Warum Überwachung ein Problem ist

Überwachung ist ein konstantes Thema in der digitalen Kommunikation. Nicht erst seit Edward Snowden enthüllt hat, wie die NSA auf Daten aus dem Internet zugreift, gibt es Widerstand und Empörung gegen staatliche Überwachung in Internet. Im folgenden Beitrag möchte ich diskutieren, warum diese Überwachung ein Problem ist. Ich bin der Meinung, dass dies oft mit wenig überzeugenden Argumenten gezeigt worden ist, und beginne deshalb mit einer Kritik der Überwachungskritik.

(1) Der Ausnahmezustand als das schlechteste aller Argumente

Judith Horchert hat in einem SPON-Essay darüber nachgedacht, was dem Bundesnachrichtendienst an ihrer Online-Präsenz auffallen könnte. Sie sei ein »unschuldiger und unverdächtiger Mensch« und wolle daher weder »ihr Leben geändert bekommen« noch ihr Verhalten erklären müssen. Das Problem mit dieser Sichtweise: Ob wir verdächtig sind oder nicht, entscheiden nicht wir selbst. Ein Verdacht ist gerade nicht an eine Schuld – im Sinne des Rechtsstaates – gekoppelt. Sobald eine Bombe hochgeht, ein Kind verletzt wird oder schon nur Geld verschwindet, sind alle Bedenken in Bezug auf Überwachung hinfällig. Menschen sind auch in demokratischen Gemeinschaften bereit, im Ausnahmezustand umfassende Überwachungssysteme zu bewilligen, die eine große Menge an Menschen verdächtigen. Zu denken, dass gerade der Ausnahmezustand dazu führen könnte, dass wir aufgrund unseres Online-Verhaltens ungerechtfertigterweise verdächtigt würden, ist naiv: Der Ausnahmezustand führt immer dazu, dass Menschen ungerechtfertigerweise verdächtigt, überwacht und verhaftet werden. Dagegen kennen weder Rechtsstaat noch Demokratie ein Mittel.

Surveillance, David Chang
Surveillance, David Chang

(2) Die Reaktion auf das »Nothing-To-Hide«-Argument

Wer nichts zu verbergen habe, habe auch nichts zu befürchten, meinen viele Advokatinnen und Advokaten von umfassender Überwachung. Betroffen seien ja nur die anderen – also die, welche der Gemeinschaft schaden. Und tatsächlich ist dieses Argument in einem klar definierten Kontext gültig: Geschwindigkeitskontrollen gehen in Ordnung, weil erstens die Daten sparsam erhoben werden, nicht archiviert werden und die Kontrolle dazu dient, eine erwünschte Anpassung des Verhaltens herbeizuführen. Warum aber gilt das Argument in einem größeren Kontext – z.B. bei der Überwachung aller Emails – nicht? Standardargumente enthalten die Beobachtung, dass alle Menschen etwas zu verbergen hätten und das auch tun bzw. wollen, oder kritisieren das Argument, weil es die Zusammenhänge umkehrt: Menschen müssen nicht rechtfertigen, warum sie nicht überwacht werden wollen, vielmehr muss die Überwachung begründet werden.

Doch diese Argumente greifen zu kurz, weil sie entweder davon ausgehen, dass Privatsphäre bedeutet, etwas zu verstecken (was implizit Überwachung legitimiert), oder dass Überwachung nicht begründet werden kann. Es ist sinnvoll, bei der Diskussion von Überwachung davon auszugehen, dass sie im Rahmen eines demokratisch erlassenen Gesetzes erfolge (ansonsten gibt es ohnehin einfache Möglichkeiten, sie zu kritisieren).

(3) Was ist eigentlich Privatsphäre? 

Privatsphäre ist mehr als das Recht, Informationen zu verstecken. Überwachung verletzt mehrere Aspekte unseres Rechts, aus verschiedenen Gründen die Kontrolle über persönliche Informationen zu behalten. Es ist falsch, davon auszugehen, dass wir alle Steuern hinterziehen, unsere Partnerinnen und Partner betrügen oder ständig moralische Tabus brechen. Entscheidend ist, dass wir oft abwägen, wem wir was erzählen. Privatsphäre ist ein Konzept mit komplexen juristischen, sozialen und kognitiven Bestandteilen, das sich nicht einfach darauf reduzieren lassen kann, Verbotenes oder Verpöntes geheim zu halten.

(4) Das System braucht Daten

Es gibt kein Leben ohne Preisgabe von Daten. Wenn wir Briefe verschicken wollen, dann braucht die Post aus logistischen Gründen eine Adresse des Senders und der Absenderin, um funktionieren zu können. Der Staat braucht Informationen über seine Bürgerinnen und Bürger, um sicher stellen zu können, dass alle eine Ausbildung genießen und ans Abwassersystem angeschlossen sind. Und Google braucht unsere Daten, um uns tolle Dienstleistungen anzubieten. Überwachung ist ein Preis, den wir dafür zahlen, dass unser Leben einfacher wird. Digitale Technologie ermöglicht die verlustfreie, aufwandslose Kopie. Sie befördert die Verbreitung von Wissen, schafft neue Voraussetzungen für Kreativität: Aber erleichtert auch Überwachung. Überwachung ist das Prinzip des Internets.

