Das einfachste schulische Weiterbildungsprojekt für Neue Medien

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Regelmäßig fragen mich Verantwortliche von Schulen für die Mitwirkung bei zwei Veranstaltungstypen an:

  1. Weiterbildung von Lehrpersonen im Bereich Neue Medien/Medienkompetenz/E-Learning etc.
  2. Ausbildung von Jugendlichen im Bereich Medienbildung/Umgang mit Neuen Medien.

Ich freue mich über diese Anfragen und habe schon viele motivierende Veranstaltungen durchführen können. Aber – diese Einschränkung musste ja kommen, sonst wäre daraus kein Blogpost geworden: Mich braucht es dafür eigentlich gar nicht.

Warum nicht? 1. und 2. ließen sich in einer idealen Welt kombinieren: Die Weiterbildung der Lehrpersonen erfolgt deshalb, weil sie die Ausbildung der Jugendlichen selbst übernehmen müssen. Die Möglichkeit, Fachleute in Schulen einzubinden, ist bei Spezialthemen sicher wichtig. Begegnungen mit Fachleuten sind eine Bereicherung für die Schule.

Medienbildung ist aber aus meiner Sicht kein Spezialthema. Es gibt keine Jugendlichen, die ohne Medien aufwachsen oder in Bezug auf Neue Medien nicht mindestens eine Haltung einnehmen müssen. Damit begleiten digitale Kommunikationsformen – bewusst oder unbewusst – das Lernen und das Leben von Jugendlichen.

Aus diesem Grund gehört das in den Kernbereich schulischer Aufgaben. Medienbildung ist elementarer Bestandteil von Unterricht. In jedem Fach, bei jeder Lehrperson. Es gibt keinen Unterricht ohne Medien, kein Lernen ohne Medien.

Wird diese Bereich an externe Fachleute ausgelagert – z.B. an mich -, dann ermöglicht das einem Teil des Lehrkörpers, sich zentralen Aufgaben zu entziehen. Es gibt Schulen, an denen zwar die verantwortlichen Klassenlehrerinnen und -lehrer von sich sagen, Medienkompetenz nicht vermitteln zu können, weil sie sich mit Social Media nicht auskennen – bei meinem Workshop aber lieber einen Kaffee trinken, als mitzuerleben, an welchen Fragestellungen die Jugendlichen arbeiten. Das darf nicht sein.

Fazit: Schulen sollten Lehrkräfte in die Pflicht nehmen und sie beauftragen, Medienkompetenz zu vermitteln. Können sie das nicht, dann entsteht direkt Weiterbildungsbedarf – aber in einem ganz konkreten Sinne, bezogen auf eine klare Aufgabenstellung. Fachleute für die Konzeptionierung und Weiterbildung beizuziehen, ist dann sinnvoll – aber das Know-how muss innerhalb der Schule aufgebaut, nicht ausgelagert werden.

Igelnachtrag06

The Author

philippe-wampfler.ch

12 Comments

  1. Bei vorliegender informatischer Allgemeinbildung würden Präsentationen vernünftig programmiert und Kenntnisse der Typographie vermittelt. Meine Studierenden und Referendar*innen lernen, genau dies zu tun.
    Damit kommt man auch auch der Mausschubserei raus, die ja eher eine Technik des Probierens ist, denn des sorgfältigen Planens und damit des echten informatischen Modellierens.
    Technisch wird dies mit LaTeX, der beamer-Klasse und dem Paket tikz von Till Tantau umgesetzt – es wird – wie seit nunmehr gefühlten 100 Jahren – mit einem normalen Texteditor gearbeitet und _anschließend_ gesetzt.
    Ergebnisse dieser Arbeiten lassen sich z.B. unter:
    http://ddi.uni-wuppertal.de/index-wintersemester_2014-2015.html
    ansehen.

  2. Wie immer: Ein wirklich toller Beitrag von Philippe Wampfler! Nur eins stört mich hier ein wenig: Sollten wir nicht langsam dazu übergehen, den Begriff „Neue Medien“ durch die Bezeichnung „Digitale Medien“ ersetzen? Mit dem Begriff „Neue Medien“ läßt es sich sehr leicht entschuldigen, sich nicht so richtig auszukennen (Stichwort „Medienkompetenz“)……

  3. Abohn says

    Bitte nicht alle Lehrer und Schulen über einen Kamm scheren. Es gibt uns auch, die wir mit und von unseren Schülern lernen, die wir uns bemühen, medienkompetenter zu werden und dies auch nach außen tragen. Schaut nur, wie viele Schulen und Lehrer auf eTwinning zusammen arbeiten. Ich weiß, das reicht nicht, aber es tut auch weh, wenn wir so oft übersehen werden. Eine grundsätzliche Veränderung ist nur zu erwarten, wenn sich bildungspolitisch etwas grundlegend ändert.

