#nurdeinebrand – Content verbreiten, nicht als eigenen ausgeben

Was für ein tolles Video – in Zeiten, in denen Menschen wegen einer Pandemie keine Vergnügungsparks besuchen dürfen, werden harmlose Teddybären auf einer Achterbahn zum Leben erweckt. Das ist viraler Content.

Gemacht hat ihn der Park selber, »Walibi Holland«. Hier das Youtube-Video:

Der Gadget-Youtuber Rob Vegas nutzt das Video (das er von einem anderen Twitter-Account, @buitengebieden_, übernommen hat), um einen eigenen viralen Tweet ins Netz zu stellen. Das gibt ihm Sichtbarkeit, Reichweite, prägt seine Brand positiv: Rob Vegas ist der Account, der uns die knuffigen Bären auf der Achterbahn gezeigt hat.

Warum ist das ein Problem?

  1. Es wird so sehr schwierig, herauszufinden, woher das Video überhaupt stammt, was es zeigt. Quellenkritik wird erschwert – kann gut sein, das nicht mal Rob Vegas weiß, woher das Video stammt.
  2. Allgemeiner gesprochen erhöht Vegas die Informationsentropie (ein Konzept von Luciano Floridi). Das heißt, die Unordnung in der Infosphäre wird erhöht, was allen erschwert, Informationen einzuordnen.
  3. Rob Vegas zieht einen Teil der Aufmerksamkeit, die das Video im Netz bekommt, auf seine Brand. Wenn der Content toll ist und gesehen werden soll, wäre es möglich, einfach das Original zu verbreiten – der Park in den Niederlanden hat auch einen eigenen Twitteraccount, wo die Bären auch zu finden sind.

Ganz allgemein gesprochen entsteht ein Problem, das mit Desinformation und Fake News ganz allgemein zusammenhängt: Jemand sieht etwas im Netz und weiß nicht genau, was es ist. Statt das aufzuklären, verbreite das Profil es mit der eigenen Brand (dem eigenen Namen, dem eigenen Stil etc.). Das hilft allen, die es Menschen erschweren wollen, sich zu informieren – auch wenn es nur um harmlose Unterhaltung geht. (Diesen Gedankengang habe ich in meinem Nonsens-Buch genauer umrissen.)

Das passiert in einem weiteren Sinne auch dann, wenn jemand eine Idee von jemand anderem nimmt und sie auf der eigenen Plattform noch einmal in einem Text oder Visualisierungen umreißt, ohne sie so umfassend wie möglich zu zitieren.

Was lässt sich dagegen tun:

    1. Gute Inhalte teilen, nicht auf das eigene Konto kopieren. Immer. Auch wenn einem noch ein toller Spruch dazu einfällt, dem Reflex widerstehen, Fremdes als eigenes auszugeben.
    2. Wenn Menschen nur ihre eigene Brand über fremden Content legen, würde ich den Hashtag #nurdeinebrand einsetzen. Damit wird das sichtbar und weniger attraktiv.
    3. Nachsehen, woher etwas kommt und das Original verbreiten. Autorinnen und Autoren Credit geben.
    4. Bei unsicherer Quellenlage das so angeben. Kürzlich habe ich eine Grafik gefunden, bei der ich nicht wusste, woher sie genau stammt. Das habe ich so vermerkt und innert Minuten Hilfe erhalten, mit der ich die Originalquelle rekonstruieren konnte:

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