Wir wollen, dass Verbrechen aufgeklärt werden können. Und doch übersehen wir dabei oft naheliegende Probleme, mit denen Grenzen überschritten werden.

Das Immersion-Projekt des MIT zeigt, wie unsere Gmail-Kontakte vernetzt sind. Allein die so genannten Metadaten lassen differenzierte - aber natürlich auch falsche - Rückschlüsse über unser soziales Umfeld zu.
Das Immersion-Projekt des MIT zeigt, wie unsere Gmail-Kontakte vernetzt sind. Allein die so genannten Metadaten lassen differenzierte – aber natürlich auch falsche – Rückschlüsse über unser soziales Umfeld zu.

(5) Probleme von Überwachung

Überwachung schadet ganz konkret – auch abgesehen vom Ausnahmezustand. Hier einige Probleme, die entstehen:

  1. Bürokratie
    Überwachung wird von Menschen durchgeführt, die in bürokratischen Prozesse eingebunden sind: Sie halten sich oft an starre Abläufe, sind aber auch frustriert, machen Fehler, sind gleichgültig und werden zu wenig kontrolliert, so dass einfach vieles nicht so läuft, wie das die Gesetzgeberin oder das Gesetz vorsehen.
  2. Menschen und Hierarchien
    Überwachung führt zu überwachten Menschen und überwachenden. Diese handeln zwar im Auftrag einer Gemeinschaft oder des Staates, doch dieser Auftrag ist in den problematischen Fällen weder klar noch explizit vorhanden (anders als im Fall der Geschwindigkeitskontrolle). Wer nun überwachen kann oder muss, ist versucht, die dadurch entstehenden Möglichkeiten zu nutzen. Gleichzeitig entsteht so eine Klasse von Menschen, die zu Daten Zugang hat, die für andere nicht einsehbar sind.
  3. »Chilling Effect« 
    Anne Roth schreibt über ihre Erfahrung mit Überwachung:

    Irgendwann bemerkte ich eine Stimme in meinem Kopf: „Dreh dich auf der Straße nicht um! In den Akten stand, dass sie das bei Andrej verdächtig fanden.“ – „Mach keine Witze über Brandanschläge am Telefon! In den Akten stand, dass sie das in einem Telefongespräch mit deiner Mutter angestrichen haben.“

    Der Chilling Effect beschreibt, dass wir unser Verhalten ändern und anpassen, wenn wir wissen, dass wir beobachtet und überwacht werden. Wir tun nicht mehr, was wir wollen, sondern eher das, was uns unverdächtig erscheinen lässt.

  4. Eigendynamik von Überwachung und Verdächtigung
    Überwachung müsste wohlwollend geschehen: Entlastende Informationen müssten berücksichtigt werden, selbst das Fehlen von belastenden Informationen müsste als Entlastung interpretiert werden. Tatsächlich führen Überwachungssysteme dazu, dass die Überwachung selbst gerechtfertigt wird: Details werden immer so interpretiert, dass sie für eine Beibehaltung oder Ausdehnung von Überwachung sprechen. Kann ein Verdacht nicht erhärtet werden, so spricht genau das dafür, ihn beizubehalten. Dieser Paradoxie kann sich kein Überwachungssystem entziehen. Eines der überraschendsten Beispiele ist die Aktion dieses Menschenrechtsaktivists, der sich mit Proxy-Servern in Pakistan englische Literatur zugeschickt hat und verdächtigt wurde, weil James Joyce und Gerard Manley Hopkins Sätze schrieben, die schwer verständlich sind (aber offensichtlich keine geheime Botschaft enthalten, weil es klassische Texte der englischen Literatur sind).
  5. Ausschluss und Intransparenz
    Überwachung hat mit digitaler Kommunikation grundsätzlich nichts zu tun – es gab sie schon immer. Die Nachbarinnen und Nachbarn, die mitbekommen, wann wir streiten, Sex haben, nach Hause kommen, kochen, die Toilette benutzen; die Unternehmen, die unsere Bedürfnisse decken; die Archive, die unser Wissen sammeln: Sie alle überwachen Menschen und verletzen ihre Privatsphäre. Aber in der Regel ist uns das Ausmaß und die Funktionsweise dieser Überwachung bewusst: Ich weiß, dass die Verkäuferin im Dorfladen mitbekommt, wie gesund ich mich ernähre, wie oft ich Kondome kaufe und was meine Nachbarinnen und Nachbarn über mich denken; und ich habe eine Vorstellung, wie sie mit diesem Wissen umgeht. – Die NSA-Überwachung und ähnliche Systeme in Europa haben diese Eigenschaft nicht: Wir können nicht einsehen, welche Informationen der Staat oder Geheimdienste über uns sammeln, wofür sie verwendet werden und mit welchen anderen Datenbanken sie verbunden werden. Die Verkäuferin im Dorfladen weiß plötzlich auch das, was meine Ärztin weiß, meine früheren Lehrpersonen über mich wissen, sie ist auch mein Sachbearbeiter bei der Bank und auf dem Steueramt. Ihr Wissen ist aber dennoch lückenhaft und blendet vieles, was für das Verständnis meiner Motive und Handlungen wichtig ist, aus. Die Verkäuferin nutzt nun dieses verzerrte, aber vernetzte Wissen – um im Bild zu bleiben – für beliebige Zwecke: Sie entscheidet aufgrund meiner Einkäufe, ob ich einen Fahrausweis bekommen soll, mich für einen bestimmten Beruf eigne oder ob ich einen Blog führen darf oder nicht. Kurz: Daten werden verzerrt, aggregiert und für sekundäre Zwecke verwendet.
Surveillance, Dustin Davis
Surveillance, Dustin Davis

