Zur Definition von Memes

In einer Diskussion mit Philipp Meier und Valentin Abgottspon ging es um die Frage, was ein Meme ist. Die beiden bezeichneten ihre beiden folgenden Bild/Text-Kombination als Memes:

1174588_576777625690991_787972397_n tumblr_inline_mrf31lISnl1qz4rgpDabei verwenden sie den Begriff Meme als Bezeichnung eines Stils: Wenn Bilder mit (weißer) Schrift – oft auf zwei Teile aufgeteilt – verbunden werden, handelt es sich dabei um ein »Meme«.

Diese Definition halte ich für wenig sinnvoll, weil dadurch das Besondere an der Memetik verloren geht. In der Folge von Richards Dawkins Theorie sind Memes Informationseinheiten, die sich ähnlich verhalten wie Gene. Was man bei Christopher von Bülow genauer nachlesen kann, fasse ich hier kurz zusammen:

  1. Informationen werden kopiert und erzeugen so Varianten von sich selbst (z.B. werden immer neue Bilder mit immer neuen Texten kombiniert).
  2. Diese Varianten unterliegen Selektionsprozessen, indem sie unterschiedlich viel Aufmerksamkeit erhalten (sie werden von anderen Teilnehmenden in sozialen Netzwerken verbreitet, verwendet, wiederum variiert etc.).
  3. So ergibt sich ein evolutionärer Vorgang, der erklärt, wie neue Information entsteht und unter welchen Bedingungen sie sich etablieren kann.

Memes wären letztlich die Informationen, die sich in der Selektion durchsetzen können. Beispiele wie das Bildforum 4chan zeigen, dass das unabhängig von der Identität der Urhebenden und vom Stil oder der Art der Information ist. Memes können Bruchstücke von Melodien sein, Redewendungen, kurze Szenen, Zitate aus Filmen, Bildern, Büchern; Mode, Tanzstile, Youtube-Videos etc. Niemand kann bestimmen, ob und wie etwas zum Meme wird, oft wird eine Variante von einer Information das, was sich durchsetzt, oft finden viele unkontrollierbare Veränderungen statt und vieles geht schnell wieder vergessen. (Hier eine spannende Maturarbeit, die einer meiner Schüler vor einer Weile dazu geschrieben hat.)

Ich lege nicht Wert auf die Unterscheidung zwischen Stil und Informationsgenese, weil ich ein Pedant oder Besserwisser wäre, sondern weil für mich der Begriff auf eine wichtige Eigenschaft der Informationsverbreitung hinweist, die in der europäischen Kultur oft vergessen geht, weil sie stark auf den Status der Kulturschaffenden abzielt. Das Internet funktioniert als Modell ähnlich wie die Informationsvermittlung und -verbreitung im Großen: Wir können miterleben, wie sich Informationen durchsetzen und wie nicht. Der Reiz der Memetik ist letztlich auch der, dass sie zeigen könnte, dass die Evolution von Informationen gleich wichtig oder wichtiger ist als die biologische Evolution (weil ja auch die letztlich Informationen kopiert und verbreitet).

Sind Memes nur noch Bilder mit weißen Texten, droht das vergessen zu gehen. Und das wäre dann natürlich einfach der Lauf der memetischen Evolution…

Kommentare als journalistisches Produkt

I feel that freedom of expression is given to people who stand up for what they say and not hiding behind anonymity. We need to evolve a platform to meet the needs of the grown-up Internet. – Adriana Huffington

Gawker Media is flying in the face of conventional media wisdom. While other outlets are doing away with anonymity, we’ve built anonymous accounts into our new comment system. We’ll accept some disorder if that’s the price of freedom in one’s personal life, in politics and the press. – Nick Denton

In der amerikanischen Debatte um die Möglichkeit, anonym Kommentare zu verfassen, werden wichtige Fragen verhandelt: Dürfen auch Menschen ihre Meinung sagen, die nicht mit ihrem Namen auftreten wollen oder können? Soll eine Kommentarplattform die ausschließen, die unter Umständen ungerechtfertigterweise Repressionen ausgesetzt sind, wenn sie ihre Meinung vertreten? Die Antwort scheint mir recht klar zu sein.

Doch der Fokus der Debatte scheint mir einen wichtigen Aspekt zu ignorieren: Das Prinzip von Social Media ist die Gratisarbeit. Die Dienstleistung von sozialen Netzwerken ist das Bereitstellen von Werkzeugen, die Usern erlauben, ihre eigenen Inhalte zu präsentieren und die Inhalte anderer zu konsumieren.

