelpersonen mit klaren Anliegen, lese ich meistens. Wichtige Personen erhalten ein eigenes Postfach, das ich immer lese.
  4. Ausnahme zu 2.: Mails von MitarbeiterInnen, SchülerInnen, von denen ich weiß, dass sie nicht sofort bearbeitet werden müssen. Die lese ich später, weil sie sich oft selbst erledigen.
  5. Ich übe das Nichtlesen. Ich mache es ständig und entwickle so eine Routine darin. Twitter ist wohl die beste Übung im Nichtlesen – man überfliegt eine nie endende Liste von Mitteilungen, die man gar nicht alle lesen kann.

Twitter zeigt aber auch ein Mechanismus im Web 2.0: Alles, was wirklich wichtig ist, wird nach oben gespült. Suchen bringen wichtige Mails als Resultate, sie werden von anderen Leuten weiterverschickt, beantwortet, etc.

Das Nichtlesen ist eine große Entlastung. Es befreit davon, ständig erreichbar zu sein, und gibt ein einfaches Signal zurück: Sei auch im Zeitalter der real-time-Kommunikation geduldig und lasse dir Zeit.

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Wer Facebook oft nutzt, fühlt sich schlechter

Eine differenzierte Studie von Kross et al. (2013) hat ergeben, dass Menschen durch die Nutzung von Facebook sich generell weniger gut fühlen. Die 82 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie wurden während zwei Wochen fünf Mal täglich per SMS befragt, wie es ihnen gehe. Parallel dazu wurde ihre Aktivität auf Facebook erhoben. Aus der Verbindung der Daten hat sich ergeben, dass das Wohlbefinden nicht zu intensiveren Nutzung von Facebook führe, die Nutzung aber direkt mit schlechterem Wohlbefinden verbunden sei. Dabei wurde Wohlbefinden in zwei Kategorien aufgespalten: einerseits in den aktuellen Gefühlszustand (wie geht es der Person), andererseits mit der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Der Gefühlszustand wurde durch die kurzfristige Nutzung von Facebook innerhalb eines Tages negativ beeinflusst, die Lebenszufriedenheit mittelfristig über die Facebooknutzung während zwei Wochen.

Die Autorinnen und Autoren hielten in der Diskussion ihrer Ergebnisse fest, dass sie auch alternative Erklärungen geprüft hätten:

Erstens führt direkte soziale Interaktion nicht zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens, sondern gar zu einer Verbesserung. Daher kann man annehmen, dass Facebook eine einzigartige Interaktion mit einem sozialen Netzwerk ist, aus der eine Reduktion der Zufriedenheit resultiert. Zweitens kann ausgeschlossen werden, dass die Verschlechterung des Wohlbefindens darauf zurückzuführen ist, dass Menschen Facebook immer dann nutzen, wenn es ihnen nicht gut geht. Während weder der aktuelle Gefühlszustand noch die erlebte Besorgnis mit der Facebook-Nutzung korrelierten, führte die gefühlte Einsamkeit zu einem Anstieg der Facebook-Nutzung, der aber wiederum die Gefühlslage stärker verschlechtert als die Einsamkeit alleine. (Kross et al., 2013, S. 4)

Die Studie verweist auf frühere Untersuchungen, die nahe legen, dass weder isolierte Formen von Beschäftigung noch Internetaktivitäten alleine negative emotionale Auswirkungen haben – das soziale Netzwerk hat hier also offenbar eine wirklich herausragende negative Eigenschaft: Je mehr wir Facebook brauchen, desto schlechter geht es uns.

Die Resultate der Studie müssen aber vorsichtig betrachtet werden. Es ist äußerst schwierig, in diesem Bereich von Kausalität zu sprechen, zumal die Facebook-Nutzung erfragt wurde und nicht objektiv registriert wurde. Negative Gefühle beeinflussen unsere Wahrnehmung und trüben damit unsere Einschätzung der Nutzungsdauer, was die ganze Studie verzerrt haben könnte. Es ist – so zeigt dieses Beispiel – äußerst schwierig, Versuchsanlagen zu finden, die zu verlässlichen Aussagen über die emotionalen Auswirkungen von sozialen Netzwerken führen.

