Wie Lehrkräfte digital fit werden

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Die Angst, die Schülerinnen und Schüler würden Schwächen im Umgang mit digitalen Hilfsmittel sofort erkennen und man verliere so als Lehrerin oder Lehrer ihren Respekt, ist so verbreitet wie unbegründet: Wenn Klassen erkennen, dass sie von neugierig Lernenden unterrichtet werden, verzeihen sie vieles. Gleichwohl ist das Bedürfnis nach Rezepten, wie denn die digitale Kompetenz von Lehrkräften ausgebildet werden kann, verbreitet. Medienkompetenz entsteht nicht aus dem Abschreiten von Anweisungen, sondern aus dem aktiven Medienhandeln, seiner Reflexion und dem Erwerb von Wissen dazu. Wer dazu bereit ist, findet in der unten stehenden Liste Anregungen, wie neue Erfahrungen im digitalen Kontext möglich werden.

  1. Lurken
    Die Aufforderung »lurk moar« bedeute in bestimmten Netzszenen der 2000er-Jahre, anderen zuzuschauen um zu verstehen, wie Medienhandlungen funktionieren. Insbesondere in Bezug bei Memes ist das unerlässlich: Ihre Regeln erschließen sich erst, wenn man sie im Kontext ihrer Verwendung miterlebt hat. Als Hillary Clinton auf Twitter Donald Trump aufforderte, sein Profil zu löschen, war für viele Erwachsene nicht klar, dass sie ein etabliertes Meme einsetzte, das eine stark humoristische Konnotation und eine Geschichte hatte. Wer hier gelurkt, also die Wendung auf Google gesucht hätte, wüsste wie sie zu verstehen ist.
  2. Den Hype mitgehen.
    Die radikalere Version von 1.: Wenn das nächste PokemonGo oder Snapchat auftaucht, also eine mediale Praxis, die viele Jugendliche fasziniert, während Erwachsene nicht verstehen warum – einfach mitmachen und ausprobieren. Selbstverständlich sind Urteile erlaubt: Aber sie wirken glaubwürdiger, wenn sie von jemandem kommen, die oder der zumindest versucht hat, die Perspektive Jugendlicher einzunehmen.
  3. Wissens- und Zusammenarbeit digitalisieren.
    Lehrkräfte betreiben viel Wissensarbeit: Sie nehmen neue Informationen auf, speichern, verarbeiten und reduzieren sie – oft in Zusammenarbeit mit Kolleginnen, Kollegen oder Lernenden. Diese Arbeitsschritte können konsequent digitalisiert werden, etwa mit Tools wie Evernote oder OneNote. Wer sich angewöhnt, das in einem professionellen Kontext ständig zu machen, arbeitet effizient und kann neue Entwicklungen einfacher nachvollziehen.
  4. Berufliche Erfolge und Probleme im Netz dokumentieren.
    Lehrerblogs sind ein hervorragender Weg, um sich mit anderen Fachkräften auszutauschen. Wer bloggt, denkt öffentlich und lässt sich auf ein Gespräch ein. Oft tauchen Lösungen für Probleme auf, andere nehmen Anteil am eigenen Erfolg, Eltern und Lernende bekommen mit, wie sich eine Lehrkraft fühlt. Blogs sind keine unstatthafte Entblößung, sondern ein professionelles Kommunikationsmittel, das an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.
  5. Sich in der Lehrercommunity vernetzen.
    Was bei 4. meist automatisch passiert, lässt sich auch mit Twitterprofilen oder Facebook-Gruppen herstellen: Der Austausch mit anderen Lehrkräften, die ähnliche Fragestellungen bearbeiten. Ein guter Einstieg ist der #edchatde: Ein Austausch über Bildungsthemen unter deutsch sprechenden Fachpersonen. Er findet immer am Dienstagabend um 20 Uhr auf Twitter statt, alle Interessierten können unter dem Hashtag daran teilnehmen oder einfach nur mitlesen.
  6. Sich mit Lernenden vernetzen.
    Chat-Gruppen oder andere Foren erleichtern die Absprache mit Schülerinnen und Schülern und machen deutlich, dass sich Lehrkräfte für ihre Anliegen interessieren und einsetzen. Starten kann man ohne Regeln: Verstoßen Kinder oder Jugendliche gegen eigene Vorstellungen, ist das ein guter Ausgangspunkt, um Regeln gemeinsam zu entwickeln. Das schafft Vertrauen und damit eine lernförderliche Kommunikationskultur.
  7. Mit Lernenden Neue Medien gestalten.
    Die Durchführung von Medienprojekten im Unterricht ist enorm lehrreich, weil sie Perspektive der Jugendlichen erkennbar macht. Kleine Projekte wie ein Youtube-Film oder ein unterrichtsbegleitender Blog (vgl. für weitere Ideen Wampfler 2013) machen Mut für größere – weil erkennbar wird, wie selbstständig, verantwortungsvoll und lustvoll die meisten Lernenden mit diesen Möglichkeiten umgehen.
  8. Lernen durch Lehren: Die Weiterbildung der Zukunft.
    Wer als Lehrkraft Erfahrungen mit Neuen Medien hat, soll anderen davon erzählen. Die wirksamste Weiterbildung findet im Kollegium statt, weil die Fachpersonen auch bei der Umsetzung präsent sind. Wer andere anleitet, versteht eigene Praktiken besser, reflektiert sie und sieht neue Möglichkeiten.

