»Und wie gehen Sie mit dem Problem des Datenschutzes um?« Diese Frage wird mir am Ende von Vorträgen ebenso regelmäßig gestellt, wie bei Weiterbildungen verlangt wird, ich solle bitte auf »rechtliche Aspekte« der Nutzung von Social Media eingehen. Juristische Fragen und Datenschutzbedenken sind oft die Feigenblätter, mit denen eine gehaltvolle Auseinandersetzung im Bereich der Medienpädagogik verhindert wird. Potentiale können ausgemalt werden, das Denken »outside the box« angesiedelt werden – aber konkret muss nichts werden, eine Änderung ist nicht nötig, weil im Bereich des Datenschutzes noch ein paar Fragen offen sind.
Ganz ähnlich wird die Skepsis gegenüber Messbarkeit an Schulen eingesetzt, um sich zu Immunisieren gegen die Fragen, ob die verwendeten Lehr- und Lernmodelle wirksam sind und damit das erreicht wird, was vorgegeben wird. Damit sind wir beim Thema dieses Beitrags…
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In der aktuellen Folge ihres Podcasts Bildung – Zukunft – Technik sprechen Felix Schaumburg und Guido Brombach im vierten Teil über die Frage, was die Gründe für den beklagenswerten Zustand des Bildungssystems darstellen (die Vorlage ist Martin Lindners Diagnose). Schaumburg entwickelt eine Formel für das Problem: »Misstrauen und Messbarkeit«.
Im ersten Punkt bin ich einverstanden. Ohne Vertrauen – so meine Überzeugung – kann Pädagogik nicht funktionieren. Ist Vertrauen in einer Schulkultur nicht möglich, muss es möglich gemacht werden. Vertrauen ist nicht etwas, was Lernende mitbringen müssen. Es muss ihnen entgegengebracht werden.
Bei der Messbarkeit bin ich anderer Meinung. Ich halte nicht die quantitative Perspektive für das Problem, sondern den Umgang damit. Konkret:
- Fehlende Präzision bei quantitativen Studien und Aussagen.
- Ignorieren von Fragen des Kontextes.
- Unwissenheit in Bezug auf Unschärfen von Messmethoden etc.
- Standardisierung.
- Die Vorstellung von Vergleichbarkeit und Gleichwertigkeit.
Das beginnt schon bei der einfachsten Form von Messung: Der der Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Die Gretchenfragen: Was misst du? Misst du das wirklich oder tust du nur so? Lehrpersonen werden durch das System und eigene Überzeugungen dazu angehalten, in bestimmten Verfahren Noten zu erzeugen. Dabei geben sie vor, die Leistungen der Lernenden zu messen – auch wenn die Fragen, was eine Leistung ist, was gemessen wird, wie genau es gemessen werden kann, welche Einflüsse die Messung beeinflussen können kaum je angesprochen oder geklärt werden.

Im Gegensatz dazu eine Messemethode, die mich überzeugt: Der vorherige Abschnitt hat einen Lesbarkeitsindex von 60 nach der Flesch-Formel für die deutsche Sprache. Ich weiß, dass dieser Index nur die Wort- und Satzlängen misst, diese aber gut mit der Lesbarkeit eines Textes korrelieren. 60 bedeutet, der Text ist etwas leichter zu lesen als der Durchschnitt aller Texte, aber nicht sehr leicht. Er passt also, wie ich finde, zu meinem Zielpublikum. Wollte ich ihn einfacher machen, wüsste ich, was zu tun ist.
Dieser Art von Messbarkeit funktioniert, weil sie wirksam ist, ich verstehe, wie sie zustande kommt und den Kontext einbeziehen kann. Es gibt keine willkürlichen Vergleiche oder Normierungen für die Lesbarkeit meines Textes. Aber ich darf diesen Wert auch nicht ignorieren, wenn ich verstehen will, wie es um die Lesbarkeit meiner Texte bestellt ist.
Selbstverständlich gibt es Lektorinnen und Lektoren, welche auch ohne Messung feststellen können, wie gut lesbar ein Text ist. Ganz allgemein hat aber Axel Krommer recht, wenn er sagt:
Die Tendenz, Bildung vermessen zu wollen, darf und muss kritisiert werden. Aber nicht per se, sondern nur dann, wenn sie zu Fehlern führt. Zum Beispiel:
- Messungen ohne klare Fragestellungen.
- Übertragung von Ergebnissen auf anders funktionierende Zusammenhänge.
- Fehlende statistische Aussagekraft.
- Vermischen von Korrelation und Kausalität.
- Begründung von Normen/Standards und oberflächlichen Vergleichen aufgrund von Messungen.
- Beeinflussungen von Messergebnissen durch die Messmethoden (e.g. »teaching to the test«).
Bestrebungen, die Wirksamkeit der Bildung in Zahlen ausdrücken zu wollen, sollen präzise kritisiert werden, und nicht in Bausch und Bogen verworfen werden. Genau so, wie Datenschutz und die Einhaltung geltender Gesetze wichtige Bestrebungen sind, die in konkreten Einwänden umformuliert werden müssen und nicht Veränderungen per se blockieren können.











Der Tweet ist weder ganz frisch noch ist es die Diskussion. Der schlaue Satz von Seneca, »wir« würden nicht fürs Leben, sondern für die Schule lernen (
