Wie Studierende mit KI Plagiat-Erkennung umgehen

Das SEO-Problem lässt sich wie folgt beschreiben:

  1. Google bestimmt mit Kriterien und Verfahren, welche Ergebnisse für eine bestimmte Suchanfrage die relevantesten sind.
  2. Anbieter*innen mit (nicht-relevanten) Angeboten gestalten diese so, dass sie den Kriterien entsprechen oder von den Verfahren bevorzugt werden und möglichst häufig als Ergebnisse ausgegeben werden. (Search Engine Optimization)
  3. Google muss Kriterien und Verfahren anpassen.
  4. Anbieter*innen passen ihre Angebote an usw.

Auf den Punkt gebracht kann ein Verfahren für eine Suchmaschine nicht einmalig festgelegt werden, sondern muss dynamisch angepasst werden – weil das Verfahren direkt beeinflusst, wie Menschen handeln.

Das SEO-Problem gibt es auch fürs Schreiben von Arbeiten an Hochschulen. Seit die Möglichkeit besteht, Texte einfach (digital) zu kopieren, sind die Verantwortlichen bestrebt, Plagiate zu erkennen. Software wie z.B. PlagScan setzt Algorithmen ein, welche Korrigierenden anzeigen, welche Passagen aus einer Haus- oder Abschlussarbeit kopiert sein könnten. Ein Ergebnis sieht dann z.B. wie folgt aus:

Studierende wissen, dass es diese Software gibt – das ist kein Geheimnis. Sie sind bestrebt, dass ihre Arbeiten diese Checks problemlos passieren und lassen daher ähnliche Tools schon vor der Abgabe über ihre Texte laufen. Dabei passiert nun etwas Zusätzliches – Studierende setzen Tools ein, die tatsächliche Plagiate so darstellen, dass sie beim Check nicht mehr wie Plagiate erscheinen. Doris Weßels, eine Expertin auf diesem Gebiet, beschreibt das wie folgt:

Softwaregestützte Werkzeuge zur Ähnlichkeitsprüfung werden vielmehr zu einem Schreib­begleiter im studentischen oder auch wissenschaftlichen Schreibprozess. Stehen thematisch passende Dokumente beim Start bereits zur Verfügung, können mit Werkzeugen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), hier dem Teilgebiet des Natural Language Processing (NLP), sehr schnell und effizient vermeintliche Unikate produziert werden, die für Außenstehende wie eigenständig angefertigte Schriftstücke wirken und von Plagiatserkennungs-Softwarelösungen in der Regel nicht enttarnt werden können. Hierzu werden KI-gestützte Werkzeuge zur Paraphrasierung, häufig als Artikel-Spinner oder auch als Rewriting-Tool bezeichnet, in Kombination mit Similarity-Checkern eingesetzt.

Weßels: KI-gestützte Textproduktion an Hochschulen

Genau wie die Verfahren von Google dazu führen, dass viel Aufwand betrieben wird, um nicht-relevante Seiten möglichst weit oben auftauchen zu lassen, betreiben Studierende viel Aufwand, um Plagiate so zu gestalten, dass sie von entsprechenden Programmen nicht erkannt werden.

Dabei verändert sich das Schreiben aber ganz grundsätzlich. Weßels beschreibt ein norwegisches Programm namens Keenious:

Nach ihrer Integration erscheint sie als Seitenleiste und zeigt für ausgewählte Textpassagen vermeintlich passende Zitate und Quellen an. In der Praxis könnte der Ein­satz dieses Werkzeugs dazu führen, dass die eigenständige Literaturrecherche entfällt und weitgehend ungeprüft die vorgeschlagenen Keenious-Quellen gewählt werden. Beim Rewriting bietet Keenious darüber hinaus die Möglichkeit, die vorhandenen Originalquellen mit wenigen Klicks zu ersetzen und damit einen höheren Plagiatsschutz zu erzielen.

Weßels: KI-gestützte Textproduktion an Hochschulen

Das sieht dann so aus:

Setzen Lehrende KI-Verfahren ein, um Plagiate zu überprüfen, bringt das Studierende dazu, ebenfalls KI-Verfahren einzusetzen, um diese Plagiatsprüfung auszuhebeln. Dabei entsteht – ähnlich wie bei Google in Bezug auf das Wissensmanagement – eine ganz neue Praxis akademischen Schreibens.

Gibt es Lösungen für diese Probleme? Schreibdidaktisch kann immer wieder der Prozess betont werden: Wenn sinnvolle Schreibprozesse etabliert werden und Texte in Prozesse eingebunden sind (z.B. auch von Menschen gelesen werden und nicht von Maschinen), dann werden solche Verfahren sinnlos. Eine Quelle in einen Text einzubetten, nur weil ein Programm das vorschlägt, bringt nichts, wenn nicht eine willkürliche Bewertung das bedingt. Einen Abschnitt zu paraphrasieren, den man von Wikipedia kopiert hat, ist nur dann notwendig, wenn man sonst eine Arbeit noch einmal einreichen muss.

(Für den Hinweis auf den Text von Weßels danke ich Lisa Schüler.)

2 Kommentare

  1. Arina sagt:

    Super spannend, danke. Ist es naiv zu glauben, dass aber auch dieses Vorgehen, wenn es zu einer guten Arbeit führen soll, sehr zeitaufwändig ist? Im Schulkontext, so wie er heute meist stattfindet, führt bei den Lernenden ja meist Zeitnot zu Plagiaten, so dass auch die Zeit für einen sorgfältigen Betrug fehlen würde.

  2. phb sagt:

    Kurz gesagt, das Ende gewissenhafter Recherche und wissenschaftlicher Arbeit! Eigenes Denken und Beurteilen gleich Null.

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