App-Empfehlungen

Gestern ist in der Sonntagszeitung der folgende Artikel von Gabi Schwegler erschienen, in dem schulesocialmedia.com erwähnt wird – weil ich einige Empfehlungen bei den Apps 13-16 Jahre abgegeben habe (zum Vergrößern klicken):

Sonntagszeitung, 3. Juni 2012, S. 75.

Die vollständige Liste meiner Empfehlungen mit Links:

  • Flashcards-Deluxe
    Eine Flashcard-App, mit der man eigene Lerninhalte eingeben und mit anderen teilen kann.
  • Vernier Video Physics
    Eine Physik-App (leider nur auf Englisch, aber das sollte kein Problem sein), mit der man Bewegungen auf Videos markieren und dann analysieren kann. Ist sehr beeindruckend.
  • Nota
    Eine Musik-App, mit der man die Notenschreibweise lernen kann.
  • Karajan
    Eine umfassende App für Gehörbildung, fragt Intervalle, Tonleitern, Rhythmen ab.
  • Busuu
    Die Apps von busuu zum Lernen von Fremdsprachen gibts für Englisch und Französisch.
  • Baumbestimmung
    Eine Biologie-App, mit der man Bäume bestimmen kann.
  • Story Wheel
    Noch einmal Fremdsprachen: Diese App erlaubt im Englischunterricht, Geschichten zu Bildern zu erfinden und mit dem Gerät auch gleich aufzunehmen. Mir gefällt die interaktive Mischung.

Wie ich in meinem Post zum Einsatz von iPads/Tablets in der Schule schon angemerkt habe, findet sich bei Schule-Apps.de eine sehr gute, umfassende Übersicht über leistungsfähige Bildungsapps.

Zwei Bemerkungen zum Einsatz von Apps:

  1. Wenn man im Bildungsbereich so vorgeht, dass man zunächst Geräte anschafft, z.B. iPads, und dann mal schaut, welche Apps es dafür gibt, dann wird eine nachhaltige Nutzung kaum möglich sein. Man muss dann Geräte anschaffen, wenn man weiß, was man damit machen will. Also: Zuerst die Apps, dann die Geräte.
  2. Die hier genannten Apps beziehen sich alle auf Apple-Geräte. Mein Fokus auf Social Media ist viel breiter: Ich denke, sinnvolle Bildungsprodukte sollten plattformunabhängig funktionieren. Mit gefällt z.B. die Unterrichtsplattform lore.com, das Tool How Big Really? von BBC bei dem Größenvergleiche angestellt werden können (historische oder zeitgeschichtliche) oder die Webseite von Duden, die den gelben Band Duden 1 komplett obsolet macht. Diese Tools sind nicht in eine App verpackt, sondern funktionieren auf jedem Gerät. Das ist meiner Meinung nach die Bildungszukunft.

Braucht es für Medienkompetenz ein eigenes Schulfach?

Welches Gewicht soll die Schule den Neuen Medien und der Medienbildung geben und vor allem auf wessen Kosten?

Diese Frage steht im Mittelpunkt des Schlussteils eines Artikel in der Sonntagszeitung vom 27. Mai 2012. Gabi Schwegler zitiert zwei gegensätzliche Positionen:

Christoph Mylaeus, Geschäftsleiter der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) […] verteidigt den Grundsatzentscheid, für die Medienbildung kein eigenes Fach zu schaffen: «Wir haben so viele Bildungsanliegen. Die können wir unmöglich alle in eigenen Fächern behandeln.»

[…] Claudia Fischer, die an der Pädagogischen Hochschule FHNW ein Projekt mit Tablets in Schulen leitet, […] hält es für falsch, kein eigenes Fach für Medienbildung zu schaffen. Gerade wenn sie etwa an den zu lockeren Umgang mit Fotos und persönlichen Daten in sozialen Netzwerken denke. «Die digitale Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Mit Bewahrpädagogik erreichen die Kinder und Jugendlichen keine Medienkompetenz.» Und: «Die Thematisierung und Nutzung in der Schule schafft Chancengleichheit, weil nicht alle Kinder aus gleich gut ausgerüsteten und medienkompetenten Familien kommen.»

