Medienkompetenz als Polizeiaufgabe

Im Kanton Basel-Stadt (Schweiz) ist es Aufgabe der Polizei, »Kinder und Jugendliche bei einem selbstständigen, kritischen und verantwortungsbewussten Umgang mit den neuen Medien zu unterstützen«. Die Polizei kommt in die Schulklassen und gestaltet drei Lektionen, die in Bezug auf die Schülerinnen und Schüler folgende Ziele abdeckt, wie man der Homepage der Polizei Basel-Stadt entnehmen kann:

  • Aufklärung und Sensibilisierung über Risiken neuer Medien
  • Erwerb von Medienkompetenz, d.h. Kinder sind in der Lage zu erkennen, was Realität und Fiktion ist und bei Gewaltszenen und sexueller Gewalt distanziert zu reagieren
  • Opfer- und Täterprävention (Rechts- und Unrechtsbewusstsein)
  • Förderung positiver Verhaltensentwicklung (kommunikative und soziale Kompetenzen)

Was ist davon zu halten?

Zunächst ein positiver Aspekt: Es ist lobenswert, dass Medienkompetenz einen festen Platz im Unterricht hat und systematisch durchgeführt wird.

Darüber hinaus ist aber daran zu zweifeln, ob die Polizei diese Aufgabe ausführen sollte. Der Aufgabenbereich der Polizei kann nicht Prävention sämtlicher Risiken beinhalten, weil sie sonst auch Buchhaltung, Sport, Kunst und andere Fächer unterrichten sollte. Darüber hinaus erweckt die Präsenz der Polizei in einem Schulhaus den Eindruck, es mit etwas besonders Gefährlichen zu tun zu haben: Und danach sieht die Themenauswahl auch aus.

Das Handy wird benutzt, so die Homepage der Polizei, für »Happy Slapping, Gewalt, Pornographie«. Was man auch immer für die Realität der Jugendlichen halten mach: Tatsächlich werden Handys für Kommunikation gebraucht, für konstruktive Arbeiten.

Dadurch wird ein völlig falscher Akzent gesetzt und eine Begeisterung für Medien innerhalb einer ausgewogenen Diskussion über Chancen und Risiken verhindert.

Medienpädagogik ist – ganz knapp gesagt – Aufgabe von Pädagoginnen und Pädagogen, nicht der Polizei.

(Ich danke Patrik Tschudin für den Hinweis auf dieses Thema.)

Was Facebook der Polizei mitteilen kann

Im Fall von Philip Markoff, einem in den USA für Mord verurteilten Medizinstudenten, der sich im Gefängnis umgebracht hat, wurde diese Woche ein Dokument publiziert, das erkennen lässt, was Facebook der Polizei auf Anfrage alles mitteilt.

Zusammengefasst handelt es sich um Folgendes:

  1. Alles selbst Verfasste:
    Statusmeldungen, Kommentare, hochgeladene Bilder, Notizen etc.
  2. Alles Verfasste und Gelöschte:
    Bei 1. spielt es keine Rolle, ob es gelöscht worden ist oder nicht.
  3. Alles, worin man markiert worden ist:
    Photos, in denen man vermerkt worden ist, aber wohl auch Statusmeldungen (diese Funktion hatte FB noch nicht, als Markoff verurteilt worden ist).
  4. Sämtliche Logins:
    Alle verfügbaren Informationen über die Besuche auf der Facebook-Seite (Zeiten, besuchte Seiten, IP-Adressen etc.)

Heute kann FB wahrscheinlich deutlich mehr Informationen weitergeben, weil der Funktionsumfang gegenüber 2009 zugenommen hat.

Hier das komplette Dokument: