In verschiedenen Funktionen unterrichte ich regelmäßig (angehende) Lehrkräfte. Dabei orientiere ich mich am didaktischen Prinzip, dass erfolgreiche Unterrichtskonzepte nicht nur Lerngegenstand darstellen können, sondern auch in die Methodik einfließen sollen. Nicht penetrant, nicht als inhaltsloses Spiel, sondern als Erlebnis wirkungsvoller Lehrverfahren.
Eines dieser Konzepte ist die digitale Begleitung von Lehrveranstaltungen. Twitterwalls haben auf Tagungen bereits eine Tradition, im Schulunterricht werden sie bislang wenig genutzt. Dabei wäre das Potential enorm – digital erweiterter Unterricht:
- öffnet die Lernprozesse für Interessierte, aber physisch Abwesende
- gibt allen, die im Unterrichtsgespräch keinen Raum erhalten, eine Plattform, um Meinungen, Fragen, Kritik einzubringen
- speichert wichtige Gedankengänge, die auch mit Bildern oder Links versehen sein können, für die Nachbereitung bzw. Vorbereitung einer nächsten Einheit
- hält Gespräche über die physische Präsenzzeit hinaus aktiv.
Praktisch gehe ich – bei Kursen mit pädagogisch ausgebildeten Erwachsenen – wie folgt vor:
- Ich offeriere allen Teilnehmenden mehrere Möglichkeiten zur Teilnahme, üblicherweise Twitter, Instagram, Facebook, Google Drive, Evernote, WordPress, ein Etherpad (ungefähr in dieser Reihenfolge).
- Die Möglichkeiten sind so einfach wie möglich, d.h.:
a) persönliche, schon genutzte Accounts können verwendet werden (aber wenn möglich mit Hashtags)
b) es gibt Veranstaltungsaccounts, die schon angelegt sind und in die man sich einloggen kann (für ein Bsp. siehe phwa.ch/picts)
c) nur Plattformen mit einfachen Apps und schlichten Login-Prozessen werden erwähnt
d) keine einzelne Plattform wird fixiert - Ich biete eine längere Einführungsphase sowie mehrere virtuelle »Zigarettenpausen« an, in denen Beiträge verfasst werden können.
- Die Kanäle werden immer wieder in der Lehrveranstaltung angeschaut und die Inhalte besprochen.
- Vor, während und nach der Veranstaltung bin ich auf den Kanälen präsent und betreibe Monitoring und kuratiere.

Die Ergebnisse sind bisher nicht berauschend. Die Vorgehensweise braucht mehr Energie, als ich gedacht habe. Auch wenn ich bewusst Hürden entferne und Zeiträume schaffe, sind einige der Teilnehmenden immer überfordert: Die App läuft auf ihrem Handy nicht, sie nutzen das falsche Passwort, können sich nicht ins W-Lan einloggen, sind gehemmt oder trauen sich nicht.
Immer wieder gibt es aber einzelne, die dranbleiben, interessante Kritik üben, andere ermuntern. Gleichwohl erstaunt es mich, wie selbstverständlich und sinnvoll digitale Diskussionen für mich sein können – und wie sperrig für Menschen mit einem ähnlichen Beruf und einer ähnlichen Ausbildung.