Das Team von Thomas Merz-Abt, Fachbereichsleiter Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich, hat in mehreren Arbeiten Argumente rund um die Frage gesammelt, ob Medienbildung in einem eigenen Fach stattfinden soll. Die meiner Meinung nach wichtigsten Argument seien im Folgenden kurz zusammengefasst:

  • Die scheinbare Leichtigkeit des Umgangs mit neuen Technologien bei Jugendlichen täuscht über viele fehlende Kompetenzen in der Anwendung von Informatikmitteln hinweg. Diese Kompetenzen werden in der Berufswelt gebraucht.
  • Jugendliche gefährden sich unbewusst sehr schnell im Internet und müssen davor geschützt werden – eine Aufgabe, die Eltern vielfach nicht übernehmen können.
  • Fächerübergreifender oder integrierter Medienbildungs- oder Informatikunterricht findet nur am Rande oder gar nicht statt, er hat keine zentrale Bedeutung.
  • Kompetenzen müssen systematisch aufgebaut werden, Lehrpersonen müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Schülerinnen und Schüler bestimmte Kompetenzen mitbringen und anwenden können.
  • Medienunterricht muss von kompetenten Lehrpersonen erteilt werden, die spezifisch dafür ausgebildet worden sind.
  • Die Erfahrungen mit integriertem Medien- und Informatikunterricht lassen darauf schließen, dass das Konzept nicht erfolgreich ist.

An diese Überlegungen schließt in der Expertise Medien und ICT, die 2008 im Auftrag der Bildungsdirektion des Kantons Zürich durchgeführt worden ist, folgendes Fazit an:

Ähnlich wie bei der Sprache wird auch bei der Medienbildung beides notwendig sein: Sprache soll in jedem Unterrichtsbereich praktiziert und die notwendigen Fähigkeiten gefördert werden. Trotzdem ist Unterrichtszeit dafür ausgewiesen, damit eine systematische Förderung der Sprachkompetenz gewährleistet werden kann. Der Vergleich mit Sprache ist noch in einem weiteren Sinne bedeutsam, denn bei der Medienbildung geht es letztlich um eine Erweiterung der Kulturtechnik Lesen und Schreiben unter den Bedingungen einer Mediengesellschaft.

Dieser Vergleich könnte einen dazu verleiten, das Fach Deutsch bzw. Muttersprache umzubauen zu einem Fach Medienbildung, in dem auch sprachliche Kompetenzen eine Rolle spielen.

Ich bin grundsätzlich anderer Meinung: Medienbildung und Informatikausbildung gehören in den Fachunterricht integriert. In der Expertise steht, diese Integration erfolge »zufällig« und es mangle ihr an »Zuverlässigkeit« im Vermitteln von Kompetenzen, im Anbieten von Reflexionsmöglichkeiten. Damit bin ich einverstanden. Diese Probleme lassen sich aber in einem integrierten Ansatz lösen, wie die folgenden Argumente, die ich vorbringen würde, zeigen:

  • Medien transportieren Inhalte, man setzt sie zu verschiedenen Zwecken ein. Man hält beispielsweise einen Vortrag, visualisiert gewisse Inhalte: An der Wandtafel, am Hellraumprojektor, mit Präsentationen. Diese Inhalte und Zweck ergeben sich aus dem Fachunterricht. PowerPoint zu üben, Facebook theoretisch zu erfassen oder an einem Pseudoprojekt ist keine nachhaltige Beschäftigung. Sinnvoll ist, mit Medien konkrete Aufgaben zu lösen und über das ideale Vorgehen nachzudenken.
  • Es genügt nicht, wenn einzelne Lehrpersonen Kompetenzen im Umgang mit neuen Medien mitbringen – alle Lehrpersonen müssen darin so geschult werden, dass sie nicht nur im persönlichen Umgang sicher sind, sondern auch in der Mediendidaktik ihres Faches.
  • Integration geht nur dann, wenn ein systematischer, nachhaltiger Aufbau in den Lehrplan eingeschrieben wird. Es müssen verbindliche Vorgaben gemacht werden – so muss z.B. im Deutschunterricht der dritten Klasse ein Text am Computer verfasst, überarbeitet und ausgedruckt werden; in der fünften Klasse muss eine computergestützte Präsentation erarbeitet werden etc.
  • Der Vergleich mit den Sprachfächern ist im Idealfall der mit der Immersion: Ein Fach wird unter ständigen Nutzung von bereits vorhandenen Kompetenzen unterrichtet – diese dabei regelmässig angewendet und fachspezifisch erweitert.

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Neue Medien und Medienbildung soll und muss ein großes Gewicht haben – in jedem Fach sind nur Kompetenzen relevant, die sich im heutigen medialen Umfeld anwenden lassen. Diese Bildung geht nicht auf Kosten eines Faches, sondern erweitert Fächer um eine bestimmte Komponente – so mein Ansatz. Über andere Meinungen freue ich mich!