  4. Ich kann Lisa nur zustimmen und ich begreife auch nicht, warum Lehrer mit dieser Berufseinstellung durchkommen können. Wie oft ich inzwischen gehört bzw. gewarnt wurde überhaupt Projekte mit Schulen zu machen (würde ich nie freiwillig machen), dann ist das eine Todesspirale. Und dann liest man noch diese Artikel über WLAN, Smartphone Verbote und Filter-Einstellungen. Aber ich hab das ja schon öfters geschrieben, für mich sind die Digitalisierungsstrategien an Schulen gescheitert und ich hoffe, es werden demnächst neue Systeme parallel kommen. Gott segne die Zweiklassengesellschaft 😦

  5. Lisa Rosa says

    Das erinnert mich an ein Erlebnis aus meiner Lehrerfobi vor Jahren:

    Eine Kollegin hatte mich um eine Fobi für Powerpoint gebeten, weil gerade das „Präsentieren“ als Leistung im mündlichen Abitur neu eingeführt worden war. (Am liebsten wollten die Lehrer ja, dass die SuS nur mit Papierposter präsentieren, aber diese Kollegin war schon aufgeschlossen für Powerpoint ;-))
    Ich sagte: Nur mit den SchülerInnen zusammen! Also machten wir erst zusammen eine ppt-Fortbildung im Unterricht für ihre Schüler_innen. Die haben auch ganz schnell begriffen, wie man schöne Folien macht und über die bulletpoint-Langweilerei hinauskommt. Dann machten die Schüler kollaborativ (mit Hilfe von etherpad-Sitzungen) einen guten Vorschlag für ein detailliertes Bewertungsraster von ppt-Präsentationen.
    Und dann sagte ich: So, und jetzt werdet ihr die Lehrer eurer Lehrer: Wir überlegen jetzt zusammen, wie ihr euren Lehrern aus dem, was ihr könnt, eine Lehrerfobi macht. Das hätten sie auch sehr gerne gemacht, und auch die Lehrerin fand die Idee gut. Aber das Lehrerkollegium hat es einhellig abgelehnt und stattdessen verlangt, dass ich erst ihnen was beibringe, und dann sie diejenigen sind, die den Schülern was beibringen. Diese „bewährte“ Reihenfolge kann man doch nicht einfach umkehren. Wo kämen wir denn da hin!!!
    Ja, wohin denn?
    Und dann habe ich das abgelehnt. (Ich habe ja auch meine Prinzipien.)

    • Und was bedeutet: „So, und jetzt werdet ihr die Lehrer eurer Lehrer: Wir überlegen jetzt zusammen, wie ihr euren Lehrern aus dem, was ihr könnt, eine Lehrerfobi macht.“? Was bedeutet: „Wir überlegen uns zusammen, …“? Erinnert mich an Mütter, die ihrem Kind sagen, was „wir“ heute anziehen – oder so.

      Auch ich höre immer wieder, dass meine SuS Anwendungen aus meinem Unterricht ihren Klassenlehrpersonen weitergeben oder weiterhelfen. Beispiel: http://wll.imnusshof.ch (Aufnahmen im Sprachunterricht – vom Schreiben zum Uebersetzen zum Sprechen und gleichzeitigen Aufnehmen zum Teilen).

      • Lisa Rosa says

        achje, bei mir liegst du mit einem solchen Einwand/Vorwurf ziemlich falsch.

    • Lisa Rosa, ich habe eindeutige Fragen gestellt, die du leider nicht beantwortet hast. Leider habe ich auch nichts anderes erwartet. Ich werde deshalb selbst auf meine Fragen eingehen.
      „Wir überlegen jetzt zusammen, …“ bedeutet: Ich (LehrerIn) gebe die Parameter bekannt, welche unsere Diskussion bestimmen.
      „…aus dem, was ihr könnt, eine Lehrerfobi macht.“ bedeutet, dass ich mich gerade jetzt so objektiv wie möglich damit auseinandersetze, was meine SuS ohne Schule / ohne LehrerInnen können resp. sich aneignen und frage mich ernsthaft, ob sie zuerst in Youtube eine Anleitung (Video Tutorial) zur Produktion von schönen Folien suchen werden (sic!).
      „Die haben auch ganz schnell begriffen, …“ impliziert, dass sie etwas gelernt haben. Von wem? Selbständig? Aus Video Tutorials aus Youtube & Co? Von einer der SchülerInnen, die das kann, weils ihr der Vater gezeigt hat?

      Und jetzt staune ich ab mir selbst, wie ich mich beherrschen konnte und eine derart gute Antwort schreiben konnte.

      • Lisa Rosa says

        Glückwunsch! Fühlen Sie sich jetzt besser, Herr Rueedi?

    • Besser als was, Frau Lisa Rosa? Als Sie? Ich hätte mir gewünscht, Sie würden sich auf eine einigermassen intelligente Diskussion einlassen. Und ja, ich will immer wieder der Erste sein, der meine SchülerInnen tagtäglich lehrt, erworbenes Wissen und Können zu dokumentieren und zu teilen. Nicht, um mich besser zu fühlen, sondern, um zu bilden. Das ist bis zum Sommer 2015 mein beruflicher Auftrag.

      Ihre Geschichte liest sich wirklich wunderbar. Da bin ich einer Meinung mit Philippe Wampfler.

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