(Ich danke Nico Scheidegger für die Hinweise (FB), die zu einer Überarbeitung des Beitrags geführt haben.) 

Mass Distraction

Rezension: Michel Serres – Erfindet euch neu!

Der schmale Essay des Philosophen Michel Serres ist 2012 unter dem Titel »Petite Poucette« auf Französisch erschienen – ein Titel, der auf das Märchen »Däumelinchen« von Andersen anspielt. Däumelinchen steht für eine »vernetzte Generation« der »Däumlinge«, an die Serres eine »Liebeserklärung« verfasst hat, wie es im Untertitel der deutschen Übersetzung von Stefan Lorenzer heißt. Sie ist 2013 bei Suhrkamp erschienen, eine Leseprobe gibt es hier (pdf).

Die Generation wächst unter radikal anderen Bedingungen auf als ihre Vorfahren:

Er oder sie, die ich Ihnen vorstellen möchte, lebt nicht länger mit Tieren zusammen, wohnt nicht mehr auf derselben Erde, hat nicht mehr den gleichen Weltbezug. Die Natur, die er oder sie bewundert, ist nur noch die arkadische der Freizeitvergnügungen oder des Tourismus.

Sie hat einen anderen Körper – er kennt keinen Hunger – eine andere Genealogie – sie wurden von Erwachsenen als bewusste Entscheidung gezeugt – einen neuen Raum – in dem räumliche Entfernungen kaum mehr eine Rolle spielen – und einen neuen Kopf.

Geboren unter Periduralanästhesie während einer geplanten Geburt, fürchten sie nicht länger den gleichen Tod, zumal ihnen die Segnungen der Palliativmedizin zur Verfügung stehen. Mit einem anderen Kopf ausgestattet, erkennen sie anders, als ihre Eltern es noch taten.

Dieser Kopf ist anders »formatiert« als der ihrer Eltern: einerseits von Medien, die ihnen bis zum 12. Lebensjahr 20’000 Morde vorführen, andererseits von Werbung, die eine »pädagogische Gesellschaft« begründet. Die Werbung erzieht die Jugend und tritt in direkte Konkurrenz zum Schulsystem.

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Däumelinchen ist ein Individuum, das sich nicht längerfristig zugehörig fühlt: Weder zu einer Nation, zu einer Mannschaft, zu einem Verein, einer Ideologie: »Durch das Reisen und die Bilder, durch das Internet, aber auch durch verheerende Kriege sind diese Zugehörigkeiten fast ausnahmslos zerfallen.« Aber das ist für Serres kein Grund zur Klage:

Wenn ich die Folgen dessen, was alte Nörgler »Egoismus« nennen, und die Verbrechen, die aufs Konto der Zugehörigkeitslibido gehen oder um ihretwillen begangen wurden – Hunderte Millionen von Toten –, gegeneinander abwäge, dann kann ich diese jungen Leute nur von ganzem Herzen lieben.

Das hat – so führt Serres seinen Essay im zweiten Teil fort – Konsequenzen für die Bildung: Sie operiert mit Rahmenbedingungen, aus einer Zeit »in der Welt und Menschen waren, was sie nicht mehr sind«. Ein Symptom dafür ist die Geschwätzigkeit in den Hörsälen und Unterrichtsräumen, ein Symptom, das anzeigt, dass eine Unidirektionalität von Wissensvermittlung und Bewertung von Lernprozessen antiquiert ist. Bildung habe stets ein Angebot bereit gestellt, sich aber nie um die Nachfrage gekümmert. Das werde sich ändern, ist Serres sich bewusst – sowohl in der Schule wie auch in der Politik. Die »Inkompetenzvermutung«, dass also Patienten, Studierende, Bürgerinnen und Bürger weniger von etwas verstünden als die »Dinosaurier«, wird umgekehrt: Das Schwatzen ist Ausdruck dessen, dass die Privilegien der Mächtigen nicht länger anerkannt werden, weil sie nicht mehr automatisch kompetenter sind als die, welche sie behandeln, regieren oder belehren.

