Mythen der digitalen Kluft

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Kompetenzen / Wissenschaft

Die digitale Kluft (»digital divide«) bezeichnet das Phänomen, dass gewisse Menschen oder soziale Gruppen die Möglichkeiten digitaler Kommunikation und der Datenverarbeitung intensiv nutzen (können), andere nicht – weil ihnen der Zugang zur Infrastruktur, die notwenigen Geräten oder Kompetenzen fehlen. Diese Kluft vergrößert schon bestehende Unterschiede. So wandelt sich die Arbeitswelt in Europa und in den USA – Arbeit ohne Datenverarbeitung ist nicht mehr denkbar; was wiederum die Hürde für Menschen aus Schwellenländern, gut bezahlte Arbeiten zu erledigen, erhöht.

Jen Schradie erforscht die digitale Kluft und hat bei Cyborgology sieben Mythen widerlegt, die ich hier fünf übersetzen möchte. Die Mythen beziehen sich klar auf einen amerikanischen Kontext, enthalten aber gleichwohl entscheidende Gedanken.

  1. Die digitale Kluft ist vorbei. 
    Stimmt nicht, sagt Schradie.  Entscheidend ist ihrer Meinung nach vor allem die Zugehörigkeit zur sozialen Schicht: Wer sozial benachteiligt ist, ist auch digital benachteiligt.
  2. Die digitale Kluft ist eine Kluft. 
    Es geht nicht darum, ob Menschen Internetzugang haben oder nicht. Wichtig sind verschiedene Faktoren, so z.B. mit wie vielen Geräten eine Familie aufs Internet zugreifen kann oder ob Menschen sich im Internet mitteilen oder nur fremde Inhalte konsumieren. Hierbei handelt es sich um graduelle Unterschiede.
  3. Die digitale Kluft findet anderswo statt. 
    Es ist entscheidend, lokale Probleme wahrzunehmen. Welche Menschen sind auf Bibliothek- oder Schulinternetzugang angewiesen? Welche müssen ganz auf Zugänge verzichten, weil sie nicht einmal wissen, dass es kostenlose Möglichkeiten gibt? Solche Menschen gibt es überall – auch wenn es in Europa weniger sind als in anderen Ländern, heißt das nicht, dass das Problem nicht bestünde.
  4. Digitale Divide betrifft alte Menschen. 
    Der Mythos besagt, dass die Jungen von heute keine Kluft mehr kennen, nur alte Menschen, die nicht Digital Natives sind. Schradies Untersuchungen zeigen, dass das nicht stimmt. So hat sie z.B. erforscht, wie wahrscheinlich es ist, dass High-School-Absolventinnen und -absolventen bloggen und das mit College-Ausgebildeten verglichen:
    Predicted-Probability-of-Blogging-Among-American-Adults-small
  5. Aber gerade Benachteiligte können doch heute mit Mobiltelefonen online gehen…
    Wichtig sei intensive und vielfältige Nutzung des Internets. Wer mit dem Smartphone surft, kann keine zehnseitigen Paper schreiben und sie kollaborativ bearbeiten.

Gerade weil digitale Werkzeuge immer selbstverständlicher scheinen, ist es wichtig zu sehen, dass sie nicht allen Menschen zur Verfügung stehen. Vergleiche dazu auch meinen Vortrag und meinen Essay zu dieser Frage.

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philippe-wampfler.ch

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