(6) Regeln biegen, Regeln brechen

Im aktuellen Spiegel (pdf) sagt Snowden im Interview:

Aufgabe der NSA ist es, von allem Wichtigen zu wissen, das außerhalb der Vereinigten Staaten passiert. Das ist eine beträchtliche Aufgabe, und den Leuten dort wird vermittelt, dass es eine existentielle Krise bedeuten kann, nicht alles über jeden zu wissen. Und dann glaubt man irgendwann, dass es schon in Ordnung ist, sich die Regeln etwas hinzubiegen. Und wenn die Menschen einen dann dafür hassen, dass man die Regeln ver- biegt, wird es auf einmal überlebenswichtig, sie sogar zu brechen.

Und der Sicherheitsexperte Jacob Appelbaum fügt hinzu:

Die Vorstellung, es sei in der Tat das Recht, das darüber entscheidet, was passiert und wie es passiert, trifft nicht zu; in Wirklichkeit ist es die Technologie, sind es die Hardware und die Codes. […]

Heute zieht beinahe jeder eine Datenspur hinter sich her, die manipuliert und verdreht werden kann. Firmenvorstände wissen um diese Machtdynamik, und nur wenige wagen es aufzumucken – falls es überhaupt einige wagen und falls es überhaupt welche gibt, die das Spiel durchschauen.

Das heißt: Auch wenn wir davon ausgehen, dass ein umfassender Überwachungsapparat gewollt und legitimiert ist, und auch wenn wir sicherstellen könnten, dass er keine Fehler macht und sauber arbeitet – beides ist höchst unwahrscheinlich – selbst dann wird er seinen Rahmen erweitern, Gesetze hinbiegen und sie schließlich brechen. Die Überwachung selbst schafft neue Möglichkeiten, die letztlich die Bedingungen verändern, unter denen wir leben und entscheiden. Überwachung ist als System autopoietisch: Sie legitimiert sich selbst und weitet sich aus. Wenn Daten gesammelt werden, werden sie auch benutzt – und meist nicht mehr für das, wofür sie gesammelt worden sind.

Geht es in der heutigen politischen Diskussion um Sicherheit, um Terroristinnen und Kinderschänder, so befasst sich das System schon mit Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit. Überwachung ist falsch, weil sie verändert, wie wir alle handeln und wie wir alle entscheiden.

Leistungsbewertungen von Social-Media-Arbeiten

Dieser Artikel hat zwei Teile: Zunächst stelle ich Prinzipien vor, wie Arbeiten von Schülerinnen und Schülern auf Social Media bewertet werden können, dann gehe ich davon ausgehend kurz auf das Problem der schulischen Leistungsbewertung im Allgemeinen ein.

(1) Arbeiten in Social Media bewerten

Beginnen wir mit Beispielen: Dieser Blog ist im Unterricht entstanden. Und dieses Facebook-Projekt zu Werther auch. Beide sehen attraktiv aus, da stecken viele Überlegungen drin und auch viel Arbeit. Wie kann ich als Lehrer diese Projekte bewerten? Ein guter Ausgangspunkt sind die Hinweise zur Arbeit mit Portfolios (hier von der Hochschuldidaktik der Universität Zürich). Dort heißt es:

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Etwas ausführlicher:

