Der »Design Thinking«-Tag als Schulentwicklungsvorschlag

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Im Rahmen des Forums Zukunft Bildung habe ich in einem Workshop den folgenden Vorschlag skizziert. Er ist auf allen Schulstufen denkbar, besonders wünschen würde ich ihn mir für Gymnasien. 

Der Vorschlag orientiert sich am Modell von Google, dass Mitarbeitende 20% ihrer Zeit für kreative Projekte aufwenden sollen (ob es dieses Modell wirklich in dieser Form gegeben hat, ist umstritten – aber für den Vorschlag irrelevant). Ein Tag in der Woche soll an Schulen für Design Thinking-Projekte freigehalten werden. Was das für Projekte sein könnten, wird unten kurz umrissen.

Organisatorisch werden Klassen oder besser Jahrgänge für jeweils einen Tag pro Woche komplett vom Regelunterricht freigestellt. Dasselbe gilt für die Lehrkräfte, die sie bei den Projekten begleiten. Diese bieten Projektideen, Begleitung und Unterstützung an. Zudem organisieren sie Gefässe für Reflexion und Kritik der laufenden Projekte. Möglicherweise arbeiten Sie bei interessanten Projekten selbst mit oder arbeiten an eigenen Umsetzungen – der Tag ist aber für Lehrende und Lernende reserviert für ihre Projektarbeit, so dass auch eine selbstgewählte Zeiteinteilung und eine flexible Ortswahl ohne organisatorische Schwierigkeiten möglich sind.

Ein gutes Beispiel für Design Thinking ist das »Ramen Project« (genauere Infos): Ramen ist in vielen Ländern das günstigste Essen, das Menschen kaufen können. Es ist zudem schnell und einfach in der Zubereitung – aber meist weder besonders schmackhaft noch gesund. Das Projekt fragt nun nach Ideen, wie die »ramen experience« verbessert werden kann. Dabei müssen die Interessen aller Beteiligten erfasst werden. Daraus ergeben sich dann Vorschläge, aus denen sich eine konkrete Umsetzung, eine Testphase und eine Entwicklung eines fertigen Produkts ergibt, das letztlich auf den Markt gebracht werden könnte.

Design Thinking bezeichnet diesen Prozess, bei dem die Entwicklung eines Produkts, das für Menschen einen realen Nutzen hat, das Ziel ist. Wirtschaftliche Fragen und Kommunikation müssen dabei von Beginn weg mitbedacht werden. Gute Projektvorschläge sind dabei interdisziplinär gedacht und erfordern verschiedene fachliche Werkzeuge. Sie sind zudem ohne Kollaboration und die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven nicht umzusetzen.

Das hier vorgeschlagene Projekt kann leicht auch nur während eines Semesters eigeführt werden. Es ist ein Schritt auf dem Weg, schulische Bildung ins 21. Jahrhundert zu bringen. Für mich wäre es nicht auszuschließen, Bildungsprozesse nur durch solche Projekte zu gestalten – was allerdings 2017 den Rahmen der Schulentwicklung noch überschreitet.

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The Author

philippe-wampfler.ch

2 Comments

  1. Der Vorschlag, einen Schultag „frei“ zu gestalten, besticht. Man stelle sich vor, welche Outputs man hier erwarten könnte! Die Motivation würde bei sehr vielen SuS durch die Decke gehen. Trotz dieser anfänglichen Begeisterung diese kritischen Punkte:
    a) Finanzierung: Sicherlich ist ein derart gestalteter Unterricht teurer, da evtl. zusätzliches Equipment vonnöten wäre.
    b) Lernziele: Allenthalben reklamieren Lp aller Fächer, sie hätten zu wenig Zeit, den vorgegebenen Stoff in der knappen Zeit angemessen zu vermitteln. Dieses Problem würde durch den Entfall von sieben weiteren Wochenlektionen nochmals drastisch verschärft.
    c) Lehrplan21: Wie wären die in diesem Frei-Schultag erarbeiteten Kompetenzen in das Schema des Lp21 einzugliedern?
    d) Fitness der Lehrperson: Solchen Unterricht können nicht alle Lp einfach so umsetzen. Der ewige Ruf nach Up-Skilling…

    Aber ich will auch Lösungen/Ideen vorschlagen für die obigen Punkte:
    ad a) Könnte man die Finanzierung von zusätzlichem Material und Equipment durch Unternehmen sichern? Zugleich müssten diese aber auch „Aufträge“ in diesen Tag reingeben können wie: „Visualisiert die Herausforderungen der Zweitwohnungsinitiative für die Tourismus-Gemeinden“ oder „Testet das Scrum-Modell für Produktentwicklung für die Food-Branche“. Erträglich?
    ad b) Der Mittwochnachtmittag würde wohl als Kompensation zum Opfer fallen. Erträglich?
    ad c) Im Swisscom Lehrlingswesen wissen die Jugendlichen, welche Kompetenzen sie bis zum Ende der Lehre erarbeiten müssen. Sie müssen Projekte innerhalb des Unternehmens finden, die ihren Lernpfad dort unterstützen, wo sie noch Ausstände haben: Ein Mediamatiker muss einmal ein Projekt mit Kundenkontakt machen, einmal eines im Zus’hang mit Design, einmal was mit Multimedia-Produktionen, etc. Ähnlich müsste man den SuS für diesen freien Schultag einen Lernpfad zurechtlegen – an der Lehrperson wäre es alsdann, diesen zu monitoren und bei Bedarf zu intervenieren.
    ad d) Ich weise nochmals darauf hin, was ich am Schulleiter-Symposium am 7. September in Zug gesagt habe: Digitalisierung hat zunächst nichts mit ICT zu tun, sondern mit einer Haltungsänderung. Digitale Medien erlauben uns zu anderem Lernen und Arbeiten, wenn wir die richtige Einstellung zu diesen Möglichkeiten haben. Didaktik zu schulen, wird nicht reichen.

    • Haltungsänderung? Freiwillig? (aus der Sicht der LehrerInnen) Aufgebrummt? (von Schulbehörde und/oder Schulleitung) Haltung gegenüber dem Digitalen? Was ist dieses Digitale? (Computer, Internet, Facebook & Co) Oder doch der Touch Screen an der Migros-Kasse? Oder die Software in meinem Dieselauto?

      Ich vermute, was mit „Haltungsänderung“ gemeint ist:
      Die Offenheit gegenüber den auch mit dem Digitalen möglichen Lernformen. An entsprechenden Weiterbildungen erlebe ich LehrerInnen sogar sehr offen – und gleichzeitig hilflos gegenüber den digitalen Möglichkeiten. Dabei fehlen ihnen keineswegs das Didaktische oder Ideen zu neuen Lernformen, sondern das Grundhandwerk zum digitalen Lernen. Wichtigstes Utensil an solchen Weiterbildungen sind immer noch Block und Bleistift. Ich habe noch nie einen spezifisch für eine bestimmte Weiterbildung eingerichteten Blog angetroffen, in welchem sich die TeilnehmerInnen schon vorgängig kollaborativ betätigen konnten.

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