Das Internet als Neuland

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Chancen / Philosophie / Psychologie / Recht

Das Internet ist für uns alle Neuland.

Diesen Satz hat Angela Merkel gestern auf der Pressekonferenz mit Barack Obama gesagt. Die Reaktionen lassen sich in zwei Lager einordnen: Viele netzaffine Menschen (»digital natives«) leben in diesem Neuland und finden, es sei alles andere als Neuland. Merkel wird passend zur kolonialen Metaphorik als eine Bedrohung wahrgenommen, die das Neuland besiedeln und unterwerfen wolle, ihm die Regeln und Lebensweise des alten Landes aufzwingen wolle, während es doch schon neue Regeln und neue Lebensweisen gibt, die Merkel aufgrund ihrer Arroganz einfach nicht kenne.

Auf der anderen Seite wird gerade diese Haltung als überheblich angesehen, weil sie annimmt, es gäbe einige Erleuchtete, die niemanden in ihr Land lassen wollen, die sich nicht an die herrschenden Bräuche anpassen und sie als die ihren akzeptieren. Die Netzgemeinde schotte sich von der Aussenwelt aus und sei an einer echten Auseinandersetzung nicht interessiert.

Ich persönlich finde, Angela Merkel hat schlicht Recht: Das Internet ist Neuland. Die digitalen Kompetenzen sind allenfalls bei einem Bruchteil der Bevölkerung angelangt und gerade die spöttische, optimistische Haltung der Netzgemeinde ist ein wesentlicher Grund dafür, dass andere den Zugang nicht finden und kein genaues Verständnis der digitalen Vorgänge erlangen, wie ich hier dargelegt habe.

Wenn Rene befürchtet, das Kernproblem sei ein juristisches, dass nämlich Merkel und ihre politischen Verbündeten das Internet stärker regulieren wollten, obwohl es schon heute zahllose, unsinnige Gesetze geben, welche die Funktionsweise der digitalen Sphäre beschränkten, dann weist er auf einen wichtigen Punkt hin. Allerdings ist das Internet tatsächlich juristisches Neuland – es wird heute mit den Gesetzen reglementiert, die für ganz andere Kontexte geschaffen wurden. Das Urheberrecht kann die Möglichkeit verlustfreier und immaterieller Kopien nicht adäquat beschreiben, in anderen Rechtsbereichen lässt sich nicht abschätzen, welche Informationen im Netz öffentlich und welche privat sind, weil es eine Reihe von Mischformen gibt (z.B öffentlich einsehbare Tweets, von denen ihre Urheberinnen und Urheber aber zurecht annehmen, dass sie nur an einen beschränkten Personenkreis gerichtet seien).

Wir verstehen vieles von dem, was das Internet wirklich verändert hat und verändern wird, zu wenig. Zu tun, als hätten wir alles im Griff, schadet mehr, als es hilft. Und diese Einsicht führt nicht zu einem generellen Pessimismus oder zur Konzentration auf Gefahren, sondern schafft klare Sicht.

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philippe-wampfler.ch

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  1. Pingback: Zwei Nachträge zu #Neuland: #Prism und und die lange Geschichte der Internets | Schule und Social Media

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