Serres verkündet gar das »Ende des Zeitalters des Wissens«. Wie in der Legende des heiligen Dionysus, der seinen abgeschlagenen Kopf wieder aufgesetzt hat und sich damit weiterbewegt hat, ist der Kopf als Computer oder Smartphone heute abgeschlagen, externalisiert.

Was aber tragen wir nach der Enthauptung noch auf unseren Schultern? Die erneuernde und lebendige Intuition. In die Büchse ausgelagert, entläßt uns die Bildung an die helle Erfindungsfreude. Großartig: Sind wir dazu verdammt, intelligent zu werden?

Die Leere, so Serres, sei eine Chance für einen Neubeginn, bei dem es Erfindungen gebe, vom Buch und seiner Seite gelöstes Denken. Die heutigen Werkzeuge, seien sie noch so digital, hätten sich aber noch nicht vom Diktat (oder eben: der Formatierung) der Seite gelöst. Das Zeitalter des Wissens ist das Zeitalter des Buches, die Elektronik habe sich aber vom Buch noch nicht befreit.

Es brauche eine neue Vernunft, fordert Serres, die sich von Ordnungen löst und Labyrinthe des Denkens schafft und die Departementalisierung des Wissens auflöse. Der abstrakte Begriff habe als Werkzeug ausgedient, weil die Rechenleistung von Computern das Absuchen aller Einzelfälle erlaube und keine Verallgemeinerungen mehr benötige. Denken wird algorithmisch:

Das Objektive, das Kollektive, das Technologische, das Organisatorische … – sie gehorchen heute diesem algorithmischen oder prozeduralen Kognitiven eher als den deklarativen Abstraktionen, wie sie mehr als zwei Jahrtausende von einer aus den Natur- und Geisteswissenschaften sich speisenden Philosophie gefeiert wurden. Die denn auch, weil bloß analytisch, dieses Kognitive nicht heraufziehen sieht und das Denken selbst verfehlt – nicht nur seine Mittel, sondern seine Objekte, ja sein Subjekt. Sie geht an unserer Zeit vorbei.

Das ganze Traktat ist eine Abrechnung mit der Philosophie, die ihre Aufgabe nicht wahrgenommen habe und stehen geblieben sei. Serres vertraut eher den Ingenieuren:

Möge die Komplexität nicht verschwinden! Sie wächst und wird weiter wachsen, weil jeder von den Bequemlichkeiten und der Freiheit profitiert, die sie mit sich bringt; sie charakterisiert die Demokratie. Um aber ihre Kosten zu senken, muß man es nur wollen.

Im letzten Teil wird sein Essay politischer. Seine Hoffnung auf den Paradigmenwechsel, welche das Zeitalter der Wissenschaft zu einem Zeitalter der Algorithmen macht, ist keine naive. Er anerkennt eine Reihe von Problemen – um nur zwei zu nennen: Arbeit und Datenschutz -, die aber, so meint er, durch algorithmisches Denken lösbar seien.

Gedanklich konstruiert Serres auf der dem Eiffelturm gegenüberliegenden Seite der Seine ein neues Gebilde:

Dort der starre, stählerne Turm, der hochmütig den Namen seines Erfinders trägt, die Tausenden aber, die das Bauwerk zusammengenietet haben, dem Vergessen weiht, der Turm, an dessen Spitze sich ein Sender der Stimme seines Herrn befindet. Ihm gegenüber wird mobil, beweglich, bunt, gefleckt, patchworkartig, kaleidoskopisch ein flüchtiger Turm aus Funken chromatischen Lichts tanzen, der das vernetzte Kollektiv repräsentiert, um so wirklicher, aufgrund der Daten jedes einzelnen, als es virtuell, partizipativ – wenn man so will: entscheidend sein wird.

