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Digitalisierung und die Hausaufgabenfalle

Hausaufgaben machen aus Hobbes ein Stofftier.

Die Diskussion über Hausaufgaben wird seit Jahren geführt. Es ist – wie so oft, wenn es um Schule geht – eine Diskussion zwischen empirischer Bildungsforschung und Bauchgefühl: Hausaufgaben wirken nicht so, wie sich das Menschen vorstellen. Sie schaffen Ungleichheit und nützen da, wo Schülerinnen und Schüler zuhause ein lernförderliches Klima vorfinden. Ist das nicht der Fall, helfen sie nicht nur nichts, sondern schaden Lerneffekten: Sie beschädigen das Selbstvertrauen der Lernenden und führen zu Streit in Familien. (Als Einstieg in die Diskussion hilft dieses Streitgespräch, ein SPON-Artikel fasst wichtige Argumente zusammen.)

Zentral ist auch die Frage des Feedbacks auf Hausaufgaben: Dieses Feedback muss den Regeln der Kunst folgen, damit es nützt. Einfache, schnelle Korrekturen bringen nichts. Kurz: Hausaufgaben können dann funktionieren, wenn sie individuell abgestimmten Aufgaben beinhalten, die in einem lernförderlichen Klima bearbeitet werden und mit ausführlichem Feedback versehen werden. Sonst schaden sie mehr als sie nützen.

Eine einfache Regel wäre, dass Lernende Schularbeiten in der Schule erledigen und dann Freizeit haben. Die Digitalisierung scheint hier aber falsche Akzente zu setzen. Die Vorstellung, mit digitalen Geräten könnte immer und überall gelernt werden, muss wieder an die drei Bedingungen für gute Hausaufgaben zurückgebunden werden. Oder anders: Nur weil Lernende dank Digitalisierung auch zuhause arbeiten könnten, bedeutet das nicht, dass sie das auch sollten.

Die Gefahr ist hier, dass Digitalisierung schlechte Didaktik verfestigt und Hausaufgaben an Bedeutung gewinnen, statt reduziert oder abgeschafft zu werden.

Abschließend ein Zitat von mir aus einem Beitrag über ein Schweizer »Pilotprojekt« mit Tabletklassen:

Wampfler sieht auch «Lernen unterwegs» skeptisch. Die Idee widerspreche der aufkommenden Kritik an den Hausaufgaben: «Studien zeigen, dass Schülerinnen und Schüler mit einem guten Umfeld von Hausaufgaben profitieren. Die anderen haben dafür einen grossen Schaden. Es ist nicht demokratisch, Hausaufgaben zu erteilen.»

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