  1. Grundsätzlich entstehen gültige und verständliche Bewertungen ausgehend von Kriterien. Ich gebe also vor Projektstart an, an welchen Maßstäben ich die Resultate messen werde. Dabei entstehen zwei Probleme: Erstens liegt der Wert von solchen Arbeiten oft darin, eigenständigen Vorstellungen nachzugehen, die sich nicht an vorgegebenen Kriterien orientieren, sondern an eigenen. Zweitens entscheidet sich die Bewertung oft bei einem Kriterium wie »Differenziertheit, Tiefgang etc.«, dessen Bedeutung zwar klar ist – werden nahe liegende Wege gewählt, einfache Antworten akzeptiert, nur die am leichtesten greifbaren Quellen beigezogen oder nicht -; aber dessen Anwendung in einem hohen Grad vom Kontext abhängig ist. (So ist z.B. nicht klar, ob eine Arbeit, die bewusst auf Arbeit mit Quellen verzichtet, differenzierter ist als eine, die Quellenmaterial hauptsächlich kuratiert oder remixt.)
  2. Aus diesen Überlegungen ergibt sich die zentrale Bedeutung von Reflexionen. Vor, während und nach einem solchen Projekt braucht es Phasen, in denen die Planung, die konkrete Arbeit und das Resultat von den Beteiligten – unter Umständen im Gespräch mit der Lehrperson – überdacht, eingeordnet, hinterfragt werden. Hier können einfache Mittel zum Tragen kommen: Kurze Präsentationen, Gruppengespräche, das Verfassen von Texten.
  3. Aus diesen Reflexionen können auch eigene Kriterien und eine Selbstbewertung entstehen. Wer in Social Media aktiv ist, misst die Resultate seiner Arbeit an eigenen Vorgaben und Erwartungen. Vieles ergibt sich aus Interaktionen, Ideen entstehen in Netzwerken, oft auch kollaborativ, Ziele verschieben sich, Bedingungen auch. Kontext ist entscheidend – und den kennen die Beteiligten am besten.
  4. Bewertung erfolgt nicht nur nach Abschluss des Projektes: Auch Konzepte, laufende Pflege des Projekts und Zwischenergebnisse können und sollen bewertet und kommentiert werden. Das kann gerade mit den Mitteln von Social Media gut geschehen: Kommentare eigenen sich hervorragend dazu.
  5. Nicht alles bewerten wollen: Einzelne Aspekte oder Inhalte auswählen und dabei die Schülerinnen und Schüler mitreden lassen, was man wie bewerten soll.
  6. Dem Positiven mehr Gewicht geben als dem Negativen: Es geht darum, was Schülerinnen und Schüler lernen und können, nicht darum, was sie noch nicht können.
Quelle: berufsbildung.ch
Quelle: berufsbildung.ch

(2) Paradoxien in der schulischen Leistungsbewertung

Betrachtet man die oben stehende Grafik, so wird deutlich, welch komplexe Funktionen Leistungsbewertungen haben. Und dennoch handelt es sich nur um die Beschreibung eines Ideals: In der Schule haben sie häufig einen Selbstzweck: Lehrpersonen bewerten, weil das System das von ihnen verlangt und sie die reale oder vorgestellte Aufgabe haben, Selektion betreiben zu müssen. Diese Noten dienen dann zudem als motivierender Faktor – gelernt wird, weil das Lernen bewertet wird (und die Noten werden dann extern noch einmal mit zusätzlicher extrinsischer Motivation aufgeladen).

Nun ist das natürlich ein Problem, das längst bekannt ist: Es gibt Defizite in der schulischen Leistungsbewertung und -messung. Die werden immer stärker, weil die Kompetenzen in einer vernetzten Welt zunehmend eine individuelle Bedeutung erhalten und komplexer werden. Es gibt schulische und politische Prozesse, die sinnvollere Verfahren einführen und so den Problemen Rechnung tragen – aber auch die Gegenbewegung: Standardisierung und Qualifikation für Berufsausbildungen oder weiterführende Ausbildungsgänge werden immer stärker mit simplen, statistisch normierten Multiple-Choice-Tests gekoppelt, die teilweise auch von externen Anbietern erstellt und ausgewertet werden; nicht selten mit automatisieren Verfahren. (Martin Lindner hat auf die Tendenz aufmerksam gemacht, Testverfahren von MOOCs auch schulintern zu verwenden.)

Kurz: Je schwieriger es wird, Leistungen zu bewerten, desto eher tendiert man dazu, einfachen und untauglichen Verfahren großes Vertrauen zu schenken. Diese Paradoxien führen zu einer enormen Selbstreferenz von Testverfahren: »Lernen« bedeutet dann lediglich, die Spielregeln eines Tests zu lernen, der aber so normiert ist, dass die Beherrschung der Spielregeln anderen – die sie weniger gut beherrschen – schaden.

In der idealen Schule haben alle gute Noten, weil alle lernen und alle etwas können. In einem idealen Testverfahren entsprechen die guten Noten einer Normalverteilung – Lernprozesse sind weniger wichtig als statistische Verfahren.

Zeugnis Oberländische Schule Spiez, 1962. Quelle.

