Hört Instagram uns ab? – ein paar Bemerkungen zu einer These

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Damian Le Nouaille hat einen Medium-Beitrag geschrieben, in dem er von einem Erlebnis berichtet, das für ihn nahelegt, Instagram würde Gespräche über das Mikrofon von Mobiltelefonen mitschneiden, auswerten und auf dieser Grundlage Werbung ausspielen.

Ob das so ist, wissen wir heute schlicht nicht. Kann sein, kann auch nicht sein.

Dazu fünf Bemerkungen:

  1. In den Geschäftsbedingungen (hier eine verständliche Version) von Instagram steht nichts, was das nahelegen oder erlauben würde.
  2. Technisch ist das möglich. Le Nouaille suggeriert, Instagram mache das sogar offline. Letztlich ist das irrelevant – die Technologie, um gesprochene Sprache auszuwerten, ist vorhanden und wird auch in verschiedenen Tools eingesetzt.
  3. Einzelne Beobachtungen belegen nicht, dass das gemacht wird. Man muss bei ihnen aufpassen, nicht dem Confirmation Bias zu erlegen: Eine Anzeige, die so wirkt, als hätte das ein Algorithmus bei einem Gespräch mitgehört, wirkt wie eine Bestätigung der These. Dabei werden aber alle anderen Werbeeinblendungen ignoriert – ein Muster wird gleichzeitig konstruiert und wahrgenommen.
  4. Ein Beleg wäre entweder eine technische Dokumentation oder eine vorzeigbare Reproduktion des Mechanismus.
  5. Würde sich die These bewahrheite, würfe das ein sehr schlechtes Licht auf mobile Betriebssysteme, die Apps in der Regel keinen versteckten Hintergrundzugriff auf zentrale Schnittstellen erlauben.

Die Angst, von Mobiltelefonen abgehört zu werden, ist verbreitet. Sie ist angesichts der technischen Möglichkeiten auch verständlich. Aber es hilft nichts, Bauchgefühle als Belege zu verkaufen, Thesen als Wahrheiten auszugeben.

Gerade weil Technologie vieles ermöglicht, was wir als unethisch empfinden, braucht es klare Argumente und sauberes Denken.

In der Zwischenzeit empfiehlt es sich aber, Apps im Zweifelsfall den Mikrofonzugriff in den Einstellungen zu verweigern.

[Zusatz 19. September]

Torsten schreibt auf Facebook:

Die Prämisse des Ausgangstextes ist falsch.

„It was about a product I never googled, shared, liked, or talked about on any social network even in direct messages. I had a bad intuition: the only time this product came up was in a random chat with a couple of friends in a cafe. And the only way for Instagram to know about this was to listen to my real life conversations with the microphone.“

Nein, es ist nicht die einzige Möglichkeit. Denn Werbekampagnen bei Facebook und Co haben explizit die Funktion, dass eben nicht nur Interessierte, sondern auch ihr Bekanntenkreis von Werbung angesprochen werden soll. Was jeder ständig hier auf Facebook sehen kann: An vielen Werbungen steht sogar explizit dran, wer deiner Bekannten denn ein Produkt oder eine Marke bereits geliket hat. Wenn sich der Autor also mit einem Freund unterhält, der ihm vom Produkt erzählt, hat dieser wahrscheinlich das Produkt sehr ausgiebig gegoogelt, die Produkt-Webseite besucht oder vielleicht sogar auf eine Anzeige geklickt. (Und dies ist nur eine von Hunderten Möglichkeiten.)

Zudem zeigt der Text ein erschreckendes Verständnis wissenschaftlicher Arbeit. Er hat etwas erlebt und erklärt es nachträglich zum kontrollierten Experiment.

Bildschirmfoto 2017-09-15 um 15.00.53.png

The Author

philippe-wampfler.ch

1 Kommentar

  1. Der Informationswert dieses Artikels ist nahezu null. Aus technischer Sicht wäre relativ einfach überprüfbar, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht. So oder so haben die üblichen Social Media im Schulunterricht und Lehrplan rein gar nichts zu suchen, da allesamt auf proprietären Protokollen und Datensilos beruhen. Leider fehlt es zu dieser Einsicht oft einerseits an technischem Verständnis, andererseits an Weitblick.

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