Kommentare sind wichtige Inhalte. Auf vielen amerikanischen Plattformen lese ich die witzigen, schlauen Kommentare mit viel Gewinn. Die standardisierte Berichterstattung profitiert von originellen, tiefschürfenden Meinungen, die damit verbunden werden können. Eine Faustregel besagt, dass eine Lehrerin und ein Lehrer intelligenter sein sollten als der Durchschnitt einer Klasse. Und eine Journalistin oder ein Journalist sollte intelligenter sein als der Durchschnitt der Lesenden. Und wenn das so ist, gibt es immer noch viel Platz für clevere Rückmeldungen, Erweiterungen, Hinweise in den Kommentaren.

Ja – das Moderieren von Kommentaren erfordert Zeit und kostet Geld. Diese Kosten müssen aber in eine Perspektive gesetzt werden: Kommentare sind ein journalistisches Produkt. Ich besuche eine News-Seite, um Kommentare zu lesen; damit verdient sie Geld und erhält Aufmerksamkeit.

Meine Anregung:

  1. Warum nicht halb so viel Arbeit in Kommentare stecken wie in Artikel?
  2. Warum nicht der Leserin und dem Leser die Möglichkeit geben, Kommentare zu filtern? Z.B. ganz einfach die von Menschen oben zu sehen, deren Meinung man schätzt.
  3. Warum nicht Leserinnen und Leser für die Moderation einsetzen?

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Psychologische und soziale Auswirkungen digitaler Kommunikation

Es ist weit gehend unklar, wie sich die Verbreitung digitaler Kommunikation auf die menschliche Psyche und auf soziale Gefüge auswirkt. Bedrohungsszenarien sind ebenso verbreitet wie eine optimistische rosa Brille. Genaue Studien sind deshalb schwierig, weil konkrete Rahmenbedingungen sozialer Netzwerke ständig ändern und ihre Auswirkungen nur während kurzen Phasen messbar und untersuchbar sind.

Ich versuche hier, einen Überblick über die relevante Forschung zu sammeln. Dafür bitte ich um Mitarbeit beim Sammeln der Papers und oder Bücher (Link zum Weitergeben: http://phwa.ch/paper):

Die Ergebnisse sind hier einsehbar (Link: http://phwa.ch/ergebnisse):

Das Buch bei »buch & netz« 

Mein Buch, »Facebook, Blogs und Wikis in der Schule« ist nun seit rund drei Monaten erhältlich. Ich freue mich über die viele, positive Resonanz und die erfreulichen Rückmeldungen (z.B. die Amazon-Rezensionen).

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Seit kurzem ist mein Buch auch bei Andres von Guntens Online-Buchhandlung »buch & netz« erhältlich. Das freut mich speziell: Ursprünglich wollte ich das Manuskript bei ihm publizieren, schließlich wurde es aber möglich, dass der Verlag ein EBook im Shop von Andreas anbietet. Es ist Schulen oder anderen Interessierte dort auch möglich, Gutscheinpakete zu kaufen.

Deshalb verschenke ich 10 Gutscheine für einen Download im »buch & netz«-Shop. Einfach ausprobieren, ob der Gutschein noch funktioniert: Buch in den Warenkorb legen, Warenkorb ansehen und dort den folgenden Gutscheincode eingeben:

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(Wer das Buch schon hat oder nicht lesen möchte, sollte bitte auf einen Download verzichten, danke!)

Digitale Pause

Den Vortrag zu meiner Buchvernissage hielt ich halb improvisiert und betonte etwas übermäßig, wie wichtig Phasen seien, in denen die digitale Vernetzung zurückstelle: Um sich bewusst zu werden, was sie in uns bewirkt. Und so kam ich nicht umhin, selbst eine solche Phase einzulegen. Zwei Ferienwoche, eine in den Bergen, eine im Tessin, sollten es sein.

Ich erhoffte mir wenig. Paul Miller hat für The Verge ein Jahr aufs Internet verzichtet – mit einer ernüchternden Bilanz. Seine nostalgischen Absichten, ein Leben zu führen, dass es noch nie gegeben hat, trafen auf eine enttäuschende Erfahrung:

 I wanted a break from modern life — the hamster wheel of an email inbox, the constant flood of WWW information which drowned out my sanity. I wanted to escape. I thought the internet might be an unnatural state for us humans, or at least for me. […]
My plan was to leave the internet and therefore find the „real“ Paul and get in touch with the „real“ world, but the real Paul and the real world are already inextricably linked to the internet. Not to say that my life wasn’t different without the internet, just that it wasn’t real life.