Technologie muss das Leben einfacher machen

Gestern hatte ich früher als sonst eine Sitzung und im Eifer vergessen, mein Portemonnaie von der Wochenend- in die Wochentagstasche zu tansferieren. In der S-Bahn gab es eine Fahrausweiskontrolle. Ich besitze eine Jahreskarte (GA) und musste nun einen Zettel ausfüllen, den ein netter Herr in ein Gerät eingegeben hat, mit dem er dann zwei Zettel ausgedruckt hat, die ich beide unterschreiben musste. Mit einem muss ich nun an einen Bahnschalter, dort fünf Franken bezahlen und das Problem ist gelöst. 02.07.13 - 1

Ich mag die SBB, die in der Schweiz einen großen Teil des öffentlichen Verkehrs organisiert. Ihre Leistungen sind preiswert und zuverlässig, das Personal ist gut geschult und freundlich und das Unternehmen reagiert bei Problemen meist sehr kulant. Nun kommt das Aber: Die Technologie wird in diesem Beispiel nicht genutzt, um das Leben einfacher zu machen. Die Gebühr von fünf Franken deckt den Aufwand der SBB, den ich verursacht habe, bei weitem nicht. Der Kontrolleur und ich haben beide Smartphones, die mit Datenbanken bei der SBB verbunden sind (ich habe ein Konto, mit dem ich Tickets mobil kaufen kann). Ich konnte mich weder mit dem Smartphone identifizieren noch die Gebühr bezahlen; der Herr konnte nicht abrufen, ob ich ein Abo besitze (oder er darf das nur tun, wenn ich mich ausweisen kann – einen Ausweis hatte ich nicht dabei).

Um vom Anekdotischen zum Allgemeinen zu kommen: Digitale Hilfsmittel und Social Media müssen uns das Leben einfacher machen. Wir sollten – zumindest im Geiste – Projekttagebücher führen, die uns Auskunft darüber geben, ob das Erlernen von Kompetenzen und das Einarbeiten in Funktionsweisen von Software letztlich zu einer Vereinfachung führen. Ein Beispiel: Analoge Fotos mussten entwickelt werden, wurden aber viel spärlicher geknipst. Die Abzüge lagen dann aber physisch vor, wurden vielleicht in den Umschlägen beschriftet oder dann in Alben eingeklebt. Die digitale Verfahrensweisen führt zu Dateien auf unzähligen Speichermedien, Geräten, Harddisks, die in wenigen Haushalten sauber geordnet und abrufbar sind. Obwohl Gesichter automatisch erkannt werden können, Geotags hinzugefügt werden und Archive nach verschiedenen Kriterien geordnet werden können, brauchen wir mehr Arbeit im Umgang mit digitalen Bildern und erzielen damit schlechtere Resultate (den Besuch ein knappes Fotoalbum oder ein paar Abzüge durchblättern lassen ist oft kommunikativ wesentlich sinnvoller als eine Präsentation von unzähligen Bildern an einem Projektor).

Die Frage: »Was wird einfacher, wenn wir das so machen?« ist ein Lackmustest für jede technologische Änderung. Er kann nicht umgangen werden durch eine Beschreibung zusätzlicher Funktionalitäten – die sind allenfalls ein Bonus, wenn bisherige Verfahren neu mit weniger Aufwand möglich sind.

Zurück zur SBB: Im Großraum Zürich gibt es neue Tickets, die mit Zonen funktionieren. Um beispielsweise von Wettingen nach Lenzburg zu fahren, kann man kein Ticket »Wettingen-Lenzburg« kaufen, sondern nur eine Reihe von Zonen, die Kundinnen und Kunden eigentlich auswendig können müssen. Sie sind nicht mehr in der Lage, Verbindungen für Hin- und Rückweg flexibel zu wählen, sondern müssen sich an entsprechende Zonen halten, für die ihr Fahrschein gültig ist. Wer nicht in der Schweiz wohnt und ein Ticket lösen will, kann an den Automaten nicht mehr herausfinden, welches Ticket das richtige ist.

Ticket_ZPassNatürlich sind Zonenpläne ein Kompromiss zwischen verschiedenen politischen Akteuren und letztlich kein technologisches Problem: Aber technische Lösungen müssten hier das Problem so vereinfachen, dass die Kundinnen und Kunden nur noch eine einfache Oberfläche sehen, im Hintergrund die nötigen Details ablegen (z.B. mit QR-Codes, die auf Tickets gedruckt werden).

Social Media und Chancengerechtigkeit in der Bildung

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In der Schweiz und in Deutschland korreliert Bildungserfolg sehr stark mit der sozio-ökonomischen Herkunft, wie z.B. der Bildungsbericht 2010 zeigt. Das heißt, die Leistung einer Schülerin oder eines Schülers wird nicht durch die Qualität des erlebten Unterrichts oder die eigenen Fähigkeiten bestimmt, sondern durch den Status der Familie, besonders der Eltern: Wie »bildungsnah« oder »bildungsaffin« sie sind und wie groß ihr sozialer und wirtschaftlicher Status ist, bestimmt in einem hohen Maß, wie gut die Leistungen von Schülerinnen und Schülern sind.

Diese Erkenntnis ist ein Problem für das System Schule, ein Problem, das meiner Meinung nach zu wenig präsent ist in vielen Diskussionen. In der Fachliteratur werden zwei Effekte unterschieden:

Bildungsdisparitäten bezeichnen Bildungsunterschiede zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und stellen das Ergebnis von primären und sekundären Effekten dar. Unter den primären Effektenwerden die Sozialisationsbedingungen  im Elternhaus verstanden, welche bei gegebenen institutionellen (schulischen) Bedingungen zu unterschiedlichen Schulleistungen (Performanz) führen. Die sekundären Effekte bezeichnen die Sozialisationsbedingungen, die bei gegebener Performanz (z.B. gleicher Leistung) die Wahl von Bildungswegen beeinflussen.

