Handys im Unterricht

Andres Streiff hat einen Educa-Guide verfasst, in dem die Möglichkeiten des Lernens mit Handys im Unterricht thematisiert werden:

Handys und Smartphones müssen heute nicht mehr nur für den Freizeitbedarf genutzt werden. Sie können Schülerinnen und Schülern auch das Lernen erleichtern und Zeit sparen. Der vorliegende educa.Guide will Volksschulen den Einstieg ins M-Learning erleichtern. Dabei geht es dem Autor darum, aufzuzeigen, wie man konkret zum Entstehungszeitpunkt des educa.Guides (Herbst 2010) an die Umsetzung gehen kann. Er berichtet aus seinen eigenen Erfahrungen mit mobilen Kommunikationsgeräten im Unterricht.

Der Guide kann hier heruntergeladen werden, dort gibt es auch weiterführende Materialien. Lizenz des Guides: CC BY-NC-ND.

Forderungen zur »Digitalen Wende« an den Schulen

Im Digilern-Blog Lutz Berger und Martin Lindner (Wissmuth) werden die 2012 in Ottobrunn bei München aufgestellten Forderungen für einen aufgeschlossenen Umgang der Schulen mit digitalen Technologien zusammengefasst. Ich raffe hier zusätzlich und stelle nur Kernaussagen dar und erlaube mir, einige Formulierungen zu übernehmen:

  1. Die »Digitale Wende« kann nicht von oben, also top-down, geplant und vollzogen werden, sondern muss unter Mitwirkung der Leute erfolgen, die Erfahrungen mit »Lernen im Netz« haben.
  2. Die gezielte Förderung von Eigeninitativen, die Freistellung von Pionieren, die Förderung von Netzwerken und »Zellen« engagierter Lehrerinnen und Lehrern ist von großer Bedeutung.
  3. Die Selbständigkeit der Schulen stärken. Zuerst einmal muss man da gezielt fördern, wo sich Eigeninitiative regt.
  4. Netzwerke an Schulen müssen mit den Technologien und Praktiken von Web 2.0 operieren.
  5. Lernen im Netz und mit dem Netz führt zu einer anderen Didaktik: weniger Frontalunterricht, mehr Projektlernen, mehr selbstgesteuerte Aktivitäten einzelner Schülerinnen und Schüler.
  6. »Digitales (Netz-)Lernen« setzt notwendig das Sammeln, Anreichern und Teilen von selbst produzierten Inhalten und Materialien voraus. Das Prinzip ist es, Inhalte nicht redaktionell vorab auszuschließen, sondern durch einen gemeinsamen Prozess aus einem möglichst großen Pool heraus zu verbessern und zu filtern.
  7. Nötig ist darum die Förderung der Initiativen für Freie Bildungsmedien, so genannten Open Educational Ressources (OER), die von netzerfahrenen Lehrpersonen ausgehen.
  8. Schulen können »Präsenzlernen« und »Netzlernen« unterschieden: Nicht alle Lernprozesse müssen vor Ort stattfinden. Damit können lange Schulwege vermieden und unter Umständen in Gemeinde kleinere Lerngemeinschaften etabliert werden, welche das Netz nutzen.

Schule in der Informationsgesellschaft


Auf der Seite Schule in der Informationsgesellschaft wird ein Poster bereitgestellt, mit dem die Entwickler folgende Ziele haben:

Das Poster „Schule in der Informationsgesellschaft“ soll dazu anregen, über die aktuelle und künftige Rolle digitaler Medien in der Schule nachzudenken. Es kann als Grundlage für die gemeinsame Diskussion in schulinternen Arbeitsgruppen und Weiterbildungen dienen. Das Poster wurde vom Institut für Medien und Schule der PH Zentralschweiz – Schwyz und mit Unterstützung der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften entwickelt.