Meine Erwartungen wurden aber übertroffen. Zunächst muss ich anfügen, dass ich nicht ganz ohne Internet funktionierte: Ferien sind ohne Wetterprognosen und Fahrpläne schwer zu organisieren. Einige Arbeitsmails sind so wichtig, dass sie nicht zwei Wochen liegen bleiben können. Bücher mussten auf das Kindle-Lesegerät geladen werden. Und Sportereignissen etwas intensiver zu folgen als während der Arbeitszeit, gehört zu meinem Verständnis von Ferien.

Aber ich verfolgte meine Twitter-TL kaum, setzte keine FB-Statusmeldungen ab, antwortete in der Regel nicht auf Mails und las sie nicht. Ich öffnete keine News-Apps, um nachzulesen, was die Welt so beschäftigt, und ich zeigte nicht auf Instagram, was ich gerade für reizende Bergseen bebade oder für umwerfende Gelati verspeise.

IMG_2860Generell holte ich mein Smartphone kaum aus der Tasche. Ich schoss ein paar Bilder, ließ es aber auch oft zuhause. Ich hatte mehr Geduld und begann, Pausen auszuhalten. Ich nahm wahr, was um mich herum passierte. Ich war ansprechbar und hörte zu. Ich tat einmal nichts und ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Und ich langweilte mich ab und zu. Was ich sah, spürte, erlebte, bemerkte, bemerkte ich für mich und die Anwesenden, nicht für ein Social-Media-Publikum. Ich las mehrere Bücher am Stück und konnte ohne Unterbrechung fünfzig Seiten lesen. In meinem Kopf formulierte ich nicht ständig Blogposts. Das alles war erholsam.

Einiges davon möchte ich bewahren: Gerne wäre ich im Alltag geduldiger, aufmerksamer, präsenter für andere Menschen. Mehr bei mir und meinen Mitmenschen. Bei anderem bin ich froh, bin ich wieder zuhause im Internet: Ich mag es, informiert zu sein, ich mag Abwechslung und das Formulieren meiner Gedanken für ein Publikum.

Die Differenz war eine zwischen einer Pause bzw. Ferien und dem Alltag, der Arbeit – nicht eine zwischen online und offline oder virtuellem und realem Leben. Vor etwas mehr als einem Jahr schrieb ich auf diesem Blog:

Das Leben offline wird überhöht. Es ist eine Utopie, in der man sich perfekt konzentrieren kann, erfüllende Beziehungen pflegt, Zeit hat und zur Ruhe kommt. Man ist produktiv und zufrieden. Nur: Diese Zustände gibt es nicht. Wir können uns auch im Internet konzentrieren, pflegen dort erfüllende Beziehungen und sind auch da produktiv und zufrieden – im gleichen Masse, wie wir es auch sonst sind. Das Internet ist Teil des Lebens, es ist das real life.

Das denke ich auch heute noch.

 

 

Porno-Filter: Ein Problem und eine Lösung

Die Digitalisierung der Medien und der Kommunikation bedeutet grundsätzlich, dass alle produzierten Inhalte für alle Teilnehmenden abrufbar sind. Also können auch Kinder und Jugendliche sich via Internet Bilder, Videos und Texte ansehen, vor denen sie ihre Eltern möglicherweise schützen wollen. Kurz: Es gibt heute keine Möglichkeit zu verhindern, dass Minderjährige Pornografie konsumieren.

Nun gibt es aber – ausgehend von einem Vorstoss von David Cameron in Großbritannien – Bestrebungen, das Internet zu filtern (auch in Deutschland und in der Schweiz). Konkret sieht ein Bildschirm, der den britischen Haushalten präsentiert wird, wohl so aus:

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Daran werden drei fundamentale Probleme deutlich:

  1. Es geht nicht allein um (harte) Pornografie, sondern eine Mischung von verschiedenen Inhalten und Anliegen.
  2. Die Filter, welche die Internet-Service-Provider auf der Basis eines Konzepts von Huawei entwickeln, können nicht funktionieren: Sie müssen nicht nur Pornografie blockieren, sondern auch Aufklärungsmaterial, sie werden nicht nur Seiten über Essstörungen, sondern auch solche von Ernährungsberaterinnen und -beratern blockieren und sie werden nicht nur den Zugang zu Werkzeugen blockieren, mit denen man die Filter umgehen könnte, sondern auch eine kritische Diskussion der Filter.
  3. Auch wenn die Filter Information in Bezug auf ihre Umgehung zu blockieren versuchen: Die Filter können umgangen werden. Selbst der chinesische Firewall, der umfassend blockiert, ist für Eingeweihte nicht wirkungsvoll.

