Grafik: Zeitgemäßes Lernen

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Kürzlich habe ich für ein Referat auf einer Folie zu Beginn die »7 Säulen des Digitalen Lernens« eingeblendet. Die Darstellung stammt aus dem neuen Buch von Angelica Laurencon und Anja C. Wagner und ist hier kommentiert.

Die Idee der Liste hat mich überzeugt: Es ging darum, zu zeigen, wie Lernprozesse unter den Bedingungen der Digitalisierung ablaufen. Daran kann man schulisches Lernen messen – warum z.B. werden Zeiten und Räume so stark reglementiert, wenn das doch gar nicht mehr nötig wäre?

7saeulen

Gleichwohl fand ich einige Formulierungen ungünstig: Angefangen beim Titel, wo das Adjektiv »digital« eine Abkürzung für den gesellschaftliche, medialen und wirtschaftlichen Kontext darstellt, bis zur Aussage, »Technologie« würde »Inhalte« liefern – mein Publikum stolpert über sowas, fragt nach, übt Kritik.

Deshalb habe ich die Inspiration aufgenommen und eine neue Version erstellt. Die aktuelle findet sich hier (kann unter CC BY 4.0 verwendet werden). (Unten ein paar Kommentare.)

Bildschirmfoto 2017-11-09 um 08.44.54

  • Als Titel habe ich den Vorschlag von Dejan Mihajlovic aufgegriffen, von spreche von »zeitgemäßem« Lernen. Bei Dejan heißt es dazu:

    Zeitgemäße Bildung unterscheidet beim Lernen nicht zwischen einzelnen Fächern, Klassen, Schularten oder formaler und non-formaler Bildung. Das Web nimmt dabei eine bedeutende Funktion ein. Die Rolle des Lehrenden und Lernenden ist flexibel und kann wechseln. Zeitgemäße Bildung braucht Räume für Lernprozesse mit Trial and Error. Räume, um neue Konzepte zu entwickeln oder Projekte durchzuführen. Nur neue Prüfungsformate und Bewertungsansätze werden diese Räume ermöglichen. Zeitgemäße Bildung leitet eine Epoche der zweiten Aufklärung ein und strebt eine Mündigkeit an, die unsere Gesellschaft aus der Beobachterstellung befreit und zur Mitgestaltung des digitalen Wandels befähigt.

    Hier zeigt sich schon: Meine Liste lässt vieles weg. Fehlerkultur, Prüfungsformate, flexible Rollen, informelles Lernen: All das fehlt oder wird nur angesprochen. Die Liste ist eine Anregung, sich Gedanken zu machen, keine differenzierte Position zum zeitgemäßen Lernen (diese findet sich bei Dejan).

  • Die Icons sind aus einem Set, das mir gefällt. Sie lockern die Liste auf und nehmen meine Präsentationsstrategie auf, mit Bildern zu Zuhörerinnen und Zuhörern kleine Aufgaben zu stellen. Aber sie passen nicht alle gleich gut. Hier zeigt sich: Ich bin ein Amateur in diesem Bereich. Meine Mittel sind beschränkt. Wer die Idee aufgreifen und verbessern will: Es würde mich freuen.
  • Ich habe meine Grafik zuerst in einem eher kleinen Lernnetzwerk geteilt und sehr gemischte Reaktionen erhalten – mein Eindruck war: Das war eine blöde Idee, diese drei Stunden hätte ich besser einsetzen können. Ein paar Tage später habe ich Folien gestaltet und gemerkt, dass ich diese Darstellung doch ganz gerne benutzen würde. Also habe ich sie noch einmal leicht überarbeitet und sie gestern auf Twitter geteilt – mit der Bitte um Kritik. Daraus sind viele Anregungen entstanden. Ich habe zwei Punkte ergänzt, Icons ausgetauscht und einige Formulierungen angepasst. Auch den Titel habe ich angepasst. Fazit:

(Mittlerweile habe ich schon wieder weitere leichte Veränderungen vorgenommen, die ich hier nicht alle dokumentieren werde. Eine Versionsgeschichte kann hilfreich sein:

Mir ist bewusst, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Wichtiges fehlt. Gewisse Begriffe sind unterschiedlich besetzt (besonders das Lernen in Projekten, was offenbar auf mehr Widerstand stößt, als ich erwartet hätte). Die Formulierungen sind viel zu knapp. Aber ich hoffe, mit meiner Arbeit lässt sich weiterarbeiten.

The Author

philippe-wampfler.ch

7 Comments

  1. Pingback: Graphik: Zeitgemässes Lernen | Relatris' Curation Site

  2. [Kommentar von Lisa Rosa, erosa@gmx.net]