Bei beiden Effekten ist die Rolle der Sozialisation entscheidend. Social Media ermöglichen nun theoretisch die Erweiterung der Sozialisation um zunächst virtuelle Beziehungen: Die Digitalisierung erlaubte, diskriminierende Strukturen aufzubrechen und Kindern und Jugendlichen Zugang zu den Bedingungen zu verschaffen, die für Schulerfolg entscheidend sind.

Das ist aber bislang eine Theorie. Das Problem – so entnehme ich den von Manfred Spitzer zitierten Untersuchungen – ist, dass Kinder aus benachteiligten Haushalten in der Tendenz technische Mittel so nutzen, dass sie die Benachteiligung vergrößert, statt sie zu verringern. Die unten stehende Grafik von Spitzer halte ich für problematisch, weil die Medien auch Pfeile nach oben darstellen könnten, abhängig von den Bedingungen, unter denen sie eingesetzt werden. Gerade das zeigt aber, wo der entscheidende Punkt liegt.

Technik ist kein Ersatz für ein Schulsystem, das allen gleiche Chancen bietet, sondern verschärft das Problem. Die hier skizzierten Überlegungen zeigen, dass Medienkompetenz eine fundamentale Bedeutung genießt, weil sie Bedingung ist, unter der Benachteiligungen von Kindern abgebaut werden könnte, weil soziale Netzwerke alternative Sozialisationsmöglichkeiten bereit halten. Und dennoch darf Medienkompetenz kein Feigenblatt sein, um die Auflösung dieser diskriminierenden Strukturen weiter aufzuschieben.

ICT im Lehrplan 21

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Vorgestern wurde der Lehrplan 21 zur Konsultation freigegeben. Zu reden gab insbesondere das »Fächerübergreifende Thema« ICT und Medien. Der Kompetenzaufbau und die entsprechenden Beschreibungen können hier als pdf eingesehen werden.

Die Konzeption überzeugt: Es werden sinnvolle Kompetenzen definiert und ihre Einbettung in den Fachunterricht leuchtet ein. Dennoch gibt es zwei große Probleme:

  1. Die Verbindung von drei Fächern: Informatik, Medienbildung und Anwendung und Reflexion von digitalen und technischen Hilfsmitteln sind drei unterschiedliche Kompetenzbereiche, die zwar oft als Einheit gesehen werden, aber keine Einheit ergeben.
  2. Die Definition von Kompetenzen und ihr Anschluss an den Fachunterricht stellt nicht sicher, dass die damit verbundenen Fähigkeiten gelehrt werden, Lehrmittel entwickelt werden, dass genügend Zeit dafür zur Verfügung steht und dass die Lehrpersonen entsprechend ausgebildet werden.

Kurz zu beiden Problemen:

Es gibt viele Fächer, die unterschiedliche Kompetenzbereiche verbinden: Der Unterricht in der Erstsprache ist beispielsweise Sprachunterricht für Fremdsprachige, Unterricht in Schriftsprache, vermittelt Kompetenzen in Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören, lehrt einen kreativen Umgang mit Sprache, baut Kenntnisse in kulturwissenschaftlicher Geschichte und kulturwissenschaftlichen Verfahren auf und hilft beim Erwerb von kritischem Denken und eigener Urteilsfähigkeit (das war jetzt nur eine Auswahl). Diese Überlegung könnte man für jedes Fach anstellen: Ein Fachbereich wie »Natur, Mensch und Gesellschaft« verbindet beispielsweise unzählige Kompetenzbereiche.

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Informatik an der Volksschule: Z.B. mit dem Lego-Mindstorm-Roboter

Sinnvoll wäre meiner Meinung nach, die Anwendung von Informatikmitteln in den Fachunterricht zu integrieren sowie die Medienbildung an den Erstsprachenunterricht anzuschließen: Aber mit verbindlichen Kompetenzen und Lernzielen, als obligatorischen Bestandteil, der auch in der fachdidaktischen Ausbildung entsprechenden Platz einnimmt.

Informatik in einem sehr weiten Sinn verstanden müsste dann ein eigenes Fach werden. Beat Döbeli hat hierzu das Wesentliche festgehalten:

Wenn bereits jetzt gefragt wird, wer denn das unterrichten soll, dann ist dies ein weiteres Argument für die Forderung nach einem Fach für das Thema. Damit ist Verbindlichkeit gegeben, damit ist ein Zeitgefäss und eine Lehrperson definiert. Ansonsten droht das Thema einfach unterzugehen, indem es nicht gelehrt wird, obwohl es verpflichtend wäre. Dass dem so ist, kann man anhand der heutigen ICT-Lehrpläne sehen, die meist verpflichtend sind, aber in der Schulrealität oft nicht umgesetzt werden.

