Infografik: So verbreiten sich Nachrichten in sozialen Medien

Die unten stehende Infografik von Schools.com zeigt mehrere interessante Aspekte, welche die Verbreitung von Nachrichten über Social Media auszeichnen:

  1. Sie sind schnell, demokratisch zugänglich und überall aufzeichenbar – dafür auch möglicherweise unzuverlässig und ungenau.
  2. In den USA stehen Social Media als Nachrichtenquelle an dritter Stelle: Nach dem Fernsehen und Zeitungen.
  3. Fast die Hälfte aller User von Social Media haben schon Nachrichten empfangen, die sich als falsch herausgestellt haben.

Die Infografik präsentiert lockere Fakten, die nicht sensationell Neues enthalten, aber aufzeigen, dass die Art, wie wir und insbesondere Jugendliche über die Welt informiert werden, sich wandelt.

Die Grafik wird größer, wenn man draufklickt.

[Vorstellung] Facebook: Gruppen für Schulen

Wie Thomas Hutter auf seinem Blog berichtet, führt Facebook ein Produkt mit dem Namen »Gruppen für Schulen« ein.

Das Angebot steht bisher nur ausgewählten Schulen zur Verfügung. Der Zugriff wird nur mit einer Schul-Emailadresse möglich sein. Die NZZ beschreibt die Funktionalität wie folgt:

Wie Entwickler Michael Novati mitteilte, sollen in den Gruppen nicht nur Diskussionen über Lehrinhalte stattfinden und Bilder geteilt werden. Auch eine Filesharing-Funktion soll es geben, dank der man beispielsweise Notizen miteinander teilen können soll. Mitglieder einer Bildungseinrichtung sollen sich untereinander direkt Nachrichten senden können.

»Gruppen für Schulen« wird die Möglichkeit bieten, offene, geschlossene und geheime Gruppen zu bilden – z.B. für einzelne Klassen, für Studiengruppen etc.

Damit tritt Facebook in direkte Konkurrenz zu ähnlichen Plattformen für den Bildungsbereich. Wie bei Google Documents stellt sich für eine Schule die Frage, ob man seine Inhalte und Strukturen einer mächtigen Firma anvertrauen soll, die zwar sehr attraktive und günstige Funktionen bereit hält, andererseits aber die Kontrolle über die Daten behält und Zugriffe jederzeit verunmöglichen kann (man stelle sich vor, eine Schülerin oder ein Schüler werde bei Facebook gesperrt etc.). Zudem entstünde eine Art Facebook-Zwang durch ein solches Angebot.

Sobald der Dienst in der Schweiz verfügbar ist, werde ich einen genaueren Test posten.

Case: Twittern im Kindergarten

Ein Artikel in der New York Times dokumentiert den Einsatz von Twitter im Kindergarten. Die Lehrerin Jennifer Aaron nutzt Twitter mit einem Schulaccount (er ist geschützt) und publiziert mit ihrer Klasse drei Mal wöchentlich einen Tweet, also eine Nachricht von 140 Zeichen. Die Klasse einigt sich auf eine Nachricht, verschickt die – und Eltern, Großeltern und Interessierte können sie lesen.

Diese Idee scheint mir sehr sinnvoll zu sein. So kleine Kinder wären überfordert mit der Technik und den Möglichkeiten – Twitter ist so eine im wahrsten Sinne des Wortes soziale Aktivität, die relevante Informationen produziert. Die Lehrerin sagt:

To me, Twitter is like the ideal thing for 5-year-olds because it is so short. It makes them think about their day and kind of summarize what they’ve done during the day; whereas a lot of times kids will go home and Mom and Dad will say, ‘What did you do today?’ And they’re like, ‘I don’t know.’

Das sieht man auch im folgenden Video:

Lesen 2.0

Texte zu verteilen, Lernende Texte lesen zu lassen und die Texte im Unterricht zu besprechen ist eine erprobte, bedeutsame Unterrichtsmethode. Im Umgang mit Texten hört man häufig, dass »Print nicht tot« sei, dass man weiterhin Texte auf Papier lesen werde.

Neue Displays und Geräte ermöglichen nun aber ein Leseerlebnis, bei dem digitales Lesen nicht mehr von dem Lesen auf Papier zu unterschieden ist. Deutlich macht das z.B. die Vergleichsseite für das neue iPad, wo die Auflösung  getestet werden kann:

Auflösung iPad2 und iPad (3. Generation). Klicken für größeres Bild.

In Zukunft, so kann man sicher sagen, werden Schülerinnen und Schüler Unterrichtsmaterialien auf digitalen Geräten lesen (die Frage, welche Hürde der Betrieb solcher Geräte darstellt, erörtere ich später). Dieses Leseerlebnis unterscheidet sich aber in weiteren Punkten vom herkömmlichen:

1. Lesen wird interaktiv

Amazons Kindle-Bücher ermöglichen auf allen Geräten (Kindle gibt es auch für andere Plattformen als Amazons eigene, z.B. auch fürs iPad und iPhone) das Nachschlagen von unbekannten Wörtern in einem Wörterbuch oder im Internet.

Nachschlagefunktion auf Kindle for iPhone
Nachschlagefunktion auf Kindle for iPhone

Diese Funktionalität kann vielseitig eingesetzt werden: Z.B. im Fremdsprachenunterricht, wo unbekannte Wörter automatisch einem Lernprogramm hinzugefügt werden können, im Mathematikunterricht, wo Beweise oder alternative Darstellungen mit einem Textbuch verknüpft werden können, in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, wo Lexikoneinträge oder komplexere Zusammenhänge »hinter« dem Text stehen könnten.

