Wer Facebook oft nutzt, fühlt sich schlechter

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Wissenschaft

Eine differenzierte Studie von Kross et al. (2013) hat ergeben, dass Menschen durch die Nutzung von Facebook sich generell weniger gut fühlen. Die 82 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie wurden während zwei Wochen fünf Mal täglich per SMS befragt, wie es ihnen gehe. Parallel dazu wurde ihre Aktivität auf Facebook erhoben. Aus der Verbindung der Daten hat sich ergeben, dass das Wohlbefinden nicht zu intensiveren Nutzung von Facebook führe, die Nutzung aber direkt mit schlechterem Wohlbefinden verbunden sei. Dabei wurde Wohlbefinden in zwei Kategorien aufgespalten: einerseits in den aktuellen Gefühlszustand (wie geht es der Person), andererseits mit der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Der Gefühlszustand wurde durch die kurzfristige Nutzung von Facebook innerhalb eines Tages negativ beeinflusst, die Lebenszufriedenheit mittelfristig über die Facebooknutzung während zwei Wochen.

Die Autorinnen und Autoren hielten in der Diskussion ihrer Ergebnisse fest, dass sie auch alternative Erklärungen geprüft hätten:

Erstens führt direkte soziale Interaktion nicht zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens, sondern gar zu einer Verbesserung. Daher kann man annehmen, dass Facebook eine einzigartige Interaktion mit einem sozialen Netzwerk ist, aus der eine Reduktion der Zufriedenheit resultiert. Zweitens kann ausgeschlossen werden, dass die Verschlechterung des Wohlbefindens darauf zurückzuführen ist, dass Menschen Facebook immer dann nutzen, wenn es ihnen nicht gut geht. Während weder der aktuelle Gefühlszustand noch die erlebte Besorgnis mit der Facebook-Nutzung korrelierten, führte die gefühlte Einsamkeit zu einem Anstieg der Facebook-Nutzung, der aber wiederum die Gefühlslage stärker verschlechtert als die Einsamkeit alleine. (Kross et al., 2013, S. 4)

Die Studie verweist auf frühere Untersuchungen, die nahe legen, dass weder isolierte Formen von Beschäftigung noch Internetaktivitäten alleine negative emotionale Auswirkungen haben – das soziale Netzwerk hat hier also offenbar eine wirklich herausragende negative Eigenschaft: Je mehr wir Facebook brauchen, desto schlechter geht es uns.

Die Resultate der Studie müssen aber vorsichtig betrachtet werden. Es ist äußerst schwierig, in diesem Bereich von Kausalität zu sprechen, zumal die Facebook-Nutzung erfragt wurde und nicht objektiv registriert wurde. Negative Gefühle beeinflussen unsere Wahrnehmung und trüben damit unsere Einschätzung der Nutzungsdauer, was die ganze Studie verzerrt haben könnte. Es ist – so zeigt dieses Beispiel – äußerst schwierig, Versuchsanlagen zu finden, die zu verlässlichen Aussagen über die emotionalen Auswirkungen von sozialen Netzwerken führen.

(Ich danke Nico Scheidegger für die Hinweise (FB), die zu einer Überarbeitung des Beitrags geführt haben.) 

Mass Distraction

The Author

philippe-wampfler.ch

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