Es ist keine Lösung, wenn die Regierung eines Landes starre und allgemeine Filterlisten konzipiert, die Inhalte aufgrund unklarer Kriterien blockieren – auch wenn das Anliegen von Eltern und pädagogisch Verantwortlichen, Kinder gewissen Inhalten nicht auszusetzen, verständlich ist.

Die Lösung ist aber naheliegend – wenn auch leicht komplizierter:

  1. Filterkompetenz ist eine Basiskompetenz in der heutigen Medienwelt. Kinder und Jugendliche müssen lernen und üben, wie sie ungewollte Inhalte ausblenden wollen und können.
  2. Eltern müssen das auch üben und lernen.
  3. Internet Service Provider sollen ermuntert werden, entsprechende Angebote zu machen, die individuell anpassbar sind: Fälschlicherweise blockierte Seiten müssen freischaltbar sein, feine Kategorien müssen angeboten werden.
  4. Angebote, mit denen Browser erweitert werden können, um Inhalte zu blockieren – für Chrome z.B. hier – und andere Angebote müssen bekannter werden.
  5. Über Pornografie und schädliche, unerwünschte Inhalte muss eine Diskussion laufen. Sie zu blockieren, ist für eine Gesellschaft keine Lösung.

So wichtig der Schutz von Kindern ist – er rechtfertigt nicht eine Einschränkung  der freien Meinungsäußerung. Sie ist ein Menschenrecht und gilt universell und unteilbar. Sie umfasst aber – in meiner Lesart – auch das Recht, Inhalte zu filtern. Genau so wie wir bestimmen können, welche Bücher in unseren Regalen stehen, genau so können wir bestimmen, welche Inhalte wir im Internet sehen können. Aber wir müssen lernen, wie.

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Lernt löten!

Heute ist in der WoZ ein Gesprächsbericht erschienen, den Kaspar Surber über eine Unterhaltung mit mir geschrieben hat.

Den ganzen Text gibt’s hier.

Jugendliche nutzen das Internet nicht anders, weil sie als «Digital Natives», als Eingeborene der digitalen Welt, aufwachsen. Sondern weil sie aufgrund ihres Alters ein eigenes Beziehungsnetz knüpfen müssten: «Die sozialen Medien funktionieren dabei wie ein Shoppingcenter als halb öffentlicher Raum: So wie Jugendliche dort ihre Zeit verbringen, wollen sie auch auf Facebook sehen und gesehen werden.» Andere wiederum, die nicht den gängigen Normen entsprechen, finden im Internet Gleichgesinnte zum Austausch.

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Wir überwachen uns selbst

Das digitale Imperium verfügt aber über die extensiven und intensiven Kontrollmöglichkeiten in einer Breite und Tiefe, die letztlich alle individuellen Präferenzen und Schwächen offenlegen – wir alle werden gläsern, durchsichtig. – Ulrich Beck

Die Empörung, die Wut, der Ekel – alles verständliche Reaktionen auf die Enthüllung, dass die digitale Kommunikation an allen denkbaren Schnittstellen gespeichert und überwacht wird. Ohne Information der Beteiligten, ohne Rücksicht auf die Gesetze der Länder, in denen die Menschen sich aufhalten.

Seduction (1986), Lynn Hershman Leeson
Seduction (1986), Lynn Hershman Leeson

Überwachung ist ein Problem. Ein großes Problem. Aber sie ist nicht das Resultat eines Prozesses, der von mächtigen Kontrollorganen ausgeht, die mit geheimen Methoden die Privatsphäre unwissender Menschen missachten.

Der Prozess geht von uns Menschen aus und betrifft uns Menschen. Das Bedürfnis, über Gefahren informiert zu sein, ist unser Bedürfnis. Wir wollen so viel wie möglich wissen. Wir stellen die Kameras auf, wir liefern die Daten, wir stellen unsere intimsten Informationen ins Netz. Beck schreibt:

Sie nutzen diese Medien als Sinnesorgane, die Medien gehören zum Selbstverständnis ihres Handelns in der Welt. Gerade die Facebook-Generation gibt damit einen großen Teil ihrer individuellen Freiheit und ihrer Privatsphäre preis – im Sinne der Abhängigkeit von diesen Medien.

