Wie verhindert man, dass Schüler*innen schlechte Inhalte aus dem Internet kopieren?

Arbeiten Schüler*innen im und mit dem Internet an Schulaufgaben, passiert oft etwas Unerwünschtes: Sie suchen nach Inhalten, finden nicht ganz passende und übernehmen sie unkritisch. Teilweise verschleiern sie danach ihre Spuren, indem sie einige Sätze umstellen.

Das Ergebnis sieht dann ungefähr so aus (»Min Vortrag« = mein Vortrag):

Als Lehrperson kann ich darauf frustriert reagieren, mich darüber beklagen, wie wenig kompetent und kritisch Schüler*innen mit Netzinhalten umgehen – oder ihnen verbieten, auf bestimmte Medien zuzugreifen.

Ich kann aber auch überlegen, was die Ursachen für das Problem sind:

  1. Die Schüler*innen haben diese Verfahren gelernt.
    Sie haben schon funktioniert – d.h. sie erwarten, dass eine Lehrperson unter Umständen gar nicht merkt, wie sie gearbeitet haben.
  2. Die Verfahren sind effizient,
    d.h. sie sind für Schüler*innen die schnellste Lösung für das anstehende Problem.
  3. Die Handlungsmöglichkeiten der Schüler*innen im Netz sind beschränkt.
    Suchen und kopieren sind Verfahren, die alle schnell können. Sich kritisch mit Texten und Quellen auseinanderzusetzen, erfordert Arbeitstechniken, über die Schüler*innen möglicherweise noch nicht verfügen.

Wenn ich nun verhindern möchte, dass Schüler*innen weiterhin so arbeiten (und etwa Texte mit DeepL übersetzen oder Copy-Paste-Strategien anwenden), dann muss ich Schüler*innen zeigen, wie andere Verfahren funktionieren und Probleme bearbeiten, zu welchen diese passen.

Es kann beispielsweise sinnvoll sein, Schüler*innen lediglich einen guten Text suchen zu lassen – und nicht von ihnen zu verlangen, ihn zu paraphrasieren. Eine Verdichtung hilft ebenfalls: Schüler*innen nur einen Satz schreiben lassen, der alles Wesentliche beinhaltet. Dafür brauchen sie Recherche, können aber kaum etwas davon direkt übernehmen.

Allgemeiner versuche ich, agile Situationen zu schaffen, in denen Schüler*innen zwar auf Netztexte und Netzwissen zurückgreifen müssen, es aber nicht einfach nur kopieren, sondern reflektieren, anpassen, nutzen müssen. Zum Beispiel, indem sie einander gegenseitig etwas erklären sollen, was sie nachgeschlagen haben.

Wichtig scheint mir aus Sicht der Lehrpersonen, nicht mit etablierten Formaten weiterzuarbeiten, die sich in einer Kultur der Digitalität gewandelt haben.

Also keine Aufsätze schreiben lassen, sondern interaktionsorientierte Netztexte. Keine Vorträge halten lassen, sondern Debatten führen.

Das ist nicht absolut gemeint, sondern als Tendenz: Sich bewusst machen, dass unsere Aufgabestellungen mit bestimmten Verhaltensweisen verbunden sind. Schüler*innen sind nicht dumm oder unfähig – sie erscheinen so aus bestimmten Perspektiven. Wenn wir den Eindruck haben, sie machten etwas falsch, müssen wir uns fragen, ob wir an unserem Unterricht etwas ändern könnten.

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