* * *

Als Zugabe noch die Rede der Generation der Däumlinge an ihre Väter:

Das ist der Punkt, an dem die Kleinen Däumlinge das Wort an ihre Väter richten: Ihr haltet uns unseren Egoismus vor – aber wer hat ihn uns vorgelebt? Unseren Individualismus – aber wer hat ihn uns gelehrt? Habt ihr es vielleicht geschafft, geschlossen aufzutreten? Scheiden habt ihr euch lassen, weil ihr nicht zusammenleben konntet. Und ist es euch etwa gelungen, eine Partei ins Leben zu rufen und am Leben zu halten? Schaut euch nur an, wie heruntergekommen sie sind … Konntet ihr eine Regierung bilden, der alle auf Dauer die Treue halten? Oder einen Mannschaftssport ausüben? Mußtet ihr nicht dessen Akteure in fernen Ländern rekrutieren, in denen man noch in Gruppen zu leben und zu handeln vermag? Die alten Zugehörigkeiten, die Waffenbrüderschaften, Pfarrgemeinden, Gewerkschaften, Familienverbände, sie siechen dahin. Bleiben die Interessenverbände, die auf schamlose Weise der Demokratie im Weg stehen.

Ihr macht euch lustig über unsere Sozialen Netzwerke und unseren neuen Gebrauch des Wortes »Freund«. Habt ihr es je vermocht, euch in Gruppen zusammenzufinden, die von so beträchtlichem Umfang sind, daß die Zahl ihrer Mitglieder sich derjenigen der Menschen nähert? Und ist es nicht klug, sich den anderen zunächst virtuell zu nähern, um sie nicht zu verletzen? Ihr habt nur Angst vor den neuen politischen Formen, die aus diesen Unternehmungen hervorgehen und die alten, obsolet gewordenen wegfegen könnten.

Obsolet, allerdings – und nicht weniger virtuell als die unseren, fahren die Kleinen Däumlinge fort und kommen plötzlich in Fahrt: Armee, Nation, Kirche, Volk, Klasse, Proletariat, Familie, Markt … Alles Abstraktionen, die wie Pappkameraden über den Köpfen schweben. Nicht aus Pappe, sondern aus Fleisch und Blut, sagt ihr? Gewiß, nur hat dies menschliche Fleisch, weit davon entfernt zu leben, leiden und sterben müssen. Blutrünstig, wie sie waren, verlangten diese Zugehörigkeiten potentiell jedem das Opfer seines Lebens ab: zu Tode gefolterte Märtyrer, gesteinigte Frauen, bei lebendigem Leib verbrannte Häretiker, vermeintliche Hexen, die auf den Scheiterhaufen in Flammen aufgingen. So viel zur Kirche und zum Recht. Unbekannte Soldaten, in Tausenderreihen auf Militärfriedhöfen begraben, auf denen sich ab und zu irgendwelche Amts- und Würdenträger mit Trauermiene über die Gräber beugen, endlose Namenlisten auf Kriegerdenkmälern – zwischen 1914 und 1918 traf es fast die gesamte Landbevölkerung. So viel zum Vaterland. Konzentrationslager und Gulags. So viel zur irrsinnigen Theorie der »Rassen« und zum Klassenkampf. Was die Familie anbelangt, so bietet sie der Hälfte aller Verbrechen ein Zuhause: Täglich stirbt eine Frau an Mißhandlungen durch ihren Gatten oder Liebhaber. Und schließlich der Markt: Mehr als ein Drittel der Menschheit leidet Hunger – an dem jede Minute ein Kleiner Däumling stirbt –, während die Reichen sich mit Abmagerungskuren plagen. Selbst bei Hilfsaktionen steigt die Spendensumme in eurer Gesellschaft des Spektakels mit der Zahl der ausgestellten Leichen, und eure Berichterstattung lebt von den kolportierten Verbrechen, weil für euch feststeht: Eine gute Nachricht ist gar keine Nachricht. Seit einigen Jahrhunderten zählen wir diese Toten aller Art in Hunderten von Millionen. Den durch abstrakte Virtualitäten benannten Zugehörigkeiten, von deren blutigem Ruhm die Geschichtsbücher künden, den gefräßigen, zahllose Opfer verschlingenden falschen Gottheiten eurer Geschichte ziehen wir unser immanent Virtuelles vor, das, wie Europa, niemandes Tod fordert. Unsere Gemeinschaften sollen nicht vom Blut zusammengehalten werden. Das Virtuelle erspart uns zumindest dieses Fleisch und Blut. Kein Kollektiv mehr auf das an einem anderen verübte Massaker und die Behauptung des Eigenen zu gründen: So sieht angesichts eurer Todespolitik und Todesvergangenheit unsere Lebenszukunft aus. Also sprachen die Kleinen Däumlinge, lebhaft.

