Zwei Nachträge zu #Neuland: #Prism und und die lange Geschichte der Internets

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Politik

Zu meinen Gedanken über Neuland-Zitat von Angela Merkel möchte ich zwei Bemerkungen anhängen, die in der Diskussion aufgetaucht sind – sowie auf diesen lesenswerten Kommentar von Peter Glaser hinweisen.

(1) Prism als Kontext

Meine wohlwollende Einschätzung von Angela Merkels Aussage ist stark davon abhängig, dass ich sie in einen bestimmten Kontext gestellt habe. Dabei habe ich den direkten Kontext ausgeblendet. Merkel sagte nämlich:

Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.

Merkel ObamaDabei stand sie neben Barack Obama, dessen Regierung in den letzen Wochen wegen der umfassenden Internetüberwachung mit dem Namen Prism stark kritisiert worden ist.

Nun kann man natürlich gegen Merkels Aussage einwenden, die vorrangige Darstellung des Internets als ein Mittel für bedrohliche Kräfte, den sozialen Frieden zu gefährden, resultiere aus einer verkürzten Sicht und werde den vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet für die Kommunikation bereit hält, nicht gerecht. Es sei vielmehr zynisch, das Bedrohungspotential in den Vordergrund zu rücken, wenn das aktuelle Problem die konstante und nicht zu rechtfertigende Überwachung aller Nutzerinnen und Nutzern des Internets sei.

Aber gerade bei der Behandlung der Frage, wie mit Bedrohungen im Internet umgegangen werden solle und wie viel Überwachung in welcher Form zu rechtfertigen sei, ist die Neuland-Metapher wiederum sehr präzise, finde ich. Überwachung gab es auch mit herkömmlichen Medien: Regierungen haben Briefe  gelesen, Telefone abgehört, Metadaten erhoben (wer hat wen wo getroffen). Aber es gab so etwas wie einen Konsens darüber, wie weit Überwachung gehen darf. Regierungen haben aber gegen den Konsens immer wieder verstossen.

Bei Prism ist dieser Konsens nicht erkennbar. Je nach Bedrohungsszenario sind viele Menschen starke Befürworterinnen und Befürworter extensiver Überwachung (z.B. bei Kinderpornografie und Pädophilie). Andere lehnen jede Form von Überwachung ab. Ein Konsens, wie stark eine demokratische Gesellschaft ihre Mitglieder überwachen darf, fehlt noch. Wir befinden uns auf Neuland.

(2) Die Geschichte des Internets

Auf Google + schreibt ein Kommentator:

1985, also vor 28 Jahren holte ich für meinen damaligen Vorgesetzten Mails ab von einer UNIX-Workstation mit Grün-Monitor (Heute weiß vielleicht kaum einer, was ein Grün-Monitor überhaupt ist). Durch diese Workstation waren wir per INTERNET mit verschiedenen Forschungseinrichtungen auf dieser Welt verbunden. Einen Direktzugriff an jedem Computer im Haus gab es nicht. Das Abholen geschah durch Eingabe entsprechender Terminalbefehle am PROMPT. Die Nachrichten wurden in eine Textdatei umgeleitet, welche ich auf einer Diskette speicherte und anschließend an die Betreffenden intern weiterleitete.
DAS IST KEIN NEULAND MEHR!
Ebenso wenig wie Aidsforschung, digitale Datenträger, LED-Lampen oder andere Dinge, die in den 80ern aufkamen und seither weiterentwickelt wurden.
DAS IST DIE IGNORANZ DER MACHT.

Das Zitat verweist auf die lange Geschichte des Internets: Über 25 Jahre nutzen es Menschen. Dabei hat sich aber die Funktion ständig verändert – von einem Netzwerk für Forschende wurde es zu einem akademischen Tool; bis es so breit eingesetzt wurde, dass zur umfassenden Handelsplattform wurde, um mit der Web 2.0-Wende wieder zur Kommunikation zurückzukehren.

Wer das Internet 1985 verstanden hatte, verstand es 1995 nicht mehr unbedingt. Und 2005 war etwas komplett anderes daraus geworden. Verglichen mit anderen Kulturtechniken, die gesellschaftliche Relevanz erhalten hatten, verändert sich das Internet so schnell, dass eine Gewöhnung kaum möglich scheint. Eine kleine Elite versteht die Möglichkeiten des Internets zu jedem Zeitpunkt, aber »für uns alle« wird es noch eine Weile Neuland bleiben.

The Author

philippe-wampfler.ch

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