Eine kleine Gruppe Feministinnen mag es okay finden, Männer zu fotografieren, die sich breit machen. Und eine riesige Gruppe unflätiger Machos mag es reizvoll finden, Bilder von Frauen am Strand ins Netz zu stellen, als hätten sie ein Recht dazu (ohne Link). Das sind nur zwei Beispiele von Überwachung, die nichts mit NSA, FBI oder irgendwelchen obskuren Geheimdiensten zu tun hat.

Natürlich stehen dort Supercomputer, die mit Daten viel besser umgehen können, als ich mit meinem Laptop es kann. Aber der Wunsch nach Überwachung ist meiner und die Methode der Überwachung benutzt meine Daten. Zu meinen, das alles sei das Werk skrupelloser Agenten, die im Namen geheimer Organisationen handelten, ist paranoid. Zweck der Überwachung sind wir alle – wir wünschen sie, wir brauchen sie. Mittel der Überwachung sind die Daten, die wir freiwillig bereit stellen.

Es ist entscheidend, dass hier eine korrekte Sprache und Darstellung gefunden wird – ein Punkt, den man nicht stark genug machen kann. Um noch einmal Beck zu zitieren:

Trotzdem muss man eigentlich noch weiter gehen und fragen, ob wir als Sozialwissenschaftler, Alltagsmenschen und Benutzer dieser digitalen Informationsinstrumente überhaupt schon angemessene Begriffe haben, um zu beschreiben, wie tief und grundsätzlich durch sie Gesellschaft und Politik verändert werden. Ich glaube nämlich, dass wir alle noch keine Namen, keine Landkarte und keinen Kompass für diese neue, digitale Welt haben.

Und zum Schluss noch Coppolas The Conversation von 1974 – um zu zeigen, wie alt die Angst vor der Überwachung und ihren Auswirkungen schon ist:

Zwischen Facebook-Zwang und -Verbot: Social Media in der Schule

Letzte Woche ist eine Handreichung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg erschienen, die intensiv diskutiert worden ist. Meine Kritik daran habe ich schon formuliert.

Im Anschluss an den Erlass stellt sich die Frage, welche alternativen Vorschläge für einen Umgang mit Social Media an der Schule sich denn als sinnvoll erweisen könnten. Die Handreichung in Baden-Württemberg wurde von einigen Apologetinnen und Apologeten mit der Begründung verteidigt, dass sie die einzige Möglichkeit darstelle, geltendes Recht zu berücksichtigen und Schülerinnen und Schüler davor zu schützen, zum Betreiben eines Facebook-Accounts gezwungen zu werden.

Till Westermayer fragt in einem Kommentar auf seinem Blog beispielsweise zurecht:

Was wäre für  – mit geltendem Datenschutzrecht im Hintergrund – eine sinnvolle Formulierung einer solchen Handreichung zur Nutzung von sozialen Netzwerken/Clouds für dienstliche Zwecke? Unter welchen Umständen würdest du sie erlauben, unter welchen nicht?

Im Folgenden stelle ich meine Vorstellung zum Einsatz von Social Media in der Schule dar. Einige Vorbemerkungen:

  • Die rechtliche Forderung – dass personenbezogene Daten im Internet geschützt werden – kann meiner Meinung nach heute nur von wenigen IT-Profis sicher umgesetzt werden. Für Lehrpersonen und Mitarbeitende einer Schule ist es undenkbar, das Internet zu nutzen und dabei personenbezogene Daten zu schützen. Es ist dafür nicht einmal relevant, ob die Daten in Cloud-Servern gespeichert werden oder via soziale Netzwerke kommuniziert werden: Alleine die Nutzung bestimmter Geräte und Betriebssysteme reicht aus, dass die Daten ungenügend geschützt sind und von außerhalb eines Landes abgefragt bzw. verändert werden können.
  • Soziale Netzwerke sind nicht per se unsicherer als E-Mail.
  • Rechtliche Vorgaben und Geschäftsbestimmungen von Betreibern von Plattformen sind nicht dasselbe. Es ist durchaus möglich, gegen Geschäftsbestimmungen zu verstossen, ohne ein Gesetz zu brechen.
  • Sicherheit, Gesetze, ethische Fragen, (medien-)pädagogische und organisatorische Vorgaben sind an einer Schule in ein Verhältnis zu setzen. Es gibt keine Lösung, die auf keiner dieser Ebenen Abstriche macht und zu Problemen führt.