Das Internet verändert nicht die Menschen, sondern ihre Interaktion

Bei Medium hat Zeynep Tufecki einen klugen Essay über die Ursachen für die gescheiterte Budgetdebatte in den USA geschrieben – wer sich dafür nicht interessiert, sollte den ersten Abschnitt überspringen.

Die aktuelle Budgetkrise in den USA stellt deshalb eine Kuriosität dar, weil über 70 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner dafür sind, dass der »Government Shutdown« beendet wird, die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker aus der Republikanischen Partei aber keine Angst haben müssen, nicht wiedergewählt zu werden, obwohl sie sich der öffentlichen Meinung so klar widersetzen. Tufecki erklärt das damit, dass diese Sitze aus Wahlkreisen stammen, die bewusst so gestaltet worden sind, dass sich Republikaner mit Sicherheit durchsetzen – obwohl die Demokraten 1.4% mehr Stimmen erhalten haben als die Republikaner, haben letztere 17 Sitze im Kongress mehr, weil sie in der Lage sind, die Wahlkreise an vielen Stellen selbst festzulegen. Daher ist es den Tea-Party-Republikanern oft völlig egal, was die öffentliche Meinung im ganzen Land ist, weil sie sich auf einen Wahlkreis konzentrieren, der von konservativen Weißen bestimmt wird und in dem sich demokratische Kandidatinnen und Kandidaten unter keinen Umständen durchsetzen könnten.

Tagclouds zum Shutdown in den USA.
Tagclouds zum Shutdown in den USA.

Tufeckis Einleitung hat damit direkt nichts zu tun, sondern formuliert in wenigen Sätzen eine wichtige Perspektive auf die Kommunikation im Internet. Daher zuerst das leicht gekürzte Original, dann meine Übersetzung:

Are you looking to blame the Internet for something? Forget what you’ve read in most popular media. It’s not making people more angrynarcissistic or lonely.
Not a week goes by in which a headline in a major new outlet doesn’t claim that the Internet turns us into something or other. The internet has been blamed for everything from stupidity to narcissism to loneliness to anger. When you dig down into such stories, you often find that the popular writers have either misunderstood the study—which often merely shows that the Internet reflects offline realities –or are cherry picking small, outlier studies while ignoring the preponderance of the research. (Yes, people who score high on offline narcissism scales behave in more narcissistic ways online. Yes, anger spreads more quickly online compared to other emotions. But guess what? Well-established research shows anger also spreads more quickly offline.) Overall, there is scant evidence, or reason, that the Internet alters fundamentals of human psychology.
The internet doesn’t change the players. It does, however, change the game. Sometimes, drastically. In other words, if you want to understand what the Internet changes, look first to game theory, not psychology. We don’t have a different kind of human as a result of the Internet. We do, however, have different kinds of structures which change the games humans play in their social, personal and political lives.

