Recherchen der NZZ haben ergeben, dass eine Angestellte des Bundes aus dem Bundeshaus Nacktbilder per Twitter verbreitet hat. Die Frau hatte auf ihrem mittlerweile gelöschten Profil über 10’000 Follower und verbreitete im Netz harte pornografische Inhalte, in denen sie selbst zu sehen war. Wie zu erwarten konnte ihr Profil im Laufe des Tages von den Boulevardmedien ermittelt werden, welche die Bilder veröffentlicht haben. Die Frau wurde vom Bund freigestellt.
Der Fall zeigt, dass eine Aushandlung dessen, was Arbeitspflichten sind, welche Formen von Sexualität gesellschaftlich akzeptiert werden und wie Einzelpersonen und Institutionen medial agieren dürfen, regelmäßig das Leben von Menschen zerstört, aber unumgänglich ist.
Aus der Social-Media-Perspektive ist die Frage relevant, was geschieht, wenn Bilder aus einem prominenten Profil (wenige private Schweizer Accounts knacken die 10’000-Follower-Grenze) von Massenmedien abgedruckt werden. Die Bilder, so die naive Argumentation, seien ja öffentlich, weil sie in einem Webbrowser abrufbar seien. Diese Argumentation ist nicht haltbar, wie ich schon früher gezeigt habe. Den entscheidenden Punkt hat Anil Dash in einem wichtigen Beitrag ausgeführt: Öffentlichkeit ist nicht trivial, sondern eine Konvention.
Public is not simply defined. Public is not just what can be viewed by others, but a fragile set of social conventions about what behaviors are acceptable and appropriate. There are people determined to profit from expanding and redefining what’s public, working to treat nearly everything we say or do as a public work they can exploit. They may succeed before we even put up a fight.
Er identifiziert drei Gruppen von Akteuren, die ein Interesse daran haben, dass eine naive Definition von Öffentlichkeit und eine binäre Abgrenzung von Privatheit weiterhin Verwendung finden: Die Medien, die Tech-Industrie und die Gesetzgebung. Es ist in ihrem Interesse, die technische Zugänglichkeit oder Abrufbarkeit mit einer sozialen Öffentlichkeit zu vermischen.
Wer im Bus ein privates Gespräch führt, weiß, dass die anderen Passagiere mithören können, rechnet aber damit, dass das Gespräch dennoch privat bleibt. Das hat Danah Boyd in einer Replik auf Dashs Essay aufgegriffen. Sie kritisiert die Vorstellung, Privatsphäre sei eine Art Gegenbegriff zu Öffentlichkeit. Vielmehr gehe es beim Schutz der Privatsphäre um etwas ganz Spezifisches:
The very practice of privacy is all about control in a world in which we fully know that we never have control. Our friends might betray us, our spaces might be surveilled, our expectations might be shattered. But this is why achieving privacy is desirable. People want to be *in* public, but that doesn’t necessarily mean that they want to *be* public.
Die Bundesangestellte wollte in ihrer Freizeit mit ihrem Körper und ihrer Sexualität »in public« sein. Sie wollte, das ihre Bilder und ihre Videos gesehen werden, sie veröffentlichte sie für ein (großes) Publikum. Aber sie wollte keine öffentliche Figur sein und die Kontrolle darüber behalten, ob diese Bilder mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung gebracht werden. So schreibt Ronny Nicolussi in der NZZ:
Dass diese Bilder früher oder später jemand sehen könnte, mit dem sie beruflich zu tun hat, ist ihr bewusst. «Das Thema beschäftigt mich ständig», sagt die Frau, der auf Twitter über 11 000 Nutzer folgen, auf Anfrage. Da die Aufnahmen jedoch Teil ihres Privatlebens seien, sehe sie keinen Interessenkonflikt mit ihrer beruflichen Funktion.
Folgt man Boyd und Dash, ist es an der Zeit, Widerstand zu leisten gegen Industrien und Organisationen, die davon profitieren, so zu tun, als dürften sie Daten, die für sie zugänglich sind, ohne Einverständnis nutzen. Die Frau muss geschützt werden, weil sie ist, wie wir alle: Auch unsere Intimsphäre ist zugänglich – durch Überwachungsmethoden und Menschen, denen wir vertrauen. Deswegen ist sie aber nicht öffentlich.









Die Idee packte mich. Ich wollte mithelfen, sie umzusetzen, und schrieb ein paar Mails und führte ein paar Telefongespräche. Das tat auch Regula Stämpfli. So entstand das Projekt, das ich #wmfair nennen wollte – Regula Stämpfli mochte »Social Pay Per View« besser. Wir hatten vor WM-Start eine Homepage, eine Facebook-Seite, Flyer und eine SMS-Nummer, mit der man für Projekte von 











