Die WLAN-Frage

Die Frage, ob Schulen WLAN- oder WiFi-Netzwerke anbieten sollen, erstaunt mich regelmäßig: Seit über 10 Jahren arbeite ich an Schulen, bei denen das absolut selbstverständlich ist und zu keinen Diskussionen führt – einmal abgesehen von esoterisch informierten Eltern oder Lehrpersonen, die meinen, die »Wellen« würden Menschen massiven Schaden zufügen (stimmt nicht). Funktionierendes und freies WLAN an Schulen ist ein Privileg im deutschen Sprachraum. Dessen bin ich mir sehr bewusst. Im Folgenden möchte ich die für mich relevanten Argumente diskutieren, welche bei der Entscheidung einer Schule herangezogen werden sollen. Ich gehe von Schulen aus, die von Teenagern besucht werden.

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  1. Wettbewerb. 
    In vielen Ländern und an vielen Schulen stellt man sich diese Frage nicht. Mit deren Absolventinnen und Absolventen dieser Schulen arbeiten die Lernenden später zusammen und stehen auch mit ihnen in Konkurrenz. Können wir sie darauf ohne diese Infrastruktur vorbereiten?
  2. Was machen die Jugendlichen in der Pause mit dem Netzzugang? 
    Die Verfügbarkeit von WLAN ändert an dieser Frage für mich wenig. Das Netzwerk verringert die digitale Kluft: Ein Teil der Jugendlichen ist mit leistungsfähigen Geräten und unlimitierten Verträgen ans mobile Netz angeschlossen, andere sind darauf angewiesen, auch mit günstigerer Ausrüstung im Netz arbeiten und kommunizieren zu können.
    Selbstverständlich führt Netzzugang zu unschönen Verhaltensweisen, ist permanente Quelle der Ablenkung und ermöglicht enorm schnelle Kommunikation, die von Lehrpersonen nicht überwacht werden kann. Aber seien wir ehrlich: Damit kennen sich Fachleute an Schulen aus. All das gibt es mit Netz oder ohne: Das Netz weist nur darauf hin, wie gut eine Schulkultur funktioniert, weil sie dort deutlich sichtbar wird.
  3. Modernes Arbeitsumfeld.  
    Ein Arbeitsplatz ist heute mit WLAN ausgerüstet. Warum Schulen keine Arbeitsplätze darstellen sollen, ist mir ein Rätsel. Gemeinhin gibt es aber zwei Antworten auf diese Frage: Erstens der Verweis auf eine Prüfungskultur, die vernetzt nicht mehr sinnvoll ist, zweitens die Forderung, die Schule müsse ein Schonraum darstellen.
    Auf die erste Antwort reagiere ich mit dem Taschenrechnerdilemma (Warum eine Prüfungskultur beibehalten, die nicht mehr zeitgemäß ist?), die zweite halte ich für die interessantere. Eine Schonraum-Schule ist aus meiner Sicht ein interessantes Profil, wenn es konsequent umgesetzt werden kann. Dann dürften aber auch Lehrpersonen nicht noch schnell die Arbeitsblätter aus dem Netz laden, sondern müssten konsequent einem Konzept folgen, dessen Stärken gut vermittelt werden müssen – viele Gespräche, viel Arbeit von Hand, hohes Bewusstsein, starke Kultur. Breit eingesetzt führt es aber lediglich dazu, dass sich Schulen wichtigen Herausforderungen entziehen können, indem sie darauf verweisen, sie müssten die Schülerinnen und Schüler vor etwas schützen, während sie damit eigentlich nur die eigene Angst vor Veränderung meinen.

WLAN bedeutet letztlich nur, dass es einen breiteren Zugang zu Wissen gibt. Das ist für mich das relevante Argument. Wenn eine Schule einen solchen Zugang nicht anbieten will, muss sie dafür sehr gute Gründe haben. Das Geld kann man leicht von den Mediotheken nehmen, um das etwas polemisch zu formulieren. Der digitale Zugang ist für Lernende heute wichtiger als die physische Verfügbarkeit von ein paar hundert Büchern.

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