Möchtest du dem Internet die Schuld für etwas zuschreiben? Dann vergiss, was du in vielen Medien gelesen hast. Das Internet macht Menschen nicht wütiger, narzisstischer oder einsamer.
Es vergeht keine Woche, ohne dass eine wichtige Zeitung oder Zeitschrift in einer großen Schlagzeile behauptet, das Internet würde uns zu diesem oder jenem machen. Von Dummheit über Narzissmus, von Einsamkeit oder Wut – dem Internet wurde für fast alles schon die Schuld gegeben. Wühlt man sich durch solche Geschichten, findet man meist heraus, dass die Autorinnen und Autoren entweder die Studien falsch verstanden hatten – weil die meist zeigen, dass das Internet zum Ausdruck bringt, was sich in der Offline-Realität abspielt – oder kleine, unbedeutende Studien rauspickt, die dem Rest der Untersuchungen widersprechen. (Ja, Menschen die offline narzisstisch sind, verhalten sich online narzisstischer. Ja, Wut verbreitet sich online schneller als andere Gefühle. Aber rate mal? Auch offline verbreitet sich Wut schneller.) Es gibt allgemein kaum Belege oder Gründe dafür, dass das Internet die menschliche Psychologie verändere.
Das Internet verändert mit anderen Worten nicht die Spieler, sondern das Spiel. Manchmal auf drastische Art und Weise. Wer verstehen will, was das Internet ändern, sollte sich mit Spieltheorie beschäftigen, nicht mit Psychologie. Das Internet schafft keine neuen Menschen. Aber es kreiert neue Strukturen und die verändern die Spiele, die Menschen in ihrem sozialen, persönlichen und politischen Leben spielen.

Man kann das wohl am besten am Beispiel der Aufmerksamkeit zeigen. Wer sich mit fremden Menschen über Politik streiten will, kann das offline wie online tun. Aber das Spiel ist online ein ganz anderes. Der Preis dafür (oder der Aufwand) ist kleiner, die resultierende Aufmerksamkeit anders, unter Umständen größer, zumindest gibt es mehr Zuschauer. Die wiederum sind ein sehr selektives Publikum: Würde ich mich in einer Kneipe mit Fremden auf politische Diskussionen einlassen, dann wären wohl einige zufällige Gäste anwesend, von denen sich wenige überhaupt einen Reim auf die allenfalls lautstarke Diskussion machen können. Im Internet sind aber meine Gäste da – sie sehen auf meiner Pinwand oder in ihrer Timeline, mit wem ich mich worüber streite. Weil der Preis für die Handlung kleiner wird und die Belohnung größer, kann es gut sein, dass Menschen online häufiger engagierte politische Diskussionen führen. Das heißt aber nicht notwendigerweise, dass das für sie an Bedeutung gewonnen hätte, weil es das Internet gibt.

http://xkcd.com/610/
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Das Internet verändert nicht die Menschen, sondern ihre Interaktion

Bei Medium hat Zeynep Tufecki einen klugen Essay über die Ursachen für die gescheiterte Budgetdebatte in den USA geschrieben – wer sich dafür nicht interessiert, sollte den ersten Abschnitt überspringen.

Die aktuelle Budgetkrise in den USA stellt deshalb eine Kuriosität dar, weil über 70 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner dafür sind, dass der »Government Shutdown« beendet wird, die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker aus der Republikanischen Partei aber keine Angst haben müssen, nicht wiedergewählt zu werden, obwohl sie sich der öffentlichen Meinung so klar widersetzen. Tufecki erklärt das damit, dass diese Sitze aus Wahlkreisen stammen, die bewusst so gestaltet worden sind, dass sich Republikaner mit Sicherheit durchsetzen – obwohl die Demokraten 1.4% mehr Stimmen erhalten haben als die Republikaner, haben letztere 17 Sitze im Kongress mehr, weil sie in der Lage sind, die Wahlkreise an vielen Stellen selbst festzulegen. Daher ist es den Tea-Party-Republikanern oft völlig egal, was die öffentliche Meinung im ganzen Land ist, weil sie sich auf einen Wahlkreis konzentrieren, der von konservativen Weißen bestimmt wird und in dem sich demokratische Kandidatinnen und Kandidaten unter keinen Umständen durchsetzen könnten.