Die Initianten formulieren auf ihrer Seite drei Einsatzmöglichkeiten, z.B. »Vorteile und Nachteile abwägen«:

  1. Schauen Sie sich das Poster an und stellen Sie sich vor, dass Ihre Schule in fünf Jahren so aussehen würde. Ist das eine wünschenswerte Vorstellung oder sehen Sie das eher kritisch?
  2. Kleben Sie sprechblasenförmige Notizzettel auf das Plakat, auf die Sie mit einem grünen Stift positive Aspekte schreiben und mit einem roten Stift negative Aspekte, die sie von so einer Entwicklung erwarten würden.
  3. Überlegen Sie sich Massnahmen, die nötig wären, um die Entwicklung von der heutigen Situation in Richtung der positiven Aspekte voranzutreiben. Denken Sie über Massnahmen nach, um die möglichen negativen Aspekte zu vermeiden. Schreiben Sie diese Massnahmen auf quadratische Klebezettel und heften Sie sie neben die entsprechenden Sprechblasen.
  4. Versuchen Sie, die Massnahmen gemeinsam zu priorisieren. Was sind wichtige und was weniger wichtige Massnahmen? Kleben Sie zunächst individuell 3 Klebepunkte auf die für Sie wichtigsten Massnahmen. Diskutieren Sie dann in der ganzen Gruppe, ob sich damit eine mögliche Strategie für Ihre Schule ergibt.

Das Poster ist sehr hoch aufgelöst, die Originalfiles finden sich hier: jpg (11 MB)pdf (12 MB). Es darf unter der Lizenz CC BY-NC 3.0 verwendet werden.

Schule in der Informationsgesellschaft

Sollen Schulen Social Media-Profile unterhalten?

Die im Betreff formulierte Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Ich gehe in drei Schritten vor und kommentiere Funktion, Risiken und gebe eine konkrete Empfehlung ab. Einleitend kann festgehalten werden, dass ich in Bezug auf Social Media zu großer Zurückhaltung rate: Es ist wichtiger, Kanäle intensiv zu betreuen, als auf möglichst vielen präsent zu sein.

(1) Funktion von Social Media-Profilen

Die Studie Social Media Schweiz 2012 der ZHAW zeigt, dass solche Profile für die Öffentlichkeitsarbeit und Imagepflege bedeutsam sein können. In mehrere Dimensionen:

  • Viele Schülerinnen und Schüler informieren sich heute über Facebook (siehe JAMES-Studie der ZHAW). Darunter sind auch potentielle Schülerinnen und Schüler der eigenen Schule, die sich über ein FB-Profil ein Bild machen.
  • Eltern nehmen die Schule auch über Facebook wahr und könnten – im Sinne eines Newsletters – über Statusupdates auf dem Laufenden gehalten werden.
  • Eine Schule unterhält viele Anlässe, an die externe Gäste eingeladen werden, die ebenfalls über Facebook beworben und dokumentiert werden können.
  • Auch Schulerfolge können über FB und entsprechende Likes verbreitet werden und zu einem positiven Image einer Schule beitragen.
  • Viele Alumni tragen in ihre FB-Profile ein, dass sie diese Schule besucht haben.

Aber auch innerhalb der Schule gibt es viel Interesse an den Vorgängen, FB bietet sich an, um Bilder von Schulanlässen zu präsentieren und Schülerinnen und Schülern eine Möglichkeit zu geben, am Schulleben teilzuhaben, gewisse Ereignisse auch kommentieren zu können.

Grundsätzlich – und das ist ganz wichtig – entstehen Profile auf Facebook ganz von alleine. Für praktisch alle Schulen gibt es Profile und Seiten – auch wenn die Schule selbst gar keine Anstrengungen unternimmt oder unternehmen will. Diese Profile werden von Schülerinnen, Schülern, Ehemaligen, Lehrpersonen angelegt oder automatisch generiert. Unterhält man sie nicht aktiv, läuft man Gefahr, dass man die Kontrolle über die externe Kommunikation verliert.

(2) Gefahren

Die größte Gefahr, und das zeigt ebenfalls die Bernet-ZHAW-Studie, ist eine fehlende Strategie. Es reicht nicht, dass eine interessierte Lehrperson ein Profil einrichtet. Die Kommunikation über das Profil muss abgestimmt sein mit allen anderen Bemühungen im kommunikativen Bereich, sie muss bewusst er- und konkrete Zeile verfolgen.

Mit einem Profil ist ein Aufwand verbunden:

  • Regelmässiges Updaten mit relevanten, einfach zugänglichen, ansprechenden Beiträgen.
  • Das Profil muss immer aktuell sein.
  • Konsequentes Monitoring des Profils, d.h. es muss jemand kontrollieren, was damit passiert.