    Es ist sicher sehr interessant, warum das Projektlernen soviel Widerstand hervorruft. Ich frage das mich – und selbstverständlich Lehrer und Schüler seit 20 Jahren als Projektlehrer und Lehrerfortbildner spezialisiert auf Projektlernen.
    Dabei habe ich folgende Aspekte, die ein ganzes Bündel von Gründen ergeben, herausgefunden – und alle tragen interdepent dazu bei.
    – Es wird viel „Projektarbeit“ gemacht, die frustrierende Ergebnisse bzw. Prozesse auf Schülerseite hervorruft. Die Schüler sind frustriert, weil sie „alles selber machen müssen“ und dann am Ende wird gesagt, was sie gemacht hätten, reichte nicht aus. Oder: Die Projekt-Teams werden vom Lehrer zusammengestellt und die „Guten“ machen die ganze Arbeit, die „Schlechten“ hängen sich am Ergebnis bzw. der Präsentation einfach dran.
    Oder: Das Projekt wird nach der abgelaufenen Planzeit mehr abgebrochen, denn professionell beendet – manchmal ganz ohne fertiggestellte Ergebnisse, geschweige denn einer Präsentation oder gar Reflexion.
    Das liegt oft daran, dass Lehrer meinen, Projektarbeit ginge mal so eben irgendwie. Aber sie hat Voraussetzungen. Mindestens soviele wie die traditionelle Didaktik auch. Man muss wissen, was man wann wie als Lehrer tun muss, damit alle – inklusive dem Lehrer – befriedigende Ergebnisse am Ende haben, die sie gerne präsentieren, und mit denen anschließend sogar neue Weiterführungen stattfinden können.

    Das ist die eine Seite der Probleme. Die lässt sich durch Lehrerbildung und Fortbildung bearbeiten: Die Lehrer lernen die Projektmethodologie am eigenen Lernen, wenden sie an in ihrem Unterricht und trainieren sie, am besten mit ständigem Erfahrungsaustausch in einer professionellen Lerngemeinschaft.
    Aber es gibt eine andere, die systemische Seite der Voraussetzungen für gute Projektarbeit:
    Die Schule ist nicht auf diese Art von Didaktik ausgerichtet. Sie ist in allen ihren Strukturen auf Belehrungsunterricht getrimmt: Vom Curriculum über den Stunden- und Fächerplan, über die Bewertungslogiken, über die baulichen Voraussetzungen und die Art und Weise der Arbeitszeitberechnung … bis hin zu den Traditionen der hierarchischen Kommunikation und dem Trickle down-Denken und nicht zuletzt: Der eingefahrenen, nicht hinterfragten ahistorischen Vorstellung davon, „WIE Lernen geht“, „WAS gelernt werden muss“, und was hinterher zu sehen sein muss, damit gelernt worden ist.

    Dem Allem widerspricht die professionelle Projektlernmethodologie.
    Die größte, die allergrößte Hürde für fast alle Akteure des Schulsystems aber ist die zu jeder guten Projektarbeit gehörende „inhaltliche“ Ergebnisoffenheit. Man kann sich in diesem System einfach nicht vorstellen, dass, wenn Schüler tatsächlich lernen dürften, was sie wollten, herauskommen könnte, dass sie gleichzeitig auch das lernen, was die Gesellschaft braucht.

  3. Pingback: UNTERRICHT: Eine Unterrichtsstunde planen | Bob Blume

  4. Zum Glück bin ich nicht ganz allein mit der Überzeugung, dass die Technologie die Inhalte liefert. Technologie bedeutet der Computer und seine Dienste, das Internet und seine Dienste und das Handwerk dessen, der diese Dienste nutzt. Ohne diese Technologie würden wir solche Diskussionen gar nie führen. Ich empfehle zudem, die wesentlich leichter verständlichen, sich an der Praxis orientierenden 7 Säulen im Lehrerzimmer aufzuhängen. Aber keine Bange, auch in diesem Fall wird nichts weiter geschehen.

    • Lisa Rosa says

      Wenn die Technologie selbst nicht the one and only ist, dann heißt das noch lange nicht, sie hat keine Bedeutung. Soviel zum a) Reduktionismus und b) Dualismus.
      Der Witz ist ja, dass im digitalen Zeitalter das zeitgemäße (oder avancierte) Lernen tendenziell und dominant grundsätzlich so funktioniert – übrigens auch dann, wenn grade keine „Technologie“ zur Hand sein sollte. Denn auch das Lernen mit der den „alten Medien“ läuft dann unter den neuen Bedingungen und nicht auf der alten Stufe.
      Ein praktisches Beispiel zur Illustration: Wenn ich gerade nur ein gedrucktes Buch und einen Stift zur Hand habe, dann schreibe ich z.B. solche Notizen ins Buch an den Rand: vertwittern! – Quelle? – in diigo aufnehmen … u.ä. Und wenn wieder am Netz und mit Gerät, dann hole ich all die Aktionen nach, die ich während des offlinernen Lernens nicht durchführen konnte.
      „Inhalte“, also Material zu meinen Lerngegenständen, werden nicht nur von der Technologie geliefert. Die ganze Lebenswirklichkeit in all ihrer physischen und physisch repräsentierten Vielfalt liefert sie. Darin ist selbstverständlich auch das, was durch die neueste Technologie repräsentiert wird, enthalten. Aber doch nicht nur! (deswegen kommt in meinen Listen explizit die neue Tech auch nicht vor, denn das würde auf sie reduzieren. Aber es kommt prominenter Stelle vor: „in ständigem Austausch“ usw. Alles, was es zwar auch unter den alten Medienbedingungen zwar auch schon gab, aber eben nicht an prominenter Stelle.

  5. Ja klar lässt sich damit trefflich weiter arbeiten! Gerne wiederhole ich meinen etwas neckigen Vorschlag, diese Zusammenstellung unter dem neuen Titel ans Brett im Lehrer*innen-Stützpunkt zu pinnen und zu schauen, was dann allenfalls losgeht. Es wird erst recht Bewegung kommen ins Denken, hoffe ich 😉

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