Döbelis Argumente verfangen deshalb, weil der Lehrplan zwar Kompetenzen festlegt, damit aber noch nicht gesagt wird, wie diese Kompetenzen getestet werden. Die immer stärker zunehmende Standardisierung und Konzentration auf basale Fertigkeiten legt nahe, dass gerade die »fächerübergreifenden Themen« nicht getestet werden, ergo an Bedeutung einbüssen dürften.

Natürlich gibt es eine Reihe von Kompetenzen, die in der Volksschule sehr wichtig sind, und zu denen ein Fach Informatik in Konkurrenz zu treten droht: Zunächst  Grundfertigkeiten: Sich angemessen ausdrücken können, Zusammenhänge verstehen, sich ein Urteil bilden können – in verschiedensten Kontexten.  Dann psychologische Probleme wie sich motivieren können (lebenslang), glücklich werden, sich mit schwierigen Situationen abfinden, ohne Krankheiten zu entwickeln; ökonomische Fähigkeiten (mit Geld umgehen können); Gesundheitskompetenz (Wissen über richtige Ernährung, Bedeutung von Bewegung, Reflexion etc.); Urteilsfähigkeit in wichtigen aktuellen Themenbereichen (Politik im weitesten Sinne, Klimawandel etc.).

Ist nun Informatik so wichtig, dass es viele Ressourcen binden kann und soll? Darüber kann man sich ein eigenes Urteil bilden. Selbstverständlich könnten die entsprechenden Kompetenzen auch dem Fachbereich Mathematik zugeordnet werden.

Entscheidend ist aber, dass Medien- und Informatikkompetenz systematisch, verbindlich und mit geklärter Verantwortung aufgebaut werden. Diese Forderung betrifft die Volksschule genau so wie die pädagogischen Hochschulen. Und hier weist der Lehrplan 21 eine Schwäche auf: Es fehlt an Verbindlichkeit und Festlegung von Verantwortlichkeiten.

Social Media als Lernumgebung: Vine

Mit meiner 10. Klasse habe ich im Deutschunterricht etwas Filmgeschichte gemacht – in einer Einführung ging es um Filmtechnik. Dabei wollte ich ihnen zeigen, welche Tricks verwendet werden, um einfach Vorgänge zu filmen wie das Runtergehen einer Treppe oder das Betreten eines Zimmers. Um das praktisch zu erfahren, hat die Klasse mit Smartphones Vine-Videos gedreht. Mir ging es nur darum, formale Vorgaben zu haben (Vines können nur 6 Sekunden lang sein) sowie eine einfache Möglichkeit, Videos zu schneiden – der ganze soziale Aspekt war irrelevant, die Videos sollten weder auf Twitter geteilt noch von möglichst vielen Followern gesehen haben.

VineDie Vorstellung des Netzwerks hat nun die Schülerinnen und Schüler mit einer Lernumgebung in Verbindung gebracht, die sie selbständig weiter erforschen konnten. Und das passierte auch: Zwei Monate später erfuhr ich, dass einer meiner Schüler sowas wie ein kleiner Star auf Vine geworden war: Unter dem Profil Willi Sauer (eine Anspielung auf den Ort Willisau und die Willisauer Ringli, eine Art Kekse) erstellte er kleine Stop-Motion-Videos, die sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Sein Lernprozess war ein informeller, er umfasste aber folgende Komponenten:

  • den Zeitrahmen ausnutzen
  • Stop-Motion mit Vine aufnehmen
  • Geschichten erzählen mit kurzen Videos
  • Videos so präsentieren, dass sie in einem sozialen Netzwerk wahrngenommen werden (Hashtags etc.)

Hier kann man einige seiner Videos ansehen:

 
 

Menschen in Social Media misstrauen

VerkehrIn Vorträgen und Interviews vergleiche ich das Internet immer wieder mit dem Straßenverkehr: Wir wissen, dass er gefährlich ist und Unfälle Kindern gravierenden Schaden zufügen. Und trotzdem haben wir Wege und Mittel gefunden, dass wir darauf vertrauen, dass Kinder den Schulweg alleine bewältigen können. Dasselbe sollte in Bezug aufs Internet das Ziel sein: Kinder und Jugendliche befähigen, das Internet alleine nutzen zu können.

Diese Woche haben zwei perfide Geschichten die Runde gemacht: Einerseits ein Pädophiler, der seine Übergriffe auf Facebook eingeleitet hat, indem er vorgegeben hat, eine junge Frau zu sein. So gelangte er an Nacktbilder von Kindern, die er dann als Druckmittel verwendet hat, um sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Andererseits berichtet eine Frau auf ihrem Blog, wie sie sich in einem Mann verliebt hat, der ihr während Monaten vorgegaukelt hat, jemand zu sein, der er nicht war. Sie war nicht alleine: Der Betrüger hat mehrere Frauen mit der gleichen Masche missbraucht.