Besonders der letzte Punkt ist entscheidend: Über solche Profile ist es sehr leicht, z.B. einzelne Lehrpersonen zu beleidigen, Schülerinnen und Schüler blosszustellen oder Verleumdungen zu verbreiten. Auch so genannte »Shitstorms«, also Kommunikationskrisen, können auf Social Media-Profilen in einer Nacht eine ungeheure Dimension annehmen.

Völlig neutral muss auch beurteilt werden, wie viel Kommunikation über Social Media erfolgen soll. Will man mit Eltern und Schülerinnen und Schülern über so ein Profil kommunizieren? Will man Rückmeldungen entgegennehmen, auf Kommentare reagieren – oder will man die Kommentarfunktion abschalten (und so möglicherweise Gefahr laufen, als nicht-kommunikativ wahrgenommen zu werden)?

Das heißt letztlich, dass ohne genaue Gedanken über ein Profil und ohne die nötigen Ressourcen die Risiken größer sind als der Nutzen.

(3) Empfehlung und konkrete Profile

Jedes Profil eröffnet einen neuen Kanal – gibt mehr Möglichkeiten zur Interaktion und erhöht den Aufwand.

  1. Facebook.
    An Facebook führt heute kein Weg vorbei – man ist automatisch präsent. Eine Schule muss ein Facebook-Profil unterhalten, sonst wird es für sie unterhalten.
  2. Youtube.
    Wenn es Filme zur Schule gibt, die in die Öffentlichkeit gehören, gehören sie auch auf Youtube – weil sie sonst auch automatisch dort landen würden.
  3. Twitter.
    Wer twittert, muss es regelmässig und intensiv tun. Der Aufwand ist recht groß, der Nutzen – für eine Schule – wohl sehr bescheiden.
  4. Google+, Xing und andere.
    Diese Netzwerke haben eine zu geringe Penetration und sind Spezialistinnen und Spezialisten vorbehalten.

Meine Empfehlung: Sich auf Facebook beschränken. Die Facebook-Seite soll frisch sein, immer wieder mit Updates versehen werden und positiv. Sie soll einen Teil des eigenen Webauftritt spiegeln, ihn aber unter keinen Umständen ersetzen (Facebook kann jederzeit alle Inhalte löschen – ohne Angabe von guten Gründen).

Alle weiteren Profile – mit Ausnahme von Youtube – bringen wohl eher wenig und sollten nur dann eingesetzt werden, wenn das angestrebte Ziel mit Facebook nicht erreicht werden kann. D.h. nicht, dass sich die Bedeutungen dieser Netzwerke ändern können, aber 2012 ist Facebook in der Schweiz das einzige Netzwerk, auf dem genügend Menschen aktiv sind.

Ein Kommunikationsverantwortlicher, eine Kommunikationsverantwortliche soll das Facebook-Profil intensiv pflegen und der Schulleitung ab und zu berichten, was dort abläuft – sie sofort informieren, wenn es zu problematischen Vorfällen kommt.

Studie: Social Media Schweiz 2012 der ZHAW

In Zusammenarbeit mit Bernet PR hat die ZHAW eine Studie zum Engagement von Schweizer Unternehmen im Bereich von Social Media durchgeführt. Die Studie ist als pdf-File online einsehbar.

Gerade im Zusammenhang mit der Frage, ob Bildungsinstitutionen (konkret: Schulen) auf Social Media-Plattformen vertreten sein können, ist die Studie aufschlussreich. Die dafür wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen und Organisation sind auf Social Media aktiv.
  2. Nur die Hälfte davon hat eine konkrete Strategie.
  3. Der große Aufwand wird als größtes Hindernis betrachtet, generell erachten die aktiven Organisationen den Aufwand größer als den Nutzen. Ressourcen stehen tendenziell wenig zur Verfügung.
  4. Es gibt drei Hauptziele:
    1) externer Dialog
    2) Imagepflege
    3) Marketing
  5. Die wichtigsten Kanäle sind Facebook, Youtube und Twitter.
  6. Inhalte:

    Worüber Organisationen berichten: Social Media
    Worüber Organisationen berichten: Social Media (Quelle: Studie der ZHAW)

Für Schulen ergeben sich meiner Ansicht nach folgende Konsequenzen daraus:

  • Social Media gibt es nicht ohne Aufwand.
  • Für ein Engagement in Social Media braucht es eine Strategie.
  • Sie sollte sich hauptsächlich auf die externe Kommunikation und auf die Imagepflege beziehen.