Tagclouds zum Shutdown in den USA.
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Tufeckis Einleitung hat damit direkt nichts zu tun, sondern formuliert in wenigen Sätzen eine wichtige Perspektive auf die Kommunikation im Internet. Daher zuerst das leicht gekürzte Original, dann meine Übersetzung:

Are you looking to blame the Internet for something? Forget what you’ve read in most popular media. It’s not making people more angrynarcissistic or lonely.
Not a week goes by in which a headline in a major new outlet doesn’t claim that the Internet turns us into something or other. The internet has been blamed for everything from stupidity to narcissism to loneliness to anger. When you dig down into such stories, you often find that the popular writers have either misunderstood the study—which often merely shows that the Internet reflects offline realities –or are cherry picking small, outlier studies while ignoring the preponderance of the research. (Yes, people who score high on offline narcissism scales behave in more narcissistic ways online. Yes, anger spreads more quickly online compared to other emotions. But guess what? Well-established research shows anger also spreads more quickly offline.) Overall, there is scant evidence, or reason, that the Internet alters fundamentals of human psychology.
The internet doesn’t change the players. It does, however, change the game. Sometimes, drastically. In other words, if you want to understand what the Internet changes, look first to game theory, not psychology. We don’t have a different kind of human as a result of the Internet. We do, however, have different kinds of structures which change the games humans play in their social, personal and political lives.

Möchtest du dem Internet die Schuld für etwas zuschreiben? Dann vergiss, was du in vielen Medien gelesen hast. Das Internet macht Menschen nicht wütiger, narzisstischer oder einsamer.
Es vergeht keine Woche, ohne dass eine wichtige Zeitung oder Zeitschrift in einer großen Schlagzeile behauptet, das Internet würde uns zu diesem oder jenem machen. Von Dummheit über Narzissmus, von Einsamkeit oder Wut – dem Internet wurde für fast alles schon die Schuld gegeben. Wühlt man sich durch solche Geschichten, findet man meist heraus, dass die Autorinnen und Autoren entweder die Studien falsch verstanden hatten – weil die meist zeigen, dass das Internet zum Ausdruck bringt, was sich in der Offline-Realität abspielt – oder kleine, unbedeutende Studien rauspickt, die dem Rest der Untersuchungen widersprechen. (Ja, Menschen die offline narzisstisch sind, verhalten sich online narzisstischer. Ja, Wut verbreitet sich online schneller als andere Gefühle. Aber rate mal? Auch offline verbreitet sich Wut schneller.) Es gibt allgemein kaum Belege oder Gründe dafür, dass das Internet die menschliche Psychologie verändere.
Das Internet verändert mit anderen Worten nicht die Spieler, sondern das Spiel. Manchmal auf drastische Art und Weise. Wer verstehen will, was das Internet ändern, sollte sich mit Spieltheorie beschäftigen, nicht mit Psychologie. Das Internet schafft keine neuen Menschen. Aber es kreiert neue Strukturen und die verändern die Spiele, die Menschen in ihrem sozialen, persönlichen und politischen Leben spielen.

Man kann das wohl am besten am Beispiel der Aufmerksamkeit zeigen. Wer sich mit fremden Menschen über Politik streiten will, kann das offline wie online tun. Aber das Spiel ist online ein ganz anderes. Der Preis dafür (oder der Aufwand) ist kleiner, die resultierende Aufmerksamkeit anders, unter Umständen größer, zumindest gibt es mehr Zuschauer. Die wiederum sind ein sehr selektives Publikum: Würde ich mich in einer Kneipe mit Fremden auf politische Diskussionen einlassen, dann wären wohl einige zufällige Gäste anwesend, von denen sich wenige überhaupt einen Reim auf die allenfalls lautstarke Diskussion machen können. Im Internet sind aber meine Gäste da – sie sehen auf meiner Pinwand oder in ihrer Timeline, mit wem ich mich worüber streite. Weil der Preis für die Handlung kleiner wird und die Belohnung größer, kann es gut sein, dass Menschen online häufiger engagierte politische Diskussionen führen. Das heißt aber nicht notwendigerweise, dass das für sie an Bedeutung gewonnen hätte, weil es das Internet gibt.

http://xkcd.com/610/
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