2. Lesen wird sozial

In der Kindle-App ist es möglich, Passagen zu unterstreichen. Diese »Highlights« können auf einen Server bei Amazon geladen werden. Amazon wertet die Daten aus und bietet einem an, die am meisten markierten Passagen automatisch einzublenden. Das erzeugt das etwas gespenstische Gefühl, dass viele Leute eine Passage wichtig fänden – man also jetzt etwas sehr Bedeutsames lesen werde. Das sieht dann wie folgt aus:

»Highlight«-Passage in Kindle-App für iPhone.
»Highlight«-Passage in Kindle-App für iPhone.

Amazon führt Best-Of-Listen, die aus diesen Passagen erstellt werden, eine für die am meisten markierten Passagen (»Because sometimes things happen to people and they’re not equipped to deal with them.«), eine für die am meisten markierten Bücher (Bibel):

Am meisten markierte Bücher, Stand: März 2012.
Am meisten markierte Passagen, Stand: März 2012.

Auch daraus ließen sich viele Möglichkeiten für den Unterricht gewinnen: Schülerinnen und Schüler könnten z.B. Passagen markieren, die sie nicht verstehen. Oder solche, die sie wichtig finden.

3. Lesen wird dialogisch

Die Möglichkeiten der Interaktion und der sozialen Vernetzung geben einer Lehrperson die Möglichkeit, den Leseprozess von Lernenden wahrzunehmen und von diesem Prozess direkte Rückmeldungen zu erhalten, die wiederum verarbeitet werden können. Fragen könnten zur Unterrichtsvorbereitung genutzt werden – und zwar bereits vor der Stunde. Es wäre wahrnehmbar, wofür die Schülerinnen und Schüler sehr viel Zeit aufwenden wollen oder müssen – und wofür wenig. Es wäre möglich, einer Lehrperson über das Lesen Feedback zu geben etc.

4. Und die Risiken?

Es ist wohl ein Axiom der technischen Entwicklung: Der Preis, der für den Fortschritt bezahlt werden muss, entspricht ungefähr dem Nutzen des Fortschritts. Dieser Preis besteht beim »neuen Lesen« aus zwei Komponenten:

  • Lesen ist kein privater Prozess mehr, sondern ein öffentlicher. 
    Es wird sichtbar, wie lange man liest, was man liest, was man unterstreicht etc.
  • Lesen wird aufwändiger. 
    All diese Vorteile des »Lesens 2.0« erfordern immer auch eine bestimmte Tätigkeit: Schülerinnen und Schüler müssen Wörter auch wirklich nachschlagen, Lehrpersonen müssen die Feedbacks auswerten etc.

Social Media-Guidelines für Lehrpersonen

Heute hat das ORF seine Social Media-Guidelines veröffentlicht (pdf). Diese Guidelines können einfach auch für Lehrberufe adaptiert werden, was ich im Folgenden tue. Der erste Punkt umfasst einen zentralen Hinweis der BBC. Die Richtlinien halten dazu fest:

Diese Regel hat die BBC ihren Journalistinnen und Journalisten im Umgang mit sozialen Netzwerken auferlegt. Lieber einmal mehr nachgedacht, als später ein Posting bereut. Der informelle Ton in sozialen Netzwerken verleitet dazu, flapsig zu schreiben. Doch wir werden nicht nur als Privatperson im Internet wahrgenommen, sondern auch als ORF-Mitarbeiterin oder Mitarbeiter. Wer seine (politischen) Ansichten in sozialen Netzwerken verbreitet, läuft Gefahr, dass die journalistische Unabhängigkeit und Unparteilichkeit in Frage gestellt werden könnte.
Unsere „Social-Media-Guidelines“ sind Empfehlungen für alle, die sich im virtuellen Raum bewegen – beruflich und privat. Diese Empfehlungen, die wir als Redakteursvertretung ausgearbeitet haben, sollen nicht als Maulkorb missverstanden werden. Sondern im Gegenteil: Sie sollen dazu ermuntern, sich aktiv, aber mit Vernunft in sozialen Netzwerken zu präsentieren.

Hier also die adaptierten Guidelines für Lehrpersonen. Über Hinweise oder Ergänzungen freue ich mich (z.B. in den Kommentaren).

  1. Tue nichts Dummes!
  2. Man ist im Internet nie nur Privatperson, sondern wird als auch Lehrperson wahrgenommen.
  3. Achte auf deinen Ruf und auf den deiner Schule.
  4. Tue nichts, was Zweifel an deiner Qualifikation für den Lehrberuf und an deiner Fairness gegenüber deinen Schülerinnen und Schüler auslösen könnte.
  5. Zeige Fingerspitzengefühl bei politischen, religiösen und anderen heiklen Themen.
  6. Schreibe nichts, von dem du nicht willst, dass es auch morgen oder in einigen Jahren noch auf dem Netz zu finden sein wird.
  7. Soziale Netzwerke sind Werkzeuge, keine Spielzeuge.
  8. Interagiere mit Schülerinnen, Schülern und anderen Lehrpersonen.
  9. Bleibe höflich.
  10. Kümmere dich um deine Privatsphäreneinstellungen.
  11. Halte dich auch im Netz an Gesetze – insbesondere ans Urheberrecht.