Der Gedanke, ein anderer Mensch könnte nicht der oder die sein, als der oder die er erscheint, ist uns nicht vertraut, er ist unheimlich und führt, wäre er ständig präsent, zu einer enormen Distanz zur Wirklichkeit und zu Schwierigkeiten, mit anderen Menschen Beziehungen eingehen zu können. Und während wir anderen Menschen im Alltag in die Augen schauen, schauen wir ihnen auf Social Media in die Augen von Profilbildern. Und diese Augen könnten die von jemand anderem sein.

Es ist nicht die Regel, dass Menschen auf Social Media vorgeben, jemand anderes zu sein und mit elaborierten Plänen andere Menschen missbrauchen oder nötigen. Es passiert wahrscheinlich ungefähr so häufig, wie Autofahrende bei Zebrastreifen auf ihr Handy schauen und ohne zu bremsen weiterfahren. Mit anderen Worten: Es ist eine Gefahr, auf die man Kinder und Jugendliche aufmerksam machen muss. Nicht die Regel, sondern die Ausnahme – aber eine, die man kennen sollte. Und mit Menschen auf Social Media interagieren, auch mit Unbekannten – aber anderen davon erzählen, sich nicht abschotten, ihnen nicht Informationen oder Bilder zukommen lassen, die man nicht auch mit Unbekannten auf der Strasse teilen würde.

(Zusatz: Kusanowsky hat hier weitere Beispiele gesammelt.)

Google Glass führt zu einer besseren Welt

Bildschirmfoto 2013-06-27 um 20.23.15Das ist Google Glass. Eine Brille mit einem Computer drin, ein Smartphone, das sich an den Kopf schnallen lässt. Und so fühlt es sich an:

Die problematischen Implikationen werden schnell klar: Während wir heute noch bemerken, wenn jemand das Handy zückt um unser Bild aufzunehmen, wissen wir das bei Menschen mit einem Brillensmartphone nicht mehr. »People who wear Google Glass in public are assholes«, befand Adrien Chen im März, den Begriff »Glasshole« für eine Person, die keine Rücksicht auf andere nimmt, gibts schon seit dem Januar dieses Jahres.

Google Glass führt also zu einer Welt, in der alles, was passiert, von jemandem aufgenommen werden kann und in einem völlig anderen Kontext weiterverwendet kann. Wir wissen nie, wann wir abgehört, gefilmt, fotografiert werden.

Aber, könnte man hier einwenden: Das wissen wir heute schon nicht. Amerikanische Städte werden zunehmend flächendeckend mit Mikrofonen ausgestattet, um präventiv Verbrechen verhindern zu können. Mehr und mehr Kameras überwachen öffentliche Verkehrsmittel, Strassen, Plätze, Geschäfte.

Überwachung, so würde ich axiomatisch festhalten, ist immer dann ein Problem, wenn sie nicht allen möglich ist. Unsere Sinne ermöglichen auch Überwachung: Aber alle nicht-behinderten Menschen haben Zugang zu denselben Möglichkeiten.

Google Glass gibt uns Möglichkeiten zurück. Natürlich: Zunächst privilegierten Männern, später dann denen, die es sich leisten können. Wenn wir alle die gleichen Möglichkeiten hätten, Kameras zu nutzen, so meine These, würden sie viel von ihrem Schrecken verlieren.

(Den Einwand, die Betreiber von CCTV-Kameras würden verantwortlich oder im Sinne des Rechts handeln, während bei Menschen mit Glass das nicht der Fall ist, halte ich für schwach.)

Banksy: One Nation under CCTV.
Banksy: One Nation under CCTV.

Wenn Schülerinnen bloggen – ein Beispiel

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Wie ich z.B. gestern im Interview mit tagi.ch erwähnt habe, entwickeln Schülerinnen und Schüler bei Blogprojekten oft »oft Freude an der Sprache und am Schreiben«. Ein schönes Beispiel dafür habe ich gestern lesen dürfen.

Meine 10. Klasse hatte zunächst den Auftrag, Hebbels Gedicht »Sie sehn sich nicht wieder« und Brechts »Die Liebenden« zu vergleichen – die Vorlage gibts hier als pdf. In einem weiteren Schritt wurden sie gestern aufgefordert, eines der Gedicht auf der wörtlichen oder auf der übertragenen Ebene in einen Prosatext umzuschreiben: Ganz herkömmlich mit Papier und Bleistift – die Texte werden morgen dann ausgewertet.

Eine Schülerin hat auf ihrem Blog, den sie im vergangenen Semester für die Schule genutzt hatte, ihren lesenswerten Text nicht nur publiziert, sondern ihn auch mit einem Bild versehen, das sie dafür speziell bearbeitet hatte. Der Blog wird zur Schnittstelle der Schule nach außen, zur Möglichkeit, die Freude an der sprachlichen Bearbeitung zu teilen, das eigene Talent auszustellen und Medien miteinander zu verbinden, wie das in der Lektion gar nie möglich gewesen wäre.