Bildschirmfoto 2016-08-12 um 13.53.43

The Author

philippe-wampfler.ch

5 Comments

  1. Als Antwort auf “https://schulesocialmedia.com/2016/08/12/wie-lehrkraefte-digital-fit-werden/”

    Mitmachen, ausprobieren, kommunizieren. Alles gut und richtig. Nur denke ich, dass die berufliche Praxis vieler Lehrender so ähnlich aussieht wie meine – das heißt, das neben Unterrichten, Konferenzen, Elternkommunikation, verpflichtenden Fortbildungen (die nur teils nützlich sind) und verschiedenen Absprachen treffen dann auch Kommunikationspausen angesagt sind, der Job beiseite gelegt wird und Privates seinen Platz sucht, so dass dauerhafte Vernetzung gar nicht gewünscht ist, sondern eher zielgerichtete Vernetzungshäppchen. Mit den Schüler_innen über den Unterricht hinaus zu kommunizieren (z.B. Nachfragen zu Hausaufgaben oder Prüfungsvorbereitung) halte ich in guter Dosierung für sinnvoll, aber mache dabei immer auch deutlich, dass ich nicht jederzeit und überall erreichbar bin.

    Ich schaffe es trotz Teilzeitstelle gerade nicht, mich regelmäßig am educhat zu beteiligen obwohl ich damit gute Erfahrungen gesammelt habe als ich noch kein Klassenlehrer war und mehr Zeit hatte. Materialien zu digitalisieren und Blogbeiträge schreiben sind auch Dinge, die bei mir an zweiter Stelle stehen nach solider Unterrichtsvorbereitung, der Planung von Prüfungen und Klausuren und nach dem mich informieren was in den Parallelkursen gerade läuft, was für Projekte anstehen usw. Vor Informationsflut ist oft das, wass sich schnell auf den Kopierer werfen lässt, was Schulbuchverlage als Arbeitsmaterialien mit Musterlösung vorstrukturiert haben oder ein gutes Schulbuch eher die Wahl zur Unterrichtsgestaltung, als die Ideen, die gut klingen, aber nochmal überarbeitet/angepasst werden müssten. Sicherlich spielt da auch mit rein, dass ich gerade neu an meiner Schule bin und Abläufe nach und nach klarer werden und Routine längerfristig entlasten.

    Unterrichtsblogs habe ich schon einmal genutzt, aber das brauchen auch Zeit mit der Lerngruppe, die das Curriculum und die Schulrealität nur bedingt zulässt. In Mathe z.B. kann ich zeitlich wenig mit meinen Stunden „experimentieren“ durch eine Fülle an Stoff und Vorgaben. Aber das werde ich sicher nochmal wieder angehen, vielleicht im nächsten Schuljahr, wenn ich einen Jahrgang inhaltlich komplett einmal begleitet habe und besser einschätzen kann, wieviel Zeiträume sich wo ergeben.

    Zur Zeit wird bei uns in Hamburg „Kollegiale Unterrichtsreflexion“ diskutiert und eingeführt, das klingt vielversprechend auch in Hinblick auf digitale Medien. Gemeinsam Praxis reflektieren ist erst einmal auch Aufwand, aber erweitert das eigene Repertoire und erleichtert die immer notwendige Weiterentwicklung der eigenen Praxis.

  2. Den ersten Zeilen dieses Artikels fügen wir als Anbieter einer MINT Lernplattform nix mehr hinzu, denn wir wollen Lehrer/-innen in ihrer Rolle als „Lernberater“ stärken. Auch wissen wir von dem Wunsch der Schüler/-innen nach der Vermittlung der sozialen Kompetenz durch die Lehrer/-innen trotz Tablets & Co.

    Beste Grüße

  3. Pingback: Wie Lehrkräfte digital fit werden | quisquilia

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