Auf dieser Grundlage halte ich folgende Prinzipien für sinnvoll:

  1. Für die Schule relevante Arbeiten sollen Lernende im Internet mit Profilen erstellen, die nicht an ihre Person gebunden sind (also mit Pseudonymen) – es sei denn, sie entscheidend sich zusammen mit ihren Eltern dafür, ihren Klarnamen zu verwenden.
  2. Sensible Daten wie Noten, Adresslisten, Telefonnummern etc. gehören nur auf Schulserver, für deren Sicherheit Profis zuständig sind. Lehrpersonen und Lernende müssen instruiert werden, wie mit diesen Daten umgegangen werden soll.
  3. Die mediale Realität von Jugendlichen ist weniger stark zu gewichten als pädagogische Überlegungen, d.h. die Tatsache, dass Jugendliche Facebook nutzen, ist kein Grund, es in der Schule einzusetzen.
  4. Plattformen, die mit dem Content ihrer User Geld verdienen, sollten in der Schule generell gemieden werden – es sei denn, pädagogische Erwägungen sprechen stark dafür.
  5. Es ist in der Regel sinnvoll, für schulische Arbeiten speziell darauf zugeschnittene Tools zu verwenden.
  6. Die Kommunikation zwischen Lehrpersonen und Lehrpersonen und Eltern bzw. Schülerinnen und Schülern braucht einen privaten Kanal. Privat heißt nicht abhörsicher, sondern lediglich nicht-öffentlich. So lange Punkt ii. eingehalten wird, können soziale Netzwerke, E-Mail, mobile Nachrichten oder Telefongespräche sinnvolle Medien dafür sein.
  7. Für die professionelle Vernetzung und den Aufbau eines persönlichen Lernnetzwerkes sollten Lernenden wie Lehrenden möglichst wenig Vorschriften gemacht werden.
Samir Karrhat, Society6.
Samir Karrhat, Society6.

E-Books konvertieren und Texte kopieren

Ich kaufe oft E-Books, weil ich damit den Unterricht vorbereite. Oft möchte ich gerne Zitate auf Arbeitsblätter kopieren, nach Begriffen suchen, einzelne Stellen markieren. Das erlauben mit aber einige Reader nicht. Daher konvertiere ich oft E-Books in andere Formate und möchte hier eine kurze Anleitung abgeben, wie das geht. Die Anleitung ist für die private und legale Nutzung gedacht. (In Deutschland ist offenbar das Entfernen von »wirksamen technischen Maßnahmen« gegen das Kopieren generell verboten, aber nicht strafbar – auch im privaten Bereich. Eine Abmahnung ist denkbar. Zudem verstößt man in jedem Fall gegen die Nutzungsbedingungen und muss damit rechnen, Zugang zum Konto etc. zu verlieren.)

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Sinnvoll ist es auch, Bücher so umzuwandeln, dass sie auf entsprechenden Geräten gelesen werden können. Die Anleitung erlaubt, beliebige Formate in beliebige andere Formate zu konvertieren.

Der Einfachheit halbe konzentriere ich mich auf Adobe Digital Editions und Kindle – die bei mir häufigsten Formate.

  1. Calibre installieren.
    Die Software erlaubt, EBooks zu konvertieren.
  2. Die nötigen Plugins runterladen.
    Dieses File (.zip) runterladen und entpacken.
  3. Plugins installieren:
    In Calibre auf Einstellungen/Preferences – Advanced: Plugins – Load Plugins from File
    Folgende Files so in Calibre laden:
    a) Kindle: DeDRM_plugin
    b) Adobe Digital Edition: Ineptepub und Ineptpdf
  4. Bücher zu Calibre hinzufügen.
    Die konkreten Files bei Digital Edition oder Kindle suchen und zu Calibre hinzufügen. (Der Kindle-Ordner kann in den Einstellungen verändert werden, der Default-Ordner ist sehr schwer zu finden.)
    Das Hinzufügen entfernt den Kopierschutz.
    Danach kann das File in jedes andere Buchformat umgewandelt werden.

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Meine Informationen Verdanke ich diesen Quellen: ismoothblog.com / apprenticealf / blog-the-ebookreader.com