Drei Funktionen der Digitalisierung der Schule

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Digitalisierung stellt Schule vor drei grundsätzliche Fragen, Probleme oder Herausforderungen:

  1. Wie kann Unterricht Anschluss finden an digitale Jugendkommunikation? Was bedeutet es für Didaktik und Unterrichtsinhalte, wenn Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit und ihrem sozialen Umfeld sich im Netz bewegen – wenn ihre Smartphones ihre Kulturzugangsgeräte sind? Was für Hilfestellungen sollen Schulen bereit stellen? Wie kann es gelingen, einen schulischen Kulturzugang neben einem digitalen attraktiv und sinnhaltig zu gestalten?
  2. Wie gelingt es, digitale Medien in Unterrichtssettings zu integrieren? Was hat das für technische und didaktische Konsequenzen?
  3. Welche Kompetenzen müssen in der Schule vermittelt werden, damit gebildete Menschen sich damit in der digitalisierten Gesellschaft mündig bewegen können? Was ist eine Basis von Fähigkeiten, auf der berufliche und private Lernprozesse beruhen, so dass sie alle in der obligatorischen Schulzeit erwerben können?

Die Diskussion, so mein momentaner Eindruck, sollte ich von 1./2. stärker in Richtung 3. verlagern. Wenn klar ist, welche Kompetenzen relevant sind (und damit ist nicht notwendigerweise eine »digitale Kompetenz« gemeint), dann wird auch deutlicher, wie eine Anschlussfähigkeit an Jugendkultur und -kommunikation gewährleistet werden kann und welche technischen und didaktischen Voraussetzungen Bildung in diesem Kontext erfüllen muss.

Konkreter: Wenn es sich herausstellen sollte, dass die Organisation von selbstorientiertem Lernen in kollaborativen Projekten eine entscheidende Fähigkeit für die Vorbereitung auf eine Mitgestaltung einer Gesellschaft im digitalen Zeitalter sein sollte (davon bin ich persönlich überzeugt), dann wird möglicherweise deutlich, dass Klassenzimmer und eine »Beschulung« dafür nicht die ideale Umgebung darstellen.

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Takeshi Murakami: Tan Tan Bo (2004)

 

The Author

philippe-wampfler.ch

7 Comments

  1. Mir geht es grad umgekehrt: 1. und 2. interessieren mich nicht respektive ich lehne mich allenfalls gegen sie auf. 3 hingegen ist insofern wichtig, als sich die Schule so bald als möglich als einen unter mehreren Lernorten zu verstehen beginnt. Und dass sie Lernenden endlich auch die digitalen Möglichkeiten gibt, auch ausserhalb ihrer Mauern lernen zu können.

  2. Mich interessiert 3 am wenigsten, denn in der Informatikdidaktik wird das schon lange diskutiert, wenn auch noch nicht sehr umgesetzt. Allerdings teile ich deine Überzeugung hinsichtlich selbstorientiertem Lernen in kollaborativen Projekten ja auch nicht.

    Mich interessiert da eher 1, und zwar der Schluss: „Wie kann es gelingen, einen schulischen Kulturzugang neben einem digitalen attraktiv und sinnhaltig zu gestalten?“ (Das scheint mir etwas konkreter als das „Anschluss finden“, das irgendwie nach „müssen wir uns dranhängen“ klingt und damit bereits eine Antwort vorwegnimmt. Wird denn dieses 1 gerade so ausführlich diskutiert? In meiner Bubble leider nicht.

    • Ich würde sagen, 1. und 2. sind bei Fortbildungen die am stärksten bearbeiteten Punkte. Kann gut sein, dass die Informatikdidaktik 3. intensiv bearbeitet – in der Sprachdidaktik ist das jedenfalls sehr eingeschränkt der Fall, auch in der Lehrplanarbeit beobachte ich das kaum.

      • Kurt Wiedemeier says

        Lieber Philipp
        Meine langjährige Erfahrung mit Fortbildungen mit Lehrpersonen hat mich eines gelehrt: was du einmal thematisiert, hat keine nachhaltige Wirkung.
        Spätestens bei einer Wiederholung kommen aber die ersten Rückmeldungen, es sei langweilig gewesen und das haben wir doch schon mal gemacht…..
        Die Bereitschaft auf etwas Neues einzusteigen ist, um es vorsichtig auszudrücken, in Lehrerkreisen nicht besonders gross oder geprägt von Neugierde.

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