Snapchat erklärt

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Kürzlich habe ich bei Radio 24 kurz erklärt, was Snapchat ist und weshalb Jugendliche und Prominente die App verwenden (MP3 des Beitrags). Das möchte ich im Folgenden etwas ausführlicher tun. 

Social-Media-Plattformen lassen sich am besten vom Begriff der Affordances her erklären: Was machen sie einfacher, wozu laden sie ein (oder motivieren, verführen sie)? Wer sagt, Twitter sei kein sinnvolles Werkzeug, weil Nachrichten nur 140 Zeichen umfassen können, versteht das Konzept der Affordances nicht: 140 Zeichen sind gerade die Länge der Botschaften, die sich über Twitter ideal verbreiten und wahrnehmen lassen.

Snapchat ist so betrachtet ein Ersatz für die Kamera-App auf Smartphones. Wer einen Moment einfangen will, erstellt einen so genannten Snap – das kann ein Bild oder ein Video sein. Der Snap kann, so zeigen die Beispiele, mit einem Text-Banner, Freihandzeichnungen, Emojis und Filtern ergänzt und bearbeitet werden.

Snaps werden dann auf drei Arten verbreitet:

  1. Als Teil einer persönlichen Geschichte (»Meine Geschichte«) an alle Snapchat-Kontakte verbreitet – die Snaps bleiben so 24 Stunden erhalten und verschwinden dann. Auch ihre Urheberinnen oder Urheber können sie nicht mehr betrachten.
  2. Als persönliche Mitteilung verschickt – die ist dann nur wenige Sekunden sichtbar, kann aber unter Umständen mehrmals angeschaut werden (Snapchat arbeitet daran, solche Features kostenpflichtig anzubieten).
  3. Auf dem Smartphone gespeichert.
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Alle Bilder werden groß, wenn man draufklickt.

Snapchat funktioniert komplett visuell. Die Menus sind durch Wischen oder über kleine Icons erreichbar, für die Benutzung ist es aber nicht nötig, lesen zu können. Grundsätzlich gibt es drei Fenster oder Menus: Eines, um Snaps zu erstellen; eines, um persönliche Nachrichten zu verschicken und anzusehen und ein drittes, um Geschichten verwalten und lesen zu können.

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Das Hinzufügen von Kontakten funktioniert ähnlich wie bei Twitter asymmetrisch: Ich kann Usern folgen, die mir nicht folgen (und umgekehrt). Das »Adden« funktioniert ebenfalls visuell: Ein individuelles Geistsymbol bildet einen Snapcode, der es erlaubt, Kontakte ins Adressbuch aufzunehmen (wem das zu mühsam ist: Ich heiße auf Snapchat wie überall phwampfler).

Die Filter haben keine Namen, sondern werden über Wischbewegungen oder langes Drücken auf Gesichter aktiviert und an die Bilder angepasst. So gibt es Geschwindigkeitsmessanzeigen, Temperaturmessungen und Zeitangaben, die sich per Filter einblenden lassen. Und Heiligenscheine. (Versteckte Tricks werden hier beschrieben, eine Anleitung zu Bedeutung der Emojis, der Trophys und zur Verwendung der Filter findet sich hier).

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Der Appeal von Snapchat liegt in dieser stärkeren Visualisierung und im Fokus auf den spontanen Moment: Ähnlich wie bei persönlichen Gesprächen wird nichts aufgezeichnet – es sei denn, es macht sich jemand große Mühe, Snaps mitzuschneiden. Grundsätzlich ist es aber kaum üblich, Beiträge außerhalb des Programms zu bearbeiten, sie entstehen meist spontan.

Bei Geschichten verdichten sich einzelne Eindrücke zu Reportagen. So bieten Medienunternehmen eigene Snap-Kanäle an, Großveranstaltungen laden Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, ihre Sicht per Snap in die Berichterstattung zu integrieren. Das sind die Gründe, die Snapchat auch zu einem wichtigen journalistischen Werkzeug machen.

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Die eigenen Geschichten lassen sich mit knappen Statistiken einordnen und gesamthaft archivieren.

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The Author

philippe-wampfler.ch

5 Comments

  1. Anonymous says

    Hallo Philippe Wampfler,
    Ich bezweifle das du das Phänomen snapchat verstehen kannst, wenn du gerade einmal 204 Punkte hast. Bei Fragen, woraus die Beliebtheit von snapchat resultiert oder wie snapchat funktioniert, sollte man sich eher an Jugendliche halten, die snapchat täglich als Kommunikationsmittel nutzen.
    Ansonsten guter Artikel

  2. Pingback: Snapchat-Flammen – Schule und Social Media

  3. Pingback: Anleitung: Snapchat-Protokolle | Schule und Social Media

  4. Pingback: »Was bringen digitale Medien?« -> »Wie bringen digitale Medien was?«  | Schule und Social Media

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